Noch immer auf dem Weg zum Guru...

Neujahrstango

Freitag, 1. Januar 2010

Freitags-Neujahrsmilonga. Bislang die kleinste Besucherzahl meiner bisherigen Milongas. Sind vermutlich alle vom Silvester noch gezeichnet. Dazu noch Männerüberschuss. Immerhin erhielt ich keine Morddrohungen, obwohl ich "Happy new year" von Abba als Cortina verwendet habe.

"Dieses Lied von Narcotango klang aber seltsam", meinte dann noch ein Tänzer. "Das könnte daran liegen, dass es nicht Narcotango, sondern Troilo war", antwortete ich mit dem nebensächlichsten Tonfall, den ich überhaupt kenne. Aber er gab nicht auf: "Nein, das war schon von Narcotango. Klang nur seltsam", insistierte er. "Hm, ja. Liegt wohl an meinen Lautsprecherkabeln", meinte ich daraufhin grinsend. Werde mir das als indirekte Korbmethode patentieren lassen...

--

Kommentar von Cassiel

Auf diesem Wege nur ganz schnell: Alles Gute für Dich und Deine Milonga 2010.

Archivlink

Sonntags-Biathlon

Sonntag, 3. Januar 2010

Zum Nachmittag ins TangoCita im Clarahofweg. Viel Volk, viele Paare, ziemlich viele Männer. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten kam ich dennoch zu vielen schönen Tänzen. Auch die Musikmischung von Marie-Antonine steigerte meine Lust am Tanzen. Nur...gleich drei Cumparsitas zum Schluss (plus den obligaten Berner Mundart-Rock) war dann doch irgendwie etwas zuviel des Guten...

Nach einer kurzen Dusche gleich weiter in die Mitte: Nur etwas mehr als zwei Stunden lang kräftig Salsa getanzt, dafür praktisch nonstop. Hat extrem Spass gemacht. Hinterher totmüde ins Bett gesunken.

--

Kommentar von Elbnymphe

Hallo Patrick, erst einmal ein gutes Neues Jahr - Du scheinst ja eher hinübergetanzt als -gerutscht zu sein.

Was ich Dich schon einmal gaaanz lange fragen wollte: Was hat es eigentlich mit diesen Mittagsmilongas auf sich? Ich habe davon hierzulande noch nie gehört. Ist mein Halbmillionendorf vielleicht zu klein für derlei frivole Vergnügungen? Und welche Art von Publikum trifft man dort? Menschen mit freier Arbeitszeiteinteilung wie Dich selbst, oder auch Banker im Anzug, die ihre Mittagspause kreativ verbringen wollen? Ich wundere mich jedes Mal, wenn ich bei Dir darüber lese. Liebe Grüße.

--

Antwort von Patrick

Böse Zungen haben für diese Art der Veranstaltung schon das Wort "Hausfrauenmilonga" benutzt. Ich schätze mal, etwa die Hälfte der Besucher hier am Mittwoch macht einfach eine verlängerte Mittagspause am Arbeitsplatz, die andere Hälfte sind Frei- und Hausberufler. Damit das funktioniert, braucht es auch genügend Büroarbeitsplätze im nahen Umkreis -- hier hat Basel mit einer überschaubaren Innerstadt den grossen Millionenstädten vielleicht etwas voraus. Andererseits denke ich, das Konzept könnte auch in Hamburg oder Freiburg funktionieren, wenn ein Veranstalter das mal mindestens ein Jahr lang durchzieht.

Persönlich schätze ich die spezielle Stimmung an einer solchen Milonga sehr. Auch im Winter findet sie bei Tageslicht statt, man hat hinterher noch Pläne für den Tag und tanzunwillige Frauen können sich simpel hinter einem Sandwich verstecken. Sozusagen eine Mischung aus Kantine und Fitnessclub. Und für viele Frühaufsteher, die sich spätestens um neun Uhr Abends nach dem Pyjama sehnen, ist es wohl die einzige Möglichkeit, eine Milonga ausgiebig zu geniessen.

Archivlink

Er singt, er tanzt, aber er folgt nicht...

Mittwoch, 6. Januar 2010

Mittagsmilonga im Clarahof. Draussen rieselt der Schnee, was den Besucherandrang heute offenbar etwas gebremst hat. Dennoch einige schöne Tänze, und ich lasse mich auch mal wieder genüsslich während ein paar Lieder führen. Meine Achse ist noch ziemlich...wackelig. Und ich muss mir endlich abgewöhnen, beim Folgen dauernd auch noch meine eigene Musikinterpretation einzubauen. Und bei Drehungen nicht wegzudüsen. Neuer Cabeceorekord über geschätzte 18 Meter. Und eine Frau, die mir beim Tanzen ins Ohr summte und mir das Singen explizit genehmigte. Normalerweise wache ich in diesen Momenten auf, aber diesmal schien es der Realität zu entsprechen.

Abends dann erster Mittwochskurs im neuen Jahr: Wir wiederholen die gesamten Abläufe und Figuren des vergangenen Kurszyklus. Schritte, Gewichtswechsel, Kreuz, Drehungen und wilde Ganchos. Ich bin erstaunt, wieviel davon tatsächlich hängengeblieben ist. Inzwischen setze ich auch auf Milongas regelmässig Sacadas und Vorwärtsochos in der geschlossenen Umarmung ein, und es funktioniert meistens ganz gut. Bei vielen Drehungen allerdings macht mir noch immer viel zu oft meine Balance einen Strich durch die Rechnung. Und kann er doch nicht singen, so doch vielleicht bald einmal tanzen...

Archivlink

Führen und Folgen trotz Schnee

Freitag, 8. Januar 2010

Freitagsmilonga. Draussen lagen gegen Abend doch ein paar Zentimeter Schnee, und ich hatte schon Angst, dass bei diesem Wetter niemand den Weg unter die Füsse nimmt. Glücklicherweise dachte ich falsch, die Garderobenständer kamen an ihre Grenzen. Und glücklicherweise habe ich meine Navigationslichter (sowas wie ein ILS-Gleitpfad für Piloten, eben um die Besucher durch den dunklen Durchgang ins Hinterhaus zu locken) von Kerze auf elektrisch umgestellt. Jetzt leuchtets auch bei Wind, Schnee und Kälte.

Ganz minim zuwenig Männer, aber so kam ich auch mal wieder zum Tanzen. Und zum Folgen. Giros sind spannend: So simpel die Schritte, so schwierig zu spüren, wie schnell und wie weit man laufen darf. Als Mann ist es mir noch immer ein grosses Rätsel, wie man geschlossen Drehungen mit oder ohne Verdoppelung deutlich führt, auch wenn ich theoretisch weiss, wie ich mit dem Oberkörper öffnen oder blocken kann. Als Folgender muss ich feststellen, dass es rasch passiert, dass man der Führung davondüst. Oder ewig braucht, bis man den Richtungswechsel kapiert. Ach ja, und sich auf andere Führende einzustellen braucht auch so seine Zeit.

Dann noch im weltweiten Tangopartnersuchweb gesehen:

"Leider hat mein bisheriger Tangopartner das Interesse am Tanz verloren. Der Kurs läuft schon seit 3 Monaten. Falls du den Grundschritt kennst, kannst du aber jederzeit einsteigen".

Drei Sätze, die Bände sprechen...

--

Kommentar von Elbnymphe

Hihi, das war jetzt aber ein kleines bißchen böse.

--

Kommentar von Pipistrello

gib noch die Frequenz vom ILS durch, dann kommen alle Piloten!

Archivlink

Falsche Privilegien

Sonntag, 10. Januar 2010

Sonntagsmilonga im Tanzpalast. Neu wird an der Bar bezahlt, und ein Schild macht darauf aufmerksam, dass alle bezahlen müssen. Alle. Ausser natürlich dem Papst, Obama und Gardel. Die drei dürfen gratis rein. Was immerhin den heutigen Männerüberschuss ganz gut erklärt.

--

Kommentar von Elbnymphe

Der Männerüberschuß ist also damit zu erklären, daß die Milonga ein Treffen schizophrener Größenwahnsinniger war? ;-) Im Ernst, lese ich zwischen den Zeilen, daß es unüblich ist, daß Frauen bei Euch Eintritt zahlen?

--

Antwort von Patrick

Es ist bloss üblich, dass wichtige Leute(tm) keinen Eintritt zahlen müssen, und offenbar dachte in der Vergangenheit so mancher, er sei wichtig. Zumindest deute ich so die Änderung. Bislang stand einfach eine Büchse am Eingang, und die wurde wohl zu oft übersehen. Jetzt werden die Regeln idiotensicher erklärt. Erinnerte mich an ein Strassenschild, das ich in den 90er Jahren in Manhattan gesehen habe:

No Parking. Not 5 minutes, not 2 minutes, not at all!

--

Kommentar von Mikamou

Es sei Usus dass Milongaorganisatoren und Tanzlehrer den Obolus nicht erstatten müssen. Die Frauen waren wohl bei der Konkurrenzveranstaltung.

--

Antwort von Patrick

Wäre das tatsächlich Usus, hätten sich die Milongas hier schon längst vervielfacht ;-)

--

Kommentar von Monika

Mikamou, es ist Usus dass (argentinische oder sonstige) Lehrerpaare die auf Tour sind keinen Eintritt bezahlen. Aber die "lokale Prominenz" zahlt selbstverständlich, ausser sie wird ausdrücklich eingeladen, an diesem Abend...

Archivlink

Österliche Weihen für das Blog

Montag, 11. Januar 2010

So ein Tangoblogger-Dasein ist ja relativ unspektakulär. Meistens. Bis heute morgen das Programm zur diesjährigen Ostertango-Eröffnung reinflatterte: "Donnerstag-Eröffnungsmilonga 'Tangoblog' Basel-Buenos Aires-Basel". Upps. Jetzt fragen mich in den nächsten Tagen sicher alle, was da passieren wird. Die Antwort ist einfach: Ich hab keinen Schimmer. Aber ich glaub, das werden wilde Ostern.

--

Kommentar von Joachim

Tja, das kommt davon, wenn man sich nicht rechtzeitig ein paar Coca-Cola Anwälte organisiert und die Blogadresse als teures, schützenswertes Warenzeichen reservieren, äh, schützen lässt. Selbst schuld.

Andrerseits wären dann soviel Lizenzgebühren aufgelaufen über die Osterfestivaltage, dass Du womöglich einen Milonga-Neubau von Zaha Hadid auf dem Münsterplatz angehen hättest müssen, nur um der Geldmassen Herr zu werden. So was kann auch Stress sein, beispielsweise.

Archivlink

Eyes wide shut

Mittwoch, 13. Januar 2010

Visuelle Wahrnehmung ist Konstruktivismus pur. "In diesem T-Shirt siehst Du aus wie Barbapapa", flötete neulich eine Salsapartnerin. "Wow. Du hast noch einen schwarzweiss-Fernseher zuhause?", fragte ich beiläufig. Während sie darüber grübelte, ob ich ihre Farbkompetenz soeben in Frage gestellt habe, drehte ich sie zweimal rasch, so dass ihre Haare ihr für ein paar Sekunden die Sicht verdeckten. Der Haarschnitt hat vermutlich den Zweck der Alkoholersparnis: So muss sie sich ihre Tanzpartner nicht schön trinken. "Das T-Shirt ist nunmal rosa", meinte sie noch immer überzeugt. "Es ist washed red. Das ist von rosa ähnlich weit entfernt wie Gotan Project von Di Sarli", klärte ich sie auf. "Machen die auch Salsa?", stichelte sie weiter. Sie überlebte knapp.

Derlei Probleme gibt es im Tango glücklicherweise nicht. In der geschlossenen Umarmung wird gefühlt, nicht geguckt. Eigentlich. Zumindest hatte ich bislang den Eindruck, dass die meisten Tänzerinnen die Augen schliessen. Tu ich eigentlich auch immer, wenn ich folge -- schon nur der Konzentration wegen. Aber heute erklärte mir eine Tänzerin, sie habe sich mit der Zeit das Tanzen bei offenen Augen angewöhnt -- das sei eine ganz andere, aber dennoch schöne Erfahrung. Hm. Ich werds mal ausprobieren. Aber vielleicht ist das wirklich nur etwas für Leute, die sich visuell nicht so leicht ablenken lassen...

--

Kommentar von Margret

Ja, wenn ich mit offenen Augen tanze, dann spüre ich sinnlich den ganzen Raum um mich rum. Mein Körper streckt sich, breitet sich angenehm aus und meine Haut spürt viel bewusster den Kontakt zum Tänzer. Der Boden ist Boden und ich werde zur Tänzerin. Wenn ich die Augen schliesse, verschwimmen verschiedene Empfindungen. Meine Seele kann wegschwirren und mein Körper wird träumerisch tänzerisch!

--

Antwort von Patrick

Vielleicht gibt es ja das Beste aus beiden Welten, wenn man ein Auge offen lässt und das andere zudrückt? Augenklappen -- der neue Modetrend im Tango.

--

Kommentar von Elbnymphe

Perfekt! Ich nehme die Anregung als Auftakt meiner Serie zur Tangomode! Danke! ;-) (Das Smiley paßt perfekt!)

--

Kommentar von Raxie

Ich stelle immer wieder überrascht fest, dass ich den Tangueros am Gesicht ablesen kann, was sie tanzen (werden). Sobald ich mit einem mir unbekannten Tanguero tanze, schließe zunächst nicht die Augen, weil ich noch gar nicht weiß, wie er mit der Musik umgeht, wie er mich wahrnimmt, etc. Beim Tanzen beobachte ich aufmerksam sein Gesicht - und habe meist ein sehr sicheres Gespür dafür, was kommen wird. Bei geschlossenen Augen habe ich das nur bei Herrn, die ich schon mindestens 2-3 Tänze lang kenne und die gut führen können. Sobald ich spüre, dass der Herr wirklich bei mir ist und mich ernsthaft in seinen Tanz integriert, kann ich die Augen schließen. Ein Traum.

Archivlink

Die Relativität der Männer

Freitag, 15. Januar 2010

Sehr übersichtliche Runde heute in der Freitagsmilonga, zumal der Gare Du Nord heute auch mit Konzert lockt. Dafür interessante Diskussion darüber, welche Qualifikation es braucht, um einen vorhandenen Männerüberschuss wahrzunehmen. Das perfekte Bild: Beim Ausleeren einer ganzen Streichholzschachtel sehen manche Menschen auf einen Blick, wieviele Streichhölzer nun auf dem Tisch liegen. An Milongas funktioniert das ähnlich, nur dass Männer im Gegensatz zu Streichhölzern mehrmals verwendbar sind.

Abgesehen davon waren heute eh minim mehr Frauen als Männer anwesend. Aber wenn Frauen auch führen relativiert sich das Thema auch wieder. Kurzum: Eine Wissenschaft. Ach ja, und ich habe heute zum ersten Mal auf Wunsch Libedinsky gespielt. Die drei Lieder von ihm, die fein und melodiös sind...

Archivlink

One night in Freiburg

Samstag, 16. Januar 2010

Endlich mal wieder zu Tango El Sur nach Freiburg: Ich war zwar ziemlich faul, und auch viele anwesende Frauen schienen mir etwas zurückhaltend zu sein, aber so nach und nach gab es wieder viele schöne Tänze. Die Neolounge ist jetzt mit "hier gibt es nur Nuevo- und Elektrotango" angeschrieben, im grossen Raum steht entsprechend "hier gibt es nur klassischen Tango" an der Türe. Teufel, was heisst denn hier "nur"? Und wo gibts Piazzolla?

Nun, überraschenderweise hielt ich mich im grossen Saal auf, und zu später Stunde gab es tatsächlich eine schöne Tanda von Astor. Allerdings Stücke, die ich nie gewagt hätte, an meiner Milonga zu spielen, weil sie ziemlich sphärisch und völlig rhythmusfrei waren. Ich habs dennoch genossen. Und auch der restliche Mix hat mir gefallen, von der ersten halben Stunde mal abgesehen. Einzig die Logik der Cortinas war undurchschaubar.

Bislang endete die Milonga jeweils um ein Uhr, Zeit genug also, um nach dem letzten Stück gemütlich zum Bahnhof zu spazieren und den 01.32-Nachtregionalzug nach Basel zu nehmen. Dummerweise war das Ende diesmal offenbar auf 1.30 geplant. Als eine Tanzpartnerin meinte, es sei grad halb zwei und daher vermutlich die letzte Tanda, hab ich kurz nach Luft geschnappt. Zug futsch, nächste Regionalbahn um halb sieben Uhr morgens.

Doch ich erhielt trotz meines Rufes als Lästerer freundliches Asyl in Freiburg, und so verbrachten wir die Nacht mit Tangomusik, Toastbrot und Cassis-Sirup. Und vielen Diskussionen über Freiburger Gurus und andere Unwichtigkeiten. Es wurde dann der 7:02-Zug...

--

Kommentar von Di Sarli

Jo, die Musik...! Zugegeben, es war in der Tat alles klassischer Tango, aber: angefangen bei der - zumindest mir und dem Verfasser des Blogs rätselhaft anmutenden "Aufbau" (gab es einen solchen???) der Tandas - bis hin zur Musikauswahl selbst, war es aus musikalischer Sicht überhaupt nicht "mein" Abend. Es gibt so viele schöne klassische Tangos, aber ich habe an diesem Abend zwar ´viele klassische Tangostücke gehört, aber nur sehr wenige wenige, die "Energie" in eine Milonga bringen.

Ich räume ein, dass ich nicht so lange ausgeharrt habe, aber irgendwann war für mich die Luft draußen, so dass ich die Milonga nicht unbedingt zufrieden verlassen habe. Na ja, eigentlich kann es beim nächsten Mal nur wieder besser werden...!!!

Archivlink

Weiche Arme, weicher Kuchen

Mittwoch, 20. Januar 2010

Mittagsmilonga im Clarahof: Geburtstagskinder mit Geburtstagskuchen, einer davon steht während des Geburtstagsvalses mitten auf der Tanzfläche am Boden. Gefährlich. Wir bangen. Aber glücklicherweise tritt niemand ins Quarknäpfchen.

Abends im Kurs gibts zuerst eine Massagerunde: Schultern lockern, unten am Schlüsselbein massieren, Schulterblätter kneten, Arme lang ziehen (nein, nicht die Ohren), Ellbogen und Hände ausschütteln...und danach miteinander in der üblichen Haltung tanzen, aber zwischen der rechten Hand der Frau und der linken Hand des Mannes sorgt ein kleiner weicher Ball für eine galvanische Trennung. Haltung mit Gefühl, aber ohne Druck. So einen kleinen aufblasbaren Ball hätte ich mir schon an so mancher Milonga gewünscht...

Archivlink

Spontane Musikplanung

Freitag, 22. Januar 2010

Freitagsmilonga. Erfreulich gut besucht. Je später, desto Männer. Liegt wahrscheinlich an der Museumsnacht. Dafür stelle ich fest, dass ich regelmässig darüber grüble, wie ich dieses und jenes Orchester noch passend mit einer Tanda in den Abend reinbringen könnte, und so gegen halb eins kriege ich Panik, weil ja höchstens noch drei Tandas reinpassen. Zu Beginn im letzten Herbst hatte ich jeweils Panik, die vier langen Stunden gut mit Musik füllen zu können. Damals hielt ich jeweils vorher eine Planung schriftlich fest. Jetzt plane ich während des Abends jeweils höchstens zwei Tandas im voraus. Braucht etwas mehr Konzentration, macht aber auch mehr Spass. Und ersetzt das Durchhören zuhause dennoch nicht...

