Vom Anfänger zur Mittelstufe...

Den Anfang verpasst? Hier geht es zu den Anfängen im Jahr 2007, hier zum Jahr 2008.

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Panettone, Silencio und Kleiderkosten.

Donnerstag, 1. Januar 2009

So eine Silvesterparty im Tanzpalast hat etwas gemütliches: Fühlt man sich zappelig, so tanzt man ein paar Runden, wird das Geschubse auf der Tanzfläche zu gross, stürzt man sich aufs Buffet, und wird man mit vollgefressenem Magen so langsam träge, dann geht man einfach nach Hause ins Bett. Für das eigentliche Buffet waren wir allerdings schon um 22 Uhr etwas gar spät dran, so habe ich gegen drei Uhr morgens beim Panettone dann halt kräftig zugelangt. Silencio hat anspruchsvolle Stücke gespielt, wobei sie vielleicht den rhythmisch kompliziertesten Titel nicht unbedingt zu Beginn ihres Live-Auftrittes hätten spielen müssen: Der Tanzfluss war ähnlich bockig wie ein Esel mit zusammengebundenen Vorderbeinen. Oder war das Tanzpaar schuld, das auf der Aussenspur minutenlang "Volcadas an Ort und Stelle" übte? Egal, der Panettone bot immer eine sichere Zuflucht. Ausserdem: An anderen Silvesterparties gab es wie immer pöbelnde Betrunkene und natürlich auch Schlägereien. Da ist das Tangovolk ja vergleichsweise brav.

Manche Paare mögen sich vor der Silvesterparty auch über die Damengarderobe und deren Preise gestritten haben, die üblichen Schuhkäufe mancher Tangueras schlagen ja kräftig zu Buche. In Argentinien wirft das übrigens derzeit in den Medien höhere Wellen als die Finanzkrise: Zumindest wie die BBC gestern meldete, gibt die 55-jährige Argentinische Staatspräsidentin Cristina Fernández de Kirchner jährlich 350'000 US-Dollar für Kleider, Schuhe und Accessoires aus. Ob in diesem Betrag auch schon ihre vergangenen fünf Schönheitsoperationen irgendwie eingerechnet sind, schreibt die BBC nicht. Kirchners Kommentar zum Vorwurf, sie betreibe einen verschwenderischen Lebensstil: "Staatspräsidentin zu sein bedeutet doch nicht, wie eine Bettlerin herumzulaufen". Jepp. Aber tanzt die Frau eigentlich Tango? Das kostet nicht so viel und hält auch jung...

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Missionar statt Guru?

Sonntag, 4. Januar 2009

Habe heute im Tanzpalast unter anderem mit einer Frau getanzt, mit der ich schon seit vergangenem Frühling keine Runde mehr auf dem Parkett gedreht habe. "Du hast Dich um Welten verbessert und führst viel feiner!", fand sie. Ha! Noch acht Jahre bis zum Guru...

Obwohl, vielleicht wäre die Rolle des Missionars viel interessanter, da kann man während der ganzen Milonga missionierend auf die Frau einreden. So ganz zufällig hab ich neulich das dazu passende Partnerinserat eines Mannes im Netz gefunden:

Tanguero, mit mehreren Jahren Tango-Erfahrung, sucht zwecks Aufbau einer Tango-Tanz-Partnerschaft, eine schlanke, bewegliche und tanzfreudige Dame/ Anfängerin ... Ich kann einer Tanguera einen erfolgreichen und begeisternden Kursbesuch bieten.

Äh, ja. Die wird sich bestimmt freuen. Nicht minder klischeehaft benimmt sich allerdings die Frau, die neulich folgendes Tango-Suchinserat aufgegeben hat:

Wo sind eigentlich all die Latinos?

Weiss ich auch nicht. Vielleicht hier?

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Ungepflegte Feindschaften.

Donnerstag, 8. Januar 2009

Da stolpere ich doch im Tanzpalast aus der Salsa-Practica und entdecke beim Ausgang Werbung für einen Chacarera-Workshop am Wochenende. Location: Clarahofweg. Ähm, wie? Ja, tatsächlich: Im Tanzpalast hängt ein Werbeplakat für eine Veranstaltung der Tangoschule Basel. Propaganda für den Feind, sozusagen. Da fällt mir ein, dass ich in der Basel Süd-Sonntagsmilonga auch einen Lehrer der Basel Nord-Schule habe herumtanzen sehen. Spionage? Verschwörung? Oder einfach ein Zeichen einer leichten Entspannung der Lage? Offenbar werden gewisse Feindschaften nicht mehr so richtig gepflegt wie früher...

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Kalter Sand, warmer Vollmond, fernes Ostern.

Samstag, 10. Januar 2009

Seit mir eine Frau vom Sitges-Festival berichtete träume ich vom Barfusstanzen im Sand. Bei derzeit etwa minus drei Grad Aussentemperaturen in Basel nicht ganz passend, aber seit heute ist ja die Zwischennutzung der alten Markthalle offen: Indoor-Barbetrieb, geheizt auf 20 Grad, dazu Sitzgelegenheiten, Sandstrand und Swimmingpool. Vergeblich suchte ich in meinem Keller zuerst nach Eimerchen und Schäufelchen, doch die Hinterlassenschaften früherer Ferien in Mallorca schienen meinen letzten Umzug nicht überstanden zu haben. Also mit leeren Händen los zur Markthalle, um zu schauen, ob sich der künstliche Sangriabeach für eine Strandmilonga eignet.

Sowohl für den Eingang wie auch für den Ausgang gibt es je einen eigenen Türsteher - das kostet vermutlich weniger als der Wärme- und Energieverlust, wenn die Türen mal zu lange offenstünden. Die Temperatur liegt etwa bei 16 Grad, jedenfalls behalte ich meine Jacke an. Einen knapp 80 Jahre alten Kuppelbau mit 60 Metern Durchmesser und 27 Metern Höhe in dieser Jahreszeit auf Sommertemperaturen bringen zu wollen ist natürlich grober Schwachsinn, aber vermutlich noch immer klimafreundlicher als ein Flug nach Argentinien. Indes: Der harte Quarzsand eignet sich offenkundig nicht zum Burgenbauen (jetzt hab ich das Problem beim Gotthard-Basistunnel mit der Piora-Mulde endlich verstanden), der Swimmingpool ist eiskalt, das Licht düster, die Luft müffelt nach einer Mischung aus Weihrauch und anderem Rauch, Platz zum Tanzen gibt es auf dem provisorisch verlegten Holzboden leider nirgends. Aus der Traum: Zu kalt, zu ungemütlich.

Beim Vollmondtango später im Volkshaus war es auch nicht viel wärmer, so habe ich mich halt warmgetanzt. Trotz Männerüberschuss kam ich ganz gut zu Tänzen, allerdings hatte ich noch eine kräftige Verspannung im Rücken und hielt mich tänzerisch ziemlich zurück. Das war gar nicht so schwierig, weil der DJ (abgesehen von einer fetzigen Milonga-Tanda) ziemlich eintönige Musik spielte: Der erste Vals des Abends erklang um 23.30 Uhr...

übrigens sind die Anmeldungen für die Workshops beim Ostertango freigeschaltet, selbst bei den Supergurus sind noch Plätze frei. Die Abendveranstaltungen müssen beim Volkshaus bestellt werden, deren Webdesigner hat allerdings die Eingangsseite mit Flash zugekleistert, Leute wie ich ohne Plugin kommen dort gar nicht zum Inhalt...

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Vielfalt und Gebühren.

Sonntag, 18. Januar 2009

Recht spät war ich erst im Tanzpalast, erschreckend hoher Männerüberschuss, und dennoch habe ich mit sechs verschiedenen Frauen getanzt, mit zwei davon zum ersten Mal. Und viel geplaudert. Daher war ich so beschäftigt, dass ich fast vergessen hätte, etwas von der Minischokolade zu naschen. Verrückte Zeiten.

Nach einem Gespräch über Urheberrechtsgebühren habe ich mal den detaillierten Tarif der Verwertungsgesellschaft Suisa angeschaut. Pro Milonga bezahlt der Veranstalter nämlich fünf Prozent der Nettoeinnahmen, mindestens aber 50 Franken. Muss die mal anschreiben und ganz naiv fragen, ob die Summen der angemeldeten Milongas denn auch tatsächlich zur Hauptsache nach Argentinien fliessen...

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Bremsende Löcher...

Samstag, 24. Januar 2009

Ich muss gestehen: Der Musikmix von Sopee gefällt mir so gut, dass ich am Samstag die Milonga im Totentanz richtig genossen habe. Dennoch, mit dem Raum werde ich wohl nie warm werden. Zu düster, zu sehr tanzflussbehindernde Ecken. Könnte die DJane nicht künftig mal im Tanzpalast auflegen?

Immerhin weiss ich jetzt, warum soviele Leute beim Tanzen auf den Boden schauen: Offenbar suchen sie die Löcher und umtanzen sie, bevor die Tanzpartnerin mit den hohen Absatzen irgendwo stecken bleibt...

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Colgadas, Demenzvorsorge und die Allwissenheit

Mittwoch, 28. Januar 2009

Kurs bei Romeo und Cécile: Hüfte absenken, Gewicht nach hinten verlagern, Partner gut festhalten und in den Schultern dennoch locker bleiben: Drehungen heissen dann Colgadas. Funktionieren tut es noch überhaupt nicht, aber so langsam habe ich eine Idee davon, wie es gehen könnte. Am Timing wird noch gearbeitet...

Ausserdem berichtet Bild der Wissenschaft, dass Tango gegen Altersdemenz hilft. Hm. Also ich hab die meisten Figuren nach einer Woche wieder vergessen. Tango scheint dafür das Selbstbewusstsein zu stärken. Anders kann ich mir den neuen Flyer für die Sonntagspractica mit Adila im Tanzpalast nicht erklären:

"Ádila weiss und kann alles!"

Fehlt nur noch der Flyer, auf dem "Yes, you can!" draufsteht...

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Dunkle Rempeleien in Lutry

Freitag, 30. Januar 2009

Rund zwei Stunden dauert die Fahrt an den Genfersee, und in Lutry bei Lausanne war der Empfang herzlich: Einmal im Monat findet hier die Milonga Café Dominquez statt. Der obere Stock hat eine ähnliche Grösse und dieselben Proportionen wie der Raum im Basler Totentanz, allerdings mit schicker Bühne dazu. Es war ähnlich dunkel, und der Vermieter hatte den Deckenradiator zuvor auf die Stufe "Sauna" gestellt: Definitiv 30 Grad, keine Sicht und eine unglaubliche Rempelei....ich hab sicher die Hälfte des Abends bloss zugesehen. Das war schade, denn der Musikmix war eigentlich schön und sehr abwechslungsreich.

Witzig: Cortinas werden ausgespielt, bis die Tanzfläche leer ist, aber Cabeceo... völlige Fehlanzeige. Gut, dazu hätte man wohl auch eine Taschenlampe mitbringen müssen. Während einer kleinen Tombola (Diverse CDs sowie Kalender, leider ging ich leer aus) begrüsste die Veranstalterin die Fernangereisten: Es waren offenbar auch Leute aus Besancon und Sion dort. Eigentlich eine hübsche Milonga, nur mag ichs einfach nicht so rempelig...

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Erste Colgadaerlebnisse plus Volgadaerkenntnisse

Mittwoch, 4. Februar 2009

Mittwochskurs bei Romeo und Cécile: Die Drehungen à la Colgada proben wir erneut kräftig, und so langsam gibt es erste Erfolgserlebnisse. Ein klassischer Fall von Zentripetalkraft. Aber es braucht Balance, gutes Timing und einiges an Vertrauen in den Tanzpartner. Für das Vertrauen gab es auch ein kleines Spiel, bei dem man sich jeweils vertrauensvoll nach hinten und vorne fallen lassen musste. Jetzt weiss ich endlich, wie sich eine Frau bei einer Volgada fühlt, wenn der Mann nicht sicher steht...

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Tangotouristen dürfen vielleicht bald auf bargeldlose Busse hoffen

Freitag, 6. Februar 2009

Kleingeld ist in Argentinien so knapp, dass ein regelrechter Schwarzhandel blüht: Die Busfahrer aktzeptieren nur Münzen, horten und verkaufen sie weiter, so dass man dann bei dubiosen Gestalten Geldsäcke mit Münzen kaufen kann, selbstverständlich mit einem Aufschlag von 20 bis 30 Prozenten des Nennwertes. Die Zentralbank hat zwar schon längst zusätzliche Münzen geprägt, doch vermutlich hortet das organisierte Verbrechen einfach entsprechend mehr Münzen, um sich das Geschäft nicht kaputt machen zu lassen.

Zumindest für Bus und Metro soll das Problem jetzt gelöst werden: Staatspräsidentin Cristina Kirchner hat angekündigt, dass schon in drei Monaten der öffentliche Nahverkehr mit Geldkarten funktionieren soll. Damit würde das verzweifelte Suchen nach Centavos und Pesos natürlich überflüssig. Dazu müssen allerdings erst tausende von Kartenlesegeräten in den Bussen und Metrostationen installiert werden, und die Opposition hat leise Zweifel am Zeitplan angekündigt...

Also, wer im argentinischen Winter (sprich: unseren Sommerferien) nach Buenos Aires will, der sollte besser vorher genügend Münzen zusammenklauben. Teilweise werden Münzsammlungen ja sogar bei Ebay vertickt...

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Fleisch statt Gefühl

Montag, 16. Februar 2009

Wie lockt man Leute in ein Tango-Musical? Genau, mit viel nacktem Fleisch. Dass es sich nicht lohnt und das Ganze eigentlich kein Musical ist, hatte ich ja hier schon vor längerer Zeit kritisiert. Nun tourt die Gruppe durch Deutschland, und es wird sich zeigen, ob eine nackte Dame auf dem Plakat die Häuser füllt. Oder ob die Leute hinterher das Geld zurückwollen, weil es nichts Erotisches zu sehen gab.

Nackter Tango scheint auch in Stuttgart ein Thema zu sein, wobei mir nicht so recht klar ist, ob das eher ein Swingerclub-Abend mit Tangomusik oder eine freizügige Milonga ist. Immerhin lernen wir auf der Seite, dass der Tango dem "Freier-Hure-Spiel" entspringe. Ahja. Die Frauen dürfen sich ja dort sichtlich austoben, aber ich würde mich in einem Smoking jedenfalls so oder so falsch gekleidet fühlen. Tröstlich dafür: Vermutlich gibt es nun auch ausserhalb von Basel mal einen Abend mit Männerüberschuss...

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Gustavo ist gefragt..

Mittwoch, 18. Februar 2009

Wenn man sich den Anmeldestand bei den Ostertango-Workshops anschaut, fällt auf, dass bislang neun Kurse ausgebucht sind: Zufälligerweise genau die Kurse von Gustavo Naveira. Lästerer behaupten, es handle sich dabei faktisch um einen seltenen Papstbesuch -- und da müsse man ja fast dabeisein. Lassen wir uns überraschen...

Ansonsten kämpfte ich heute im Kurs erneut mit Colcada-Varianten. Lehne ich mich zu weit nach hinten, reisse ich die Partnerin in den Abgrund. Lehne ich mich zuwenig weit nach hinten, reisst sie mich in den Abgrund. Stimmt die Balance und der Schwung mal ausnahmsweise, steht garantiert ein anderes Paar im Weg. Nur: Ich hab bei Chico Frumboli schon gesehen, dass Colcadas auch in Zeitlupe funktionieren können, also will ich das auch können.

Cécile meinte, ich tanze zuwenig geerdet. Meiner Meinung nach ist das reichlich beschönigend ausgedrückt, Fakt ist, dass ich unsicher stehe und meine Balance daher einfach unter aller Sau ist. Andererseits erinnere ich mich schwach, dass ich vor rund zwei Jahren schon bei einem simplen Stop während eines Ochos jeweils die Balance verlor, inzwischen funktionieren hingegen sogar die meisten Rückwärtssacadas ohne allzuviel Gewackel. Also Geduld. Noch acht Jahre bis zum Guru...

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Wie traditionell ist Nuevo?

Samstag, 21. Februar 2009

Gestern feierte ja Plan-t seinen einjährigen Geburtstag: Nachträglich Herzlichen Glückwunsch! An der Feier war ich nicht, doch auf deren Homepage (kleiner Einwurf: Wer sich erst registrieren muss, bevor er sich anmelden kann, geht wohl lieber woanders hin) entdecke ich, dass es inzwischen eine "Plattform zur Förderung des Tango Nuevo im Raume Basel" ist.

Daran gedacht habe ich eigentlich nur, weil heute beim Vollmondtango jemand in einem Plan-t-T-shirt (was für eine Wortzusammensetzung) herumgetanzt ist. Nur: Was bedeutet "Tango Nuevo" alles? Zufällig hat Pablo Verón im Dezember ein Interview zu diesem Thema gegeben (nebst spanisch ist es dort auch auf englisch übersetzt zu finden), und als Choreograph von Tango Lesson sowie Befürworter von informellen Milongas ist er definitiv nicht der Fundamentalisten-Ecke zuzuordnen.

Wo war ich? Ah, ja, beim Vollmond-Tango. Vermutlich ferienhalber war es erstaunlich leer, und durch die fehlenden Tische auf der hinteren Seite des Saales war diesmal die Tanzfläche luxuriös geräumig. Gefreut hat mich auch, dass in der Modern-Tanda zu später Stunde ausschliesslich sehr feine und melodiöse Stücke ohne Billigdrums gespielt wurden. Es müssen also nicht zwingend immer knisternde Stücke aus den 20er Jahren sein...

Romeo hatte nach Mitternacht offenbar auch Geburtstag. Eine Polonaise mit 39 Frauen ist sichtlich Schwerstarbeit, ich hoffe, niemand verrät je einem Milongaveranstalter mein Geburtsdatum. Dafür haben mich mehrere Leute gefragt, wie alt Romeo denn nun geworden ist. Himmel. Welche Frau will schon das Alter wissen, wenn ein Mann so gut tanzen kann?

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Die Fasnachtsvorwehen und Musikvermischungen

Sonntag, 1. März 2009

Eigentlich ist die Tradition ja schön: Da der Morgenstraich am Montag um vier Uhr in der Früh die Basler Fasnacht einläutet, dauert die Sonntagsmilonga quasi als Zwischenzeitvertreib ausnahmsweise bis drei Uhr. Dennoch machte ich bereits um halb zwei Uhr schlapp und wankte ins Bett, nach knapp fünf Stunden intensivem Tanz. Hm. Ich glaub, so langsam werd ich alt...

Auffallend: Gute DJs können offenbar auch gute Tänzer anziehen (nein, ich spreche nicht von mir), und das ist eine erfreuliche Entwicklung. Noch am Sonntag vor einer Woche lief der Eipod(tm) des Chefs auf Shuffle, der Musikmix war dann auch entsprechend so, wie wenn Stevie Wonder wild auf den Tasten einer Musikwunschbox herumgedrückt hätte. Eine grobe Tandastruktur ist eben nicht nur was für Dogmatiker: Auch ich schätze es, wenn ich beim Auffordern einer mir unbekannten Frau sicher sein kann, dass das nächste Stück keine 160bpm-Rennmilonga ist. Diesen Sonntag war das deutlich angenehmer.

Witzigerweise hat ein Paar am Sonntag perfekt auf den letzten Takt einer spannungsgeladenen Tanda für einen ziemlichen Klirrfaktor gesorgt, da stand wohl bei der dramatischen Schlusspose ein Tisch (und ein paar Gläser) im Weg. Bei allem Gelästere über Tango Nuevo-Akrobaten muss ich zugeben, dass das Paar im Milonguero-Stil getanzt hat. Tja. Wenn da halt ohne Vorwarnung plötzlich ein Tisch aus dem totem Winkel erscheint...

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Überschüsse und Prognosen

Mittwoch, 4. März 2009

Es fällt mir schwer, dennoch muss ich es zugestehen: Letzte Woche und heute herrschte an der Mittagsmilonga im Clarahof eindeutig Frauenüberschuss. Liegt aber bestimmt auch an den Ferien. Wenn jetzt also nächste Woche zehn Männer die Milonga stürmen und dann Däumchen drehen müssen...tja, das ist halt Kybernetik.

Wollte dann abends mal wieder den Tanzpalast besuchen und sah unterwegs durch die Fenster einer Kneipe einen Fernseher: Fussball. Oh. Fussball bedeutet ja, dass die Frauen denken, dass die Männer vor dem Fernseher sitzen und daher ebenfalls zuhause bleiben. Hab ich während der Europameisterschaft 2008 gelernt. Tatsächlich war der Männerüberschuss gross, dennoch kam ich mit etwas Überzeugungskraft noch zu schönen Tänzen. Erfreulich auch, dass sich die einstige Teenager-Practica auf dem Weg zur Mittwochabend-Milonga ein paar Meter bewegt zu haben scheint: Der Anteil der Ödmusik(tm) ist deutlich geringer als früher...

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Wein, Tanzpartnerin und Gesang

Sonntag, 8. März 2009

Livemusik bedeutet ja meistens, dass irgendwelche Piazolla-Freaks wilde Werke mit 9/5-Takt spielen und das ganze eher mit Kunst als mit Genuss zu tun hat. Im Tanzpalast spielten heute La Strapata zu viert mit Flügel, Bandoneon, Geige und Gitarre live, und erfreulicherweise war das mal anders. Faktisch ein Streifzug durch das Best-of der Tangowelt: Rhythmische Milongas, fliessende Vals und feinfühlige (wie auch dramatische) Tangos. Kurz und knapp: Perfekt tanzbar. Bei langsameren Livestücken mit ryhthmischen Wechseln drin gab es zwar immer etwas Chaos auf der Tanzfläche, aber glücklicherweise war es nicht sooo voll.

Angeblich erkennt man einen guten Tangotänzer daran, dass er chilenischen Rotwein von argentinischem Rotwein unterscheiden kann. Da muss ich als Nicht-Weintrinker leider passen, aber wer sowas mag, kann sich vielleicht freuen: Die Ausfuhrzölle für Argentinischen Wein sollen halbiert werden, zumindest für Winzerbetriebe unter 20 Hektaren. Vielleicht hilfts ja beim Tanzen.

Ob es der argentinischen Wirtschaft kräftig hilft, muss man abwarten. Die Steuern auf Agrarexporte sind seit Jahren ein heisses Thema zwischen den Grossgrundbesitzern und der Regierung, und inzwischen erwägt man gar, den Export von Weizen, Ölsaaten und Rindfleisch zu verstaatlichen. Und laut der BBC brachten in den letzten Monaten ausserordentlich viele Argentinier ihre Ersparnisse mit der Fähre nach Uruguay, um sie dort auf einem US-Dollarkonto anzulegen. Bei Inflationsraten von über 20 Prozent und schlechten Erfahrungen mit argentinischen Banken bei der letzten Krise vor ein paar Jahren irgendwie verständlich. Kaum auszudenken, was passieren würde, wenn auch noch der Tangotourismus zusammenbricht...

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Das Kreuz, die Sucht und die Garderobe

Mittwoch, 11. März 2009

Diverse Diagnoselisten zur Tangosucht kursieren ja schon lange im Netz herum, gestern hat Cassiel ein paar Varianten davon aufgewärmt. Und mit einem niederträchtigen Seitenhieb auf mich gemeint, das Führen eines Tangoblogs an sich sei selbstverständlich bereits ein pathologisches Zeichen. Pah. Wäre ich tangosüchtig, käme ich doch gar nicht mehr zum Bloggen. Oder fast nicht mehr...

In einem älteren Beitrag hatte Cassiel sich über die uneleganten Kleidungsgewohnheiten mancher Tangueros mockiert, eine Frau hatte daraufhin in einem Kommentar die Garderobe mancher Tangueras kritisiert. Find ich ziemlich amüsant, zumal der Markt zwar nicht alles regelt, aber sowas eben schon. Ungepflegte Männer habe ich auch schon registriert, nur ist das ungefähr das Zweitletzte, was mich an einer Milonga beschäftigt (der letzte Punkt ist das Weinangebot). Unzüchtige Gedanken sind angeblich auch was Schlimmes. Ich bin schockiert. Die Frauen, die mit mir tanzen, denken vermutlich die ganze Zeit über daran, was sie am nächsten Tag einkaufen müssen...

Dennoch Cassiel, willkommen in der Welt der Tangoblogger. Und immer daran denken, jeden Tag einen neuen Beitrag :)

Heute im Kurs ging es übrigens um das Kreuz: Endlich habe ich eine Ahnung davon, wie ich die Frau auch völlig geschlossen ins Kreuz führen...oder besser gesagt ins Kreuz drehen kann, und zwar ohne mit den Armen auch nur zu zupfen. Gibt mir ein bisschen mehr Figurenvielfalt in der geschlossenen Umarmung. Aber bitte keine Mails deswegen, ich kann definitiv nicht erklären, _wie_ es genau funktioniert. In acht Jahren bin ich Guru, dann werde ich eine kostenpflichtige Hotline einrichten...

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Aberglaube und Tangogeschichten

Freitag, 13. März 2009

Der Totentanz ist meine persönliche Pechmilonga: Der Raum gefällt mir zum Tanzen nicht sonderlich, und bisher hatte ich dort meistens ziemliches Pech wegen des Männerüberschusses. Nun war heute Freitag der 13. und ich dachte mir "jetzt erst recht!" Natürlich war in der Tat Männerüberschuss, lustigerweise kam ich dann dennoch zu ganz vielen schönen Tänzen und bin erst bei Betriebsschluss gegangen. Vielleicht hebe ich daher demnächst die Exkommunikation der dortigen Betreiber auf. Wobei der Musikmix noch stark verbesserungswürdig ist...

Heute Nachmittag hat Radio DRS 1 das Buch "Der Argentinier" von Klaus Merz kurz besprochen. Es geht dabei um einen Mann, der die Schweiz verlässt, in der Pampa von Argentinien seine Gaucho-Pläne wegen des Heuschnupfens begraben muss, so in Buenos Aires landet und natürlich zum Tanguero wird. Aber seiner Ehefrau in der Schweiz hatte er eigentlich die Treue versprochen, und nach zwei Jahren kehrt er zurück...

Wer das Buch hat, möge mir doch bitte mailen, ob es auch für Tangotänzer interessant und spannend zu lesen ist oder ob es nur aus den üblichen Klischees besteht.

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Östlich der Ostschweiz und der alte Zopf der Tanzverbote

Samstag, 14. März 2009

Wenn man als Basler noch weiter östlich als die Ostschweiz reist, dann gelangt man nach Wattwil. Dort gab es eine familiäre Untergrundmilonga, als Tanzraum diente ein geräumiger Handwerksbetrieb. Der Tanzfluss kreiste somit um die Werkbank herum, die gleichzeitig als Buffet für Süsses diente (jetzt weiss ich endlich, wo mein gelegentlicher Drang zur Mitte herkommt). Auf der Hinterseite des Raumes war zwischen Werkbank und Wand noch ähnlich viel Platz wie im Tanzpalast-Garderobenschlauch. Da irgendwie alle ziemlich rasch durch dieses Nadelöhr hindurchtanzen wollten, wirkte sich das eigentlich ganz gut auf den Tanzfluss aus. Nur so ein paar gefährliche hervorstehenden Teile...äh, bei der Tour de Suisse hätte man die wohl mit Heuballen entschärft.

Durch das beachtliche Buffet wurde ich mit der Zeit etwas träge, und das schien auch anderen Anwesenden ähnlich zu gehen. Ich frage mich immer, wie das in Argentinien ist, wo doch die meisten Tänzer zur Milonga noch halbe Rinder verspeisen. Die Musik war aussergewöhnlich gut -- doch leider fehlte jede Tandastruktur, was dann mit der Zeit doch etwas anstrengend war. Dennoch viele schöne Tänze, und am nächsten Morgen entschädigte auch der Blick auf die Churfirsten für die weite Anreise.

Letzte Woche hat übrigens der Luzerner Kantonsrat mit überwältigenden 51 gegen 50 Stimmen eine Motion überwiesen, die die Streichung des geltenden Tanzverbotes an Ostern und Weihnachten fordert. Auch im Kanton Baselland sind derzeit an hohen Feiertagen öffentliches Tanzen, Kegeln und Preisjassen noch verboten. Allerdings bleibt als Hintertüre das erlaubte Aufführen von "Musikwerken mit ernstem Character". Hm. Wer in Liestal den Basler Ostertango konkurrenzieren will, sollte also besser keine Milongas spielen. Und das Kegelverbot...gilt das auch für Gläserklirr-Voleos? In Deutschland sind Tanzverbote übrigens auch noch immer ein Thema, wie die Übersicht von Wikipedia zeigt.

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Missionare auf der Tanzfläche und das vermeintliche Ende

Sonntag, 15. März 2009

Es ist mir wirklich ein Rätsel: Da drückt, hebelt und nötigt ein Kerl den halben Abend lang diverse Frauen kreuz und quer über die Tanzfläche, dass einem schon vom Zuschauen fast übel wird, dennoch wird er von seinen Opfern noch kräftig angehimmelt. Und eines der Opfer missionierte hinterher noch einen Anfäger auf der Piste. Ist also ansteckend. Regelt der Markt doch nicht alles? Das war übrigens deshalb so schön zu beobachten, weil nie mehr als zehn Paare gleichzeitig auf der Piste waren, offenbar zieht die monatliche Milonga im Merian inzwischen gewaltig Tanzvolk an.

Zu vielen schönen Tänzen kam ich dennoch, auch wenn ich den DJ verdächtige, dass er jeweils husch husch auf Stücke mit reingeschnittenen zusätzlichen Strophen wechselt, wenn er sieht, dass ich zu einer Schlusspose ansetze. Ist mir immer fürchterlich peinlich, wenn ich das dramatische Liedende mit einer tänzerischen Superexpression(tm) inszenieren will und dann mit einer kichernden Tanguera da stehe, während um uns herum alle weiter wirbeln. Statt "Pimp my Tango" oder "Expressionadas für Wackelige" hätte ich gerne mal einen Workshop mit dem Titel "Liedschlusserahnung für Vals-Dummies". Auch nicht schlecht wäre ein gutes Buch mit Tango-Kompositionsgrundlagen. Ich hab noch immer nicht begriffen, wann es am Ende nur "plum" und wann es "plum pling" macht...

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Der Qualm und der Frust

Montag, 16. März 2009

Irgendwann muss man ja mal einen schlechten Tag haben, oder? Mit viel Lust auf Tango bin ich ins Les Garecons gegangen, und es war ein völliger Reinfall. Rauchmief im Saal, Paarmief in den Kissen und auf der Tanzfläche, ein anstrengender Musikmix mit den üblichen Öd-Elektrotangos und als ich endlich zu ein paar Tänzen komme, da funktioniert überhaupt nichts, noch nichtmal ein simples Cruzado. Tangofrust...

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Wenn Feinheiten doch funktionieren

Mittwoch, 18. März 2009

Kurs bei Cécile und Romeo: Feine Übungen mit Ochos milongueros (Das sind die Ochos, die bei beschränktem Platzangebot nicht als Strassensperren wirken), und zu meiner Erbauung klappte es auch beim Partnerwechsel mit allen drei Frauen auf Anhieb, und sie liessen sich auch ganz fein führen. Puuuh. Die Welt ist also wieder gerettet, zumindest ein bisschen kann ich offenbar doch tanzen. Nur die Kombination mit einem Ocho cortado (eigentlich ein doofer Name für ein simples Einkreuzen) kriege ich noch nicht immer hin...

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Der Zürcher Frühling und die Enttäuschten

Freitag, 20. März 2009

Vor wenigen Stunden hat die Ekliptik den Himmelsäquator gekreuzt, somit ist es endlich Frühling. Und weil grad so schön die Sonne scheint, freue ich mich darüber, dass in Zürich bald etwas mehr los sein wird als letztes Jahr: Das Festivalito ist auf Mitte Juni angekündigt, die Zürcher Tangowoche auf Ende Juli. Openair-Milongas direkt am See? Ja, bitte! Aber hoffentlich nicht nur am Bürkliplatz, das dortige Rondell ist ja von der Fläche her doch etwas arg klein, wie ich letzten Sommer herausfinden musste...

Zufällig sprach ich diese Woche mit zwei Leuten, die vor langer Zeit tangobegeistert waren, dann aber das Herumgesitze an den Milongas leid waren und daher frustriert aufgegeben haben. Es muss Horden solcher Leute geben. Lag es an überzogenen Erwartungen, an eigener Passivität, war es einfach nur Pech, oder motivieren die Schulen zu wenig zum Gang an die Milongas und zum Partnerwechsel? Jedenfalls betrifft es sowohl Frauen wie auch Männer. Die entsprechenden Marktlücken für Schulen und Milongabetreiber sind eigentlich riesig...

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DJ Shuffle und etwas Korbstatistik

Sonntag, 22. März 2009

Wenn im Tanzpalast der Chef auflegt, dann läuft sein Eipod auf Zufallswiedergabe. Beim Letztenmal dachte ich noch, dass da kurzfristig ein DJ ausgefallen ist, aber offenbar hat der Zufall System. So schlecht war der Mix eigentlich gar nicht, bloss Milonga-Hasser sind heute wohl ein wenig verzweifelt. Problematisch finde ich das Vorgehen dennoch: Eine feste Milonga an einem festen Wochentag zur immer selben Zeit sollte ein gewisses Profil haben, um genügend Stammbesucher anzuziehen. Wenn allerdings am Mischpult mal der DJ Zufall, dann der DJ Elektrotango und gelegentlich der DJ Klassik sitzt, dann gewinnen die Konkurrenzmilongas kräftig an Zuwachs. Und sowohl das Merian wie auch die Mitte sind ja offensichtlich harte Konkurrenten. Zusätzlich steht bei der Tanzpalast-Milonga auf der Homepage jeweils eine Dauer bis ein Uhr nachts, bei wenig Besuchern wird aber oft schon vor Mitternacht die Musik abgeklemmt. Da ich meist schon um halb neun dort bin entlockt mir das höchstens ein Schulterzucken. Aber ob das auch Leute lustig finden, die erst gegen 23 Uhr zur Milonga kommen?

Übrigens habe ich heute den dritten Korb meiner Tangokarriere bekommen. Hat mir witzigerweise nichtmal gross was ausgemacht, mein erster Gedanke war bloss, dass ich darauf ja recht lange habe warten müssen. Schliesslich sind aller guten Dinge drei. Habe natürlich versucht, meine Körbe mit statistischen Methoden zu analysieren. Bei allen drei Körben gab es vorher keinen Blickkontakt. Tja, darauf will man sich halt nicht immer beschränken. Zweimal war es an einem Sonntag, einmal an einem Freitag. Nützt für die Zukunft auch nicht viel, diese Erkenntnis. Alle drei Körbe stammten von Frauen. Hm...daran liesse sich arbeiten...;-)

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Hundespielzeug und das Foucaultsche Pendel

Mittwoch, 25. März 2009

Meine Füsse schmerzten noch ein wenig vom Vorabend, da ich mich am Dienstag einer Ruedagruppe (das ist sozusagen äusserst promiskuitives Salsatanzen) nicht entziehen konnte. Wenn man so zum Tangokurs humpelt, hofft man immer, dass man durchhält. Und glücklicherweise präsentierten Cécile und Romeo eine Kiste mit roten und gelben knuffigen runden Dingern, die nicht nur Hunde verrückt machen können, sondern auch für massagewillige Füsse eine wahre Freude sind. Ich hab zuhause auch so ein Ding, bin aber bislang noch nicht auf die Idee gekommen, vor dem Tanzen ein wenig rumzurubbeln. Tat jedenfalls guuuut.

Romeo nahm dann noch ein elastisches Band, trat darauf, zog ein Ende hoch, liess es auf der anderen Seite wieder herunterbaumeln und band einen Massageball daran. Und demonstrierte so, wie man ein lockeres Spielbein der Tanzpartnerin ohne Gewalt hinter deren Standbein bringt. "Hey, das funktioniert faktisch als Foucaultsches Pendel!", erklärte ich begeistert meiner Tanzpartnerin. Einfach eine Pendelbewegung einleiten, und so nach etwa sechs Stunden kreuzt die Dame hinten automatisch ein. "So lange möchte ich aber nicht warten", lautete die forschungsskeptische Antwort. Nun, Visionäre haben es halt schwer. Werde mal ein Patent für Gravitationstango anmelden...

Haben dann noch fest eine geschlossene Drehung mit Sacada geübt. Hab mich sowas geschlossen bisher noch nie so recht getraut, weil die Treffsicherheit des Fusses doch etwas...eingeschränkt ist. "Einfach dorthin gehen, wo die Nase der Tanzpartnerin ist", meinte Cécile. Hm. Die meisten Frauen tanzen Wange an Wange, nur wenige Nase an Wange. Ist aber eine gute Entschuldigung, wenn ich das nächstemal einer Frau ins Sprunggelenk trample: "Verzeih bitte, ich wusste grad nicht, wo Deine Nase ist!". Wird sie mich töten?

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Die Hand, die Tricks und der junge Wilde

Donnerstag, 26. März 2009

Da Özgür mal wieder in der Gegend weilt: Privatstunde mit viel Arbeit an Haltung, Händen, Voleo-Timing, sauberes Laufen und sauberen Gewichtswechseln. Balance und der Rest sei deutlich besser als beim letzten Mal, befand er. Uff. Bloss meine linke Hand drückt noch immer deutlich zu stark. Ich führe zwar nicht mit den Armen, benutze aber mein Handgelenk irgendwie seltsam. Muss ich mir dringend abgewöhnen. Wie auch meine Salsa/Bachata-mässigen Schritte.

Was tut man, wenn die Frau kräftig nach hinten zieht? Den rechten Arm und notfalls die recht Hand völlig locker öffnen, so dass sie einem entfleucht...und dann die ausgerissene Dame langsam wieder einholen. Und wie steht man gerade, ohne den Kopf unnatürlich weit nach oben zu neigen? Zwischendurch mit den Augen an die Decke linsen, ohne dabei den Kontakt zum Boden zu verlieren...

Witzig ist, dass mich manche Leute fragen, weshalb ich bei Özgür Stunden nehme, wo ich doch eigentlich dem Milonguero-Stil so verfallen bin. Nun, nur weil er in Milongas vor allem offen und akrobatisch tanzt, heisst das eben nicht, dass er das andere nicht kann. Er ist halt noch jung und wild. Am Sonntag wird er im Tanzpalast zusammen mit Lia einen Showauftritt bestreiten, mal sehen, wie wild das wird.

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Die Hitze, der Fluss und die Musette

Freitag, 27. März 2009

Früher habe ich mich immer über diese doofe Dreiwettertaft-Werbung lustig gemacht. Jetzt nicht mehr. Basel: Stark bewölkt, acht Grad. Paris, Gare de l'Est: Sintflutartiger Regen mit Wind, vier Grad. Paris, Milonga "Le Divan": Trocken, rote Beleuchtung, gefühlte 30 Grad. Sowas hält jung.

In Paris ist der Tango während der Militärdiktatur ja quasi gross geworden und danach in Argentinien wieder reimportiert worden. Spürt man das noch? Ja, irgendwie schon: Das "Le Divan" (soll noch jemand behaupten, Tango habe nichts mit der Horizontale zu tun) ist ein enger Schlauch im Hinterteil einer Bar, und trotz voller Tanzfläche gab es kein Rumrempeln: Niemand lief rückwärts, niemand tanzte quer, kaum jemand überholte, lediglich ein Paar tanzte grossräumig und erhielt auch einige böse Blicke. Kurzum: Ein langsamer, aber schöner und auch für mich sehr entspannender Tanzfluss.

Der Musikmix ab Dose war schon gut, zusätzlich gab es noch Livemusik mit Bandoneon und Gitarre, zwischendurch probten auch vier Gitarristen das Zusammenspiel. Sätze wie "Wir wissen nicht, ob das nächste Lied wirklich tanzbar ist" finde ich an einer Milonga zwar immer etwas bemühend, aber bei einem Eintritt von 7,50 Euro inklusive Getränk und einer solch lockeren Stimmung vergibt man vieles. Mein persönlicher Höhepunkt war allerdings ein Musette-Spieler, der sich mitten auf der Tanzfläche positionierte und drei äusserst gefühlvolle Vals mit intuitiv erfassbaren Tempowechseln spielte, offenbar den Blick permanent bei den Tanzpaaren. Magie...

Nur eben, die Hitze liess mich ein Saunatuch vermissen. Als ich soeben grübelte, ob deswegen auch keine Milongas gespielt werden, erklang auch schon der erste Takt der entsprechenden Tanda. Es war wunderschön, doch danach hatte ich mein Pulver verschossen und wankte in Richtung Bett. Ach ja, zu später Stunde übrigens erschreckend hoher Frauenüberschuss. Ein Cabeceo funktionierte auf Anhieb, aber die meisten Männer scheinen dort vor die Frau zu treten und dann verbal aufzufordern. Allerdings fungiert auch die Bar als Anbändelbereich. Insofern weiss ich jetzt, wie schön es im Templum sein könnte, wenn auch bei uns ab April 2010 endlich das Rauchverbot in Kraft tritt...

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Föhnesoterik, Grössenwahn und die Gurumilonga

Samstag, 28. März 2009

Ein Zimmer in einem ruhigen Pariser Altbau im vierten Stock ist fantastisch, wobei sich ein Tanguera-Koffer in Bezug auf die Gravitation bekanntlich immer etwas eigen verhält. Problematisch auch, wenn eine Tanguera mit ihrem 1,8 Kilowatt-Föhn im Badezimmer die Sicherungen tanzen lässt und der Tanguero zu Fuss zum Sicherungskasten wandern muss, dieser ist selbstverständlich im Parterre beim Consierge beheimatet. Als ich wieder oben bin, föhnt es bereits wieder kräftig. Allerdings nicht lange. Immerhin, beim Zweitenmal übernahm sie den Gang nach Canossa selbst. "Das ist eben ein Negativ-Ionenföhn", meinte sie selbstsicher. "Wohl eher eine 6 Ampére-Sicherung", entgegnete ich esoterikskeptisch. Selbst Tangotänzer können die Grundlagen der Physik nicht völlig aushebeln...

Stadtbesichtigungen sind hier off-topic, daher lasse ich den Touri-Klimbim weg. Einzig La Défense mit der Grande Arche (und der Sicht auf den Triumpfbogen) war doch überwältigend und ist erwähnenswert. Würde Ceaucescu noch leben, hier wäre wohl sein Regierungssitz. Grossräumiges Bauen ist halt wie grossräumiges Tanzen: Wuchtig und spektakulär, aber sonst...

Abends Milonga im "Colectivo": Fast so gross wie ein Tanzpalast-Raum, die weissen Wände sind komplett und die Spiegel teilweise mit schwarzem Vorhang abgedeckt. Sehr wenig Leute, während der ersten 90 Minuten extrem viele herumsitzende und däumchendrehende Männer. Scheint eine Art Practica zu sein, in der die Paare fest abmachen und auf ziemlich hohem Niveau miteinander tanzen. Insofern wars dennoch toll: Viel Platz, fantastischer Tanzfluss, vergnügliches Zusehen und ein exzellenter Musikmix. Die Cortinas waren fast ausschliesslich kurz angespielte Stücke in 5/8-Takt. Darauf könnte man natürlich auch tanzen, aber die Botschaft ist so doch recht deutlich. Nur eben, wozu denn Cortinas, wenn es keine herumfliegenden Cabeceos gibt?

Zugegeben: Wir hatten uns vorher in Bezug auf empfehlenswerte Milongas ein wenig schlau gemacht, und diese beiden Milongas am Freitag und Samstag mögen nicht unbedingt repräsentativ für das restliche Paris sein. Dennoch war ich vom Tanzfluss begeistert, und frage mich, ob das quasi eine Art städtisches Erbe der damaligen Milongueros ist. Oder ob im Unterricht darauf Wert gelegt wird. Oder ob die Neotänzer einfach ihre eigenen Milongas haben. Oder vielleicht liegt es daran, dass die Metrobenutzer dauernd damit konfrontiert werden, wie sich Kleinigkeiten auf ein System auswirken können: An jeder Wagentüre kleben Schilder, die darüber aufklären, dass jede Sekunde Verspätung sich sofort ins ganze Metronetz auswirkt. Paris, die fliessende Tangostadt...

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Warnstreifen pro und contra

Sonntag, 29. März 2009

Nach zwei Tagen Paris mit schönem Tanzfluss ist es hart, im Basler Tanzpalast wieder auf dem rempeligen Boden der Realität aufzuschlagen. Meine Stimmung hellte sich kräftig auf, als ich einen Tänzer in orangen Arbeitshosen mit Reflektoren der Marke "Strassenwischer" erblickte. Viele Männer lästern ja oft darüber, wenn andere Männer schlecht angezogen sind. Also ich find das gut, wenn die gefährlichen Tänzer klar zu erkennen sind. Milongaveranstalter müssten die Rempler also gar nicht zurechtweisen, sondern könnten denen lediglich eine Warnweste in die Hand drücken mit der Bitte, diese doch zu tragen. Da fällt mir ein, dass Lastwagen automatisch Warnpiepser von sich geben, sobald man den Rückwärtsgang einlegt...

Lia und Özgür haben in ihrer Show tatsächlich auch feine Milongero-Elemente eingebaut, insgesamt fand ich die vier Tänze (Tango, Vals, Milonga und Elektro) teilweise aber doch arg hektisch. Irgendwer hat ihn davon überzeugt, nicht in Jeans und dafür mit Jacket zu tanzen. Das Jacket behielt er auch tatsächlich einen ganzen Tanz lang an. Aber inzwischen sitzt er eh schon im Flugzeug nach Buenos Aires, da konnte er sich ja schon ein wenig an die dortige Temperatur gewöhnen. Dienstag früh ist er dort. Auch wenn die Wirtschaftskrise in Argentinien derzeit kräftig zuschlägt, ich beneide ihn.

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Rückruf von über 5000 argentinischen Tanzschuhen

Mittwoch, 1. April 2009

Wie Diario Hoy heute berichtet, rufen argentinische Schuhhersteller über 5300 Exemplare der Marken "Raquel" und "comme il faut" zurück. Viele der grösstenteils im Jahr 2008 in Handarbeit gefertigten Tangoschuhe weisen zu kurze Absätze auf: Teilweise fehlen bis zu acht Millimeter. Die Sache ist aufgeflogen, nachdem an mehreren europäischen Tangofestivals auch die Maestros keine sauberen Volgadas mehr hingekriegt hatten: Die Tanzpartnerinnen waren zu klein.

In Buenos Aires wirft der Skandal bislang nur mittelhohe Wellen, allerdings läuft eine Strafuntersuchung. Nach ersten Erkenntnissen wollten die Hersteller durch die Materialersparnis konkurrenzfähig bleiben, die deutlich günstigeren Salsaschlappen vermiesen den teuren Edelschuhen scheinbar das Geschäft. Künftig wollen alle Schuhhersteller höhere Absätze anbieten. Um ein Wettrüsten zu vermeiden, sollen in allen europäischen Städten (ausser Italien, wo das Problem nicht ernstgenommen wird) an den Milongas künftig Maximalgrössen für Frauen gelten. Kontrolliert werden soll dies durch Hängebalken an der Decke, wie sie bereits heute vor Parkingeinfahrten üblich sind.

Wie die ganzen Tangueras während der wohl mehrere Monate dauernden Rückruf- und Umtauschaktion tanzen sollen, ist noch unklar. Experten befürchten daher in den kommenden Monaten einen riesigen Männerüberschuss an allen Milongas. Kritiker weisen allerdings darauf hin, dass das Problem auch hausgemacht sei: Im Gegensatz zu den Männern würden viele Tangueras in Tanzpartnerinseraten ihre Grösse grosszügig aufrunden.

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Eyes wide shut

Donnerstag, 2. April 2009

Gestern war natürlich auch noch der reguläre Mittwochskurs, diesmal mit aussergewöhnlich witziger Partnerwechselei: Die Frauen standen mit geschlossenen Augen im Raum, jeder Mann suchte sich eine Partnerin aus, dann wurde getanzt, und erst hinterher durfte die Frau ihre Augen wieder öffnen. Bei mir haben am Ende alle ein bisschen gestaunt. Hatten sie mich zuvor für Romeo gehalten? Oder doch eher für einen, der sich als blutiger Anfänger in den Mittelstufenkurs verirrt hat?

Der zweite Teil war allerdings noch schöner: Die Männer verteilten sich in Tanzrichtung im Raum und schlossen die Augen, die Frauen wählten. Und mit geschlossenen Augen wurde geführt, die sehenden Frauen durften lediglich im Notfall blocken, um Rempeleien abzuwenden. Ich fand das extrem entspannend. In Irgendwen sind wir zwar kräftig reingedonnert, aber ich konnte ja meine Hände in Unschuld waschen. Und mich erstmal voll auf die Partnerin und die Musik konzentrieren. Ich glaub, ich muss dringend mal meine Frauentechnik verbessern und ans nächste Queer-Festival düsen...

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Zürcher Herablassungen im Qualm

Freitag, 3. April 2009

Nach langer Pause mal wieder ins Zürcher Silbando: Saftiger Männerüberschuss. Nach einer knappen halben Stunde beginne ich zu begreifen, dass cabeceo und mirada als unbekanntes Gesicht hier völlig zwecklos sind. Scheint ausser mir eh jeder als Pärchen oder Grüppchen hier zu sein. Fordere daher konventionell auf, und es ergeben sich zwei wunderschöne Tandas. Bloss stört mich, dass offenbar die gesamte Barmannschaft im Silbando pausenlos qualmt und mit einem Fächer den Qalm natürlich auch noch perfekt im Raum verteilen muss. Eine Stinkemilonga mehr auf meiner Nogo-Liste, vor einem Jahr war das noch wesentlich erträglicher.

Später hole ich mir mal wieder einen Korb: Erst mustert sie mich zwei Sekunden lang von unten bis oben, schüttelt dann den Kopf und sagt ohne ein Lächeln: "Nein". Gucke danach unauffällig, ob ich auf Hemd oder Hose irgendwo Tomatenflecken habe, finde aber nichts. Versuche danach mein Glück bei einer herumstehenden und umherguckenden Frau, die allerdings auch nicht gerade euphorisch reagiert und mit meiner Führung offensichtlich nicht viel anfangen kann. Beim zweiten Tanz guckt sie dauernd links und rechts in die Runde, tanzt wild einen Voleo nach dem anderen (und trifft glücklicherweise niemanden) und lässt mich schliesslich stehen. Das war doppelt schade, weil es eigentlich zwei wunderschöne Valse gewesen wären.

Ich weiss noch, wie vor wenigen Wochen in Wattwil diverse Frauen und Männer über die Arroganz an Zürcher Milongas klagten, vor allem beim Namen Silbando rollten einige mit den Augen. Eigentlich absurd, wo doch gerade hinter dem Silbando eine Stiftung steht, die sich der Förderung des gemeinschaftlichen Tangos verschrieben hat. Ich erinnere mich schwach, dass ich vor vielen Jahren in einem Reiseführer bei der Beschreibung eines südfranzösischen FKK-Geländes den Hinweis "Männer solo zugelassen, Hunde erlaubt" las. Würde sich auf der Eingangstüre des Silbando auch ganz gut machen, der Spruch...

Heiteres Raten dafür auf dem Nachhauseweg im Zug: Die Zugbegleiterin war überzeugt davon, mit mir vor langer Zeit mal einen Tanzkurs gemacht zu haben, zählte aber nur Schulen auf, in denen ich nie gewesen bin. Wir beliessen es beim Mysterium. Und wenn ich um halb drei Uhr morgens neben Gleis fünf noch einen Tango getanzt hätte, würde ich sowas Intimes natürlich hier nie erwähnen....

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Bernische Rempeleien

Dienstag, 7. April 2009

Wie spricht man eigentlich "PROGR" richtig aus? Egal, der Saal ist angenehm und gross, liegt zentral und ist halbwegs Nichtraucherfreundlich. Allerdings waren zu Beginn des Abends nur Paare zu erkennen, dazu gesellte sich nach und nach ein kräftiger Männerüberschuss, und ich überlegte schon, ob ich künftig vielleicht doch sicherheitshalber etwas zum Lesen mitnehmen sollte. Doch nach einer halben Stunde drehten derart viele Männer Däumchen, dass auch einige Frauen Däumchen drehten, und so nutzte ich die Gunst der Stunde. Ein Cabeceo ergab den nächsten, und abgesehen von zwei äusserst hässlichen Elektro-Tandas tanzte ich fast pausenlos.

Nur, eben, die Piste. Die Platzverhältnisse waren eigentlich luxuriös, dennoch wurde gerempelt, geschubst und rückwärtsgetrampelt, was das Zeugs hielt. Nächstes Mal nehme ich Helm, Ellbogenschoner, Rückenprotektor und Kondome mit. Oder so ähnlich. Das Hauptproblem ist allerdings der SBB-Fahrplan: Der letzte Zug nach Basel fährt um Mitternacht, und das ist eben ziemlich früh...

