Vom Anfänger zur Mittelstufe...

Vorwort

Zwar findet sich im Web vieles über Tango Argentino, doch die meisten Webseiten hinterlassen bei mir mehr Fragen als Antworten. Was genau macht den Tanz aus, und warum ist er so schwierig zu lernen? Wenn ich damit anfange, halte ich es bis zu einem Niveau durch, mit dem ich einigermassen zufrieden bin? Somit gibt es nun ein Blog mehr: Die Memoiren des Patrick, der sich auf das Wagnis einliess, Tango zu lernen. Möge es anderen den Weg weisen, wenn ich in zehn Jahren ein berühmter Tangoguru bin...

Angefixt

Samstag, 6. Januar 2007

Eigentlich dachte ich immer, Tango kann ich auch noch lernen, wenn ich mal 40 bin. Zumindest im Vergleich zu Salsa schien mit das Durchschnittsalter beim Tango ziemlich hoch. Doch heute veranstaltete Luis (seit August 2006 mein Salsalehrer) einen Schnuppernachmittag, eine Stunde davon drehte sich auch um Tango Argentino. Er spielte die passende Musik, wir machten ein paar Laufübungen -- und plötzlich wurde mir klar, was für Freiheiten vor mir liegen: Kein fester Grundschritt, ich kann und darf nach Belieben nach vorne, seitlich, gar nach hinten starten, kann rhythmisch improvisieren, um die Frau herumzirkeln... Jedenfalls habe ich Blut geleckt. Und Luis gefragt, wie lange man als Mann braucht, bis man beim Tango so einigermassen in der guten Mittelstufe drinsteckt. Er zierte sich mit der Antwort ziemlich und gab Allgemeinplätze wie "Kommt sehr drauf an...je nach Begabung...je nach Training...", aber da hartnäckiges Nachfragen ja schliesslich mein Beruf ist, gab er irgendwann nach: "So um die zwei bis drei Jahre". Uff. Manchmal stellt man Fragen, auf die man die Antwort gar nicht so genau wissen wollte...

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Milonga zum ersten, zum zweiten...und zum dritten

Dienstag, 6. März 2007

Im Grundkurs lernen wir Laufen. Luis sagt, dass sie in Argentinien im ersten Jahr nur mal das Laufen lernen, keine Figuren. Meine Begeisterung hält sich in Grenzen, obwohl ich instinktiv spüre, dass die Methodik ihren Grund hat. Dennoch will ich an die Tanzanlässe (genannt "Milonga") düsen. Beim Salsa hab ich die Evolution vom totalen Anfänger zur Mittelstufe durchgemacht, insofern kenne ich die Dramaturgie: Alleine an Anlässen rumsitzen, zuwenig Selbstbewusstsein um Frauen zum Tanz aufzufordern, in der Summe somit auch Zweifel überhaupt an die Anlässe hinzugehen. Auch ist man für die Frauen noch nicht sonderlich interessant, weil man noch nichts kann. Ich beschliesse, diese Ängste gleich von Beginn weg anzugehen (beim Salsa hatte ich viel zu lange gewartet) und bin nun bereits an drei Milongas gewesen -- jeweils mit Salsapartnerinnen. Die Stimmung gefällt mir, die Musik nur teilweise, insbesondere diese schnellen Milongas finde ich grauenhaft. Dafür fordere ich tatsächlich todesmutig eine Tänzerin auf, und bevor ich darüber nachdenken kann, wie eng sie wohl tanzen will, sind wir Wange an Wange im Tango vertieft. Unglaublich, wieviel Vertrauen einem blutigen Anfänger entgegengebracht wird...