Archivlink

Tragische Schritte

Samstag, 23. Januar 2010

Aus Oper mach Ballett: "Carmen" gab es heute im Theater Basel, und ja, die Geschichte endete tragisch im Sand der Arena. Tänzerisch beeindruckend, ich will auch Doppeldrehungen im Sprung beherrschen. Aufgefallen ist mir so nebenbei die Art und Weise, wie die Tänzerinnen umhergehen. Genau so unterrichtet so manche Tangolehrerin mit Balletthintergrund das Gehen. Tango mag gelegentlich auch tragisch sein, aber ist diese Technik ansonsten tatsächlich ein guter Ausgangspunkt für das Gehen im Tango? Die alten Milongueros(tm) hatten wohl andere Grundlagen. Aber die tanzen ja auch nicht oben ohne...

--

Kommentar von Elbnymphe

Oben ohne? Und Du bist sicher, daß Du in der Oper warst und nicht bei Hooters? ;-)

Archivlink

Apfelmusik

Sonntag, 24. Januar 2010

Sonntagsmilonga im Tanzpalast: Zum ersten Mal legen heute Anna und Luis auf. Mir hat der Mix gefallen, und ich hab auch ausgiebig getanzt. Die beiden werden ab Februar eine monatliche Samstagsmilonga im Tanzpalast machen. Witzig nur, dass die Firma Apple in Tangokreisen besonders beliebt zu sein scheint. Oder gehört das einfach zum Image eines TJs, dass man auf einem Applelaptop eine Maus rumschubsen muss? Ich werd am Freitag mal einen Kompatibilitätstest machen: Läuft ein Linux-Rechner stabil, wenn ein Apfel direkt nebendran steht?

--

Kommentar von Cassiel

Ich denke, der Apfel wird wenig von Deinem Linux-Rechner beeindruckt sein. :-)))

Aber Spaß beseite: GoogleAnalytics weist bei mir einen Anteil von über 25% Mac OS X beheimateten Browsern an den Zugriffen auf meinen Blog aus. Linux (zuzügl. openBSD und FreeBSD) ist mit 7% leider immer noch unterrepräsentiert.

--

Antwort von Patrick

Ja, Apple ist in der Tangogemeinde sehr verbreitet, sehe ich hier auch in der Zugriffsstatistik. Schade, dass der neue iPad so teuer ist. Der hat doch bestimmt ein iHole, damit könnte ich ihn in meiner Milonga an die Wand nageln und so ein bisschen vertraute Atmosphäre schaffen...

--

Kommentar von Cassiel

iPad mit iHole als Wandschmuck? Ja, die Idee klingt gut. Ich halte von den iXXX Produkten nämlich überhaupt nichts. Ich habe weder einen iPod, noch ein iPhone und das neue iPad wird wohl auch nie den Weg zu mir finden... Allerdings liebe ich mein iTunes... Warum? Es ist eben etwas besser als die anderen Programme... und vielleicht ist dieses "etwas besser" auch der Grund für die Apfel-Affinität von Teilen der Tango-Szene, schließlich haben wir da einen ähnlichen Ehrgeiz. ;-)

--

Antwort von Patrick

Früher(tm) war ich Apple-Sympathisant, inzwischen aber ist der Laden eine grauselige Vertriebsdiktatur. Wenn die jetzt mithelfen, dem Flashmonster von Adobe den Rest zu geben, und danach selbst blutig am Boden liegen, dann soll mir das recht sein. Dörrobst ist übrigens eine beliebte Verpflegung während und nach langen Milonganächten...

Archivlink

Warum Leute den Tango aufgeben

Donnerstag, 28. Januar 2010

Interessante Diskussion mit einem Mann, der schon länger und musikalisch gut Salsa tanzt: Er habe vor Jahren mal einen Tango-Schnupperkurs und danach einen regulären Kurs besucht, aber nach wenigen Wochen wieder aufgegeben. "Schade", meinte ich, und fragte ihn, ob er sich noch erinnere, weshalb er die Lust wieder verloren habe.

"Im Unterricht gab es dauernd nur komplizierte Schrittvariationen. Ich fühlte mich überfordert und konnte mir das Zeugs nicht merken. Irgendwann hab ich aufgehört", meinte er schulterzuckend. Hm, kennen wir das nicht alle aus den Anfangstagen? Die Frage bleibt offen, ob es wirklich nicht möglich ist, beim Tango gleich zu Beginn zumindest minimale Erfolgserlebnisse einzubauen. Freies Gehen zur Musik sowie Gewichtswechsel sind eigentlich keine Hexerei, aber viele Schulen scheinen gleich in den ersten Stunden lieber Achten und Kreuze zu klotzen...

--

Kommentar von Mikamou

Nun bei "viele Schulen" kann ich nicht mit reden, so weit habe ich mich nicht gestreut, aber ich meine mit „Freiem Gehen zur Musik sowie Gewichtswechsel“ kannst du in keiner Schule die Leute bei der Stange halten, wenn sie in anderen Tänzen schon Figuren serviert bekommen?

Also wenn ich mir den Salsa Unterricht so anschaue dann wird doch: Grundschritt geübt, in alle Himmelsrichtungen und in allen Variationen, Figuren gezeigt, durchschritten und geübt. Es bleibt hängen beim Schüler, der Grundschritt und eine Sequenz. Im Laufe der Zeit festigt sich der Schritt, die Sequenzen wiederholen sich oft und da die Sequenzen doch recht standardisiert sind trifft man sich schnell auf einer kleinen Übungs- bzw. Tanzbasis. Weiter hat Salsa keinen Tanzfluss, also kann man sich doch schnell mal in eine Ecke stellen und ein bisschen Schunkeln. Ergo Erfolgserlebnis. Von den entspannteren Aufforderungspraktiken mag ich mal nicht reden, aber eine Tango-Umarmung ist auch nicht eine Salsa-Umarmung.

Hier gibt es doch einige Elemente, welche sich nicht mir nichts dir nichts auf den Tango übertragen lassen: Kann man den Grundschritt vor dem Spiegel üben? Gibt es den überhaupt? Kann man in jedem Kurs 15‘ Gehen servieren? Wie bitte soll ich in meinem Körper merken, dass er richtig geht? Kennst du viele die sich in ihrem Körper so wohl fühlen, dass sie schon zu Beginn den Kick im Gehen bekommen? Wie soll ich mich wohl fühlen, wenn ich die unbegrenzten Möglichkeiten ahne und mir gerade mal das Gehen präsentiert wurde? Und wie verkaufe ich das meiner Tänzerin, auch wenn die Damen immer darauf schwören, dass schönes Gehen genügt? (Den besseren Tänzerinnen glaube ich das mittlerweile auch.;)

Ich denke die "Turnerriege von Plan-T" (sic) hat da einen Weg eingeschlagen, welcher versucht speziell dem Problem des Erfolgserlebnisses Rechnung zu tragen.

--

Antwort von Patrick

"In alle Himmelsrichtungen"? Klingt nach Salsa Cubana. Dort ist das aber eher eine Übung dafür, einfach stur den Rhythmus durchzulaufen. Der Rhythmus ist wie ein Sklaventreiber, entsprechend das Timing entscheidend. Manche Dinge kannst Du nur auf eins machen, viele nur auf fünf, gewisse Dinge startest Du irgendwo zwischen sechs und sieben. Das ist am Anfang durchaus nicht trivial, auch wenn langsame Musik beim Üben hilft. Aber auch hier kann man rasch improvisieren: Wenn Du weisst, wann Du eine Dame wie in die Rechtsdrehung führen kannst, dann kannst Du dazu beliebige Handkombinationen nehmen, oder Du zupfst an ihrer Schulter oder Hüfte. Sequenzen sehe ich da eher als Krücke. Ich werds ausprobieren, während der Fasnachtsferien werde ich zum ersten Mal Salsa unterrichten.

Beim Tango: Gehen mit Rollenwechsel ist doch für beide spannend und abwechselnd, Gewichtswechsel mit Frau (kombiniert mit Seitenschritten) und später Gewichtswechsel ohne Frau bringt dann auch noch viele Variationen, zumindest für die ersten Stunden (und davon sprach ich ja ursprünglich) halte ich das für sinnvoller und auch unterhaltsamer als schon Ochos mit Ganchos zu kombinieren. Gerade regelmässige Rollenwechsel helfen doch, dass sich die Frau nicht langweilt (und den Part des Führenden auch zu schätzen weiss) und der Mann versteht, dass aufmerksames Folgen auch nicht einfach vom Himmel fällt.

Körpergefühl...ja, guter Punkt. Wobei das sicher nicht einfacher zu erlangen ist, wenn man Figuren klotzt. Bewusste und langsame Bewegungen fand ich immer hilfreich (vor allem Melina und Detlef scheinen sich bei ihrer Didaktik viel überlegt zu haben), Rollenwechsel bietet auch die Möglichkeit zur bewussten Wahrnehmung. Mal sehen, ob ich bis zur Erlangung der Gurureife (geschätzt 2017) noch andere Ideen habe.

Was die "entspannteren Aufforderungspraktiken" angeht: Vergiss es. Ich hab in einzelnen Monaten mehr Salsakörbe gesammelt als in meinen bisherigen knapp drei Jahren Tango.

--

Kommentar von Salserita

Sagt der, der am Donnerstag immer von mindestens drei Frauen belagert wird...

--

Antwort von Patrick

Das ist erstens masslos übertrieben und liegt zweitens nicht an meinen Tanzkünsten, sondern an meinem blendenden Aussehen...

--

Kommentar von Mikamou

Also deine Beschreibung, was in Salsa so geübt und wann gezupft wird und in welchem Timing, betrifft wohl auch nicht die ersten Stunden... ;) Die Sequenzen sind immer und in allen Tänzen eine Krücke, aber eine sehr nützliche, auch wenn nur jene seelig werden, welche sich ihrer schnell entledigen. ... und viel Glück beim Unterrichten!

Zum Tango nur ... täusche ich mich oder hat sich deine Gurureife leicht nach hinten verschoben? ;)

Die "Aufforderungs--Praktiken", da meinte ich weniger die Korbhäufigkeit, sondern viel mehr wie bunt sich das Aufgefordere über die Tanzniveaus mischt ... im Tango bewegt sich das doch in engen Bahnen, im Salsa scheint sich das bunter zu mischen.

Übrigens an deiner Korbstatistik (der Anfang ist ja hier) zweifle ich ein wenig ... in einigen Fällen ist Kein-Cabeceo nicht auf die Unkenntnis dieser Praktik zurückzuführen und "beschäftigt wirken" eben nicht gleich "beschäftigt sein", sondern bedeutet schlicht Nein!

--

Antwort von Patrick

Die Gurureife hatte ich von Beginn weg auf zehn lange Jahre festgelegt, einzig in tiefdepressiven Stimmungslagen (etwa bei Besuchen im Silbando) verdopple ich temporär die Schätzung. Guru ist ja nur ein diffuses Ziel, so wie auch die Leute im tiefsten argentinischen Süden dennoch von "sur" träumen. Und Eingang in die Korbstatistik finden nur eindeutige Körbe von bislang unbekannten Frauen. Hey, sonst könnte ja jede kommen.

--

Kommentar von Tangosohle

Ein spannendes Thema, zunächst: Ich bin weder Salsero noch Plan-Tler. Ich beobachte aber auch, dass wie in dem einführenden Beispiel Männer systematisch demotiviert werden und einige Tangolehrer jahrein jahraus an einem solchen "Misserfolgsunterrichtsstil" festhalten. Das Tragische #1: Sie merken es nicht.

Mikamou zweifelt daran, dass das Unterrichten von Gehen (ich füge hinzu: Körper- und Musikarbeit) die Schüler bei der Stange hält. Meine Beobachtung: Lehrer die Workshops wie "Basis" "Achse" "Gehen" u.ä. anbieten, stehen in leeren Studios. Bieten die gleichen Lehrer einen Workshop á la "die schönsten Saccadas für die Milonga" an, stehen die Interessierten Schlange. Und was passiert? Die Unterrichtgeber müssen 60 Minuten Basisarbeit machen, die Unterrichtnehmer sind zufrieden, wenn sie "halt noch ein wenig üben müssen, aber für die kurze Zeit schaut das schon ganz gut aus" Und ich komme zu Tragik #2: Die Tangolernenden haben zu wenig Vorstellung von dem, wie ihr Lernplan ausssehen muss.

Ich bin so frei und verweise auf die Vorschläge/Forderung von Herrn Oswald an einen guten Tangounterricht, Ergänzungen willkommen.

Archivlink

Klang statt Lärm

Sonntag, 31. Januar 2010

Die Lautsprecheranlage im Tanzpalast hatte mich bislang noch nie so recht vom Hocker gehauen, allerdings war ich mir auch nie sicher, ob viele DJs das Zeugs nicht einfach übersteuern. Heute hat Christian mal wieder aufgelegt, und ein paar Tage zuvor hatte er offenbar durchgesetzt, dass die Anlage überprüft und neu eingestellt wird. Es hat sich gelohnt, es klang heute tatsächlich besser. Auch besser als bei mir an der Milonga, das muss ich neidlos anerkennen.

Christian warf auch heute seine Tandabeschreibungen wieder per Projektor an die Wand, dazu neu auch noch die Abfolge von Tango, Vals und Milonga sowie die Abfolge von instrumentalen und gesungenen Tangos. Ich stelle fest, dass er deutlich mehr gesungene Tangos spielt als ich -- lediglich zwei von sieben Tandas sind bei ihm instrumental. Ich hingegen halte den Anteil an gesungenen Tangos bei rund 50 Prozent. Dafür darfs zwischendurch auch mal ein richtiger Jammertango sein...

Archivlink

Drehen, gedreht werden und gemeinsam drehen

Mittwoch, 03. Februar 2010

Gemütliche Mittagsmilonga, die Frau tief in mir kapiert sogar so langsam, wie man Giros tanzt. Ich habe die Reaktionszeit einer alkoholisierten Schnecke. Dafür aber immer auch gute Ausreden: "In der Musik spürte ich keine Verdoppelung!"

Abends im Kurs erneut Drehungen, aber als Mann. Eigentlich sind es simple Giros mit einzelnen Sacadas, aber 99 Prozent meiner Konzentration geht für das Speichern und Abrufen der Sequenz an sich schon drauf. Schwierig und schön zugleich ist, dass die Frau den Mann auch mitnehmen kann, dass die Drehung somit wirklich nur aus einem präzisen und aufmerksamen Zusammenspiel funktioniert...

Archivlink

Canyengue - back in time

Samstag, 06. Februar 2010

Workshop alter Tango: Musik von Canaro, Bewegung tief in den Knien, relativ kräftige Rumpf-, Schulter- und Armbewegungen, das System rein parallel, Körperhaltung leicht torkelnd. Immerhin, beim letztgenannten Punkt bin ich gar nicht schlecht. Bei Cécile und Romeo sieht das ganze deutlich schicker aus, man fühlt sich um knapp hundert Jahre in der Zeit zurückversetzt. Und der Unterhaltungswert ist riesig.

Vor allem die erdige Art, wie man Schritte setzt, tut mir ganz gut: Hier bin ich durch regelmässige Verdoppelungen endlich mal gezwungen, die Schritte und damit auch meine Gewichtswechel überdeutlich anzuzeigen. Trotz der trampeligen Art zu gehen ist Canyengue irgendwie auch ein sehr verspielter Stil. Daher freut sich das grosse Kind auf Teil Nummer zwei am Sonntag...

Archivlink

Canyengue - der Männergancho

Sonntag, 07. Februar 2010

Bislang empfand ich meine Salsakenntnisse meistens als recht hinderlich beim Tango. Auch die tiefe, ziemlich hiphop-mässige Körperhaltung beim Lindyhop ist völlig anders. Und jetzt darf ich zwei Nachmittage lang endlich mal völlig locker rumtrampeln. Die Hüfte mitschwingen lassen. In gewissen Figuren gar die Frau mit meiner Hüfte hin- und herdrehen. Gemeinsam in eine Richtung blickend und mit der Hand an der Hüfte das äussere Bein nach vorne und hinten schwenken. Oder auf einem Bein stehend an Ort und Stelle die Körper mitsamt Hüfte hin und her verdrehen. Allerdings kann man damit auch perfekt die Piste blockieren.

In der Pause dann Diskussionen darüber, zu welcher Musik der Tanzstil gut passt. Ja, Canaro, Castillo, wohl auch zu frühen Di Sarlis und alten Stücken von Fresedo. "Oder auch zu Otros Aires", meint Romeo mit schelmischem Blick. Canaro und Castillo würden sich im Grabe umdrehen...

Interessant auch, dass die alten Stile in den 1920/30er Jahren zwar mit vollem Körpereinsatz getanzt, aber dennoch recht stark mit den Händen geführt wurden. Ach ja, und während einer Hüftdrehung hab ich meinen rechten Unterschenkel über den linken geschlagen. Mein erster Männergancho. Und es hat gar nicht weh getan...

--

Kommentar von Mikamou

Ein Männergancho oder vielleicht doch ein Männervoleo?

--

Antwort von Patrick

Stell Dich auf den linken Fuss und dreh die Hüfte kräftig nach rechts, so dass Dein rechter Unterschenkel vor dem linken Bein aufschlägt. Ich denke das ist ein Gancho. Viel wichtiger ist aber die Frage, ob man damit einen Tisch abräumen kann. Work in progress.

--

Kommentar von Susanne aus Kassel

Canyengue läßt sich sehr gut auch zu Juan Maglio Pacho tanzen, zu Tubatango, zu manchen Donatos. Es ist der alte Tango der Guardia Vieja im 2/4tel Takt. Schneller dann bei Firpo, Villasboas und Pirincho, hier auch Tangomilonga genannt. Super gute Lehrer für Canyengue sind Martha y Manolo 'el Galliego'

Archivlink

Stop and go mit Giro

Mittwoch, 10. Februar 2010

Mittwochskurs. Erneut Giros, diesmal auch mit einer Variante, in der der Mann die Drehung der Frau stoppt, drei ziemlich rhythmische Schritte setzt und die Frau während eines Sacadas wieder weiter in die Drehung schickt. Und dabei hoffentlich von der Frau auch wieder kräftig mitgenommen wird. Irgendwann wird selbst mir klar, dass ich in der geschlossenen Umarmung faktisch nur dann einen Sacada setzen kann, wenn die Frau einen Seitenschritt macht -- nicht bei Vorwärts- oder Rückwärtsschritten. Das klingt simpel, aber bei fliessenden Drehungen mit Betonung auf der Musik bin ich gelegentlich leicht damit überfordert, innerhalb einer Zehntelsekunde auszurechnen, ob die Frau nun seitwärts oder rückwärts geht. So gesehen hat eine feste Sequenz auch ihre Vorteile.

Archivlink

Der Salsa und die Schritte

Donnerstag, 11. Februar 2010

An der Salsapractica unauffällig eine Salsera mit Tango missioniert, wobei das einer anderen äusserst aufmerksamen Salsera natürlich sofort aufgefallen ist. Und deren Freundin stellte schliesslich die berühmteste und berüchtigtste aller Fragen: "Wie geht da eigentlich der Grundschritt?". "Äh, also, eigentlich gibt es den nicht. Das macht es noch spannender...", meinte ich grinsend. Grosse Augen. Manchmal ist es schwierig, die Faszination des Tangos zu erklären...

Ausserdem hat in Basel eine neue Salsaschule eröffnet. Für die Tangoschule kann ich mir bis zum Jahr 2017 noch einen besseren Namen überlegen.

--

Kommentar von Mikamou

Wie wäre es mit Salsa Gurus @ Work

--

Kommentar von Monika

congratulations, viel Spass und viel Glück!

Archivlink

Der Mond und die Achse

Samstag, 13. Februar 2010

Vollmondtango. Eigentlich ja Neumondtango, aber wir sind ja liberal. Werde natürlich schon bei meinem dritten Tanz irritiert gefragt, ob in Basel der Mond eigentlich anders stehe als in Freiburg. "Basel tickt schon ein wenig anders", murmelte ich zuerst schulterzuckend, um später nachzuschieben, dass es hier wohl eher um die astrologische Deutung des Phänomens "Vollmond" ginge. Immerhin war die Tanzfläche ziemlich voll, und ich muss zugeben, ich hab auch ein wenig gerempelt.