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Kommentar von Joachim

Kommentare! ENDLICH! Und dann auch noch so einfach zu benutzen...

Geht doch : )

Was natürlich nicht und nie gehen wird: Berner Tangueros, die vor sich einen offenen Platz von sagenwirmal 2 Meter Länge oder Breite entdecken.

Das muss eine Falle sein! Da landet demnächst ein Airbus oder schlimmeres!

Rückwärtsschritte, so schnell und so viel wie möglich, schafft den normalen Berner Tangomann aus der Gefahrenzone, nach hinten trampelt er dann in weiches Frauenbein.

Eigentlich schade - der Ort hat Stimmung.

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High noon, low evening

Mittwoch, 8. April 2009

Erstaunlich, wie unterschiedlich eine Mittags- und eine Abendmilonga sein können. Zu einigen schönen Tänzen kam ich am Mittag im Clarahof wie auch am Abend im Tanzpalast, aber der Musikmix hätte unterschiedlicher nicht sein können. Am Mittag kribbelte es mir bei praktisch jedem Stück in den Füssen, am Abend hingegen kam ein lustloses Sammelsurium von öder Schrammelmusik, ergänzt mit den dumpfsten Elektrotangos.

Traf halt nicht meinen Geschmack, könnte man sagen. Das sowieso. Aber warum sass bei den meisten Liedern mehr als die Hälfte der Besucher nur rum und drehte Däumchen? Milongas haben wir in Basel ja eigentlich mehr als genug, zähle ich nur die wöchentlich stattfindenden Anlässe komme ich auf acht Stück. Aber bei wievielen davon läuft gute Musik, die zum Tanzen animiert? Wir bräuchten vielleicht mal eine Milonga, auf der keine Musik läuft, dort könnten wir zumindest lernen, die Stille zu tanzen...

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Bandenkrieg am Ostertango

Donnerstag, 9. April 2009

Die jungen Wilden von plan-t mit cooler Bumsmusik auf der einen Seite, auf der Gegenseite die alten Milongueros (nicht unbedingt authentisch besetzt) mit knisternden Schrammeltangos: Inmitten der Tanzhorde spielte sich ein szenischer Bandenkrieg ab, der damit beendet wurde, dass man sich gemeinsam ein wenig im Weg herum tanzte. Und versöhnte. Dazu gab es sogar Applaus. Als Vorbereitung auf die Show tanzten einige Paare auf den Aussenspuren entgegen der Tanzrichtung, um ein wenig Chaos anzurichten (und somit Eulen nach Athen zu tragen). Insofern: Eine szenische Provokation, gewiss, aber irgendwo doch auch recht viel Realsatire. Gibt es eigentlich schon Lehrer, die die Chaostheorie in ihren Unterricht einbauen?

Eigentlich wärs ja simpel: Ein Milonguero hat nichts in der Raummitte zu suchen, und ein Neotänzer hat nichts auf den Aussenspuren verloren. Platz jedenfalls wäre genug dagewesen. Andererseits hat die Rempelei ja auch eine unterhaltende Seite, wenn man mit einer grossen Tüte Popcorn von der Seite her zugucken kann.

Unterhaltsam waren auch die "zehn Gebote", die nach und nach zwischen den Tandas verkündet wurden: Endlich mal wird an einem Festival allen erklärt, was ein Cabeceo ist und wie er funktioniert. Obs was nützt? Beschweren kann ich mich nicht, ich kam zu einigen schönen Tänzen. Und weil das Foyer jetzt endlich rauchfrei ist, hege ich gar Hoffnungen für das Tangocafé...

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Afterhour am Nachmittag

Freitag, 10. April 2009

Sollte ich bei Sonnenschein und 18 Grad am Nachmittag wirklich ins Tango-Café gehen? Die Neugierde war schliesslich gross genug, und mit viel Engagement kam ich auch zu ein paar Tänzen. Die Tanzfläche war deutlich grösser als früher, allerdings stehen leider noch immer auf allen Tischen Aschenbecher. Immerhin hielten sich die Qualmer in Grenzen.

Kurz vor sechs Uhr waren nur noch wenig Leute da, so dass ich nach Hause spazieren wollte, und zufälligerweise traf ich am Kleinbasler Ufer der Mittleren Rheinbrücke auf die inoffizielle Afterhour-Milonga von Plan-t. Jungs, über Euch werde ich nie mehr lästern. Zumindest diese Woche nicht. Braucht es mehr als einen Ghettoblaster, ein wenig Platz, einen Sonnenuntergang, frischen Wind vom Rhein und viele tanzfreudige Leute? Drei Stunden später war ich glücklich, erschöpft, hungrig und hatte schmerzende Beine. Und die Batterie des Ghettoblasters schien eh zu schwächeln. Besonders schön: Eine Frau tanzte mit mir ihre soeben neu gekauften Tanzschuhe ein. Gibt es für einen Tanguero eine grössere Ehre?

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Milonga beim Maestro

Samstag, 11. April 2009

"Milonga 2", das bedeutet Workshop für Leute, die schon so um die drei Jahre tanzen. Also ein Jahr mehr als ich bieten kann, aber Naveira ist ja didaktisch so gut, dass ich da schon mithalten kann. Dachte ich. Gezeigt wird eine elegante Sequenz, die ich erstaunlicherweise auch rasch nachtanzen kann. Eigentlich nur ein simples Z auf dem Boden: Frau rechts vorbei rückwärts führen, kräftig rechts drehen, in Tanzrichtung rückwärts laufen, dann wieder kräftig nach links drehen. Aber alles eben in Milongazeit, und die vergeht ja bekanntlich etwas schneller.

Danach noch die Ergänzung: Eine Cunita nach rechts, und eine nach links. Aber eben jeweils in 180 Grad und vollem Tempo. Mit Gewalt und meinen Armen hab ichs hingekriegt, aber nicht sauber und schon gar nicht fein. Gustavo hat zwar korrigiert, aber nur, wenn ein Paar die Schritte nicht hingekriegt hat. Tipps zu kleinräumigen und blitzschnellen gemeinsamen Drehungen? Fehlanzeige. Giselle sass die meiste Zeit über gelangweilt auf ihrem Stuhl. Nur vor Kursbeginn hatte sie sich mit einem Massageball vor dem Maestro auf dem Boden geräkelt. Muss ein argentinisches Ritual sein. Meine Tanzpartnerinnen tun das nie.

Unterhaltsam war dafür seine Veräppelung von Leuten, die mit angelegten Ellbogen oder mit hochgestreckten Unter- und Oberarmen tanzen. Wobei mich eher interessiert hätte, mit wieviel Spannung im linken Arm er bei einer raschen Milonga führt. Ach ja: Nach etwa einer Stunde stellte er fest, dass viele Paare die Sequenz nicht im Kopf haben und machte einen geschlechtergetrennten Walk-trough. Hätte er das gleich zu Beginn gemacht...nun, meine Illusion vom didaktischen Supergott habe ich halt verloren. Und für all diejenigen, die Workshops nach dem Motto "300 mal Vorzeigen, dann Nachmachen" so toll finden: Warum nicht gleich für den halben Preis eine Tanz-DVD kaufen? Die muss ich wenigstens nicht mit 22 anderen Tanzpaaren teilen.

Tangocafé war nett, aber doch ziemlich rempelig und im wesentlichen von Paaren bevölkert. Openair am Rhein kam ich später zu neotänzerischen Ehren und fühlte mich dabei ehrlich gesagt ziemlich überfordert. Voleos sind nämlich nur theoretisch einfach: Der Frau die Drehrichtung angeben und Gewicht gegenverlagern. Dann andere Richtung angeben und wieder Gewicht rüber nehmen. Aber entweder vergesse ich die zweite Richtungsangabe oder bin zu früh mit dem zweiten Gewichtswechsel. Teuflisch. "Immerhin reisst Du nicht an den Armen rum", wurde ich getröstet. Logisch, die Arme sind ja eigentlich auch nur zur Umarmung da. Gerade deshalb habe ich noch nie begriffen, was der Ausdruck "open embrace" bedeuten soll. Zerstreute mich in einer closed embrace, bis um neun Uhr die letzte Tanda lief. Noch immer 18 Grad bei leichtem Wind. Ferienstimmung. Übrigens ist mir hier gestern ein Cabeceo über 15 Meter hinweg gelungen. Neuer Rekord. Was wäre Ostern ohne Tango?

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Kommentar von Joachim

Eigentlich muss man Gustavo dafür bewundern, sich nach 20 oder 30 Jahren noch immer mit dem Tangojungvolk auseinanderzusetzen. Vielleicht kapiert er's ja mal, dass weniger mehr sein kann.

Vielleicht kapieren grossgewachsene Leute mit mitteleuropäischen Reflexen auch mal, wie einfach Tangolernen sein kann, wenn man sich Lehrer mit ähnlichen Proportionen sucht - anstatt kleine, extrem koordinierte, quirlige Argentinier, die im eleganten Anzug geboren werden und sich in so grosse Körper gar nicht hineinversetzen zu können scheinen.

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Antwort von Patrick

Sicher auch ein Grund, warum ich gerne Unterricht bei Cécile und Romeo nehme. Oder Eric Jorissen. Oder auch Fernando und Gery (ja, so möchte ich tanzen können), die haben ähnliche Körperproportionen wie ich. Aber die sind eben auch für ihre Schüler präsent, korrigieren aktiv und geben der Technik mehr Stellenwert als den Sequenzen.

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Akrobatik in der Früh

Sonntag, 12. April 2009

Ostertango, ziemlich früh am Morgen, fünf Uhr: Im oberen Saal toben die Afterhours. Von 50 Paaren tanzen mindestens 45 extrem akrobatisch auf ziemlich hohem Niveau. Zum Zuschauen ganz interessant, aber als untermittelstufiger Milonguerotänzer fühle ich mich völlig fehl am Platz. Äusserst unterhaltend sind allerdings die Körbe, die gleich reihenweise verteilt werden: Nein, ich bin müde, mein Fuss tut so weh, und es ist ja auch so voll, erklären die Damen gesternreich. Keine halbe Minute später kommt dann der Traumtanguero, und die Dame ist wieder fit. Verständlich, dass frau in erschöpftem Zustand nicht mehr so experimentierfreudig ist. Aber die Auswahl ist hier irgendwie schon gnadenlos.

Starte ein paar halbherzige Cabeceo-Versuche, aber ich bin eh ziemlich müde, ausserdem ist die Lautstärke ohrenbetäubend. Erfahre in Gesprächen, dass schon in der Abendmilonga der Lautstärkeregler grosszügig eingesetzt worden war. Ist Schwerhörigkeit eigentlich Anstellungsvoraussetzung für Tandaclicker? Will ich den Rausch durch die Bässe erzeugen, kann ich doch auch auf eine Technoparty gehen...

Fülle mein Selbstbewusstsein abends in der Mitte mit Salsa. Verqualmt, feucht und akustisch grauselig wie immer, aber die Cabeceos fliegen nur so rum, obwohl sowas beim Salsa gar nicht üblich ist. Leider schon um ein Uhr zu Ende. Erfahre von einer Frau, dass ihr 17-jähriger Sohn neulich einen Tangoschnupperkurs gemacht habe und den Milonguero-Style ganz toll fand. Tröstend, dass nicht der gesamte Nachwuchs nur auf Neoakrobatik steht. Gibts eigentlich irgendwo in Europa ein Milonguero-Festival?

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Kommentar von Roberto

Das ist eben das Gute an einem solchen Festival. Es kommen viele gute Tänzerinnen und Tänzer zusammen. Als Mittelstufiger hat man es dann halt schwer und muss Körbe einstecken. Das gut aufgebaute Selbstbewusstsein ist in solchen Fällen leider schnell aufgebraucht.

Hat aber auch was Gutes. Da siehst du mal mit was sich hiesige Frauen sonst so abmühen müssen um ein wenig tanzen zu können. Da hilft nur üben, üben und sich manchmal der Herausforderung eines hochstehenden Festivals zu stellen. Sei es nur um zu sehen wie gut das Selbstbewusstsein hält.

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Ein feuchtes Ende sowie Lehrerweisheiten

Montag, 13. April 2009

Festivalausklang in der Mitte: Irgendwie war ich nicht in Stimmung, und nach ein paar schönen Tänzen packte ich auch recht früh wieder meine Sachen, selbst Chacarera konnte mich nicht vom Sitz reissen. Nachdem sie neulich auch im Tanzpalast aufgelegt hatte, weiss ich jetzt, dass mir die Musikauswahl von Irma zu monoton und schwerfällig ist. Dazu kam die Dampfsauna-Atmosphäre, ein äusserst zäher Tanzfluss, zuviel Qualm und ausserdem noch Korb Nummer fünf. Ich glaub, für Korb Nummer zehn werde ich mal einen Zettel mit der Aufschrift "Herzlichen Glückwunsch, sie haben soeben ein Tangoblog.ch-Gratisabo gewonnen!" vorbereiten, den ich dann der entsprechenden Dame auf den Tisch legen kann.

Interessantes Gespräch mit einem Mann, der bei Pablo Pugliese einen Workshop besucht hatte. Ebenjenen "to show something is not to teach something"-Pablo hatte ich hier mal zitiert, weil ich seine Kritik an der schlechten Didaktik vieler Tanzlehrer sehr treffend fand. Und nun höre ich, dass er ein genauso miserabler Lehrer ist wie Naveira und die DNI-Leute: Sequenzen vorzeigen und Zeugs dranhängen, dazu noch ein paar längliche Monologe. Tja. To talk how to teach is not to teach. Oder irgendwie so.

Apropos Lehrer: Erheiternd waren heute in der Mitte immerhin die Grobmotoriker, die abseits der Piste zwischen den Tischen Anfängerinnen unterrichteten. Einerseits darf man ja froh sein, wenn die nicht auf der Tanzfläche sind, andererseits denkt offenbar manche derart indoktrinierte Frau hinterher, dass ein Mann nicht tanzen kann, wenn er sie nicht mit seinem linken Arm in der Gegend herumreisst. Insofern ändern wir Pablos theoretische Weisheiten etwas ab: To pull is to teach. Not.

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Kommentar von Pipistrello

Ja ja die Musik von der lieben Irma,monoton und schwerfällig???? oh oh oh, für mich als Grobmotorradler ist ihre Auswahl eigentlich immer abwechslungsreich und vor allem sehr fein

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Zwei Jahre Tango: Eine launische Analyse

Freitag, 17. April 2009

Es ist ziemlich genau zwei Jahre her, dass ich den Entschluss gefasst habe, Tango Argentino zu lernen. Nach einem Salsa-Anlass im Tanzpalst äugte ich gemeinsam mit anderen Neugierigen in den hinteren Saal, wo gerade eine kurze Vorführung zu Ende ging und die Leute wieder anfingen, miteinander zu tanzen. Das Licht war gedämpft, die Musik klang fremd, ich staunte über die eleganten Kleider und die vertrauensvolle Nähe.

Wenige Wochen später folgte der Grundkurs. Die Gehübungen empfand ich als mühsam, die (natürlich einfache) Musik als ziemlich monoton, die Schrittkombinationen als äusserst starr. Kurzum: Mir fehlte das Gefühl für den Tanz, und das hat mich das erste Jahr lang gewaltig deprimiert und auch daran gehindert, mehr Zeit und Geld in Unterricht und Milongas zu investieren.

Es ist noch zu früh, darüber zu schreiben, wo und wie ich das Gefühl für den Tanz gefunden habe. Aber wesentlich war auf jeden Fall die geschlossene Umarmung. Hier fühle ich Anspannung und Verspannung, Gelassenheit und Passivität, Freude und Exstase, ich spüre sozusagen durch die Tanzpartnerin hindurch die Musik und die Stille. Die Nähe macht für mich den Tango aus. Offen spüre ich nichts. Oder zumindest noch nichts. Nein, figurenreicher Neotango ist nichts schlimmes. Aber ich verstehe die Faszination dafür nicht.

Auch die Begeisterung für so manche Samplewüste von Otros Aires ist mir ein Rätsel. Ich fühle bei dieser Musik nichts. Bei "Guitarra mia" hingegen von Hugo Diaz oder "il pleut sur Santiago" von Astor Piazzolla bin ich noch kilometerweise davon entfernt, meine ganzen Wahrnehmungen mit dem Körper überhaupt sinnvoll umsetzen zu können. Musik mit viel Gefühl eben. Auch das gehört für mich zum Tango.

In den vergangenen zwei Jahren gab es viel Frust. Aber auch unglaublich schöne Erlebnisse: Langjährige wie auch wenig erfahrene Tangueras, die mich spüren liessen, dass sie den Tanz mit mir gerade unglaublich geniessen. Und die sich mutig auf einen Kerl einliessen, der ein bisschen Musikgefühl, grobe Navigationskenntnisse und mehr oder weniger Körpergefühl hat. Und denen es scheissegal war, wiewenig Figuren ich tanzen konnte, die dafür in der Musik abtauchten und mir blind vertrauten. Solche Erlebnisse sind es, die mir helfen, auch den grössten Tangofrust zu überstehen.

Fazit nach zwei Jahren: Ich habe schon so viel Schönes erlebt, ich kann und will nicht damit aufhören. The Tango must go on.

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Kommentar von Oldi

Glückwunsch zu Deinem Durchhaltevermögen und herzlichen Dank für Deine interessanten Erfahrungsberichte. Ich kann mich noch lebhaft erinnern, wie sich bei mir das Gefühl und Verständnis für den Tango entwickelt hat: Nach ca. 3 Jahren Europatango zum ersten Mal in BsAs. Im Gepäck eine Vielzahl von Schritten und Figuren. Und dann diese wogende Masse von sich bewegenden Menschen und absolut kein Platz für all die fleissig erlernten, expressiven Figuren. Sich vollkommen hilflos und idiotisch zu fühlen, mit einer hübschen Argentinierin im Arm, 7000 Meilen von zu Hause entfernt, ist nicht besonders angenehm. Aber das war die Initialzündung.

Jetzt, einige Jahre später, gibt es nichts genussvolleres, als mit möglichst vielen, wachen Zellen und unterschiedlichen Spannungszuständen einen Dialog mit der Partnerin zu führen, welcher sich im besten Fall immer mehr verinnerlicht und verdichtet, sich in einem identischen Monolog auflöst. Was dann von dieser gemeinsam gefühlten Bewegung als sichtbare Bewegung in Raum und Zeit gelangt, hängt von verschiedenen Faktoren wie Musik, Platzverhältnisse, momentane Stimmung, Alter, etc. ab.

Tango lässt sich auch ohne Schritte tanzen. Das ist das anspruchsvolle an diesem Tanz. Dir wüsche ich noch viele unterschiedliche Erfahrungen. Der Frust wird weniger, die Lust wird mehr.

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Vals in Freiburg

Samstag, 18. April 2009

Wenn Naveira in Basel auftritt, wohin flüchtet man? Genau, nach Freiburg. Denn tanzende Frauen sind ja interessanter als vortanzende Maestros, dachte ich mir. Die Rechnung ging auf: "Tango El Sur" in der Freiburger Innenstadt entpuppte sich als Milonga mit kräftigem Frauenüberschuss, tollem Boden, luxuriösen Platzverhältnissen und recht gutem Tanzfluss.

Die Frauen guckten so mutig in der Gegend herum, dass ich mich an Berlin erinnert fühlte, jedenfalls tanzte ich bis kurz vor ein Uhr fast nonstop. Dann kam ein etwas seltsamer Afterhour-Mix aus Elektro und cha cha cha, ausserdem ging bald schon mein letzter Zug.

Problematisch ist nur, dass so ein Cabeceo einen eben wie der Blitz treffen kann, im dümmsten Fall auch durch eine Glasscheibe hindurch, wobei mir erst hinterher klar wurde, dass der Extra-Raum eine Elektro-Lounge war. Durfte wieder flüchten, bevor Otros Aires kam. Der Musikmix auf der Haupttanzfläche war ganz ok, wenn auch Vals und vor allem Milongas recht sparsam aufgelegt wurden.

Ein Vals sorgte allerdings für ein unglaubliches Kompliment. "Du bist nicht von hier, oder?", fragte sie zwischen zwei Stücken. "Du tanzt auf Vals nicht einfach Tango, sondern Du tanzt den Vals wirklich als Vals. Das tut hier sonst keiner", erklärte sie, und versank wieder genussvoll in der Umarmung. Fühlte mich wie Naveira höchstpersönlich. Was ich genau getanzt habe? Keine Ahnung. Gerade beim Vals bin ich eigentlich rhythmisch immer besonders ideenlos...

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Warum Männer nicht tanzen

Mittwoch, 22. April 2009

Das Thema ist uralt: Warum ist bei vielen Tänzen der Frauenüberschuss so gross, oder warum scheuen offenbar derart viele Männer Tanzkurse und Tanzabende? Wer einfache Antworten will, kann sich einreden, dass Männer halt kein Körpergefühl haben, keinen Sinn für feine Musik und Bewegung haben, gehemmt sind, nicht wissen, wie sie sich bewegen sollen und sowieso lieber mit einem Bier vor der Glotze sitzen. Nun, solche Männer gibt es zweifellos, und es wir mir auf ewig ein Rätsel bleiben, weshalb tanzfreudige Frauen sich dann gerade solch einen Typen als Partner anlachen müssen. Um die Ehre aller anderen Männer zu retten: Hier ein paar Erklärungsversuche.

So anspruchsvoll es für eine Tanguera auch ist, sich führen zu lassen, so kann sie dennoch recht rasch zu ersten Erfolgserlebnissen kommen: An einer Milonga mit vier Männern getanzt, und die Chance ist recht hoch, dass einer darunter ist, der halbwegs führen kann, bereits kann sie den Tanz geniessen. Ein Mann hingegen erlebt die ersten Monate nur sein Scheitern: Seine Partnerin im Kurs oder irgendeine Frau auf der Milonga kann mit seiner Führung nicht viel anfangen (was faktisch eine permanente nonverbale Kritik an seiner Art zu tanzen ist), die unterschiedlichen Rhythmen von Tango/Vals/Milonga überfordern ihn völlig, dazu stehen seltsamerweise dauernd irgendwelche Hindernisse in Form anderer Paare auf der Tanzfläche. Bestätigung gibt es selten. Und niemand hat ihm vorher gesagt, dass er Ausdauer brauchen wird. Nach zwei Kurszyklen (also lächerlich kurzen drei Monaten) gibt er frustriert auf.

Esoterik ist ja schon länger hoch im Kurs. Auch beim Tango gibt es Lehrerinnen und Lehrer, die von "Energiefluss", "interdimensionalem Tanzfeuer" oder von "aufladen" sprechen. Dazu noch etwas Feldenkrais, Alexander-Technik, Contact-Improvisation und ein paar Tantra-Weisheiten. Ist das alles vom Teufel? Nein. Aber mit solchem Vokabular verschreckt man Leute. Ist wie der Missionar an der Bushaltestelle, der die Leute mit "Kennen Sie Jesus schon?" anspricht. Effizient abschreckend.

Vermutlich für die Physiker und Maschinenbauer hat man das Gegenextrem erfunden: Die 8-Count-Base, also der Grundschritt. Lässt sich immer schön zählen, geht immer schön auf, wirkt logisch und technisch extrem überzeugend, die Figuren lassen sich halbwegs gut im Gehirn speichern und die Figurenvielfalt im Kurs geht blitzschnell voran. Der winzige Nachteil: Auf jeder Milonga ist man damit aufgeschmissen, nach ersten Erfolgen stagniert die Vielfalt völlig, zur Musik passt der Schritt eher selten und für viele Frauen ist dieser Tanzstil etwa ähnlich reizvoll wie Sex mit einer Maschine. Irgendwann spürt das auch der Mann und gibt frustriert auf.

Noch ein didaktischer Punkt: Ich habe ja schon viel über Sequenz-Workshops gelästert, in denen einfach eine Schrittfolge x-mal vorgezeigt wird. Danach verzweifeln die Männer dann daran, die Sequenz überhaupt im Kopf zu haben und mal nachtanzen zu können. Von sauberer Führung, Balance und Timing zusammen mit der Partnerin ganz zu schweigen. Logische Folge: 90 Minuten purer Stress, ohne irgendwas gelernt zu haben. Schlussfolgerung des Mannes: Ich kann wohl einfach nicht tanzen, also lasse ich es.

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Kommentar von Cassiel

Hmmm... Na ja, ich finde Deinen Beitrag sehr interessant. Bliebe einzig die Frage: "Sind es zu wenig Männer, die Tango tanzen - oder zu viele Frauen?" ;-)

Du sprichst einen wichtigen Punkt an, Schrittfolgen, die gewissermassen als europäische Krücken den Lernenden angeboten werden. Das ist zunächst verlockend, aber wer da nicht nach anderen Zugängen sucht, ist als führender Mann schnell an der Grenze seines Könnens.

Häufig gibt es die zwei Arten der Näherung an die richtige Führung zu beobachten. Die forschen Tangueros zerren an einer Frau, das alles zu spät ist. Sie hebeln wortlos jede Partnerin aus der Achse. Die leiseren Vertreter unter den Männern sind so schüchtern, dass eine Tanguera überhaupt nichts spürt.

Sollten Kurskonzepte in Europa nicht doch besser auf ein bewusstes Gehen ausgerichtet werden? Ich denke das könnte ein Schlüssel zur Lösung der Frage werden.

Schön hier in Deinem Blog und die Claim-Änderung habe ich auch bemerkt. Von "Klatsch und Tratsch über die Basler Tangoszene aus der Sicht eines Anfängers" zu "Vom Anfänger zum Guru...". ;-) Da wünsche ich doch alles Gute für den Weg zum Guru.

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Antwort von Patrick

"Erlebnisse eines Mittelstuflers" würde ja seltsam klingen, also wählte ich eine Unterzeile, die besser klingt und ein bisschen länger hält. Im Frühling 2017 bin ich ja dann erleuchteter Guru, dann fällt mir sicher was anderes ein, worüber ich bloggen könnte...

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Das Tanzen und die Gene

Freitag, 24. April 2009

Nachtrag zu "Warum Männer nicht tanzen": Natürlich kann man auch die Evolution bemühen. Im englischen Text Why men won't dance macht der Autor viele sicherlich richtige Beobachtungen zur Partnerwahl zwischen Frau und Mann im Tanz und kommt dann zu folgender Schlussfolgerung:

It is well recognised that women are more choosy about sexual partners. Natural selection has armed women with dance to improve their powers of choice. Natural selection has also equipped men with a useful fear of this weapon. That’s why men won’t dance.

Frei übersetzt: Es ist allgemein anerkannt, dass Frauen bei der Partnerwahl wählerischer sind als die Männer. Die natürliche Selektion hat den Frauen den Tanz gegeben, um ihre Wahlmöglichkeiten zu verbessern. Die natürliche Selektion hat aber auch den Mann mit einer nützlichen Angst vor dieser Waffe ausgestattet. Deshalb tanzen Männer nicht.

Zuvor hatte er geschrieben, dass eben nur die besten Tänzer etwas reissen können, und viele Männer sich diesem harten Konkurrenzkampf nicht stellen wollen. Nun, wenn dem so wäre: Beim Fussball ist die Hackerei um den angesehenen Platz ganz oben noch härter, und dennoch übt der Sport auf viele Männer eine riesige Faszination aus. Warum haben viele Männer Angst, sich beim Tanzen lächerlich zu machen, während sie beim Fussball diese Angst offenbar nicht haben? Die Angst vor der dort ja ebenfalls recht massiven Konkurrenz kann es ja nicht sein.

Leute haben vor Dingen Angst, die sie nicht kennen. Wer als Kind nie getanzt hat, braucht lange, bis er als Erwachsener den Tanzspass findet. Tanzen im Sportunterricht? Zu meiner Zeit waren Sportlehrer meist lobotomierte Gorillas, die den Nachwuchs mit Mobbing am Barren und knallharter Selektion beim Fussball demotivierten. Auch wenn Südamerika kein Paradies ist, in dieser Hinsicht scheinen sie uns weit voraus zu sein, wenn ich sehe, wieviele Erwachsene (ja, auch Männer) dort mit Freude tanzen. Andererseits ist dort Fussball noch populärer. Hm. Gibt es eigentlich Fussballspieler, die tanzen?

Wie auch immer: Wenn man die Evolution bemüht, gibt es viele interessante Thesen, aber keine einfachen Antworten. Tanzen bleibt halt ein Mysterium. Allerdings bin ich mir ziemlich sicher, dass das Sexualleben der meisten Tänzer hoffnungslos überschätzt wird. Und dasjenige der Fussballer sowieso.

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Warum ich heute nicht getanzt habe

Samstag, 25. April 2009

Eigentlich wäre heute Tango in Freiburg in der Wodanhalle gewesen. Da vor allem die nächtliche Heimkehr nicht mit Bus und Bahn machbar gewesen wäre, charterte ich ein Auto -- und hab die Halle nicht gefunden. Nach über 90 Minuten Irrfahrt quer durch Freiburg war ich irgendwann froh, dass ich immerhin die Autobahn wieder gefunden habe. Auf der Karte hatte es so simpel ausgesehen. No dance tonight...

Da meine Einkommensquellen als Freiberufler derzeit nur noch knapp tröpfeln, liegen leider keine Hotelzimmer drin. Daher versuche ich es mal hier mit einem Aufruf: Wer aus Freiburg offeriert einem Tangoblogger ein Bettsofa? Bitte benutzt das Mitteilungsformular oder die Mailadresse unten auf dieser Seite. Ich würd mich wirklich freuen. Nächsten Samstag ist ja in Freiburg beispielsweise ein kleines Festival. Und ganz so nebenbei habe ich auch Berlin, Regensburg, München und andere Städte im Auge...

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Unzüchtiges Tanzen und Nacktwandern

Sonntag, 26. April 2009

Das Problem der Nacktwanderer ist, dass sie meistens männlich und um die 60 sind -- solcherlei Ästhetik findet keine starke Lobby. Wohl auch deshalb hat die Landsgemeinde von Appenzell Innerrhoden heute tatsächlich das Nacktwanderverbot als Offizialdelikt (!) mit 200 Franken Busse bestätigt. Kostet damit nur ein bisschen weniger als mit Vollgas bei Rot über die Kreuzung zu rasen. Man stelle sich vor, der Trend verändert sich, und in zwei Jahren sind es vielleicht vor allem Frauen zwischen 30 und 40, die nackt wandern gehen. Dann hätte Basel endlich mal wieder einen Standortvorteil gegenüber den islami...äh...katholischen Kantonen.

Was in der gesamten Medienberichterstattung ziemlich untergegangen ist: Das Parlament in Appenzell wollte eigentlich das Tanzverbot in der Karwoche streichen, hat es dann aber in der zweiten Lesung doch wieder reingenommen -- und das solcherlei revidierte Gastwirtschaftsgesetz wurde heute ebenfalls abgesegnet. Also weiterhin keine Milongas an Ostern im Appenzellerland. Und "anstössiges Verhalten in der Öffentlichkeit" ist übrigens auch ausserhalb von Ostern strafbar. Vermutlich gibts dort weder Milonguero-Stil noch um die Hüften geschlungene Oberschenkel. Zumindest nicht vor-, nach- oder zweitehelich...

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Kommentar von Yvonne

Hey Patrick, ich kann Dich beruhigen...im Appezöll tanzt man den Milonguerostil... dazu noch in Appenzell selber, also AI ;-). Die Nachtwanderer sind jetzt übrigens ins Toggenburg gekommen, in die Churfirsten...Du weisst ja jetzt, wo die sind ;-).

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Antwort von Patrick

Toggenburg ist ja Kanton St. Gallen, und da gilt Vermummungsverbot. Vermutlich auch für Wanderer. Und in der Nacht sind eh alle Katzen grau und die Churfirsten nackt. So, genug gekalauert: Schön, dass selbst in der Ostschweiz auf die Milongas noch Verlass ist.

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Schwindelerregende Drehungen

Mittwoch, 29. April 2009

Endlich wieder Kurs. Vorwärtsochos vorwärts, Vorwärtsocho vorwärts mit Sacada, Giro. Alles fliessend. So fliessend, dass zuerst meiner Tanzpartnerin und dann mir schwindlig war. Nun, warum behaupten Lehrer denn auch, man könne die Abfolge endlos aneinanderreihen? Dafür hab ich endlich begriffen, wie ich bei diesen Drehungen laufen muss, um die flüssige Bewegung beizubehalten. Und wie ich dabei dennoch einen Rückwärtsschritt setzen kann. Und dass die Frau in einer Drehung nach einem Rückwärtsschritt halt automatisch verdoppelt, weil alles andere für den Mann verflucht schwierig zu führen und für die Frau schwer zu tanzen ist. Ach ja, und wenn man gelegentlich die Drehrichtung ändert, dann hält sich auch der Schwindel in Grenzen. So ganz milongakompatibel ist das Ganze allerdings nicht, zumindest solange ich die Drehungen nur halboffen und nicht geschlossen hinkriege...

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Die Mitte wird rauchfrei

Donnerstag, 30. April 2009

Das Unternehmen Mitte ist während der Tanzanlässe ab diesem Wochenende rauchfrei: Sowohl an den Salsa-Abenden wie auch an den Milongas an den Sonntagen soll ab sofort ein Rauchverbot gelten. Meiner Meinung nach ein schon längst fälliger Schritt, nun vor allem eine nette Geste, zumal ab April 2010 eh ein Rauchverbot gilt. Für mich persönlich wird damit Salsatanzen in der Mitte wieder attraktiv. Und der Tanzpalast erhält an manchen Sonntagen zweifellos eine noch stärkere Konkurrenz durch die Mitte-Milonga von Irma. Werden die DJ-Vorlieben künftig entscheiden? Oder der Boden? Die Lage? Apropos: Irma legt am Sonntag im Tanzpalast auf. Eigentlich erstaunlich.

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Puderzauber im Gare du Nord

Freitag, 1. Mai 2009

Ist immer schwierig, wenn man an einer Milonga nicht so in Tanzlaune ist. Jedenfalls war die Qualmerei im Gare du Nord diesmal harmlos, die Cortinas hässlich (vermutlich foolproof) und der Boden etwas klebrig. Dieser letzte Punkt brachte eine Tanguera dazu, regelmässig in einem unauffälligen Eckchen ihre Schuhe mit weissem Zauberpuder zu bedecken. Auf der Unterseite, versteht sich. "Selbst wenn es wirken sollte, das hält doch nicht lange", versuchte ich schulterzuckend zu erklären. "Fünf Minuten lang hält es schon, doch", so die überzeugte Antwort. Gut, eine knappe Tanda. Jetzt weiss ich endlich, warum sich bei der Cortina die Tanzfläche immer so rasch geleert hat...

Ansonsten versuchte ich dennoch ein paar Cabeceos, doch das ist immer so eine Sache, wenn sich die Frauen hinter mindestens drei Tischen verbarrikadieren. Hatte zweimal auch bei bislang unbekannten Frauen Glück und perfektionierte meine Auf-der-Stelle-Drehungen. Das ist nämlich das einzige, was man bei derart vielen Diagonaltänzern (quer, nicht queer) wirklich tanzen kann. Mehr Drehungen bedeutet natürlich auch erhöhte Nachfrage nach Zauberpuder. Während alle von der Wirtschaftskrise reden, beschleunigen Tangotänzer so den Aufschwung...

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Pfauen in der Fabrik

Samstag, 2. Mai 2009

Im Gegensatz zum letzten Samstag fand ich mich diesmal im Freiburger Strassengewirr halbwegs zurecht und war auch pünktlich am Festivalball in der Fabrik. Dass die Veranstalter mir auf eine Mail hin eine Eintrittskarte ohne Vorausbezahlung reserviert hatten, das fand ich ausgesprochen nett. Viele Paare, Cabeceo schwierig, aber nach und nach kam ich zu einigen schönen Tänzen und bin schliesslich sogar zweimal von unbekannten Damen aufgefordert worden. Im Vergleich zu Basel also noch immer paradiesisch. Der Tanzfluss glich allerdings eher einem Wildwasserbach nach einem Gletscherabbruch, dazu kam kräftiges Figurengeklotze und kaum Milonguerostil. Und ich hab mich vom Quertanzen anstecken lassen und selbst unabsichtlich für mindestens drei Rempler gesorgt. Shame on me. Dafür war die Cortina mal endlich einem guten Film entnommen. Sollte ich mir Sorgen machen, wenn mir die Cortina wichtiger ist als gute Tandas?

Héctor Corona und Silvina Machado waren die eingeflogenen Stars, wobei mir fünf Showtänze etwas gar viel erschienen. Die Milonga war wirklich feurig, aber der Rest erschien mir ziemlich mechanisch und ich musste mich fest zusammenreissen, um nicht die Voleos zu zählen. Höre später von zwei Tanzpartnerinnen, dass ihre Erfahrungen mit den Workshops vergleichbar mit meinen sind, die ich vor einem Jahr mit Pablo und Dana gemacht habe. Kurzum: DNI steht bei mir noch immer für "didactics not included", und ich werde wohl nie verstehen, warum deren Leute weltweit eine so grosse Fangemeinde haben. Aber ich besuche ja auch keinen Radschlag-Workshop bei einem Pfau, auch wenn der noch so tolle Oberschwanzdeckfedern hat...

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Kommentar von Daniel

komisch, Pablo & Dana sind mir sehr didaktisch in Erinnerung... unter einer gewissen Voraussetzung: dass man als Schüler auch zuhört und bereit ist, sich auf feine neue Dinge einzulassen.

Techno vs. Tango?

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Antwort von Patrick

Feine neue Dinge? Ein Workshop bei Pablo und Dana haben mir eigentlich gereicht, um festzustellen, dass sie zu Beginn der Stunde ein lautes Aufputschprogramm durchziehen, dann zwei seltsame und zusammenhanglose Sequenzen vorzeigen und den Rest der Stunde versuchen, allen 25 Paaren einzeln wenigstens die Sequenz beizubringen. Danach Dana: "Some of you are doing great, some of you still need some practice!". Dafür, dass DNI so tut, als hätte man die Tangodidaktik nicht nur gelöffelt, sondern sogar erfunden, fand ich das schon ein wenig gar schwach. Aber nichts gegen Pfauen, sind ja hübsche Tiere. Nur: Das Rad haben sie nicht erfunden.

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Erst Kuchen, dann Schwindel

Sonntag, 3. Mai 2009

Nachmittags im ClaraCita: Ist heute leider eine recht übersichtliche Paarveranstaltung, daher teste ich die Sofas auf Dauersitzqualität. Und esse äusserst leckeren Kuchen. Abends im Tanzpalast ziemliches Kontrastprogramm: Kein Kuchen, dafür bin ich fast pausenlos am Tanzen. Und probiere aus, wieviele Drehungen am Stück möglich sind, bis der Drehschwindel zuschlägt. Spätestens nach sechs Umrundungen stöhnen alle Tanzpartnerinnen. Startete an diesem Punkt jeweils in Gegenrichtung, doch dann wurde _mir_ schwindlig. Wie auch immer: Schnelle Rechtsdrehungen gehen jedenfalls deutlich einfacher als Linksdrehungen. Ist das auf der Südhalbkugel eigentlich umgekehrt?

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Last Tango in PROGR sowie vorgetäuschte Orgasmen

Dienstag, 5. Mai 2009

Ob es das letztemal war, das weiss ich natürlich nicht. Aber in knapp zwei Wochen stimmen die Berner über die Zukunft des PROGR ab, und je nach Variante wird die Milonga dort nicht mehr stattfinden können. Wer Details dazu wissen will, findet hier in der Abstimmungsbroschüre die Details. In den Medien tobt jedenfalls bereits die Abstimmungsschlacht. Sollte die Milonga weiterhin stattfinden, dann passt hoffentlich die SBB ihren Fahrplan an: Weil der letzte Zug nach Basel unter der Woche kurz nach Mitternacht abfährt, hätte ich die Nacht beinahe auf dem Bahnhof verbringen müssen.

Der Ausflug war jedenfalls wunderschön, ich genoss viele fantastische Tandas. Nur der Beginn des Abends war etwas bizarr: Ein Mann erzählte mir relativ grossspurig, dass seine Tanzpartnerinnen gelegentlich Orgasmen hätten, wenn er mit ihnen tanze. Ich fragte ihn, ob er sicher sei, dass die Orgasmen nicht nur vorgespielt sind. Daraufhin guckte er ziemlich verwirrt. Tja. Schon wieder jemand, der When Harry met Sally nicht gesehen hat...

Hinweis von Mikamou: Die entsprechende Szene aus dem Film ist hier zu sehen.

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Das Drehen, die Hüfte und der Oberkörper

Mittwoch, 6. Mai 2009

Mittwochkurs, erneut arbeiten wir fest an den Drehungen. Eigendrehungen entstehen ja immer aus der Verdrehung von Oberkörper und Hüfte, und damit habe ich eigentlich aus dem Salsa schon genügend Erfahrung. Aber mit einer Umarmung ist das eben nicht so simpel. Offen setze ich meine Hüfte noch zuwenig ein, weil ich dann sofort das Gefühl habe, dass ich die Geschwindigkeit meiner Partnerin nicht mehr kontrollieren kann. Ist jedenfalls verwirrend, wenn man eigentlich noch eine Sacada setzen wollte, dort aber kein Fuss mehr zu finden ist.

Wir haben die Variante dann noch geschlossen ausprobiert, ohne Sacada, der Mann geht mit seinem linken Fuss zum Standbein der Frau in der Mitte und kreuzt danach rechts hinten ein. Balance wackelig, Timing schwierig, aber es kommt. Warum ist das eigentlich so vertrackt, bewusst einen bestimmten Schritt zu setzen und gleichzeitig den Oberkörper ruhig und gerade nach rechts zu drehen? Wenn man es kann, sieht es jedenfalls nicht nur schick aus, sondern es ist auch in höchstem Masse milongatauglich.

Apropos Milonga: Am Wochenende hatte ich meinen sechsten Korb abgeholt. Trotz Cabeceo. Täterschaft war erneut weiblich. Nur fürs Protokoll...

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Eingezwängte Frauenfantasien

Sonntag, 10. Mai 2009

Ein dröhender Kopf, Halsschmerzen, laufende Nase -- halt mal ein Wochenende ohne Tango. Dafür komme ich endlich dazu, mir in Ruhe Tango Lesson von Sally Potter anzusehen. Die Inszenierung wirkt, die Tanzszenen und die Schauplätze sind sorgfältig bebildert, Atmosphäre und Musik kommen rüber. Nur leider sind da lauter holprige Dialoge und eine völlig konstruiert wirkende Geschichte. Man ist jedenfalls froh, wenn Pablo Veron jeweils endlich zu reden aufhört und dafür tanzt.

Und Sally? Spätestens, wenn sie zusammen mit drei Männern durch den Raum wirbelt, wird klar, dass hier eine Frau ihre tiefsten Fantasien verfilmt hat. Daran wäre nichts auszusetzen, hätte sie nicht die starken Bilder in "Lektionen" eingeteilt und damit geschwächt. Der Dialog zwischen zwei Menschen geht eben auch dann weiter, wenn es nichts mehr zu sagen gibt, und so tief der Film emotionell auch geht, so oberflächlich bleibt er auf der intellektuellen Ebene. Aber vielleicht hat Sally Potter damit den widersprüchlichen Tango ganz gut getroffen.

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Kommentar von Cassiel

Ich habe bei der Lektüre Deines Eintrags schmunzeln müssen. Ich bin auch kein Fan von dem Film - aber "Gott sei Dank" bin ich nicht der einzige. Da können auch die schönsten Orte effektvoll in schwarz-weiss inszeniert sein... insgesamt ist der Film m. E. unbefriedigend. (ähnlich erging es mir übrigens mit "Tango" von Carlos Saura.) Bei dem Versuch aufzudecken, was mich da stört, bin ich auf einen drastischen Vergleich gekommen. Es ist wohl ähnlich wie bei pornographischen Filmen: Wenn das zentrale Anliegen derartig dominant wird, dass sich auch keine vernünftige (Gesamt-)Handlung bilden kann, wird es schwierig.

Na ja, ich warte mal gespannt auf Deine Rezension von "Je ne suis pas là pour être aimé". Der Film hat mir sehr gut gefallen, weil er auch in den Nicht-Tango-Szenen über den Tango erzählt.

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Kommentar von Joachim

"Tango Lesson" fühlte sich kurz nach der Entstehung deutlich anders an als heute - ich bekam den Film vor einigen Wochen geschenkt und habe ihn mir unter dem Aspekt "12 Jahre nach Entstehung" angesehen und, sofern noch vorhanden, mit meinen Erinnerungen von "damals" verglichen.

Aus Sally Potters Sicht auf eine beginnende Tanguera, die in der Vorbereitungsphase mit Pablo Verron 1995(!) in Amsterdam auftrat, ist der Film bestimmt stimmig. Nicht lange zuvor brachte ihr "Das Piano" einen Durchbruch. Viele der Erzähl- und Darstellungsarten fand ich in "Tango Lesson" wieder, aber damals waren natürlich die Tanzszenen der jungen Garde der neuen Tangolehrer erheblich interessanter als irgendwelche Handlungen im Film. Man kann "Je ne suis pas là pour être aimé" zwar vergleichen mit "Tango Lesson", aber das Anliegen ist doch total unterschiedlich. Der Vergleich wird keinem der beiden Filme gerecht - meiner Meinung nach ergänzen sie sich eher, als da sie sich widersprechen.

Die Blickwinkel sind sehr unterschiedlich - einmal aus Frauen- einmal aus Männersicht. Einmal existierende Künstlerin mit Bezug auf ihre anderen Filme, teils dokumetarisch. Ein ander Mal einer von vielen Tangoschülern, ohne Ambitionen auf Bühnenauftritte, aber am Beginn aller seelischen Erschütterungen, die das Tangueroleben so mit sich bringt.

Einmal ohne Tangoprominenz, einmal mit einem Pablo, der sich völlig ohne Anstrengung als der arrogante Sack outet, der er für mich bleiben wird - wenn er auch noch so engelsmässig schwerelos tanzen mag : )

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Antwort von Patrick

Jedenfalls erscheint mir die Chemie zwischen King Kong und der weissen Frau deutlich stimmiger, wenn sie gegen Ende des Films im Central Park gemeinsam noch ein paar Giros drehen. Ich muss da immer weinen. Bei Pablo und Sally hab ich mich nur am Kopf gekratzt. Physiktango halt.

Zu Pablo Veron: Ich weiss aus guter Quelle, dass er vor Jahren an einem Workshop in Zürich Sequenzen vorgezeigt und dann jeweils gelangweilt einen Ball an die Wand geworfen hatte, während die Leute geübt haben. Ist auch eine eigene Didaktik...

Apropos Tangofilme: Hat jemand schon irgendwo einen schweizer Kinostarttermin für Der letzte Applaus gesehen?

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Kommentar von Anonymous

Du vergleichst Pablo Veron mit King Kong? Das geht schon ein bisschen zu weit...

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Antwort von Patrick

Nun, beide Hauptprotagonisten haben Probleme mit ihrem Testosteronspiegel. In beiden Filmen gibt es keine Sexszenen. Und jedesmal steht im Finale die These "It was beauty killed the beast" zumindest im Raum. Einen Vergleich mit "Titanic" verkneife ich mir jetzt...

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Tango Argentino Desnudo

Dienstag, 12. Mai 2009

In Berlin kann man im Juni den Tango nackt lernen, witzigerweise unterrichtet das dort ein Zürcher Tangolehrer. Wirklich stilecht wäre es gewesen, wenn er aus dem Appenzell gekommen wäre. Ob das Angebot einschlägt? Ich weiss es nicht. Sich führen lassen benötigt eh schon viel Vertrauen und Offenheit bei der Frau, möglicherweise ist das dann ein wenig too much an Intimität.

Tanzt man dort mit oder ohne Schuhe? Barfusstango hat ja was sehr Sinnliches, wie ich schon herausgefunden habe. Vielleicht rufe ich mal zur Tangoblog-Barfussmilonga irgendwo am Rhein auf. Oder zur Desnudo-Vollmondmilonga auf einer zeckenfreien Waldlichtung...

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Kommentar von Joachim

Ja, dann aber rechtzeitig vorm Winter. Wenn FKK Tango nun in Mode kommt, sollte man schon ein wenig vorne mit dabei sein, bevor sich Greti und Pleti die schwarzen Fummel vom Leib reissen und ihre emotional mentalen Erfahrungshorizonte in Regionen ausdehnen, wo es immer weniger Mitwisser gibt. Macht sich bestimmt gut auf der "Wie ich TangoGuru wurde" website, die sicher in Kürze auch zu erwarten ist.

Was ich mich wundere: Man braucht schon ein gewisses Talent, um nicht zu sagen, Bedürfnis, um solche Seiten wie "Integral Nacktiv" überhaupt nur zu finden. Journalistisches Gespür für zukünftige Knallerthemen? Mehr über T&A im nächsten Blog? Wobei der Zürcher Tangolehrer ja ebenfalls Journalist ist, honi soit qui mal y pense.

Interessant bei "Integral Nacktiv" ist das Verfahren mit der Anmeldung. Weibliche Singles dürfen sich sofort anmelden - lechz, sabber - für männliche gibt es eine Interessentenliste (die nach Abgleich mit der Sittenstrolch-Datei von BKA, FBI, Interpol, KGB und Basellandschaftlichem Dezernat für Sexualdelikte ihren Anmeldeobulus entrichten dürfen). Freie Fahrt für weibliche Übergriffswillige...

FKK Tango, soso. Naja, wenns die Kasse füllt.

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Antwort von Patrick

Wäre Kassenfüllen die Idee, würde die Männerüberschussprävention wohl via höhere Preise für männliche Teilnehmer gesteuert -- aber auf der Seite sind dazu auch viel zu wenig esoterisch angehauchte Buzzwörter zu finden. Aber offenbar kommt das Nacktsein nicht vom Sittenstrolchimage los, ebenso wie der Tango seinen Bordellgeruch nicht abstreifen kann.

Wie man die Seite findet? Ich hab gegoogelt. Und sogar die ganzen Bilder angeguckt. Wenn damit nun meine Chancen bei der nächsten Papstwahl sinken, dann ist das auch nicht tragisch.

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Kommentar von Joachim

Gegoogelt? Nach "Nackt Tango tanzen"??? Jessasmarjaunjosef, warum, Bub? Sind die Sitten nicht schon genug am verfallen, muss der Unterschied zu Früherwoallesbesserwar noch krasser ausfallen?

Hast Du zuviel Freizeit zwischen den Einzelstunden? ; )

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Antwort von Patrick

Früher? Bei den alten schamlosen Griechen? Aber viel besser als mit Deiner Mischung aus Empörung und Ironie hättest Du die These "Prüderie ist ein Produkt der Aufklärung" kaum bestätigen können.

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Kommentar von Ironia

Endlich eröffnen sich ganz neue Auswahlmöglichkeiten bei der Tanzpartner Wahl. Und es ist nicht auszuschliessen, dass aus dem traditionellen 'Blicken und Nicken' ein 'Blicken und Kichern' wird. Gespannt bin ich auch wie sich ein männlicher Körper, welcher schon in bekleidetem Zustand die Aesthetik einer Waschmaschine hat, sich in seiner gottgeschaffenen Blösse zur Musik bewegt. Empfehlenswert wäre auch ein Zusatzangebot mit Urschreitherapie. Könnte man sich doch so peinliche Dialoge ersparen und nackt und nacktschreiend und nacktschreiendschwitzend aneinandergeklebt eine Tanda geniessen.

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Kommentar von Pablo

Haha, das erinnert an Qeertango Berlin ;)

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Kommentar von Elbnymphe

Was man so hört, fand ein "Nackter Tango" vor kurzem auch in Stuttgart statt.

Mir behagt die Idee allerdings überhaupt nicht. Erstens, weil ich als Frau gerade beim Tango auch über Kleidung kommuniziere (die Männer sicher auch). Darüberhinaus, weil für mich die Erotik beim Tango nie vordergründig ist, sondern im Freud'schen Sinne "sublimiert" auftritt, d. h. "eine Umwandlung oder Umlenkung von Triebwünschen in kulturell anerkannte Verhaltensweisen" (frei nach Wikipedia). Nicht umsonst gibt es diesen ganzen Kodex, die ganze Etikette beim Tango, eben um bei all der Sinnlichkeit irgendwo den Deckel draufzuhalten. Salsa ist für mich viel eher der Tanz, der "sexy" ist, der sozusagen Sex durch alle Poren schwitzt, während sich der Tango dezent mit einem Hauch Erotik parfümiert.

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Antwort von Patrick

Der Kurs in Berlin sowie das Event in Stuttgart scheinen mir wenig gemeinsam zu haben, aber ich verbinde Nacktheit auch nicht automatisch mit Sexualität. Auch scheinen beim Tanz viele Folgende zu vergessen, woran der Führende so alles denken muss -- für Paarungsfantasien bleibt da nicht soviel Rechenleistung übrig, nein, auch beim Salsa nicht.