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Ostertango

Dienstag, 10. April 2007

Es ist immer schwer, einen genauen Anfang zu definieren. Vor allem, wenn es um Süchte geht: Meistens schlittert man ja einfach so hinein. Aber meine Tangosucht hat nun einen klaren Beginn: Ostern 2007. Eigentlich besteht das Festival vor allem aus Workshops und teuren Abendanlässen, mangels tatsächlicher Tangokentnisse bin ich einfach am Freitag, Samstag und am Sonntag mit jeweils einer Tangobegeisterten Salsapartnerin ins Restaurant Volkshaus gedüst und habe am Nachmittag dort getanzt. Die Tanzfläche ist ungefähr fünf mal fünf Meter gross und mit ca. 1.20 Meter hohen mit Gestrüpp bepflanzten "Wänden" vom Restaurant etwas abgeschirmt. Ein Teenagerpaar donnert im Tanzüberschwung mit voller Wucht in die Abschrankung, wodurch sich das Gestrüpp und viel Erde auf dem Restaurantboden verteilen. Aha, es gibt beim Tango also nicht nur Estilo Milonguero. Später komme ich an einem Tisch mit einer Tanguera ins Gespräch (eigentlich habe ich vor allem zugehört), die mir lange und deutlich erklärt, dass sie nicht mit jedem tanze. Bin nicht so sicher, wie das zu interpretieren ist und gehe dann bald nach Hause. Wäre schon schön, wenn meine Tangokenntnisse etwas fortgeschrittener wären...

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Grüsse aus Kanada

Dienstag, 17. April 2007

Kriege Post von einer Freundin aus Kanada: Sie sehnt sich zurück und lästert, dass die Kanadier miserable Salsatänzer seien. Überlege, ob letzte Woche am Ostertango eine Kanadierin mit mir getanzt hat und möglicherweise eine ähnliche Mail über Schweizer Tangotänzer an einen Bekannten in Kanada geschickt hat...

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Kursende

Samstag, 21. April 2007

Gestern war der zweite Grundkurs bei Luis zu Ende. Halbwegs kann ich nun Ochos führen, wobei meine Balance dabei miserabel bleibt. Meine Tanzpartnerin ist geduldig, doch mit fast 30 Zentimer Grössenunterschied harmoniert es nicht sonderlich stark. Ein grosses Problem sind meine Salsa-Vorkenntnisse: Ein halbes Jahr lang darauf getrimmt, die Schritte mit gebeugten Knien zu setzen, muss ich nun mit dem gestreckten Bein losgehen. Auch die genaue Art der Ballen- oder Fersenschritte ist mir unklar. Und noch vieles anderes...

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Privatstunden

Samstag, 12. Mai 2007

Muss dringend im Tango weiterkommen und konnte eine Frau zu Privatstunden bei Luis überreden. Gestern hat er uns mit vielen Basics gequält, Laufen, Ochos, Balance. Revidiere meine Prognose bis zur guten Mittelstufe von drei auf sechs Jahre...

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DJ Troubadix

Sonntag, 13. Mai 2007

Weil der Eurovision Song-Contest meist recht unterhaltsam ist, habe ich gestern Abend eine kleine Lästerparty bei mir zuhause geschmissen. Habe dabei auch kurz die Aufzeichnung vom Freitag gezeigt, in der der Schweizer Beitrag mit DJ "The shame of Helsinki" Bobo stimmlich etwas...danebenging. Zur Party kam auch eine Salsapartnerin, die mir bislang das Singen während des Tanzens strikte verboten hatte. Ich erklärte ihr kleinlaut, dass ich ihre Vorbehalte nun verstehe. Erhielt dafür ein breites Grinsen und einen dicken Kuss.

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Tanzpartnerinnen à discretion

Samstag, 19. Mai 2007

Brauche dringend mehr Übung und möchte mehr an die Mittagsmilongas gehen. Dort fühle ich mich noch etwas verloren und habe daher Anfangs Mai per Inserat Tanzpartnerinnen gesucht. Grosses Echo, jetzt bin ich eine ganze Weile beschäftigt. Teufel, wie haben wir das eigentlich gemacht, als es das grosse weite Web noch nicht gab? Hm, ja, ich weiss noch wie: Ich habe Standard&Latein aufgegeben, nachdem meine F3-Partnerin weggezogen ist...

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String-Slip

Sonntag, 27. Mai 2007

Habe soben mit einer Freundin vier Tage bei ziemlich sommerlichen Temperaturen in Prag verbracht. Einen Abend gingen wir Salsa tanzen und stellten erstaunt fest, dass ein Frauengrüppchen unter dem kurzen Rock String-Slips trug. Selbstverständlich tanzten sie Puerto-Style pur mit vielen raschen Damendrehungen. Mein Einwand, dass der direkte Tanzpartner davon optisch gar nichts habe (und die Frau das daher für die Zuschauer, nicht für den Tanzpartner tut), lässt meine Begleiterin nicht gelten -- ihre Meinung über "die Männer" (inklusive Tanzpartner) ist bereits gemacht. Nun, warten wir ab, bis sich beim Tango das Oben-ohne-Tanzen durchsetzt...