Auch die Balance war heute nicht meine Stärke, und mir ist es immer besonders peinlich, wenn ich eine Tanguera ebenfalls aus der Achse reisse. "Mach das ruhig nochmal, es hat sich interessant angefühlt", meinte eine Tanzpartnerin einmal lachend. Tja, und prompt gelang es mir nicht mehr. Achse ist also auch nur Konstruktivismus. Und selbst Pluto war heute nacht weit weg von der Waage.

Hm, und ich hab mich gar nicht getraut, mal einen Sacada während eines Giros zu setzen. Irgendwie noch zuwenig geübt, zuwenig Platz und zuwenig Konzentration dafür. Und meine Damenfertigkeiten muss ich auch dringend mal wieder üben.

Archivlink

Eine rosige Milonga

Sonntag, 14. Februar 2010

Valentinstag: Sonntagsmilonga mit Rosen. Allerdings tanzt es sich mit so einer Rose zwischen den Zähnen doch irgendwie schlecht, muss ich feststellen. Dafür gibt es die berühmtesten Tränendrüs...äh...Liebeslieder als Cortinas. Und viel Schokolade. Mal sehen, ob in neun Monaten auffällig viele Valentinsbabys erscheinen.

Archivlink

Zählen statt Tanzen

Montag, 15. Februar 2010

Werde kurzfristig als Aushilfe an einen Unterstufenkurs zu Mathis geschleift: Ganz andere Welt. Nach einigen Aufwärmübungen im Vorwärts-, Rückwärts- und Seitwärtsgehen fassen wir uns als Gruppe alle fest an der Hand und laufen parallel seitwärts, rückwärts, seitwärts, vorwärts...in Girologik. Dann mit der üblichen Verdoppelung. Und dann noch so schnell, dass kaum mehr jemand mitkommt. Ich muss mal meine Deckung bei der Unfallversicherung überprüfen.

Dann: Milonga. Manchmal gemütlich, manchmal aber auch richtig heftig schnell. Zweimal vorwärts, seitwärts, zweimal rückwärts, seitwärts -- alles ohne irgendwelche Gewichtswechsel. Hab ich so im Tanzpalast schon oft bei Paaren gesehen, jetzt weiss ich, wo das herkommt. Ist zwar ein einfacher Schritt, aber selbst mit einer leichten Linksdrehung nicht wirklich sozialkompatibel.

Dann fällt mir auf, dass Mathis offenbar dem System der Base huldigt: "Wir machen einen Zweierschritt. Und das hier kann man auf sechs machen." Okay, denke ich, manchen Männern hilft das Zahlensystem ja vielleicht. Mir definitiv nicht, mir fehlt die Führungstechnik, nicht die Sequenz. Aber die Gesichter der anderen Männer sehen irgendwie auch ziemlich ratlos aus. Dann läuft nach einigen Milongas plötzlich etwas von Di Sarli. Nach einer halben Minute stellt Mathis die Musik ab und fragt in die Runde, wer bemerkt habe, dass dies nun ein Tango sei. Ein paar Hände gehen hoch. Meine Tanzpartnerin guckt mich fragend an. "Ich hab nichts bemerkt, ich hab gezählt", sage ich schulterzuckend und setze mal wieder mein harmlosestes Gesicht auf. Männer sind ja bekanntlich nicht multitasking-fähig.

Nun, wie sagte einst ein weiser Mann: "Denkst Du beim Tanzen an die Base, so fliegst Du musikalisch auf die Nase". Ay.

Archivlink

Auflegen mit Tastatur

Freitag, 19. Februar 2010

Freitagsmilonga. Zum ersten Mal mit neuem Setup: Ein winziger 10 Zoll-Bildschirm, entsprechend verwende ich einen MP3-Player, der vollständig per Tastatur bedienbar ist (moc). Etwas ungewohnt, aber es funktioniert hervorragend. "Das sieht ja aus wie zu DOS-Zeiten", meint eine Tanzpartnerin. Muss aus Imagegründen endlich mal dringend einen Apfel neben das Netbook legen.

Trotz Ferien erfreulich viel Volk. Anreiserekord diesmal bei 7'500 Kilometern. Der Bekanntheitsgrad scheint sich proportional umgekehrt zur verwendeten Bildschirmgrösse zu entwickeln.

--

Kommentar von Joachim

Stark, kommen die ollen Lochkarten wieder zu neuem Glanz. Das volle EDV Pleistozän. Nun aber die schwierige Entscheidung: Als MP3 Player gibt es den Apple iPod shuffle, der hat gar kein Display.

Das wirft zwei Probleme auf, mindestens: Man weiss nicht, ob die Leute oder Dinge aus'm Andromeda-Nebel Tango tanzen können (Anreiserekord in Lichtjahren sollte den Versuch aber wert sein) und man müsste das Gehäuse kackbraun oder cadmium-cremeweiss umspritzen, sonst wäre Apple ja doch präsent. Und ein wenig mainframe-feeling sollte einem die Farbe schon bringen.

Andre Möglichkeit: mein alter, ausgeleierter Walkman (R) Hat auch kein Display und eiert ein wenig, aber das hört ja eh niemand.

--

Antwort von Patrick

Andromeda? Die stossen in ein paar Milliarden Jahren mit der Milchstrasse zusammen, dann haben sie ausgetanzt. Aber da wird es Apple möglicherweise eh nicht mehr geben. Die runden dünnen Dinger am Freitag waren übrigens keine Lochkarten, sondern Fasnachtskiechli. Ähnlich schwierig zu handhaben, aber mit deutlich mehr Zucker.

--

Kommentar von Peter

prima, moc wird noch laufen wenn der apfel schon an energiemangel leidet .... bin gerade dabei ein system mit debian aufzusetzen

Archivlink

Glück als Dame, Pech im Spiel

Sonntag, 21. Februar 2010

Verlängerte Sonntagsmilonga im Tanzpalast vor dem Morgenstreich: Endlich komme ich mal wieder ausgiebig zum Tanzen, und auch die Frauenrolle kann ich ausgiebig geniessen. Einige Lieder sind zwar schön, aber der Mix und die Lautstärke sind hart an der Grenze. Daher gebe ich tänzerisch doch recht früh auf und setze mich zur Pokerrunde von Mathis.

Pokern beim Tango? Ja, scheint ein neuer Trend zu sein. Eine Viertelstunde später bin ich meinen Einsatz von knapp vier Franken komplett los und schaue danach lediglich noch zu, wie sich die beiden anderen Mitspieler gegenseitig über den Tisch ziehen. Dabei fällt mir auf, dass Pokerspielen irgendwie auch eine gute Übung fürs Cabeceo ist...

Archivlink

Schnuppern und schnuppern lassen

Montag, 22. Februar 2010

Oki, dem Anmeldestand nach war es wohl eine Schnapsidee, in den hiesigen Fasnachtsferien mit Salsakursen anzufangen. Aber den Schnupperkurs habe ich durchgeführt, und es war spannend. Ich muss dringend mal Videos für Youtube produzieren.

Archivlink

Blickrichtungen und das Wetterhäuschen

Freitag, 26. Februar 2010

Freitagsmilonga. Übersichtliche Besucheranzahl, aber eine fröhliche Truppe. Dank leichtem Damenüberschuss kam ich zu derart vielen Tänzen, dass ich Mühe hatte, meine Tandas im Blick zu behalten. Manchmal frag ich mich, wie Tango DJs aufgelegt haben, als es lediglich Schallplatten und Bänder gab.

Dann versuchte ich mal wieder einige Figuren aus dem Canyengue-Kurs, um festzustellen, dass mich die Tanzpartnerin mit Wetterhäuschen-Theorien zu verwirren versuchte. Wetterhäuschen? Ja, Körper- und Blickrichtung gegenläufig ist beim Tango üblich, aber manchmal geht man auch gemeinsam in dieselbe Richtung, und das ist dann eine Wetterhäuschen-Haltung. Oder umgekehrt? Ach, egal, ich hab hier weder Kuckucksuhren noch Wetterhäuschen, und die Figuren mit Regenschirm und Sonnenmütze waren ja offensichtlich eh nie Tangotänzer. Aber sollte ich jemals Tango unterrichten, dann werde ich meine Schüler absichtlich mit der Wetterhäuschen-Theorie verwirren.

Archivlink

Keine Kreuze und unbeabsichtigte Voleos

Sonntag, 28. Februar 2010

Claracita am Nachmittag im Clarahof: Volles Haus und viele schöne Tänze. Eine Frau, mit der ich bislang noch nie getanzt hatte, meinte, sie spüre es nicht richtig, wenn ich sie in das Kreuz führe. "Das kann sein, ich habe bislang noch kein Kreuz geführt" sagte ich lächelnd. Sie schien danach ziemlich verwirrt. Hm. Ich muss wohl mehr Kreuze führen. Ach ja, und passt ein pompöser Schostakowitsch wirklich zu einer feinen desde el alma?

Später noch in den Tanzpalast. Eigentlich wollte ich schon immer mal mit einem gezielten Voleo ein Tischchen abräumen, habe das aber nie geschafft. Und heute taste ich mich mit einer langbeinigen Tanzpartnerin sachte entlang der Tanzfläche, führe einen feinen Richtungswechsel, und *PLENGKLIRRDOING*, ein Glas mitsamt Inhalt ergiesst sich über das Knabberzeugs sowie über den Boden. Peinlich. Ich werde nie mehr über Rempeltänzer lästern. Zumindest in der nächsten Woche nicht.

--

Kommentar von Cassiel

Zu dem Boleo: Ein wenig Schwund gibt es immer. Solange es nur Scherben sind ist es kein Problem. Perforiert der CIF-Stöckel den Oberschenkel eines anderen Tangueros sollte man über seine Führung nachdenken. ;-)

Archivlink

Gehen, Wechseln und Folgen

Mittwoch, 3. März 2010

Endlich mal wieder Mittwochskurs. Wir gehen langsam, wir gehen rhythmisch, wir gehen beschleunigt, mal aussendurch, mal innendurch, slow, slow, quick, quick. Und kombinieren das mit Frauenvorwärtssacadas. Zusammen mit normalen Sacadas, so dass man perfekt auf der Stelle tritt. Dafür ist es schön fliessend.

Auch beim Partnerwechsel klappt es gut -- und die früher gelegentlich erlebten Fluchtreflexe von einigen Frauen scheinen überwunden, zumindest sehe ich keine taktischen Vor- oder Nachdränglerinnen. Dafür scheinen derzeit irgendwie alle Tanzpartnerinnen erkältet zu sein.

Am Ende geniesse ich zwei Tänze in der Frauenrolle, und stelle fest, dass ich da noch immer regelmässig meiner eigenen Musikinterpretation folge. Folgen ist schwer...

Archivlink

Die grosse Leere

Freitag, 5. März 2010

Nicht, dass ich heute in der Milonga besonders viel Besucher erwartet hätte, aber es war dann mit effektiven zwei Besuchern doch arg übersichtlich. Oki, ich habs jetzt eingesehen, nicht die geringste Chance gegen Gare du Nord. Ab Mai werde ich wohl die wöchentliche Mirada auf zweimal pro Monat umstellen. Finde ich zwar schade, aber die Löcher in meinen Finanzen sind bei der derzeitigen Variante einfach zu tief.

Archivlink

Kuchen und Styles

Samstag, 6. März 2010

Bei Anna und Luis zur Samstagsmilonga im Tanzpalast. Grosser Männerüberschuss und grosser Kuchentisch, aber es ist so verflucht schwer, mit einem Voleo die Kuchen zu treffen. Andere Treffer sind bei der grossen Tanzfläche noch schwerer, aber ich habe mitbekommen, dass ein paar dies durchaus hingekriegt haben. Ach ja, und mir wurde gesagt, dass der Stil, den ich tanze, eigentlich und ganz streng genommen nicht Milonguero sei. Natürlich sind Namen Schall und Rauch, aber ist es wirklich erst dann Milonguero, wenn man die Oberkörper mit Kraft aneinander drückt? Mir schien immer, das sei ein Klischee...

Archivlink

Wenn der Boden hart ist

Sonntag, 7. März 2010

Es gibt manche Frau, die im Sommer ungern zur Openair-Milonga am Petersplatz kommt, weil der harte Marmorboden dort nicht gerade die Füsse schont. Ein wenig habe ich den Unterschied hinterher auch schon gespürt, aber ich kam damit bislang ganz gut zurecht. Heute habe ich mich knapp drei Stunden lang in der Mitte beim Salsa ausgetobt, und nun spüre ich es in der Hüfte und vor allem in den Oberschenkeln kräftig. Ja, auch die Mitte hat (nebst der jämmerlichen Akustik) einen harten Steinboden. Da meine derzeitigen Salsaschlappen eh so langsam das Ende ihrer Lebensdauer erreicht haben, muss ich mich wohl mal nach Turnschuhen mit gut gefederter Sohle umsehen und beim Schuhmacher im vorderen Teil Lammfellsohlen installieren lassen.

Archivlink

Der Tango und die Erde

Mittwoch, 10. März 2010

Mittwochskurs: Seitenschritte, Vorwärtsschritte, Seitenschritte, Rückwärtsschritte. Aber mit Verdoppelungen. Seitwärts klappt das ganz gut, weil ich das auch häufig tanze. Vor allem während rassigen Milongas. Vorwärts klappt es einigermassen, wenn ich mir wirklich Mühe gebe, es sauber zu führen. Rückwärts ist es noch die Katastrophe.

Dabei ist mir aufgefallen, wie wichtig es ist, für einen Gewichtswechsel bei der Frau den eigenen Körper auch wirklich tief zu halten. Klare Akzente mit dem Rhythmus zu setzen. Meistens tanze ich ja doch eher leichtfüssig, und Begriffe wie "geerdet tanzen" oder "im Boden verwurzeln" haben für mich eher einen fremdländisch-esoterischen Beiklang. Erde? Hey, das fühlt sich eher an wie Eis da unten. Etwas mehr vom Boden fühle ich, wenn ich Knie und Hüften locker lasse. Und stelle fest, dass ich dann auch deutlicher führen kann, vor allem rasche Gewichtswechsel.

Fazit: Salsa- und Bachatakenntnisse sind möglicherweise gar nicht so schlimm, lockere Hüfte und weiche Schritte darf man auch beim Tango verwenden. Aber durch die vielen weichen "Taps" beim Salsa (und vor allem bei den Pasitos) ist man nicht gewöhnt, das Gewicht dabei deutlich abzusetzen. Latinverseuchte Tänzer bräuchten daher wohl Spezialkurse. Aber bitte nicht "Bachatango"...

Archivlink

Der Salsa und die Schulen

Donnerstag, 11. März 2010

Ein seltenes Ereignis: Ich helfe einer Freundin aus, die in einer Standard&Latein-Schule einen Salsakurs macht. Ich habe aus früheren Zeiten(tm) ja so meine Erfahrungen mit diesen Schulen, und auch heute werden die meisten meiner Vorurteile mal wieder bestätigt: Eine Frau unterrichtet Schritte (ja, nur die Schritte!), die sie offenbar noch nie selbst geführt hat, schon gar nicht zur Musik und selbstverständlich auch noch nie an einer Tanzveranstaltung.

Witzig ist, dass sie staunend meint, ich verfüge über ein riesiges Figurenrepertoire. Ich antworte lächelnd, dass ich bloss fünf verschiedene Elemente kombiniere und im Unterschied zu anderen Tänzern eigentlich kaum besonders viele Figuren kenne. Sie lacht, als hätte ich einen besonders guten Witz gemacht. Oki, effektiv sind es wohl eher acht verschiedene Grundelemente. Aber vom Tanzkonzept her trennen uns wohl Welten. Diese Schule bietet auch Tangokurse an, und ich grüble darüber, wie dort wohl der Tangounterricht aussieht...

--

Kommentar von Harmut

Vor, vor, W-i-e-g-e-schritt, Rück, Seit Schluss. Europäischer Tango des Tanzschul Verbandes - und ein Grund warum ich mit Tango Argentino (um es mal abzugrenzen) angefangen habe und damit viel glücklicher bin.

--

Antwort von Patrick

Naja, sie haben explizit auch Tango Argentino im Programm. Bloss habe ich an einer Milonga bislang noch niemanden getroffen, der dort gelernt hat...

Archivlink

Tipps, Taps und Warnungen

Samstag, 13. März 2010

Ja, schon wieder Salsa. Ich demonstriere, wie man sanft und weich vorne wie hinten einen Tap setzt, eben einen Schritt, der kein richtiger Schritt ist. Und verunmögliche meinen Schülern damit wohl, später mal richtig Tango zu lernen, weil sie bis dahin nicht mehr normal laufen können. Irgendwann werde ich wohl Warnhinweise anbringen müssen: "Salsa kann das Erlernen anderer Tänze erschweren". Aber eben: No risk, no fun.

Archivlink

Lauschen und violinenlos tanzen

Sonntag, 14. März 2010

Sonntagsmilonga im Tanzpalast, heute mit dem Martes Tango Trio: Flügel, Bass und Bandoneon. Zum Zuhören wunderbar, zum Tanzen irgendwie nicht ganz so simpel. Einige der Stücke würde ich jetzt doch eher unter dem Stichwort "konzertant" einreihen. Aber ich versuche fest, auf die Violinen zu tanzen. Auch dann, wenn keine da sind.

Archivlink

Manchmal geht alles so einfach

Montag, 15. März 2010

Privatstunde bei Cécile: Deutliche Verdoppelungen und deutliche Drehungen. Irgendwie hängt beides davon ab, ob man die Schritte auch wirklich deutlich setzt. Und stabil steht. Und richtig bei der Frau bleibt. Dann ist es plötzlich relativ simpel, selbst die Verdoppelungen beim Rückwärtsschritt. Ich sollte mal wieder Lotto spielen, um intensiver Privatstunden nehmen zu können.

Archivlink

Theoretisch steril

Mittwoch, 17. März 2010

Mittagsmilonga im Clarahof. Auf der Toilette wasche ich mir brav die Hände, und weil das Handtuch trocken und sauber wirkt, trockne ich mir daran auch die Hände ab. "Das ist unhygienisch", meint ein Mann, schliesst seinen Hosenladen und wendet sich zur Tür. "Noch schlimmer als gar nicht die Hände zu waschen?", frage ich mit hochgezogener Augenbraue zurück. "Urin ist steril", kontert er, und betont, er arbeite im Gesundheitswesen. "Urin vielleicht schon, aber Deine Harnröhre bestimmt nicht", murmle ich, doch er ist bereits durch die Tür verschwunden. Ja, eindeutig, Tango hat eine etwas zu hohe Akademikerquote. Aber vielleicht kommt ja noch die Zeit, in der im Clarahof Einweg-Papierhandtücher aufliegen.

Musste hinterher dauernd an die Telefondesinfizierer denken, und es ist irgendwie peinlich, wenn man der Tanzpartnerin nicht erklären kann, weshalb man so blöd rumkichert.

Abends Kurs: Noch etwas wildere Verdoppelungen als letztes Mal, und meine Trefferrate (nein, nicht die auf dem Fuss meiner Tanzpartnerin) ist deutlich höher als noch letzte Woche. Beim Partnerwechsel fällt mir allerdings auf, wie viele Frauen automatisch und zwangsweise kreuzen, wenn der Mann minim links vorbeiläuft. Und muss erneut mein Gekichere unterdrücken, weil mir aus einem ziemlich absurden Film der Satz "Jeder nur ein Kreuz!" einfällt...