Manchmal grüble ich darüber nach, was die wilden Tänzer der Habanera und Candome zum Begriff "Sublimieren" gesagt hätten. Natürlich kann man die Beckenbewegungen verteufeln (moralische Variante) oder verklärend ins Himmelreich erheben (tantrische Variante), aber sie bleiben letztlich simple Beckenbewegungen. Und die können unabhängig von der Etikette respektvoll oder respektlos sein...

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Kommentar von Oldi

Was es nicht alles gibt! Während im ersten Beispiel Nudisten und Selbstsucher den Tango für ihre Zwecke missbrauchen, scheinen im zweiten Beispiel einige geile Typen den Tango als Verkehrsmittel zu nutzen. Jedem das Seine.

Ich wünsche mir, dass es auch in Zukunft noch genügend geschmackvoll angezogene Tangueras gibt, welche mit der Kunst der Verhüllung und dem Spiel damit, eine erotische Atmosphäre an eine Milonga zaubern können. Herzlichen Dank, euch Tangueras, für eure Bemühungen und Phantasie euch mit so viel Liebe zum Detail zu kleiden.

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Negative Partnerwechsel und positive Filmkritiken

Mittwoch, 13. Mai 2009

Mittwochkurs. Manchmal ist es durchaus amüsant, wenn man zu früh da ist und den vorhergehenden Anfängerkurs beobachten kann. Nach einer Erklärung ruft Cécile die magischen Worte in die Runde: "Probiert das aus, wenn ihr wollt mit eurem jetzigen Partner -- oder geht wieder zu eurem Ursprungspartner zurück". Grosses Kopfkratzen im Raum, viele "Äh..", "Öhm..." und "Also...ich weiss nicht...vielleicht?". Irgendwann wird es Cécile zu bunt und sie ruft "Leute, zurück zu Euren Partnern!". Tja. Partnerwechsel in den Kursen müssen offenbar autoritär befohlen werden, sonst klappt das nicht. Fehlender Gemeinsinn zum solidarischen Leiden?

Leute mit Leidensfähigkeit und einer positiven Phase hingegen sind bei TangoMuenchen.de gesucht: Wer zu "Der letzte Applaus" eine positive Kritik schreibt, kann eine CD mit der Filmmusik gewinnen. Jetzt weiss ich, wieso man beim Googeln nach "Tanguera" von Lobhudeleien erschlagen wird. Und da ich auch aus eigener Erfahrung weiss, wie blitzschnell bei TangoMuenchen.de Missliebiges spurlos gelöscht wird, rate ich, doch lieber woanders seine ehrliche Meinung zu publizieren.

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Rückwärtsgang als Erlebnis

Donnerstag, 14. Mai 2009

Aushilfe im Salsa Cubana: Wir proben eine Figur, in der sich der Mann seitlich bei der Frau einhakt und beide im Kreis laufen. Dabei läuft die Frau rückwärts. "Ist ziemlich ungewohnt. Aber es macht Spass", meint die Tanzpartnerin nach den ersten Versuchen. "So ähnlich fühlt sich Tango an", erwähne ich, und setze den harmlosesten Gesichtsausdruck auf, den ich kenne. "Wirklich?", fragt sie grinsend.

Ok. Ich werde nie mehr über Missionare lästern...

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Rutschpartie im Totentanz

Freitag, 15. Mai 2009

Erstaunlich: Kein Männerüberschuss im Totentanz, ausserdem am Buffet grosse Mengen von süchtigmachenden Schümli (Für die Nichtschweizer: Das ist ein leicht schokoladenhaltiges Schaumgebäck). Dafür ein Boden, dessen Eigenschaften etwas schwierig zu beschreiben sind. Äh...wie lautet die Steigerungsform von "rutschig"? Ausserdem noch immer viele Löcher, in denen die spitzbefusste Tanguera steckenbleiben kann. Dafür brauchts für den Toilettengang jetzt einen Schlüssel, was dem Zustand dieser Einrichtung nur guttut.

Ziemlich beeindruckt war ich von einer Tanguera, die trotz meiner Rutschpartie jederzeit völlig stabil die Balance behielt und sich von mir nie aus der Achse bringen liess. Wo lernt frau sowas?

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Genussminderung durch Hekta-Dezibel

Samstag, 16. Mai 2009

Salsa del Sol im Tanzpalast ist eigentlich eine Offenbarung: Endlich viel Platz am Wochenende zum Salsatanzen, bezahlbar, rauchfrei und nette Leute. Nur die Lautstärke ist jedesmal derart ohrenbetäubend, dass ich wohl künftig nicht mehr hingehen werde. Sich am Tanzen berauschen kann man doch auch in dezenten Lautstärkebereichen. Aus demselben Grund ist diesen Sonntag auch das Merian für mich keine Option: Oscar Moyano hat schon zu oft mit dem Lautstärkeregler rumgespielt, als dass ich ihm meine Ohren nochmals anvertrauen werde. Wir bräuchten vielleicht mal Dezibel-O-Meter an den Milongas...

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Kommentar von Joachim

Du willst also damit sagen, dass Du noch nicht imstande bist (auf dem Weg zum Guru darf man sich natürlich die eine oder andre Unzulänglichkeit leisten - das betont das Menschliche. Glaube ich.) unter allen Umständen einer Tanguera Halt zu geben? Rückwärts, Vorwärts, auf Glatteis, Schmierseife und Noppenboden, auf Dielen mit aparten Zwischen-Canyons, in der staubigen Marmorwüste einer Mitte?

Dann kannst Du Dir eigentlich fast keine Kapriolen leisten. Die Schalldämpfer in die Ohren gepfeffert und los ins Azul. Herum-memmen kannst Du auch morgen noch : D

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Imageprobleme zwischen Stuhl und Bank

Sonntag, 17. Mai 2009

Es war ein guter Sonntag: Baselland hat nun dasselbe Rauchverbot wie Baselstadt, und in Bern wird das Kulturzentrum Progr (und damit die dortige Milonga) vorläufig weitergeführt wie bisher -- zumindest so lange wie das Geld dafür reicht.

Wirklich erhellend war für mich aber eine Party am Sonntag Abend: In einer Plauderei in der Küche (warum auch immer, alle interessanten Partygespräche finden erstaunlicherweise in Küchen statt) schwärmte ich von meinen ersten Ostertango-Erfahrungen im Jahr 2008 und erwähnte das Wort "Afterhour", die Augen einer mitlauschenden Tanguera wurden dabei immer grösser. "Eigentlich sollte man die Nähe beim Tango nicht mit Affären vermischen", meinte sie irgendwann dazu. Als ich erklärte, dass "Afterhour" eine völlig harmlose (wenn auch späte) Veranstaltung im offiziellen Festivalprogramm war, klärte sich das Missverständnis rasch. Von den inoffiziellen (aber ebenfalls recht braven) Afterhours am Rhein hab ich dann geschwiegen...

Wie auch immer: Ich bin schon erstaunt, für wie brav einerseits und wie unbrav andererseits ich regelmässig gehalten werden. Vielleicht sollte ich mehr von einsamen Nächten auf Schlafsofas schreiben, in denen Zelda, ein MP3-Player und die letzte Ausgabe der Eisenbahnrevue meine einzigen Tröster sind. Aber wo andere Blogger zu diesem Thema tiefsinnige Tangopoeten bemühen, zitiere ich lieber die Peanuts: "Es regnet auf Gerechte und Ungerechte", sinnieren Charlie Brown und Linus gemeinsam, als sie durch den Regen laufen. Snoopy als Schlusslicht der Gruppe analysiert das Problem perfekt: "Und was ist mit denen dazwischen?"

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Kommentar von Roberto

Ich gehe sehr davon aus, dass du in Baselstadt wohnst und dich wohl meistens dort aufhälst. Milongas in BL sind mir unbekannt. Das Rauchverbot in BL geht dich daher eigentlich gar nichts an. Ich glaube dir ja so oder so nicht, dass es dir um den Schutz von irgendjemandem ausser dir geht und natürlich auch noch um das Verbot an sich. Du würdest ja wahrscheinlich am liebsten Milongas verbieten, wo geraucht, zu laute Musik gespielt wird, wo Leute nicht Milonquero tanzen, wo sie überhaupt zu gross oder zu klein sind, allenfalls sogar Mundgeruch haben oder sonstwie aus dem Rahmen fallen.

Da kann man nur hoffen, dass es für Leute wie dich baldmöglichst absolut geräuscharme und sterile Milongas mit Zutrittskontrolle gibt. Wo ich dann allerdings nicht hingehe.

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Kommentar von Alexander

"[...]Das Rauchverbot in BL geht dich daher eigentlich gar nichts an. Ich glaube dir ja so oder so nicht, dass es dir um den Schutz von irgendjemandem ausser dir geht und natürlich auch noch um das Verbot an sich."

Hui, es ist doch immer wieder erstaunlich, welche Beissreflexe die Erwähnung von Rauchverboten oder Nichtraucherschutzgesetzen hervorrufen...

...und im übrigen, was ist daran falsch, sich um das eigene Wohl zu sorgen.

"Du würdest ja wahrscheinlich am liebsten Milongas verbieten, wo geraucht, zu laute Musik gespielt wird, wo Leute nicht Milonquero tanzen, ..."

Ui... Also... Kann man das denn? Das beschreibt mehrere Eckdaten für Veranstaltungen, die genau meinen Vorlieben entgegen kommen. Und um etwas konstruktives beisteuern zu können: Tango-tradicional.de

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Kommentar von Mikamou

An Roberto: Wo kommt denn die ganze negative Energie her? Wie wär's mit "Leben und leben lassen." Nicht dass ich Patricks Meinungen teile, eher selten, aber ich lese sie immer gerne.

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Kommentar von Joachim

Tja, ich glaube Patrick auch nicht, dass er wegen andrer Leute das Rauchverbot gut findet - aber das hat er ja auch nie behauptet. Gibt also auch nichts zu glauben. So, wie ich das bisher verstanden habe, ging's ihm in seinem Blog um seine Gesundheit. Eine Abneigung gegenüber kleinen Leuten konnte ich auch noch keine entdecken.

Umgekehrt kenne ich keine einzige Milonga, die wegen lauter Musik, verqualmter Luft und Unterangebot an Milongueros von allen gern frequentiert wird ; )

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Antwort von Patrick

Ich mag einfach keine gereizten Atemwege sowie pfeifende Ohren, daher bin ich um jeden neu zugänglichen Ort froh. So wie sich der Rollstuhlfahrer über intelligent gebaute Rampen freut, da kann der Bauherr noch lange über die Kosten jammern. Aus demselben Grund freue ich mich auch über Webseiten, die nicht mit Flash zugekleistert sind. Ja, das wäre ein Milonguero-Festival gewesen, und deren Webdesigner wird vermutlich noch immer grübeln, warum man die Seite mit den üblichen Suchbegriffen bei Google nicht findet.

Aber Roberto hat schon recht: Das wahre Problem an den Milongas sind die grossen Frauen. Überall diese zahlreichen 1.85-Tangueras. Skandalös, dass die entsprechende EU-Richtlinie zur Grössenbeschränkung an den Milongas noch immer nicht umgesetzt ist...

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Kommentar von Monika

Ach Patrick, DAS Problem ist doch nun wirklich einfach zu lösen: selbst Schuhe mit 10-cm-Absätzen (nicht zwingend Stilettos, wegen der Balance) anziehen. Bei einer geschätzten Körpergrösse von 1.82 des Durchschnittstänzers ergibt das 1.92 - da bleiben nicht mehr viele Frauen die es schaffen grösser zu sein...

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Antwort von Patrick

Männertanzschuhe mit zehn Zentimetern Absatz? Hey, wir modediskriminierten Männer können froh sein, wenn wir bei Hemden mit Buttondown-Kragen zwischen ganzen drei Farben auswählen dürfen. Und selbst wenn: Trage ich höhere Absätze, kommen die Frauen nächste Woche mit noch höheren Absätzen. Ich glaub das nennt man dann Rüstungswettlauf. Nein, wir brauchen geschlechtsselektive Hängebalken. Meinetwegen gepolstert...

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Kommentar von Monika

DREI Farben? - Boah, da sind die meisten Männer doch völlig überfordert...

Mit der männlichen Aufrüstung auf 10-cm-Absätze wäre der Rüstungswettlauf beendet, weil, wie wir gestern (mal wieder) gelernt haben muss der Fuss ja abrollen können beim Tango tanzen, und das geht auf Plateausohlen - einzige Möglichkeit die Grösse weiter zu steigern - nun wirklich nicht. Ich bin gespannt wie Du diesen Lösungsansatz modisch umsetzt ;-)

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Die ersten Dreherfolge

Mittwoch, 20. Mai 2009

Die Mittagsmilonga war heiss und schön, die Abendmilonga weniger heiss und dennoch schön, und so langsam kriege ich auch das Gefühl für die geschlossenen Drehungen. Nur: Es ist schon leicht überfordernd, gleichzeitig mit dem rechten Fuss hinten einzukreuzen, die Balance zu halten, den Oberkörper gerade nach rechts zu drehen, sowie passend zum Rhythmus der Musik und der Geschwindigkeit der Frau dann noch Gewichtswechsel vorzunehmen. Zumal die Frau ihren Seitenschritt verdoppeln oder auch nicht verdoppeln kann, ausserdem kann sie ihn klein oder gross tanzen -- das ergibt in der Summe recht viele rhythmische Varianten. Insofern tanzt man die Giros zu Di Sarli anders als zu Pugliese und bei Piazzolla nochmals anders. Sofern man das alles sauber führen kann. Vielleicht sind es tatsächlich nur noch acht Jahre bis zum Guru, aber mindestens doppelt so viele bis zum Giroguru...

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Kommentar von Samuel

Nimmt mich schon lange wunder was denn deine Kriterien für den Guru Status sind. Oder gibts ein Über-Guru, der dich zum Guru ernennt?

Hab grad ne Gruppe von Sebastian Arce auf Facebook gefunden - der würde sich freiwillig als Über-Guru anbieten: "This group is meant to gather the profiles of the 'world-best-known' artists & promoters of Argentine Tango. You can join at any time if you consider your name should be listed in this group. Please note that your application will be checked ..."

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Antwort von Patrick

Gurus erkennt man daran, dass sie viele Jünger (und noch mehr Jüngerinnen), viele Autos und einen langen Bart haben. Darin (nein, nicht nur im Bart) liegt aber auch das Dilemma: Niemand käme auf den Gedanken, dass sie eigentlich verflucht einsam sind.

Insofern ist der Guru eine ziemlich ambivalente Figur, über die man sich lieber lustig macht als sich selbst an deren Stelle zu setzen. So als diffuses Annäherungsziel ist es ganz ok, aber spätestens 2017 muss ich mir dann halt was ausdenken. Bis dahin lebe ich selbstbewusst in der Gegenwart. Meine Giros mögen noch wackelig sein, aber ich betreibe immerhin ein Tangoblog, dass in Basel-Gundeldingen seinesgleichen sucht...

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Kommentar von Joachim

"....aber ich betreibe immerhin ein Tangoblog, dass in Basel-Gundeldingen seinesgleichen sucht..."

Wieso? Ist es einsam, dass Blog? (Hier fehlen Smilies. Kann mal einer dem webmaster...?)

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Antwort von Patrick

Das erneute persiflieren von Persiflagen ist böse(tm), vor allem, wenn man als Basler Szenekenner den obigen Ausdruck mühelos zuordnen kann...

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Ventilatorenprobleme

Samstag, 23. Mai 2009

Ein lauer Frühsommerabend, und im Totentanz stieg die Temperatur und Luftfeuchtigkeit trotz offener Fenster entsprechend an. Halbwegs voll war es, und die Navigation war ziemlich anstrengend -- unter dem Strich habe ich mehr geplaudert als getanzt. Immerhin durfte ich in der letzten halben Stunde eine fast leere Tanzfläche geniessen und wagte einige Tänze mit geschlossenen Augen. Freiheit pur.

Interessanterweise scheinen nicht alle Frauen die eingeschalteten Ventilatoren zu schätzen. So lauschte ich ein Gespräch mit, in dem eine Tanguera erwähnte, dass ein durch den Luftstrom hochgewirbelter Rock in Verbindung mit einem Stringslip ein ernsthaftes Problem sein könnte. Das Thema erinnerte mich an eine frühere Discofox-Partnerin, die bei schnellen Drehungen immer mit einer Hand ihren Rock festgehalten hatte. Konnten sich deswegen Spiegelböden in der Tanzszene nie durchsetzen? Gehen deshalb soviele Frauen gerne in die Kuppel, obwohl es dort zappenduster ist? Die Frauenwelt birgt noch immer Mysterien...

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Kommentar von Elbnymphe

Da kann ich nur sagen, Stringtangas beim Tango zeugen nicht gerade von Stil. Die Dinger sind mords unbequem, sehen nicht schön aus, und das Argument, dass sie als Einzige die unschönen Abdrücke (panty lines) unter engen Kleidern verhindern, zieht auch nicht, denn es gibt wunderschöne Nahtlos-Unterwäsche ("seamless"), die den Namen Dessous auch verdient, so dass man sich vor einem Ventilator nicht mit unschönen Verrenkungen in Schutz nehmen muss. Nur meine bescheidenen 2 Cents, soll keine Beleidigung von Dritt-Tangas darstellen..

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Heisse Umarmungen mit Maxi

Sonntag, 24. Mai 2009

Milonguero-Workshop in Zürich mit Maximiliano Gluzman bei gefühlten dreissig Grad Aussen- und Innentemperatur. "Tango Essentials" lautet das Motto, und in der Tat arbeiten wir geschlagene vier Stunden intensiv am Gehen in der geschlossenen Umarmung, an Haltung und Gewichtswechsel, an verschiedenen Schrittgrössen sowie am sauberen Führen von Milonguero-Ochos rückwärts. Also lauter simples Zeug, das man eigentlich ja längst beherrscht, oder?

Oder. Die Übungen sahen alle simpel aus, aber ich musste feststellen, dass meine Haltung noch kräftig verbesserungswürdig ist und ich noch immer zuwenig aus dem Zentrum heraus führe. Eine besonders gemeine Übung: Während des Gehens einmal lediglich einen Schritt machen, die Frau aber nur mit dem Oberkörper derweil fliessend zwei Schritte weiter führen. Ich kanns nicht. Noch nicht.

Maxis Erklärungen sind leider immer etwas langatmig, aber glücklicherweise haben die Veranstalter am Buffet feinen Kuchen zur motorischen Beschäftigung hingestellt. Auch sind elf Paare bei einem Lehrer hart an der Grenze, wobei mir das bei einem vierstündigen Workshop im Vergleich zu den üblichen 90 Minuten-Anlässen noch annehmbar scheint.

Ach ja, und eine Tanguera wedelte während des Workshops pausenlos mit ihrem Rock, um sich etwas Abkühlung zu verschaffen. Ihr fehlten offensichtlich die Bodenventilatoren, aber in Erinnerung meines gestrigen Blogeintrages weiss ich natürlich nicht, ob das für sie nicht das grössere Übel gewesen wäre. Apropos Übel: Auch die Zürcher liessen heute kein gutes Haar an den Zürcher Milongas. Bin mal auf die kommenden Festivalitos und Festivalwochen gespannt...

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Musikalische Freuden in Bern

Dienstag, 26. Mai 2009

Der Musikmix an einer Milonga entscheidet bei mir stark über die Stimmung, und heute im Progr war die Mischung phänomenal gut. Die unbekannte DJane hatte zwar recht früh am Abend eine Tanda mit lediglich zwei Milongas gespielt (sowas verstösst ja fast gegen die Menschenrechte), aber sowas vergibt man, wenn die Musik ansonsten erfrischend abwechslungsreich ist.

Nach einigen schönen Tänzen in den ersten eineinhalb Stunden starrten allerdings sämtliche Frauen irgendwie nur noch auf den Boden, und eine geraume Zeit lang musste ich die ganze mitreissende Musik nasebohrend und passiv erleben -- erzählen die Berner Tanzschulen in den Kursen eigentlich nichts vom Cabeceo? Wie auch immer, die letzte halbe Stunde war dafür traumhaft schön. Leider wird der Blick zur Uhr fast schon zum Ritual, wenn der letzte Zug nicht verpasst werden sollte...

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Das sanfte Kreuz mit der Achse

Mittwoch, 27. Mai 2009

Mittwochskurs. Frau ins Kreuz führen, sanft drehen, Bewegung einer Acht mit dem Oberkörper führen und dabei die Frau leicht aus der Achse heben -- fertig ist die Doppelvolgada. Am Ende der Stunde hab ichs sogar halbwegs fliessend hingekriegt. Das ist deshalb besonders motivierend, weil ich bisher lediglich Einzelvolgadas führen konnte: Ab dem Absetzen des Frauenfusses und dem Beginn der zweiten Volgada waren mir bislang immer meine eigenen Füsse im Weg. Eigentlich ist die Lösung dafür simpel: Man muss sich eben selbst entsprechend Drehen, dazu jeweils auch bei den eigenen Füssen rechtzeitig das Gewicht wechseln und den freien Fuss mit- oder wegschwingen.

Froh war ich auch über den deutlichen Hinweis von Cécile und Romeo, dass die ganze Bewegung aus dem Oberkörper kommt und man nicht mit der linken Hand kräftig herumrühren soll. An Milongas laufe ich immer mal wieder an Frauen, die offenbar erwarten, dass ich sie mit meiner linken Hand durch alle Figuren drücke -- ich habe mich inzwischen daran gewöhnt, dass die mich eh nach spätestens zwei Tänzen stehen lassen. Ein Mann hatte mir zu dem Thema mal erklärt, dass man mit den Händen eben viel mehr verschiedene Figuren führen könne. Tja, mag sein. Aber zumindest simples Gehen, Ochos, Giros, Sacadas und Voldacas gehen definitiv ohne linke Hand...

In das Kapitel passt auch die Bemerkung einer Frau, die mich schon in den ersten Monaten meines Tangodaseins mit ihren Thesen geärgert hatte: "Du mit Deinem zierlichen Körperbau wirst nie so deutlich führen können wie jemand, der kräftig gebaut ist", sagte sie mir damals. Einige Monate später erzählte sie mir von einem Colgada-Workshop, den sie offenbar soeben gemacht hatte. "Du, das ist ja der Wahnsinn, wieviel Kraft der Mann da braucht!". Ich verkniff mir die Rückfrage, ob sie da nicht was mit einem Wrestling-Workshop verwechselt haben mag. Aber vielleicht ist Brutforce-Tango ja auch ein neuer Trend und ich bin bloss ein Softie...

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Kommentar von Cassiel

Uupps... da reibe ich mir aber gerade verwundert die Augen. Mit der linken Hand irgendetwas führen? Das ist mir ganz neu... vermutlich sind wir uns in unserer altmodischen Art ähnlich; auch ich versuche immer noch, alle Bewegungen der Frau mit dem Oberkörper zu führen... und Volcadas? Tja, die kann ich immer noch nicht ordentlich führen. Bevor es dann auf einer Milonga komisch aussieht, verzichte ich lieber darauf...

Ich schätze die Tangueras sehr, die sich auf meine ganz leise Art der Führung einlassen. Dann wird es aber sehr häufig zu einem Erlebnis. Ich war nie der Tanguero, der viel Kraft aufgewendet hat. Ich lerne aber immer noch, mich selbst und den Kraftaufwand noch weiter zurückzunehmen. Letztendlich ist das exakte Timing und eine entschlossene aber fast unmerkliche Führung meine Zielvorstellung.

Dein Gedanke zum Wrestlingworkshop entlockte mir ein breites Grinsen... ;-)

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Kommentar von Mikamou

Da lass mich mal überraschen wie du die "Doppelvolgadas" führen wirst. :D Versuch sie mal ohne die linke Hand, ist möglich aber nicht gerade einfach ;) Ich würde an deiner Stelle den (Tango)kontakt zu AnhängerInnen von solch abstrusen Thesen meiden.

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Kommentar von Monika

"(...) dass ich sie mit meiner linken Hand durch alle Figuren drücke -- (...)

mit der LINKEN Hand???? - Rechts könnte ich ja noch halbwegs verstehen und habe es auch schon erlebt, aber mit des Herrn LINKER Hand??? - Wie geht das? - fragt ziemlich blöde und einfältig Monika

(die zwar notdürftig führen kann aber ein ziemlich lausiger Herr ist. Wenn ich obige Forderungen einiger Damen höre bleib ich das aber gern...)

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Antwort von Patrick

Jepp, mit der linken Hand. Sieht man auf Milongas recht oft, wenn man den Paaren genauer auf die Finger guckt -- vor allem bei Leuten, die "halboffen" tanzen: Er zerrt sie mit seiner linken Hand durch die Figuren durch, und zwar auch durch Ochos und Giros. Und es scheint mir, dass doch einigen Frauen dieser Stil durchaus gefällt. Mir würde wohl nach spätestens zehn Minuten der Arm abfallen...

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Kommentar von Pablo

Eigentlich ist es ganz simpel. Tango wie auch jeder andere Tanz; Bewegungen entstehen immer mit dem ganzen Körper. Nicht die Arme, nicht der Oberkörper,..... Getanzte Umarmung, etc. völliger Quatsch.

Fast jede Bewegungssportart (inkl Tanzen) hat sich in den letzten 15 Jahren verändert. Sportstudium 1 Semester!

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Antwort von Patrick

Selbst wenn nun erstsemestrige Sportstudenten durch die Analyse von motorischen Aktivitäten den Milonguerostil als Illusion entlarven sollten, hey, mir egal, ich werde mich dennoch weiterhin dem Zauber der geschlossenen Umarmung hingeben...

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Kommentar von Monika

Fast jede Sportart hat sich verändert: jein, im Tango ist in den letzten 30 Jahren ein neuer Stil, eine neue Art zu tanzen dazugekommen der (vermeintlich) mehr Freiheit gibt als die geschlossene Umarmung (obwohl die wirklich guten Tänzer praktisch alle Bewegungen aus der offenen Umarmung auch geschlossen tanzen können, einfach nicht so raumgreifend und spektakulär. Ausnahme hier vielleicht: Rückwärts-Entradas, da muss man schon Schlangenmensch sein). Das hat aber am ursprünglichen Stil des 'social Tango' - ob man das nun Salon oder Milonguero oder sonstwie nennen will - nichts geändert. Und bitte, nicht falsch verstehen: ein jeder soll tanzen wie er will, ich werte das nicht, weiss nur was mir persönlich am meisten gefällt. Aber ich bin ja nicht der Nabel der Welt.

Und: Tanzt Du Tango, Pablo? - Ich zitiere: "Bewegungen entstehen immer mit dem ganzen Körper." - Genau! Da entsteht die Führung, im Körper... Und jede(r) der die linke Hand als Führung (miss)braucht (-en muss) ist technisch einfach noch ziemlich am Anfang des zugegeben langen und steilen Wegs... (und jetzt haut mich, ich steh dazu...). Und DAS hat genau garnix mit offener oder geschlossener Umarmung zu tun, nur mit Tanztechnik, Körperwahrnehmung (eigener und der des Partners)

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Volatile Nachfrage und die Überalterung

Freitag, 29. Mai 2009

An manchen Tagen gibt es doch ziemliches Kontrastprogramm: Am Donnerstag hatte ich zuerst in zwei Salsakursen hintereinander ausgeholfen und kam danach in der Practica bis gegen halb zwölf kaum zur Ruhe. So schleppte ich meinen müden Körper nach fünf Stunden Nonstoptanz glücklich nach Hause.

Und heute im Gare du Nord? Beschweren kann ich mich eigentlich nicht, ich kam zu einigen schönen Tänzen und wurde gar von einer bislang unbekannten Dame aufgefordert. Aber den Grossteil des Abends verbrachte ich däumchendrehend mit Ausblick auf viele herumsitzende und Löcher in die Luft starrende Tangueras. Reagiert haben sie nur, wenn grad Mr. Traumtanguero vorbeispaziert ist. Gut, die Kinobestuhlung im ovalen Saal ist in punkto Cabeceo auch nicht gerade sonderlich hilfreich, aber man muss sich ja auch nicht gerade in die hinterste Reihe setzen, oder?

Wirklich schockiert hat mich allerdings eine Frau, die meine Hüftbewegungen gesehen hat und mich natürlich gleich fragen musste, ob ich vom Salsa komme. Passiert mir oft. Aber der Beginn des Gesprächs war heftig. "Darf ich Du sagen?", fragte sie scheu. Himmel. Sehe ich wirklich schon so alt aus?

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Tanzfläche im Sonnenuntergang

Samstag, 30. Mai 2009

"PVC Tango Crash" hiess die Veranstaltung, und ich überlegte im voraus schon, ob das per Definition eine Rempelmilonga sein sollte. Ganz so schlimm war es dann doch nicht. Wo das war? Nun, ich bin am Abend zweimal von unbekannten Damen aufgefordert worden. Also sicher nicht Basel. Richtig, Freiburg im Stadttheater. Riesige Fensterfront mit wunderschönem Blick auf den Sonnenuntergang, viel Platz, guter Boden, mässig cabeceofreundliche Sitzordnung, etwas elektrolastiger Musikmix (dafür ein Salsa, war eine auflockernde Abwechslung) und viele zauberhafte Tänze. Ich sollte Tango-Busreisen nach Freiburg für geschundene Basler Männerseelen anbieten...

Noch am Nachmittag übte ich fleissig Mambo -- das ist Salsa mit eingeschaltetem Grosshirn, denn die Körperbewegung betont hier eben nicht den ersten, sondern den zweiten Takt, und das ist für mich noch immer ziemlich ungewohnt. Mit Tango hat das eigentlich nichts zu tun, aber da ich meinen Mambolehrer immer mit dummen Anspielungen auf Dirty Dancing nerve: Man stelle sich mal vor, Patrick Swayze spiele in dem Film einen Tangolehrer...

Apropos Dirty: In Karlsruhe ist jetzt ein sinnlicher Tango geplant. Nicht, dass vier Euro Differenz gross was ausmachen, aber unterschiedliche Eintrittspreise für Frauen und Männer wecken bei mir immer Argwohn. Der Dresscode ist amüsant: Ich kenne genug Männer, die gerade mit Sakko und gepflegter Hose definitiv nicht stilvoll angezogen sind...

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Kommentar von Tiziano

Hab mich auf der "Sinnlichen Tango" Site umgesehen.

Etwas blöderes hab ich nach dem Nackt-Workshop noch nicht angetroffen. Würde mir niemals in den Sinn kommen mich dort anzumelden, mit Foto und zu hoffen, dem Veranstalter genehm zu sein. Und billig ist der Eintritt auch nicht gerade.. Hoffe aber innigst, dass Du Patrick, hingehst und uns dann darüber berichtest ;)

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Kommentar von Minh

@Tiziano

1.) Du bist erwachsen genug um verantwortlich zu sein für dein Handeln, findest Du Etwas blöd, dann tu es nicht! kein Mensch zwingt Dich dazu. Nicht alles im Leben läuft wie man(n) es gerne hätte, akzeptiere es einfach!

2.) Ja, die Anmeldungsprocedere dient dazu um die "stänkernde" und unangenehme Gäste, die den Ablauf des Abends stören könnten auszusortieren!

3.) Kannst Du Dir den Eintritt nicht leisten, dann lass es sein, Niemand zwingt Dich dazu hinzugehen.

4.) Meinst Du im Ernst, dass ich Patrick, falls er sich anmelden würde, herein lasse?

@ Patrick

1.) Auch, wenn der preisliche Unterschied Dir nicht "schmeckt"... akzeptiere es einfach.

2.) "Dirty" ist Nichts, ausser, dass man(n) keine Ahnung hat und sich ein "schmutziges" Bild ausdenkt, lieber bin ich in einer schmutzigen Milonga mit "schmutzig aber angenehmen" Leuten zusammen als mit "cleanen" von nullahnung haben aber von alles-redenkönnenden Langweilern.

3.)Was den Dresscode angeht, man muss nicht immer von sich ausgehen und auf die anderen projektieren. ;)

Am Schluss noch einen kleinen Ratschlag von mir an Euch "übe" mal etwas mehr - sowohl beim Tango, als auch beim Schreiben und auch beim Auflegen, anstatt sinnfreie Äusserungen zu "verzapfen"...dann klappt es irgendwann auch mal mit dem Status "Möchtegern-Guru" und "Möchtegern-TangoDJ".

Nix für Ungut. Solong, Minh.

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Antwort von Patrick

Wegen des Vergleiches mit Dirty Dancing reagierst Du mit einem Hausverbot? Minh, an einem künftigen Tangoblog-Rheinschwimmen bist Du jedenfalls willkommen, und wenn Du im Sakko runterschwimmst, dann schwimme ich nackt.

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Kommentar von Tiziano

Oh jee, Minh, tut mir leid, wenn Du dich so persönlich angegriffen fühlst. Wüsste doch gerne wieso.

Ich hab einen Kommentar abgegeben zu einem angekündigtem Erreignis, dass sich auf einer (public) Site befindet. Alle können die anschauen und sich eine Meinung bilden. Es steht nicht viel da, und was steht ist nicht gerade einladend.

Und meine Bemerkung zu Patrick, war mit einem Augenzwinkern geschrieben, also nicht wirklich Enst gemeint. Tja, und wenn ich einen Kommentar schreibe, dann als Privatperson, oder als Tango-Fan, nicht als angehender Möchtegern irgendwas.. ok?

Dein "Nix für Ungut. Solong, Minh." ist nach deinen Aeusserungen schwer zu akzeptieren.

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Kommentar von Cassiel

Ich habe diesen Beitrag (besser gesagt die Anmerkung von Minh) erst gestern abend gelesen. Ich habe etwas viel Arbeit in der letzten Zeit.

Was mich nachdenklich macht? Zum einen ist es sicherlich die latente Aufgeregtheit zwischen den Zeilen (um nicht die Vokabel "Aggression" verwenden zu müssen). Gut! Das ist im Internet kein unbekanntes Phänomen (kommt bei mir im Blog auch ab und zu vor). Zum anderen stellt sich mir die Frage, will ich auf Milongas, die so derartig selektiv ausgerichtet werden. Natürlich gibt es Menschen beim Tango, um die ich im normalen Leben einen Bogen mache. Wenn wir die Leidenschaft für den Tango teilen, dann nehme ich mich bei Milongas eben zurück und versuche mich selbst ein wenig gelassener zu machen. Gerade die Vielfalt macht den Tango spannend. Besondere Veranstaltungen mit einem fast sektenhaften Bewusstsein für die eigene Einzigartigkeit machen mich misstrauisch.

Ich erinnere mich an eine Milonga vor so einem Jahr. Zufällig kamen ein paar Rocker (so richtig in Lederkluft) daher. Jeder hatte eine Flasche Bier in der Hand und sie wurden neugierig. Waren sie anfangs noch laut und störend, wurden sie innerhalb von einer Viertelstunde ruhig. Sie haben gefragt und ich habe versucht, ihnen so gut es geht ein wenig zum Tango zu erzählen. Schliesslich wollte es einer von ihnen einmal probieren und eine Tanguera tanzte mit ihm. Es dauerte nicht lange und er weinte beim Tanz. Ich habe es meinen Vereinskameraden erklärt und sie haben es unkommentiert genommen - kein Witz keine doofe Bemerkung, es passte einfach wie es war. Alles war friedlich. Auch so offen und liberal kann Tango funktionieren...

Nein, ich werde nicht nach Karlsruhe fahren... ;-)

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Kommentar von Minh

@ Cassiel & Co

Ach Jungs, was soll denn dieser Sturm im Wasserglas sein? Habt ihr Angst vor dem Sommerloch, dass Ihr Nichts zuschreiben habt? Nun Cassiel, es ist löblich, dass Du deinen "Blog" Kollegen mal unter die Arme greifst, und jetzt auch deinen Senf dazu abgibst.

Aber sorry, Was soll dieses "Gelabere" mit der Agressivität?, meinst Du denn, dass nur es nur Euch, den Herren der Blogwelt, gestattet sei, das "WWW" voll mit Sinnfreien und zum Teil ätzend langweillige Beiträge zu verfassen und zum aufkommenden "Datenmüll" beizutragen und man jeden "Müll" von Euch annehmen muss? Für mich ist das nicht agressiv sondern, ich bin gelangeilt und genervt von dem, was manche von sich geben. Manchmal wäre der Satz: "Think twice before You write" manchem echt ans Herz zulegen... Es ist zwar lustig, dass jemand eine "Korb-Statistik" aufstellt, nur meine Frage dazu, was für einen Sinn und zweck das ganze hat? verkraftet das Ego von dem Jenigen nicht ein "Nein", so dass er es zum "Staatsakt" ausschlachten muss? Oder handelt er noch dem Motto, wenn ich darüberreden/jammern kann, geht es mir besser... nur bedenke Du bist nicht allein auf der Welt; ausserdem ist der Weg von einem Tango-Anfänger bis zum Möchtegern-Guru ein langer und steiniger weg auch mit noch etlichen Körben mehr behaftet...

Nun Cassiel:

... Besondere Veranstaltungen mit einem fast sektenhaften Bewusstsein für die eigene Einzigartigkeit machen mich misstrauisch....

Sektenhaft... das ist deine Interpretation, ich habe weiss Gott genug Milongas gemacht für alle, also wie Du sagtest für die "Vielfalt"..., also hatte meinen Teil für die Tango-Community beigetragen...nur jetzt habe ich keine Lust mehr für die Allgemeinheit etwas zu tun, sondern nur für leute, die es zu schätzen wissen. Ja, ich möchte meine Gäste aussuchen, hast Du ein Problem damit? Ja?! Dann ist es dein Problem! Denn es sind genügend Gäste die damit gar keine Probleme haben.;)

Ja, die kommende Veranstaltung, wird keine "offene", sondern eine "geschlossene" und keine "liberale" sondern eine "diktatorische!" Tango Veranstaltung sein, wie Du schon festgestellt hast, rumflennen, rummemmen und bloggen wird Nichts daran ändern, ich werde auch nichts daran ändern, denn das, was gerade hier abläuft bestätigt meine These.

"Nein, ich werde nicht nach Karlsruhe fahren... ;-)"

vielleicht solltest Du es tun, vorausgesetzt, ich lasse Dich überhaupt herein - denn dann wird Dir gerade, das was Du in deinem Blog "Ratlos", geschrieben hattest nicht passieren, denn auf meiner Veranstaltung sorge ich dafür, das kein Rüppel und kein "Rambock" hineinkommen.

was dein Blog an geht Cassiel, bist schon auf dem richtigen Weg,sowohl ästhetisch als auch inhaltlich hebst Du etwas ab, von manchen "primitive" Blogs..aber falschverstandene Kollegialität...tzz tzz

Nun zum Schluss gebe ich Euch einen Rat, schreibt lieber übers Wetter, ist vielleicht interessanter und amüsanter als manchmal über Themen von denen Ihr keine Ahnung habt. Ausserdem, leben und leben lassen, Achtung vor den Anderen und Toleranz...wenn sich jeder eine klitzekleine Spur daran gehalten hätte, hätten wir uns diese Diskussion ersparen können, welch eine Zeit- und Energieverschwendung! Ich für meinen Teil möchte lieber Qualität als Quantität, auch beim Blogs lesen. Aber wie alles im Leben, ist alles nur rein subjektiv.

Euch Lebewohl, Minh.

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Kommentar von Joachim

Tja, Minh, was das "Üben" angeht: Die deutsche Sprache ist halt nicht so einfach, hmm? Und Toleranz verlangen und sich über andre auszukotzen, passt auch nicht recht zusammen. Jeder Deiner Ausfälle lässt sich problemlos gegen Dich selbst richten, was an sich schade ist, weil die Idee einer "Milonga-lizenz" immerhin ein Ansatz ist gegen Rüpeleien auf der Piste. Andre Veranstalter kümmern sich nicht darum oder rempeln gleich mit.

Was die Zeit- und Energieverschwendung angeht: Du musst keine blogs lesen, die Dir nicht passen; schon gar nicht drauf antworten und erst recht nicht, den grössten Platz der Seite mit Deinen Antworten verschwenden. Das gehört auch zur Müllvermeidung ; )

--

Antwort von Patrick

Einen Satz von Minh fand ich äusserst interessant:

...nur jetzt habe ich keine Lust mehr für die Allgemeinheit etwas zu tun, sondern nur für leute, die es zu schätzen wissen.

Wir alle kennen gutgemeinte, gutgedachte und gutgemachte Milongaprojekte, die sich aus teilweise unerfindlichen Gründen am Markt nicht behaupten konnten. Für den Veranstalter oder den DJ muss das ein Riesenfrust sein, vor allem, wenn man sich finanziell reingehängt hat. Allerdings gibt es wohl noch kein Patentrezept dafür, wie man die, "die es zu schätzen wissen", als Zielgruppe an eine Milonga kriegt...

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Kommentar von Minh

Nun Joachim, WOW, klasser Beitrag!

Tut mir sehr leid, dass mein Deutsch Dir nicht genügt, und ich somit das Sakrileg in deinen Augen begangen hatte, die Sprache der Dichter und Denker von Goether, Schiller oder Nietzsche verunreinigt zu haben. Aber da ich nicht das "Glück" habe als Deutschsprachiger geboren zu werden, hatte ich mein Bestes versucht. Ausserdem, hatte ich hatte nie den Anspruch gehabt ein Deutsch-Guru zu sein, was das Üben angeht, so übe und lerne ich ein lebenlang.

....

(Abschnitt von Patrick zensiert)

Was das "Auskotzen", Zeit- & Energieverschwendung und den Datenmüll angeht, meinst Du ich hätte die Zeit und Lust mir das "rein zuziehen"? Ich wurde nur darauf aufmerksam gemacht, dass ich mir das durchlesen soll. Da ich grossen Wert auf Toleranz, Achtung, Respekt, Rücksicht, Nächstenliebe und Gerechtigkeitssinn lege, was aber nicht automatisch bedeutet, dass man(n) sich auch Alles gefallen lassen kann, muss und darf!

Wenn man auf Kosten von anderen bloggt und äussert und sonstiges Tut z.b. in dem Fall nur um damit Gesprächstoff zu haben, soll man auch damit rechnen, dass der/die Betroffenen sich zur Wort meldet.

Im Leben, sei es in "RL" = real life, im "Netz", im Strassenverkehr, in der Milonga oder auf der Tanzfläche gilt es stets für mich, vielleicht habe ich ein zu "antiquiiertes" Denken, dass das, was ich nicht gerne hätte/möchte den anderen nie antun oder zumuten werde. Mag sein, dass das ein antiquiiertes Denken ist, aber ich bin und handle nun mal so, auch wenn es manchem nicht schmeckt.

Auf Nimmerwiedersehen, Minh.

--

Hinweis von Patrick

Ich erlaube mir mal, hier die Diskussion zu beenden.

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Pfingstrempeleien und drohende Milongaüberschüsse

Sonntag, 31. Mai 2009

Voll war es am Pfingstsonntag im Tanzpalast, leider auch mit sämtlichen Aufderstelletänzern, Quertänzern, Spurwechslern und Rückwärtstänzern. Schön wars dennoch, wobei mir der Musikmix diesmal etwas gar abwechslungsarm erschien. Dafür waren die Knabbereien spannend: Dass dieselbe Knabbersorte auf dem Nebentisch in der Geschmacksvariante süss-sauer liegt, dass habe ich leider erst zehn Minuten vor Milongaschluss herausgefunden. Witzig war ein Tanz, bei dem ich ganz subtil einen kleinen Voleo führte und die Frau überraschenderweise mit voller Wucht Oberkörper und Hüfte hin- und herdrehte. Wäre in diesem Moment jemand hinter ihr gestanden...hätte die Invalidenversicherung wohl erneut ihr Ziel verfehlt, dieses Jahr die Anzahl der Neurenten zu senken.

Abwechslung gibt es übrigens auch am 13. Juni, man könnte sich fast dreiteilen: Im Volkshaus werden Corina und Julio zur Showmilonga laden, im Tanzpalast gibts Argentinische Poesie mit Wilson und in Zürich lockt das Festivalito. Da alle drei Termine zweifellos schon vor langer Zeit geplant und gebucht worden sind, kann man nur sagen: Pech...

--

Kommentar von Mathis

Ganz Deiner Meinung. Vielleicht werden unsere Urenkel auf die gloriose Idee kommen, die Milongas unter die Woche aufzuteilen... Vor langer Zeit, als es noch nicht so viele Milongas gab, war das mal so. Geduld ist angesagt!

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Didaktik aus dem Sack!

Montag, 1. Juni 2009

Vals-Marathon im Tanzpalast: Sopee und Mathis zeigen erst Übungen für die Unterstufe, danach für die Mittelstufe. Rhythmisch eigentlich recht simpel, doch mit dem simplen Gehen in der geschlossenen Umarmung habe ich noch immer so meine Probleme. Hellhörig werde ich allerdings, als Mathis die Eselsbrücke für den Vals-Takt nennt: "Abfallsack-(Pause)-Sack". Ähm...ja. Meine Ergänzung, dass das Ding in Basel "Bebbi-Sagg" heisst, wird allerdings von der Kursleitung nicht ernstgenommen. Andererseits verstehe ich jetzt auch, warum in Deutschland viele Leute den Vals etwas seltsam tanzen: Ist ja ziemlich aussichtslos, im Takt zu bleiben, wenn man an "Wertstoffsammelbehälter" denkt. Und die armen Argentinier erst: "bolsa amarilla para recoger basura reciclable como plastico". Vals ist schwierig.

Allerdings: Mathis wies die 30 Paare mehrmals darauf hin, dass man beim Üben am Rand der Tanzfläche im Gegenuhrzeigersinn tanzen soll -- und Sopee ermahnte die Damen bei einer Figur mit Sacada plus Voleo deutlich daran, dass der Voleo tief bleiben muss, der Fuss also am Boden entlang scharrt. Das erste hat ganz gut geklappt, über die zweite Ermahnung hüllen wir den Mantel des Schweigens...

Übrigens: Zu einer Milonga kann man "In Ulm, um Ulm und um Ulm herum" denken. Aber ob das hilft?

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Kommentar von Joachim

Ist zwar böse, aber zwischen "Gehen" und "Körpergeschlacker" liegt der entscheidende Unterschied. Schalt' mal das Salsagewackel aus.

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Tangorausch im Rollentausch

Mittwoch, 3. Juni 2009

Frauen, die selber führen, sind rar. Noch rarer sind jene, die auch mal Lust haben, einen Mann zu führen. Weil Männer als Folgende kaum Übung haben und deshalb etwas...anstrengend zu führen sind. Heute Mittag hatte ich Glück, und eine mutige und äusserst geduldige Frau beschenkte mich mit vielen fantastischen Tandas. Offen, halboffen, halbgeschlossen, geschlossen, Arm oben, Arm in der Mitte, Wange an Wange, Nase an Wange -- natürlich musste ich wie ein kleines Kind alles ausprobieren.

Balance selbst halten, Gewichtswechsel spüren, nicht an der Frau hängen, Oberkörper weit vorne, Bauch einziehen, Schritte aus der Hüfte heraus setzen, völlig bei der Frau sein, Augen zu, nur noch spüren, Musik nicht mehr selbst interpretieren...wow. Der Part des Folgenden ist völlig anders als der des Führenden, aber nicht minder anspruchsvoll. Und es macht unglaublich Spass. Bei meinem ersten Voleo bin ich allerdings selbst erschrocken und musste feststellen, dass ich den Fuss nicht am Boden entlang geführt habe.

Zudem ist es extrem lehrreich, selbst zu spüren, wie es sich anfühlt, in ein Cruzado, einen Ocho, Cortado oder Giro geführt zu werden. Das Kichern der führenden Frau zu hören, wenn man soeben etwas verbockt hat. Und schulterzuckend zu merken, dass bei einer mitreissenden Milonga der eigene Körper automatisch die Führung wieder übernimmt und die Füsse auf Autopilot umschalten. Ach ja, und ein Rollenwechsel während des Tanzes macht noch mehr Spass...

Abends im Kurs erneut die Doppelvolgada, diesmal wird mir klar, dass der zweite Teil mit einer simplen Gewichtsverlagerung zur rechten Zeit geführt wird, und so langsam flutscht die Figur, auch beim Partnerwechsel krieg ich es meistens hin. Und ja, Mikamou, ganz ohne linke Hand geht es definitiv einfacher..

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Schmutziger Piazzolla?

Freitag, 5. Juni 2009

Da wir es neulich von "Dirty" hatten: Wie schafft man es, in einer CD-Rezension des Artemis Quartetts von Voleos über Leidensfähigkeit und Rollenverständnis zum schmutzigen "Piazzolla Projekt"? Das verstehe ich auch nicht so recht, aber der Spiegel schafft es in einem eher verwirrenden Artikel irgendwie, dafür werden in seinem Forum kräftig die Köpfe geschüttelt. Nun, egal, sonderlich viele tanzbare Stücke werden auf der CD wohl leider eh nicht drauf sein...

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Einen haben wir noch!

Samstag, 6. Juni 2009

Erneut "El Sur" in Freiburg: Vor allem zu Beginn der Milonga erschreckend viele däumchendrehende Männer, aber irgendwie sind mir die Cabeceogötter dennoch hold und tanze daher fast pausenlos. Fast. Denn Michael vom Totentanz legt heute auf, und das bedeutet für mich immer auch einige Zwangspausen wegen der Musik. Nun ist mein Musikgeschmack definitiv nicht der Nabel der Welt, aber wenn plötzlich mehr als die Hälfte der Tanzpaare an die Bar oder gar in die Neolounge flüchtet, dann liegts vielleicht tatsächlich am Musikmix.

Witzig ist, dass in Freiburg viele Frauen völlig unabhängig von irgendwelchen Cortinas irgendwann sagen "Noch _Einen_?". Mir macht das nichts aus, dann muss ich nach dem Lied nicht fragend gucken sondern bedanke mich einfach freundlich für den Tanz. Aber nachträglich frage ich mich, ob das irgendwo so gelehrt wird, dass quasi frau den Mann immer schön präventiv-scheibchenweise auf den Abschied vorbereiten muss.

Eine Frau aus dem Elsass meinte, nach Basel traue sie sich tänzerisch noch nicht, denn da sei das Tanzniveau so hoch. "So schlimm kanns nicht sein, ich tanze ja auch in Basel", antwortete ich ihr schulterzuckend. Ihr freches Grinsen als Erwiderung war Gold wert...

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Kommentar von Roberto

Spricht doch eigentlich für die Emanzipiertheit der Freiburger Frauen. Warum sich durch eine ganze Tanda quälen, wenn es nicht so recht klappen will mit dem Tänzer. Macht uns Basler doch auch ein wenig stolz, dieses Ansehen in Frankreich.

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Queertänze und Schuhprobleme

Montag, 8. Juni 2009

Practica mit Stefania und Jens. Leider hatte ich völlig vergessen, wieviele dämliche Säulen in der Move-Factory im Weg rum stehen. Glücklicherweise waren wir nur wenige Paare, und zirkelten so ziemlich quer herum. Und übten kurze und lange Seitenschritte, und vor allem, wie man diese unterschiedlich führt. Und versuchten uns an Männergiros. Ich tanzte dabei nicht nur quer, sondern übrigens auch queer -- ich durfte mal wieder einige Tänze die Frauenrolle geniessen. Und hab mir von Jens bescheinigen lassen, dass ich eine gute Frau sei. Ha! Stefania ergänzte, dass meine Trennung von Ober- und Unterkörper sehr gut sei, aber mein Oberkörper extrem wackle. Nun ja, mein Salsagewackel halt. Fast drei Jahre Afrocuban-Training gehen eben nicht spurlos vorbei. Aber wie stellt man das temporär ab?

Frauen haben andere Probleme, wie ich erfahren habe: Neue Schuhe mit ungewohnt hohen Absätzen werden in homöopatischen Dosen eingetragen -- gelegentlich zwischen Küche und Bad. Tja. Tauschen möchte ich mit einer Frau ja keinesfalls. Aber so eine grosse Wohnung will ich auch mal haben...

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Zuwenig Blicke und zuviele Noten in Bern

Dienstag, 9. Juni 2009

Schöne Tänze im Berner Progr -- zumindest mit den Damen, die mich kennen. Alle anderen schmiegen sich heute treu an ihren Begleiter oder fixieren starr den Fussboden. Und die Tandastruktur ist irgendwie...strukturlos. Schwer zu erklären. Die konkrete Kritik klänge wohl ähnlich lächerlich wie die "And there are simply too many notes, that's all. Just cut a few and it will be perfect"-Argumentation im Film Amadeus. Und der DJ könnte zurecht zurückfragen: "Which few did you have in mind?".

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Diagonal zum Kreuz

Mittwoch, 10. Juni 2009

Mittwochskurs. Die Volgada-Variante flutscht mittlerweile erfreulich, und auch ein neuer Zusatz mit einem kleinen Gancho funktioniert recht gut, nachdem ich herausgefunden habe, wo ich genau mein Bein dazu hinstellen muss. Dann noch die Frauen nach einem Seitenschritt hinten einkreuzen lassen, Volgada, und geradeaus weiter.