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Gelbe Überraschung

Dienstag, 19. Juni 2007

An meiner Strasse wird am Trottoir rumgebaut, nun haben sie mir direkt vor meiner Haustüre einen Fussgängerstreifen hingepinselt. Damit wird mein langer und gefahrenvoller Weg zum nächsten Einkaufszentrum (ca. 12 Meter entfernt) richtig elegant. Wenn jetzt auf der anderen Strassenseite noch Milongas stattfinden würden...

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Akrobatik

Montag, 2. Juli 2007

War am Sonntag an einem Salsa-Akrobatik-Workshop. Eigentlich alles recht harmlose Legefiguren, die aber teilweise äusserst spektakulär aussehen. Und vor allem bei der Frau extrem viel Vertrauen voraussetzen. Immerhin landete meine Tanzpartnerin während des ganzen Nachmittages nie auf dem Boden, sondern jeweils tief in meinen Armen. Habe ich nun den Milonguero-Salsastyle erfunden? "Komm ja nicht auf die Idee, sowas beim Tango einzubauen", faucht es von unten. Visionäre haben es schwer...

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Feigen

Dienstag, 31. Juli 2007

Leere gedankenlos meinen Briefkasten und finde eine Feige im Milchkästli. Da es genau eine Tanzpartnerin gibt, die nachts gerne mal heimlich auf einen Feigenbaum ganz in der Nähe meiner Wohnung steigt, schlussfolgere ich messerscharf auf die Spenderin und schreibe ihr eine kleine Dankesmail. Hab mich wirklich gefreut. Sonst werden Salsa-Aushilfen nämlich immer mit Schokolade bestochen...

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Schokolade

Mittwoch, 1. August 2007

Kleine Zusatznotiz zum gestrigen Eintrag: Grundsätzlich bin ich eigentlich gar nicht bestechlich. Aber wenn, dann bitte eher dunkle Schokolade.

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Wackelmoulinette

Samstag, 18. August 2007

Gestern mal wieder Privatstunde bei Luis: Die Balance wird langsam etwas besser, wir wagen uns schon an eine einfache Variante der Moulinette. Simpel gesagt läuft dabei die Frau um den Mann herum. Leider ist es in der Praxis nicht ganz so simpel. Muss dringend etwas gegen meine Wackelgarantie unternehmen...

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Kinnhaken

Sonntag, 19. August 2007

Als Salsa-Tänzer ist man sich so einiges gewohnt: Ellbogen in der Backe, fliegende Brillen, stürzende Frauen, doch am Samstag im Allegra gabs mal was Neues: Tanzte mit einer mir bislang unbekannten Frau, drehte sie in einen Inside-Turn und wollte sie dann nach links in eine Fallfigur stürzen lassen, dabei kam mein rechter Arm (der für die Frau in diesem Moment eine Art Garant für Sicherheit ist) etwas gar spät -- sie kriegte Panik und wollte mit ihrer rechten Hand nach meiner Schulter greifen und donnerte dabei ihre Faust in mein Kinn. Sonderlich weh hatte es eigentlich gar nicht getan, aber sie hatte für den Rest des Abends ein schlechtes Gewissen. Heiterte sie etwas auf, indem ich rummoserte, alle Welt rede über die häusliche Gewalt, doch niemand spreche von Gewalt auf der Tanzfläche...

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Gelbe Überraschung, Teil 2

Montag, 24. September

Mit fünf Deutschen Freunden eine Woche in Grindelwald gewandert und fotografiert, also eine volle Woche ohne Tango. Ja, es ist hart, aber hiermit sei bewiesen, dass man es überleben kann. Als ich zurückkomme, ist der Fussgängerstreifen vor meinem Haus wieder weggepinselt. Hoffentlich sind nicht auch alle Milongas verschwunden oder abgesagt...