--

Kommentar von KlausPP

Hallo Patrick, bin Gelegenheitsleser in deinem Blog. Habe sogar die alten Geschichten alle mal aufgearbeitet und da fällt mir der 06.01.2007 ein:

'Und Luis gefragt, wie lange man als Mann braucht, bis man beim Tango so einigermassen in der guten Mittelstufe drinsteckt. Er zierte sich mit der Antwort ziemlich und gab Allgemeinplätze wie "Kommt sehr drauf an...je nach Begabung...je nach Training...", aber da hartnäckiges Nachfragen ja schliesslich mein Beruf ist, gab er irgendwann nach: "So um die zwei bis drei Jahre". Uff. Manchmal stellt man Fragen, auf die man die Antwort gar nicht so genau wissen wollte... '

Und, hat er recht gehabt. Wir werden übrigens nächste Woche nach Basel kommen um die von dir geschmähten Gustavo und Giselle zu testen. Lieben Gruß aus Hamburg Klaus

--

Antwort von Patrick

Hatte Luis recht? Ich bin mir nicht sicher, ob ich nach drei Jahren schon in der "guten Mittelstufe" angekommen bin. Es gibt eine kleine Gruppe von Frauen, die sehr gerne mit mir tanzen. Es gibt eine grosse Gruppe von Frauen, bei denen ich keine Ahnung habe, wie gerne sie mit mir tanzen. Und es gibt eine riesige Gruppe von Frauen, die offensichtlich nicht im Traum daran denken, mit mir eine Runde zu drehen. Insofern: Frag in fünf Jahren nochmals :)

Das bei Gustavo ist der 600 Euro-Workshop? Viel Erfolg. Vielleicht gibt er sich dort ja mehr Mühe.

--

Kommentar von Roberto

Wenn ich zusammenrechne, was unsere Firma schon für Beraterhonorare ausgegeben hat, mir weiter vorstelle wieviel mich mein MAS kostet, dann finde ich das Seminar bei Gustavo beinahe als Ostergeschenk. Tango ist für die meisten von uns Freizeit und Hobby, für Tangolehrer und Tangolehrinnen ist es ein Beruf wie jeder andere auch, dient zu einem grossen Teil dazu, den Lebensunterhalt zu verdienen.

--

Antwort von Patrick

Für ein Wochenseminar mit Melina und Detlef und höchstens zehn Schülerpaaren würde ich das Geld wohl auch zusammenkratzen. Aber sechzig Teilnehmer, das hat irgendwie schon Bergpredigt-Flair.

--

Kommentar von Roberto

Die Einen erreichen mit ihren Aussagen zehn, die Andern eben sechzig Leute. Was solls.

--

Antwort von Patrick

Jo, Millionen Fliegen können eben nicht irren. Aber ich will mal nicht vorlaut sein, als Teenager hab ich ja schliesslich auch Platten von Modern Talking gekauft.

--

Kommentar von Monika

Nun, das Seminar ist, auf die Stunde runtergerechnet, ziemlich genau doppelt so teuer wie die meisten anderen Workshops die in der (Deutsch)Schweiz mit Gastlehrern angeboten werden. Da scheint es nur logisch dass auch fast doppelt so viele Paare teilnehmen dürfen wie sonst üblich, oder?! Und Gustavo und Giselle-Anne sind somit viermal so gut...

--

Kommentar von Oldie

Was sind schon 600 Franken? Das gibt man auch für Kleider aus, die nach einmal tragen im Kleiderschrank vermotten. Immerhin weiss man nach dem Workshop, wie man sich auf einer Milonga behaupten kann.

Kung Fu Tanda

--

Antwort von Patrick

Ja, die Kungfu-Seite ist köstlich. Aber leider auch verflucht nahe an der Realität.

--

Kommentar von Mikamou

Nicht dass ich das unterstützen würde ...

Steril-Comic

Archivlink

Tanzen in Buenos Aires

Donnerstag, 18. März 2010

Karten aus Südamerika sind immer was feines, gerade dann, wenn eine Freundin von mir soviel Glück hatte, dass sie auf ihrer Rundreise das Erdbeben in Chile um zwei Tage verpasste. Nun ist sie in Buenos Aires, und hat damit begonnen, Tangounterricht zu nehmen:

Salsa habe ich zwar nur 1x getanzt, macht mir immer noch Spass. Aber mit dem Tango habe ich eine neue Leidenschaft entdeckt; mein Programm beinhaltet 2 Gruppen- und 1 Einzelstunde pro Woche. Was fuer ein Gefuehl, einfach WOW!

Allerdings ist es dort wohl nicht immer so simpel. Bei Jantango etwa wurde vor einigen Wochen berichtet, wie ein tanzendes Frauenpärchen in einer Milonga nach dem zweiten Tanz vom Hausmeister darauf hingewiesen wurde, dass sich sowas hier nicht gehöre. Oki, Traditionsinterpretationen sind das Eine. Wenn sich dann aber jemand noch fest wundert, dass die Frau hinterher trotz ihrer "Respektlosigkeit" weiterhin von Männern zum Tanz aufgefordert wurde, dann geht mir der Fundamentalismus so langsam zu weit. Und wenn dann Argumente auf dem Niveau von "Frauen, die führen, können nicht mehr richtig folgen" herangezerrt werden, dann wirds einfach nur noch lächerlich. Natürlich, Frauen können nicht Autofahren und Selbstbefriedigung schädigt das Rückenmark. Wissen wir ja alle schon längst.

Wenn ein Mann zehn Jahre tanzt, dann hat er zehn Jahre lang Erfahrung im Führen. Er wird an vielen Festivals gewesen sein und daher mit einer riesigen Anzahl an unterschiedlichen Frauen getanzt haben. Und viele verschiedene Stile ausprobiert haben. Eine Frau tanzt vielleicht ein paar Jahre in der Folgerolle und beginnt dann erst zu Führen, dabei hat sie gelegentlich einen recht überschaubaren Kreis von ein paar Frauen und möglicherweise noch ein paar Männern in der Folgerolle. Und führt nicht ganz so viel, weil sie ja oft auch als Folgende tanzt. Wenn man dann unter den alten Hasen der Tangoszene einfach vergleicht, ob Frauen oder Männer besser führen können, dann sagt das folglich nicht viel aus.

Also, liebe Traditionalisten: Wäre es nicht sinnvoller, für mehr Respekt innerhalb des Tanzpaares sowie generell auf der Piste einzutreten, statt darüber zu wachen, dass nur politisch korrekt zusammengestellte Tanzpaare die Aufmerksamkeit an einer Milonga auf sich ziehen? Immerhin haben um 1900 rum auch die Männer beim Tangotanzen ihre Beine aneinander gerieben, so schlimm kann das also gar nicht sein, wenn das heute auch die Frauen tun.

--

Kommentar von Elbnymphe

Ich stimme Deinem Vorschlag zu. Warum manche Leute meinen, sie besäßen das Recht, alles zu kritisieren, schlecht zu machen oder gar zu untersagen, was anders als sie selbst ist, obwohl es sie selbst in ihrem Vergnügen nicht einmal ansatzweise tangiert, übersteigt meinen Verstand.

--

Kommentar von Garance

Tatsächlich fühlt man sich bei dieser "wer folgt,- wer führt" Debatte an die 50er/60-er Jahre erinnert,- als es hiess, ausser Haus zu arbeiten schade der Sexyness einer Frau. Was die Argumente gegen das Frauenstimmrecht waren, ist mir leider(oder zum Glück) entfallen.

Obwohl durch die sich verändernden Paarkonstellationen sicher die Machtansprüche einiger Männer empfindlich getroffen werden, ist es verkürzte Optik, das Thema als post-feministische Blüte zu betrachten. Zumal es auch Frauen gibt, die aus Traditionsbewusstsein an der Mann/Frau Konstellation festhalten wollen. (sich ergänzende Energien etc...Janatango)

Alle diese Argumente zielen an der simplen Tatsache vorbei, dass die meisten Frauen begeisterte Tänzerinnen sind, jedoch meist auf Grund der Mengenverhältnisse an einem Abend deutlich weniger tanzen als viele Männer,- auch wenn sie tolle Tänzerinnen sind.

Erfahrene Tänzerinnen können das Führen relativ leicht erlernen. Kann sein, dass sie teilweise technisch weniger virtuos sind als Männer die ausschliesslich führen. Die Qualität der Führung ist jedoch teilweise ausgezeichnet. Selber-führen macht grossen Spass und das Bewegungs-und!Spürrepertoire erweitert sich enorm.

Wer sich nicht in die gängigen Vorstellungen oder Konventionen einordnet, läuft Gefahr von den "HüterInnen der Regeln" entweder entwertet oder sonstwie verunglimpft zu werden.- Das wird die richtig "Angefressenen", denen es wesentlich um die Freude am Bewegen geht,- egal auf welcher Seite,- hoffentlich nicht abschrecken.

--

Kommentar von Tangosohle

Ich selbst habe das zwar noch nie erlebt, echauffiere mich aber ebenso. Man müsste solche Regelhüter dann fragen, ob es ihrer Vorstellung entspricht, wenn Tänzerinnen Eintritt dafür zahlen, um sit&smile zu praktizieren. Eine Tanguera erklärte mir einmal: Ich habe die Möglichkeit, als Folgende bestenfalls mit mittelmäßigen Männern zu tanzen oder als Führende mit guten Frauen.

Archivlink

Neuer Rhythmus, neues Glück

Freitag, 19. März 2010

Freitagsmilonga. Kaum stellt man auf zweiwöchentlichen Betrieb um ist die Bude voll. Jetzt muss ich darüber grübeln, wie und wo ich noch ein paar zusätzliche Sitzplätze schaffen kann. Und die Garderobenständer erweitern. Und die Getränkekapazität erhöhen. Ach ja, und das mit der Milongaauswahl ist irgendwie auch nicht ganz so trivial. Aber davon ein andermal mehr.

Archivlink

Neue Boxen, alter Raum

Sonntag, 21. März 2010

Salsa in der Mitte. Wie üblich ein ziemlich feucht-warmes Klima, dafür freue ich mich über einige Tanzpartnerinnen, die ich teilweise schon monatelang nicht mehr gesehen habe. "Machst Du immer noch Tango?", lautet die Standardfrage. "Atmest Du noch immer Luft?", frage ich zurück. Dickes Grinsen. Manche Dinge ändern sich nie.

Auch die Akustik in der Mitte nicht: Seit letzter Woche ist eine neue Lautsprecheranlage installiert. Für richtig viel Geld. Aber da der Raum noch derselbe ist, scheppert es noch immer so wie früher. Aber mit der Möglichkeit, es noch lauter scheppern zu lassen wie früher...

Archivlink

Soundcheck und eine bernische Enttäuschung

Dienstag, 23. März 2010

Frühlingshafte Temperaturen, daher ein idealer Tag für einen Soundcheck, schliesslich hab ich Openair-Tangopläne für den Sommer. Es gibt Weisheiten, die sind ewig gültig: Sicherungskästen muss man grundsätzlich selber suchen, fremden Kabelrollen sollte man nie vertrauen und ein Phasenprüfer ist quasi das Kondom des Tontechnikers. Manchmal wäre ich gerne ein Stöpsel-DJ (Das ist einer, der eine Viertelstunde vor Milongabeginn andüst und einfach sein Netbook in die Anlage stöpselt), andererseits ist ein wenig Abenteuergeist ja auch nicht schlecht.

Jedenfalls klingt der Sound nun ganz anständig, der Tanzboden ist mittelmässig, die Überdachung regensicher, die Getränkeversorgung perfekt, der nächste Fluss ebenso wie die nächste Bushaltestelle knapp 80 Meter entfernt, und der Pächter hat sein Einverständnis gegeben. Leider steht der Ort während der Fussball-Weltmeisterschaft nicht zur Verfügung, aber bis Anfang Juni gibt es auf jeden Fall eine Openair-Samstagsmilonga. Starttermin? Kommt nächste Woche...

Abends dann mal wieder nach Bern ins Progr: Glücklicherweise kannte ich eine Tänzerin, und die Runden mit ihr waren schön. Ansonsten war der Abend ziemlich enttäuschend: Viele gelangweilt dreinschauende Frauen, noch mehr däumchendrehende Männer, ein unglaubliches Chaos auf der Tanzfläche, ein ziemlich verqualmter Eingangsbereich und eine völlige Cortina-Unlogik. Ich mein, wenn offensichtlich bloss eine feste Playlist runtergenudelt wird, dann sind wilde Mixturen von Tango und Vals sowie eine Cortina nach bloss einer Milonga schon irgendwie peinlich.

--

Kommentar von Anonym

Was veranlasst Dich dann nach Deinem unhöflichen Kommentar als Basler uns immer wieder in Bern zu besuchen?

--

Antwort von Patrick

Wer ist "uns"? Ich hatte ja schon durchaus schöne Erlebnisse im Progr, diesmal war es eben enttäuschend. Dazu noch ein Dialog mit einer bislang unbekannten Tänzerin im Progr: "Du kommst aus Basel? Naja, ihr Männer habt es gut, ihr könnt einfach überall tanzen gehen!". Wobei der Satz natürlich auch in Zürich oder Basel so hätte fallen können (und auch schon so ähnlich gefallen ist). Der Satz ist einfach nur dumm, und er hob meine Laune auch nicht gerade besonders.

--

Kommentar von Mikamou

"Der Satz ist einfach nur dumm, und er hob meine Laune auch nicht gerade besonders."

Also das ist schon Jammern auf hohem Niveau ... dass es dir nicht immer so läuft wie du es dir wünschst ist doch normal. Für Tänzerinnen sieht das doch vielfach etwas anders aus!

--

Antwort von Patrick

Oki, solche Sätze sollte man einfach runterschlucken können. Nur: Implizit sagte sie damit ja, dass Frauen nicht einfach so überall tanzen gehen könnten, und das halte ich zumindest in unseren Breitengraden schlichtweg für ein Gerücht.

Archivlink

Voleos im Aargau

Freitag, 26. März 2010

Milonga-Reisende haben idealerweise eine Taschenlampe dabei. Denn wenn man in Aarau in die dunkelsten Ecken entlang der SBB-Geleise geht, dann kommt man zu Movi-Menti: Ein grosser Schuppen, der so aussieht, als befände sich eine Modelleisenbahn-Ausstellung darin, doch im obersten Stock läuft tatsächlich eine Milonga. Zumindest heute noch, der Verein zieht ab April an einen neuen Ort.

Es war eine übersichtliche Runde, und der Beginn war etwas harzig: Zwar ist bei uns ja von Kanton zu Kanton angeblich alles anders, aber eine gewisse Cabeceo-Schwäche der Frauen scheint sich durch die gesamte Schweiz zu ziehen. Witzig nur, wenn mich dann ein Mann anspricht, und meint, er sei das erste Mal hier, er würde gerne von mir wissen, ob das hier mit dem Blickkontakt klappe. Nicht so richtig, nein...

Doch zu späterer Stunde gab es dann auch schöne Tänze, und ich habe sogar eine bislang unbekannte Tanguera dazu gebracht, mich während einer Tanda zu führen. Ich staunte schon, wie schön meine tiefen Voleos plötzlich sind, bis sie mir erklärte, sie habe eigentlich ja Ochos führen wollen. Lag bestimmt am Linoleum-Boden.

--

Kommentar von Cassiel

Wie wahr, wie wahr! Eine Taschenlampe führt der umsichtige Tanguero immer mit sich, wenn er in fremden Gefilden unterwegs ist, dazu kommen (zumindest bei mir): Ein kleines Nähzeug, Pflaster und Verbandsmaterial, Ibuprofen 200 (habe ich erst am letzten Freitag wieder gebraucht, ein Tanguero hatte Kopfschmerzen, der hat dann gleich erst einmal zwei Tabletten bekommen), ein kleiner Block für Notizen, Nasenspray (welche Tanguera tanzt gerne mit einer Tropfnase?), Handcreme (rauhe Hände auf Synthetik-Tops mag ich gar nicht), Aufrauhbürste für die Schuhe (die meisten Leihausgaben dieses Werkzeugs auf Milongas sind unbrauchbar) und... und... und...

Und vielleicht sei mir eine kleine Anmerkung zum cabeceo gestattet: Es geht für mein Empfinden nur exklusiv. Wenn ich mal per Blick, mal verbal auffordere, dann werde ich für das Umfeld unlesbar. Also nehme ich mir die Zeit, auch in fremden Umgebungen per Blickkontakt aufzufordern. Das klappt erstaunlich gut.

Archivlink

Ohrenschmerz und Kreuz-Erfahrungen

Samstag, 27. März 2010

Samstagsmilonga mit Stefania und Jens im Tanzpalast. Ohrenbetäubende Lautstärke, aber irgendwann kann ich mich doch auf die Musik konzentrieren und geniesse die Tänze. Mein erster Tischtreffer als Frau. Kein Voleo, nur eine sanfte Berührung eben. Hat irgendwie was Unschuldiges, hinterher "Oh, das war ein Tisch?!" zu murmeln. Blame her, not me.

Hochinteressant auch ein Kreuzproblem: Oft spüre ich als Mann, wie eine Frau viel zu hektisch durch eine bestimmte Figur düst. Als Frau tue ich dasselbe beim Kreuzen, und zwar derart, dass die führende Frau gar nicht spürt, dass ich ein Kreuz gemacht habe. Also mal wieder: Absetzen, Gewicht wechseln, weitergehen. Folgen ist nicht so trivial, wie man sich das gelegentlich so vorstellt...

--

Kommentar von Dario

Hallo lieber Blogger, ich bin der Ursacher deines Schmerzes! Deutsch ist nicht meine Muttersprache, sorry! Es tut mir Leid, dass du meine Musik unerträglich fandest. Kennst du dich mit Milongas aus? Warst du mal in BsAs? Wieso sprichst du nur über die Lautstärke? Ist Quantität wichtiger als Qualitat für dich?

--

Antwort von Patrick

Hallo Dario, ich spreche doch von der Qualität. Ab einer gewissen Lautstärke kann zumindest ich die Musik nicht mehr geniessen, und verzerrte hohe Töne tun in den Ohren dann richtig weh. Braucht es an Milongas wirklich Discolautstärke? Müssen wir alles aus Buenos Aires importieren? Ich habs immerhin schon nach Paris, Berlin und Wattwil geschafft, und hey, die können dort in ganz normaler Lautstärke auflegen.

--

Kommentar von Dario

Sei doch nicht übertrieben, es sei nicht so laut gewesen. Milonga ist ein Tanzlokal und kein Bar zum Schwatzen. Gehe nicht in die Milonga von Picherna oder Orlando (kennst du die? die sind für mich die besten DJs der Welt), dort kannst du nicht überleben. Seit 10 Jahren bin ich mit Tango überall (ausser Wattwill!) und Klang ist mein Beruf, unschöne hohe Töne sind bei mir nicht da, weil ich die Musik immer equaliziere. Und ich meine weiter, Qualität ist die Zusammenstellung und Auswahl der Tandas. Ich komme mal deine Musik in deiner Milonga zu geniessen.

--

Kommentar von Monika

äähm, ich war nicht dabei an dieser Milonga und kann die Lautstärke absolut nicht beurteilen. Was ich aber weiss: 1. Laut ist nicht gleich gut.

Und 2. Felix Picherna wird von den Argentiniern, seit er so lange in Europa lebt und arbeitet, nicht mehr als guter DJ angesehen. Das europäische Publikum verderbe den DJ, heisst es. Da mag etwas dran sein. - Mich jedenfalls hat seine Musik nicht überzeugt, mehrmals. Langweilig, schlechte Zusammenstellung der Tandas, vorhersehbar... Allerdings bewundere ich, dass er noch immer mit Cassetten(!) arbeitet (was es für die Soundqualität bedeutet mit Uralt-Cassetten zu arbeiten sei mal dahingestellt) und sich traumwandlerisch sicher darin zurechtfindet...