Einkreuzen? Da war es mal wieder, mein Kreuz. Es ging aber flott, und das habe ich vor allem Özgür zu verdanken: "Go diagonal!", hatte er mir immer und immer wieder eingeschärft. Egal, ob man links oder rechts, vorne oder hinten einkreuzen will: Diagonal laufen ist der Schlüssel. Diagonal bedeutet allerdings nicht, einfach den Fuss zu drehen und das Bein schräg zu strecken. Sondern die Hüfte unabhängig vom Oberkörper in die entsprechende Richtung zu drehen und dann (aus Hüftsicht) geradeaus zu laufen. Flutsch, schon kreuzigt sie. Immerhin kann ich Ober- und Unterkörper recht gut gegeneinander verdrehen, und das ist eindeutig ein Erbe meines Salsatrainings. Dort braucht man das nämlich für schnelle Solodrehungen. Endlich mal ein Vorteil. Und wenn der Körper mal weiss wie, dann ist es simpel...

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Festivalito, der Vorabend

Freitag, 12. Juni 2009

Ort mit niedriger Cabeceowahrscheinlichkeit mit sechs Buchstaben? Genau, Zürich. In der St. Jakobskirche musste ich schon letztes Jahr feststellen, dass sich der massive Holzboden äusserst gut anfühlt, die Kirchenbänke hingegen für Blickkontakte eher ungeeignet sind. Glücklicherweise kenne ich in der Abendmilonga eine Frau, und wir geniessen viele schöne Tandas gemeinsam. Dazwischen tigere ich immer mal wieder bei den Sitzplätzen umher und starte ein paar Cabeceoversuche, bleibe aber trotz erschreckend hohem Frauenüberschuss völlig chancenlos.

Ist die Milonga zu Beginn einfach etwas rempelig, so wird der Kampf im Verlaufe des Abends zum reinen Wahnsinn: Dauernd Voleotreffer in der Hüfte, regelmässig kräftige Bodychecks von der Innenspur, Ganchos von vorne, es ist die brutalste Milonga meiner bisherigen Tangokarriere und hat Lutry damit vom Thron gestossen. Gewiss, zwei- oder dreimal habe ich auch erlebt, dass sich jemand entschuldigt hat, aber wenn man hinterher genauso rücksichtslos weiterturnt wie vorher, dann kann mann wie frau sich die Heuchelei doch eigentlich sparen, oder? Jedenfalls habe ich auf dem Nachhauseweg (die Zürcher Nachtbusse sind übrigens erschreckend überpünktlich) seit langer Zeit mal wieder mit dem Gedanken gespielt, mit dem Tango aufzuhören.

Ein kleiner Lichtblick war immerhin die Show von Moira und Gaston: Sehr subtil und fein, schlicht -- bemerkenswert auch, dass sie in allen vier Tänzen insgesamt nur einen einzigen Voleo getanzt haben. Und einen Männerrückwärtsocho parallel zur Frau hab ich auch noch nicht so oft gesehen (und ich habe mich schon lange gefragt, wie man sowas sauber führt). Einer ihrer Workshops lautet "The leading; the hand, the upper body, the center or what?", klingt äusserst interessant, leider erst für advanced-Tänzer ab fünf Jahren. Ihr letzter Tanz war dann allerdings ziemlich akrobatisch, und dafür gab es auch den lautesten Applaus. Falscher Film, irgendwie...

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Kommentar von Cassiel

Hmmm... sehr eigenartig. Ich kenne das, was Du beschreibst zu gut und ich frage mich häufig, warum gibt es Milongas, bei denen man das Gefühl hat im Auto-Scooter zu sitzen und andere Milongas sind vergleichsweise friedlich und gesittet. Somit ist das Rempeln und rücksichtslose Tanzen wohl eher in den Bereich der Gruppenphänomene einzuordnen. Sicherlich gibt es auch einen kleinen Einfluss der Musikauswahl. Wird es voll und zu schnell auf der Tanzfläche, dann kann mit ruhigerer Musik etwas Energie genommen werden.

Aber aufgrund einer solchen Erfahrung mit dem Tango aufhören? Nein, das muss nicht sein. Meist reicht es doch schon, wenn man in den übelsten Augenblicken einfach den Tanz (im Einvernehmen mit der Tanzpartnerin) beendet - auch mitten während eines Tangos - und die Tanzfläche verlässt. Das sollte ein aufmerksamer DJ bzw. Veranstalter schon mitbekommen.

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Kommentar von Roberto

Wenn du beim letzten Tanz nur Augen für die Akrobatik gehabt hast, hast du leider viel Schönes verpasst.

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Festivalito, der Nachmittagsworkshop

Samstag, 13. Juni 2009

Dass am Stauffacher an den Tramschienen gebaut wird, das hätte ich eigentlich schon am Vorabend erkennen können, dennoch tappte ich am Samstag Nachmittag bei meiner Anreise zum Workshop in die Falle und kam mit einer saftigen Verspätung via Busersatzkurse zum Veranstaltungsort. Selbstverständlich landete ich dann zuerst auch noch im falschen Workshop, doch irgendwann kapierte selbst ich, dass der Candombe-Takt aus dem Nebenraum kommt und stiess zu meiner äusserst geduldigen Tanzpartnerin.

"Milonga Traspie: Essential milonga movements -- timing", so der Titel, und Anabella y Mario liessen es ziemlich krachen: Superschnelle Ochoverdoppelungen, gelaufene Drehungen vorwärts und rückwärts im parallelen wie im gekreuzten System, gemeinsames zur Seite torkeln mit blitzartigen Hüftdrehungen -- alles simpel zu Merken, aber nicht ganz so einfach zu Führen. Und Mario führt die Bewegungslogik anhand eines herumtorkelnden Betrunkenen auch grad vor, Charlie Chaplin hätte es kaum besser darstellen können. Technisch erstaunlich für mich war, dass Mario die Dynamik aus den Beinen heraus in den Oberkörper leitet, und auch auf Nachfrage hin erklärte er mir ausführlich, wie der Bewegungsablauf bei solch raschen Milonga-Torkelschritten funktioniert. Kurzum: Viel Material zum ausgiebigen Üben. Zum Workshopende witziges Rhythmusspielchen: Schafft es die Gruppe, gemeinsam schnelle Tippelschritte zu tanzen und abwechselnd verschiedene Takte zu betonen? Es klappte erstaunlich gut, vermutlich zielen Milonga-Workshops auch die Leute an, die an genau sowas Freude haben.

Natürlich waren an dem Workshop über 20 Paare, aber Anabella und Mario scheinen mental durchaus fähig zu sein, sehr rasch und engagiert auf die Leute einzugehen. Und man spürt ihnen an, dass ihnen das Unterrichten wie auch die Slapstick-Einlagen extrem Spass machen. Unverbraucht? Ja, eindeutig, ausserdem auch ideenreich, freundlich und verbal schlagfertig. Jedenfalls war danach meine Betrübnis vom Vorabend wie weggeblasen. Es gibt Workshops, die wieder Lust auf Tango machen.

Openair-Nachmittagsmilonga vor dem Goooal: Bei Hitze nur wenig Schattenplätze auf der Tanzfläche, was der Navigation im Tanzfluss eine neue taktische Komponente hinzufügt. Ein Mann schwärmt von der Vorabend-Milonga und meint, er habe sich vor lauter Cabeceos kaum retten können. Hm, vielleicht lag es wirklich an meiner schlechten Laune? Meine Einschätzung der Kampfmilonga teilt er allerdings und meint, heute abend werde es voller, das werde zumindest die ganz grossräumigen Rempler etwas bremsen. Wir werden sehen....

Gemütlicher Nachmittagsausklang am See mit Picknick: Ich staune immer wieder, dass man in Zürich zwar an jeder Ecke hemmungslos kifft, aber am und im Wasser alle brav die Alibi-Badehose tragen. Macht dennoch Spass, die Abkühlung, nur sind die Steine im seichten Bereich nicht so richtig als Tanzboden geeignet. Können Tangogurus eigentlich auch auf dem Wasser tanzen?

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Festivalito, die Abendmilonga

Samstag, 13. Juni 2009

Mit guter Laune kann eigentlich nichts mehr schief gehen, oder? Nun, Cabeceo mit unbekannten Damen funktionierten auch diesmal nicht, aber so genoss ich eben umso mehr die Tänze mit bekannten Damen. Tanzfluss? Etwas ruhiger, da voller, allerdings hatte ich mir auch fest vorgenommen, mich einfach nicht ärgern zu lassen. Zwei Tandas waren göttlich: Hinter- und Vordermann blieben im selben Abstand im Fluss, ich konnte völlig mit der Frau verschmelzen und tauchte in die Musik ein. Es sind solche Momente, in denen ich genau weiss, warum ich Tango tanze.

Gespannt war ich natürlich auf die Show von Anabella und Mario, vor allem deren Milonga habe ich extrem genossen. Und auch die vierte Sacada tanzt Mario so flüssig und elegant, dass man nur neidisch gucken kann. Später folgten die Shows von Barbara und Claudio, und ich muss zugeben, dass sie mich nicht sonderlich bewegt haben. Zumindest habe ich bislang noch keinen derart hektisch getanzten Vals gesehen.

Seit langer Zeit habe ich mich auch mal wieder zu zwei Chacareras verführen lassen: Es hat einen Riesenspass gemacht, obwohl ich die Zapateos nicht mehr so richtig konnte. Dafür durfte ich endlich mal wieder kräftig mit der Hüfte wackeln. Chacarera besteht aus einem permanenten Werben des Mannes um die Frau, die irgendwann immer "Nein" sagt, so habe ich es vor langer Zeit von Analia y Marcelo gelernt. Ich weiss noch, wie die zwei damals an meinen Fragen verzweifelt sind. "Wouldn't it be much easier for all of us if the woman just say 'yes'?", fragte ich in meinem naivsten Tonfall während des Kurses. Ich musste daraufhin feststellen, dass Argentinier leicht aus dem Konzept zu bringen sind....

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Piazzolla bei Frischluft

Sonntag, 14. Juni 2009

Saisoneröffnung auf dem Petersplatz von Talib: Endlich wieder Openair-Tango am Sonntagabend. Zwar droht der Himmel rasch mit den ersten Regentropfen, aber schliesslich ist die Tanzfläche ja überdacht. Da die Cabeceofunktion bei mir derzeit wohl irgendwie defekt ist, fordere ich einfach mal wieder konventionell auf, und siehe da, es ergeben sich viele schöne Tänze auch mit bislang unbekannten Damen.

Schön auch, dass Talib sein Repertoire etwas erweitert hat: Die tanzbaren Stücke von Piazzolla gefallen mir sehr, und sie werden an Milongas leider viel zu selten gespielt. Dann gab es noch ein schönes Kompliment, welches nicht zitierfähig ist. Und einen Salsa als Auflockerung zwischendurch, angereichert mit tangoesken Seitenschritten. Sommertango ist schön. Und in wenigen Wochen startet bei Regensburg eh der nächste Sommertraum.

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Milonga reloaded

Mittwoch, 17. Juni 2009

Mittwochskurs, diesmal mit dem Thema Milonga: Mit dem rechten Fuss auf der linken Seite der Frau vorbei, mit links schliessen, mit rechts wieder zurück und so einen schnellen Zickzack mit Verdoppelungen tanzen. Erinnerte mich an Varianten, die mir Özgür vor langer Zeit beigebracht hatte, allerdings staune ich immer wieder, wie schwer ich mich damit tue, bei gewissen Figuren die Füsse wirklich deutlich zu schliessen. Andererseits scheint sich die Milonga zu meinem Lieblingstanz zu entwickeln. Das liegt nicht nur an der Rhythmik, sondern wohl auch daran, dass sich meine Hüfte und die Knie irgendwie freier fühlen...

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Ohrenschmaus dank Micky Maus

Samstag, 20. Juni 2009

Was tut man bloss, wenn man unter Androhung von Schokolade ins "Salsa del sol" gewzungen wird, dem Anlass, bei dem im Tanzpalast regelmässig alle Dezibel-Grenzwerte ausser Kraft gesetzt werden? Genau, man nimmt einen Arbeitsgehörschutz mit, zieht ihn an und tanzt dann so, wie wenn man auf einem Kostümball von Entenhausen wäre. Es dauerte eine geschlagene Stunde, bis der DJ mit den Veranstaltern rumtuschelte, und siehe da, plötzlich ging die Lautstärke spürbar zurück. Es war noch immer eine beachtliche Lärmkulisse, aber man ist ja mit kleinen Erfolgen zufrieden. Ich mein...das Ding dämpft in den hohen Frequenzen immerhin 37 db, und mir schien, dass die Bläsersätze noch immer recht laut quäkten. Glücklicherweise muss ich das Ding bislang noch nicht an die Milongas mitnehmen, weil diese überproportionalen Micky Maus-Ohren halt doch nicht so ganz mit dem Milonguero-Stil kompatibel sind...

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Der Regen und die Milongapläne

Sonntag, 21. Juni 2009

Es hat einen romantischen Touch, bei leichtem Regen unter dem Uni-Eingang am Petersplatz seine Kreise zu drehen. Da ich gute Laune hatte, dachte ich mir, ich könnte mir mal endlich meinen siebten Korb abholen und forderte daher einfach wild ohne Cabeceo auf. Klappte leider nicht, auch nicht später im Tanzpalast, die Frauen freuten sich allesamt und tanzten. Ich trug es mit Fassung. Problematisch war einzig, dass der Marmorboden beim Petersplatz stellenweise irgendwann doch etwas feucht wurde, und das Trittgefühl war dann irgendwann arg verwirrend.

Witzigerweise hatte ich heute mehrmals mit Tanzpartnerinnen Diskussionen wegen der Musik. "So wie ich Dich kenne wirst Du früher oder später eh Deine eigene Milonga machen", meinte eine Frau schulterzuckend. Ja, natürlich, der Gedanke ist verlockend. Nur: Das organisierte Urheberrechtsinkassoimperium will auch für die kleinste Milonga mindestens 50 Franken einkassieren, dazu käme die Saalmiete sowie der ganze Schlepp- und Installationsaufwand einer ohrenfreundlichen Anlage. Davon mal abgesehen: Musik ist zu einem grossen Teil Geschmacksache. Auch wenn mir wohl viele zustimmen, dass es in Basel noch locker Platz für eine Milonga mit guter Musik hätte...

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Kommentar von Monika

zum Thema SUISA, oder in Deutschland eben GEMA:

Heise-Artikel und Protest-Song

Ersteres finde ich sehr spannend, zumal ich davon ausgehe dass das in der Schweiz ähnlich gehandhabt wird (will ich Gölä unterstützen?), zweiteres sollte man nicht zwingend im Büro anhören, wenn die Kollegen anwesend sind ;-))

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Antwort von Patrick

Das Problem sind natürlich auch die ganzen neuen Bands, die auch heute noch immer ihre ganzen Rechte an die Verwertungsgesellschaften abtreten und dann hinterher jammern. Aber in punkto Tango und Milongas ist klar, dass sich die Suisa mit ihren konkreten Tarifen etwa hier und hier bundesrechtswidrig verhält. Da könnte es schon helfen, wenn sich die Kleinveranstalter mal zusammenschliessen und bei der Aufsichtsbehörde Druck machen würden...

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Kommentar von Monika

Nur schon deswegen

"Bei der Festlegung der Entschädigung sind zu berücksichtigen:
a. der aus der Nutzung des Werks (...) erzielte Ertrag oder hilfsweise der mit der Nutzung verbundene Aufwand; (...)"

würde es sich wohl lohnen da mal auf die Barrikaden zu gehen, denn viele Milongas sind wohl Nullsummenspiele, vor allem wenn gelegentlich noch Live-Musiker eingeladen werden und bezahlt (und zwar zu anständigen Preisen) werden wollen. Ich bin sehr neugierig ob sich in Deutschland tatsächlich etwas tut (vgl. Heise-Artikel) und falls, ob sich dann in der Schweiz auch Widerstand regt.

off-topic: Ich fände es hilfreich wenn ich während es Kommentar schreibens den Original-Artikel und die Vorgänger-Kommentare sehen könnte... (ja ich weiss dass ich einen zweiten Tab aufmachen könnte und hin- und herblättern, bin aber nun mal faul :-)

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Antwort von Patrick

Ich weiss, dass mein handgedrechseltes Blog in diesem Punkt leider nicht den Komfort eines Redaktionssystems wie Wordpress bietet. Dazu demnächst mehr unter dem Titel "Warum ich kein Content Management System (CMS) verwende". Irgendann im Sommerloch...

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Ferienpläne und Heiterkeit

Mittwoch, 24. Juni 2009

Wunderschöne Mittagsmilonga, mal abgesehen davon, dass mir alle von ihren Ferienplänen erzählen. Hmpf, ich will auch. Vielleicht sollte ich es mal mit einem Inserat versuchen.

Junger, hübscher, aufstrebender und mittelloser Tanguero sucht ältere (ü90), wohlhabende Tanguera mit schwachem Corazon für rassige Milonga-Workshops in Übersee.

P.S.: Ich will nur tanzen!

Vor allem der letzte Punkt taucht derzeit ja inflationär in den Inseraten auf, doch darüber werde ich hier mal detailliert lästern, wenn das Sommerloch zuschlägt.

Abends im Kurs (der letzte vor den Ferien, *heul*!) erneut Milonga mit kleinen Verdoppelungen und raschen Gewichtswechseln. Eigentlich ist es nur die Abwandelung des Schrittes, mit dem wir vor kurzem Volcadakombinationen geübt hatten, aber ich tue mich heute mit meinen Füssen ziemlich schwer. Mit den Füssen? Ja. Tango kommt zwar aus dem Herzen, aber die Milonga kommt definitiv aus den Füssen...

Eine gewisse Leichtigkeit scheine dennoch auszustrahlen. Jemand zitiert den berühmten Spruch über den Tango als traurigen Gedanken, den man tanze könne, und meint, bei meinem Anblick werde der Spruch unglaubwürdig. Immerhin...

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Voleos im Gellert

Freitag, 26. Juni 2009

Practica im Gellert mit Mirjam und Roberto: Frauen lernen, wie man einen Voleo schön flach am Boden entlang führt. Und wir Männer lernen, wie man mit einer sauberen Gewichtsverlagerung von Hüfte und Oberkörper gleichzeitig das Ganze elegant führt. Theoretisch kann ich das, nur verdreht der Salsero in mir natürlich dabei auch immer Oberkörper und Hüfte gegeneinander, anstatt wie ein Block zu agieren. Ist mir immer peinlich, wenn Lehrer, die mich nicht kennen, schon nach zwei Minuten fragen, ob ich Salsa tanze.

Dafür waren wir lediglich vier Paare und hatten daher reichlich Platz zum Üben. Die Milonga...nun, es war wie erwartet eng. Aber die meisten Leute tanzten eher vorsichtig, so schienen es auch die Gemälde an den Wänden überlebt zu haben. Eine grosse Tanzfläche im Freien vor dem Haus wäre traumhaft...

Zitat von Mirjam: "In der Mitte des Raumes tanzen nur die Anfänger!". Hätte ich mich ja nie getraut, sowas zu sagen. Aber ob das alle Neotänzer auch so sehen?

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Warum Nicht-Körbe unfreundlich sind

Sonntag, 28. Juni 2009

Ein schöner Sommerabend am Petersplatz, luxuriöser Platz später im Tanzpalast, so oder so habe ich viele schöne Tänze genossen. Getrübt wurde die Freude allerdings durch ein Verhalten, das mir zwar selten begegnet, aber mich dann doch immer irritiert: Frau akzeptiert die Aufforderung ohne ein Lächeln, beherrscht auch in der kurzen Pause zwischen dem ersten und zweiten Tanz nur die Nullkommunikation (ja, ich kenne Watzlawick) und hastet nach dem zweiten Tanz davon. Muss man einem Mann so deutlich mitteilen, dass er als Tänzer nichts taugt?

Danach ein wenig in Ironie verpackter Trost:
"Eigentlich tanze ich auch nur mit Dir, weil Du Dich gut anfühlst und ein berühmter Blogger bist", stichelte sie.
"In dieser Reihenfolge?"
"Naja, Deine Berühmtheit ist für meine Reputation eigentlich wichtiger."
"Aber das wissen die meisten hier doch gar nicht", versuchte ich zu argumentieren.
"Ja, das ist ja das Prickelnde!"
Erstaunlich, wie manche Tangueras mit breitestem Grinsen spontan dreideutig sein können, ohne mit der Wimper zu zucken...

Ach ja, und wenn eine Frau auf einen Cabeceoversuch hin überdeutlich den Kopf schüttelt, gilt das formaljuristisch als Korb? Vermutlich schon. Macht dann Nummer sieben. Stört mich jedenfalls deutlich weniger als das oben beschriebene Verhalten...

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Too much Cumparsita sowie Nussersatz

Montag, 29. Juni 2009

Schweisstreibende, dafür viele Tänze im Les Garecons. Und da meine Musikkritik ansonsten meist schwammig ist: Drei Versionen von La Cumparsita in der Mitte des Abends entspricht nicht gerade meiner Idealvorstellung einer spannenden Tanda. Dafür zahlreiche Valse, und auch die Milongas habe ich wirklich genossen. Das Kompliment der Woche stammt von einer Frau, die ich gefragt hatte, ob sie mit mir eine Runde tanzen mag. "Ja, dann knabbere ich nicht mehr dauernd an den Nüssen rum!". Tangueras sind Engel...

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Frustpotential: Das Führende-Folgende-Dilemma

Mittwoch, 1. Juli 2009

Hitzige Mittagsmilonga im Clarahof: Vermutlich wegen der Sommerferien ist es eher leer, dennoch habe ich Glück und komme zu vielen schönen Tänzen. Abends im Tanzpalast hingegen schaffe ich es nur zu wenigen Tänzen und sitze doch irgendwie gefrustet rum. Gut, das mit der Musik ist kein neues Problem, und dass die Mitwochabend-Milonga zum grössten Teil eine Paarveranstaltung ist war mir auch klar. Dennoch habe ich irgendwie das Gefühl, dass ich auch nach über zwei Jahren nicht wirklich in der Szene drin bin.

"Männer haben es da wohl leichter", meinte neulich eine Tanzpartnerin, als sie von einer öden Rumsitz-Milonga erzählte. Ich weiss nicht. Wenn man von den Frauen ignoriert wird, ist Mann ebenfalls ziemlich machtlos. Folgende tanzen besonders gerne mit denjenigen Führenden, mit denen ihnen das tanzen Spass macht und denen sie vertrauen. Führende hingegen können nur mit Folgenden tanzen, die gerne mit ihnen tanzen, alles andere ist nämlich ein Riesenfrust. And herein lies the dilemma.

Hoffnung gibt es am Samstag, wo in Freiburg auf der grossen Bühne im Stadttheater eine Milonga startet. Leider erst um 23:15 Uhr, und entweder müsste man kurz vor halb zwei Uhr auf den letzten Zug huschen oder nach Milongaende vier Stunden die Zeit bis zum ersten Zug am Sonntagmorgen totschlagen. Die Qual der Wahl, sozusagen...

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Kommentar von Cassiel

"Männer haben es da wohl leichter", meinte neulich eine Tanzpartnerin [...]

Tja, vielleicht. Aber andererseits gibt es wohl auch so etwas wie ein gewisses Pflichtgefühl. Ich jedenfalls versuche bei Milongas darauf zu achten, welche Tanguera schon sehr lange sitzt. Die fordere ich dann auf. Auf diese Weise bin ich überraschenderweise schon zu einigen sehr schönen Tandas gekommen und häufig wurden diese Tangueras anschliessend auch sehr häufig aufgefordert. Letzten Freitag z.B. sass eine Tanguera aus Kolumbien ungefähr 1,5 Stunden, bis ich sie aufgefordert habe. Danach hatte sie dann keine Zeit mehr zu sitzen - so begehrt war sie. ;-)

Ich weiss, manche Tangueras lesen das nicht gerne, aber so ein wenig Pflichtgefühl gegenüber der Gemeinschaft sollte man als Tanguero schon mitbringen. Und ein Rat an die Herren der Schöpfung: Dankbare Tangueras vergessen ein wenig Aufmerksamkeit, Humor und Galanterie nicht so schnell.

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Kommentar von Roberto

Huch Cassiel

Meinst du das jetzt wirklich so? Es gäbe ja auch noch die etwas böse Theorie, dass man (n) bei einer Frau, die schon 1.5 Stunden sitzt und noch immer nicht heim gegangen ist, nicht mehr viel falsch machen kann. Ausserdem ist auch ganz sicher nicht mit einem Korb zu rechnen.

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Antwort von Patrick

Dass sich ein Deutschland sowas wie ein Pflichtgefühl der Männer entwickelt, das kann ich irgendwie verstehen. Obwohl ich einseitig formulierte Pflichtappelle ja immer etwas...einseitig finde. Aber eine durschnittliche Milonga in Deutschlang mit einer durchschnittlichen Milonga in Basel zu vergleichen, das wäre ja, als würde man Birnen mit Kokosnüssen vergleichen.

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Kommentar von Piroschka

Lieber Roberto, -Achtung bei ende Ironie !-

danke, genau so s o l l t e es sein - sagte mir just ein Tanzlehrer: Die Milongas in Basel seien (meistens für die Frauen) so frustig weil die PAARE nicht wechseln. D.h. auch eine Frau sollte sich aus "Solidarität" nach ein oder zwei Tandas "bedanken" aber ich weiss es ja selbst - mit der Aussicht dann erneut 1 Stunde zu sitzen lässt Frau ihren Tänzer dann doch nicht so gerne wieder ziehen :-))) Ja, ich hätte ihn am liebsten geküsst für diese weise Erkenntniss! vielleicht sollte er mal "Regelkurse" geben?

Leider bin ich Dir wohl noch nicht begegnet ? denn ich sitze auch recht oft. Oder mein Aussehen passt nicht in die allgemein verbreitete Normschablone des männlichen Gehirns ;-) (Apfel/Birnen - Form) um es auch mal "in Obst" auszudrücken. Manchmal beschleicht mich nämlich dieser Verdacht... dass alles an einer Milonga im Grunde genommen s e h r einfach ist.

Okay Roberto, wo bist Du ? nur zu, ich freue mich auf einen Tanz mit Dir! Piroschka.

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Kommentar von Roberto

Liebe Piroschka, wahrscheinlich liegst du mit deinem Verdacht nicht ganz falsch. Es ist tatsächlich ziemlich einfach, aber ganz sicher nicht nur beim Tango.

Die Reihenfolge gutaussehend, lächelnd, jung, vernetzt, gut tanzen gilt allerdings m.E. auch für uns Männern. Der Tangofrust ist tatsächlich ein Problem und ich denke auch, grad in kleineren Tangoszenen sollten Mann und Frau pfleglicher miteinander umgehen und Sorge dazu tragen, dass nicht viele nach kurzer Zeit wieder abspringen.

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Kommentar von Piroschka

Hi Roberto,

sorry, ich hatte meinen Kommentar an "Cassiel" gerichtet. Da stimmt dann der bezug zum Text. Trotzdem danke, und vielleicht bis bald beim tanzen... Ich werde mich bemühen : gut aussehend ( BMI Hindernis/Geschmacksache), jung (zu spät) lächelnd - tu ich doch! gut tanzend - aber claro! ;-)))

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Das Kreuz mit dem Grundschritt

Freitag, 3. Juli 2009

Erneut Practica im Gellert mit Mirjam und Roberto: Anhand des Grundschrittes üben wir die Basis-Technik, wie man die Frau ins Kreuz führt. Grundschrittdidaktik? Ja, leider. Hätte ich das gewusst...nun denn. Bislang lief ich diagonal, um Kreuze zu führen. Das hatte mir Özgür so beigebracht, und es funktioniert inzwischen zuverlässig. "Ganz falsch", meinte nun Mirjam: Ich solle beim Seitenschritt meinen Oberkörper leicht zur Frau drehen und sie hinterher in der einer Gegenbewegung ins Kreuz drehen. Das hab ich dann eine halbe Stunde lang kräftig ausprobiert, aber trotz vieler Erklärungen von Mirjam und Roberto hab ich es nicht hingekriegt. Ist auch mal eine Leistung, nach über zwei Jahren Tango noch nichtmal mehr ein simples Cruzado hinzukriegen.

Allerdings habe ich mich danach gefragt, ob das grundsätzlich wirklich ein Unterschied ist, ob ich meinen Oberkörper erst nach rechts und dann nach links drehe oder einfach mit der Hüfte die entsprechende Gegenbewegung mache. "Im Tango führen wir nicht mit der Hüfte", meinte Mirjam dazu. Einverstanden. Verwirrt bin ich nun aber trotzdem. Ich glaub, ich brauch dringend mal wieder eine Privatstunde.

Ich hab Roberto nachher noch auf den Grundschritt angesprochen und er meinte überzeugt, dass man auf einer Milonga den ersten Rückwärtsschritt selbstverständlich nie tanze. "People don't realize that dancing in classes and dancing on milongas are two different things", sagte er gestenreich. "And where should people learn how to dance on a milonga, if not in a class?", fragte ich zurück und benutzte dabei Tonfall und Mimik von Sacha Baron Cohen, wenn er als Ali G eine besonders intelligente Frage stellt. Roberto verwarf die Hände...

Über die nachfolgende Milonga gibt es leider nicht viel zu berichten: Erschreckend hoher Männerüberschuss, nicht die geringste Chance, nach einer Stunde habe ich es aufgegeben...

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Totentanz adé?

Samstag, 4. Juli 2009

Milonga im Totentanz, abgesehen von einigen musikbedingten Pausen habe ich den Abend durchaus genossen: Ausgeglichenes Geschlechterverhältnis, trotz vieler Leute ein halbwegs funktionierender Tanzfluss und ein sinnvoll bestücktes Buffet: Alle assen Sushi, daher kümmerte ich mich in den Tanzpausen um Kuchen und Schokolade.

Allerdings war das möglicherweise die letzte Milonga im besagten Raum, weil die Bruchbude dem Mieter wohl zu teuer geworden ist. Ich persönlich habe mich ja schon immer gewundert, wie die Feuerpolizei den Raum für Veranstaltungen zugelassen hat. Andererseits: Wo will César einen ähnlich zentral gelegenen Ersatzort finden? Investiert wird jedenfalls noch immer: Auf den Toiletten sind jetzt Trillerpfeifen für nicht näher definierte Notfälle montiert, aber ich glaube, die sind nicht für Protestaktionen gegen den DJ gedacht...

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Kommentar von Sam

Kein Kommentar zur Show? Oder ist das schon als eine Aussage zu interpretieren?

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Antwort von Patrick

Stimmt, Melanie und Jens hatten vorgetanzt. Ich tue mich als Milonguero-Fan ehrlich gesagt immer schwerer, konkrete Gedanken zu den Shows zu formulieren. Ist halt, wie wenn man einen Kuchenliebhaber nach seiner Meinung zum Sushi fragt. Kurzum: Die Dribbel-Elemente fand ich ganz witzig, aber ich hab Jens schon fliessender und geschmeidiger tanzen sehen...

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Langsam zieh ich meine Kreise

Sonntag, 5. Juli 2009

Immer nur die Frau um sich herum drehen lassen ist eigentlich langweilig, oder? Also: Männergiros. Um die Frau herum drehen und dabei den Oberkörper immer schön ruhig zur Frau ausgerichtet halten. Ist arg ungewohnt, aber zumindest rechts rum klappte es heute ganz gut. Links rum hingegen...nun, lassen wir das. Gehen tut es natürlich eh nur, wenn die Platzverhältnisse luxuriös sind. So wie heute Openair beim Petersplatz (leicht gewittrig) und später im Tanzpalast. Es war ein fantastischer Tango-Tag.

Und weil mir die emotionelle Mundharmonika-Musik von Hugo Diaz so gut gefällt, spiele ich mit dem Gedanken, selbst mal ein wenig "Schnurregige" zu spielen. Ja, ich weiss, ist nicht ganz so simpel. Aber könnte mir jemand einen Tipp geben (wer nicht hier öffentlich kommentieren möchte, kann auch das Kontaktformular für private Mitteilungen verwenden) welche Variante diesem Klangtypus entspricht? Ja, chromatisch, offenbar auch eine mit recht hohem Tonumfang. Aber es gibt im Handel Dutzende von Versionen...

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Toilettenprobleme und die Schweinegrippe

Montag, 6. Juli 2009

Eigentlich ist im Les Garecons meistens leichter Männerüberschuss. Heute hingegen hatte sich dieser irgendwie verflüchtigt, sogar auf eine erschreckend deutliche Weise. Bin ich ja gar nicht mehr gewöhnt von Basler Milongas. Insofern wars fast schon überfordernd schön. Nur diese modernen Händetrockner auf der Toilette sind ein Negativpunkt: Die trocknen zwar die Hände ganz fix, aber den Kopf kann man auch mit vielen Verrenkungen nicht in den Luftstrom stecken. Natürlich hat jeder erfahrene Milonguero immer ein Tuch dabei. Aber die papierenen Recycling-Tücher auf der Toilette fand ich bislang dennoch immer ganz praktisch...

Und leider noch etwas weniger Lustiges...mittlerweile hat die Schweinegrippe die Milongas von Buenos Aires erreicht: Auch das aktuelle Tageblatt vermeldet nun in einer Randnotiz, dass das öffentliche Leben faktisch ruht. Medial zweifellos ein Hype, zumal beispielsweise in Deutschland (mit der doppelten Einwohnerzahl von Argentinien) in der Folge einer regulären saisonalen Grippe auch schon mal 20'000 Menschen sterben, ohne gross Schlagzeilen zu machen. Dennoch ein erschreckendes Szenario, wenn nicht nur ganze Firmen dichtmachen, sondern auch Veranstaltungen abgesagt werden...

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Tempolimit in Bern

Dienstag, 7. Juli 2009

Ausflug ins Progr: Wenn sich drei Stunden so anfühlen, als wäre es höchstens eine halbe Stunde gewesen...nennt man das vermutlich Glückssträhne. Zum ersten Mal gelang mir geschlossen ein Männergiro im Uhrzeigersinn, sogar den Platzbedarf hatte ich zuvor richtig abgeschätzt und vorausberechnet. Ist gar nicht so simpel, in einer rollenden Planung laufend abzuschätzen, ob in vier Sekunden dieser und jener Platz noch frei sein wird. Zugegeben: Mit den Tanzregeln ist das ganze nicht wirklich vereinbar. Aber das fällt im rempeligen Progr ja auch niemandem auf...

Dazu noch einige schöne und tanzbare Nontangos. Und sowieso rassige Milongas. "Heh, nicht so schnell, Du bist hier in Bern", murmelte mir eine Tanzpartnerin ins Ohr, als ich eine Verdoppelung ausprobierte. Da war es wieder, das Klischee. Wie werden Milongas eigentlich im Berner Oberland getanzt?

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Kommentar von Viviane

nicht der Schnellste und der Grösste ist gefragt im Tango (und das nicht nur in Bern und nicht nur im Tango), sondern der Sensibelste und Rücksichtsvollste.

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Schneckentanz im Gellert

Freitag, 10. Juli 2009

Diesmal hatte ich im Gellert grösseres Glück als letzte Woche, es ergab sich so mancher schöner Tanz. Doch auch wenn die meisten Leute recht rücksichtsvoll tanzten, so etwas ähnliches wie ein Tanzfluss entsteht in diesem engen Raum halt einfach nicht. Die entspannendste Runde war daher die Tanda auf der Terrasse. Nur wird dort gewissen Damen trotz wärmender Umarmung und peitschender Milongarhythmen schnell zu kalt. Nach Mitternacht dann inoffizielle Afterhours mit guter Musik und viel Platz, nur waren da leider die meisten Frauen bereits weg...

In eigener Sache: Da es am Montag mal endlich wieder richtig warm werden soll, rufe ich hiermit zu einem Basler Tangoblog-Rheinschwimmen auf. Treffpunkt diesen Montag um 19 Uhr direkt am Rhein hinter dem Tinguely-Museum (Bus 31/36/38). Unbedingt mitbringen: Wasserdichter Schwimmsack für Kleider (gibts bei Manor). Ach ja: Der Rhein ist für geübte Schwimmer, Schwimmhilfen sind verboten.

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Hommage in Freiburg

Samstag, 11. Juli 2009

Traumhafter Abend in Freiburger Kucci: Die Platzverhältnisse sind zwar nicht gerade luxuriös (ja, es war ziemlich rempelig), dafür macht die Musik extrem gute Laune. Vor allem melodiöse und fliessende Tangos, gefühlvolle Nontangos, und sogar die Hälfte der gespielten Elektrotangos gefällt mir gut. Dazu noch zwei schöne Salsa getanzt. "Das waren bloss Cortinas", ruft der Veranstalter hinterher ins Publikum -- und erntet Gelächter. Danach folgte eine kurze Hommage an Michael Jackson. Hm. Hoffentlich stirbt demnächst nicht jemand von Otros Aires, sonst kann man ja mindestens einen Monat lang an keine Milonga mehr gehen.

Das Geschlechterverhältnis schien mir ziemlich ausgeglichen, dennoch flog bereits der erste Cabeco, kaum hatte ich meine Tanzschuhe an. In einigen Tandas konnte ich mal wieder völlig abheben, und ich hätte am liebsten bis in die frühen Morgenstunden weitergetanzt. Milongaschluss um ein Uhr passt zwar gut zum Zugfahrplan, ist aber irgendwie doch viel zu früh...

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Der Regen und die Langeweile

Sonntag, 12. Juli 2009

Viel Volk heute auf dem Petersplatz, trotz zweitweise kräftigem Regen. Boden daher stellenweise arg unberechenbar. Macht dennoch Spass. Später im Tanzpalast: Einige Paare sowie mehrere völlig gelangweilt herumsitzende Frauen, dazu ein paar däumchendrehende Männer. Gehe nach einer Viertelstunde nach Hause. Vielleicht wäre es der Stimmung minim zuträglich, wenn die Trennwand bei solch wenig Besuch geschlossen wäre und die Leute dann nicht so verloren in der weiten Welt herumsitzen? Ein Mann schlägt vor, ich solle ein T-Shirt mit der Aufschrift "It's no fun to dance with bored woman" tragen. Hm, lieber nicht, Vermeidungsziele sind gefährlich...

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Kommentar von Yvonne

Immer wieder lese ich von sich langweilenden Frauen an Milongas. Hm, ich verstehe das ja, wenn man bzw. frau nicht zum Tanzen kommt. Aber dass sich auch die Männer langweilen... irgendwie kapiere ich das alles nicht. Wollen die Damen nur mit bestimmten Tangueros tanzen oder was? Ich tanze erst seit ca. einem Jahr und besuche seit 6 Monaten regelmässig Milongas. Vielleicht mache ich manchmal auch einen gelangweilten Eindruck, aber das ist dann eher schon die lähmende Angst, dass ich nicht zum Tanzen komme oder einfach weil ich mich immer noch nicht recht traue in die Gegend zu schauen. Aber wenn mich ein Mann auffordert, dann freue ich mich IMMER (ausser er stinkt wie ein Geissbock ;-), aber das weiss ich ja erst hinterher. Ich verstehe auch die ganze "Körbe Verteilerei" nicht, vor allem wenn man noch nie zusammen getanzt hat. Hm, kannst Du mir das mal erklären...bin wohl zu sozial oder zu weltfremd.... liebs Grüessli us em Toggeburg (hier bist Du immer willkommen) PS: Schick doch die überzähligen Männer mal nach St. Gallen...hier freuen sich die Tangueras bestimmt!

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Kommentar von Garance

Wenn man noch nicht lange tanzt, ist die Begeisterung gross und man möchte so viel wie möglich tanzen. Das eigene Können und die Sensibilität haben sich noch nicht verfeinert. Deshalb nimmt man die Unterschiede in Körperlichkeit und Bewegungsführung zwischen den Tänzern und Tänzerinnen noch wenig differenziert wahr. Mit der Zeit ändert sich das, -sowohl Männer als auch Frauen, werden mit zunehmender Tanzerfahrung in ihrer Wahl sehr viel selektiver.

Die Erwartung, dass jede mit jedem und umgekehrt tanzt, sollte hinterfragt werden. Im Alltag grenzen wir uns anderen gegenüber ganz selbstverständlich ab. Wir sagen nicht immer ja und tun nicht immer, worum man uns bittet. Und das hat manchmal nicht nur mit der Anderen Person zu tun, sondern mehr damit, in welcher Gestimmtheit wir sind.

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Kommentar von Yvonne

Hallo Garance, Deine Meinung macht in meinen Augen durchaus Sinn und ich verstehe Deine Ansicht auch. Ich habe mich auch schon gefragt, ob ich mein Geschreibsel auch noch in einigen Jahren vertreten könnte. Ich hoffe es allerdings sehr, denn schlussendlich war jeder einmal ein Anfänger und als "Fortgeschrittener" sollte man sich ab und zu daran erinnern, wie frustrierend die Anfangszeit war. Aber das ist meine Meinung. Ich wünsche Dir auf jeden Fall viele schöne Tangos :-).

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Antwort von Patrick

Natürlich müssen nicht alle mit allen tanzen, und ich nehme gewaltige Unterschiede zwischen den verschiedenen Tänzerinnen wahr. Aber ich beobachte häufig genug, dass eben nur mit dem Hausguru getanzt wird, und das hat dann mit "social dance" nichts mehr zu tun. Zumal dieses Verhalten oft eher mit Statusdenken als mit echtem Tanzwohlfühlbedürfnis zu tun hat. Abgrenzung? Ja, ist menschlich. Aber doch bitte nicht gegen 99 Prozent der anwesenden Menschheit.

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Der Fluss, die Musik und der Boden

Montag, 13. Juli 2009

Die Teilnehmerzahl am ersten Tangoblog-Rheinschwimmen war arg überschaubar. Dazu noch Männerüberschuss. Allerdings hatte ich nichts anderes erwartet, zumal ich mir an der Milonga am Sonntag diverse Bemerkungen im Stile von "Eher gehe ich an ein Konzert von Otros Aires als in den Rhein, wenn er 19 Grad kalt ist" anhören musste. Nun, warten wir für den nächsten Versuch eine Hitzewelle ab.

Hab mich hinterher im Les Garecons aufgewärmt. Traumtandas. Ausserdem hat mir die letzten beiden Male die Musik von Talib deutlich besser gefallen als früher. Liegt das am DJ oder doch an meiner Stimmung?

Ach ja, neues Indiz für Tangosucht: Kritisches Beäugen der PVC-Böden im Baumarkt in Bezug auf Tauglichkeit als Openair-Tanzfläche. Wir werden sehen...

Ausserdem wären da Ende August noch die Laufenburger Kulturtage, nur finde ich trotz ausgiebigen googelns nirgendwo genaue Angaben zu den geplanten Tangoworkshops und Milongas. Hat jemand einen Link dazu?

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Kommentar von Cassiel

Für mobile Tanzflächen für open-air Milongas empfehle ich OSB-Platten mit Nut und Feder. Mit einer Oberfräse werden Aussparungen für kleine Holzplatten ausgefräst. Diese werden dann eingeschraubt. Das ist ein ziemlicher Aufwand, die Tanzfläche ist aber mehrfach verwendbar.

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Antwort von Patrick

Ich habe schon eher etwas handlicheres im Sinn, was man mit einem Kombi einfach transportieren und an Ort und Stelle mit etwas Klebeband huschhusch aufbauen kann. Zumal diese PVC-Böden normalerweise ja auch als Parkett verlegt werden, einige Tanzabende sollten die also schon aushalten. Werd mir mal ein billiges vier Quadratmeter-Stück abschneiden lassen und mit einer experimentierfreudigen Tanguera einige Tests durchführen...

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Der Koffer, die Gravitation und der Grundschritt

Donnerstag, 16. Juli 2009

Gestern hat mich eine Tanguera tatsächlich verblüfft: Sie erzählte mir, dass sie mit nur einem einzigen Koffer an eine Tangowoche gereist war. Vor der Rückreise habe zwar ein Tanguero auf den Koffer sitzen müssen, damit sie das Ding überhaupt wieder zugekriegt hat, aber ich fand das dennoch bemerkenswert. Derzeit packe ich mein Zeugs für das Wochenende in Tremmelhausen zusammen, und der Trolley ist bereits arg übervoll. Teufel, wie machen die Tangueras das? Magie? Nutzen sie Gravitations-Anomalien aus? Oder war das womöglich eine Tango Desnudo-Woche, wo ja nicht viel Textiles gebraucht wird?

Dann hat mir heute in der Practica eine Salsera erzählt, wie sie diese Woche in einer Standard- & Lateinschule einen Tangoschnupperkurs gemacht habe. Naiv fragte ich, was sie da genau gemacht haben. "Wir haben den Grundschritt gelernt", antwortete sie strahlend. Hm. Warum bloss stellt man manchmal Fragen, wenn man die Antwort gar nicht wissen will...

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Tremmelhausen, der nasse Auftakt

Freitag, 17. Juli 2009

Eine Reise mit der Deutschen Bahn geht manchmal ziemlich lange. Diesmal wegen eines Anschlussverlustes satte zwei Stunden länger als geplant. Dafür darf ich in und um die Bahnhöfe herum mal wieder ausgiebig Werbung betrachten: "Frauen sind anders. Das ist gut so!", meint etwa die Generali, und bildet zwei weibliche Wesen ab, wobei die eine der anderen beim Bedienen eines Mobiltelefons anerkennend über die Schulter schaut und strahlt. Daneben sind ein paar rote Schuhe mit hohen Absätzen abgebildet. Die suchen tatsächlich Tangueras? Nein, Vertriebsassistentinnen. Verwirrend. Wozu brauchen die denn hohe Absätze?

Da ist die Lotteriewerbung nebenan schon unterhaltsamer. "Glücksspiel kann süchtig machen. Gewinnchance 1:5 Mio.", warnt die Behörde in einer Fussnote. Wenn ich mal meine eigene Milonga mache, dann hängt sowas auch an der Eingangstüre:

Warnung: Tango kann süchtig machen. Frustgefahr dennoch hoch. Cabeceokurs wird empfohlen.

Dann endlich bin ich in Regensburg, um neun beginnt in der vertrauten Scheune in Tremmelhausen die Milonga. Zu Beginn leichter Männerüberschuss. Nach ein paar herzlichen Begrüssungen folgt eine eiskalte Dusche: Ich erfahre, dass eine liebe Tanguera nicht mehr lebt. Ein Unfall, plötzlich aus dem Leben gerissen. Vor einem Jahr noch haben wir auf der Nachmittagsmilonga miteinander getanzt und rumgealbert. Das Leben hat gegeben, das Leben hat genommen, das Leben ist schön. Gilt offenbar auch im Tango. Trotzdem würde ich mich am liebsten in einer Ecke verkriechen.

Etwas Ablenkung verschafft mir in diesem Moment der sintflutartige Regen, kombiniert mit einem peitschenden Sturm sorgt er für einige Tropfen durch das Scheunendach. Macht die rutschige Tanzfläche allerdings auch nicht viel haftender, wie ich feststellen muss. Viel tanze ich nicht, was sowohl mit der Musik wie auch mit meiner Stimmung zu tun hat. Zu später Stunde kribbelt es mir zwar wieder in den Füssen, nur sind dann die meisten Frauen bereits weg. Eine unglaublich feinfühlige Tanguera scheint meine Stimmung zu erahnen und bietet mir wortlos die Frauenrolle an. Tango ist schön. Auch dann, wenn der Himmel weint.

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Kommentar von Elbnymphe

Danke für den wirklich schönen, sensiblen Bericht. Es tut mir leid, dass Du so traurige Nachrichten erfahren musstest. (Ich nehme zur Zeit jedes Wochenende im Krankenhaus von einer Freundin Abschied, nur um noch eine Leidenswoche anbrechen zu sehen ) Dennoch glaube ich auch: "La vita è bella!"

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Tremmelhausen, die Lärmkulisse

Samstag, 18. Juli 2009

Manche Männer haben bei Frauen Erfolg. Vor allem dann, wenn sie wie Brad Pitt aussehen und wie Gustavo Naveira tanzen. Umgekehrt wirds hingegen schwieriger. Dafür habe ich bei Katzen Erfolg. Beäugte mich die junge Dame in meiner Unterkunft gestern noch arg misstrauisch, so ist sie inzwischen zutraulich. Rechne mir daher gute Cabeceo-Chancen für den Abend aus...

Aus Zeit- und Wettergründen lassen wir das Nachmittags-Tangocafé sausen, immerhin startet die Abendmilonga heute ohne Sturm -- einzig der Regen bleibt verlässlich. Liveauftritt von Violentango: Nach häuslicher Gewalt sowie Gewalt auf der Tanzfläche gibts jetzt endlich auch akustische Gewalt von Musikern. Erstens miserabel abgemischt, so dass der Sound aus dem Lautsprecher kein Genuss mehr war. Zweitens bei fast jedem Lied extrem heftige Tempiwechsel. Bei freier Tanzfläche und mit Blick auf die Musiker hätte ich das tänzerisch sehr spannend gefunden, aber auf einer derart rempeligen Fläche bedeutete das für mich mal wieder eine lange Zwangspause. Drittens schmachteten sich die Musiker zwar pausenlos gegenseitig an, scherten sich aber offensichtlich keinen Deut um die Tänzer und passten auch ihre wenig intuitiven Tempiwechsel nicht an. Ich weiss, dass Violentango gerne als Strassenmusik unterwegs ist, da kann man selbstverständlich tun, was einem passt. Aber auf einer Milonga haben die Musiker für die Tänzer da zu sein.

Endlich war der Liveteil zu Ende (es gibt Leute, die wohl selbst dann "Zugabe" schreien würden, wenn ich einen Besentanz aufführen würde), ich genoss danach viele fantastische Tänze. Musikalisch beeindruckt hat mich "Tanguera" von Mariano Mores. Das Lied kannte ich zwar schon in anderen Interpretationen, aber diese Variante reisst mich ziemlich vom Hocker. Verspielt, wild, sanft, dramatisch, zwischendurch auch grauslig kitschig...jedenfalls grandios. Die letzten Lieder tanzen wir barfuss auf einer fast leeren Tanzfläche, bis irgendwann früh am Morgen. Uhrzeit? Keine Ahnung. Die Zeit spielt hier keine Rolle. Das einzige, was zählt, ist der Tango.

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Kommentar von Cassiel

Leider ist Mariano Mores ein "one-hit-wonder" im Tango geblieben. Tanguera ist wirklich schön. Ansonsten habe ich noch keinen schönen Tango von ihm gehört...

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Kommentar von henning de cologne

One-hit-wonder? Mariano Mores ist einer der grössten Tangokomponisten und Schöpfer einiger der schönsten Tangos: Uno, Cafetin de Buenos Aires, Por que la quise tanto, El Firulete, La calesita, Taquito militar, Adios pampa mia, Cada vez que me recuerdes, Cuartito azul, Estampa de varon, Sin palabras, Cristal, Grisel, um nur einige zu nennen. Die meisten sind natürlich nicht durch sein eigenes Orchester bekannt geworden, sondern durch Canaro, Troilo und Co., einfach aus dem Grund, weil er sein Orchester erst nach der Goldenen Ära gegründet und eher für den Konzertsaal denn für die Tanzfläche gespielt hat. Immerhin äusserst hörenswert seine Eigeninterpretationen von Taquito Militar und, sehr sinnlich, Oro y Gris.

Manchmal wünschte man sich etwas mehr Interesse für das, was man da tanzt - und mehr Respekt vor denen, die uns dieses Vergnügen bereiten.

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Kommentar von Cassiel

Tja, da bin ich wohl reingefallen. Ich habe mir eine CD (hiess sie Anthologia?) blind gekauft und das einzige Stück, da mir gefallen hatte war besagtes Tanguera - der Rest hat mir leider überhaupt nicht gefallen. Die Orchestrierung ist mir zu schwülstig gewesen, das eingesetzte E-Piano manchmal unerträglich und das Schlagzeug peitschte manchmal jeden Moment von Lyrik weg. Seine Interpretation von Uno kann ich mir beispielsweise leider überhaupt nicht anhören...

Ich lege gerne einmal Tanguera auf, da das Stück aber sehr prominent ist, wird es sparsam eingesetzt. So unterschiedlich können eben Geschmäcker sein. Mir deswegen Desinteresse vorzuhalten finde ich gewagt. Aber sei's drum...

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Kommentar von henning de cologne

Gut, Desinteressevorwurf zurückgenommen. Mir gefällt übrigens die Mores-Version von "Uno" recht gut; vielleicht habe ich aber auch eine andere (von 1957, auf der Compilation "Tangomanía"). Der Mann lebt schliesslich noch und produziert fleissig weiter Versionen. Mores gehört übrigens auch nicht zu meinen Lieblingsorchestern, aber als Komponist hat er meine Bewunderung.