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Giros

Freitag, 5. Oktober 2007

Vier Abende lang Giros, Giros, Giros und Sacadas bei Joachim und Michelle. Didaktisch fand ich den Workshop sehr gut, auch wenn man vom Lerntempo her den Stoff locker in zwei Abenden hätte unterbringen können. Positiv auch, dass meiner Einschätzung nach auch die weiblichen Teilnehmer vieles mitnehmen konnten -- wobei jetzt auch jeder männliche Teilnehmer zuhause kräftig vor-seit-hinten-seit-vor-seit um den Stuhl tanzen wird. Michelle korrigierte die Handhaltung meiner Kurspartnerin, als diese im offenen Stil auf meinem Oberarm lag: So spüre sie kaum, was ich tue, hingegen solle sie sich am Bizeps des Mannes festgreifen. Auf die Idee muss man erst mal kommen.

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Männersolidarität

Freitag, 19. Oktober 2007

Denke sehnsüchtig an die Tage zurück, an denen es noch warm war. Da gab es am Sonntag jeweils Openair-Milongas, liebevoll von Talib inszeniert. An der letzten Milonga brachte jeder etwas für das gemeinsame Buffet mit, ich schob ein bisschen gekneteten Hefeteig in den Backofen und trug somit mit einem Brot zur Verpflegung bei. Nun trieb sich an jener Milonga ein Mann herum, über den mich schon manche Frau auszufragen versucht hatte, ob er denn schwul sei. Guter Tänzer, sensibel, das übliche Klischee halt. Er entdeckte mein Brot, sprach mich an -- und schon waren wir in den wildesten Diskussionen über Elektromühlen, Backsteine und Vollkornmehl. Das Schönste: Zwei der erwähnten Frauen (deren Grübeleien sie wohl um den Schlaf bringen) standen in Hörweite und mussten fassungslos mitansehen, wie zwei Männer über das Brotbacken fachsimpelten. Sie wissen noch immer nicht, ob er schwul ist.

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Estilo Milonguero

Montag, 22. Oktober 2007

Kurzfristig beschliesse ich, bei Argentango in Zürich an einem Workshop mit Geraldine Gluzman und Fernando Lores teilzunehmen. So kurzfristig, dass meine Partnerin ein Blind Date wird, wir lernen uns im Zug kennen und verstehen uns glücklicherweise auf Anhieb sehr gut. Allerdings hat sie die Workshop-Beschreibung wohl nur überflogen, denn sie bemerkt nebenbei, dass sie bisher nur offen getanzt habe. Dennoch, nach dem Wochenende (ja, sie kam auch am Sonntag nochmals!) ist sie wohl zum Milonguero-Stil bekehrt: Ganz nah, ganz subtil, ganz feine Führung. Es fällt mir schwer, konkrete Kursinhalte wiederzugeben. Aber dank Fernandos beherzten handfesten Korrekturen weiss mein Körper (und mein gerader Rücken) jetzt, wie man sehr entspannt und mit Genuss geschlossen tanzen kann. Und mir wird klar, dass feinfühliges Folgen mindestens so anspruchsvoll wie Führen ist...

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Estilo Sequenzo

Sonntag, 28. Oktober

War gestern in Glovelier bei einem Workshop von Luis y Gabriela. Sehr persönliche Betreuung durch die Veranstalter (man wird in Delsberg am Bahnhof abgeholt!), schöner Raum, nette Leute. Und da meine Kurspartnerin erst am Morgen früh per SMS abgesagt hat, organisiert der Veranstalter sogar superkurzfristig noch eine äusserst geduldige Tanzpartnerin für mich. Luis zeigt Sequenzen vor, die sich irgendwie niemand so richtig merken und daher auch kaum nachtanzen kann. Mit Gabriela kann ich etwas mehr anfangen, sie zeigt mir Feinheiten der Führung und gibt mir Tipps fürs Gleichgewicht. Muss künftig überlegen, ob ich an Workshop überhaupt noch teilnehmen will, die nach "Wir zeigen eine neue coole Sequenz" riechen.