--

Antwort von Patrick

Felix Picherna habe ich 2008 in München erlebt, und ja, ich weiss noch, dass es ziemlich laut war. Gewiss habe ich empfindliche Ohren, andererseits habe ich schon als Teenager Discos veranstaltet und bin daher bestimmt nicht auf Flüsterlautstärken geeicht. Dario, Du bist in der mirada natürlich herzlich willkommen, musst aber möglicherweise damit rechnen, dass es Dir zu leise sein wird. In Bezug auf Tandas bin ich noch am lernen und ausprobieren.

--

Kommentar von Monika

Patrick, du sagst die führende Frau spürt nicht dass Du eingekreuzt hast? - Heisst das du kreuzt ein ohne explizit hineingeführt zu werden? #Verwirrung

--

Antwort von Patrick

Nein, ich kreuze sogar nur, wenn die Frau es überdeutlich führt ;-). Manchmal schiebe ich aber mit meinem linken Unterschenkel mein rechtes Bein so rasch weg, dass die führende Frau eben nicht spürt, ob ich wirklich gekreuzt habe, und das verwirrt. Hab ich als führender Mann auch schon erlebt (hm, hat sie jetzt wirklich gekreuzt?), jetzt kenne ich den Grund: Undeutliche Gewichtswechsel. Plus vorauseilender Gehorsam. Das letzte ist eh schlecht, weil nach dem Kreuz ja auch irgendetwas anderes kommen kann. Gibt es wohl so ähnlich bei Giros, aber das habe ich noch nicht ausprobieren können, weil ich als Folgender dort ähnlich langsam wie eine Schnecke mit Schneeketten bin.

--

Kommentar von Yvonne

Watt...Watt...Wattwil!!!! en liebe Gruess und guet Tango!

Archivlink

Tagebuch statt Blog

Donnerstag, 1. April 2010

Eröffnungsabend am Ostertango: "Tangoblog" hiess das Thema, doch wer ironische Spitzen gegen mein Blog erwartet hatte, der wurde enttäuscht. Die Videoreportage war auf der Suche nach dem Tango in Buenos Aires, und Highlight war dabei zweifellos Romeo. Tröstend zu wissen, dass er, sollte die Tangoschule hopps gehen, problemlos einen Job als Fernsehmoderator bei Telebasel finden wird.

Nicht voll, aber dennoch viel Festivalvolk in der Abendmilonga. Vom Tanzfluss her ziemlich chaotisch, aber glücklicherweise nicht aggressiv. Ich fand das Tanzen dennoch ziemlich ermüdend und hab viele Pausen gemacht. Erst die letzten Stunden tief in der Nacht konnte ich auch als Führender wirklich geniessen: Einerseits war dann viel Luft zwischen den Tänzern (will heissen: Man wird beim Tanzen nicht pausenlos aus allen Richtungen bedrängt), und es gab auch keine programmatischen Unterbrüche mehr.

Und da wir es neulich hier von der Lautstärke hatten: Schon letztes Jahr fand ich den Dezibelometer hinten rechts im Saal sehr praktisch, ich fühle mich durchaus wohl, wenn der Schalldruck unter 80 db bleibt. Das dürfte wohl am morgigen Freitag bei der Live-Musik nicht der Fall sein...

--

Kommentar von KlausPP

Hallo Patrick, zurück aus Basel wollte ich mich nochmal melden. Und ich habe ein paar Fragen und auch Antworten.

EröffnungsMilonga: Waren wir auch. Was sollte das mit den ganzen Securityleuten und dem "Taschen im Saal werden eingesammelt" usw., ich kam mir vor wie auf einem Flughafen, wo herren/damenlose Taschen und Koffer auch eingesammelt werden. Hatte jemand einen Anschlag von "Al Qaida" erwartet, oder ist das schweizer Ordnungsliebe gewesen ;-) ? Uns war das zu rummelig, wir sind nicht mal bis zu den Showtänzen geblieben.

Naveira & Anne Nachtrag: Das hat sich definitiv gelohnt und war jeden Euro und Franken wert! Streckenweise war ich zwar auch überfordert, aber das hatte ich erwartet, war also keine Überraschung.

--

Antwort von Patrick

Hallo Klaus, das war an den Abenden wohl eine Mischung aus Angst vor Stolperfallen, gepaart mit kostenpflichtiger Garderobe -- dazu ein Türsteher, der vom Tonfall her normalerweise mit alkoholisierten Konzertbesuchern klarkommen muss. Ich fand es auch absurd, dass Damenhandtaschen erlaubt waren, kleine Rucksäckchen mit Pulli und Handtuch drin hingegen theoretisch nicht.

Archivlink

Alternativ-Milonga

Freitag, 2. April 2010

Übersichtliche Runde heute in der Milonga, aber es war absehbar, dass das eher ein kleines Sammelbecken für Leute wird, die nicht sonderlich auf Tanghetto stehen. Ich hab dann extra klassisch aufgelegt, aber so im nachhinein glaub ich, es war möglicherweise zu klassisch. Dafür gabs eine kleine Salsashow. Wurde hinterher gefragt, ob es im Tango auch Doppeldrehungen gäbe. Nun, ich habe noch keine gesehen. Aber irgend ein Neo-Paar wird das bestimmt noch erfinden und dafür ein noch cooleres Wort als "Soltadas" benutzen.

Archivlink

Drehungen im Tangocafe

Samstag, 3. April 2010

Volles Haus am Nachmittag im endlich beinahe rauchfreien Tangocafe, zwischen den Workshops wird es gar noch ein wenig voller als voll. Der DJ wetteifert mit dem hauptsächlich plaudernden Volk um die Lautstärke, und er DJ siegt meistens. Ein Tanzfluss entsteht nicht so richtig, daher übe ich mich kräftig in der Kunst des Drehens an Ort und Stelle. Zwischendurch klappt das ganz gut, aber mir scheint, ich konnte das schon besser.

Dafür beschweren sich einige Leute bei mir über die Eintrittspreise, die Garderobenpolicy und die Disco-Atmosphäre des Festival-Vorabends mit Tanghetto. Ja, bei mir. Ich mag manchmal etwas vergesslich sein, aber ich glaub nicht, dass ich jemandem geraten hatte, am Freitag zum Ostertango zu gehen. Den Vogel schiesst eine Frau ab, die mir die Schuld dafür gibt, dass von meiner Freitagsmilonga nichts im Festivalprogramm stand. Seufz. Es gibt eben Paralleluniversen. Auch im Tango.

Archivlink

Tangocafe mit Piazzolla

Montag, 5. April 2010

Nochmals ins Tangocafe am Nachmittag, um sozusagen die letzten Zuckungen des Ostertangos zu erleben. Viele sind wohl schon abgereist, die Platzverhältnisse sind recht luxuriös. Aber irgendwie ist die Tanzfläche dennoch gefährlich, es wird ziemlich um den Platz gekämpft. Hm, zieht auf einer Milonga eigentlich die Toyota-Ausrede vom klemmenden Gaspedal?

DJ Peter pflegt seine berüchtigten Unlogik-Tandas: Mal eine Milonga, mal immerhin drei Valse am Stück, dann plötzlich ein Piazzolla. Oki, "Celos" gefällt mir auch, aber der Mix verursachte auf der Tanzfläche einiges an Stirnrunzeln. Wenn ein Festivalvolk schon auf Tanghetto nicht verzichten kann, dann wohl auch nicht auf Cortinas.

Übrigens sucht die Stadt für das Volkshaus eine neue Trägerschaft, was dem jetzigen Pächter gar nicht passt. Was das ab 2012 für den Ostertango bedeutet? Vermutlich nichts Gutes...

Archivlink

Baggern im Schuppen

Dienstag, 6. April 2010

Irgendwie hab ich grad eine Salsa-Phase. Also ab in die Kuppel. Vieles ändert sich nie: Noch immer hauptsächlich kubanischer Tanzstil, harte Musik, spätestens eine Stunde nach Eröffnung proppenvoll, dunkel, eine dB-Anzeige zwischen 94 und 97 (ja, das ist das Niveau einer Kettensäge) sowie natürlich viel Zwischenmenschliches, was das Image vom Aufriss-Schuppen nachhaltig pflegt. Seit letzter Woche rauchfrei, was aber nach 23 Uhr leider reine Theorie ist. Das Gebäude ist alt und hat Charme, und auch für eine Milonga wäre das Gebäude gar nicht so schlecht geeignet. Im Gegensatz zu Buenos Aires haben wir in Basel beim Tango nämlich noch keine Baggerschuppen. Aber vielleicht brauchen wir das ja auch gar nicht.

Archivlink

Aussichten und Stammgäste

Mittwoch, 7. April 2010

Schon wieder Salsa: Heute im Fame. Tatsächlich rauchfrei, mehr Sitzplätze als früher, aufgefrischter Boden. Aber vor wenigen Wochen stand der Anlass finanziell kurz dem Ende. Keine Ahnung, wie die das geschafft haben, aber offenbar haben sie innerhalb der letzten eineinhalb Jahre ungefähr die Hälfte der Stammkundschaft vergrault. So sind auch heute die Platzverhältnisse auf der Tanzfläche luxuriös. Das Fame ist ein typischer Anlass der Sorte "Sehen und gesehen werden", Zuschauer können an einem erhöhten Geländer die ganze Tanzfläche überblicken. Parallelen zum Tango sind selbstverständlich rein zufällig. Ich muss mal eine Veranstaltungs-Typologie entwerfen.

--

Kommentar von Elbnymphe

Finde interessant, wie du das Wort "Anlaß" verwendest - wieder so ein Helvetismus. ;-)

--

Kommentar von Mikamou

Parallelen zwischen Salsa im Fame und Tangoevents im Allgemeinen zu ziehen halte ich für verwegen und wenn dann die Objektivität deiner Veranstaltungs-Typologie jener deiner Rempelei-Wahrnehmung entspricht bin ich mal gespannt. :)

--

Antwort von Patrick

Kein Anlass zur Veranlassung, liebe Elbnymphe. Aber da kriegt der juristische Begriff der Anlasstat doch eine verwirrende neue Seite.

Objektivität bei Rempeleien? Schwierig. Meine Objektivität ist immer so verflucht subjektiv. Was die Typologie angeht: Es gibt schon Veranstaltungen, wo deutlich mehr Eifersuchts-Dramen mitzuerleben sind als anderswo. Oder liegt das nur am Frühling?

Archivlink

Ein Theater in Freiburg

Samstag, 10. April 2010

Es ist schon fast Tradition, dass ich nach Freiburg ausweiche, wenn Gustavo in Basel seine Abschiedsmilonga zelebriert. So auch heute, PVC-Tango im Theater. Bislang kannte ich lediglich die Probebühne in den oberen Gefilden, heute findet die Milonga auf der Hauptbühne statt: Eine beeindruckende Beleuchtung, viel Platz, weicher PVC und daneben Tische mit Festbänken.

So mischt sich das Volk ziemlich locker, und ein Tanz ergibt den nächsten. Heute habe ich als Folgender zum ersten Mal zwei ziemlich zügige Milongas am Stück durchgehalten. Das war so, als hätte ich Beethovens neunte Symphonie zum ersten Mal live gehört. So langsam versteh ich, warum Frauen offenkundig schneller tangosüchtig werden. Auf den Beethoven folgt ein gemütlicher Salsa, und das Glück war perfekt. Manchmal muss man sich die Heiratsanträge wirklich kräftig verkneifen.

Später eine Diskussion mit einer Frau, die fand, Männer seien meist schwerfällig und sollten sich daher primär von anderen Männern führen lassen. Ich weiss nicht. Wenn sich nun auch noch die Anfänger-Folgemänner die guten Führer schnappen, um sich führen zu lassen, dann gibt es in der weiblichen sit&smile-Ecke wohl demnächst Aufstände.

Ach ja, und zwei Frauen haben mir heute auf der Tanzfläche erklärt, sie wären betrunken. Ist das eine indirekte Abschleppmethode? Da habe ich vermutlich mal wieder ganz viel verpasst. Irgendwie verstehe ich es aber auch, die Männer in Freiburg muss frau sich wohl oder übel schön trinken. Dabei könnten sie doch beim Tanzen auch einfach die Augen schliessen...

--

Kommentar von Inselkind

Hallo Patrick, ich wusste doch, das es gefährlich ist sich mit einem Blogschreiber zu unterhalten. ;-)

Wieso sollen Anfänger-Folgemänner denn gleich nur mit den Gut-Führenden tanzen? Auch wir Frauen-Folgenden tanzen quer durch die Niveaus. (vielleicht nicht alle, aber doch die meisten Frauen) Das Sit and Smile Problem würde daher entfallen. Und wenn wir "smilen" dann eher weil wir uns daran erfreuen Männer gemeinsam tanzen zu sehen!

Und das mit dem Schöntrinken nützt nicht viel, denn es geht ja nicht um das Aussehen sondern um das Fühlen beim Tanzen. Und wenn du selber schon mal beim Folgen die Augen zugemacht hast, wirst du ja wissen, dass sich die Intensität da eher noch erhöht... egal in welche Richtung!

--

Kommentar von Monika

*hust* - es ist DIE Salsa, Patrick. la Salsa. Und die ändert ihr Geschlecht nicht in der Übersetzung vom spanischen ins deutsche. Auch wenn es LA Luna und DER Mond heisst. La Salsa bleibt la Salsa (und DAS Blog bleibt DAS Blog, und nicht DER Blog)

*/Korinthenkacker-Modus off

--

Antwort von Patrick

Naja, ich erinnere mich an eine Frau, die mir mal von alten Zeiten(tm) erzählte, als es in Basel noch weniger tanzende Männer geben habe und die Frauen wohl ziemlich viel rumgesessen sind. "Da haben die Männer miteinander getanzt, und wir haben frustriert zugeschaut", argumentierte sie. "Heute wäre das eine praktische Lösung für den Männerüberschuss", antwortete ich lachend. Ich weiss noch, wie sie mich daraufhin völlig verständnislos angeschaut hat. Für sie war ein Tanz von zwei Männern offenbar eine Demonstration von Arroganz.

In der Praxis lernt Mann eben beim Tanzen gelegentlich eine Frau kennen, die auch gerne führt, und so ergibt sich der Rollenwechsel recht zwanglos. Für alle anderen Kombinationen müsste man eben suchen.

Was die Gut-Führenden betrifft: Ja, wenn man einmal vom himmlischen Honig gekostet hat, dann fällt es wohl schwer, sich für eine Weile wieder auf Wasser zu beschränken. Wirklich schlimm ist es allerdings gelegentlich für mich, mitanzusehen, wieviele Leute Wasser nicht von Sand unterscheiden können.

Monika, der Satz "Hast Du Lust auf eine Salsa?" kommt mir dermassen schräg von den Lippen, da bleib ich lieber bei meiner Version -- möge sie dogmatisch betrachtet noch so falsch sein. Glücklicherweise kann man den Unterschied im Dialekt perfekt verstecken...

--

Kommentar von Mikamou

Also bei Männermangel halte ich miteinander tanzende Männer (Spezialfälle ausgeschlossen) für arrogant! ... und was, um alles in der Welt, ist Sand im Bezug auf Wasser und Honig?

Leo hat auch eine Meinung zu eurem Soßenproblem...

--

Kommentar von Pablo

Anscheinend gefällt dir der Senioren Tanzstill von Gustavo Naveira nicht. Habe gerade mit bekommen, von einem Kursteilnehmer , dass er in Basel 3 Wochen Seminare à Euro 600 pro Person hatte. Er war enttäuscht, Senioren Tango, wer sonst zahlt Euro 600. für ein wenig herumzulaufen.

Es sollen ca 30 Paare pro Seminar dabei gewesen sein. Kein schlechter Wochenverdienst; 30 Paare = 60 Personen x Euro 600 = Euro 36 000.--. Gibt dann für diese 3 Seminare à je eine Woche ein Einkommen von Euro 108 000.--- oder USD 150 000.--.

Ernenne dich ebenfalls selbst zum Guru, kann sich lohnen!

--

Kommentar von Roberto

Sorry Pablo, bevor du dich öffentlich äusserst, solltest du dich richtig informieren. In fast jedem deiner Sätze ist eine Falschinformation. Es waren nicht drei sondern zwei Wochen. Es hat nicht 600 sondern 550 Euro gekostet. Dabei waren auch nicht 30 Paar sondern 23.

Dumm, dass du dich nicht besser informierst. Noch ein kleine Rechenaufgabe. 550 Euro durch 20 Unterrichtsstunden = 27.5 Euro, CHF also etwa 39.00, je nach Kurs (Der Euro ist im Moment ja ziemlich günstig zu haben). Findest du den Kurs immer noch zu teuer? Apropos Seniorentango, probiers doch mal aus, mal sehen wie lange du dich konzentrieren kannst (gilt übrigens auch für Patrick).

--

Antwort von Patrick

Mit der dritten Woche meinte er wohl Davos. Aber den Begriff Seniorentango hätte ich im Zusammenhang mit Gustavo auch nicht verwendet, vielleicht eher vielleicht den Begriff Figurentango. Kurspreise sind natürlich immer relativ, aber wenn man bedenkt, dass die Privatstunde als Paar bei einem guten Lehrer rund 80 Franken kostet, dann erscheinen mir persönlich jetzt 2x 39 Franken an einem Massenanlass kein Schnäppchen.

--

Kommentar von Roberto

Zu Figurentanzen noch ein Nachsatz. Für wen hat Bach sein wohltemperiertes Klavier auch noch gedacht? "zum Nutzen und Gebrauch der Lehrnbegierigen musikalischen Jugend", für Leute also, die an Präludien und Fugen ihre Fertigkeiten verbessern wollten und dies auch noch mit Genuss. Du kannst das Figurentanzen ja auch so verstehn. Man lernt die Technik anhand komplizierter Figuren

--

Kommentar von Klauspp

In Berlin bietet Debora Gutman Kurse für "Menschen mit längerer Lebenserfahrung" (Hübsche Umschreibung) an. Einstiegsalter ist da 55 Jahre. [Ironie]Super, dann war ich ja bei Gustavo genau richtig.[/Ironie]

Seniorentango? Das Seminar hieß ja "Tango Milonguero" und das, was gemacht wurde ensprach dem auch. Wenn da jemand Sacadas und Boleos wie im Schleudergang erwartet hatte, dann ist er sicherlich schwer enttäuscht worden und hat beim Buchen des Kurses wohl nicht richtig aufgepasst. Senioren? Oder waren zu viele Senioren im Kurs? Also bei uns war der Altersdurchschnitt vielleicht um die 40 bis 45 und "echte" Senioren (>65) hatten wir gar nicht.

Geld? Ich bezahle lieber Naveira/Anne gutes Geld für einen Kurs mit meinetwegen 30 Paaren, als dasselbe Geld für jemanden aus dem Fenster zu schmeissen, der nicht in der Lage ist seinen Stoff angemessen didaktisch zu vermitteln und/oder ein unverständliches Englisch spricht. Btw: Also bei uns (29.03-03.04) waren es ca. 28 Paare als ich mal gezählt habe. Figurentango? "Gehst du noch oder tanzt du schon?" [Ich hoffe die Werbung gibt es bei euch in der Schweiz auch, sonst ist der Scherz leider daneben gegangen.]

Alle Anfänger wollen Figuren lernen. Wenn man ihnen sagen würde, dass es besser wäre erstmal 2 Jahre zu gehen, dann käme kein Mensch in die Kurse. Kann man erstmal ein wenig tanzen, dann ist es natürlich verpönt das Wort "Figur" überhaupt zu erwähnen. Gäbe es im Tango das Unwort des Jahres, es würde jedes Jahre das Wort "Figur" gewinnen. [Ironie]Ich z.B. tanze keine Figuren, sondern nutze mein in den Kursen erworbenes Wissen über Schrittelemente und -folgen ausschließlich für notwendige, nicht zu vermeidende Ausweichmanöver in engen Milongas.[/Ironie]

PS: Hab' letzte Woche einen ironischen Beitrag in tango-de geschrieben. Haben nicht alle kapiert. Und ich bekam dann bitterböse antworten, daher bin ich heute vorsichtiger.