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Tremmelhausen, das Finale

Sonntag, 19. Juli 2009

Endlich zeigt sich die wärmende Sonne, und am Nachmittag spielt die Strumpfband in der Scheune. Ferienstimmung auf den Sitzbänken, arges Gedränge auf der knappen Tanzfläche. Ein Paar rennt mehrmals von vorne wie seitlich in mich rein, während einer Musikpause klopft mir der Mann kumpelhaft auf die Schulter. "Du bist neu hier, hm? Musst Dich ein bisschen anpassen!", tönt er ziemlich laut. Da er einen Kopf grösser ist und ziemlich breite Schultern hat, beschliesse ich, ganz charmant zu sein. "Mach doch mal einen Tanzfluss-Workshop, das hilft bestimmt", sage ich leise, lächle und klimpere mit meinen Augen. Seine Gesichtszüge entgleisen. Glücklicherweise setzt in diesem Moment die Musik wieder ein. Der Kerl wird bestimmt nie mit mir tanzen...

In der Abendmilonga ist es relativ leer, dennoch tanze ich beinahe nonstop. Auch die Tandastruktur des DJ geniesse ich sehr: Es ist sehr angenehm, wenn man weiss, in welchem Stil und Tempo die nächsten drei Lieder sind. Diskutiere hinterher allerdings mit einem Mann, der betont, Tandas seien hier völlig unüblich. "Ein DJ spielte mal Cortinas. Da haben sich die Tänzer beschwert, warum die schöne Musik denn nach zehn Sekunden schon ausgeblendet werde", erzählt er mir grinsend. Obwohl...bei wunderschönen Filmmusik-Cortinas schiessen mir solche Gedanken ja gelegentlich auch durch den Kopf. Dumm nur, wenn zu Beginn einer hässlichen Elektrotanda eine Frau freundlich und mit grossen Augen nach einem Tanz fragt. Wenn künftig an einer Milonga Otros Aires läuft, dann zieh ich mir solange einfach eine Tüte über den Kopf...

Spätnachts ereilt mich noch ein saftiges Kompliment: Am Freitag hatte die Frau noch gemeint, sie sei eine Milonga-Hasserin. Und nun gesteht sie mir, die Milonga sei inzwischen ihr Lieblingstanz. Mission somit erfolgreich. Weniger erfolgreich bin ich zuhause bei der Katze, sie geht wieder deutlich auf Distanz und will nichts mehr von mir wissen. "Ist eine ziemliche Zicke, die Dame", murmle ich. Deren Dosenöffnerin klärt mich auf: "Patrick, das ist keine Katze. Das ist ein Kater". Sag ich doch. Männer sind eben die grössten Zicken...

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Kommentar von R.

Das mit der Tüte ist eine exzellente Idee. Schreib mir doch bitte Deine Adresse, dann schick ich Dir eine. Was magst Du für einen Aufdruck? "Achtung: Ausser Funktion" oder "Ich bin dann mal weg - komme aber geläutert wieder (Frau darf hoffen)"?

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Antwort von Patrick

Ich hatte eher sowas wie "disabled by music - please kill the DJ!" im Sinne...

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Kommentar von R.

Am Samstag hätten wir uns zusammen tun können und die vier Hanseln von der Live-Mucke ausschalten können... Aber Sonntag? Nein, der Kelch bleibt bei Dir hängen, nicht beim DJ, sorry.

Ich denk da immer noch drüber nach. Es hat mich offensichtlich mehr gestört, als ich das wahrhaben mag oder für gut befinden kann (bin auch nur ein Menschlein).

Bei mir gibt es nur selten Gelegenheiten, wo ich nicht tanzen möchte. Wenn dem so ist, gehe ich in aller Regel heim. Beim letzten mal, als ich auf keinen Fall mehr tanzen wollte, hab ich mich bisserl hinter meinem Freund versteckt. Gemütlich auf dem Sofa am Rande der Tanzfläche hab ich mich demonstrativ an ihn "gehängt/gekuschelt", da hätte mich sicher keiner weggeholt. Das mach ich sonst nie, weil ich finde, dass Kuscheleinheiten nicht auf eine Milonga gehören, aber ich wollte nicht tanzen und wollte aber auch auf keinen Fall einen Korb verteilen. Also hab ich mich den Herren etwas entzogen. Wenn mein Freund gerade getanzt hätte, hätte ich mir einen Schuh ausgezogen und so getan, als ob irgendwas gerade nicht passt. Jedenfalls hätte ich keinen Korb verteilt, sondern habe das für alle auf angenehme Weise gelöst, wie ich finde.

Soll ich Dir heile Socken zukommen lassen, damit Du Dir auch leisten könntest, mal nen Schuh auszuziehen? :-)

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Antwort von Patrick

Socken sind für Tänzer Verbrauchsmaterial, da wünsch ich mir lieber gleich Schokolade. Und bei jeder stimmungstötenden Musik die Schuhe ausziehen...das würde beim vierzigsten Mal pro Abend arg anstrengend.

Aber failsafe ist diese Variante sowieso nicht: Beim Salsa habe ich schon mehrmals erlebt, wie Frauen in Jacke und Stiefeln blitzartig wieder in Salsaschlappen dastanden, als ich zart angedeutet hatte, dass ich mich über ein paar Tänze freuen würde. Einmal hat das auch ein Mann mitgekriegt, der wohl zuvor von ebeneinersolchen Frau einen Korb mit der formaljuristischen Begründung "ich bin müde und geh jetzt nach Hause" gekriegt hatte. Der fühlte sich dann vermutlich richtig verarscht. Falls das ein Trost ist: Wenn Otros Aires läuft, dann würde ich auch Claire Forlani einen Vertröstungskorb geben.

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Kommentar von R.

Bleibt nur noch die Frage: Wer ist Claire F.? Die neue Gurkenkönigin aus dem Elsass? ;-)

Nächstes Jahr in Tremmelhausen essen wir also gemeinsam Schokolade - wenn wir schon nicht miteinander tanzen, weil entweder falsche Schuhe oder falsche Musik im Spiel sind...

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Antwort von Patrick

Claire Forlani ist die Schöne aus Meet Joe Black, dem vermutlich schönsten Tangofilm (ich weiss, die meisten Kritiker haben den Film zerrissen). Es kommt zwar kein einziger Tango drin vor, aber dafür geht es um den Tod, die Liebe und das Leben. Forlani ist allerdings inzwischen mit Mission Impossible-Bösewicht Dougrey Scott verheiratet, daher nehme ich mal an, dass sie Gurken höchstens noch in Scheiben geschnitten braucht.

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Die Musik und ihr Ruf

Mittwoch, 22. Juli 2009

Nach einem intensiven Festival ist der triste Alltag immer etwas öde. Dennoch wollte ich heute unbedingt tanzen gehen und schleppe mich daher in die Mittwoch-Abendmilonga im Tanzpalast. Musikalisch war das für mich noch nie ein Highlight, aber immerhin sind diesmal auch ein paar wechselwillige Leute da, und es ergeben sich erstaunlich viele schöne Tänze.

Witzig auch, wenn ich bei einer Tanzpartnerin fühle, dass sie völlig in der Musik drin ist und sie sich hinterher als Musikerin outet. Die wissen auch immer gleich, welches Lied ich bestimmt nicht tanzen will. Dazu passt dann wohl auch das Bonmot von Gerardo Portalea: "Man muss die Stille tanzen. Und die Violinen. Auch wenn keine da sind". Musste der Kerl jemals zu Elektrotango tanzen?

Grinsend meinte die Musikerin dann noch, ihr Beruf sei deutlich unseriöser als das Journalistendasein. Tja. Wenn sich Unseriosität tänzerisch so gut anfühlt, dann kann ich damit leben...

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Jammertangos in Freiburg

Samstag, 25. Juli 2009

Neue Milonga im "La Corona" in Freiburg: Ein angenehmer Saal, ziemliches Gedränge, die Musik fast ausschliesslich schwerfällig und schwermütig, der Tanzfluss entsprechend stockend, die Luft eher stickig. Schön wars dennoch, zumal sich der DJ auch getraut hatte, einmal die Leute darauf hinzuweisen, dass man nicht quer tanzen soll. Allerdings ging das erstens im Geplauder unter, und zweitens verstehen vielleicht gerade die, die immer quer tanzen, gar nicht, was damit gemeint ist. Wobei ich mich auch nicht mit Ruhm bekleckert habe, nach zwanzig Drehungen an Ort und Stelle werde ich auch ungeduldig und starte Überholmanöver. Ach ja, und Milonga-Ende um Mitternacht ist für einen Samstag halt schon ziemlich früh. Scheint ein Lärmproblem zu sein, das Restaurant liegt in einem Wohnviertel...

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Lippenstifte in der Sauna

Sonntag, 26. Juli 2009

Was tut man eigentlich, wenn die Musik spielerisch langsam wird, wenn Pausen zum Atmen und Geniessen da sind? Natürlich kann man einfach nichts tun. Oder den nächsten Schritt nanometerweise andeuten, um ihn dann auf den nächsten rhythmischen Akkord hin zu setzen. In der heutigen Practica im Tanzsportzentrum Freiburg liess sich Harald davon inspirieren, dass Frauen gelegentlich mit dem Lippenstift geometrische Figuren auf die Spiegel zeichnen. Glaub ich zumindest. Jedenfalls ging es um den Lapiz, also um das Zeichnen von Kreisen mit dem Fuss auf dem Tanzboden.

So nebenbei habe ich das auch schon gemacht, um eine halbe Note vor dem nächsten Schritt zu füllen, aber Harald demonstrierte einige Feinheiten. So spürt die Frau den Lapiz deutlich besser, wenn der Mann ein wenig Druck auf seinem zeichnenden Fuss hat, entsprechend kann sie ebenfalls zeichnen, was er dann wiederum auch spürt. Und ihre Verzierung deshalb idealerweise dann auch nicht abwürgt. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann zeichnen sie noch heute...

Wenn rund 40 Paare gleichzeitig Kreise auf den Boden zeichnen, dann hat das irgendwie etwas skurilles. Aber jetzt hat sich mir endlich ein weiteres Mysterium erschlossen: Vermutlich kommen jede Nacht Ausserirdische auf die Erde, um Tango zu tanzen. So entstehen dann die Kornkreise...

Sechs Euro für Practica und Milonga ist recht günstig, auch wenn ich mich schon gewundert habe, warum ich am Eingang kein Sauna-Armbändchen gekriegt hatte. Im Saal wars nämlich extrem schwül, und während der Milonga gabs daher immer kurze Lüftpausen ohne Musik. Von zwei hässlichen Elektros abgesehen eine sehr schöne Milonga, auch zwei Salsastücke habe ich sehr genossen. Viel Platz, nur eben wenig Luft.

Die Heimreise war dafür Stress pur: Trotz Karte habe ich mich mit dem Velo endlos verfahren, um nach knapp vierzig Minuten und unzähligen Tipps von anderen Radlern endlich am Bahnhof zu sein. Velo in den letzten Regionalzug des Tages reingehievt, innerhalb von 30 Sekunden die Fahrkarte am Automaten gezogen (call Guinness!), beim Abfahrtspfiff noch einen Lapiz auf den Bahnsteig gemalt und dann reingehüpft. Der Blick des Zugbegleiters war Gold wert...

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Frustiges Däumchendrehen

Montag, 27. Juli 2009

Die Musik gefiel mir heute im Les Garecons gut, dennoch habe ich nach knapp 90 Minuten wieder meine Sachen gepackt und bin nach Hause gegangen. Es gibt Tage, da fühlt man sich von den anwesenden Frauen komplett ignoriert, und heute war ein solcher Tag. Irgendwie absurd: Noch gestern hatte ich in Freiburg diverse neugierige Blicke von Frauen faktisch ignorieren müssen, weil ich auf den letzten Zug düsen musste. Mal unglaubliche Wertschätzung, mal kalte Dusche. Diese Wechselbäder sind mir irgendwie ein Rätsel...

Dazu kam auch eine wenig erbauliche Aussicht auf die Tanzfläche: Lauter Männer, die ihre Tanzpartnerinnen im halboffenen Stil mit den Armen rumreissen, viele unzertrennliche Paare, viele Nonstop-Plauderer, niemand schien in der Musik zu versinken. Vielleicht sollte ich es meinem grossen Vorbild Pablo gleichtun und künftig jeweils einen Roman zum Lesen mitnehmen.

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Wie der Tanz entstand

Mittwoch, 29. Juli 2009

Im Anfang war der Rhythmus, und der Mann bewegte sich dazu. Dann schuf Gott die Frau, sie wog ihre Hüften zu kleinen Seitenschritten, und schon war der Bachata erfunden: Der erste Tag.

"Kann man dazu nicht noch Figuren tanzen?", klagte der Mann zu Gott, und Gott liess die Clave erklingen. Er schenkte dem Mann einen Grundschritt sowie der Frau einige Drehungen, so entstand der Salsa: Der zweite Tag.

"Bei so vielen Drehungen wird mir schwindlig", stöhnte die Frau, und Gott gab den Menschen den chachacha: Der dritte Tag.

Doch der Mann konnte den Takt nicht richtig zählen, blieb unzufrieden und verlangte nach etwas einfacherem. Weil Gott auf seinem Dudelsender grad "Hymn" von Ultravox hörte, gab er den Menschen den Discofox: Der vierte Tag.

"Kriegen wir noch etwas luftigeres, bei dem wir uns stärker austoben können?", fragte die Frau scheu nach. Beswingt gab Gott nach und schenkte der Menschheit den Lindyhop: Der fünfte Tag.

"Etwas majestätisch-langsames zum Schwelgen wäre nett", befand der Mann. Und Gott schenkte ihnen den englischen Walzer: Der sechste Tag.

Am siebten Tag erklärte Gott, der Tag diene der Ruhe, er wollte keinen Lärm, und deswegen gäbe es heute auch keinen Tanz. "Aber Du könntest uns doch einen Tanz geben, mit dem man die Stille tanzen kann", meinte die Frau hartnäckig. Da gab Gott den Menschen den Tango, und siehe, es war gut.

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Gewackel statt Geschlurfe

Donnerstag, 30. Juli 2009

Früher, lange vor meiner Zeit, da gab es in und um einen Restaurant-Pavillon in Basel herum die Möglichkeit zum Salsa tanzen. Irgendwann bemerkte der Wirt jedoch, dass Tänzer zuwenig konsumieren und bewirtschaftete die Tanzfläche wieder mit Tischen und Stühlen. Heute in der Practica habe ich erfahren, dass damals einer der Tänzer dem Wirt vorschlug, es doch mit Tangotänzern mal zu versuchen. Die Antwort des Wirtes ist verbürgt: "Nein, das Geschlurfe kommt mir nicht ins Haus!".

Pappnase. Natürlich konsumieren Tänzer deutlich weniger Alkohol als andere Nachtschwärmer. Dafür gibt es aber auch keine Schlägereien, es braucht kein Sicherheitspersonal und niemand muss laufend Erbrochenes aufputzen. Der Unterschied wird mir immer wieder bewusst, wenn ich von späten Milongas im letzten Zug nach Hause fahre. Meistens verschanze ich mich unter dem Kopfhörer meines MP3-Players, um die ganzen aggressiven Pöbeleien nicht mitzukriegen. Die geschlossene Umarmung ist zweifellos auch eine Sucht, aber ich kenne noch nichts, das ähnlich sozialverträglich wäre.

Ach ja, und ziemlich genau heute vor drei Jahren bin ich in meinen ersten Salsa-Kurs gegangen. Ein Dank hiermit an Katherina, die mir beigebracht hat, dass man zarte Frauenhände nie mit dem Daumen festhält. Und an Luis, der mir mit viel Geduld gezeigt hat, wie man eine Luna tanzt. Und an den Salsa generell, ohne den ich vielleicht nie den Tango entdeckt hätte...

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Quantität statt Qualität?

Freitag, 31. Juli 2009

Derzeit läuft in New York ein ganz spezieller Marathon, es geht darum, in höchstens sieben Wochen 5649mal um einen Häuserblock zu rennen. Das ergibt dann 3000 Meilen, also knapp 5000 Kilometer. Pro Tag wird 18 Stunden gerannt, Schlaf wird zur Nebensache. Mein erster Gedanke: Das ist wirklich nur was für Hirnamputierte.

Aber irgendwie erinnerte mich diese oberflächlich betrachtet sinnlose Rumrennerei an etwas anderes. Nehmen wir eine handelsübliche kleine Milonga mit einer 50 Quadratmeter-Tanzfläche: Zehn Meter lang, fünf Meter breit. Tanzt man immer brav aussen rum (und das tun ja schliesslich alle Milongueros), dann macht das pro Runde 30 Meter. Zwei Runden pro Lied, drei Lieder pro Tanda, zehn Tandas pro Abend, fünfmal in der Woche? Da kommt man dem Wahnsinn schon bald selbst sehr nahe, musste ich feststellen: Zehn Jahre Tango, und die 5000 Kilometer sind ebenfalls beisammen. Aber im Unterschied zum Marathon ist man dabei nicht alleine, und das Ziel ist auch nicht ausschlaggebend...

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Kommentar von Cassiel

Was Du vergessen hast... Die Kilometer, die Du zur Milonga (und zurück) noch unterwegs warst... Es gab Zeiten in meiner Tangokarriere, da bin ich mindestens einmal die Woche 200km (einfach) zum Tango unterwegs gewesen...

Und die Grösse der Tanzfläche (10x5m) in Deiner Berechnung ist ja wohl eher die untere Schranke für diesen Schätzwert.

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Antwort von Patrick

Die Anfahrt ist dann wohl eher eine Frage des Ökologischen Fussabdruckes. Wobei mir schon mehrfach aufgefallen ist, dass die Leute genau so autofahren wie sie tanzen. Fliessend, aggressiv, bockig, rücksichtslos, vorsichtig, entspannt...

Tanzflächengrösse? Ja, bei riesiger, leerer Tanzfläche und peitschenden Milongas zieh ich auch mal die Siebenmeilenstiefel an. Aber ansonsten führt doch auch die grösste Tanzfläche nicht dazu, dass man weiter läuft als sonst. Auf manchen Veranstaltungen kann man ja schon froh sein, wenn man nach einem Lied zehn Meter weiter ist als vorher.

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Kommentar von Sam

Deine Berechnungen und der Vergleich mit dem Autofahren, lässt mich wiedermal wundern wieso noch kein O.K. von grossen Milongas auf die Idee gekommen ist, bei "Stosszeiten" während einer Cortina, auf minimale verkehrsregeln hinzuweisen: Zwei äusseren Tanz-Bahnen, und ein generelles spurenwechsel Verbot während dem spielen eines Musikstücks. Wem's nicht passt kann in der Mitte Slalom-Rempeln gehen!

Ich finde der DJ oder das O.K. sollten sich doch um ein angenehmes Tanzen an ihrer Milonga kümmern. Mindestens an einem Festival fänd ich sowas angenehm. Wenn der Hinweis mit dem nötigen Respekt und Witz präsentiert wird, kann ich mir fast nicht vorstellen, dass dies jemandem nicht passt. Im gegenteil!

Gibts sowas schon?

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Wenig Tänze und keine Leiche in Zürich

Samstag, 1. August 2009

Bislang waren meine Tanz-Blinddates immer lustig. Aber irgendwann musste eine Tanguera ja mal superkurzfristig kalte Füsse kriegen, und so sass ich heute doch arg gelangweilt im Zürcher El Social rum: Drei Paare plus zwei Männer. Immerhin war der Eintritt für Frühankömmlinge gratis. Als gegen 22 Uhr die Otros Aires-Tanda begann, da dachte ich mir, ich bin mal todesmutig und wechselte ein paar hundert Meter weiter ins Silbando zur Tangowoche.

35 Franken Eintritt, hmpf, hoffen wir auf schöne Tänze. Es ist Themenabend mit Federboas, Netzstrümpfen und Hüten. Und offensichtlich Paarabend. Regelmässig werden Szenen gespielt, in denen viel auf spanisch rumgeschrien wird und ein paar Geldscheine den Besitzer wechseln. Laut einem Kärtchen, das ich am Eingang bekommen habe, ist es ein Krimi, und man muss den Mörder erraten.

Zuerst hole ich mir mal wieder einen Korb und stehe danach ziemlich lange in der Gegend rum. "Silbando halt", sagt das Teufelchen auf meiner linken Schulter. "Das ist ein Festival, es gibt sicher auch Nichtzürcherinnen hier", haucht das Teufelchen auf meiner rechten Schulter. Tatsächlich schaffe ich es irgendwann, mir drei Frauen anzulachen, und es waren drei schöne Tandas. Alles englischsprachige Frauen, stelle ich hinterher kichernd fest. Auch Las Taitas als Live-Band spielt ganz angenehm mit Gitarre, Bassgitarre, Bandoneon und Gesang. Mitreissend finde ich die Musik allerdings nicht. Und auf der Tanzfläche wird ziemlich katastrophal gerempelt, ich kann kaum einen Schritt setzen, dauernd rennt jemand rückwärts oder seitwärts in mich rein. Und auch die dauernden Unterbrüche zwischen Live-Band und DJ mit den Krimiszenen sind arg anstrengend, so kommt bei mir kein Tangogefühl auf. Ist wohl nicht mein Tag.

Um halb eins muss ich mich entscheiden: Auf den letzten Zug huschen oder mindestens bis fünf Uhr morgens ausharren? Ich husche, und frage mich im Zug ziemlich frustriert, wann ich wohl endlich mal wieder einen genussvollen Tangoabend erleben darf. Und wer war denn nun eigentlich der Mörder? Keine Ahnung. Als ich ging gab es noch nichtmal eine Leiche...

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Freudvolle Tänze sowie Horrorszenarien

Montag, 3. August 2009

So, nach zwei Tagen Tangofrust hat sich meine Stimmung heute im Les Garecons wieder deutlich gebessert. Trotz der Musik, muss ich anmerken: Es waren ein paar heftig hässliche Elektrotangos darunter. Davon abgesehen hat mir die Musik gefallen, die Tänze waren schön, und auch eine feurige Milonga-Tanda konnte endlich mal wieder richtig geniessen. Tango ist schön!

Allerdings hatte ich letzte Nacht einen schlimmen Alptraum. Dachte, ich bin noch im Silbando und hatte beim Krimi die richtige Antwort (Es war übrigens nicht der Gärtner, sondern der Hund!) abgegeben und den Hauptpreis gewonnen: Ein Jahr lang Gratiseintritt ins Silbando. Scheu fragte ich, ob ich mit dem zweiten Platz tauschen könne, denn ich komme aus Basel. "Klar", sagte er, und gab mir ein Couvert. Darin waren zwei Eintritte für ein Konzert von Otros Aires. Daraufhin wachte ich schweissgebadet auf...

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Kommentar von Tiziano

Schade war es nur ein Traum, hätte Dich glatt gefragt ob Du mir die Karten weitergibst.

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Lost in Bern

Dienstag, 4. August 2009

Wenn auf einer Homepage steht, dass die Milonga "Jeden Dienstag ab 21 Uhr, keine Milonga am 21+28. Juli" stattfindet, ist es dann wirklich naiv, anzunehmen, dass sie am 4. August wieder stattfindet? Offenbar schon. Jedenfalls stand ich heute im Progr vor verschlossenen Toren, und der Pappnasenpreis dieses Sommers geht somit an Eric und Jeusa. Immerhin war ich nicht der einzige, der überrascht war, so ergab sich dann noch ein sehr netter Plauderabend.

Dafür war die Mittagsmilonga im Tanzpalast erfrischend. Tänzerisch wohlbemerkt, nicht musikalisch. Wie eine Cortina fallen die Elektros gnadenlos zwischen die Stücke, nur leider sind es keine Cortinas...

Und weil die Leute in Buenos Aires ja bekanntlich völlig dem Tango verfallen sind und auch häufiger zum Psychiater gehen als etwa US-Amerikaner helfen wir grosszügigen Schweizer nun bei einer anderen Sucht nach: Lindt & Sprüngli hat laut dem Tageblatt soeben seine erste Filiale in Buenos Aires eröffnet. Vielleicht ist das auch nur die schweizerische Antwort auf den argentinischen Tango-Kulturimperialismus...

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Viel Mittagsglück und etwas Arroganz

Mittwoch, 5. August 2009

Furiose Mittagsmilonga im Clarahof. Ich hab soviel getanzt, dass mir heute zum ersten Mal aufgefallen ist, dass ich hier nie musikbedingte Pausen machen muss. Abends im Tanzpalast war die Musik ausnahmsweise ebenfalls angenehm, zu schönen Tänzen zu kommen war allerdings schon schwieriger. Geschafft hab ichs, allerdings ist und bleibt es eine Paarpractica.

Und dann hab ich noch eine SMS nach Bern geschickt, mit dem Hinweis, dass es schon etwas frustrierend sei, entgegen der Ankündigung auf der Homepage im Progr vor verschlossenen Türen zu stehen. Die Antwort kam postwendend: Auf der Seite stehe doch schliesslich, dass "der Tangosommer heute Mittwoch beginnt". Ay, klar. Wenn ich mal gross bin und meine eigene Milonga veranstalte, dann gehe ich hoffentlich nicht so arrogant mit meinen Gästen um...

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Spurwechseln sowie konstruktivistisches Tanzen

Freitag, 7. August 2009

Zum letzen Mal in diesem Sommer Practica im Gellert: Mirjam und Roberto üben mit uns erst das Gehen, danach Ochos und das Kreuz. Über zehn Paare nehmen teil, und ich bin froh, als Mirjam die Leute darauf hinweist, dass man auch während einer Practica in Tanzrichtung im Gegenuhrzeigersinn tanzen soll. Dann kommt von ihr noch ein Zusatz: "Wenn Euch ein Paar im Weg steht, dann überholt eben rechts. Oder links". Aargh. Noch Fragen, warum an unseren Milongas so gerempelt wird?

Schöne Milonga hinterher, der Tanzfluss war zeitweise trotz der engen Verhältnisse ganz angenehm. Ziemlicher Frauenüberschuss, nur reagierten die Frauen mit zwei Ausnahmen überhaupt nicht auf irgendwelche Blickkontakte. Wir bräuchten wirklich mal Cabeceo-Kurse...

Zwischendurch gab es eine Live-Einlage, wobei ich es immer ziemlich unhöflich finde, wenn Musiker an einer Milonga ausgerechnet etwas theoretisch Untanzbares von Piazzolla spielen müssen. Nun, ich hab dennoch dazu getanzt. Einfach konstruktivistisch(tm). Musik entsteht ja bekanntlich im Kopf.

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Tangofrust in Freiburg

Samstag, 8. August 2009

Männerüberschuss? Doch nicht in Freiburg, oder? Oder. Nämlich heute im Kucci. Erst waren es zwei Paare und drei Männer, und ich dachte mir, das wird bestimmt noch besser. Wurde es aber leider nicht, es kamen laufend weitere Paare, weitere Männer und irgendwann noch ein paar Frauen. Diese achteten zwar auf Blickkontakt, nur hatte ich davon diesmal nichts, dafür die anderen Männer. So durfte ich mal am eigenen Leib erleben, was es heisst, drei Stunden lang völlig ignoriert zu werden. War jedenfalls ein ziemlich beschissener Abend.

Das Rumgedrücke und Rumgezerre auf der Tanzfläche hob meine Laune auch nicht gerade. Genau drei Paare tanzten Milonguero-Stil, eine ziemlich verschwindende Minderheit. Ich brauch dringend ein Milonguero-Festival...

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Kommentar von Antanguero

Sei dir bewusst, dass du dich an den Milongas einer harten Konkurrenz stellst. Die meisten Männer dort tanzen zwei- bis dreimal so lange wie du. Mit den meisten davon könntest du zwar locker mithalten, aber das wissen die Frauen eben nicht. Und viele Frauen können Wasser von Sand nicht unterscheiden. Wenn dich das nächstemal eine Frau auf einer vollen Tanzfläche zum offen tanzen zwingt, dann lass sie stehen. Die Basler Frauen, die sich offen fein führen lassen, die kann man an einer Hand abzählen.

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Kommentar von Daniel

www.tangokombinat.de/events.htm

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Kommentar von Monika

da, Patrick: (gleicher Link wie Daniel oben, nur ein paar Sekunden später..). Hingehen, geniessen.

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Openair trotz Tangofrust

Sonntag, 9. August 2009

Immerhin, heute kam ich zu fünf oder sechs schönen Tandas, und das Wetter spielte am Petersplatz auch mit. Geniessen konnte ich es aber nicht so recht, dauernd muss ich darüber grübeln, was ich eigentlich falsch mache, dass ich derart um die Tänze kämpfen muss. Vielleicht auch einfach nur eine schlechte Woche? Spätabends habe ich noch einen Blick in den Tanzpalast geworfen, aber als ich da lauter Paare im ganzen Raum verteilt rumsitzen sah, bin ich gleich wieder gegangen. Irgendwie bin ich derzeit zu dünnhäutig für Tango.

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Tanzfreude und Blutspuren

Montag, 10. August 2009

Endlich mal wieder eine richtig schöne Milonga zum Durchatmen: Mein Tangofrust war heute im Les Garecons wie weggeblasen. Sogar der diesmal ziemlich hohe Elektrotango-Anteil war mir ganz recht, um zwischendurch mal eine kleine Pause machen zu können. Ausserdem mal wieder ein Korb eingefangen, hat mich aber nicht so richtig gekratzt. Und ich hab mal wieder Festivalpläne...

Da fällt mir noch eine Begebenheit vom Sonntag ein: Neulich hatte Cassiel geschrieben, dass er es völlig daneben fände, wenn eine Frau beim Tanzen ihre linke Hand nur mit der Daumen-Handkante auf die Schulter des Mannes legen würde. Ich konnte mir darunter nie so recht etwas vorstellen, und wusch...am Sonntag sah ich zum ersten Mal eine Frau, die genau so tanzte. Es wirkte, als hätte der Mann an seiner Schulter Aussatz. Und der Ellbogen guckte natürlich so steil raus, damit könnte man bestimmt an einer rauhen Wand schicke Blutspuren hinterlassen, wenn man nahe genug rantanzt...

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Kommentar von Elbnymphe

Kommentar: Ha!, das ist ein gutes Bild, welches ich mir nun immer genüßlich ausmalen werde, wenn ich dieser (in meinen Augen) unglaublich manirierten Tanguera zusehen muß, die mit geschlossenen Augen Hingabe mimt, während ihr Arm auch als Hutablage dienen könnte.

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shoe-it-yourself?

Dienstag, 11. August 2009

Interessante Diskussion mit einer Tanguera: Auf dem Ballenberg gibt es offenbar gelegentlich einen Kurs, in dem man lernt, seinen eigenen Schuh selbst zusammenzubasteln. Ein schönes Handwerk, und so könnte frau wie mann natürlich auch den eigenen Tanzschuh nach Belieben zusammenpuzzeln. Endlich freie Wahl von Material, Farbe und Form...

Im Unterschied zum letzten Dienstag war das Progr in Bern heute offen, und ich hab fast pausenlos getanzt. Ein wunderschöner Abend. Als ich reinkam, hatte ich den Eindruck, alle Frauen guckten mich an. Irgendwie absurd, diese dauernden Wechsel zwischen Aufmerksamkeit und Distanz. Und drei Stunden bis zum letzten Zug sind einfach zu kurz...

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Singletische und Frühstückszeiten

Mittwoch, 12. August 2009

Die heutige Mittwochabend-Milonga konnte ich mal richtig geniessen. Fantastisch wäre es natürlich gewesen, innerhalb von zwei Stunden mal einen Vals zu hören, aber ich habe inzwischen ja gelernt, mich über kleine Dinge zu freuen.

Ziemlich gestaunt habe ich dafür über die Webseite des Tangofestivals in Wuppertal. Dort kann man am Festivalsamstag rund um die Uhr tanzen, der Saal sieht ebenfalls toll aus. Über satte fünf Showauftritte an einem Abend kann man geteilter Meinung sein. Aber...äh...dort gibt es tatsächlich einen "Single-Tisch" mit 26 Plätzen. Klingt auf den ersten Blick ja gut. Oder zumindest gut gemeint. Aber ist das nicht irgendwie ein Zeichen dafür, dass die ganze Bankett-Bestuhlung dort leicht Cabeceo-unfreundlich ist? Und 26 Single-Plätze...die restlichen knapp 500 Tischplätze sind demnach von Gruppen und unzertrennlichen Paaren bevölkert? Oder liegt das nur an meinem München-Trauma, dass ich bei Milongas mit reservierten Tischplätzen Panik kriege? So ein Single-Tisch wirkt doch irgendwie stigmatisierend. Werden dort an Anfänger gar rote Mützen verteilt, damit man ihnen bei der Integration helfen kann?

In Saarbrücken hingegen steht bei den Hoteltipps der Satz "Bester Deal in punkto Frühstückszeiten/Checkout-Zeiten". Frühaufsteher mögen sich bei sowas am Kopf kratzen, aber ich fühle mich irgendwie verstanden...

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Beweglich, weich und verwirrend

Donnerstag, 13. August 2009

Komplimente sind ja immer schön. Heute in der Salsa-Practica meinte eine Salsera, ich sei unglaublich beweglich. Tja. Jahrelanges Afrocuban-Training. Schultern einzeln bewegen, Brust und Becken isolieren. Es war eine Qual, und die Fortschritte waren nur millimeterweise zu erkennen. Einmal fand ich nach dem Training, dass ich die Übungen inzwischen halbwegs beherrsche. Stolz schritt ich zu Luis, um den Kurs zu bezahlen. "Ich finde es toll, dass Du heute gekommen bist, auch wenn es noch nicht so recht klappt", sagte er, und klopfte mir auf die Schultern. Er weiss vermutlich bis heute nicht, wie knapp er in diesem Augenblick seinem Tod entgangen ist.

Und nun beim Tango ist diese Beweglichkeit ein zweischneidiges Schwert. Verdrehen von Oberkörper und Hüfte? Oft hilfreich. Der Rest? Für die Frau verwirrend, vor allem deshalb, weil ich kaum fähig bin, wirklich harte Gewichtswechsel zu machen. Gut, einige wenige Tanzpartnerinnen waren auch schon begeistert davon, wie weich ich laufe. Und dass sie mit ihrem Oberkörper rumwackeln dürfen, ohne dass es mich irritiert.

Einen grossen Vorteil meiner Salsakenntnisse durfte ich dafür neulich an einem inoffiziellen Rheinschwimmen anwenden: Wir standen knapp bis zur Hüfte im Wasser, und eine Tanguera argumentierte, die 19 Grad seien etwas gar kalt. Ich regte an, dass wir uns etwas bewegen könnten und schlug vor, ihr eine Fallfigur aus dem Salsa zu zeigen. Ihre Augen blickten skeptisch. "Ich habe noch nie eine Frau auf dem Parkett fallen gelassen", versicherte ich ihr. Die Einschränkung im vorherigen Satz wurde ihr erst klar, als es schon zu spät war: Sanft und sicher liess ich ihren Körper langsam nach unten gleiten, und dann...tja...ich muss wohl unsicher gestanden haben. Oder ihr Körper war wegen der Sonnencréme zu glitschig. Der Schrei war jedenfalls wohl noch am anderen Ufer zu vernehmen. Aber sie war drin. Ich dann auch. Und die Moral von der Geschicht: Salsa-Fallfiguren gehören nicht in den Tango. Die Frauen wissen es nämlich nicht zu schätzen...

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Die Sterne und das Wasser

Freitag, 14. August 2009

Astrologie und Tango ist eine gefährliche Mischung. Wenn mich eine Frau nach meinem Sternzeichen fragt, dann weiss ich immer, dass entweder meine Tanzkünste katastrophal waren oder der Heiratsantrag vor der Türe steht. Gleichzeitig sind Tangoleute oft unglaublich ignorant, wenn ich auf die Schönheiten des Himmels verweise. Heute war nämlich tatsächlich Jupiteropposition, und zwar im Steinbock. Astrologische Interpretationen lehne ich selbstverständlich ab, wobei ich zugeben muss, dass der Tanzfluss heute Abend am Rhein schon etwas bockig war...

So eine Openair-Tanzfläche direkt am Rhein mit eigener Dusche hat was. Auch wenn die konkrete Ausprägung des Tanzbodens aus schlepptechnischen Gründen etwas stark eingeschränkt war. Ich sag doch, PVC-Boden wäre leichter. Getanzt wurde aus Platzgründen dann auch auf den benachbarten Holzplanken, todesmutige Tangueras behielten einfach ihr Gewicht vollständig auf den Zehenspitzen, um mit ihrem Absatz nicht in den tiefen Abgründen zwischen den Planken zu versinken. Die Salsa-Einlage gabs dann aber auf den geklebten Spanplatten. Viel schöner kann ein warmer Spätsommerabend kaum sein. Und die letzten Tänze mal wieder barfuss...

Ach ja, und die Dusche war immer für eine Überraschung gut. Weil an warmen Abenden auch sehr spät noch Schwimmer aus dem Rhein kommen und sich kurz abduschen wollen, sollte man doch besser darauf achten, wo man sich hinsetzt. Überraschend, dass der Wassermann gleich neben dem Steinbock am Himmel steht, oder?

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Kommentar von Elbnymphe

An Deinen Einträgen gefällt mir oft, wie Anfang und Ende ineinander greifen

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Anonymer Kommentar

Hallo Du, hat mich gefreut Dich nun endlich, nach so langer Zeit des nur "hörens" kennen zu lernen.Ja der Abend, das Tanzen, auch unter erschwerten Bedingungen zum tanzen, war super schön. Habe kräftig Werbung gemacht, so dass sich für das Schleppen, ev. auch noch die Eine oder der Andere bewegen lässt, oder Du ev doch noch mit Deinem super Vorschlag bei Michael durchkommst :) ?! Werde gerne wieder an den Rhein zum tanzen kommen!

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Kommentar von Cassiel

So schön, wie Du zum Thema Astrologie schreibst. Das kreuzte letzte Woche auch mein Leben. Ich wurde von drei Damen gefragt, welches Sternzeichen ich bin. Ich habe daraus ein Quiz gemacht. Sie hatten für den ersten Versuch imerhin die Chance von 1/12. Bevor ich hier jetzt ewig tippe, sie haben volle zwölf Versuche gebraucht um mein Sternzeichen zu erraten.

Nein, mir bedeuten Sternzeichen überhaupt nichts und ich finde es immer ein wenig seltsam, wenn das eine Unterhaltung dominiert. Aber Tango unter Sternen finde ich ebenfalls wunderschön. ;-)

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Antwort von Patrick

Neulich meinte eine Tanguera nach einigen Tänzen, sie würde noch eine Runde mit mir tanzen, wenn ich ihr Sternzeichen errate. "Eine wunderschöne Blume?", fragte ich mit grossen Augen. Tja, und schon liess sie mich stehen. Das nächstemal probiere ich "Schlangenträger", das Sternbild liegt ja immerhin teilweise noch auf der Ekliptik.

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Barfuss-Barridas und Verjüngungs-Vals

Samstag, 15. August 2009

Privatparty hoch über dem Thunersee: Viele Festbänke, eine hübsche Tanzfläche und ein strahlendes Geburtstagskind. Irgendwie fiel mir die Ehre zu, den Geburtstagsvals mit ihr zu eröffnen, und ich muss gestehen, ich war ein wenig nervös. Immerhin waren rund 80 Augenpaare auf uns gerichtet. Lief aber glatt, und ich habs ab der zweiten Sekunde unglaublich genossen. Später habe ich gar für ganze drei Lieder mal die Rolle des DJs übernommen, und es war ebenfalls wunderschön, mal zur eigenen Lieblingsmusik zu tanzen.

Spätnachts dann Barfusstango auf dem noch immer warmen Steinboden, so werden sämtliche auch nur hauchzart angedeuteten Barridas zu einem Traum. Sommernachtstango eben...

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Anonymer Kommentar

Welche Tangos hast Du denn ausgesucht? Oder ist das ein Geheimnis?

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Antwort von Patrick

Es ist höchstens ein kleines Geheimnis. Titel und Interpreten habe ich hier im Blog in der Vergangenheit bereits namentlich genannt, aufmerksame Leser können es sich somit zusammenreimen. Sehnsüchtige Tangos eben...

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Sommerhitze und Herbstängste

Sonntag, 16. August 2009

Die Sonne brennt. Unglaublich viele Leute heute beim Openair-Tango am Petersplatz. Vermutlich eine Mischung aus heissem Spätsommertag sowie der Angst, dass schon bald der nasskalte Herbst zuschlägt. Die Salsa-Einlage wird schon fast zur Gewohnheit, macht aber jedesmal riesigen Spass. Vielleicht wäre es in Basel mal Zeit für einen kombinierten Tango/Salsa-Anlass.

Später dann noch rassige Milongas im Tanzpalast. Während der Sommerflaute scheint die grosse Trennwand nun geschlossen zu sein, die Tanzfläche beschränkt sich damit wie in alten Zeiten(tm) auf den hinteren Saal. Ich finds so angenehmer, ein dicht gefüllter Saal wirkt auf die Stimmung einfach anders. Und wenn die Massen wieder am Sonntag einfallen, dann kann man die Wand ja rasch wieder öffnen und die 400 Quadratmeter freigeben. Der Herbst kommt bestimmt...

Apropos Herbst: Der Totentanz lebt offenbar weiter, wann auch vorderhand eher mit Sopee statt mit Michael, und das Merian scheint definitiv beerdigt.

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Ablehnende Frauen und stinkende Männer

Dienstag, 18. August 2009

Da denkt man sich nichts Böses und wird per Mail auf einen (englischsprachigen) Blogeintrag über Ablehnung beim Tango hingewiesen. Ich weiss, das Thema ist nicht sonderlich neu. Aber bei einigen Sätzen habe ich mich doch kräftig verschluckt:

Funny how refusal on the dance floor has this effect when refusal anywhere else is better accepted!

Das stimmt leider nicht. Im Strafgericht habe ich schon unzählige Male erlebt, was Kränkungen in Kombination mit Scham anrichten können. Und der neue Arbeitgeber, der die Bewerbung in den Mülleimer wirft...das stecken Arbeitslose auch nicht immer so locker weg. Ablehnung ist das Gegenteil von Bestätigung, und ich denke, den zwei Damen im genannten Blog würde es gut tun, sich selbst auch mal einzugestehen, wie abhängig sie von Bestätigung sind.

Dann kommt natürlich noch der Hinweis auf das Cabeceo, damit könne man Zurückweisungen entgehen. Ich weiss nicht. Für mich ist das mit dem Blickontakt eine sehr feine Sache, weil ich so deutlich spüre, wenn eine Frau gerne mit mir tanzen möchte. Aber wenn ich (insbesondere von Frauen, mit denen ich noch nie getanzt habe) ignoriert werde, spüre ich die Ablehnung selbstverständlich genauso deutlich. Bemerkenswert ist dann aber der Kommentar von Arlene:

If the man is clean and tidy, then it must be his dancing, and that is something he should work on. It really is that simple.

Kurzum: Wenn der Mann nicht stinkt, dann muss es an seinen Tanzkünsten liegen, wenn er Körbe kriegt. Schön, dass wir das nun endlich wissen. Sympathie, Laune, Müdigkeit, Spekulieren auf jemand anderen, Statusdenken und Plauderstündchen spielen also gar keine Rolle mehr? Machen wir doch mal die Gegenprobe:

Wenn eine Frau dauernd sitzt, dann ist sie entweder ungepflegt oder eine miserable Tänzerin

Würde nie jemand behaupten, zumal es ja auch ausgemachter Schwachsinn ist. Aber vielleicht schreibt Arlene ja mal in ihrem Blog, wie oft und lange sie sitzt?

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Kommentar von Elbnymphe

Deine Auseinandersetzung mit dem Thema gefällt mir - auch ich fand die Standpunkte z. T. hart an der Grenze dessen, was ich unter Gleichberechtigung verstehe: Respekt auch gegenüber dem Mann.

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Antwort von Patrick

Vermutlich sind die meisten Menschen ganz einfach besser im Austeilen als im Einstecken. Ich ja auch. Ergo bietet der Tango genausoviele Chancen zum Geschlechterkampf wie zur Geschlechterverständigung.

Cassiel hat dazu nochmals etwas zu den Spiegelgesetzen geschrieben. Ich persönlich kenn allerdings nur ein Spiegelgesetz: Wenn die Frau beim Tanzen dauernd in den Spiegel guckt, verpasst sie meistens die Führung...

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Ladies first

Mittwoch, 19. August 2009

Endlich wieder Mittwochskurs. Bei schweisstreibender Hitze allerdings eine ziemlich heftige Kombination: Frau ins Kreuz drehen, sanft in eine Colgada schieben, Gewichtswechsel, Drehen. Und das selbstverständlich alles in perfektem Timing und fliessend. Ausgerechnet ich, wo ich bei Colgadas ewig brauche, um meinen Körper in die richtige Haltung zu bringen. Und extreme Konzentration brauche, um meine Schultern hinten zu lassen.

"Ladies first", schärft uns Cécile ein. Das ist allerdings eher technisch gemeint (glaube ich zumindest), denn für die Drehung muss der Mann den entsprechenden Raum seitlich schaffen, sich öffnen, Platz machen, dann beginnt die Frau intuitiv mit der Drehbewegung. Und erst dann dreht der Mann mit. Sofern er die Balance hat.

Immerhin scheint mein Körper langsam zu kapieren, wie man eine Frau auch ohne Hüfteinsatz ins Kreuz drehen kann. Die Bewegung stimmt, bloss das Gefühl für das Timing fehlt mir irgendwie noch. Daher besteht Hoffnung, dass ich in den nächsten zwei Jahren tatsächlich ab und zu mal sauber einen Ocho cortado führen kann...

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Bring your own floor

Freitag, 21. August 2009

Eigentlich hasse ich Obi. Unordentlicher als meine Wohnung. Aber er ist die nächstgelegenste sowie billigste Bezugsquelle für Reispapierlampen (mein Modellhelikopter sorgt gnadenlos für einen hohen Verschleiss) und hat daher auch in Zusammenhang mit PVC-Böden meine Aufmerksamkeit gewonnen. Rollbare Tanzfläche? Ich entscheide mich für die billigste und damit auch leichteste Variante. "Jugendliche kaufen oft solche Böden für Tanzprojekte", erklärt mir der Mitarbeiter am Schneidetisch. "Jugendliche? Was tanzen die?", frage ich neugierig, und hoffe, ein Geheimprojekt von Plan-T aufgedeckt zu haben. "Hiphop oder sowas", meint er schulterzuckend. Oki. Definitiv nicht Plan-T.

Zwei mal zwei Meter lassen sich zusammengerollt noch ganz gut schleppen, wobei das Gummizeug ähnlich sinnlich riecht wie ein Kondom in einem Föhn. An der rheinischen Milonga angelangt rolle ich das Ding neben den Spanplatten auf die Planken aus, und siehe da, es dauert satte zwanzig Minuten, bis eine Frau es schafft, mit vollem Gewicht auf dem Fersen das erste Loch in den Belag zu stanzen. Schuhen mit hohen Absätzen sollte eine Bedienungsanleitung beiliegen...

Von der Oberfläche her finden mehrere Frauen, dass die Spanplatte besser rutscht und sie sich daher dort wohler fühlen. Hm. Mir ist die Spanplatte fast zu rutschig. Und aus Veranstaltersicht ist der PVC-Belag um ungefähr den Faktor zwei leichter, ausserdem rollbar. Ich glaub, meine Meinung zum Bodenbelag einer eigenen künftigen Openair-Milonga ist gemacht. Testen wir mal die dickeren PVC-Böden.

Die Milonga selbst hatte etwas wehmütig-herbstliches, was vor allem an den dunklen Wolken und dem Wind lag. Und etwas chaotisches, was vor allem an zwei Vertretern der Turnerriege lag. Sowie den Charakter einer Berg-und-Tal-Fahrt, was an den beiden unterschiedlichen Bodenbelägen lag. Schöne Tänze. Und eine kalte Dusche für eine Tanguera, die verbotenerweise auf den falschen Knopf drückte...

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Kommentar von Osmose

Heute beim Bezug von Frischgeld zur Deckung diverser Tangounkosten sah ich nahe dem Geldautomaten ein interessantes Plakat betitelt: 9 Techniken zur Selbstverteidigung(gross geschrieben) im Kampf gegen die Pandemie(klein weiter geschrieben). Mein Blick war nun fokusiert und ich nahm die Sicherheitshinweise zur Kenntnis. So, dachte ich, da halten sich die Tangotänzerinnen nun nicht gerade dran: Meiden Sie Massenansammlungen, waschen Sie häufig Ihre Hände, desinfizieren Sie sie am besten mit Alkohol, tragen Sie zur Hygienemassnahme Mundschutz,.....Nun frage ich dich lieber Tangoblogger ob wir nicht ein ernsthafteres Problem bei den open air und innen air Milongas haben - natürlich abgesehen von den zum Teil recht atemberaubenden Milongueros, die wie du zu recht behauptetest stinken oder durch ihren zum Teil herb vermodernden Geruch betören?

Nicht Er ist das Problem, sondern Air. Nicht der Boden, sondern die Toden. Ich rede von den 429 Toten der 6,75 Milliarden Erdbürger, davon einigen dutzend Tangotänzer-innen. Ich habe bei der WHO recherchiert und möchte zur Aufklärung der allgemein anerkannten Tatsachen und zur allgemeinen Erheiterung folgendes beitragen und fragen: Da die Ausbreitung des pandemischen Tangovirus als unaufhaltsam eingestuft wurde und Massenimpfungen empfohlen werden, sollten auch wir einen kleinen update starten. Sollten wir nicht ein bilaterales Tangokommittee gründen und eine Tangoschutzimpfung einführen sowie anticolgade Mittel verteilen und die Menschheit über die Gefahren des unaufhaltsam pandemischen Tangofiebers aufklären? Sollten wir sie nicht alle ins Kreuz drehen?

Schliesslich hat die Tangoszene Basel ja ihre Wurzeln und wurde erst vor einigen Jahrhunderten schon einmal gänzlich ausgerottet - zu Zeiten der Basler Pest. Übrigens hörte ich von einer geheimen Verschwörung...allerdings mangelt es mir da an deftigen Beweisen... Neulich sah ich ein Flugblatt am Rande des mit Badehosen und Bikinis gepflasterten und besetzen Rheinufers: Stummelschwänzchen sucht Ringelschwänzchen zum gemeinsamen Tangotänzchen... Ist der Virus bereits mitten unter uns?

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Antwort von Patrick

Ich finde den Vergleich zwischen H1N1 und dem Tangovirus unsachlich. Das eine ist eine gefährliche Pandemie, die inzwischen die ganze Welt im Würgegriff hält, wirtschaftlich unabsehbare Auswirkungen hat und gesundheitlich gesprochen viele Menschen ruiniert. Und das andere ist eine vergleichsweise harmlose Grippe, die einen halt mal für zehn Tage ans Bett fesselt.

Und Anticolgade wirkt ja nicht gegen Ringelschwänzchen, viel besser wäre ein Antivoleodeo. Oder so.

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Kommentar von Osmose

zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren tangoblogger! Oder enthälst du dich deiner Verantwortung?

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Antwort von Patrick

Wenn Hase und Schwein (ein Igel hat bekanntlich kein Ringelschwänzchen) miteinander auf osmophile Weise tanzen (was nicht dasselbe wie osmophor ist, glücklicherweise, man denke an das arme Osphradium), dann ist der Schirm eh schon zu. Oder simpler: "Du stinkst", sagte das Schwein zur Rose. Und die Prinzessin zum Frosch. Beide waren dennoch inkonsequent. Symbiose und Osmose ist eben kein Widerspruch. Meine Empfehlung dürfte jetzt wohl glasklar sein!

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Buckelpiste und Eiskanal

Samstag, 22. August 2009

Endlich schaffe ich es mal an die Openair-Milonga der Roten Fabrik: Riesige PVC-Planen über ziemlich unebenem Boden. Dafür kühler Wind vom Zürichsee und etwas Sonne. Extrem wenig Leute, mehr als drei Paare gleichzeit sind nie auf der über 100 Quadratmeter grossen Tanzfläche. Ich geniesse den Platz, habe allerdings deutlich Mühe, die Höhen und Tiefen des Raumes zu würdigen. Im Strassenverkehr wäre bei sowas das Schild "Achtung Gefälle" vorgeschrieben. Dafür kommen wir tänzerisch gesprochen mehrmals gemeinsam zum Höhepunkt. Der ist rechts vorne in Richtung See...

Abends dann Gegenprogramm im Totentanz: Abgesehen von den üblichen Löchern eine ebene Unterlage, aber rutschig wie ein frisch geschrubbter Boden bei McDonalds. Bodenständig fühle ich mich jedenfalls nicht. Musikalische Abwechslung: Sopee legt diesmal den Schwerpunkt auf gesungene Tangos. Auch wenn die meisten Aufnahmen alt sind, die jammern darin bestimmt auch über rutschige Böden. Gab damals wohl noch kein PVC.