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Ein neuer Maestro

Dienstag, 6. November 2007

Beschliesse, dass es mit meinen Tangokenntnissen endlich weitergehen muss. Nehme auf Empfehlung einer Tanzpartnerin eine Privatstunde bei César. Erkläre ihm, dass ich in erster Linie das Führen lernen will, die Körpersprache, den richtigen Einsatz von Oberkörper und Arme. Bereue dies sogleich, da er sich den Rest der Stunde in eine Frau verwandelt, mit mir tanzt und permanent gnadenlos meine Führung korrigiert. Danach bin ich groggy. Zudem ist mir klar geworden, dass ich noch immer nicht richtig laufe. Damit hängen offenbar auch viele einer Gleichgewichtsprobleme zusammen. Also, zurück auf Feld eins. Erst die Basics, vorläufig keine neuen Sequenzen.

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Komplimente

Donnerstag, 8. November 2007

Gestern, an der Mittagsmilonga: Werde von einer bislang unbekannten Frau zum Tanz aufgefordert. Betone zwischen zwei Stücken etwas verlegen, dass ich noch Anfänger sei. Eine Tanda später: "Du führst so fein, aus Dir wird ein hervorragender Tangotänzer!". Mache sie darauf aufmerksam, dass Schmeichelei ein Straftatbestand ist. Andererseits sollte man bei Visionärinnen ein Auge zudrücken. Gehe mit erhobenem Kopf und breitem Grinsen nach Hause...

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Gleichgewicht

Sonntag, 11. November 2007

Workshop im Tanzpalast mit Eric Jorissen. Nichts weltbewegendes, aber viele nützliche Gleichgewichtsübungen, als hätte da einer instinktiv gespürt, dass das meine Schwäche ist. Bei den Paarübungen geht es um Feinheiten der Führung, wobei meine Partnerin dem Estilo Milonguero nicht sonderlich zugetan ist. Dennoch, so langsam scheint mir, ich habe mittlerweise ein bisschen das Gefühl für den Tanz. Allerdings nehmen über zehn Paare am Workshop teil, was ich bei nur einem Lehrer etwas gar viel finde.

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Ein Kulturschock

Sonntag, 2. Dezember 2007

War gestern mit ein paar Freunden an einem grossen Salsa-Fest im Zürcher Volkshaus. Ohrenbetäubende und daher nur noch knapp rhythmische Musik, eine Luftfeuchtigkeit von etwa 450 Prozent in der Bachata-Lounge, ein Gedränge wie an einem sonnigen Sonntag auf der Basler Herbstmesse und Kifferhorden wie im Sommer am Rheinbord. Ich bin wohl zu alt für sowas...

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Die Zürcher Tangoszene

Samstag, 8. Dezember 2007

Per Zufall erfahre ich von einer Tangowoche in Bergün und entdecke Inserate von Frauen, die für die Anmeldung einen Mann brauchen. Sind natürlich alle in Zürich, also bin ich gestern ins Silbando gedüst. Ab Zürich Hardbrücke einfach 15 Minuten zu Fuss quer durchs Industriequartier, der Eingang würde auch einem inoffiziellen Swingerclub gut zu Gesicht stehen. Beton halt. Lande beim ersten Tanz in den Armen einer Architektin, die sich mein Gelästere erst geduldig anhört und dann sagt, dass sie Beton ganz toll finde. Pech. Aber meine Bergün-Partnerin ist toll, mal abgesehen davon, dass sie pro Tag ungefähr 17 Workshops buchen will. "Das kannst Du schon, Du gehst ja so oft auf Milongas, da kannst Du auch an Fortgeschrittenen-Kursen teilnehmen." Worauf lasse ich mich da bloss ein? In der Practica lassen wir uns eine neue Molinette-Variante (mein Gleichgewicht versagt dabei jedesmal ziemlich) zeigen, allerdings erst, nachdem mir die Herrin des Hauses den Grundschritt nochmals eingebläut hat. Nichts gegen diesen Grundschritt, aber nachdem ich schon von zwei Tanzpartnerinnen relativ empört gefragt worden bin, ob ich denn den Grundschritt nicht kenne, reagiere ich darauf etwas allergisch. Der Grundschritt ist ein didaktisches Konzept unter vielen, nicht mehr. Glücklicherweise ist meine Bergün-Partnerin keine Grundschrittjüngerin. Dafür hängt sie am Elektrotango und ist in punkto Estilo Milonguero etwas zögerlich, weil sie mit allen tanzen wolle. Nun, man kanns auch kompliziert machen...