--

Antwort von Patrick

Ironie ist gefährlich, angekündigte Ironie hingegen wirkungslos. So ist das Leben. Zu den konkreten Workshopinhalten musstest Du eine Vertraulichkeitsvereinbarung unterschreiben?

--

Kommentar von Klauspp

Hallo Patrick, leider hast Du meinen Text etwas ungünstig umgebrochen, was ihn noch unverständlicher macht, als er sowieso schon ist. Naja, liest ja sowieso keiner.

Deine Frage/Suggestivfrage, "Zu den konkreten Workshopinhalten musstest Du eine Vertraulichkeitsvereinbarung unterschreiben?" verstehe ich nicht. Ein Scherz von Dir? Ironie? Interesse? Bitte kläre mich auf.

Tango Milonguero: "It is a program based on the rules of the social tango dance. That means that we ll study here all that we believe is necessary for a good dancing in a milonga reasonably crowded. There is a particular embrace, a kind of steps manageable at reduced spaces, with lots of rhythm and a high level of concentration on the music and on the partner. We ll work in this seminar, a very subtle technique through the upper body turns that permits the control of the space and the movement in all directions, keeping the minimum distance inside de couple. We also work here on the attitude that has a great influence on the dance results, and takes a basic role in the milonga context, where the social meeting is the regular situation. Another important element in this ambit is the particular use of the memory that privileges the reaction at the moment; we look forward to mobilize the improvisation through the use of small modules or short sequences, conveniently organized, very useful to easily solve the dance. We also include in the program some quotes about historic items of the tango dance which are the connection that brought us to what the Tango Milonguero is today."

--

Antwort von Patrick

Danke für die Beschreibung, das klingt ja überraschend gut. Ja, meine Suggestivfrage war ironisch gemeint -- ich hatte mich bislang immer gewundert, weshalb mir noch nie jemand erzählen konnte, was in den Workshops denn nun konkret gemacht/gelernt wurde.

--

Kommentar von Klauspp

Nun, ich kenne ja Deinen Eindruck von GN/GA. Tatsächlich sind das sehr akribische Arbeiter, die ein genaues Konzept, Struktur und Vorgehensweise für ihre Kurse haben. Nicht umsonst waren einige Teilnehmer dabei, die schon viele Workshops bei den beiden gemacht haben (Rekord = 9 Wochenworkshops).

Wenn man nicht gerade 10 Jahre intensive Tanzerfahrung hat (also GuruStatus), dann kommt man aber spätestens am 4 Tag leicht in Probleme (ich). Ausnahmen: a) man ist ein Bewegungsgenie, b) der/die Tanzpartner/in ist ein Bewegungsgenie.

--

Kommentar von Pablo

Klausspp, wenn du so tanzt wie du schreibst, da warst du in der Tat am richtigen Kurs.

Archivlink

Zürich? Boring!

Montag, 12. April 2010

Die Verbindung zwischen Zürich und Basel war noch nie besonders innig. Und die Zürcher Tanzszene würde ich persönlich ja auch nie in den höchsten Tönen loben. Aber was der Walliser Fifa-Präsident Sepp Blatter jetzt an einem Plakat in Südafrika kurz vor der WM verlauten lässt, klingt irgendwie schon peinlich anbiedernd:

Life is rhythm, and rhythm is life. Back in Zurich, there is not much rhythm. You must know that Zurich is in the German part of Switzerland, and that means it is boring, boring, boring. In Africa, you have not only rhythm, but you also have music, dance and, importantly, the ability to dream.

FIFA President Joseph Blatter

Tja. Vielleicht sollte der alte Mann mal seinen Dienstwagen verlassen und in Zürich in eine Milonga gehen. Gut, kann ja bekanntlich auch boring werden. Aber spannender als Fussball ist es allemal. Wobei Blatter bekannt dafür ist, Kritiker mit dem Attribut "nicht begeisterungsfähig" abzuqualifizieren. Kann er eigentlich überhaupt tanzen?

--

Kommentar von Yvonne

Schau mal hier: Tango-Theater

Archivlink

Der Sommer ist da!

Dienstag, 13. April 2010

Ich weiss, ich übertreibe mal wieder. Noch sind die Nächte kühl und die Tage keineswegs schweisstreibend. Aber die Tage werden wieder deutlich länger, und somit wird es höchste Zeit zum draussen tanzen. Aufmerksame Leser werden die Hinweiszeile oben am Rand schon bemerkt haben, nun noch offiziell: Am Samstag um 17 Uhr startet in Basel die Openair-Milonga-Saison. Details dazu gibt es hier.

Gespannt bin ich darauf, wie der Tanzboden ankommt. Ich finde, er ist brauchbar, aber es ist eben flacher Beton. Und der hat bekanntlich nicht das beste Image, auch wenn man darauf drehen kann. Immerhin ist er nicht härter als der Marmorboden am Petersplatz...

Archivlink

Openair ohne Sommer

Samstag, 17. April 2010

Hui, die erste eigene Openair-Milonga überlebt. Eigentlich waren 18 Grad angekündigt, aber vermutlich war es die böse Asche in der Atmosphäre, die die Sonne minim gedämpft hatte -- es waren jedenfalls eher frische 16 Grad. Vermutlich daher auch eine eher übersichtliche Runde, immerhin stand danach das Fazit, dass man auch auf flachem Beton tanzen kann. Nicht dasselbe Gefühl wie auf doppelt gefedertem Parkett, aber es rutscht einigermassen. Wobei mir bereits Vogelpuder und Babysand empfohlen wurde. Äh, nein, umgekehrt. Mal schauen, wo ich innerhalb der nächsten zwei Wochen ein Baby herkriege.

Ach ja, und die Akustik eines Konzertpavillons ist irgendwie um Welten besser als diejenige eines grossen Raumes mit Resonanzboden. Und man glaubt gar nicht, wie schwierig es ist, in einem Restaurant einen Besen aufzutreiben. Und wie schnell es abends kalt wird, wenn um viertel vor neun die Sonne weg ist...

Archivlink

Klettern mit dem Oberschenkel

Mittwoch, 21. April 2010

Endlich wieder Mittwoch-Kurs. Heute ist aber irgendwie nicht so mein Tag, ich brauche Ewigkeiten, bis ich die Sequenz halbwegs kapiere. Gancho der Frau, Oberschenkel einklemmen, zurückziehen, drehen, wegschwingen. Alles natürlich sanft und elegant. Zumindest mehr oder weniger.

Um das Spielbein ein wenig lockerer zu kriegen, klettern wir ein bisschen aufeinander rum. Dauernd Oberschenkel-Kontakt, vorne, hinten, freies Ausprobieren von Ganchos. Hat nicht Naveira mal ausgerechnet, wieviele verschiedene Möglichkeiten es gibt? Egal, jedenfalls weiss ich nun endlich, wie sich ein Kletter- und Kratzbaum so fühlt. Mjau!

Archivlink

Pudertipps im beinahe vollen Mond

Samstag, 24. April 2010

Vollmondtango (jaja, ich weiss, erst Mittwoch) im Volkshaus. Kriege schon beim Schuhwechseln mit, wie zwei Männer sich neben mir darüber unterhalten, dass der Boden zuwenig rutschig sei. Tatsächlich, minimales Beton-Feeling. Gedanklich bin ich irgendwie woanders, mit der Musik kann ich nicht viel anfangen, und so plaudere ich heute relativ viel. Und erhalte einige Hinweise für mein Babypuder-Problem. Ich sollte Nationalfonds-Gelder beantragen...

Archivlink

Der Schuh, die Frau und die Höhe

Sonntag, 25. April 2010

Innerhalb der letzten Woche wurde ich mindestens fünfmal Zeuge davon, wie Tangueras ausgiebig über Fussprobleme klagten. Verbunden mit komplizierten Schuhwechsel-Taktiken während der Milongas. Und Elbnymphe erzählte am Freitag ebenfalls von ihrem Besuch beim orthopädischen Guru. Was ich mich schon immer gefragt habe: Gibt es wirklich Frauen, die denken, sie werden nicht aufgefordert, bloss weil sie nicht Schuhe mit zehn Zentimeter hohen Absätzen tragen?

--

Kommentar von Jasmin

Gib doch den sinnlosen Versuch auf Frauen mit logischen Argumenten von "vernünftigen" Schuhen zu überzeugen. Schuhe haben definitiv nichts mit Logik zu tun, das ist eine Leidenschaft! Ich sage nur feuerrote Neotango......)

--

Antwort von Patrick

Ja, gut, aber man kann doch seine Leidenschaften auch weniger selbstschädigend ausleben. Viele Männer geniessen es ja auch, mit einem feuerroten Ferrari bei Tempo 300 durch die Gegend zu donnern, aber aus finanziellen, gesundheitlichen und sozialen Gründen leben das die meisten Leute lediglich an der Videospielkonsole aus.

Irgendwann gibt es vielleicht ja mal Design-Preise für Damen-Tangoschuhe mit niedrigen Absätzen. Tja, das waren noch Zeiten, als man in Tremmelhausen barfuss tanzen konnte...

--

Kommentar von Hartmut

Hallo Patrik, es gibt zu dem Thema einen wundervollen Blog

Das erklärt auch (zum Teil) warum Tangueras GENAU diesen Schuh tragen ;)

--

Kommentar von Elbnymphe

Nein, um aufgefordert zu werden, tragen wir solch hohen Schuhe ganz bestimmt nicht. Im Gegenteil, als so-là-là-Tanguera weiß ich, daß ich in flacheren Schuhen definitiv besser tanze. Aber von solchen hohen Schuhen geht einfach ein unerklärlicher Reiz, eine eigentümliche Faszination aus. Bei 10 cm geht frau anders, ist Frau eine Andere.

--

Kommentar von Mikamou

@Elbnymphe: In deinem Statement siehst du keinen Widerspruch? Der Zusammenhang zwischen "aufgefordert werden" und "eine Andere sein" mag zwar nicht unmittelbar sein, aber mich erinnern solchen Diskussionen an folgenden Beitrag: Poledance

--

Kommentar von Elbnymphe

Nein, ich sehe da gar keinen Widerspruch, wieso auch? Ich meine, auch als Flachbesohlte eine wahrgenommen und aufgefordert zu werden. Und die gerade dann Lob für gelungene, zweisame Tänze bekommt. Als Hochbeschuhte fühle ich mich oft als Hochstaplerin: Außen hui, auf der Tanzfläche pfui. In-Stilettos-Gehen üben konnte ich dank der Schuhmodelle meiner Mutter schon mit zehn, aber in Stilettos tanzen will ebenso gelernt sein.

--

Kommentar von Elbnymphe

Mikamou, nochmal ich: Der Poledancing-Beitrag war zwar gut beobachtet, aber einen Zusammenhang zu unserem Thema sehe ich gar nicht. Erklärst Du's mir, bitte?

--

Antwort von Patrick

Ich seh ihn auch nicht. Wenn eine Frau zuhause Dutzende von Schuhen zwischenlagern muss, dann hat sie doch gar keinen Platz mehr für eine Stange...

--

Kommentar von Elbnymphe

Kennst Du nicht den Flip-Flop-Tree?

--

Antwort von Patrick

Sowas hilft ja höchstens in Garderoben von Strandmilongas weiter, und dort wäre für einen Poledance meistens auch ein Verkehrsschild nicht weit. Aber jetzt wird die Ironie mal wieder ziemlich rekursiv.

Archivlink

Eisberg voraus?

Montag, 26. April 2010

Eigentlich ist der April doch der wetter-unsichere Monat, nicht der Mai, oder? Nun, für kommenden Samstag steht offenbar ein Temperatursturz an, und ich bezweifle, dass bei mageren 14 Grad jemand draussen tanzen möchte. Dank Überdachung müsste ich an meiner Openair-Milonga immerhin keinen Schnee wegschaufeln, aber ohne Wärmflaschen wird das irgendwie nichts. Na denn. So hab ich mehr Zeit, mich über die Qualitätsunterschiede zwischen den verschiedenen Anbietern von Babypuder zu informieren.

Archivlink

Ganchovarianten und Schuhboden-Interpretationen

Mittwoch, 28. April 2010

Mittwochskurs. Wir proben erneut die Gancho-Varianten von letzter Woche, und so langsam kapiert auch mein Körper, wie man sowas gleichzeitig sanft und deutlich führt. Eigentlich ist es sogar ziemlich simpel, wenn man mal begriffen hat, wann man die Hüfte absenken muss. Und mal wieder wird mir klar, dass das Standbein um Welten wichtiger als das Spielbein ist. Wo soll sonst auch die Balance herkommen?

Beim Umziehen fällt mir die ungleiche Abnutzung an der Sohle meines Tanzschuhpaares auf, und sogleich bin ich von Kaffeesatzlesern umringt. Zehen-Aszendent, Fersenchakren, Schuhbändelelastizität -- der Interpretationen sind keine Grenzen gesetzt. Klar ist mir nur, dass die Dinger endlich zum Schuhmacher müssen.

Archivlink

Kleinkinder und der Tango

Sonntag, 2. Mai 2010

Kleinkinder? Fordert er jetzt Kinderbetreuung an den Milongas? Nein, es geht um eine Art Geburtstag, immerhin entdecke ich nun seit satten drei Jahren den Tango. Also Kleinkindalter. Interessant, was die Wikipedia zum Begriff Kleinkind schreibt:

Im Kleinkindalter erlernen Kinder komplexere motorische Fähigkeiten. Nachdem sie meist bis zum Ende des 12. Monats von selbst aufstehen und zu laufen beginnen, können sie am Ende des 18. Monats Treppen mit Geländer hinaufgehen (Nachführschritt), rückwärts laufen und mit einem Löffel essen; die Fähigkeit, Treppen im Wechselschritt zu besteigen, erfolgt im 3. Lebensjahr. Im Alter von zwei Jahren können sie einen Ball aus dem Stand mit dem Fuß stoßen, ohne sich festzuhalten und Perlen auffädeln.

Man trifft also ab und zu Tischchen, kann vorwärts und selbstverständlich rückwärts laufen, kennt den Unterschied zwischen einer Aufrauhbürste und einem Damenschuh und kann immerhin Enrique Rodriguez von Alfredo De Angelis unterscheiden. Für Milonga traspie hingegen muss ich noch Geduld haben, und das mit der Balance braucht generell noch etwas Zeit.

Seit über einem halben Jahr schmeisse ich meine eigene Milonga. Nebst Flaschen schleppen und Boden putzen bedeutet das auch, sich darüber Gedanken zu machen, ob man eine hektische 120 bpm-Milonga vor eine langsamere Variante in eine Tanda setzen soll -- oder ob man sowas lieber umgekehrt spielt. Und wie gross der Anteil an "greatest Hits" sein darf, wann der passende Zeitpunkt für einen langsamen Piazzolla gekommen ist oder weshalb heute nur so wenig Leute kommen.

Insofern ist das Tanzen ein wenig in der Hintergrund geraten, trotz laufendem Kurs, trotz vielen Milongas. Aber nach wie vor ist es genau das, was mich am Tango weiterhin fasziniert: Tanzfreudige Menschen und eine geschlossene Umarmung, verbunden mit bewegender Musik. Es lohnt sich, die Perlen weiter aufzufädeln.

--

Kommentar von Cassiel

Hallo lieber Patrick, zu Deinem Blog-Geburtstag kommen meine herzlichsten Glückwünsche. Im Vergleich zu Dir bin ich ja ein blutiger Anfänger und ich will auch nicht verschweigen, daß ich natürlich Dein Blog als Vorlage für meine Schreibereien herangezogen habe. Ich lese Deine Beiträge immer sehr gerne. Mich beeindruckt immer wieder Dein Mut zur Kürze.

So. Und zum Abschluss gäbe es noch eine Bitte an die zahllosen Tangueras im Großraum Basel: Könntet Ihr bitte dem Patrick einen Kuchen backen und zu seiner nächsten Milonga mitbringen? Was kann ich als Gegenleistung anbieten? OK! Wenn mir eine Tanguera ein digitales Photo von dem Geburtstagskuchen schickt, werde ich es in meinem Blog veröffentlichen. ;-)

Einen schönen Geburtstag wünscht Cassiel (cassiel{punkt}der{punkt}echte{at}gmail{punkt}com)

--

Kommentar von Lydia

Von mir auch Glückwünsche! Ich lese mit großem Vergnügen hier mit, wenn auch bislang stumm.

An meinen ersten Wechselschritt beim Treppensteigen kann ich mich noch sehr lebhaft erinnern - das war ein total erhebendes Gefühl! Aber das mit dem Perlen auffädeln hast Du doch reingeschrieben, um unsere Aufmerksamkeit zu testen ;-) Mit zwei Jahren??

--

Antwort von Patrick

Zumindest die Wikipedia behauptet das und verweist auf Ergotherapie-Bücher. Vermutlich ist es ähnlich wie beim Tango: Rein motorisch betrachtet kann man vieles, bloss mit der Geduld und der Übung hapert es. Also abwarten und Kuchen essen.

Apropos, Cassiel, es gibt hier keinen "Mut zur Kürze". Liegt wohl eher in der Familie: "Viele Grüsse aus Nashville, Mama und Papa", so eine typische Postkarte meiner Eltern in beinahe schon ausschweifender Länge. Selbst Ferien auf den Hyaden (nein, die sind nicht in Griechenland) würden sie wohl eher knapp mit "schöne Aussicht hier!" kommentieren. Hm, ja, jetzt weiss ich endlich, wo meine Abneigung gegen Endlosloop-Neotangos herkommt...

--

Kommentar von Tangosohle

Was du mit Geduld und Übung meinst und Lydia mit dem Gefühl des Treppenwechselschritts erzählt ist die neurologische Ausreifung von Bewegungen. Diese sorgt für die Bewegungssteuerung und -koordination.

Archivlink

Ironische Kreise

Mittwoch, 5. Mai 2010

Mittwochskurs. Erneut Oberschenkelhangeleien, besser bekannt unter dem Namen Ganchos. Kombiniert mit feinen Drehungen und Sacadas. So einigermassen klappt es, wobei mich diese Drehsequenzen auch irgendwie immer verwirren. Abwechselnd Sacadas mit Ganchos ergibt auch eine eigene Bewegungslogik, weil sich so die Achse des Paares anders verschiebt, als wenn man beispielsweise nur Sacadas setzt. Sacadas gehen ja zum hinteren Bein der Frau, Ganchos hingegen zum vorderen Standbein. Logisch, klar, aber die Bewegung des Kreismittelpunktes bei Tangodrehungen lässt mich schon seit meinem ersten Giro-Workshop jeweils grübeln.

Anderen scheinen diese Details nicht aufzufallen. Irgendwann rufe ich "Aber so ist der Mann ja gar nicht mehr Mittelpunkt des Tanzes" in die Runde und erhalte lediglich verständnislose Blicke. Ironie am Kursabend ist wohl vergebliche Mühe...

--

Kommentar von Detlef

Nun, die Lösung sind wie immer die berühmt-berüchtigten gleichseitigen Dreiecke, wir hatten letztes Jahr in Basel eigentlich alles haarklein erklärt während unserer Workshops. Kann aber sein, dass Du jenen grad nicht belegt hattest :-)

--

Antwort von Patrick

Jo. Bei mir sinds eher Bermuda-Dreiecke (gleichschenklig...immerhin!). Aber was mir am Donnerstag noch eingefallen ist: Ein Workshop über Giros mitsamt den verschiedenen Geschwindigkeitsänderungen wäre mal cool. Schon am sauberen Führen von Quick-quick-slow scheitere ich meist kläglich, von Zeitlupengiros ganz zu schweigen.