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Sicherheit, Ventilatoren und Tempo

Sonntag, 23. August 2009

Etwas erstaunt war ich doch, als heute am Petersplatz ein Wagen der Kantonspolizei herumstand. Offenbar hatten ein paar Jugendliche ein wenig zu gedankenlos mit Imitationswaffen herumgespielt und erhielten nun von der Polizei eine Nachhilfestunde im Waffenrecht. Scheint ein heisses Wochenende zu sein, gestern in Zürich musste ich miterleben, wie zwei über eine Lagerhalle geschleuderte Flaschen nur knapp jemanden verfehlten. Der Vollständigkeit halber möchte ich hier noch erwähnen, dass hohe Absätze juristisch gesprochen zu den gefährlichen Gegenständen gehören.

Wobei die Definition umstritten ist. Am Samstag im Totentanz reklamierte eine Frau beim Veranstalter, weil einer der Ventilatoren zu stark nach oben gerichtet sei und daher potentiell eine Gefahr für rocktragende Frauen darstelle. Ahja. So entstehen vermutlich Begriffe wie "subjektives Sicherheitsgefühl".

Spätabends dann im Tanzpalast eine schöne Überraschung: Livemusik mit Gitarre und Bandoneon. Sie spielten die meisten Stücke in einem Höllentempo (eine Milonga hatte geschätzte 140 bpm), aber das Zeug war perfekt tanzbar. Muss mir das mit den Mundharmonikas wirklich mal genauer überlegen. Musizieren ist allerdings auch suchterzeugend und damit gefährlich.

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Kommentar von Monika

gnihihi, das merk ich mir für die nächste fliegende-Voleos-Milonga: (...)der Eindruck erweckt wird, dass die Gegenstände missbräuchlich eingesetzt werden sollen, insbesondere um damit Personen einzuschüchtern, zu bedrohen oder zu verletzen.(...)

Stilettos ade, meine Damen die ihre Beine nicht im Griff haben. - Herren die einen Voleo tatsächlich so führen (überhaupt führen) dass frau nicht anders KANN als das Bein hochfliegen zu lassen habe ich in meiner Tanzkarriere unter den Otto-Normal-Tänzern bisher glaubs zwei oder drei gesehen, mehr nicht.

Ladies, nehmt Euch in Acht, die Tango-Polizei kommt ;-)

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Die Achse und die Rituale der Walrosse

Mittwoch, 26. August 2009

Schöne Mittagsmilonga. Probiere zum ersten Mal eine Frau während einer Tanzpause indirekt aufzufordern: "Das ist ein unglaublich schönes Lied", flöte ich mit aufgerissenen Glubschaugen und wackle ein wenig im Takt hin und her. "Stimmt, ist ein schönes Lied", antwortet sie...und wechselt das Thema. Hm. Schwierige Methode.

Dafür meint eine andere Tanzpartnerin, während einer Volgada fühle sie sich jeweils wie ein Walross. Die sind laut Wikipedia aber rund 500 Kilogramm schwer. Unpassender Vergleich. Aber die Bullen haben angeblich einen bis zu 60 Zentimeter langen Penisknochen. Und folgenden Satz über die Paarungsrituale atlantischer Walrösser fand ich dann doch noch ganz interessant:

Anders als bei den pazifischen Walrossen sind die Männchen hier durch die Herausbildung stabiler Hierarchien in der Lage, größere Gruppen von Weibchen zu monopolisieren. So kommt in manchen Kolonien auf zwanzig Kühe ein kräftiger Bulle, während jüngere und schwächere Männchen im Konkurrenzkampf keine Chance haben und an Randplätze der Kolonie gedrängt werden.

Ich erwähne das nur aus zoologischem Interesse. Mit dem Verhalten von Tänzern auf einer Milonga oder dem Tango generell hat das selbstverständlich nichts zu tun.

Mittwochskurs: Kreuzvariante mit Colgada klappt schon besser, wobei eine flotte Colgada wohl immer am Timing und am gegenseitigen Vertrauen hängt. Und an einer guten Körperhaltung. Dann wird man auch mit leuchtenden Augen der Tanzpartnerin belohnt. Wobei Cécile beim Vorzeigen der Kombination einen besonders treuen Blick auf Romeo wirft. Muss unbedingt herausfinden wie man sowas bewirkt.

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Linoleum zum Ersten

Donnerstag, 27. August 2009

Besuch aus dem hohen Norden, daher ausnahmsweise mal kein Salsa-Donnerstag sondern Besuch in der Mägd: Poema. Erstaunlich gut haftender Linoleum-Boden, ich fühle mich jedenfalls deutlich sicherer als auf Holz. Traumhafte Tänze. Nur leider kann ich meinem Besuch den überbordenden Basler Männerüberschuss nicht demonstrieren, von dem ich immer gesprochen hatte. Meine Glaubwürdigkeit ist ruiniert...

Spätnachts dann Besuch von der Polizei: Die Fenster waren offen, und nicht alle Nachbarn schätzen den Klang von Bandoneons. Milongaveranstalter haben es im Sommer schwer.

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Kommentar von Mikamou

"Nur leider kann ich meinem Besuch den überbordenden Basler Männerüberschuss nicht demonstrieren,..."

Nun entweder ist deine Ironie für mich zu fein oder unsere Wahrnehmungen zu unterschiedlich.

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Antwort von Patrick

Das ist ja eben das Problem: Überschüsse sind Interpretationssache, und für die Wahrnehmung eines Männerüberschusses braucht es ein jahrelanges Sensibilisierungstraining. Aber nur fürs Protokoll: Eine Dreiviertelstunde vor Schluss sassen zwei Männer an den Tischen, der Rest war am Tanzen. Zugegebenermassen sah das um halb zehn Uhr anders aus. Vermutlich haben Frauen einen anderen Biorhythmus.

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Kein Boden, kein Vollmond

Freitag, 28. August 2009

Tango am Rhein, diesmal bei wenig Wind und sehr angenehmen Temperaturen. Sehr übersichtliche Gruppe, offenbar schwitzt die grosse Mehrheit lieber im Gare du Nord. Aber endlich begreife ich den tatsächlichen Einfluss des Himmels auf den Tango: Wenn alle Tänzer erfolglos den Vollmond suchen, dann wird das Navigieren auf der Fläche schwierig. Nächste Woche dürfte die Chance jedenfalls deutlich grösser sein, das Ding am Nachthimmel zu finden.

Und diesmal gab es weder Bodenplatten noch PVC, so dass den Damen nur die Wahl zwischen Zehenspitzeln oder einem Umstieg auf breitere Absätze übrig blieb, wollten sie nicht zwischen die Planken rutschen. War dennoch gemütlich. Nur den Salsa musste ich mangels Salsera alleine tanzen. Muss wohl in der Salsaszene noch ein bisschen mehr als bisher für den Tango missionieren gehen...

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Tango für die Welt, Kuchen für Patrick

Sonntag, 30. August 2009

Tango geht durch den Magen. Salsa auch. Glaub ich. Zumindest wurde ich heute mit leckerem Kuchen zur Openair-Milonga an den Petersplatz gelockt, später mit Schokolade zur Salsanacht in der Mitte. Der Genuss war gross, und selbst die Kalorienbilanz stimmte unter dem Strich recht gut. Salsa scheint mir irgendwie doch noch mehr zu bedeuten als ich dachte, es findet keine schleichende Ablösung durch den Tango statt. Ausserdem durfte ich feststellen, dass ich meine Männergiros gelegentlich auch elegant kleinräumig zustande bringe. Dafür bin ich völlig unfähig, die Colgadas aus dem Kurs an einer Milonga in den Tanz zu integrieren.

Und gestern wie heute stellte ich fest, dass mitternächtliche Spaziergänge ziemlich frisch werden können. Offenbar Vorboten des Herbstes. Letzte Milonga am Rhein am Freitag, letztes Mal am Petersplatz am nächsten Sonntag. Michael plant zwar noch windige Milongas im Silo beim Rheinhafen, aber der Sommer scheint in den letzten Zuckungen zu liegen. Daher: Letztes Tangoblog-Rheinschwimmen am kommenden Dienstag (1. September), Treffpunkt um 17.30 am Rheinufer hinter dem Tinguely-Museum. Kleidersack mitbringen, nur für geübte Schwimmer.

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Ruhe, beim Teutates!

Montag, 31. August 2009

Er ist in jedem Asterix-Band eigentlich eine tragische Figur: Der Dorfbarde Troubadix liegt am Ende der Geschichte meist gefesselt und geknebelt an einem Baum, während der Rest des Dorfes gemeinsam feiert und gebratenes Wildschein vertilgt. So leide auch ich still unter dem Gesangsverbot vieler Tanzpartnerinnen, aber immerhin lässt frau mich ja tanzen.

Vor langer Zeit deutete ich im Zusammenhang mit einem Auftritt von DJ Bobo an, man solle ihn besser DJ Troubadix nennen. Kein schmeichelnder Vergleich, ich weiss. Letzte Woche bekam ich Post. Nicht von DJ Bobo, sondern von DJ Troubadix. Er habe durch meinen Artikel Schaden genommen, der Name sei geschützt und ich solle den Blogeintrag löschen. Begründet wird das witzigerweise mit dem Urheberrecht. Erst grübelte ich darüber nach, welche Tanzpartnerin mich da wohl mal wieder verballhornen will.

Aber in einer deutschen Stadt, fern von Lutetia, da gibt es ihn tatsächlich, den DJ Troubadix. "Die spinnen, die Goten!", würde da wohl Obelix sagen. Immerhin ist er kein Tango-DJ. Troubadix ist übrigens wirklich als Marke eingetragen, allerdings vom aktuellen Herausgeber von Asterix. Hoffen wir, dass das Münchner Anwaltsbüro des Verlages dem DJ Troubadix da nicht plötzlich eines Tages Hinkelsteine in den Weg legt. Und ich hoffe derweil, dass mir deshalb nun nicht der Himmel auf den Kopf fällt, bloss weil ein Hochzeits-DJ mein Blog nicht mag. Vielleicht sollte er mal mit Falbala tanzen?

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Kommentar von Obelix

Hey, mit Falbala tanze nur ich!!! Sonst fliegt ein Hinkelstein!

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Kommentar von Monika

gnihihi...Auch wenn ernsthafter Hintergrund da ist, es macht mich grinsen...

Abmahnungen im Web nehmen zu... :-(

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Antwort von Patrick

Obelix, beruhige Dich, Falbala ist schon längst mit Tragicomix verheiratet. Als Trost bleibt Dir ein Wortspiel.

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Kommentar von Majestix

Möge dem falschen (neuen) Troubadix und seinem Anwalt der Himmel auf den Kopf fallen.

Gibt es noch Zaubertrank?

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Kommentar von Cassiel

Meine Güte wie unentspannt vom Hochzeits-DJ. Ich habe mir das gerade bei Google(TM) angeschaut. Der hat doch schon die ersten 15 Ergebnisse..

Vielleicht berichtest Du weiterhin über die Entwicklung. Sollte der noch einmal lästig werden, dann könnte ich ja auch einmal in meinem Blog zu dem Keyword schreiben. Nun ist mein PageRank(TM) nicht so toll. Es ließen sich aber bestimmt noch einige gute Blogs finden, die dann auch einen Bericht setzen. Dann sind die ersten 15 Treffer bei Google eben auf diese Blogeinträge.

Ist Miraculix schon beim Kräutersammeln für den nächsten Kessel Zaubertrank? ;-)

Dir übrigens viel Spaß beim Rheinschwimmen.

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Kommentar von Sophia

Kommentar: Lass dich bloß nicht ärgern! ;-)

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Antwort von Patrick

Auf Anordnung von Schnäuzelchen hin wird ja bereits Zaubertrank gebraut, was allerdings heute beim Rheinschwimmen gegen das Gewitter nicht so richtig geholfen hat. Vermutlich hat irgendwo Troubadix gesungen...

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Stürzende Volcadas, drehende Colgadas

Mittwoch, 2. September 2009

Heiss-feuchte Mittagsmilonga: Seit einem halben Jahr versuche ich eine Frau dazu zu überreden, mit mir eine Milonga zu tanzen, und heute klappt es endlich. Zuvor hatte sie Angst vor schnellen Milongas. Jetzt nicht mehr. Sie atmet dennoch auf, als uns endlich ein langsamer Tango ein wenig gemütlich schwelgen lässt. Ja, Milonga ist mein Lieblingstanz. Aber die Langsamkeit geniesse ich eigentlich meist genauso. Immerhin habe ich zielgenaues Highspeed-Timing ja schon beim Salsa.

Abends Aushilfe im Mittelstufenkurs bei Michelle und Joachim: Erste Volcada-Einführung mit freien Sturzübungen. Endlich neue Ideen, was ich machen kann, wenn bei einem Rheinschwimmen eine Tanguera nicht ins Wasser will. Aushelfen macht immer Spass, vom Unterrichtsstil her ist das aber nicht ganz meine Wellenlänge.

Ein paar Milongameilen weiter südöstlich kurz danach mein eigener Mittwochskurs: Gegenteilige Colgadas, noch immer wenig milongatauglich, aber so langsam scheinen wir den Dreh raus zu haben. Die Augen meiner Kurspartnerin jedenfalls lassen auf eine Peripetie schliessen.

Spätabends dann noch ein paar Runden im Tanzpalast: Der hintere Raum ist neu mit goldenen Palastmauern und rot-schwarzen Vorhängen geschmückt. Sieht bei geschlossener Spiegelwand äusserst schick aus. Auch wenn ein Palast in einem anderen Land einen völlig anderen Zweck hatte.

Ach ja, und die letzten Tage musste ich selbst bei Tanzpartnerinnen mit Nachwuchs feststellen, dass sie sich im Asterix-Universum schlecht auskennen. Nun hat ein argentinischer Fernsehsender bewiesen, dass die Redakteure dort offenbar nichtmal mehr Monkey Island kennen. Die Welt geht vor die Hunde...

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Kucci mit DJ Dudelfunk

Samstag, 5. September 2009

Mal wieder leichter Männerüberschuss im Freiburger Kucci, ausserdem eine ziemliche Paarmilonga. Glücklicherweise habe ich mich diesmal vorübergehend ebenfalls verpaart, und so geniesse ich den Abend trotz vieler Rempeleien. Nur der DJ scheint seine Ausbildung bei Troubadix höchstpersönlich gemacht zu haben: Verwirrende Verwendung (und Nichtverwendung) der Cortina, massloser Einsatz hässlichster Elektrotangos und dann noch Überblendungen wie im Dudelfunk: Als mit Paris Texas von Gotan endlich mal ein feinfühliger Elektrotango läuft, wird das Klaviersolo am Ende kurzerhand vom nächsten Song überblendet. Ja, es gab einige Paare, die tatsächlich unabhängig von jeglicher Musik ihre Standardfiguren abspulten. Aber kann man den Milongagästen tatsächlich nichtmal mehr das ruhige, ja fast schon kontemplative Ende eines Stückes zumuten? Gibts demnächst auch Werbeunterbrechung zwischen den Tandas?

Diskussionen dürfte auch die geplante Preiserhöhung im Kucci von derzeit sieben auf neun Euro geben, auch das dann angebotene mittelgrosse Glas Wasser dürfte wenig begeisternd wirken. Wobei die Freiburger vorerst eh andere Probleme haben: Nächstes Wochenende findet gleichzeitig El sur wie auch die tänzerische Wiedereröffnung der Blauen Brücke statt. Möglicherweise nimmt das Wetter den Tänzern die Entscheidung ab...

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Der Herbst und die Jugend

Sonntag, 6. September 2009

Es lag schon ziemlich viel Laub am Boden. Die Sonne stand tief. Und wer nicht frieren wollte, musste sich zwingend tänzerisch anschmiegen. Nur noch der Marroni-Geruch fehlte. Es war das letzte Mal heute am Petersplatz. Der Herbst ist fast da, die schweisstreibende Zeit der Openair-Milongas ist vorbei. Traurig.

*schnüff*

Dafür scheine ich mich diesen Sommer verjüngt zu haben. Eine Frau wollte jedenfalls unbedingt mein Alter wissen, und genüsslich liess ich sie ein bisschen raten. "28?", fragte sie schliesslich. Ich lachte. Sie lachte nicht. Ich fragte mich, ob sie in einem geheimen Tango-Frauentechnik-Ausbildungslager die indirekte Abschleppmethode gelernt hatte und setzte meinen Steve Martin-Blick auf. "Ich kann Männer schlecht schätzen", meinte sie und guckte verzweifelt. "Ist nicht schlimm", tröstete ich sie, und zog sie zur nächsten Tanda. 28 war ich, als Kubrick starb. Aber nachträglich gesehen hätte ich damals schon mit dem Tango anfangen sollen...

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Kommentar von Captn Dirk

Hallo Patrik

diese Dame hat wohl offensichtlich nicht nur während der Tanda die Augen geschlossen... Aber Spass beiseite, wo bleibt der Hinweis, dass beim letzten Petersplatz die Leute offensichtlich nicht wegen der Musik gekommen sind?

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Musikstile und Vorspiele

Montag, 7. September 2009

Hochbetrieb im Les Garecons (hoher Rempelfaktor), zumal Talib am Sonntag tonnenweise Gratiseintritte verteilt hatte. Am DJ-Pult sass alllerdings diesmal Joachim als Vertretung, was den Elektroanteil minim verringerte. Berichtenswert ist der weibliche Kommentar der Woche zur Einordnung des Tangos: "Tango ist nicht Sex. Tango ist Vorspiel". Glück gehabt.

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Kommentar von Joachim

Wer "nur klassisch" mag oder kann, hat in Basel wirklich genug Angebote, die traditionell beschallt werden. Tänzer, die ins Les Garecons kommen, wissen normalerweise, was sie erwartet. Aber da Du ja demnächst Deine DJ-Karriere starten wirst, kannst Du das ja dann richtig machen.

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Antwort von Patrick

"Nur klassisch" an sich ist ja nach noch kein Wert, abgesehen davon gibt es das in Basel nur bei Irma sowie Sonntags im Tanzpalast. Vermutlich sitz ich auch hier einfach zwischen Stuhl und Bank. Und der Mix im Les Garecons schwankt meiner Meinung nach von Woche zu Woche gewaltig.

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Kommentar von Mikamou

Na, da bin ich ja mal gespannt so wie du bis jetzt über andere Tango DJs abgelästert hast, sind hier bestimmt viele neugierig, was du uns vorschlägst. Joachim habe ich als sehr guten Tango DJ erlebt, bei Talib scheiden sich die Geister.

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Kommentar von Joachim

Und nur "Elektro" ist ebenfalls kein Wert. Aber ich diskutiere nicht über Musik mit einem Blogger, der missliebige Kommentare entweder nicht veröffentlicht, oder irgendwann die Diskussion für beendet erklärt und den Beteiligten ungefragt die E-Mail Adresse des jeweils andren übermittelt.

Das Konzept "wo mir die Musik nicht gefällt, gehe ich eben nicht hin" scheint zwar simpel, ist aber effektiv. Und schwankende Qualität entdeckt man auch mühelos in diesem Blog - man muss ihn ja nicht lesen, wenn einem das missfällt.

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Antwort von Patrick

Joachim, ich hatte in der Tat damals in einer Mail an Minh versehentlich eine nicht-öffentliche Mailadresse von Dir ins cc gehängt und mich für den Fehler auch entschuldigt. Wenn ich zensiere, lösche (abgesehen von sinnlosen Einzeilern oder Spam) oder abwürge, dann mache ich das für meine Leser kenntlich und die können sich selbst was dazu denken. Übrigens ist mir grad schleierhaft, weshalb Du Dich vom aktuellen Blogeintrag so angegriffen fühlst.

Muss man Blogs lesen? Dazu ein kurzer Dialog aus dem Howard Stern-Film Private Parts, die Senderbosse sind eben ungläubig dabei, die Hörerquoten zu analysieren:

Aber was ist mit denen, die Stern hassen?
Guter Punkt. Der Stern-Hasser hört im Schnitt zweieinhalb Stunden pro Tag.
Aber wenn sie ihn hassen, warum hören sie ihn dann?
Häufigste Antwort: "Ich will wissen, was er als nächstes sagt".

Von meinen 23 Lesern lieben mich möglicherweise geschätzte vier, sieben hassen mich vielleicht, und den restlichen zwölf ist vermutlich einfach grad langweilig.

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Kommentar von Mikamou

Punkt 5 der D-T-R FAQ kann man bei dir also auch übernehmen.

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Kommentar von Joachim

Du missverstehst da was, Patrick. Ein Blog ist kein Forum - also verständlich, wenn der Blogger eingreift, wenn's ihm zu bunt wird. Darum diskutiere ich auch in keinem (und nicht nur exklusiv Deinem) Blog mehr über irgendwas. Kommentare sind keine Diskussion. Das "versehentlich" nehme ich Dir so nicht ab, ist aber egal - denn geschehen ist geschehen und kann, dank Internet, nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Für die Kommentargeber wiederum gibt es keinerlei Handhabe gegen eventuellen Mißbrauch der Kommentare, keine Editier-oder gar Löschmöglichkeiten. Das ist nicht systembedingt, man sollte einfach dran denken, dass man hier vom Goodwill eines Einzelnen abhängt.

Dir ging es darum, den schwankenden Mix im Les Garecons aufs Korn zu nehmen. 2 electrotangos über 3½ Stunden waren Dir schon zuviel? Falscher Ort für Dich. Die Frage bleibt offen, warum Du dann hingehst? Warum Du ausser dem für Dich Schlechten nicht auch mal heraushebst, dass Talib sich alle Mühe gibt, seinen Besuchern einen schönen Abend zu bereiten? Ich kenne Talib und seinen Mix einiges länger als Du hier den Weg vom Anfänger zum Guru beackerst, was teils amüsant geschieht und teils nur Kopfschütteln erzeugt, somit ebenfalls das Kriterium "schwankende Qualität" erfüllt

Egal, was man von seinen Mixen hält: daß jemand mal einen grundlos unfreundlichen Talib erlebte oder eine lieblos hingewürgte Milonga, halte ich für ausgeschlossen. Und diese Qualität zählt eben auch.

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Kommentar von zirkulär

wusste garnicht, dass es so einen Kindergarten gibt in der Tangoszene. Ist das typisch Mann oder liegt das nur am Medium Computer? Der eine verteidigt sich, fühlt sich angegriffen von Dingen, die nie behauptet wurden,...usw Vielleicht solltet ihr - blogger und Kommentatoren - mal miteinander Tango tanzen?

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Antwort von Patrick

Joachim, die Milonga im Les Garecons (und sogar explizit die Musik) hatte ich hier schon überschwänglich gelobt, guck mal ins Archiv 2009. Ansonsten versuche ich, halbwegs differenziert meine Eindrücke zu schildern, und naturgemäss beschäftigen mich an einer Milonga die Tanzpartnerinnen und die Musik am stärksten. Für die Meinungsvielfalt wären weitere Tangoblogger sicher wünschenswert, aber irgendwer fühlt sich halt immer auf die Füsse getreten.

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Kommentar von Mikamou

Ein Blog ist per se persönlich und dies macht auch seinen Charme aus.

Dein Versuch "halbwegs differenziert meine Eindrücke" zu schildern gelingt dir meines Erachtens nicht, denn du lässt sehr viel deiner Gefühlsachterbahn mitschwingen, auch wenn du Gründe in Musik und anderen Äußerlichkeiten suchst.

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Antwort von Patrick

Tango ist Gefühlsachterbahn, und mein Schienenverlauf wird von der Musik vorgegeben. Hab ich andere Innereien verpasst?

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Rollenwechsel mit Lerneffekt

Mittwoch, 9. September 2009

Leider bin ich spät dran, daher nur kurze Mittagsmilonga. Aber endlich mal wieder darf ich mich für ein paar Lieder führen lassen, und ich stehe schon deutlich stabiler in meiner Achse. Neidvoll stelle ich fest, dass ich als Folgender deutlich einen Ocho cortado spüre, ohne zu wissen, wie er geführt worden ist. Und muss grinsen, als ich einen Rückschritt der führenden Frau als Volcadaeinladung interpretiere. Ach ja, und wenn mir eine Frau bei Giros plötzlich davonrennt und kaum mehr zu bremsen ist, dann war ich bislang immer irritiert. Heute hab ich völlig musikversunken dasselbe gemacht und meine führende Dame zum Kichern gebracht. So ein Rollenwechsel ist heilsam und macht demütig.

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Rhythmisches Gehen

Samstag, 12. September 2009

Workshop bei Melina und Detlef: "Entspannung & zirkulare Bewegungen in der Umarmung". Körperhaltung, Umarmung, Führen aus dem Zentrum, Gewichtswechsel durch runde Bewegungen "obendurch", Seitenschritte aus dem Zentrum "untendurch". Die Devise: Der Mann lädt ein, die Frau geht, der Mann folgt. Jepp, Basics. Auch die Oberkörper-Gegenbewegung beim Gehen ist ein Thema, und spätestens beim Rollenwechsel stellt meine Kurspartnerin erstaunt fest, dass die führende Person völlig aufgeschmissen ist, wenn vom Gegenüber kein Widerstand oder gar ein leichter Zug kommt. Melina und Detlef sind bei Fragen zu Fuss- und Kniestellungen erfrischend undogmatisch: Die Führung spielt sich woanders ab.

Zweiter Workshop war "Vals - Rhythmische Variation bekannter Strukturen", und wir betonen nebst dem 1 wahlweise 1+2, 1+2+3 oder auch 3+1. Alleine kann ich die Varianten problemlos betonen und tanzen, doch vor allem das Führen von 1+2+3 hat so seine Tücken. Oberkörper-Gegenbewegung deutlicher machen, lautet der Ratschlag, und siehe da, gegen Ende des Workshops kriege ich es so langsam hin. Dann allerdings sollten wir eine eigene, beliebige simple Figur mit den erwähnten Rhythmusvarianten tanzen. Ochos? Zu schnell. Kreuz? Äh, nein, lieber nicht. Ich wähle schliesslich eine "links vor, rechts schliessen, links zurück"-Variante aus einem Milongakurs, aber es ist gar nicht so simpel, die erwähnten Vals-Betonungen so zu tanzen. Viel Übungsmaterial...

Spätabends noch relativ müde zum Nichtmehrganzsovollmondtango im Volkshaus, schicker neuer Boden, erfrischend abwechselnd auflegender DJ (allerdings gardinenfrei) und zweifelhafte farbenwechselnde LEDs an den Säulen. Und zum ersten Mal Rollenwechsel an einer Milonga. Melina und Detlef haben auch noch ein paar Runden gedreht, und es war ein Genuss, ihnen zuzusehen.

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Lisa und die Milonga

Sonntag, 13. September 2009

Zweiter Workshopteil: Elegante Bewegungen im Salontango, wobei es eben noch nicht ganz so elegant wie bei Melina und Detlef aussieht. Viele Übungen zu Gewichtswechseln, und endlich klappt bei mir auch in der geschlossenen Umarmung das Gehen im gekreuzten System. Oberkörper-Gegenbewegungen darf man hier höchstens dann machen, wenn man die Frau irritieren will.

Später Milonga Lisa: Ich freue mich, dass die Lehrer gleich zu Beginn darauf hinweisen, dass Milongarhythmen nicht einfach schematisch quick-quick-slow bedeuten. Wir üben diverse Schrittkombinationen, und ich muss feststellen, dass mir rasche und gleichzeitig synchrone Gegenbewegungen des Oberkörpers noch immer extrem schwer fallen. Vor allem sollten die Schultern wieder parallel stehen, wenn man die Füsse schliesst...

Fazit: Didaktisch gut aufbereitete und unterhaltsame Workshops, und auch mein Bedürfnis nach direkter Kritik wurde gut gestillt. Im Nachhinein ärgere ich mich ein wenig, dass ich nicht gleich alle sechs Workshops gebucht habe, andererseits wäre das dann wohl deutlich zuviel gewesen. Gleichzeitig grüble ich darüber nach, weshalb ich über zwei Jahre an den Basics rumkrebse. Vielleicht sollte ich mal wieder an Privatstunden denken.

Abends dann noch in die Mitte und diesmal den wirklich schönen Musikmix genossen. Nur leider sind die Männer (und darunter nicht gerade viele Anfänger) in der Überzahl, und die Sache mit dem Blickontakt ist bei den vielen Säulen auch so eine Sache. Dennoch, zwei wunderschöne Tandas. Aber ich weiss noch immer nicht, wer Lisa ist.

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Milongastart

Dienstag, 15. September 2009

So. Nach zweieinhalb Jahren Tango aus der Besucherperspektive habe ich beschlossen, meine eigene Freitagsmilonga zu starten. Ich bin gespannt. Und verbringe meine Nächte derzeit damit, Tandas zusammenzustellen. Dagegen ist das Geraffel um Miet- und Suisaverträge, Boxenschleppen und gar die Installation von Debian Squeeze auf einem mini-ITX-Board fast schon ein Kinderspiel. Hier der Werbetext:

Milonga am Freitag, 25. September 2009 ab 21 Uhr.
80 Quadratmeter reine Tanzfläche auf weichem Holzboden.
Basel, direkt beim Bahnhof SBB (Ausgang Gundeldingen).
Güterstrasse 140 (Karte), Hinterhaus. 21 Uhr bis 01.30 Uhr.

Mix: Hauptsächlich traditionelle Tangos, abwechslungsreich gemischt. Gelegentlich ein Salsa, zwischendurch auch moderne Stücke (ohne Technobässe). Alles hübsch in Tandas verpackt und mit kurzen Cortinas abgetrennt. DJ: Patrick

Sitzplätze in einer Ecke konzentriert. Die Milonga für Singles. Und für Paare, die nicht ausschliesslich miteinander tanzen wollen. Eintrittspreis zur Eröffnung: 5 Franken pro Person, Mineralwasser und Süssgetränke inbegriffen

Im Oktober und November jeden Freitag, normaler Eintrittspreis dann 12 Franken (Getränke inbegriffen).

Also, am Freitag in einer Woche geht es los. Und ich würde mich natürlich sehr freuen, auch Leserinnen und Leser meines Blogs dort begrüssen zu können.

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Kommentar von Cassiel

Na meinen herzlichsten Glückwunsch und alles Gute. Bitte veröffentliche doch Deine regelmäßigen Termine weiterhin in Deinem Blog. Nur für den Fall, daß ich mich mal nach Basel verirre...

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Kommentar von Monika

Viel Spass, viel Glück und toitoitoi! (Und wir kommen sicher mal, ob's für die Eröffnung reicht kann ich nicht versprechen)

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Kommentar von Yvonne

Herzliche Gratulation zur eigenen Milonga! Ich wünsche Dir viele nette und tanzfreudige Tangueros/as. Leider ist Basel etwas arg weit weg, aber wer weiss, vielleicht bin ich ja wieder mal schulmässig in Deiner Nähe. Wo's am schönsten ist in der Ostschweiz weisst Du ja ;-)!

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Kommentar von Pipistrello

ich wünsche Dir einen guten Start und viel Glück!

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Kommentar von Mikamou

Herzlichen Glückwunsch und viel Erfolg bei dem Schritt ins Rampenlicht. Da sind wir ja gespannt in Basel was du für uns vorbereitet hast.

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Kommentar von Raxie

Moin Patrick, super! Viele begeisterte Tänzer wünsch ich Dir! Und wann ist im Oktober wieder Milonga von und mit Dir, aber ohne Otros Aires? ;-)

Ich bin vielleicht von 9.-11.10. in Freiburg, also praktisch in Basel. Geht sich das aus? Falls ja - soll ich frische Socken mitbringen? Oder lieber Schoki?

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Antwort von Patrick

Herzlichen Dank für das Daumendrücken. Raxie, der Termin ist gut, die Milonga findet im Oktober und November garantiert jeden Freitag statt. Selbstverständlich bist Du herzlich willkommen, dennoch muss ich Dich darauf hinweisen, dass es in der Schweiz strafbar ist, wenn Du einen DJ mit Schokolade bestichst, bloss damit er Otros Aires spielt. Und ich bin ja eh nicht bestechlich. Aber wenn, dann eher dunkle Schokolade so im Bereich 60-70 Prozent. Sockenstricken ist übrigens was für Heiratsanträge.

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Kommentar von Raxie

KEINE SOCKEN FÜR PATRICK!!!

Oh ha, das war knapp... ;-)

Und die Schoki-Regeln für die Schweiz werden wir ratzeputz umstricken! :-)

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Cabeceo für Anfänger

Mittwoch, 16. September 2009

Mittwochskurs: Erneut Wiederholungen von Colgadas, und so langsam flutscht die Sache einigermassen. So ein bisschen sperrt sich noch immer mein Körper gegen die Sache, aber an einer Milonga sind diese Figuren eh unpassend. Dann endlich üben wir mal wieder eine Sequenz mit einem Ocho Cortado, und so langsam scheine ich die Führung endlich zu begreifen. Die nächste Milonga wird es zeigen...

Plötzlich verteilen Cécile und Romeo Tischchen und Stühle rund um den Raum, die Kursteilnehmer setzen sich, und dann üben wir Cabeceo. Blickkontakt, Nicken, Tanzen. Erst erhalten alle Männer den Auftrag, sich eine bestimmte Frau anzulachen. Mein Opfer glaubt mir erst, dass ich wirklich sie meine, als alle anderen schon tanzen. Später erhalten die Frauen ein Ziel zugeflüstert. Danach schliesslich freie Wahl. "Ein nettes Spiel", meint eine Frau. "Das ist kein Spiel, das ist blutiger Ernst", antwortet Cécile. Ich sag doch, es gibt Leute, die machen jahrelang Kurse, waren aber noch nie auf einer Milonga...

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Kommentar von vita

Auf einer Milonga fragte mich eine Tänzerin, wie kommt es, dass ich immer tanze und nie sitzen bleibe. Meine Antwort war natürlich Cabeceo. Sie wusste nicht einmal, was das ist, und das nach 2 Jahren Tango.

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Kommentar von Lina

Das finde ich echt mal eine gute Sache, dass an Kursen cabeceo "geübt" wird! Und ja, es wäre super, wenn das an den Milongas mehr gepflegt würde, denn für mich gehört der cabeceo einfach zu einer Milonga dazu, sowie Tandas und Cortinas! Ansonsten ist es eine Practica aber keine Milonga! Und das ist effektiv ein Unterschied!

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Kommentar von Eine die es nicht weiss

Was bitte ist das???? Helft einer Anfängerin auf die Sprünge?

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Antwort von Patrick

Cabeceo? Die Blicke treffen sich, ein kurzes Nicken, und schon ist man mitten im Tanz. Cassiel hatte das hier bereits rekordverdächtig ausführlich erklärt. Tandas? Serien von ähnlichen, zueinander passenden Musikstücken, oft abgetrennt durch kurze Musikstücke (Cortinas=Vorhang).

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Kommentar von Monika

Cabeceo üben ist prima. Ganz grosses Lob dem Lehrerpaar! Jetzt noch den Kurs mal mitnehmen an eine Milonga, alle zusammen, damit sie das - und alles andere was sie gelernt haben - mal in 'freier Wildbahn' üben können, unter freundlicher Anleitung - dann ist's so gut wie man's als Lehrer halt machen kann. Finde ich...

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Kommentar von JKD

Großartige Idee! Schade, dass keiner meiner Lehrer je darauf gekommen ist. Nach fast drei Jahren regelmäßigem Tanzen muss ich zugeben, dass ich mich immer noch unsicher fühle, wenn es ums aufgefordert-werden geht. Da würde das Üben in einer Kurs-Situation sicher helfen! Ich schlag das gleich bei nächster Gelegenheit mal vor! Tolles Blog! Liebe Grüße, JKD

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Deutsch-Französisches Feingefühl auf der Piste

Freitag, 18. September 2009

Saarbrücken ist eine laute Stadt. Und das Festivalhotel liegt an der lautesten Strasse. Das Zimmer sieht nicht nur so aus, als ob Erich Honecker persönlich drin übernachtet hätte, sondern es riecht auch so. Aber den grössten Schock gibt es beim Einchecken: Frühstück bis zehn Uhr! Glücklicherweise stellt sich das später als Missverständnis heraus.

Nach einem kurzen Abendnickerchen dann Festivaleröffnung im Studio Mutanth: Eine grössere Wohnung mit Wohnzimmer-Tanzfläche und viel Küchentratsch. Freundliche Atmosphäre, aber an die Enge muss ich mich zuerst ein wenig gewöhnen. Die Piste ist ziemlich voll, aber offensichtlich von extrem guten Milonguero-Tänzern bevölkert: Tanzfluss, fast kein Geremple und keine fliegenden Beine. Viele Deutsche, die kein Französisch sprechen, und viele Franzosen, die kein Deutsch sprechen. Ausserdem noch Norwegerinnen, Spanierinnen und Engländerinnen. Und vermutlich noch viele andere, aber man kann ja nicht mit allen tanzen.

Cabeceofreundlich ist die enge Diele eigentlich nicht, aber glücklicherweise scheinen das hier alle gewohnt zu sein, und so klappen die Tänze zu später Stunde wie am Schnürchen. Trotz der Enge auf der Tanzfläche ist es ein Genuss, und er Umgang ist deutlich familiärer als auf anderen Festivals. Bei Cortinas wird radikal die Tanzfläche geleert, was der DJ allerdings auch mit dem Lautstärkeregler geradezu erzwingt.

Um zwei Uhr nachts ist die Party leider schon zu Ende, wobei ich mich ziemlich wundere, wie man sowas mit offenen Fenstern in einem Wohnhaus offensichtlich ohne Reklamationen hinkriegt. Und Detlef beruhigt auch noch die Sorgen vieler Tangueras und Tangueros: Frühstück im Festivalhotel gibt es mindestens bis elf Uhr...

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Cabeceo in der Kirche

Samstag, 19. September 2009

Hartes Bett. Ich traue der Sache mit dem Frühstück nicht so ganz und stelle meinen Wecker auf halb elf. Doch tatsächlich ist das Buffet noch vollgepackt, viel Brotauswahl, frisches Rührei und sogar Tomaten-Mozzarella-Salat. Einzig die UHT-Magermilch beim Müsli bringt mich heute schon in aller Frühe zum Kopfschütteln. Ich brauch doch Vitamine. Später nimmt mich eine Tanguera im Hotellift mit, sie muss in den vierten Stock und verspricht, mich im ersten Stock rauszulassen. Tut sie aber nicht, der Transport geht nonstop ins Dachgeschoss. Ob das wohl mal wieder eine indirekte Abschleppmethode ist? Ein Tanguero meint später dazu, ich solle mir keine Gedanken machen, der Lift sei unberechenbar. Hm. Tangueras etwa nicht?

Abendmilonga in der Johanneskirche. Kirchen sind zweifelhafte Veranstaltungsorte: Meist kein guter Boden, miserable Sitzordnung und höllische Akustik. Hier ist der Boden fantastisch und die Akustik halbwegs annehmbar. Vor allem im hinteren Bereich der Kirche wurden viele Tische und Stühle hingestellt, dennoch ist die Sitzordnung alles andere als cabeceofriendly. "Ich geh mal nach vorne, um mir einen Kerl anzulachen", ist daher ein häufig gehörter Spruch von aktiven Frauen.

Andere verstecken sich den ganzen Abend irgendwo zwischen den Säulen und gehen vermutlich eher frustriert nach Hause. Die Moral von der Geschicht: Wer Cabeceo üben will, tut das besser nicht in der Kirche. Mit kribbelnden Füssen schleiche auch ich etwas umher (die Gegend um den Eingangsbereich herum funktioniert meistens erstaunlich gut), und je später die Nacht, desto mehr Tänze. Ich bin in bester Laune, und selbst ein langfädiger Stau während einer rassigen Milonga quittiere ich schulterzuckend mit Drehungen an Ort und Stelle. Nicht, dass die Piste wirklich rempelig wäre, aber den Unterschied zum Vorabend spürt man schon deutlich: Je mehr Platz, desto weniger reinrassige Milongueros.

Dann stolpere ich mal wieder deutlich über meine eigenen Vorurteile: Ich hatte eine Frau bereits aufgrund ihrer Kleidung als Neoguru-Groupie einsortiert und meine Chancen auf Null eingeschätzt, doch plötzlich guckt sie mich direkt an. Sie ist zweifellos eine sehr gute Tänzerin, und sie lässt mich deutlich spüren, dass sie die Tanda wirklich geniesst. Eine unüberwindliche Sprachbarriere verhindert leider eine Unterhaltung. Ich weiss, dass ein paar Tangueras über ihr Kleid gelästert haben. So unter uns: Ein rückenfreies Kleid fühlt sich einfach gut an. Punkt.

Um drei Uhr läuft die letzte Tanda aus, und ein feines Kompliment lässt mich beinahe erröten. Danach wird kräftig aufgeräumt, und ich sitze ein paar Minuten lang ein wenig benommen in der Kirchenbank, bis ich den Heimweg antrete. Ein paar Stunden später beim Frühstück sind meine Fertigkeiten beim Interpretieren von indirekten Botschaften wieder gefragt: Eine Tanguera zeigt mir eine Zeitschrift mit dem Bild eines glücklichen Hochzeitspaares, während sie genüsslich auf ihrem Kuchen herumkaut. Direkt neben dem Bild werden teure Ringe beworben. Immerhin. So schlecht können meine Tanzkünste also gar nicht sein. Und sie hat glücklicherweise keine Socken gestrickt...

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Dresscodes und Aufwärmtandas

Mittwoch, 23. September 2009

Kurze, aber genussvolle Mittagsmilonga. Mir fallen fast die Augen aus dem Kopf, als ich sehe, wie eine Tanguera einen Voleo bis auf Mundhöhe schafft. Bislang wusste ich nichtmal, dass es Tangueras gibt, die so lange Beine haben....

Abends im Kurs mal wieder Übungen zu Frontcross und Backcross, dazu auch Rhythmikübungen zur Musik. Es klappt einigermassen, und selbst beim Partnerwechsel funktioniert es recht gut. Allerdings beobachte ich so langsam auch in unserem Kurs das altbekannte Phänomen, dass einige Frauen zwischendurch ziemlich kreativ und mehr oder weniger unauffällig ihren Standort verändern, um beim nächsten Partnerwechsel in der Pole Position zu stehen. Allerdings scheint es so, als flüchteten sie nicht vor Tänzen mit mir. Glück gehabt. Andererseits beginnen nun die Herbstferien, und die nächsten zwei Wochen findet kein Kurs statt. Zwei Wochen ohne Kurs?! Deprimierend...

Und dann bin ich noch gefragt worden, welcher Dresscode auf meiner Milonga am Freitag gilt. Upps, darüber hatte ich bislang gar nicht nachgedacht. Ich finde es zwar schön, wenn sich Weiblein wie Männlein elegant kleiden, aber andere Dinge sind mir deutlich wichtiger. Vielleicht sollte ich mal eine Pyjama-Milonga, eine sogenannte Pyjilona veranstalten? Viel mehr beschäftigt mich derzeit, was man zu Beginn einer Milonga spielt. Punkt neun Uhr ist noch niemand da, und selbst wenn, dann ist die Tanda vorüber, bevor die ersten Besucher die Tanzschuhe angezogen haben. Soll ich die wirklich ein wenig mit Tubatango foltern?

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Kommentar von Mikamou

Nein, Tubatango muss es nun wirklich nicht sein! Liebe Grüsse, Mikamou

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Kommentar von Cassiel

Darf ich (augenzwinkernd) einen Vorschlag für den Dresscode machen? "Kleidung beliebig, aber erwünscht."

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Kommentar von Monika

*griiins* - danke Cassiel, das war der Lacher des Tages.

Patrick, Beine bis zum Mund schwingen können hat weniger mit Beinlänge als mit Beweglichkeit zu tun ;-) Viel Spass morgen!

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Antwort von Patrick

Nur fürs Protokoll: Während der ersten halben Stunde fehlten die Männer, während der letzten Stunde waren es zuviele Männer. Kurzsichtig könnte man daraus schliessen, dass man eine Promotion im Sinne von "Nackte Männer erhalten freien Eintritt, wenn sie vor 22 Uhr kommen" anbieten müsste. Aber damit wären wohl die meisten der Frauen nicht glücklich geworden...

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mirada - noch einen Tag...

Donnerstag, 24. September 2009

So, noch einmal schlafen bis zur ersten Milonga. Tandas sind gebaut, eine provisorische Playlist vorbereitet, Getränkeversorgung angeschleppt, alle Verträge von zwanzig Anwälten gegengelesen und als Name steht nun mirada :-) fest. Mit Smiley. Das mag kein umwerfender "Brand" sein, aber es ist immer noch einfacher, als die ganze Fläche mit dem Schriftzug "Hier bitte nicht auf den Boden schauen!" zuzukleistern...

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Kommentar von Lina

Falls man gerade keine Lust hat zu tanzen, wo soll man dann als Frau am besten hinschauen? Auf den Tisch, in eine Ecke oder lieber einfach doch einen mündlichen Korb geben? Viel Erfolg mit der Milonga!!!

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Antwort von Patrick

Die meisten suchen sich wohl dann einen Seitenplatz mit gutem Blick auf die Tanzfläche und schauen dem Gewusel auf der Piste zu. Wenn die Körpersprache klar ist, wird es meistens keinen Korb brauchen...

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Kommentar von Garance

Mit der Körpersprache verhält es sich wie mit den Wörtern,- die Signale werden stets individuell im Ohr oder Auge des Betrachters interpretiert.- Das wär ja schön, wenn es so wäre wie du meinst Patrick. - Endlich versteht jeder und jede ganz genau dass, was man/frau ausdrücken will.....Ich wär schon glücklich, wenn das bei den Wörtern besser funktionieren würde...

Nein, nein,- die totsichere Tanzpause garantieren nur Rauchen oder WC oder ein penetrantes Parfum.-

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Cortinas, Sitzordnung und Wasserverbrauch

Freitag, 25. September 2009

Geschafft. Meine erste Milonga. Wahnsinn: Teilweise Gäste mit 1,5 Stunden Anreise. Weitere Überraschung: Gestuhlt hatte ich für knapp 30 Personen, das erwies sich trotz Ferienbeginn als zu knapp bemessen. Nur hab ich viel zuwenig getanzt. Aber das war zu erwarten. Gefreut haben mich viele Komplimente und auch viel differenzierte Kritik:

Der Saal wirkt noch kahl, keine Frage. Work in progress.

Die Sitzordnung verhindert einen guten Blick auf die gesamte Tanzfläche. Das ist so, die von manchen gewünschte Aussicht beisst sich ein wenig mit dem Konzept "Sitzplätze nicht im Saal verstreut". Aber ich werde das nächstemal versuchen, das DJ-Pult umzustellen und so attraktivere Sitzplätze zu schaffen.

Der Spannungsbogen innerhalb der Tandas ist nicht immer erkennbar. Hier muss ich die Stücke noch deutlich sorgfältiger mischen.

Es ist schwierig, es bei der Lautstärke es allen recht zu machen. Einfach weiter aufdrehen will ich nicht, zumal in den Raum dann die Bässe sehr unschön werden. Aber ich plane eine Lösung mit zusätzlichen kleinen Lautsprechern am anderen Ende der Tanzfläche.

Im letzten Drittel des Abends spielte ich keine Milonga, und es waren auch recht viele moderne und ruhige Sachen drunter. Der Teil war wohl eindeutig zu ruhig.

Als Cortina wählte ich das traurige Hauptthema aus "La vita è bella". Vielleicht etwas zu fein, aber ich mag keine Hammercortinas. Jeweils vor den Salsastücken gab es eine längere auf 50 Sekunden geschnittene Version. Ist aber wohl niemandem aufgefallen. ;-)

Aber ich habe auch viel anderes gelernt. Etwa, dass jede Person im Schnitt einen halben Liter Wasser trinkt. Und dass es volle 45 Minuten dauert, bis jemand das Separée mit Blick auf die Tanzfläche entdeckt. Und dass man als DJ viel zuwenig zum Tanzen kommt. Und dass man transparente Becher zwar anschreiben kann, aber auf weissen Bechern die Namen wohl deutlich einfacher lesbar wären.

Kurzum: Es war weniger Stress, als ich erwartet hatte, und spassiger, als ich gehofft hatte. Wobei mich die etwas kaputte Playlist-Funktionalität meines Players gut beschäftigt hielt. Den Überblick über 27 Tandas zu behalten (4,5 Stunden Musik) ist gar nicht so einfach. Ja, und erwähnte ich schon, dass ich viel zu wenig getanzt habe?

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Die letzten warmen Sonnenstrahlen

Sonntag, 27. September 2009

Ich weiss, man kann den Herbst natürlich auch herbeischreiben. Aber seit ein paar Tagen ist astronomisch gesehen eindeutig Herbst, und ab kommenden Freitag sinken auch die Temperaturen deutlich. Höchste Zeit also, bei den warmen Temperaturen am Zürcher Bürkliplatz nochmals die letzte Openair-Milonga dieses Jahres zu geniessen. Zürich ist ja normalerweise nicht so meine persönliche Goldgrube für traumhafte Tänze, aber heute scheint mir Zwingli wohlgesonnen: Kaum habe ich meine Schuhe an, werde ich schon von einer bislang unbekannten Frau aufgefordert. HEY, IN ZÜRICH! Meine Feindbilder schwinden...

Es war ein ziemliches Rumgerempele (obwohl es etwa halb so viele Tänzer wie auf der deutlich kleineren Fläche am Freitagabend in Saarbrücken hatte), aber ich hab den Abend dennoch genossen. Abwechslungsreiche Musik, nette Tanzpartnerinnen, viele Tänze und ein gemütlicher Spätsommerabend am See. "Last Tango in Zurich", seuzfte ich zwischen einer Tanda. Jetzt dürfen die Blätter welken, die Marronni-Mänchen ihre Röstwägelchen aufstellen, die Tage noch kürzer werden und Migros mit ihrem Weihnachtsklimbim ihre Läden verstellen. "Du kannst doch auch im Winter Tango tanzen", versuchte mich eine Tanzpartnerin von meinen sentimentalen Herbstgedanken abzulenken. Ja, schon. Aber nicht mehr draussen...

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Cortados in Bern

Dienstag, 29. September 2009

Ausflug ins Berner Progr: Einige wirklich schöne Tänze, wobei es diesmal keine Cabeceos mit unbekannten Damen gab. Bin hier offenbar doch ein Fremdling. Dafür wars gewohnt rempelig, obwohl die Platzverhältnisse geradezu luxuriös waren. Ach ja, und mein Ocho cortado scheint gelegentlich auch in einer Milonga zu funktionieren. Wird ja auch langsam Zeit, so nach zweieinhalb Jahren Tango...

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Tango macht Lust auf mehr?

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Man möge mir die Schlagzeile vergeben. Aber nachdem Tango gerade erst zum Weltkulturerbe ernannt worden ist, gibts schon die passenden Studien: Cynthia Quiroga Murcia will in ihrer Doktorarbeit herausgefunden haben, dass Frauen wie Männer nach dem Tango mehr Testosteron im Speichel haben als vorher. Leider steht da nicht, ob das Neotango oder Milonguero-Paare waren. Und ob es feste Paare waren. Und wie Salsa vergleichsweise abschneidet. Ist allerdings irgendwie ja auch wurscht: Die meisten Tangoleute holen sich an der Milonga bloss Appetit, gegessen wird meist zuhause...

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Kommentar von Mikamou

"Die meisten Tangoleute holen sich an der Milonga bloss Appetit, gegessen wird meist zuhause..."

Na da bin ich aber neugierig wo du diese "Statistik" gefunden hast oder stammt sie aus deinen langjährigen Beobachtungen der Szene...

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Kommentar von JeanZ

Also nach Tango ist Sex für mich so interessant wie ein Kirchenbesuch.

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Antwort von Patrick

Mikamou, das waren Aussagen einiger geständiger Tanzpartnerinnen, nachdem ich fragte, ob ich ihnen mal eine Speichelprobe entnehmen dürfte. Und JeanZ, Kirchenbesuche sind für mich auch ohne Tango uninteressant.

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Kommentar von Detman

Zum Glück sind Kirchenbesuche in VERBINDUNG MIT TANGO für Dich durchaus interessant. So dass ich mich freute, dass Du nach Saarbrücken gekommen warst. Nächstes FCA (Festivalito Con Amigos) übrigens am 8./9./10. Oktober 2010 !!

Bis bald!! (Zum Beispiel auf unserer Weihnachtsmilonga in Saarbrücken am 19.12.)

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Konkurrenz und Ferien

Freitag, 2. Oktober 2009

Heute bin ich mit meiner Milonga gegen den alteingesessenen Gare du Nord angetreten, ausserdem waren noch Herbstferien -- erwartet hatte ich daher nichts. Umsomehr freute es mich, dass dennoch eine schöne Runde zusammemgekommen war. DJ-Pult und Sitzordnung umgestellt. Boxen anders verteilt. Beleuchtung ein gutes Stück verbessert. Und den Wechsel zwischen klassischen Tandas und modernen Stücken finde ich noch immer schwierig. Noch viel zu tun. Besonders erfreulich ist, dass bislang alle Besucher vom Tanzboden sehr begeistert waren. Und heute hab ich mal wieder viel getanzt.