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The point of no return

Dienstag, 18. Dezember 2007

Jetzt sind wir für Bergün angemeldet. Eine Woche lang in einem Kurhaus nur mit Tangoleuten -- kann das gut gehen? Da mich alle ganz neugierig fragen: Ja, wir haben Einzelzimmer gebucht. Bei den meisten Frauen scheint das den Inseraten im Web nach zu urteilen ein elementarer Glaubenssatz zu sein: "Dein Tanzniveau ist mir scheissegal, aber ich will kein Doppelzimmer!!!!!". Wirklich Sorgen macht mir aber der Terminplan: Ab 14 Uhr pausenlos Workshops bis zum Abendessen, danach direkt Milonga. Und meine Tanzpartnerin will natürlich vorher ausgiebig Wandern, Skifahren, Schlitteln und Shoppen. Wann soll ich denn da noch schlafen? Ausserdem scheint es Frühstück nur bis etwa zehn Uhr zu geben, was meiner Meinung nach ein Verstoss gegen die Europäische Menschenrechtscharta sowie die Genfer Konvention ist. Ausserdem glaub ich nicht, dass die alten Milongueros in Buenos Aires schon um neun Uhr aufstehen. Aber auf mich hört ja keiner...

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Weihnachtsmarathon

Mittwoch, 26. Dezember 2007

Die Mittagsmilonga wurde heute zur Nachmittagsmilonga verlängert. Etwa um 12.30 Uhr war ich dort und dachte eigentlich, mehr als ein Stündchen werde ich kaum bleiben, da ich kaum jemanden dort kannte. Falsch gedacht. Ging kurz vor 18 Uhr nach Hause, weil mir vor lauter Tanzen die Füsse fast abgefallen sind. Schmerz kann auch schön sein!

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Geschichten von Piazolla

Sonntag, 30. Dezember 2007

War gestern im Union zu "Tangogeschichten": Ein schönes Konzert, gespickt mit spitzzüngigen Lesungen. "Jetzt habe ich mein schönstes Kleid angezogen, und kein Mann hat mich zum Tanz aufgefordert", klagt eine Frau in der Geschichte. Die Entgegnung einer Trösterin: "Du hast etwas noch nicht verstanden: Die Funktionsweise des männlichen Gehirnes". Grosses Gelächter und Applaus. "Hast Du zu den Typen denn wenigstens mal ansatzweise Blickkontakt aufgenommen?", würde ich am liebsten auf die Bühne rufen. Aber ich grummle nur still vor mich in. Auch Piazolla ist also ein Frauenversteher. Wurde von der schönen Milonga danach prompt aus meinem Grummeln herausgerissen. Geriet wieder ins Grummeln, als ich einen Korb eingefangen habe. Ja, sie wollte halt mit dem anderen Kerl tanzen, der gleich hinter mir heranschwebte -- und der tanzt deutlich besser. Aber es wäre dennoch eine nette Geste gewesen, wäre sie später mit den Worten "Jetzt gerne!" zu mir gekommen. Kam sie leider nicht. Plauderte noch mit einem anderen Mann und erzählte, dass bei Salsa die Umgangsformen eigentlich viel heftiger seien: Dort sind drei Körbe an einem einzigen Abend keine Seltenheit. "Machst Du Witze? Ich kriege auch an einer einzigen Milonga drei Körbe!", entgegnet er. Wagte ihm nicht zusagen, dass dies seit Januar und damit in meiner Tangokarriere überhaupt meiner erster Korb war...

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Silvester vor dem Fernseher

Montag, 31. Dezember 2007

Habe noch gegrübelt, an welche Milonga ich zum Jahreswechsel gehen soll. Tanzpalast wäre vor der Haustüre, doch auch im Zürcher Silbando hätte ich Leute gekannt. Doch zur Mittagszeit ist mein Kopf schwer wie ein Stein, meine Nase läuft, ich werde den Jahreswechsel zwischen Bett und Fernseher verbringen. Schnief. Allen Lesern ein Gutes Neues Jahr, hoffentlich konntet Ihr mehr feiern als ich...

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Hier geht es weiter zu den archivierten Beiträgen des Jahres 2008, hier zum Inhaltsverzeichnis und hier zu den aktuellen Beiträgen im Tangoblog.