Archivlink

Nontangos in Regensburg

Freitag, 7. Mai 2010

Tango "im Fluss", Regensburg. Raum trocken. Viel rotes Licht, stimmungsvolle Atmosphäre, zu Beginn traumatischer Männerüberschuss. Aber so nach und nach wird es ausgeglichen, und ich kann sogar meine Damenrolle mal wieder ausgiebig geniessen. Wobei eine Frau meint, meine Ochos seien noch nicht so richtig damenhaft. Danach eine Grundsatzdiskussion in der Runde, ob Männer überhaupt schöne Ochos tanzen können. Mal sehen, man frage mich in fünf Jahren nochmals...

Regensburg ist übrigens Nontango-Land. Und Cortinas eher verpönt, sobald sie aus mehr als fünf Sekunden Stille bestehen. Und beim Vals tickt man hier auch anders: "Oh, ein Vals, da muss der Mann jeweils auf fünf zählen, oder?", necke ich meine Tanzpartnerin. "Nein, es sind jeweils acht Takte", antwortet sie ungerührt. Vals, das bayrische Mysterium.

--

Kommentar von Petronella

Lieber Patrick,....du ruinierst meinen Ruf! ;-) Ich habe gestern über 5 Stunden Musik aufgelegt, davon waren lediglich 15 Min. Non-Tango und etwa 30 Min. Neo-Tango!

--

Kommentar von Cassiel

Kommentar: Liebe Petronella, lieber Patrick, seid Ihr sicher, daß Ihr auf derselben Veranstaltung wart? ;-)

--

Kommentar von Anonym

Das, lieber Cassiel, habe ich mich auch gefragt... ;-) Aber ja, sie waren auf der gleichen Veranstaltung (ich bin Zeuge) und kann den Punkt mit den Neo- und Nontangos nicht nachvollziehen - aber vielleicht sind fünf bis zehn Prozent Nontangos schon viel für schweizerische Verhältnisse... ;-)

Und 'Vals, das bayerische Mysterium'? Hmm... Dieses 'Mysterium' hat, zumindest kann ich da für mich sprechen, durchaus argentinische Wurzeln. Wenn ich auch oft bei Workshops überfordert bin ob der Fälle an Schritten, so bleibt doch meistens etwas Grundlegendes hängen, so auch diese acht Takte, auf die uns Solange und Gonzalo einst in Regensburg aufmerksam machten. Einfach mal mitzählen, dann klärt sich das Mysterium... :-)

--

Antwort von Patrick

Nein, es waren nicht viele Nontangos, und ja, das ist für mich dennoch extrem ungewohnt. Das mit dem Nontangoland bezieht sich auch auf vergangene Erfahrungen in Tremmelhausen, Nontangos sind hier einfach selbstverständlich.

--

Kommentar von Mikamou

Also Patrick ist ein Fundi, da kann man sich auf sein Zeitgefühl bei Neo-, und bei Non-Tango erst recht, *nicht* verlassen. Ich war zwar nicht in Regensburg, aber ich kenne ihn ja von hier. :)

Archivlink

Milongas statt Tandas

Samstag, 8. Mai 2010

Milonga in der Montessori-Schule, Regensburg. Eine wunderschöne und gleichzeitig dunkle Allee führt zur Schule, die Milonga findet im Dachboden statt. Die Tanda-Struktur ist undurchschaubar. Als ich dachte, sie bestehe aus Tango, Vals und vier mal Milonga, da folgt erneut ein Vals und dann wieder eine Milonga. Kurzum: Ohne Tandas bin ich irgendwie aufgeschmissen, und erst am späteren Abend gibt es eine grössere Anzahl an herkömmlichen Tangos, dafür keine Milongas und auch keine Vals mehr. Dazwischen immerhin einige schöne Salsastücke, aber Salsatänzerinnen sind etwas rar.

Als ein schöner Piazzolla kommt, da will ich dem DJ danken, doch er meint, er habe sich vertippt, das Stück sei ein "Unfall" gewesen. Grmpfl. Dafür -- bitte nicht weitersagen -- tanze ich seit langem mal wieder eine Merengue. Und nein, ich war nicht betrunken...

Archivlink

Milongastudien sowie Chacarera und Bachata im Schlachthof

Sonntag, 9. Mai 2010

Kurzfristig fällt mir heute die Ehre zu, bei einem Milongaeinführungskurs auszuhelfen. Satte drei Stunden lang. Allerdings vergeht die Zeit bei Vor- und Rückwärtsschritten sowie Seitwärtstrippeln wie im Fluge. Hm, und zum ersten Mal rät mir ein Lehrer, mehr aus den Knien heraus zu tanzen. Äh...noch mehr?

Später am Abend Ausflug in den Schlachthof nach München zum Sexteto Milonguero. Saftige Musik, gute Stimmung, luxuriöse Platzverhältnisse, allerdings drei bis vier Brutalorowdies auf der Piste. Die Damen sind willig, nur zumindest zu Beginn nicht sonderlich dem Milonguerostil zugetan. "Was du da machst sieht aus wie ein Salsaschritt", bemerkt eine mir bislang unbekannte Dame relativ rasch. Wer kann schon seine Herkunft verleugnen?

Zweimal Geige, zweimal Bandoneon, Kontrabass und Klavier, dazu macht Sänger Javier kräftig Partystimmung. Tatsächlich perfekt tanzbar. Nach vielen Milongas tanze ich auch mal wieder zwei Chacareras. Später eine mehr oder minder passende Bachata. Das Volk jault und gröhlt, doch irgendwann ist Schluss, zumal es am Tresen schon längst nichts mehr zu Trinken gibt. Einzig die letzte Tanda des DJs verbringe ich sitzend -- die Musik reisst mich nicht mit, und es sind auch keine tanzwilligen Frauen mehr zu sehen. Aber ich sollte wirklich mal wieder öfter nach München zum Tanzen.

Archivlink

Guru-Zutaten mal anders betrachtet

Dienstag, 11. Mai 2010

Auf dem Weg zu einem richtigen Tangoguru benötigt man gelegentlich eine gute Weiterbildung, also endlich ab ins Kino zum aktuellen Film über Bhagwan. Intime Rückblicke seiner Privatsekretärin sowie seines Leibwächters. Oki, die benötigten Zutaten lauten offenbar Meditation, Sex, seltsame Gewänder, Überwachungsstaat (inklusive Telefonabhören und Bioterror) sowie natürlich ein paar Rolls Royce. Ich muss gestehen, mit den seltsamen Gewändern habe ich Mühe. Ein Guru zu werden ist irgendwie doch komplizierter als ich dachte...

--

Kommentar von Elbnymphe

Also, ein paar Kaftane könnte ich Dir borgen.

--

Antwort von Patrick

Welcher Teil von "Quittengelb steht mir nicht" war denn unklar formuliert? ;-)

Archivlink

El pato: Der neue Milongatrend

Mittwoch, 12. Mai 2010

Es ist schwer, neue Tanzstilrichtungen zu erfinden. Heute im Mittwochskurs habe ich es aber geschafft. Wir übten rassige Milongabewegungen, etwa ein gemeinsames Gehen im Kreis, bei dem lediglich der Mann zwischendurch seine Schrittchen verdoppelt. "Wirkt bei mir wie Entenwatscheln, oder?", fragte ich Cécile skeptisch. Ob meiner grandiosen Fähigkeit zur Selbstreflektion strahlte sie nur und meinte "El pato". Ja, die Ente. Kein Sinnbild für Eleganz. "Aber wenn Du ganz fest in die Knie gehst, dann kommt das gut". Immerhin. Aber seit heute muss ich nur noch "Quaak" sagen, um bei meiner Kurspartnerin einen Lachanfall auszulösen.

Dann mal wieder kräftig Vor- und Rückwärtsschritte mit Gewichtswechsel geübt. Und siehe da, so langsam klappt es, auch mit sehr schnellen Verdoppelungen. Passend zur Musik macht das richtig Spass. Allerdings eignet es sich auch hervorragend, um die Piste zu blockieren, und ich muss noch darüber grübeln, wie man diese Schritte milongakompatibel tanzen kann.

Archivlink

Musik-Marathon in Zürich

Donnerstag, 13. Mai 2010

Dreimal zwei Stunden Spezialworkshop mit Melina und Detlef in Zürich. Musikalität, Rhythmik. Wir beginnen mit Canaro: Auf 1 und 3 jeweils den Schritt setzen, auf 2 und 4 in der eigenen Achse sein. Dann halbieren (Zeitlupentango), schliesslich verdoppeln. Dann Betonungen: Langer Schritt auf 1, kurzer auf 2 und 3. Alternativ kurzer Schritt auf 3 und 4, langer Schritt auf 1. Und zwischen 1 und 2 gibt es ja noch das "und", womit wir ebenfalls spielen.

Dann kommt zur unterschiedlichen Schrittlänge noch der Musikstil dazu: Rhythmisches Tanzen, majestätisch-fliessendes Tanzen, oder eben energiereich-dramatische Schritte. Also stampfen, den Boden streicheln oder energisches Schreiten. Entsprechend hören wir Di Sarli, D'Arienzo oder Pugliese. Und versuchen, die Musikempfindungen körperlich umzusetzen.

Zwischendurch gibt es Wunschkonzert. Mein Verlangen nach Piazzolla ist allerdings chancenlos. Hätte wohl mit Otros Aires mehr Erfolg gehabt. Aber die sind halt rhythmisch nicht so mein Ding.

Letzter Workshopteil: Am Beispiel des Ocho Cortados brechen wir gewohnte Tanzmuster auf. Zeitlupenvarianten sowie stressige Verdoppelungen sind erlaubt, aber die übliche quick-quick-slow-Version für einmal verboten. Unglaublich, wieviel Überwindung es kostet, gewohnte Figuren-Rhythmuskombinationen mal anders zu tanzen.

Bislang mein anspruchsvollster Tangoworkshop, obwohl wir keine einzige Sequenz gelernt haben und mir das Spielen mit den Rhythmen durchaus liegt. Sieben Stunden mit zwei halbstündigen Pausen sind wohl auch von der Aufmerksamkeit her das absolute Maximum. Jetzt bin ich groggy. Und hab viel zum Ausprobieren.

--

Kommentar von Melina

Wir freuen uns, dass es Dir gefallen hat. Und Du hast recht: sowas ist anstrengend. Ich bewundere alle, die so viele Stunden durchgehalten haben. Übrigens: Otros Aires hätte ich auch nicht gespielt. Sowas gibt's auf meinem Computer nicht! ;-)

Archivlink

Mohn an der Milonga

Freitag, 14. Mai 2010

Vor zwei Wochen habe ich ja hier von meinem dritten "Tangogeburtstag" erzählt, und Cassiel hatte zum Kuchenspenden an meiner nächsten Milonga aufgerufen. Ich war mir damals ziemlich sicher, dass die backfreudigen Tangueras das bis heute eh vergessen haben. Manchmal täuscht man sich: Es gab feinen Mohnkuchen. Nach drei Stück konnte ich zwar noch Tanzen, hätte aber vermutlich keinen Drogentest mehr bestanden. Witzig nur, wenn alle fragen, ob ich Geburtstag habe. Eigentlich nicht so recht, nein...

Archivlink

Die Tänze und der Schweiss

Samstag, 15. Mai 2010

Kurzausflug nach Freiburg zu El sur: Ziemlich kräftige Männerunterdeckung, wobei auch einige Männer kräftig Däumchen drehen. Viele wunderschöne Tänze und nette Plaudereien. Michael aus Basel gibt sich kräftig Mühe und legt schön klassisch auf, erfüllt die Veranstaltervorgaben aber offenbar dennoch nicht völlig. Dafür ist die benachbarte Neo/Nuevo/Elektro-Lounge meistens ziemlich spärlich bevölkert.

Trotz kalter Aussentemperaturen entspricht die Tanzfläche einer Biosauna, gegen ein paar Dutzend Halogenbirnchen kommen eben auch keine gekippten Fenster an. So langsam überlege ich, auf die nächste Milonga nebst dem Tuch noch ein Ersatzhemd mitzunehmen. Auch wenn ich heute meine Openair-Milonga mal wieder abgesagt habe, irgendwann muss ja schliesslich der Sommer kommen.

--

Kommentar von Detlef

Eis Hockey! Next time !

Archivlink

Voltatango und Sommergerüchte

Sonntag, 16. Mai 2010

Ist gar nicht so einfach, ans andere Ende der Stadt zu gelangen, wenn der FCB mit seiner Meisterfeier die Innenstadt lahmlegt. Aber irgendwann gelangte ich doch noch zur Voltahalle. Vor einigen Jahren war hier mal ein Salsaevent -- wir schüttelten damals kräftig den Kopf, als uns klar wurde, dass wir auf Asphalt tanzen sollten.

Inzwischen hat man die Voltahalle durchaus wohnlicher bestuhlt und beleuchtet, die Tanzfläche besteht aus PVC plus Puder. Ganz ok, aber hart. Dario legt etwas leiser auf als auch schon, aber für meine Ohren noch immer unangenehm laut. Dennoch geniesse ich den Tanzfluss, der sich zwischen einzelnen Rempelphasen (ja, auch ich bin schuldig) auf der Tanzfläche zeigt.

Witzigerweise fragten mich heute zwei Leute unabhängig voneinander, ob es stimme, dass ich mit meiner Milonga aufgehört habe. Ähh, wie? Nein, nicht wirklich. Aber zugegeben, bald ist Sommerpause. Zumal dann eh Milonga im Gellert ist.

Hingegen stimmt es definitiv, dass Annemarie Ende Mai ihre letzte Mittagsmilonga im Clarahof machen wird. Danach wird Roberto Garcia den Mittwoch übernehmen.

--

Kommentar von Mikamou

Wer um alles in der Welt ist Roberto Garcia? Mein Freund Google meint, der sei ein Boxer. :)

--

Antwort von Patrick

Kein Boxer. Er hat im letzten Sommer im Gellert die Practica mit Mirjam gemacht und an der Milonga dort dann auch aufgelegt.

Archivlink

Sacadas reloaded

Montag, 17. Mai 2010

Aushilfe im Kurs von Lorrena und Lia: Vorwärtssacada, Seitwärtssacada, Rückwärtssacada. Plus Voleo hintendran. Rückwärtssacada im Kurs für die untere Mittelstufe? Ja, ich hab auch gestaunt. Aber hat eigentlich ganz gut geklappt, bloss eine vierte Sacada hab ich nicht hingekriegt. Aber die meisten Gurus können das ja auch nicht, also halb so wild. Rückwärtssacadas in der geschlossenen Umarmung sind übrigens eine gute Übung zur Beweglichkeit...

Archivlink

Ein Mittwoch ohne Kurs

Mittwoch, 19. Mai 2010

Kein Kurs heute, also seit langem mal wieder ab zur Mittwochsmilonga im Tanzpalast. Es gibt Dinge, die ändern sich nie: Noch immer eine typische Paarmilonga, und die Musik ist nicht mein Ding. Ach ja, und selbstverständlich Männerüberschuss. Sammle daher meine Kräfte für Pfingsten...

Archivlink

Piazzolla in Berlin

Freitag, 21. Mai 2010

Berlin, Festival-Eröffnungsmilonga im Roten Rathaus. Die Eintrittskarte ist inzwischen A5 gross. Nicht wirklich hosentaschenkompatibel. Vor zwei Jahren herrschte hier ein fast schon beängstigender Frauenüberschuss. Diesmal wirkt es eher wie eine Paarmilonga, so nach und nach tauchen auch noch einzelne Frauen auf. Und genügend gut tanzende Männer, die sich in der Szene offenbar auskennen. Jeder Cabeceo ist daher hart verdient, dafür sind es ausnahmslos fantastische Tänze. Zum Glück kann ich englisch, mit der ersten deutschsprachigen Tänzerin wirble ich erst so gegen drei Uhr morgens übers Parkett. Wo kämen wir ohne Smalltalk hin? Ich sollte dringend mein schwedisch, lettisch und polnisch auffrischen...

DJ Birger legt schön auf, aber ohrenbetäubend laut. Als Livemusik spielt heute Esteban Morgado im Quartett mit Bandoneon, Kontrabass, Geige und Gitarre: Musikalisch gesehen in meinen Ohren die schönsten Stücke, die ich je an einer Milonga gehört habe -- nur wird die Tanzfläche dadurch noch wilder, brutaler und chaotischer als sie eh schon ist. Es sind viele feine melodiöse Baladen von Piazzolla drunter, wie ich sie in homöopathischen Dosen auch gerne an meiner Milonga mal spiele, unterbrochen von wilden Milongas. Voll ist es nicht, aber das Tanzen wird trotz toller Partnerinnen und gefühlvoller Musik extrem anstrengend.

Dafür kann ich mich wieder in Smalltalk üben, denn zwischen jedem Livestück wird fast zwei Minuten lang unverständliches Zeug erzählt. Irgendwann gibt es dann noch die Show von Noelia und Pablo sowie Alejandra und Adrian -- schön getanzt, aber es dauert eine halbe Ewigkeit. Kurz vor halb vier fallen mir die Füsse fast ab, ausserdem scheinen meine Cabeceos inzwischen chancenlos. Ab ins Bett.

Archivlink

Tango in der roten Werkstatt

Samstag, 22. Mai 2010

Festivalsamstag im Kulturhaus Astra: Auf der Festivalhomepage stand ein Hinweis, man solle sich vom verunstalteten Äussern der Anlage nicht verwirren lassen, drinnen sei alles top. Nun, ich persönlich fand den Unterschied zwischen Aussen und Innen jetzt nicht sooo riesig. Ehemalige Reichsbahnwerkstätten, mehr oder minder elegant umgebaut. Viele rote Stühle, rote Lichter und rote Vorhänge. Im Foyer satte sechs Männertanzschuhe, einer davon mit pinkfarbener Mitte. Toilettenfrau mit Münzteller wie auf deutschen Autobahnraststätten. Der Türsteher durchsucht meinen Rucksack nach Flaschen, findet aber nur Schuhe. Parallelwelt, irgendwie.

Extrem harter Tanzboden. Da heute Electrocutango live spielen wird, versuche ich schon am Anfang des Abends fleissig zu tanzen. Die Zwangspause wird ja schliesslich unvermeidlich. Es klappt, auch heute sind mir die Cabeceogötter hold. Allerdings füllt sich die Tanzfläche stetig. Irgendwie werde ich dann dazu überredet, auch das erste Set von Electrocutango mitzutanzen. Es macht Spass, auch wenn auf der Piste die Hölle los ist. Und die rhythmische Abwechslung irgendwo unter Null liegt.

Show von Rosa und Carlitos. Gewiss nicht mehr die Jüngsten, aber dass er kaum zur Musik tanzt und sie brutal durch die Giros reisst...fand ich dann doch etwas schade. Claudia und Esteban tanzen danach technisch perfekt, aber irgendwie ziemlich unterkühlt. Erst bei der Milonga tauen sie auf.

Direkt danach spielen Electrocutango das zweite Set, und ich mache im Foyer eine längere Pause. Eine gebürtige Berlinerin kann mit dem Begriff "Basel" tatsächlich etwas anfangen: "Ja, ist schön bei Euch da unten am Bodensee!". Ich brauch dringend ein Hemd mit aufgedruckter Europakarte.

Dann endlich wieder Musik (wie immer betörend laut), und ich versinke in den Tandas. Leider vergeht die Zeit viel zu schnell, und schon hänge ich um 4.30 Uhr zur Cumparsita in einer expressionistischen Schlusspose. Werde danach noch zur Afterhour-Milonga im Hauptbahnhof chauffiert und versuche mich als Beifahrer in interkultureller Kommunikation: Es ist immer so schwierig, deutschen Frauen den Unterschied zwischen einer Pfanne und einem Topf beizubringen. Die Afterhours finden in der Austernbar statt, was mich in eine etwas absurde Diskussion darüber verwickelt, wie schwierig ist ist, Austern zu fangen. Eng, warm, dafür endlich eine angenehme Lautstärke und ein guter Tanzboden. Gemütliches Austanzen. Irgendwann bin ich wirklich müde, und meine Cabeceochancen bei den 25-jährigen Gurugroupies sind eh gleich Null. Menschenleere U-Bahnen am Pfingstsonntag morgens um halb acht Uhr.