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Nüchterne Zwischenmusik

Sonntag, 4. Oktober 2009

Viel Volk heute im Tanzpalast, und weil Tango vor ein paar Tagen zum Weltkulturerbe geschlagen wurde, gab es für alle Besucher ein Cüpli. Da ich mir daraus nichts mache (gemeint ist das Cüpli, nicht der Tango) gab ich mein Glas meiner Tanzpartnerin weiter. Seltsamerweise gingen danach meine Männergiros und die ganzen Volgadas deutlich besser als vorher. Eine Speichelprobe lehnte sie leider ab. Vermutlich finden mich meine Tanzpartnerinnen hübscher, wenn sie nicht mehr ganz nüchtern sind, und dann entspanne ich mich automatisch. Oder so.

Im Verlaufe des Abends trat ein junger Mann in die Mitte, erzählte, er habe sich auf dem Weg von Dornach nach Basel unsterblich verliebt, setzte sich an den Flügel und schlug ein paar Akkorde an. Die Reaktionen: Viel Kopfkratzen und ein paar zaghafte Tanzversuche. Vermutlich haben sich alle Singles gefragt, ob sie bisher einfach die falsche S-Bahn genommen haben.

Auch wenn es mit dem Tango eher am Rande zu tun hat: Heute ist Haydée Mercedes Sosa im Alter von 74 Jahren in Buenos Aires verstorben. Zeit, die alten Alben wieder auszugraben und durchzuhören...

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Kommentar von Roberto

Für Basel mag der Tod von Mercedes Sosa für eine kleine Notiz sorgen. Hier in Buenos Aires vergeht fast keine Milonga ohne das man ihrer gedenkt. Die Besucher tanzen spontan zur Musik von Mercedes Sosa und man spürt wie nahe vielen Menschen ihr Tod geht.

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Die Boxen, der Sound und DJ Bobo

Freitag, 9. Oktober 2009

Viel Volk heute in der Milonga, der Anreise-Rekord lag bei 492 Kilometern. Allerdings hab ich noch immer ein Lautstärke-Problem: Viele Tangos haben einen hohen Unterschied zwischen lauten und leisen Tönen. Eigentlich ist das angenehm, wenn nicht wie im Privatradio alles per optimod plattkomprimiert ist. Aber dadurch sind einigen Tänzern die leisen Stellen zu leise. Könnte ich die Lautsprecherleitungen in dem Raum fest installieren, dann wüsste ich, was ich tun würde. Mal sehen, ein paar Ideen hab ich noch.

Ach ja, und eine Tanturi-Tanda (Milonga) hat nicht funktioniert. Vardaro schien mir für den Milongabeginn etwas schwierig. Dafür hat Albert Castillo mit seinen gesungenen Candombes voll eingeschlagen. Und für Piazzolla wurde ich nicht gesteinigt.

Gefragt werde ich regelmässig, wie das mit den Urheberrechtsabgaben ist: Die Suisa will bei Kleinveranstaltungen (das heisst konkret weniger als 400 Besucher pro Abend) keine Playlist, sondern je nach Anzahl der Besucher eine Pauschale pro Milonga. Verteilt wird das Geld dann nach der regulären Hitparaden-Playlist. Kurz gesagt: Wer eine Milonga besucht, unterstützt damit keine Argentinier, sondern DJ Bobo. Ist hart, und beim Tanzen sollte man daran besser nicht denken...

Dafür kam heute das Problem der Rempeltänzer auf. Wenn sich ein wirklich schlimmer Rempeltänzer über einen anderen eher harmloseren (weil bewegungstechnisch äusserst vorhersehbaren) Rempeltänzer beschwert, dann hat das irgendwie schon eine ironische Note. Sobald mein Drucker endlich läuft, werde ich eine Kurzfassung der Tanzregeln auf den Tischen auflegen. Steter Tropfen...

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Kommentar von Mikamou

"Wenn sich ein wirklich schlimmer Rempeltänzer über einen anderen eher harmloseren (weil bewegungstechnisch äusserst vorhersehbaren) Rempeltänzer beschwert, dann hat das irgendwie schon eine ironische Note."

Aus dem selben Grund lese ich auch dein Blog mit Genuss.

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Antwort von Patrick

Ach komm, so dilettantisch sind die meisten Kommentare hier doch gar nicht...;-)

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Kommentar von Joachim

Es geht nicht um die Kommentare, sondern um bloggende Rückwärtstänzer, die munter entgegen der Tanzrichtung unterwegs sind ;) und einen aus grossen Augen ungläubig ansehen, wenn sie schon nach 2 Schritten nach hinten wieder nach vorne umdrehen müssen.

Das leisten sich in Basel überwiegend nur Angehörige des Tango-Lehrkörpers. Also, alle Voraussetzungen sind erfüllt, wann beginnt die PatrickTangoSchule? :D

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Kommentar von Mikamou

Bingo Joachim!

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Kommentar von Monika

gnihihi, das find' ich jetzt wieder richtig klasse. Der Esel der sich über den Bock beschwert welcher in _seinem_ Blog über einen anderen Esel Witzle reisst der sich über's Äffle beschwert hat. Ganz grosses Kino!

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Schwitzen in Volgelsheim

Samstag, 10. Oktober 2009

Das Colmarer Tangofestival findet diesmal in Volgelsheim statt, einem langezogenen Kaff direkt an der Grenze zu Breisach. Die Halle ist nicht ganz simpel zu finden, aber immerhin haben die Organisatoren direkt an der Einfahrt einen roten Tango-Wegweiser plaziert. Das Konzept der Eintrittspreise folgt der Anfahrtslogik: Wer es geschafft hat, der kehrt nicht wieder um. Das Konzert kostet 27 Euro, später zur Milonga werden noch 23 Euro verlangt, die sich auf 19 Euro runterhandeln lassen. Deshalb wohl stehen die Eintrittspreise weder auf der Homepage noch auf dem Flyer...

Immerhin, das Quarteto Rotterdam machte gute Laune und durchpflügte eine gute Dreiviertelstunde lang mit Kontrabass, Flügel, Geige und Bandoneon die nicht ganz so tanzbaren Varianten des Tangos. Sauber abgemischt, es war auch für die Ohren ein Vergnügen. Allerdings hatte ich schon während des Konzertes den Eindruck, dass jemand bei der knapp drei Jahre alten Halle den Einbau der Lüftung vergessen hatte...

Auf der oberen Etage gab es mal wieder Schuhverkauf. In meiner Grösse genau sechs Exemplare. Drei davon schwarz, einer schwarzweiss, einer goldfarben. Der sechste Schuh wäre mit einem dezenten weinrot ganz ok gewesen, aber mein Portemonnaie bot keine 140 Euro mehr...

Die Milonga war müffelig und stickig zugleich, trotz komfortablen Platzverhältnissen auch ziemlich rempelig. Und die Sitzordnung denkbar ungünstig für Cabeceos. Hatte dennoch viel Glück mit den Frauen, witzigerweise waren die Live-Zugaben vom Quarteto Rotterdam arg milongalastig. Und die Tandastruktur der DJane etwas konfus. Einmal meinte eine Tanzpartnerin, sie würde dieses Lied gerne halboffen tanzen. Nach fünfzehn Sekunden gab sie auf und schmiegte sich wieder an mich. Ich weiss, mein offener Führungsstil ist miserabel. Aber offen tanzen funktioniert in den meisten Milongas sowieso nicht.

Showauftritt von Erna und Santiago Giachello: Dramatischer Gesichtsausdruck von Erna, wie frau ihn wohl nur in einer Schauspielschule lernen kann. Eine Zuschauerin neben mir gab jedesmal Entzückungsrufe von sich, wenn Santiago seine Frau mit einer Hebefigur wie einen Schwan um sich schwenkte. Haben Schwäne eigentlich nicht den Ruf, etwas zickig zu sein? Wie auch immer, zur Milonga wurden die Gesichter der beiden deutlich entspannter, und auch die Choreographie bei der Zugabe (ja, die Show war länglich) schien ihnen deutlich vertrauter. Die Meinungen über seine Haare gingen bei den Frauen deutlich auseinander.

Fazit: Eine teure Halle ohne Lüftung, eine bestens tanzbare Livemusik und viele wunderschöne Tänze. Danach liess ich mir von einer Tanguera gar noch die Karten legen: Meine berufliche Zukunft liegt nicht im Tango! Die Welt darf also aufatmen...

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Kommentar von Annick

Hallo Patrick, bedaure, dass dir der Abend nur halb gepasst hat. Eintrittspreise hättest du, wie alle die sich im voraus angemeldet haben, auf dem Anmeldeformular (PDF zum herunterladen) auf der Homepage gefunden.

Das Gastlehrerpaar ist schon mehrere Male im Elsass gewesen, so dass ihr Tanzstil den meisten im voraus schon bekannt war. Demzufolge waren die Kurse schon seit Tagen belegt. Moderne Tanzstile haben auch ihre Anhänger, wofür du mehr Toleranz zeigen solltest.

Bislang bist du der Einzige der 240 Gäste, der sich in einem so kritischen Ton geäussert hat. Aber bei genauerem Durchlesen war ja nicht alles schwarz. Die Live Musik, sowie die tollen netten Tänzerinnen, haben dein Urteil doch stark gemildert.

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Kommentar von Joachim

Diesen Beitrag habe ich mit Vergnügen goutiert. Vor 10 Tagen hörte ich dieses fantastische Quartett im holländischen Arnhem. Ohne zu tanzen, mir war das zu energiereich. Aber dafür für nur 15 Euro, inkl. Milonga.

Den Holländern sind Milongas, die 5 Euro oder mehr kosten, zu teuer. Das verstehe ich nicht ganz, aber ich passe mich dem an. Ahja, am gleichen Abend spielte in Kehl im La Cita das "Duo Capotraste". Männerüberschuss, aber schöne Stimmung, viel Ventilatoren, viel frische Luft, kein Mief - ausser, man sass zu nah am Zwiebelkuchen. Schöne Musik sowieso.

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Kommentar von Lina

Findet Ihr jetzt echt, dass 23 Euro zu teuer sind für einen Ball mit live-Musik und Tanzpaar???! Ich denke mal, dass die Veranstalter schon einen Grund für diesen Eintrittspreis haben werden, Profis performen ja auch nicht umsonst und das summiert sich dann schon mit allen Unkosten...

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Kommentar von Joachim

Naja, Patrick schrieb von 27 fürs Konzert und 23 für die Milonga. Kann man sich schon fragen, ob man für 4 Euro das Konzert auch alleine bekommen hätte?

Okeeh, war'n Witz.

Aber mir hängen diese elenden Shows mittlerweile zum Hals raus. Früher, also vor etwas mehr als 10 Jahren, war die Show sozusagen eine Art Trailer für die Kurse, eine Werbemassnahme für die Lehrer, die in den Kursen Geld verdienen wollten. Heute werden für die Shows recht hohe Preise verlangt von den Paaren. Auch von den weniger bekannten Paaren. Auch von Paaren, deren Darbietung mit Mühe zum Achtungsapplaus verlockt.

Und mal ehrlich: bei dem Platzangebot, das dem Paar zur Verfügung steht, ist es keine so phänomenale Kunst mehr, aufsehenerregendes Zeug zu tanzen - aber wer könnte sich an herausragende Auftritte erinnern? Und warum? Sicher nicht wegen hoher Ganchofrequenz oder Flugdauer und -höhe der Partnerin. Daß ein Paar miteinander tanzt, hat schon einen gewissen Seltenheitswert - meist sind es eher Akrobatikvirtuosen im Duo. Ich mag diese Schautänze gar nicht.

Ein gutes Live-Orchester, gute Konservenmusik, ein guter Boden und nette Leute - mehr braucht es nicht für ein Fest.

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Antwort von Patrick

In Tarbes hat man das Problem anders gelöst: Das "Spektakel" für 18 Euro, dort gab es 90 Minuten lang Shows, Livemusik, Pauken und Trompeten. Die Milonga danach war ohne Show und kostete noch zehn Euro Eintritt. Ich finde das eine elegante Variante, aber dazu muss man natürlich das ganze Festivalkonzept entsprechend ausrichten.

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Kommentar von Annick

Zur Richtigstellung, das waren die Preise laut Website von Tango Emotion: Konzert + Milonga: 19 Euro (auf Vorreservierung bei dem Veranstalter - PDF Download auf der Internerseite). Ein einfaches Mail an die Veranstalter schicken hätte genügt! oder 23 Euro an der Abendkasse. 27 Euro sind nie verlangt worden. Patrick hat die Erklärungen auf französisch total falsch verstanden.

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Kommentar von Joachim

Nicht nur elegant, es wirkt auch fairer: 18 Differenz finde ich angemessen für einen professionellen Showblock, 4 Differenz ist so lächerlich, dass es mich eher vom Ganzen abhält als zum Konzert motiviert. Zumal ich bis vor zwei Wochen das Cuarteto Rotterdam noch nicht mal kannte.

Als Tänzer schätze ich es gar nicht, wenn die Milonga unterbrochen wird von Showtanz. Bis sich danach alle Führenden wieder mit ihren zwei neugelernten Schritten profiliert haben auf der Piste, ist das eine verlorene halbe bis ganze Stunde.

Ich kann zwar die Ängste der Veranstalter verstehen, gerade in wirtschaftlich knappen Zeiten braucht man da schon bekannte Namen, dass diese Mehrausgabe auch von genügend Leuten getätigt wird, damit die Kosten eingespielt werden.

Aber schliesslich ist in Frankreich, zu dem Volgelsheim gehört, bei weitem nicht die gleiche Höhe an GEMA (analog SACEM) zu bezahlen als in Deutschland. Okay, die Frage ist dann natürlich eher: Wäre das in D zu dem Preis überhaupt machbar gewesen?

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Kommentar von Lina

Klar, und als Veranstalter muss man halt irgendwie die Unkosten decken können, das muss man schon auch sehen.... Ist es dann besser, einfach nie mehr live-Musik zu haben und nur kommerzielle Konservenmusik? Dann kann man einfach für 5 Euro tanzen. Ich finde es einfach schade, wenn die Künstler nicht geschätzt werden, aber Tanzshows mag ich auch nicht speziell gerne. Ich finde es einfach schade, wenn sich die Tänzer nicht auch ein wenig für die Kultur drumherum interessieren (und da meine ich jetzt nicht Euch beide, Patrick und Joachim!!)

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Kommentar von Joaquin B.

Ich fand die Halle in Volgelsheim eigentlich ganz leicht zu finden, man musste nur den Schildern "Salle de fête" folgen und schon war man da. Unglaublich, dass diese kleine Gemeinde direkt hinter der französisch-deutschen Grenze, sich eine so tolle Halle leistet: fantastische Architektur, bestens zum Tanzen geeignetes Stäbchen-Holzparkett, eine Beleuchtungsanlage die keine Wünsche offen lässt, das Ganze vom Verein Tango emotion geschmackvoll und sorgfältig geschmückt. Ich muss gestehen, dass ich mich sofort wohl gefühlt habe, und: für einen Abend mit Konzert auf sehr hohem Niveau, Live-Musik zur Milonga und einem Tanzpaar, für dessen Kurse am Wochenende Teilnehmer aus ganz Frankreich extra angereist sind, finde ich 23 Euro überhaupt nicht teuer. (Getränke gab´s ab 1.50 Euro, warmes Essen ab 2.50 Euro, wo gibt´s denn so was?)

Patrick: was war denn mir dir los? Ich saß ca. 3 Meter von der Lüftung entfernt, die mir geräuschlos angenehme Kühle zugefächelt hat und ins Schwitzen kam ich allenfalls auf der Tanzfläche, weil die Stimmung einfach toll war. Waren das die knappen Kleidchen deiner Tangueras und Kartenlegerinnen, die dir das Blut in den Kopf getrieben haben? Das mit deiner beruflichen Zukunft würde ich übrigens nicht so eng sehen: solange es engagierte und mutige Vereine und Veranstalter gibt, wie "Tango emotion" in Colmar, - sogar der Flügel war speziell für den Abend gemietet -, ist die Tangowelt doch in Ordnung!

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Antwort von Patrick

Joaquin, Blut im Kopf? Ach so, ja, vermutlich hatte ich die Anleitung des Kondomautomaten auf französisch total falsch verstanden. Aber Du hättest den Namen des Veranstalters jetzt schon dreimal statt nur zweimal erwähnen dürfen, so bleibt das beim Leser nicht hängen :)

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Kommentar von Atemrausch

nur kurz noch meinen Senf: ja, das Tanzen war toll, der Saal war für mich nicht gut zu finden in der französischen dunklen Einöde u. das schlimmste für mich war der Schimmelgeruch. Das würde ich nicht nur mit der Lüftung in Zusammenhang bringen. Und zum Eintrittspreis: mein französisch reichte aus, an der Kasse nur 19 statt wie gefordert 23 Euro hinzulegen, das war zwar noch viel, aber etwas weniger als regulär.

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Kommentar von Minh

Schwitzen in Volgelsheim? War es denn so schlimm? Für alle, die nicht dabei waren: Ein Gästebericht.

Nein, fand ich gar nicht! Mir hat der Ball gut gefallen. Er war wirklich das Geld wert - Qualität hat ihren Preis. Und für diese Qualität hätten die Veranstalter durchaus auch mehr verlangen können. Es war ausreichend Platz zum Tanzen, die Franzosen waren höflich und aufmerksam und angenehme Tangogenossen. Auch wenn die Tango-Szene in Colmar noch relativ jung ist, waren schlimme Rempeleien und Tretereien fast nicht zu sehen. Und auf jeden Fall war es angenehmer als bei vielen Bällen oder Milongas in der Region (inkl.Basel). Organisatorisch war alles sehr liebevoll gestaltet, es herrschte eine herzlich-familiäre Atmosphäre, von der einige der alteingesessenen Vereine und Organisatoren in der Region etwas lernen sollten. Ich liebe Französisch!!!

So schlimm war die Anfahrt nicht, wenn man sich vorher die Mühe machte, auf der Homepage der Organisatoren den entsprechenden Link anzuklicken. ;) Stickig oder gar müffelig? Lieber, Patrick hast Du schon mal daran gedacht, dass es dein Hemd sein könnte, das zu müffeln begann? Vielleicht besser für die armen Tänzerinnen, es einmal zu wechseln! Nun zum musikalischen Teil des Abends. Quarteto Rotterdam war gut, ebenso die DJane! Was die Live-Zugaben angeht: solche Zugaben sind kein Wunsch-Konzert und gehören zu der Kategorie künstlerische Freiheit. Was die Show angeht: Erna und Santiago haben nicht die Shows à la Chicho & Co geboten, die jeder kennt und die austauschbar sind. Technisch und künstlerisch brauchen sie sich nicht vor den vielgepriesenen In-Gurus à la Chicho & Co zu verstecken. Die etwas übertriebene Dramaturgie des "sterbenden Schwans" von Erna ist auch nicht meine Sache, aber das ist eine Frages des "goût" (Geschmacks). Zur Halle: für so ein "Kaff" war sie gar nicht so schlecht! Großer Saal, schön illuminierte Bühne, schönes Parkett, gute Akkustik; und auch das Drumherum (Bewirtung, sanitäre Anlagen, Schuhverkauf) war alles sehr schön und gepflegt. Was ist noch Besonderes zu erwähnen? Ach ja, laut Aussage der Gäste waren Quiche Lorraine und Kuchen elsässisch exquisit und sehr preiswert. Ebenso der Cremant d´Alsace (eine ganze Flasche für 14,- Euro und nicht wie in der Schweiz 8,- bis 12,- Fränkli pro Glas!)

Wie, Patrick? Du hattest an dem Abend den Eintritt auf 19,- Euro heruntergehandelt? Schäm Dich!!! Wäre ich an dem Abend an der Kasse gewesen, hätte ich nicht nachgegeben, sondern Dich sofort nach Hause geschickt! Oder dürfen wir sicher sein, dass wir, wenn wir in Deine Milonga kommen, als Deine gelehrigen Schüler auch den Eintrittspreis herunterhandeln dürfen?! Der Eintrittspreis steht nicht auf dem Programmflyer, sehr wohl aber auf dem Anmeldungsformular, sogar auf Hochdeutsch für Schwytzer und Deutsche: Konzert+Tangoball = 19,- Euro * oder 23,- Euro **. ( * Anmeldung vor 05.10.2009, ** Anmeldung am Tag des Tanzabends). Und übrigens: Annick hatte Recht, wie kommst Du auf die utopische Zahl von 27,- Teuros? Ist es Unkenntnis Deines FRANZÖSISCH?

Und wieso machst Du Dir Gedanken über 140,- Euro für die Schuhe und den Kondomautomaten, wenn Du noch nicht einmal den regulären Eintrittspreis zahlen kannst/willst! Manchmal beim Lesen deines Blogs weiss ich wirklich nicht genau, ob ich mich für Dich freuen oder Dich bedauern soll bei Deinen dilettantischen Fortschrittsberichten (inklusive raschanansteigendem Selbstlob) - und Cabezeo ist nicht alles im Tango (vielleicht einmal eine neue Brille?); und Körbe sind kein Staatsdrama, sondern das freie Recht der Tangueras. Joachim, Dir empfehle ich, nicht immer alles von Patrick ungeprüft zu übernehmen, sondern selbst zu recherchieren. Dann kommt es nicht zu seltsamen Spekulationen über Eintrittspreise, Ganchofrequenzen und Flughöhen.

Fakt ist: Männer können nicht zuhören, lesen und rechnen; wahrscheinlich, weil sie nie die Haushaltskasse führen dürfen/müssen. Liebe Annik und Lina, wo wären wir, wenn es Euch Mädels nicht gäbe. Dann hätten wir lauter Rechenfehler, keine Kultur und keinen Tango! Und dieser Blog-Beitrag wäre überflüssig! Aber zum Glück gibt es Euch! Herzliche Tango-Grüße, Minh.

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Antwort von Patrick

Eigentlich wollte ich nicht mehr darauf herumreiten, daher nur fürs Protokoll: Ich hab 27 Euro bezahlt, kann das aber nicht belegen, weil auf dem Zettelchen kein Preis draufsteht. Aber tanzt man nach einer Flasche Cremant wirklich besser?

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Kommentar von Antanguero

Du hast halt den Lästerer-Zuschlag bezahlt, weil die genau wussten, dass ein Blogger viel zu sparsam mit Jubeladjektiven umgeht. Aber da gab es nicht wirklich einen Kondomautomat, oder?

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Antwort von Patrick

Nein. Keine Kondome, keine Lüftung und offenbar auch keine Ironiedetektoren.

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Kommentar von Monika

Ich war in Vogelsheim nicht dabei, werde mir dazu also kein Urteil anmassen. Was mich aber sehr erschreckt: all die die Ihr hier mitlest und kein gutes Haar an Patricks Blog findet: warum lest Ihr?

Er erlaubt sich, seine eigene Meinung, meist sprachlich recht gut und witzig verpackt, zum Ausdruck zu bringen. Fein. Ich gehe durchaus nicht immer konform mit dieser Meinung - und ich war schon auf genug Veranstaltungen wo er auch war. - Na und? Es ist _sein_ Blog und _seine_ Meinung, die er immerhin nicht unter einem Pseudonym versteckt, wie z.B. Cassiel, sondern mit Namen und Adresse zeichnet. Finde ich, gerade in der so kleinlichen Tangoszene, grossartig.

Und ich kritisiere keineswegs die Veranstalter des Balles in Vogelsheim, die hier etwas richtigstellten (warum Patrick einen anderen Preis hätte zahlen sollen/gezahlt hat sei dahingestellt) oder diejenigen die zu Recht darauf hinweisen dass Veranstalter - auch in schwierigen Zeiten wie heute (und mit Tänzern die am liebsten keinen Eintritt, dafür Gratis-Getränke hätten) - irgendwie versuchen müssen auf ihre Kosten - und mehr ist es fast nie bei solchen Veranstaltungen! - zu kommen, sondern die die einfach ein anderes Ballerlebnis hatten als er und nun einfach mal draufhauen.

Jungs, ich hatte auch schon andere Ballerlebnisse als Patrick. Und ich sass ca 10 m von ihm weg. Und andere Milonga-Erlebnisse. Und andere Kurserlebnisse. Na und? Menschen und ihre Wahrnehmung ist nun mal verschieden.

Wenn's Euch nicht passt dann haut nicht drauf sondern geht einfach nicht hin (oder in diesem Fall: lest nicht mit). Der Markt bestimmt dann schon wer sich durchsetzt. Oder so. Just my two cents.

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Kommentar von Yvonne

Liebe Monika, Du sprichst mir aus dem Herzen!!!! Und lieber Minh, es heisst nicht Schwytzer...wenn Du Dich dann schon in Schweizerdeutsch versuchst, dann sind wir doch bitte Schwiizer. Ein "t" kommt definitiv nicht vor und die Schwyzer sind die lieben Leute aus dem Kanton Schwyz. Alles klar? ;-)

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Kommentar von Minh

Schwitzender Schwii(t)zer - oder wie? Grüe(t)zi Yvonne!:)

Pardon! Excusez-moi! Wusste (wie wohl die meisten Nicht-Schwiizer) nicht, dass es den Unterschied zwischen Schwyzer und Schwiizer gibt. Endlich lernt man in diesem Blog einmal etwas Sinnvolles (ehrlich!). Hat sich das Anklicken also doch noch gelohnt - war schon am Verzweifeln und Resignieren. Ist wohl unmissverständlicher, wenn ich in Zukunft nicht von Patrick dem Schwytzer oder Patrick dem Schwiitzer spreche, sondern schlicht von Patrick dem Schwitzer?

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Kommentar von Monika

ach, Minh, das tut mir weh und leid, aber werde dich zukünftig wohl als Troll nicht beachten müssen. Denn die Korrektur von Yvonne ist sachlich und freundlich. Und Du machst da gleich wieder eine Angriff auf Patrick draus...

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Kommentar von Yvonne

Naja, man kann halt einfach nicht von allen geliebt werden ;-)! In diesem Sinne: PEACE! ;-)

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End-gadas

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Endlich mal wieder Kurs: Keine ganz simple Kombination aus Colgada, die Frau hinten einkreuzen lassen und anschliessend eine kleine Volgada dranhängen. Vor allem nicht ganz so simpel, wenn die Frau während der Volgada seufzend auf mir zusammensackt. Frauentraining sollte künftig aus kräftigem Bauchmuskeltraining bestehen.

Ausserdem haben wir mal mit anderen Haltungen getanzt: Ziemlich witzig, als Mann die linke Hand auf den Rücken der Partnerin zu legen und mit der rechten Hand ihre linke Hand zu fassen. Das mit der Tanzrichtung ist dann etwas schwierig. Aber man kann problemlos rechts kreuzen.

Nebenbei weise ich meine Tanzpartnerin darauf hin, dass heute der drittletzte Kursabend ist. "Wie, nur noch zweimal?", fragt sie erleichtert und mit grossen Augen. Hmpf. Vermutlich motiviert sie sich zuhause mit einem Countdown-Kalender und hat für November Wellnessferien gebucht...

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Kommentar von Lina

Was mich schon seit längerem interessiert: Was haben eigentlich Colgadas und Volcadas mit Milonguero-Stil zu tun? (Sorry für die ignorante Frage)

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Antwort von Patrick

Volcadas kann man problemlos klein und fein tanzen (offen sieht es eh ziemlich seltsam aus), so dass sie äusserlich kaum von einem herkömmlichen Einkreuzen zu unterscheiden sind. Bei Colgadas geht das wohl im Prinzip auch, bloss habe ich den Dreh noch nicht raus. Daher tanze ich die an einer Milonga normalerweise auch nicht. Achsenspielereien entsprechen wohl nicht dem authentischen Milonguero-Stil, aber sie machen gelegentlich Spass. Wie Männergiros.

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Kommentar von Nadja

Wellness: Klar hat sie und zwar mit mir.....Erholung pur....:)

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Kommentar von Mikamou

Volcadas kann man problemlos klein und fein tanzen

Schon, aber probier das nicht mit den meisten Argentinierinnen. Wär het's erfunden?

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Antwort von Patrick

Argentinierinnen? Sind das die, die man gelegentlich während Tanzshows aus fünf Metern Entfernung betrachten darf?

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Kommentar von Garance

Welch ein Jammer, Volgadas klein und fein zu tanzen! Für mich ist die Volgada die sinnlichste Schritt-Entdeckung der letzten Jahre. Wenn sie klar und sicher geführt ist, hat die Frau sehr viele Möglichkeiten, was sie damit macht. Die Volgada benötigt Raum, Kraft und dennoch Gelöstheit, je nach Musik und Platz kann sie dramatisch oder auch einfach wie ein flüssiger Bogen ausfallen. - Je nach Ausführung sieht das unglaublich schön aus.! Also Männer,- Milonguero-Puristen,- tanzt lieber nur das ganz normale Kreuz,- eine zurechtgestutze Volgada ist keine Volgada, das ist ein Vogel ohne Flügel-

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Die Kerzen, die Tische und die Experimente

Freitag, 16. Oktober 2009

Erst dachte ich, heute käme überhaupt niemand zur Milonga. Aber dann hat es sich doch noch gefüllt. Zum ersten Mal habe ich Linetzky gespielt, zusammen mit einer recht schwülen Filmmusik. Passte nicht hundertprozentig, aber es schien niemanden allzusehr zu irritieren. Und für manche Fünfertanda (nein, nicht bei Milongas) wurde ich ebenfalls nicht ausgebuht. Dafür hatte ich noch mit den Nachwehen einer kräftigen Erkältung zu kämpfen und habe daher heute nicht getanzt. Einmal im Schaltjahr ist so ein Beobachtungsabend auch ganz ok...

Allerdings hab ich noch immer keine Tischtücher für die 70cm-Bistrotischchen. Ausser mir scheint sowas niemand in dieser Welt zu brauchen. Und die Illuminationskerzen zur Wegweisung am Eingang wurden heute so schnell wieder ausgeblasen, dass ich da künftig was anderes nehmen muss. Aber kann man den Weg zu einer Milonga wirklich mit Grablichtern pflastern?

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Kommentar von Cassiel

... und warum keine Grablichter? Das habe ich schon so häufig gesehen, schließlich sind die etwas wetterfester. Lustig, über Tischtücher habe ich gestern auch geredet. Es gibt immer einen Tisch pro Milonga, auf dem sind riesige Wachsplatten am Ende des Abends...

Bis demnächst...

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Kommentar von Monika

warum eigentlich nicht Grablichter? - Leute die völlig ironieresistent sind werden darin etwas lesen, die Ironiker werden grinsen und alle anderen sehen es hoffentlich wie Cassiel.

(übrigens gibts die so weit ich mich erinnere auch in weiss, nicht nur in rot...)

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Die Liebe und der Tango

Montag, 19. Oktober 2009

Durch die Nachwehen einer Erkältung hatte ich am Wochenende nun endlich mal Zeit, mich meinen Filmen zu widmen: "Je ne suis pas là pour être aimé" (oder auf deutsch: man muss mich nicht lieben) lag hier schon länger rum.

Jean-Claude (fantastisch gespielt von Patrick Chesnais) ist ein ziemlich müder und ausgebrannter 51-jähriger Gerichtsvollzieher, der gerade dabei ist, seinen Sohn in die trostlose Welt der eigenen Kanzlei einzuführen und als Abwechslung vom Alltag lediglich jeden Sonntag seinen völlig verbitterten Vater im Altersheim besucht. Doch vom Fenster seines Büros aus hat er Ausblick auf eine Tangoschule, und sobald er das Fenster öffnet, machen ihn die Klänge von Carlos Di Sarli noch neugieriger.

Doch in dem Kurs ist auch Françoise, eine hübsche Frau um die 30, die erfolglos ihren Verlobten zum Tango mitschleifen wollte. Dort findet sie die erwähnte Schlaftablette mit Aktenzeichen von Anfang an unglaublich attraktiv, und sie kommen sich langsam aber sicher ein wenig zu nahe...

Nun, "Man muss mich nicht lieben" ist kein Tangofilm. Die zwei hätten sich auch an einem Origami-Kurs kennenlernen können, und die Geschichte wäre wohl auch nicht anders verlaufen. Die meisten Wendungen sind vorhersehbar, und der Film hört genau da auf, wo es wirklich spannend geworden wäre. Seine Stärke liegt dafür in den Figuren: Die Situationen in der Tangostunde sind witzig dargestellt, Mimik und Körperbewegungen der Schüler sprechen förmlich Bände. Und selbst bei dem wenig sympathischen Jean-Claude hofft man laufend, dass er irgendwie doch noch seinen Weg findet.

Ein stiller Film mit leisen Tönen und viel feiner Komik. Und ein Film über die Frage, was jemand, der über 50 Jahre seines Lebens vergeudet hat, nun überhaupt noch verändern kann. Auf jeden Fall wirft der Film die Frage auf, ob und wie der Tango die Menschen verändert.

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Kommentar von Cassiel

Es wird Dich vermutlich nicht wundern, wenn ich anderer Meinung bin. Ich finde der Film hat sehr viel mit dem Tango zu tun. Für mein Empfinden wurde Jean-Claude von der unmittelbaren körperlichen Nähe überrascht. Er war vielleicht wehrlos und seine normalen Abwehrmechanismen gegen das menschliche Leid der Anderen (als Gerichtsvollzieher) funktionierten plötzlich nicht mehr. Zu diesem Punkt gibt es immer wieder Szenen im Film, wie er sensibler wird.

Ob der Film ein Tangofilm ist, das vermag ich nicht zu beurteilen. Mich haben aber die Szenen mit dem intensiven Blickkontakt durchaus berührt. Hier fand Tango statt. Darf ich einen Link als Beleg anfügen? Hier wird so fein das Aufkommen von Gefühlen skizziert.

Ich finde das Ende geradezu zwingend. Ansonsten wäre die Geschichte in heillosem Kitsch dahingeplätschert. Es bleibt eben offen und das ist für mein Empfinden genau richtig. Von allen Spielfilmen, die ich zum Tango gesehen habe, ist dieser Film wohl derjenige, der am dichtesten am Thema ist.

Einig sind wir uns wohl mit den Szenen im Tangounterricht. Hmmm... natürlich ein Schnelldurchlauf durch die Anfangszeit beim Tango, aber hier wurden mit viel Liebe zum Detail die Klassiker, die jeder von uns kennt, einmal filmisch festgehalten.

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Kommentar von Joachim

Was IST dann "ein Tangofilm"? Wie würden unsre Filme aussehen, wenn sie jemand gedreht hätte, als wir anfingen, Tango zu lernen? Immerhin (ver)sprach der Titel nichts von Tango, sehr im Gegensatz zu Buchtiteln wie "der Tangokönig", "Lola und der Tangokönig", "Tango um Mitternacht" - der Tango war nicht Objekt, sondern nur Vehikel des Aufbruchs eines über 50-jährigen. Aber eben mit den Eigenarten, die Origami oder Tantra oder ein Arabischkurs in der Klubschule nicht bieten.

Die Revolte gegen seinen Vater, das Entdecken ganz andrer Bewegungen, die Umarmung (wenn auch französisch/weiträumig) - fraglich, ob ein Origami Kurs auch all das hätte auslösen können?

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Marcucci statt Piazzolla

Freitag, 23. Oktober 2009

Ein paar Lichter mal wieder etwas umgehängt, so langsam nähere ich mich einer brauchbaren Beleuchtung in meiner Milonga. Und die ultimative Deko-Idee steht auch, allerdings vorerst leider erst in meinem Kopf. Schön ist auch, dass regelmässig neue Gäste neugierig den Kopf reinstrecken. Nur musste ich feststellen, dass ich erkältungsbedingt viel zu lange nicht mehr getanzt habe. Unglaublich, wie steif man sich anfühlt, bloss, weil man ein paar Tage lang nicht mehr an Milongas war.

Witzig fand ich, dass sich zwei Gäste bei explizit über die schönen und melodiösen Stücke von Piazzolla bedankt hatten. Witzig deshalb, weil ich heute gar nichts von Piazzolla gespielt hatte. Zugegeben, zwei Stücke waren von ihm komponiert, aber die Interpretation stammte diesmal von Alfredo Marcucci -- seine Varianten fand ich passender fürs Tanzparkett. Ruhige und sehr langsame Lieder, wie sie mir an anderen Milongas sehr oft gefehlt haben. Wie auch immer: Es freut mich auch, dass der Name Piazzolla selbst unter Tänzern nicht mehr generell ein rotes Tuch ist.

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Können DJs auch einmal abschalten?

Samstag, 24. Oktober 2009

Gestern gab es bei mir den ganzen Abend über einen leichten Männerüberschuss. Heute im Totentanz...Gegenprogramm. "Du solltest einen entsprechenden SMS-Alarm installieren", meinte eine Tanzpartnerin grinsend. Hm. Ich weiss nicht, ob man damit temporale Geschlechter-Anomalien(tm) wirklich austricksen kann.

Ziemlich voll wars, und auch die Tanzfläche wurde ausgiebig genutzt. "Endlich mal tanzen, ohne an die nächste Tanda zu denken", war mein Motto. Die Tänze waren schön, doch irgendwie fiel es mir schwer, einfach abzuschalten: Dauernd dachte ich darüber nach, welches Lied grad läuft und welche Variante von welchem Orchester es sein könnte. Und bin zweimal aus brennender Neugierde auch zum DJ-Pult gestürmt, um nachzufragen. Läuft wohl irgendwie unter Berufskrankheit...

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Kommentar von Hartmut

ja das sind die ersten Anzeichen der Berufskrankheit ;) Ich habe ca. 10 Jahre DJ für eine Tanzschule gemacht. Während der Zeit war ich so darauf getrimmt ein Musikstück zu kategorisieren (Cha-Cha, Foxtrott, Walzer, Rock'n'Roll,...), das Tempo abzuschätzen (+5% oder -12% auf dem Player) und einzuzählen, dass bei mir eine Zeit lang automatisch bei JEDEM Lied sofort dieses "Einstufungsprogramm" abgelaufen ist. Aber wenn Du damit aufhörst gibt sich das wieder... so nach 5 - 10 Jahren :)

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Wenn die Kamera läuft...

Sonntag, 25. Oktober 2009

Nichtsahnend gehe ich an einem Sonntag Abend mal wieder in die Mitte, nur um am Eingang zu erfahren, dass heute ein Kamerateam des Schweizer Fernsehens Aufnahmen für einen kurzen Feature-Beitrag macht. Ausser mir schienen das aber fast alle Besucher schon vorher gewusst zu haben, und entsprechend kamerageil verhält sich auch so manches Tanzpaar. Schön auch, dass ein extra aus Luzern eingeflogener Tanzlehrer vor der Kamera mal so richtig zeigen kann, wie man auch auf einer vollen Tanzfläche grossräumig tanzen kann. Jedenfalls tat die Kamera generell dem Tanzfluss nicht sonderlich gut. Bin mal auf die Ergebnisse gespannt und werde die nächsten Tage ein Auge auf 10 vor 10 haben.

Dafür habe ich mal wieder manche Tanguera getroffen, die ich schon länger nicht mehr gesehen hatte und einige schöne Tänze genossen. Und leider bei einer Tanzpartnerin völlig vergessen, dass ich bei ihr während des Tanzens eigentlich ein Singverbot habe. Die Welt ist hart. Ach ja, und eine Frau spürte zweifellos meine unsichere Balance und meinte, ich dürfe ruhig "ein wenig forscher" führen. Schwierig, wo ich doch ein Fähnchen im Wind bin...

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Tango Nuevo? Klar!

Freitag, 30. Oktober 2009

Ich brauch dringend zusätzliche Garderobenständer. Und runde Tischtücher. Und tausend andere Kleinigkeiten. Warum gibt es eigentlich noch keine spezialisierten Geschäfte für den Milongabedarf?

An der Türe fragte heute ein Paar, ob ich auch Tango Nuevo spielen würde. "Klar, ich hab beispielsweise eine wunderschöne Piazzolla-Tanda vorbereitet", sagte ich strahlend. Sie grinsten breit, blieben aber dennoch. Wie sagte einst ein weiser Mann: Erst wenn der letzte Schrammeltango verschollen, die letzte Knisteraufnahme gelöscht und alle jammernden Geigen verstummt sind, werdet ihr merken, dass man zu Otros Aires keinen Vals tanzen kann...

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Kommentar von Cassiel

"einst sagte ein weiser Mann: Erst wenn der letzte Schrammeltango verschollen, die letzte Knisteraufnahme gelöscht und alle jammernden Geigen verstummt sind, werdet ihr merken, dass man zu Otros Aires keinen Vals tanzen kann..."

Ich beantrage, diesen Satz in die Sammlung der Tangoweisheiten aufzunehmen... ;-)

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Kommentar von Monika

*hust* - 'wunderschöne Piazolla-Tanda' geht nicht, nicht als Tänzer wenn man Tänzer-Ohren hat. Nix gegen Piazolla, grossartige Musik. Jazz. Pur. Wunderbar!!! Zum hören, nicht zum tanzen.

(Und jetzt steinigt mich. Ich steh dazu. Klar kann man/frau Piazolla tanzen. Man kann alles 'tanzen' was 4/4 oder 2/4 oder 3/4 Takt hat, Tango-gesprochen. Kein Problem Hansi Hinterseer oder Heino oder Fredi Quinn zu 'tanzen'. Oder wen-oder-was-auch-immer. Nur: Tango ist das nicht...)

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Kommentar von Cassiel

Warum solltest Du hier gesteinigt werden? Ich sehe das im Prinzip wie Du. Es stellt sich nur die Frage, wo ist die Grenze?

Sicher! Einen Piazzolla kann man tanzen. Gegen Ende einer Milonga ein "Gespräch auf Beinen" mit einer Tanguera, die sich an meinen komischen Stil gewöhnt hat zu den Klängen von "Oblivion"? Warum nicht. Harmoniert es mit der Tanguera nicht, dann hat man allerdings ein echtes Problem...

Aber gilt das nicht schon für den späten Pugliese? Wo also ziehen wir die Grenze?

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Antwort von Patrick

Gerade bei "Oblivion" ziehe ich übrigens die Variante von Marcucci vor, find ich gerade zum Tanzen fliessender und melodiöser. Natürlich hat Piazzolla viel jazziges geschrieben, womit man auf der Tanzfläche nichts anfangen kann. Aber wie Cassiel schon angedeutet hat müsste man nach diesem Masstab auch Pugliese exkommunizieren. Und eher spiele ich Otros Aires als dass ich Heino schon nur als Cortina verwenden würde.

Wenn ich aus einem Stück dieselbe Sehnsucht wie aus den alten Tangos heraushöre, die Melodie fein und abwechslungsreich ist, die Instrumentierung aus warmer Geige und noch wärmerem Bandoneon besteht, die Tanzpartnerin schon nach den ersten Takten tief seufzt, der Beat nicht das Hauptthema wegdrückt, die Tempowechsel völlig intuitiv, die Riffs nicht monoton, der Rhythmus besänftigend und das Glücksgefühl beim Tanzen stark sind, Teufel, warum soll das kein Tango sein?

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Kommentar von Peter

Hier ne weitere dekorationsidee (orginal in don carlitos Milonga, eppelheim bei heidelberg): alte schwarweiße tangofotos auf 2 meter höhe vergrößern an die wand tapezieren und mit schwarzlicht ausleuchten ...

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Antwort von Patrick

Ja, grosse Poster würden mir auch gefallen. Aber das ist leider ein Mehrzweckraum, der nur am Freitagabend jeweils zur Milonga umfunktioniert wird. Insofern sind da die Möglichkeiten etwas beschränkt.

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Kommentar von Mikamou

"womit man auf der Tanzfläche nichts anfangen kann"

Da müsste wohl stehen: "womit ich auf der Tanzfläche nichts anfangen kann"

Ich kann mit vielem auf der Tanzfläche etwas anfangen, auch wenn Fundis das dann nicht unbedingt Tango nennen. Tom Waits, Annett Louisan gefällig?

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Antwort von Patrick

Ich leg extra für Dich gerne am Freitag mal "Vardarito" von Piazzolla auf, da darfst Du Deine Tanzkünste extensiv zeigen. Aber das Stück dauert 6:37, bitte bring genug Popcorn für die restlichen Milongabesucher mit.

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Kommentar von Daniel

Poster auf LKW-Plane drucken lassen die gibts dann mit praktischen Ösen am Rand zum schnellen auf- und abbauen. Einfach mal beim nächsten Messebauer nachfragen, oder z.B. hier.

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Komplexe Drehungen

Samstag, 31. Oktober 2009

Endlich sind Gery Gluzman und Fernando Lores mal wieder in Zürich, das Thema heute lautet "TangoCOMPLEX - komplexe Figuren in der engen Umarmung". Nun, die Sequenz selbst war relativ simpel: Aus dem gekreuzten System heraus nach links drehen -- teilweise mit einem abgestellten Fuss, teilweise mit einem mitschwebendem Fuss. Der Vorteil von solch kurzen Sequenzen ist, dass sogar ich sie mir merken kann. Der Nachteil: Sowas fein, sauber und dennoch mit etwas Dynamik zu führen ist dennoch schwierig.

Also Fuss kräftig drehen. Oberkörper drehen. Hüfte nicht verdrehen. Und das vier Stunden lang. Fernando hatte uns vorgewarnt: "This workshop will not be easy". Nun, nach viel Probieren liefen die Varianten auch dank einer äusserst geduldigen Tanzpartnerin eigentlich recht gut, auch wenn mir meine Balance noch so manchen Streich spielte. Und bei eleganten Fusswisch-Bewegungen muss ich immer daran denken, dass die Führung dennoch aus dem Oberkörper kommen sollte.

Bei Drehungen weiss ich nie so genau, wie fest ich die Frau mitnehmen darf oder ob ich mit einer offenen Schulter bloss die Richtung andeuten soll und die Frau quasi die Initiative ergreift. Fernando fand, dass man diese Dynamik schlecht erklären könne, warf eine Mandarine in die Luft und fing sie wieder auf: Nach einiger Übung müsse man eben das Gefühl dafür bekommen, genauso, wie die Hand eine fallende Mandarine auffangen könne. Hm, agieren Tanguera wirklich ähnlich vorhersehbar wie die Gravitation? Wir werden sehen. Fazit: Vier Stunden harte Arbeit, viel persönliche Korrektur, und meine Drehung in der geschlossenen Umarmung hat sich deutlich verbessert.

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Frauenprobleme

Mittwoch, 4. November 2009

Mittwochskurs: Rechts die Frau um den Mann herummarschieren lassen, dann an Ort und Stelle ins Kreuz drehen, die Frau in einen Seitenschritt und wieder zurück führen, Sacada, Frau fest eindrehen und... gancho! Ist gar nicht so einfach, sich richtig zu positionieren, damit der Tritt auch wirklich der Kerl hintendran abbekommt. Dafür konnte ich mir die Sequenz relativ rasch merken, was das Training deutlich erleichtert.

Meine Kurspartnerin und ich haben uns vorgenommen, dass wir im Kurs auch Rollenwechsel machen wollen. So lasse ich mich mehr oder weniger locker auch als Frau führen, und gerate regelmässig in Versuchung, etwas vorauszulaufen, weil ich die Bewegung ja schon kenne. Und kämpfe mit meiner Balance. Und grinse, wenn sie grübeln muss, wie die Sequenz weitergeht. Bislang dachte ich immer, sowas passiere nur mir. Dennoch, ich brauch wohl irgendwie einen Frauentechnikkurs, der nicht mit den Worten "nur für Frauen" ausgeschrieben ist...

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Kommentar von Peter

im tango gehts nach meiner auffassung um führen und folgen, die kurse dienen nur dazu sich einen überblick über die möglichkeiten zu verschaffen, wenn das erlernte dann in einer anderen milonga oder einer andern tanzpartnerin (nicht aus dem eigenen kurs oder vom selben lehrer) klappt kann man das in seinen tanzstil einbauen .... klappts nicht... bitte erst die führung überprüfen, eventuell beim lehrer nach der führung fragen. die frauenrolle zu übernehmen halte ich nicht für sinnvoll ...

beispiel: wenn ich einen autounfall verursacht habe setze ich mich doch auch nicht in den wagen des anderen und bitte ihn den unfall nach zustellen damit ich weiß wie sich das anfühlt... die frauen sollten nur die geführten schritten gehen ... und falls keine führung erfolgt einfach warten .....

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Kommentar von Frauenversteher

Peter, du bekommst ein fettes WTF von mir dazu.

1. Du verpasst was, wenn du dich nicht mal führen lässt.

2. Ist es durchaus sinnvoll zu wissen, wie sich Dinge auf der anderen Seite anfühlen. Das betrifft nicht nur den Tango.

3. Führen und Folgen = ist das in diesem Fall ein Synonym für eine Militär-Diktatur?

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Kommentar von Monika

Ach Patrick, um Cassiel zu zitieren: "ich beantrage diese Sätze in den Fundus der Tangoweisheiten aufzunehmen" (nicht wörtlich, sinngemäss):

"und gerate regelmässig in Versuchung, etwas vorauszulaufen, weil ich die Bewegung ja schon kenne. Und kämpfe mit meiner Balance."

Genau. Das grosse Dilemma der Folgenden am Anfang: man kennt den Ablauf und läuft. Ohne Rücksicht darauf, was der Führende tatsächlich führt. - Und was macht eine wirklich gute Folgende aus (nicht dass ich eine wäre, aber ich weiss wo's hingehen soll)? - Warten. Auf die Führung. Und dann selbst und aktiv tanzen. Hmpff. Schwierig schwierig. - Und all die 'guten' Tänzer die sich einer 'Neuen' annehmen und sie betanzen, sie Boleos, Ganchos und was auch immer führen tun ihr damit _überhaupt_ keinen Gefallen. Weil die Folgenden meinen 'ich kann das ja, kann alle Schritte'. Können sie nicht. Weil: ihnen fehlen die grundlegenden Techniken. Warten. Aktiv. - Nur ein Beispiel. - Und verdammt schwer, hast Du ja selbst gerade festgestellt ;-)

"Und grinse, wenn sie grübeln muss, wie die Sequenz weitergeht."

Müssen alle Männer, am Anfang oder bei einer neuen Sequenz. Frauen könnten derweil obengesagtes üben. Und sich selbst damit verbessern... Aber das will ja wieder keiner wissen. Nicht die angesprochenen Frauen, weil die fühlen sich da nie angesprochen, die sind ja Naturtalente. Und nicht die angesprochenen Männer, weil es fühlt sich ja so Gottverdammt gut an mal den Guru spielen zu können und von einer Frau schmachtende oder bewundernde Blicke zu ernten. Dass beide dem Tango damit keinen Gefallen tun ist klar...

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Unterhaltung statt Tanz

Freitag, 6. November 2009

Erwartungsgemäss kleine Runde heute in der Milonga, da gleichzeitig Milonga im Gare du Nord stattfindet. Dafür ist endlich der definitve Suisa-Vertrag eingetroffen: Die Veranstaltung firmiert witzigerweise nicht unter "Tanz", sondern unter "Unterhaltung". Milonga ist Unterhaltung? "Naja, wenn Du tanzt, dann schon", kommentiert eine Tanzpartnerin frech grinsend.

Ich unterdrückte meine Mordlust und genoss ob des vielen Platzes einige schöne Tänze. Und hab mir vorgenommen, künftig schon um ein Uhr nachts aufzuhören: Bis 01.30 Uhr blieb bislang auch bei grossem Besucheraufkommen kaum jemand.

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Milonguero im Salon

Samstag, 7. November 2009

Noelia Hurtado und Pablo Rodriguez gehören zweifellos zu den Stars der tourenden Tangolehrer, daher war ich vor dem Workshop doch ziemlich skeptisch. "Tango salon y Tango milongero, estilos y orquestas" war das Thema, und ausgeschrieben als intermediate/advanced. Todesmutig stürzte ich mich rein.

Viele Erklärungen von Pablo: Weich tanzen, tief tanzen, runde Bewegungen, eng und weit, salon versus milongero, langsame Musik verglichen mit treibender Musik ("don't do this to d'Arienzo!"), gemeinsame Achse gegen geteilte Achse, Ochos halbeng und ganz eng.

Dann zwei Sequenzen, um die Unterschiede deutlich zu machen: Giros im gekreuzten System mit anschliessend eingebautem Ocho cortado und Vorwärtsocho. Keine Hexerei, aber ich brauch immer ewig, bis ich mir den Ablauf schon nur eingeprägt habe, und vor allem bei Vorwärtsochos in der geschlossenen Umarmung fühle ich mich alles andere als sicher.

Interessant allerdings, bei Pablo zu sehen, dass Vorwärtsochos auch funktionieren können, wenn man der Frau dafür kaum Platz gibt -- der weibliche Hüfteinsatz ändert sich einfach entsprechend. Aber dazu müssen wohl beide perfekt in der Achse stehen.

Persönliche Korrektur....ist bei 18 teilnehmenden Paaren auch immer so eine Sache, aber ich hab manches gesehen, woran ich mal in einer Privatstunde genauer arbeiten möchte. Rein von der Unterrichtsdidaktik her fand ich, dass die beiden etwas arg viel Dinge ziemlich unstrukturiert in 90 Minuten gepresst haben. Zugegeben: Den beiden beim Tanzen zuzusehen ist ein Genuss.

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Kommentar von JeanZ

'Ablauf einprägen' gibt es beim Tango nicht, denn es gibt keinen Ablauf. Abläufe (Figuren) gibt es beim Standard und beim Schautanz. Du wurdest vom Tango weggeführt.

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Kommentar von Monika

Du hast völlig recht, Jean, Abläufe gibt es nicht im Tango. Trotzdem müssen Anfänger und Mittelstufe irgendwie die Basics - laufen (sowieso), Abrazo (essential) und ein paar erste Sequenzen wie Cruzado, Amague, Ocho, ... als Sequenzen lernen. So wie die Leute hier (und auch in BsAs) heutzutage ticken. Wo der Lehrer/in die Grenze zieht und dann auf das 'Wahre', die Improvisation, geht, ist ein Riesenthema...

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Antwort von Patrick

An gewissen Sequenzen kann man die Technik zweifellos gut üben, beim Thema "Musikalität" hab ich dann aber auch meine Zweifel. Und wenn schon das Einprägen der Sequenz Ewigkeiten in Anspruch nimmt, dann stellt sich schon die Frage, ob die Sequenz wirklich zum Lernen taugt. Vielleicht sollte ich mal eine Gruppe Argentinier 90 Minuten lang damit quälen, Sätze auf Baseldeutsch nachzusprechen. Selbstverständlich korrigiere ich jeden einzeln. Und kommentiere hinterher, dass sie sich schon noch etwas anstrengen müssten, wenn sie das mal richtig gut können wollen.

Ach ja, gerade eben als Diskussionbeitrag zur Tangodidaktik gefunden:

The first class we did was figure based (8 count basic, etc.) and while the women seemed to enjoy it, half the men quit. So we tried again a year later, this time teaching walking, rhythm, and the smallest fundamental units of tango. Most of the women quit, ALL of the men stayed.

Das habe ich glücklicherweise so pauschal bislang noch nicht erlebt, finde das aber einen interessanten Punkt.

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Kommentar von Joachim

Aussagen wie "and while the women seemed to enjoy it, half the men quit. So we tried again a year later, ... Most of the women quit, ALL of the men stayed." würden deutlich profitieren von der Klarstellung "Wer unterrichtet wen?" Wohl kaum die gleichen Schüler wie vor einem Jahr? Was bedeutet "Quit" in dem Zusammenhang? Haben die Schüler hingeschmissen und sind heimgegangen?

Lehrer haben bevorzugte Methoden, zu unterrichten, Schüler ebenso Methoden für erfolgreiches Lernen. Es hängt also auch davon ab, wie sich die Klasse zusammensetzt, manche Menschen prägen sich leicht Sequenzen ein und tanzen dann mehr oder weniger stark automatisiert, andre brauchen lange, bis sie das Konzept von Aktion und Reaktion verinnerlicht haben, sind dann aber freier in der Gestaltung. Und nicht jeder Weg ist jedem zugänglich - aber wenn man mal versucht, eine Choreographie zu lernen und präzise "abzutanzen", dann weiss man, wieviel Konzentration noch für Ausdruck übrigbleibt, alldieweil das meiste an Gehirnaktivität für das Memorieren des Ablaufs besetzt ist. Übungssache, gewiss, aber eben auch Quellursache steriler Vorführungen.

Es braucht schon beides. Giros und Ochos sind Exerzierübungen - wenns weniger militärisch klingen soll, eben "Exercises" (hört sich dann eher nach "Hausaufgaben" an). Ein eleganter Schritt mit dem linken/rechten Bein ist aber auch eine kleine Exerzierübung. Sollte man nicht vergessen, wenn man behauptet, Tango sei eigentlich nichts andres als natürliches Gehen. Genau das stimmt nicht, "bewusstes" Gehen kommt eher hin. Das ist es ja gerade, was andre schauen lässt: Die Eleganz und auch Manieriertheit der Bewegungen ist nicht "natürlich", gewinnt aber an "Selbstverständlichkeit".

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Poesie mit Wein

Sonntag, 8. November 2009

Bin trotz grauseligstem Regenwetter noch für ein paar Runden in den Tanzpalast gedüst. Viele Paare, ich hab nicht sonderlich viel getanzt. Wilson el Payador improvisiert mit Gitarre, Mütze und Wein. Die Zuhörer können schliesslich Worte in die Runde rufen, die er in seine gesungenen Gedichte einbaut. Auch wenn ihn Worte wie "Riesenrad" doch ein wenig zum Kopfkratzen bringen. Aber nach ein paar weiteren Gläsern Wein klappts auch damit. Poesie ist ein hartes Geschäft.

DJ ist Christian aus Zürich, und er hat diesmal seinen Beamer dabei: Angezeigt wird auf der Wand nicht nur die nächste Tanda, sondern auch jedes einzelne Lied sowie Interpret und Sänger. Praktische Sache. Und er geht via Firewire zum digitalen Mischpult, wo per SPDIF nebst Equalizer noch ein Kompressor eingeschleift ist -- das macht die leisen Töne etwas lauter und glättet die lautesten Stellen etwas. Dagegen ist mein Equipment doch ziemlich vorsintflutlich.

Ach ja, ich hab mit einer Frau während drei Tandas ausschliesslich offen getanzt, und es hat sogar erstaunlich gut funktioniert. Zumindest ab der zweiten Tanda, als sie sich offensichtlich an meine Wackelei gewöhnt hatte. Ich sollte mal wieder meine Rückwärtssacadas üben...

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Kommentar von Elbnymphe

Habe hierzu einen interessanten Thread gefunden. Vielleicht hilft's Dir.

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Kommentar von Tiziano

Mich nimmt da schon Wunder, was der digitale Mischpult, Equalizer und Kompressor für dem Sound objektiv oder subjektiv bringen? Gibt er denn hörbare Unterschiede?

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Kommentar von Joachim

Natürlich gibt es Unterschiede. Das liegt aber vor allem daran, dass Christian ein Klangfanatiker ist, die Gerätschaften selbst sind nur Konsequenz davon. Auch wenn ich seinen Musikgeschmack ganz und gar nicht teile - das Geschepper, das manche DJs ihren Gästen zumuten, kommt bei ihm nie vor.

Risiken von Pannen aufgrund Verkabelungs- oder sonstigen Hardwareproblemen vervielfältigen sich allerdings leider auch mit so einem aufwendigen Setting, aber das ist ein andres Problem. Keep it simple and easy.

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Antwort von Patrick

Jeder Tango-DJ kennt vermutlich das Problem, dass gerade am Anfang eines Stückes die leisen Töne im Geplappere untergehen. Diese starken Dynamikunterschiede kann man durch Normalisieren etwas dämpfen, wobei ich das lieber vorher am Rechner mache. Damit erspart man sich auch Herzanfälle auf der Tanzfläche, wenn an einer Stelle im Lied die Lautstärke plötzlich massiv ansteigt. Und ja, auch ein Equalizer ist eine feine Sache, um die Probleme bestimmter Räume zumindest teilweise auszugleichen. Aber wer sowas einsetzt, der sollte wissen, was er tut, sonst klingt es noch grauseliger.

Ich erinnere mich an frühere Zeiten (als Alphaville und A-ha noch in den Charts waren und ich jung und unschuldig), da wollten die Leute immer eine schicke Sinuskurve auf dem Equalizer sehen. An Discos stellte ich das Ding gelegentlich mit Aussicht auf das Partyvolk hin, steckte es ein (jeder Fader hatte eine rote Leuchtdiode), modellierte eine entsprechende Kurve, und wenn gelegentlich der Veranstalter daran herumfummelte ("so klingt es etwas besser!"), dann hab ich gütig gelächelt. Die wussten ja alle nicht, dass ich das das Signal vom Mischpult direkt in die Endstufe geschickt habe und das Ding bloss zur Zierde dastand. Musikwahrnehmung besteht halt auch aus viel Konstruktivismus.

Was die Pannenanfälligkeit angeht: Meiner Wahrnehmung nach bestehen Musikabbrüche an Milongas (dabei setzen wir mal voraus, dass alle Soundkartentreiber sauber installiert sind) zu 99 Prozent aus einem ungeschickten Mausklick. Mischpult und Endstufe braucht es eh immer, ob die jetzt digital oder analog dran hängen, ist wohl eher wurst. Allerdings staune ich regelmässig über Leute, die noch mit CDs auflegen: Früher oder später kommen immer Lesefehler, und das Jonglieren verlangt permanente Aufmerksamkeit (wie früher die Singles auf den Plattentellern) -- selber Tanzen oder schon nur ein Toilettengang wird zum Stress. Ausser natürlich, man lässt mehrere Lieder einer CD gleich nacheinander durchlaufen. Aber spannend ist das ja nicht.

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Kommentar von Joachim

Tanzende DJs sehen viele andre Tango DJs gern ausserhalb der Milonga, in deren Wohnzimmer für sich tanzen. Ein oft oder dauernd tanzender DJ bedeutet i.d.R.:

Vorgefertigte Playlist, vorhersehbar und langweilig, da absolut unspontan. Warum nicht gleich einen Sampler brennen und abspielen? Klanglich durchschnittlicher Sound, da die Raumcharakteristik vielleicht bei Dir konstant bleibt (auch das bezweifle ich je nach Besucherzahl), aber einzelne Stücke aus der Reihe tanzen. "Die legt man dann halt nicht auf" - gut, das führt wieder zum langweiligen Abendprogramm. Keine Musikwünsche möglich, das Korsett ist ja bereits geschnürt, egal wem's wie passt. Die zwei DJs, die ich kenne und noch mit CDs auflegen, weil sie a) den Sound besser finden und b) sich besser damit auskennen, arbeiten konzentriert an einer guten Musikgestaltung und düsen nicht auf der Tanzpiste rum, sind erfahren genug, um die Tänzer zu beobachten und ihr Programm nach den Besuchern zu richten.

Ein durchweg tanzender DJ hat keinen Respekt vor den Besuchern, denn das Radioprogramm ist schon fertig, sie müssen nur weghören, was auf den Tisch kommt. Zuviel Beispiele bestätigen dieses Pauschalurteil. Er nimmt sich auch selbst den Spass, sich von der empfundenen und von den Besuchern mitgebrachten Stimmung treiben zu lassen. Er legt ausserdem den Schluss nahe, dass er seine Musik so wenig kennt und sein Equipment für so unzuverlässig hält, dass es leider nur zur Wiedergabe einer Playlist taugt.

Wobei es bei Frauenüberschuss und sehr wenig Männern immerhin eine gastfreundliche Geste ist. Aber da sind dann auch so wenig Leute da, dass ohnehin kaum eine raffiniert im Moment komponierte Musikzusammenstellung den Abend rettet. Hauptsache, man hockt nicht nur rum an so einer Frustmilonga.

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Antwort von Patrick

Vor wenigen Wochen an einem Festival habe ich (und andere) eine DJane beobachtet, die praktisch pausenlos am Tanzen war. Vermutlich hat sie ihre 20-30 Standard-Playlists, die sie abwechselt, so fällt es wohl niemandem auf. Ich frage mich dann nur, ob ihr sowas noch Spass macht.

Ich bereite allerdings auch für jeden Freitag eine Playlist vor und notiere mir zusätzlich auf einem herkömmlichen Zettel die geplante Struktur des Abends. Aber schon am ersten Abend habe ich Tandas gekürzt, am zweiten Abend begann ich damit, Tandas zu tauschen, Milongas vorzuziehen, gewisse Orchester nach hinten zu verschieben oder ganz rauszuwerfen. Daher finde ich Playlists ein hilfreiches Werkzeug. Mit 16 habe ich noch mit Singles jongliert und selbst zehn Sekunden vor Liedende nicht so recht gewusst, was ich als nächstes spielen soll. Bei Pop kann man das machen, aber beim Tango wäre mir das derzeit zuviel Stress.

Frauenüberschuss? Hier in Basel? ;-)

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Kommentar von Joachim

Der Ruf der Dame aus Heidelberg, die in Carombe also offenbar mehreren Leuten aufgefallen war, drang sogar schon hierher. Aber in welchem Zusammenhang steht das mit DJen? Die DJs dort waren, soweit ich weiss, nicht bezahlt. Da ist eben die Versuchung drin, Autopilot oder Randomplay oder die Playlist von was weiß ich wann spielen zu lassen und tanzen zu gehen. Für umsonst UND selber bezahlte Fahrtkosten aufzulegen, käme für mich nur unter ganz besonderen Umständen in Betracht.

Und wenn Du schon schlechte Beispiele nennst, warum dann als Gegenpol nicht auch die DJane zwei Tage später, die sich eher die Zehen abgefroren hätte als vom Platz zu gehen, um sich Socken zu holen?

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Antwort von Patrick

Äh, nein, ich sprach von Volgelsheim. Socken waren dort nicht das Problem, glaube ich.

Andererseits nimmt man als DJ die Tanzenden auch anders wahr, wenn man gelegentlich mittanzt. Entzückungsbekundungen oder Augenverdreher beim Starten eines Liedes sind ja meistens subtil, kurze Bemerkungen zwischen den Liedern ebenso. Und Tanzfluss sehen sowie Tanzfluss erleben sind auch zwei Paar Schuhe. Daher würde ich mal sagen: Dauertanzen ist peinlich, hinterm Pult verstecken ebenso.

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Aua!

Mittwoch, 11. November 2009

Ich bin eine Mimose. Angeblich. Und das nur, weil ich nach einer Gancho-Demonstration von Cécile und Romeo kleinlaut gefragt habe, ob sowas nicht weh tue. Und weil meine Tanzpartnerin ihren Oberschenkel mehrmals rückwärts in meinen gerammt hatte. Und eine Salsa-Partnerin am Dienstag beim Aushelfen meine Nase, meine Brust und meinen Fuss getroffen hat. Ich glaub, sowas nennt man "Hochrisiko-Sportart". Ich hab mental gar keine Reserven mehr, um Angst vor der Schweinegrippe zu haben.

Apropos Gancho: Eigentlich gar keine Hexerei, die Frau richtig zu drehen, so dass sie in der Ausgangsposition für eine Frauen-Rückwärtssacada steht. Aber dennoch ungewohnt, zumal ich dafür ja die Milonguero-Umarmung aufgeben muss -- immerhin fehlt uns noch die Weiterbildung zum Schlangenmenschen...

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Kommentar von Besucherin

Seeehr gelacht! Böse, ich weiß. Aber was hilfst du auch bei Salsa aus - Tango ist deutlich wenig verletzungsintensiv (die Milonguero-Variante jedenfalls) ;-)

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Gravitations-Kollisionen

Freitag, 13. November 2009

Freitagsmilonga. Heute eher übersichtlich, und die letzte Tanda durften wir als einzelnes Paar gar kreuz und quer durch den gesamten Raum geniessen. Dabei hab ich mal wieder so verträumt getanzt, dass ich prompt in einem Lautsprecher gelandet bin. Glücklicherweise nur sanft und ohne Folgen (Stammleser mögen sich an das Kerzenständer-Paradoxon erinnern), aber irgendwie doch peinlich. Fazit: Zuviel Platz ist schlecht. Hängt irgendwie mit Materie und der Gravitation zusammen.

Dann hab ich mir noch einen kurzen Reisebericht aus Istanbul angehört, dort war am vergangenen Wochenende offenbar ein kleines Tangofestival. Ausserdem über 20 Grad Aussentemperatur im November....ich muss da wirklich mal hin.

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Bock auf Frauen?

Mittwoch, 18. November 2009

Mittwochskurs: Wieder Kombinationen, bei der die Frau anschliessend kräftig eindreht und rückwärts tritt -- allerdings aus einer Bewegung mit Vorwärtsochos heraus. Ich weiss jetzt, warum ich Vorwärtsochos an Milongas so selten führe: In der geschlossenen Umarmung gelingen sie deutlich leichter, wenn der Führende dabei leicht rückwärts geht, und das ist bekanntlich nicht immer sozialverträglich. Muss unbedingt rausfinden, ob man sowas auch fliessend vorwärts führen kann.

Apropos sozialverträglich: Neulich im Netz bei den Tangoinseraten gefunden:

Bin selbst 45 Jahre, 163 cm, 58 kg, Sternzeichen Steinbock, dunkelhaarig...

Und dann ein paar Tage später eine Antwort:

Ich tanze schon eine Weile, bin Krebs mit Steinbockerfahrung :-)

Schön gesagt. Ich selbst hab immerhin Erfahrung mit dunkelhaarigen Frauen.

Der hier war aber auch gut:

Madame, lass die Spielchen, mach einfach mit. [...] Ich optisch: An der letzten WG-Party meines schwulen Freundes wollten 4 meine Nummer.

Ja, im Männer-Dampfbad finden die mich auch immer ganz toll. Beeindruckt Frauen aber nicht...

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Kommentar von Harmut

Hallo Patrick, bist Du krank, ist dein BLOG eingeschlafen oder hast du die Guru Stufe schon erreicht? ;)

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Antwort von Patrick

Guru? Nicht ganz. Bloss zuviel Arbeit...

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Kopflastiger Tango

Mittwoch, 25. November 2009

Mittwochskurs. Eigentlich weiss ich, dass der Kopf immer gerade bleiben soll. Nur mein Kopf weiss das offenbar noch nicht. Und gerade offen oder auch halboffen bewegt er sich immer seltsam hin und her, was meine Tanzpartnerin zum Grinsen bringt. "Schau doch einfach mal auf meine Nasenspitze", schlug sie heute vor. Nun, ich hielt den Kopf tatsächlich ruhiger, schaute aber dabei wie das berühmte Kaninchen vor der Schlange gebannt auf ihre hübsche Nase, und das brachte sie schliesslich noch mehr zum Lachen. Gut, ich hätte dabei möglicherweise nicht auch noch Schielen sollen. Immerhin haben wir kräftig geübt, nun klappen die Frauensacadas deutlich besser als vorher. Auch mit Kopf.

Zu später Stunde in kleiner Runde dann noch eine Diskussion über die gegenseitige Beeinflussung von Musik und Tanz. Wäre ich polemisch, könnte ich behaupten, dass es die Schuld der Tänzer sei, dass es Otros Aires gibt. Da ich aber nie(tm) polemisiere, sage ich nur, dass diejenigen daran schuld sind, die dazu tanzen...

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Kommentar von Hartmut

deine Tiraden gegen Otros Aires haben etwas Fundamentalistisches. Ich denke eher, dass viele Musiker einfach auf der Suche nach Neuem sind. Dabei geht es nicht umbedingt um uns TänzerInnen, sondern um ihre Lust am ausprobieren, mischen, neues kreieren.

Oder in Abwandlung zu deiner Aussage - "wenn wir darauf tanzen sind wir selber schuld". Ich nehme mir jedenfalls die Freiheit heraus, auf ein Lied, dass ich - jetzt - nicht mag, auch nicht zu tanzen... oder umgekehrt. Dann wäre auf jeden Fall mehr Platz auf der Tanzfläche ;)

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Antwort von Patrick

Ich sag doch die ganze Zeit, Otros Aires taugt nicht zum Tangotanzen, und wenn ich Discofox tanzen möchte, dann lieber zu Bad Boys Blue. Was ist daran fundamentalistisch? Du deutest ja selber an, dass manche Bands offenbar keineswegs an die Tänzer denken.

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Kommentar von Lina

Also ich finde dass electrotango sowieso kein Tango ist, es ist einfach popmusik mit Bandoneon. Wobei es noch weeeeeesentlich schlimmeres gibt als otros aires.... aber mit Abstand!!!!!

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Kommentar von Monika

Stimmt, Lina. Otros Aires sind ganz prima um das Auto mit 200 Sachen über (deutsche) Autobahnen zu blasen ;-)

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Kommentar von Mikamou

Ich möchte doch mal fragen ... was denkt ihr wohin kann eine Diskussion "Ist Tango oder ist nicht Tango" führen ... für mich macht die schlicht keinen Sinn. Wenn ihr eine Antwort gefunden habt, wisst ihr dann welche Musik euch gefällt, ob ihr dazu tanzen möchtet, ob es euch inspiriert? Tanzt nicht, wenn euch die Musik nicht gefällt. All diese Fundidiskussionen scheinen mir müßig!

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Kommentar von Monika

Du hast ja recht, Mikamou, ein Stück weit ist diese Diskussion müssig, weil eh (fast) jeder seine fertige Meinung hat und kaum 2 Tänzer da 100% übereinstimmen.

Was ich wirklich sehr schätzen würde - ich gehe öfter mal in fremden Städten tanzen, kenne also dann die örtlichen Milongas nicht oder nur vom hörensagen: wenn die Milongabetreiber angeben würden wie sich die Musik zusammensetzt, also wieviel Prozent (ungefähr natürlich) klassische, moderne, Neo-, Non-, Elektro- oder sonstige Tangos gespielt werden (dass da ein Unschärfe-Bereich ist im Sinne von was gehört noch in diese oder schon in die andere Kategorie ist mir klar). Ungefähr so wie das in der Tangodanza seit einiger Zeit gemacht wird. Fast noch wichtiger: man sollte sich darauf verlassen können! Denn wenn ich 'Fundi' in eine Milonga gehe die als 'klassisch mit 10% anderem' angekündigt wird, und dann laufen über 50% 'anderes' ist mir der Abend verdorben. Und meine schlechte Laune und mein Gemotze über die Musik verdirbt auch anderen die Laune...

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Kommentar von Hartmut

Womir wir wieder am Anfang wären: Was ist klassisch?? Gibt es irgendwo eine Definition/Trackliste/Orchesterliste/Komponistenliste? Oder ist es Bauchgefühl und der eine findets gut, der andere nörgelt??? Dann kannst du das nämlich grad wieder vergessen, denn in BA ist der Begriff klassisch sicher anders definiert als in Berlin, Moskau oder Tokio - um nur ein paar ausgefallene Beispiele zu nennen.

Also eigentlich habe ich nur zwei Definitionen: gefällt mir und gefällt mir nicht. Diese Einschätzung ist zu 100% subjektiv, Persönlich und ändert sich mit meiner Stimmung (eventuell sogar im Laufe des Abends - je nach Tänzerin. Alles andere ist gugus.... :)

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Kommentar von Monika

Na gut, ich kann's auch anders definieren, und ich glaube diese Definition trifft schon einigermassen: klassisch sind Aufnahmen zwischen 1920 und 1950. Ungefähr. Ob man die De Angelis mit Larroca (ca. 1952) da auch mit reinnimmt, und ob Piazzolla ab 1948 da auch reingehört ist für mich besagte Unschärfe.

Und ja, schlussendlich ist es immer 'gefällt mir' oder eben 'gefällt mir nicht'. Da ich aber weiss dass ich mit 6-Minuten-Elektroloops genau garnix anfangen kann und die nun mal frühestens 1980 entstanden sind (wenn man mal Kraftwerk als Anfang der elektronischen Musik annimmt) wäre eine Präzision der Milonga-Betreiber welcher Art die Musik ist die grösstenteils aufgelegt wird schon hilfreich. Wie sich das dann nennt ist ja wurscht.

ach ja, kontemporäre Orchester die sich an alte Arrangements halten, wie Sans Souci, Gente de Tango u.ä. gehören natürlich in die Kategorie 'klassisch'

Sexteto Milonguero hält sich sehr strikt an alte Arrangements, und man kann hören welche Aufnahme sie als Vorbild genommen haben, sie sind aber nicht auf ein einziges Orchester fixiert wie die beiden obengenannten. Live sind sie aber ungeheuer rockig, und auf die neue CD und den Weg den sie einschlagen bin ich sehr gespannt. Fällt in Unschärfe? ...

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Kommentar von Joachim

Nun ja, manche Leute sind zwar so schlicht gestrickt, dass die Zeitspanne der Musik schon die Aussage "gut" oder "schlecht" rechtfertigt, aber da entstehen schnell Irrtümer. Ich denke, die Hörgewohnheiten und -vorlieben ändern sich in einem Tangoleben und bleiben nicht konstant, egal, wie lange man tanzt. Es kristallisiert sich zwar heraus, was man als Qualität und was man als Schrott empfindet, aber wenn ein Veranstalter glaubt, ein bestimmte Ära sei Garant für gute Musik, muss ich entgegenhalten, dass ich schon massenweise miserable Tangos aus der Goldenen Ära auf Milongas hörte, die absolut entbehrlich waren (sowohl die Tangos als letzten Endes dann auch die Milonga : ) ) Oder eben immer die gleichen Hits durch die Mühle gedreht werden, aus Angst, man könnte ein Risiko eingehen.

Richtig Mühe machen lohnt sich für DJs eigentlich kaum, die meisten Leute können nicht mal Pugliese von Pugliese unterscheiden - insofern sind subtile Spielereien mit Aufnahmejahren oder einer anders stehenden Geige im Grunde eher Selbstbefriedigung des DJs (gut, dann ist ja immerhin einer zufrieden :D ) Das wird im schlimmsten Fall zum "Druus-chummer" Etikett persifliert.

Aber auch unbewusste Hörer und Tänzer profitieren von der guten Laune, die bewusste und sensible Hörer tanzenderweise erzeugen, wenn ihnen das richtige Futter zuteil wird - und das ist eben kein trockenes Heu von 1941 (wiewohl ein guter Jahrgang) sondern auch mal saftiges Gras vom letzten Sommer oder ein Ballen, der in der Ecke reifen durfte/musste und an dem noch nicht jeder Esel gerupft hat.

Ob Einfaltspinsel Patrick nun seine Otros Aires-Allergie pflegt oder nicht, stört im Grunde keinen - ausser, man mag die Gruppe dermassen, dass sie immer dabei sein muss. Wer allerdings sich schon mit einem seltsamen Geschmack outet, was eben dieses Otros Aires angeht, wirft den Verdacht auf, auch bei andrer feiner Musik mit Taubheit geschlagen zu sein. Eigenartigerweise reagieren sehr viele Tänzer (sind sicher alles verklemmte Discofox-Adepten, die sich nur nicht trauen, mal anständig mit dem Arsch zu wackeln) ausgesprochen positiv auf Otros Aires - das findet aber nur heraus, wer die Gruppe auch auflegt.

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Antwort von Patrick

Einfaltspinsel? "Seid klug wie die Schlangen und einfältig wie die Tauben", steht schon im Matthäusevangelium. Ich glaub, das war noch vor Otros. Aber wenn die Gruppe mal ein tanzbares Lied rausbringt, bei dem nicht schon nach 20 Sekunden der Beat jegliche Melodie erschlägt, dann leg ichs gerne mal auf. Bis dahin geniesse ich es auf Zugfahrten via MP3-Player -- zusammen mit Tanghetto und den Backstreet Boys.

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Die Kurse, die Frauen und das Timing

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Eigentlich gibt es viele Frauen, die einen Partner für einen Tangokurs suchen -- gerade für einen Mittelstufenkurs. Angeblich. Ich weiss allerdings noch, wie ich im Sommer recht lange habe Ausschau halten müssen. Mein Inserat damals:

Du hast Lust auf einen Mittwochabend-Mittelstufenkurs (21.00 Uhr) nach den Sommerferien bei Cécile und Romeo, liebst die geschlossene Umarmung im Milonguero-Stil, findest Musikalität wichtiger als viele grossräumige Figuren? Ausserdem tanzt Du auf einer Milonga gerne mit verschiedenen Männern und bist so um die 1.70 (+x) gross? Du erträgst gelegentliches Flirten langmütig und hegst keine Heiratsabsichten? Dein Ironiedetektor funktioniert einwandfrei?

Ich (38/180+3, BMI 20, Haarlänge 3mm) tanze intensiv Tango seit Ostern 2007, führe sanft (und nicht mit den Armen), halte beim Tanzen die Klappe, tauche gerne in der Musik ab und finde Otros Aires schlimmer als Modern Talking. Angebissen? Lass uns doch auf einer Milonga unkompliziert ein paar Runden drehen. Bitte keine Fotos, reale Menschen beim Tanzen finde ich spannender.

Nun, die ersten Wochen gab es kaum Reaktionen. Oki, dachte ich mir, war wohl doch irgendwie zu frech formuliert. Oder einfach schlechtes Timing. Zwei Frauen meldeten sich, die zwar am Kurs kein Interesse hatten, aber dennoch mal ausprobieren wollten, wer denn solch ein "cooles" Inserat schalte. Waren witzige Treffen, lösten aber natürlich mein "Kursproblem" nicht. Und dann, zehn Tage vor Kursbeginn ging es plötzlich los, Interesse förmlich aus allen Ecken. Torschlusspanik? Leider konnte ich mich nicht siebenteilen...

Ich schreibe das, weil schon mehrere Frauen angedeutet haben, dass sie zumindest den Eindruck haben, sie würden in einem herkömmlichen Tangokurs kaum profitieren: Es ginge meistens um den Mann, um die Führung, selten um die Möglichkeiten der Frauen -- das würde zumindest erklären, weshalb so manche Frau recht lange abwägt, ob sie wirklich in einen Kurs einsteigen möchte.

Heute jedenfalls im Mittwochskurs gab es viel Futter für die Rolle der Folgenden: Vorwärtsgehen, Vorwärtsochos, Frauensacadas. Da ich das auch selbst immer wieder ausprobiere: Die Technik des Folgens scheint mir tatsächlich einfacher zugänglich als die Technik des Führens, hat dafür deutlich mehr mit Fühlen, Warten, Aufmerksamkeit und Körperspannung zu tun. Und da insbesondere eine Sacada ja lediglich ein Schritt mit gutem Timing ist, habe ich mich neulich gefragt, was eine Frau eigentlich tun kann, wenn ein Mann völlig neben der Musik tanzt. Irgendwie eine grauslige Vorstellung.

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Kommentar von Mikamou

Bei dem Inserat hat wohl nicht der Ironie- sondern der Geekdetektor Alarm geschlagen.

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Antwort von Patrick

Geek? Isch 'abe doch gar nichts von Nintendo, Linux, Modellhelikoptern, Mittelformatkameras, Musikvorlieben und Schlafgewohnheiten geschrieben...

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Kommentar von Monika

ich hab's damals entdeckt und fand es klasse, und wenn ich nicht einen festen Partner für Kurse hätte hätt' ich mich sicher gemeldet.

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Kommentar von Elbnymphe

Ich tanze öfter mit einem Mann, den ich sympathisch finde und dessen Art zu führen mir auch gefällt - leider besitzt er keinerlei Rhythmusgefühl (er weiß auch darum). Ich zermartere mir schon lange das Hirn, wie man daran arbeiten könnte, ohne ihm zu nahe zu treten. Manchmal ist es frustrierend. Aber ich mag ihn eben.

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Kommentar von Monika

@Elbnymphe: wenn er aber doch darum weiss und ihr gerne miteinander tanzt kann frau doch lächelnd darauf hinweisen, oder? Mal einen Scherz darüber machen? (Und was gegen 'kein-Rythmus-Gefühl' hilft ist klatschen. Ohne Witz. Biagi oder ähnlich Beat-starke Orchester, zum anfangen. Kann man zuhause machen - da hörts auch keiner wenn's am Anfang grauslich daneben ist. Ist nämlich reine Übungssache, unmusikalische Menschen gibt es nicht, nur ungeübte)

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Das Timing der Geschlechter

Freitag, 4. Dezember 2009

Viel Betrieb heute in der Freitagsmilonga, was mich wirklich gefreut hat. Zumal die letzten Wochen der Andrang eher mager war. Aber eben, neue Milongas brauchen Geduld. Allerdings gab es vor drei Wochen deutlich zuviele Männer, vor zwei Wochen viel zu viele Männer, vor einer Woche etwas zu wenig Männer und heute deutlich zu wenig Männer. Wobei ich so immerhin gerne mal mein sicheres DJ-Pult verlassen, bei Frauenmangel hingegen nichts aus dem Hut zaubern kann.

Neuer Anreiserekord heute: 900 Kilometer. Vielleicht sollte ich im Easyjet-Bordmagazin Werbung schalten. Und dann grüble ich auch öfters darüber nach, ob ich mir mit meinem Musikmix langfristig eine Stammkundschaft aufbauen kann. "Mach Dir keine Sorgen. Du führst sehr fein, und Du legst feine Musik auf. Passt doch!", meinte neulich eine Tanzpartnerin. Wir werden sehen...

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Auge um Auge, Ohr um Ohr.

Sonntag, 6. Dezember 2009

Viel Volk zur Abendmilonga im Tanzpalast, mental geht ein Grossteil meiner Aufmerksamkeit fürs Navigieren drauf. So ein Tango-Navigationsgerät wäre vielleicht hilfreich: "Vorsicht, jetzt nach links ausweichen!" Statt TomTom hiesse das Gerät dann wohl GiroRo. Von einer Tanzrichtung oder gar Tanzspuren jedenfalls war leider nichts zu spüren. Dumm auch, wenn von vier Lautsprechern nur einer funktioniert und dieser daher die Leistung für die ganzen 400 Quadratmeter bringen muss. Als ich nach Hause ging, taten mir jedenfalls die Ohren weh.

Dafür hat Christian immer die Vorschau auf die nächste Tanda an die Wand gebeamt, was ich äusserst hilfreich fände. Konjunktiv deshalb, weil ich das Zeugs ohne Brille nicht lesen kann. Also rechtzeitig am Aussenkreis in Position bringen, drehen, Tanzpartnerin einen Blick darauf erheischen lassen. "Ich glaube, da stand Piaggi", meinte sie unsicher. "Wohl eher Biagi", grinse ich selbstbewusst, während wir weiter im Tanzwildbach treiben. "Klugscheisser", murmelt sie grummelig ins Ohr. "Nein, viel schlimmer: DJ", besänftige ich sie wieder. "Neulich an einem Freitag hab ich wunderschöne Stücke von Pizzaiolo gespielt", erwähne ich am Ende der Tanda beiläufig. Sie holt kräftig aus. Jetzt tun nicht nur die Ohren, sondern auch der Hintern weh...

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Wo kein Feuer ist, da ist meist viel Luft.

Freitag, 11. Dezember 2009

Ich weiss, die Schlagzeile klingt arg philosophisch. Eigentlich weisen ja Kerzen den Weg zu meiner Milonga. Heute wollte ich neue Lichter testen, doch der Luftzug war so stark, dass selbst die altgedienten Grabbeigaben sofort wieder ausgeblasen wurden. Und so mussten die Besucher heute dann ohne Erleuchtung den Weg finden.

Taten sie glücklicherweise dennoch, trotz Grippesaison und gleichzeitigem Gare du Nord kam eine schöne Runde zusammen. Geschlechterverhältnis beinahe ausgeglichen. Und in den zwei Monaten meiner DJ-Karriere habe ich etwas gelernt: Eine Milonga-Tanda mit Canaro kann eigentlich gar nie schief gehen.

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Milonga - ein weiter Weg

Samstag, 12. Dezember 2009

Milongaworkshop mit Cecilia Berra und Özgür Demir. Verdoppelungen sowie rasche Gewichtswechsel mit Vor- und Rückwärtsschritten. Und als Plus noch kleine Spielereien, bei denen der Mann stehenbleibt und die Schritte der Frau durch reine Gedankenkraft führt. Oder so ähnlich. Jedenfalls schaffe ich es noch immer nicht, schnelle Vor- und Rückwärtsschritte mit einem Gewichtswechsel bei der Frau sauber zu führen. Dafür bin ich auch von Cecilia positiv überrascht: Sie korrigiert nicht nur selbstbewusst, sondern illustriert auch mit ihrer Körpersprache die Punkte sehr deutlich, so dass ich ihre reichlich spanischen Anmerkungen verstehe. Grinsend merkt sie an, dass Tango nicht Salsa sei. Ja, ich weiss. Aber meine Hüften wissen das noch nicht.

Am Sonntag werden die beiden im Tanzpalast vortanzen, da bin ich mal sehr gespannt. Passende Grösse, passender Tanzstil, passender Humor. Und in fünf Jahren vermutlich Superstars...

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Unterhaltender Tango

Sonntag, 13. Dezember 2009

Irgendwie bin ich cortina-süchtig geworden. Jedenfalls gibts heute im Tanzpalast keine, und mir fehlt was. Und tanze daher etwas verwirrt durch die Gegend auf der Suche nach argentinischen Gardinen.

Dafür lassen es Cecilia und Özgür ziemlich krachen. Erst ein braver Tango, dann ein wilder Tango, dann eine durchgeknallte Milonga und als Zugabe ein...äh...etwas unkonventioneller Vals. Ich beneide die beiden sowohl um ihre Tanz- wie auch um die Unterhaltungskünste. Muss dringend an meinem eigenen Besentanz-Showprogramm arbeiten.

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Mund statt Nase

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Letzter Mittwochskurs vor den Weihnachtsferien: Ausgelassene Stimmung, und wir lernen von Cécile und Romeo, dass bei einer richtigen Pose im Tango die Frau dem Mann sehnsüchtig auf den Mund schauen muss. Verblüffend. Ich wusste doch, ich hatte bisher mit meiner Fixierung auf Nasen immer was falsch gemacht...

Ach ja, und ich habe vernommen, dass sich nächsten Mittwoch (also am 23.12.) um 17.30 Uhr ein Kurzbesuch im Foyer des Theaters speziell für Tangofans lohnen soll. Sollte knapp reichen, wenn man rechtzeitig von der Nachmittagsmilonga im Clarahof aufbricht...

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Chicho und die späte Reue

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Chicho Frumboli ist der König der Vol- und Colgadas, der Akrobat der Neotänzer, der Superstar der jungen Tangoszene. Für selbstkritische Betrachtungen war er bislang hingegen nicht sonderlich bekannt, eher für seine Launen und einen saftigen Verschleiss an Tanzpartnerinnen. Und nun, siehe da, in der El Tangauta geht er mit der Gymnastik-Generation hart ins Gericht:

I learnt with the last great milongueros, I took the information directly from them. Those who are starting to dance don't have this experience, they learn instead from an intermediate generation that i am a part of; we are a nexus between these old dancers and those who are younger. The problem is that we missed something in the teaching, I take total responsibility, and other colleagues should do so as well.

Erinnert mich ein wenig an die Fernsehprediger, die sich für ihre Fehler entschuldigen, wenn es grad politisch angebracht erscheint. Und danach genauso weitermachen wie bisher. Äh, über welche Themen gingen noch gleich seine Workshops vor wenigen Wochen in Freiburg? Und dann:

You see a couple circling and the next one behind them is doing the same thing, and the rest as well. There isn't anything that attracts me, which excites me.

Dass viele Paare nicht zur Musik tanzen ist ja nun nichts sonderlich Neues. Dass Chicho dies nun erst letzte Woche aufgefallen ist...erstaunlich. Und wenn er im Interview darüber klagt, dass die Paare auf der Piste nicht wirklich durch eine tiefe Umarmung miteinander verbunden sind -- nun, vielleicht besucht er innerhalb seines Hofstaates einfach die falschen Milongas? Mal sehen. Vielleicht beerdigen die Chichos, Danas und Gustavos dieser Welt ja endlich mal ihre Sequenznachtanz-Massenworkshops, denn ohne persönliche Korrektur können ja nur Schritte vermittelt werden. Im Interview ist zu lesen, wie er von einer Umarmung zu Beginn des Tanzes tief berührt war. An einem Deiner nächsten Workshops vermittelst Du bestimmt etwas davon, oder, Chicho?

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Kommentar von Cassiel

Es ist (wie immer) eine Freude Deinen Blogeintrag zu lesen. Wie elegant Du formulierst... und zum Schluß gibt es immer einen Glanzpunkt.

Selbstkritische Tangolehrer? Hmmm... Dann gibt es ja nun doch noch Hoffnung. ;-)

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Weihnachten mit Milonga und Züge ohne Tangueras

Samstag, 19. Dezember 2009

Kurzausflug nach Saarbrücken: Weihnachtsmilonga von Melina und Detlef im Bootshaus. Die Boote hängen unten in den Seilen, im oberen Stock dient die Clubwirtschaft den Tänzern. Schöner Saal, angenehmer Boden, gute Schokoladenversorgung, extrem hoher Anteil an Knistertangos. Und ich staune, wieviele Leute ich vom Amigo-Festivalito im September noch kenne.

Diesmal sind auch einige Leute aus Saarbrücken dabei. Wobei es irgendwie witzig ist, wie rasch man den harten Fanblock des Tangokombinats von den "Normalsterblichen" unterscheiden kann. Der Tanzfluss ist nämlich auch bei dichter Piste sehr angenehm, bloss einige wenige Auffällige rennen kreuz und quer durchs Rechteck.

Knapper war der Platz dafür im TGV, auf deutschen Binnenstrecken sind diese Züge von der Kapazität her etwas....unterdimensioniert, und ich rede hier übrigens von Stehplätzen. Wer sich schon immer gefragt hat, warum die SBB sich weigerten, die Neige-ICEs Stuttgart-Zürich via Flughafen zu führen, der darf auf der Strecke Saarbrücken-Mannheim gerne Anschauungsunterricht nehmen. Platzchaos im Zug wirkt übrigens immer erstaunlich kommunikativ, leider waren das alles keine Tangueras (Mann spekuliert ja schliesslich noch immer auf ein Bettsofa in Paris). Aber wenn ich mich künftig mal an einer vollgedrängten Milonga ärgern sollte, werde ich mich mit folgender Weisheit abregen: Im Vergleich zum TGV ist das hier doch harmlos. Und die Tanguera-Dichte ist an Milongas auch viel höher als in Zügen...

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Kommentar von Monika

dumme Frage: was sind "Knistertangos"?

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Antwort von Patrick

Diejenigen, die so klingen, als würde man mit einem Mittelwellenempfänger im Jahr 1930 zuhören...

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Kommentar von Hartmut

Patrick, Du musst das heutzutage jemandem erklären, der nach der Schallplatten-Ära grossgeworden ist.... ;) Also dieses Knistern entsteht bei alten Schallplatten (diese schwarzen runden flachen Dinger, die manche DJs verwenden um zu - schluck - scratchen...) wenn Staub, Kratzer auf der Oberfläche oder ein schlechter Tonabnehmer (analog, manuel) die Spur nicht sauber ausliest, sondern falsche Signale liefert. Es ist inzwischen ein Markenzeichen "alter, autentischer" Aufnahmen geworden, aus einer Zeit die vor der Erfindung der CD,DVD und MP3 liegt (ja davor gab es etwas...). Inzwischen gehen sogar wieder manche Musiker dazu über ein künstlicher Knistern aus dem Computer unter den Sound zu mischen um diesen "authentischen" Klang heraufzubeschwören.

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Antwort von Patrick

Das Knistern ist quasi der gemeinsame Nenner solcher Aufnahmen, aber nicht das Problem. Ich finde die völlig verzerrten Stimmen und schrottig klingenden Instrumente mit der Zeit ziemlich anstrengend, besonders dann, wenn an einer Milonga die Kombination aus Lautsprechern und Saalakustik auch nicht gerade den Wohlklang fördern und zusätzlich als Problemlösung einfach die Lautstärke hochgeschraubt wird.

Hier könnten aktuelle Orchester viel tun, indem sie die genialen alten Stücke neu einspielen. Aber die Musiker, die das könnten, scheinen daran wenig Interesse zu haben.

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Kommentar von Joachim

Ja, komisch. Wieso haben so wenig Maler z.B. Lust, die vergilbten alten Bilder mit überaltertem Firnis neu einzumalen? Original? Papperlapapp, das strengt nur die Augen an!

Musiker müssten schön blöd sein, exakte Kopien der damaligen Werke einzuspielen und "nur als Kopisten" abqualifiziert und dennoch hundertfach schwarz kopiert zu werden.

Aber die Chance für Patrick: Mach doch einfach den Produzenten und schau Dich nach Musikern um auf dem Level der damaligen Künstler. Die meisten werden ihre Zeit nicht damit verplempern wollen, bereits sehr gute Musik genauso wieder einzuspielen. Aber wenn doch, bezahlst Du denen eben ein anständiges Salär und garantierst die CD-Verkäufe. Dann geht das bestimmt in Ordnung.

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Antwort von Patrick

Naja, für die fünfzehnte "Neuinterpretation" von Libertango scheint die Motivation ja offenbar noch zu reichen, so schlimm kann das Kopistendasein also gar nicht sein. Selbst produzieren? Ja, wart ab :)

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Kommentar von Monika

*hust* - äähm, das war ironisch gemeint... - weil ich hab auf ebendieser Milonga keine echten Knistertangos gehört. Die Anlage war, nun ja, ok, und besser als die fest installierten Anlagen vieler lokaler Milongas (bad enough das man sowas konstantieren kann/darf/muss). Und Knister - nö, da hätt ich noch ein paar ganz andere (traumhaft schöne, nur leider unspielbare weil eben Knister) anzubieten.

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Kommentar von Joachim

"die genialen alten Stücke neu einspielen" heisst doch "nichts am Arrangement und der Instrumentierung ändern", oder? Wohingegen Astor ein nettes Melodiechen schrub, das auch mit Waschbrett und Sousaphon gespielt einen hohen Wiedererkennungswert, aber leider keinen künstlerischen Mehrwert besitzt.

Wenn ich so im Archiv blättere: 30 "Adios Noniño", 24 "Libertango", die andren von ihm komponierten wie "Soledad", "Oblivion", "Verano Porteño", "Fuga y Misterio", "Milonga del Angel" auch mindestens 10-15 vorhanden. Und dabei stelle ich CDs wieder ins Regal, wenn sie entweder zur Hälfte aus Piazzolla Nummern bestehen oder einen hohen Anteil der "greatest Hitzs of Astor" besitzen. Und tanzbar/in einer Milonga verwendbar davon sind 5-10% grosszügig geschätzt? Warum dann so viel von ihm?

Man hat als Kappelle die wenigste Arbeit damit. Arrangements bestehen schon zuhauf, das Soloinstrument ist immer nur eines, niemand muss sich hinhocken und die "genialen alten Stücke" anhören, versuchen, die einzelnen Stimmen zu extrahieren. Was meist wegen der alten Monoaufnahme ein undankbarer Rekonstruktions-Job ist. Stundenlange Arbeit für 3 Minuten, die einfach weggetanzt werden. Nicht mal Silencio macht ausschliesslich Tanzmusik - und die können's wirklich.

Kommt noch hinzu, dass selbst wenn der Sound nun "zeitgemäss" wäre, es immer noch eine Kopie bleibt. Wo früher 20 Spitzenorchester und ein noch grösserer Haufen weniger spitze Combos ein gutes Auskommen hatten in einer einzigen Großstadt, gibt es heute europaweit vielleicht zwei oder drei Kappellen mit diesem Potential - und für die sind saftige Eintritte unumgänglich, denn die wollen ihren Sound professionell gemischt und brauchen Hotelübernachtungen, weil sie nicht 3 calles weiter wohnen. Und mit dem Velo kommen sie auch nicht angereist - wo also soll die Motivation herkommen? Diese Kappellen leben nie komplett ausschließlich vom Tango!

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Kommentar von Detlef Engel

Mir sind ja Tangos, während derer es so richtig knistert, lieber ... :-)

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Kommentar von Thomas

Ich habe war mal auf einer Milonga mit Tangos auf Schellackplatten. Fazit: Der Sound (die Musik-Anlage) muss stimmen und die Tanzpartnerin natürlich auch. Dann ist das Knistern wirklich bedeutungslos.

Und neulich durfte ich auf einer Milonga in Luzern einer anwesenden Salsatänzerin und Tangobetrachterin ein wenig über den Tango erzählen. Ihr Fazit: "S'isch nit so flot wi Salsa, abr echt ... knischtrig" Dem ist nichts hinzuzufügen;)

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Kommentar von Monika

Detlef, das geh ich petzen! einself ;-))

(aber Du hast völlig recht, das sind die die richtig toll sind und im Gedächtnis bleiben...)

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Antwort von Patrick

Ich gestehe, "Knistertango" ist mehrdeutig, "knisterfrei" ebenfalls. Zumindest haben mir in den letzten Tagen mehrere Tanzpartnerinnen gesagt, dass sie bei der Interpretation so ihre Problemchen gehabt haben. Detlef hat natürlich gut lachen, dem werfen sich die Frauen ja auch gleich reihenweise an den Hals. Nur bleibt er im Gegensatz zum Papst dabei standhaft...

Was die musikalischen Neuinterpretationen angeht: Ich schrieb bewusst "Neueinspielung", weil ja schon sehr wenige gute Musiker vom Himmel fallen und gute Arrangeure für Tanzmusik daher heutzutage ähnlich selten sind wie Tangolehrer in Hogwarts. Zur Finanzierung müsste man das System der Verwertungsgesellschaften ändern. Könnte man als DJ online einzelne Lieder direkt mit den Aufführungsrechten kaufen (und für eigenkomponierte Sachen könnten aktuelle Orchester diesen Weg bereits jetzt wählen, tun es aber leider nicht), sähe die Sache wieder anders aus. Für eine wöchentlich stattfindende Kleinmilonga gehen im Jahr immerhin 2000 Franken via Suisa raus, wenn man mal rechnet, was da jährlich weltweit zusammenkommt und was man damit im Bereich Orchesterförderung oder Restaurierung erreichen könnte...

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Tango statt Schokolade

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Gemütliche Nachmittagsmilonga im Clarahof. Viel Schokolade. Gegen fünf Uhr dann grosses Gerenne, weil um halb sechs Uhr alle im Theater sein wollen: Dort wird jeden Tag im Foyer ein Türchen des Adventskalenders aufgemacht, und die Spatzen haben es bereits von den Dächern gepfiffen, dass es heute um den Tango gehen wird.

Volles Haus. Der Moderator erklärt dem lachenden (und zum grossen Teil theateraffinen-, aber tangofremden) Publikum, dass es einen Tangohimmel gibt. Sogleich verführen zwei Geigen, Flügel, Bass und Akkordeon live in die Tangomusik, und nach zwei Stücken startet die Show: Cécile und Romeo mit leichten Hüpfern, danach Melanie und Samuel mit Voleos, schliesslich Gabriela und Luis mit Giros. Und fast alle mit passenden Hosen oder Hosenersatz.

Statt Schokolade also diesmal Tango direkt aus dem Adventskalender. Knisterfrei. Wie Schokolade aus der Migros...

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Tödlicher Tango

Dienstag, 29. Dezember 2009

Ich habe einen Teil der Feiertage genutzt, mich endlich mal ausgiebig mit einem Film auseinanderzusetzen, der hier schon lange rumlag: Killing moves (oder auch: Assassination Tango). Ein alternder Profikiller (gespielt von Robert Duvall) wird nach Buenos Aires geschickt, um einen General der früheren Militärdiktatur zu liquidieren. Doch der General landet wegen eines Unfalles beim Reiten im Spital, der in seiner Residenz geplante Mordanschlag muss daher verschoben werden. Quizfrage: Was tut ein Berufskiller, der sich in Buenos Aires ein paar Wochen lang die Zeit vertreiben muss? Genau: Er nimmt Tangounterricht. Und phantasiert fortan im Bett davon, mit seiner Tangolehrerin (im transparenten Negligé) zu tanzen.

So witzig und spannend die Ausgangslage, so konfus die Umsetzung. Robert Duvall kennt in diesem Film genau zwei Grimassen: Gegenüber Männern mimt er den paranoiden und arroganten Besserwisser, gegenüber Frauen den dämlich kichernden Charmeur. Das kann man ihm deshalb vorwerfen, weil Duvall nicht nur Hauptdarsteller, sondern auch gleich Drehbuchautor, Regisseur und Produzent war. Als bildschöne Tangolehrerin setzte er auch gleich seine Lebenspartnerin im echten Leben ein, die natürlich satte 41 Jahre jünger ist als er. Das erste, was seine Figur im Film lernt, sind Ganchos. Aber genug der Klischees.

Immer wieder schimmert durch, was aus dem Film hätte werden können: Dialoge mit den etwas naiven Auftraggebern (einer davon gespielt von Salsa-Superstar Ruben Blades!) des Attentats, die erklären wollen, warum der General sterben muss, und ein Profikiller, der sich emotional da eigentlich gar nicht reinhängen will. Fragen an Tangueras nach dem Tango, und Antworten, mit denen der Profikiller wenig anfangen kann. Eine Verschwörung hinter den Verschwörern. Und früher oder später stellt sich natürlich die Frage, ob er als über 70-Jähriger sich nun völlig dem Tango zuwendet oder doch noch den gefährlichen Job erledigen will, für den er eigentlich nach Buenos Aires gekommen ist -- zumal ihm die Polizei bereits auf dem Fersen ist.

Fazit: Viele schöne Ideen, immer wieder Spannung, einiges zum Schmunzeln, aber die Handlung wird mit der Zeit konfus und wirr, und der Hauptdarsteller schafft es irgendwie, beinahe jeden Dialog in eine peinlich Ecke zu drängen. Immerhin, für die Ohren gibt es auch noch einige schöne Tangostücke. Die Moral von der Geschicht: Lieber ein 80-jähriger Milonguero als ein 70-jähriger Profikiller...

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