--

Kommentar von Elbnymphe

Ach! Da wären wir uns ja fast begegnet, wenn ich nicht in letzter Minute umdisponiert und mich fürs Gotan Project entschieden hätte! Vielleicht lese ich morgen bei Dir, daß wir heute Abend am selben Ort sind :-)

Viel Spaß in Berlin wünscht Dir ein Pfännchen ohne Topfdeckel! ;-)

Archivlink

Rot-grüner Höhepunkt

Sonntag, 23. Mai 2010

Festivalsonntag, heute in der Volksbühne. Edel, elegant und weitläufig: In der Wandelhalle ist die relativ kleine Haupttanzfläche, die Musik wird zusätzlich in den grünen Salon übertragen, im roten Salon legt ein zusätzlicher DJ auf. Es gibt Damen, die pilgern pausenlos hin und her, während sie mit ihrer Freundin darüber diskutieren, wo die besten Tänzer sind. Und haben so natürlich keinen Blick für herumschwirrende Cabeceos.

Die Haupttanzfläche im Foyer ist zwar gut belüftet und hat viele Zuschauer, dafür aber auch den härtesten Boden und die tanzflussunfreundlichsten Kanten. Im roten Salon hängen derart viele rote Scheinwerfer, dass sich vermutlich sogar Schildkröten wohlfühlen würden. Der grüne Salon ist kühler, dafür voller. Man arrangiert sich somit laufend. Der Begriff "Nomaden-Milonga" charakterisiert es ganz gut.

Tänze? Oh ja. Wild, verspielt, immer Milonguero, immer genussvoll zur Musik. Und Komplimente, dass man rote Ohren kriegen könnte, sähen sie im roten Scheinwerferlicht nicht bereits wie Tomaten aus. Allerdings stelle ich fest, dass ich auch am dritten Abend kaum mehr schön am Rande tanze, irgendwie lande ich dauernd in der Mitte und bleibe dort stecken. Gedankenlosigkeit? Schlechter Einfluss?

Irgendwann tun mir die Beine weh (und viele Tangueras sind spät in der Nacht eher plauder- als tanzfreudig, die langen Nächte zeigen wohl langsam Wirkung), und um viertel nach fünf Uhr morgens geniesse ich im roten Salon die letzten Tandas mit der verspieltesten Tänzerin, mit der ich wohl je getanzt habe. Die Musik kannte ich nicht, aber es klang entfernt nach Pugliese. Und dann bin ich auch schon auf dem Weg nach Hause, die Ohren voller Klänge, unterwegs im stillen Berlin am frühen Pfingstmontagmorgen. Die Tänze wirken nach. Tango ist so schön.

Archivlink

Berliner Nachwehen

Montag, 24. Mai 2010

Vor genau zwei Jahren war ich bereits am Berliner Tangofestival, und die Erinnerungen daran sind noch frisch. Es war das erste Mal, dass ich als blutiger Anfänger mutterseelenallein und weit weg von Zuhause in die weite Welt eines grossen Tangofestivals eintauchte. Es waren beeindruckende Begegnungen, und der Abschied fiel mir damals nicht leicht.

Seither sind zwei Jahre vergangen. Ich ging deutlich unbeschwerter ans Festival als damals, und ich liess an den Milongas auch deutlich unbekümmerter meinen Blick durch die Gegend schweifen. Damals waren mehr als zwei Tandas mit einer Dame die absolute Ausnahme, diesmal eher die Regel. Damals war die Live-Musik für mich aufregend und interessant, diesmal konzentrierte ich mich eher auf die Zeiten mit DJ. So habe ich Luis Stazo am Sonntag eher nebenbei miterlebt, und den Aureliano Tangoclub gar nur aus weiter Ferne. Irgendwo hatte ich mich gerade verplaudert, und die Dame bemerkte einmal lediglich nebenbei, dass es gerade wie auf einem Jahrmarkt klinge.

Die Workshops habe ich komplett ausgelassen. Blinddates zu Workshops bei unbekannten Lehrern sind eh so eine Sache, und alles, was halbwegs interessant klang, war "für Fortgeschrittene" oder gar "für weit Fortgeschrittene" ausgeschrieben, insbesondere die Kurse, in denen es um Musikalität ging. Die Berliner ticken da wohl irgendwie anders. Tanzen zur Musik, das gehört meiner Meinung nach eigentlich schon in Anfängerkurse.

Besonders schön war es, mich eine halbe Tanda von einer wildfremden Frau führen lassen. Erinnerungen an einen sanften Zeitlupentango bringen mich noch jetzt zum Grinsen. Sowie das permanente Kichern einer Tanguera während des Tanzens, die zu gut in ihrer Achse stand, als dass sie betrunken hätte sein können. Allerdings: Die Abschiede fielen mir diesmal noch schwerer. Das sind Dinge, die eigentlich nicht in ein Blog gehören. Aber es sind oft Kleinigkeiten, die mir immer wieder zeigen, wie tief manche Begegnungen sind. Tango verbindet. Irgendwie.

--

Kommentar von Elbnymphe

"Das sind Dinge, die eigentlich nicht in ein Blog gehören."

Ach! Wo kann man sich denn da mal informieren, was in so ein Blog gehört und was nicht? ;-)

--

Antwort von Patrick

Eigentilch ist es simpel: Alles, was Du in Dein Tagebuch schreibst, kannst Du auch in ein Weblog schreiben. Ausser den Dingen, von denen Du nicht willst, dass sie andere lesen. :)

Archivlink

Voleos und Milonga-Inflation

Mittwoch, 26. Mai 2010

Mittwochskurs. Kleine Milonguero-Ochos, kombiniert mit kleinen Seitenschrittkombinationen des Mannes, die bei der Frau Voleos auslösen. Tun sie teilweise bei mir sogar auch, aber das richtige Timing bringt mich noch immer zur Verzweiflung.

Und offenbar scheinen sich die Milongas hier in Basel zu vervielfältigen. Plan-t gibt nun jeden Dienstag, Donnerstag und Freitag kräftig Gas. Gare du Nord gibts öfters am Samstag. Stefania startet Ende Juni eine wöchentliche Dienstags-Milonga im Singerhaus. Und Talib fängt in zwei Wochen mit seiner Openair-Milonga am Petersplatz an. Immerhin hab ich diesen Samstag für meine Openair-Milonga in den Langen Erlen schönes Wetter.

Archivlink

Sprachloses Openair

Samstag, 29. Mai 2010

Endlich mal halbwegs warmes Wetter, und in den Langen Erlen sammelt sich nach und nach auch eine schöne Gruppe von Tangueras und Tangueros. Nur leider habe ich ausgerechnet heute mein Puder vergessen, glücklicherweise kann jemand mit etwas Talkum aushelfen. Macht einen ziemlichen Unterschied. Werde künftig möglicherweise nicht mehr so oft über Zauberpuderzucker lästern.

Dafür hat mir eine Erkältung kräftig zugesetzt, und ich bin tatsächlich mal sprachlos. Kann höchstens noch flüstern. "Du musst ja glücklicherweise nicht singen", meint eine Frau. Sowieso nicht. Aber gerade heute kamen ein paar Leute, mit denen ich auch gerne mal wieder etwas geplaudert hätte. Kommt Zeit, kommt Stimme. Und nach der Fussball-WM bald auch wieder eine nächste Openair-Milonga...

Archivlink

Erste Schritte und viele Pausen

Sonntag, 6. Juni 2010

Was tut man, wenn man sich zuhause eine Woche lang von einer saftigen Erkältung kuriert hat? Genau, endlich mal wieder tanzen gehen. Heute im Tanzpalast war ich zwar noch etwas wackelig auf den Beinen, aber ich konnte immerhin eine Milonga von einem Vals unterscheiden. Irma hat wunderschön aufgelegt, bloss war mein Durchhaltevermögen noch arg eingeschränkt. Nach jeder Tanda eine hübsche Pause. Jetzt weiss ich, wie das ist, wenn ich mal alt werde.

Archivlink

Rund um die Frau

Mittwoch, 9. Juni 2010

Mittwochskurs. Frau in einen Seitenschritt führen, rechts an ihr vorbeigehen -- nein, halt, eben um sie herumschleichen, und zwar so, dass sie dabei keinen weiteren Schritt setzt. Trivial? Eigentlich schon, wenn man mal weiss, wie es geht. Irgendwie stelle ich fest, dass ich richtig Hemmungen habe, grosse Schritte zu setzen. Bin vermutlich zu oft auf dichtgedrängten Milongas...

Archivlink

Fussball statt Tango

Freitag, 11. Juni 2010

Freitagsmilonga, zum letzten Mal vor der Sommerpause. Einerseits ein schwüler Abend, andererseits auch WM-Eröffnungsspiel. Ergo: Übersichtliche Runde. Werde daher übermütig und spiele satte drei Tandas von De Angelis. Beschwert hat sich niemand, aber ich bin auch nicht so sicher, ob das allen aufgefallen ist.

Die Weltmeisterschaft zieht noch weitere Kreise: Der morgige Workshop von Luna und Aoniken wird verschoben, damit alle (sprich: Die Workshopleiter) das entsprechende Spiel sehen können. Jetzt beginnt wieder die Zeit, in der die Frauen denken, dass die Männer vor der Kiste hocken, und deshalb weniger in die Milongas gehen. Und prompt hatte ich Männerüberschuss...

--

Kommentar von Jasmin

Die Frauen bleiben nicht weg weil sie denken dass die Männer vor der Kiste hocken sondern weil sie selbst davor sitzen ;-)

Archivlink

Fusshandschuh in Citröen-Azul

Samstag, 12. Juni 2010

Wenn der Schuh drückt, dann geht man zu Irma. Die Absätze meiner knapp zwei Jahre alten Raquel-Schuhe sind völlig durch, und bevor ich die Dinger einem Schuhmacher anvertraue, brauche ich sozusagen ein backup-System. Und mit nur einem Tanzschuhpaar fühlte ich mich in letzter Zeit sowieso etwas nackt.

So ein Schuhkauf ist schwierig. Kein schokoladenbraun, bitte auch kein bleichbeige, kein signalrot und schon gar nicht weiss. Krokodilgrün? Hm, war eh nicht ganz die passende Grösse. Schwarz? Langweilig.

Nun, unter der Marke "Tres pisadas" gibt es noch weiche Schlappen mit zweigeteilter Vordersohle und einem Gummiabsatz, der auch so aussieht, als würde er ein gutes Abrollen ermöglichen. "Ein Handschuh für den Fuss", meint Irma. Die Farbe ist exquisit: blau-métallisée. Oder in coolem spanisch: azul-metalizado. Sieht man allerdings nur im Tageslicht, an den meisten Milongas wirken die Dinger wohl einfach schwarz. Ich greife zu, zumal man solche Farben sonst wohl nur bei Neuwagen wie dem Citröen C3 kriegt, und ganz so teuer sind sie glücklicherweise nicht. Die argentinischen Schuhmacher gehen mit den Grössen allerdings ziemlich kreativ um: Normalerweise trage ich 44, auf den nun gekaufen Schuhen steht 42. Aber vielleicht wirken meine Füsse so ja nun filigraner...

--

Kommentar von Elbnymphe

Hach, ein männlicher Schuh-Post - da wird mir ja ganz warm ums Herz. Kannst Du Dir einen Reim darauf machen, warum es gerade drei Fußstapfen sind?

--

Antwort von Patrick

Naja, würde der Schuh bloss zwei Abdrücke hinterlassen, hätte man ihn wohl kaum nach "tres pisadas" nennen können. Erinnert mich grad an eine etwas rekursive Diskussion in der Sanitäts-Rekrutenschule, als wir darüber debattierten, weshalb eine Nierenschale wohl nierenförmig ist.

Ernsthaft: Die Zweiteilung der Vordersohle hilft möglicherweise etwas, den Ballen runder abzurollen. Muss ich aber noch ausgiebig ausprobieren. Hier gibts übrigens ein Bild mit Blick auf die Sohle, allerdings bloss in den schrecklichen Farben.

Archivlink

Rutschen, Flutschen, Kleben und Folgen

Sonntag, 13. Juni 2010

Endlich eröffnet auch Talib am Petersplatz die Openair-Saison. Noch mehr Geknabber als früher, allerdings sorgen heute gelegentliche Regengüsse für leichte Feuchtigkeit auf dem Marmor. Meine nagelneuen Schlappen drehen auf Holz nämlich noch besser als meine Salsaschuhe, doch diesmal stecke ich ziemlich fest. Jetzt erschliesst sich mir endlich auch der Sinn einer Dreiertanda: Beim ersten Lied meckert die Frau, dass sie rutscht, das zweite Lied wird genüsslich getanzt, und beim dritten Lied klebt sie am Boden fest.

Auch die Tanguera tief in mir kommt mal wieder zum Zuge, zum ersten Mal tanze ich gar einen richtigen Giro mit Verdoppelung. Dafür benötige ich noch immer meine ganze Aufmerksamkeit, um feine Gewichtswechsel zu spüren. Folgen ist spannend...

Archivlink

Schwedischer Sommer

Mittwoch, 16. Juni 2010

Manchmal hat man auf Tangoreisen zufälligerweise eine Tanguera auf dem Nebensitz. Heute nicht: Vor der Landung in Kopenhagen gestand mir ein aus Alabama stammender Mitpassagier, dass er auch schon in Buenos Aires gewesen war, dort (und auch sonst) aber nicht Tango getanzt habe. "Was hast Du dort denn so gemacht?", fragte ich ihn. "Bird shooting", antwortete er lächelnd. Banause.

Vier Stunden später in Göteborg: Kurz nach meiner Zugankunft stelle ich mein Gepäck an den Rand einer Tanzfläche und geniesse wunderschöne Tänze einer Openair-Milonga. Der Hafen ist nah, die Winde sind kühl, aber echte Südschweden definieren "Sommer" eben ein wenig anders: 16 Grad müssen hier reichen. Meine innere Tanguera kommt auch mal wieder zum Zuge, und ein Mann bietet mir schliesslich an, mich morgen zu führen. Ui. Wir werden sehen...

--

Kommentar von Estinita

:-) !

Archivlink

McMeeresfeeling in Stenungsund

Donnerstag, 17. Juni 2010

Tangocamp-Eröffnungsmilonga in Stenungsund: Ein ziemlich luxuriöses Yacht-Hotel, dafür ist in den 20 Euro für die Abendmilonga das Wasser inbegriffen. Ziemlich viele gute Männer und kein Frauenüberschuss, daher ist es nicht ganz so simpel, zu Tänzen zu gelangen. Viele Einheimische. Ich sollte mir ein Schild mit dem Spruch "Sorry, I don't speak swedish..." umhängen.

Überraschenderweise spielt das Sexteto Milonguero schon heute live (zumindest ein Set), und das macht gute Laune: Bestens tanzbare Musik in Partyatmosphäre. Einige schöne Tänze. Die Aussicht aus dem Saal wäre grandios (in Prospekten nennt man sowas Meersicht), doch es ist dunkel, und so sticht lediglich ein grosses gelbes M vom McDonalds-Restaurant am anderen Ufer ins Auge.

Irgendwann um vier Uhr morgens muss ich dann drei Damen nach Hause fahren, während diese lebhaft darüber diskutieren, wie ich den "Flowerpower"-Dresscode der Samstagsmilonga erfüllen könnte. Ich mag keine Dresscodes, und schon gar nicht Flowerpower. Und bin darüber schockiert, dass Schweden einfach alles in den Kühlschrank tun. Sogar Schokolade. Erschreckend...

Archivlink

Merengue und Salsa in Stenungsund

Freitag, 18. Juni 2010

Zur Freitagsmilonga im Yachthotel darf ich erneut Chauffeur spielen, heute checke ich aber in einem Campingheim ein. Direkt am Wasser gelegen, einfach, günstig und totenstill. Zu Fuss knapp 30 Minuten zur Milonga, doch es ergibt sich eine Fahrgelegenheit. In der Milonga erneut Sexteto Milonguero, leider auch heute lediglich ein Set. Danach zwei Merengue. Der DJ lässt sich leider nicht dazu überreden, noch eine Salsa zu spielen. Am Anfang ist es erschreckend leer, doch nach und nach füllt sich der Saal, und ich geniesse erneut schöne Tänze.

Allerdings ist das Niveau definitiv hoch, und es scheint auch ein jährlicher Treffpunkt für Leute aus Malmö, Göteborg, Stockholm und Oslo zu sein. Mehr als eine Tanda ist selten drin, aber dafür sind es ausnahmslos sehr schöne Tänze. Kurz vor sechs Uhr morgens geniesse ich dann doch noch eine Salsa, es sind noch ganze drei Tanzpaare auf der Piste. Grauseliger Regen draussen, noch knapp erwische ich eine Mitfahrgelegenheit zum Campingplatz...

Archivlink

Schwedische Märchen und eine langweilige Milonga

Samstag, 19. Juni 2010

Dass in einem Ferienheim zur Mittagszeit der Fernseher läuft ist wohl nichts aussergewöhnliches. Diesmal sitzt allerdings die gesamte weibliche Gästeschar vor der Kiste, und wer mit dem Löffel zu laut in seinem Müsli scharrt, der erhält böse Blicke. Fitnesstrainer Daniel wird nämlich zum Herzog von Västergötland, weil er Prinzessin Victoria ehelicht. Als er kurz vor dem Jawort ein Tränchen verdrückt, da werden auch in der weiblichen Runde die Taschentücher gezückt. Meine Bemerkung, dass der Kerl bestimmt nicht Tango tanzen könne, kommt nicht so recht an. Er ist halt so süss.

Stunden später nach einem Spaziergang bei Sonnenschein und Regen (in Schweden gibt es alle vier Jahreszeiten an einem einzigen Nachmittag) sowie einem ausdauernden Nachmittagsschlaf sitzt die Runde noch immer gebannt vor dem Fernseher. Ein Mann würde gerne Fussball gucken, hat aber keine Chance.

Abendmilonga im Yachtclub: Die Fernsehrunde entpuppt sich tatsächlich als Tangueras, und die meistens erscheinen im Flowerpower-Look. Viel Volk im Blumenmädchen-, Abba-, Jimmy Hendrix- oder gar Polizeilook. So bunt die Runde, so miserabel meine Chancen: Die erste Tanda gelingt mir um zwei Uhr morgens, danach kann ich mir immerhin noch eine weitere Dame anlachen. Zwei wunderschöne Runden, aber danach läuft nichts mehr. Um halb vier Uhr stelle ich erstaunt fest, dass der Männerüberschuss gewaltig ist, der DJ startet zudem eine Runde Cumbia. Gehe etwas frustriert nach Hause. Immerhin ein ruhiger Spaziergang entlang der Küste mit einem feinen Blick auf einen verschlafenen kleinen Fischerhafen. Eigentlich ist Schweden wirklich schön. Nur sind die Frauen offenbar gute Tänzer gewohnt. Oder zumindest Fitnesstrainer.

--

Kommentar von Mikamou

"Lange und steinig ist der Weg zur Erleuchtung" ... oder anders "Manchmal ist es knapp, auch wenn der Weg das Ziel ist."

--

Ergänzung: Hier gibt es Bilder

Archivlink

Das Drehen und die Ochos

Mittwoch, 23. Juni 2010

Mittwochskurs. Heute üben wir eine Kombination mit Vorwärtsochos, und mir wird mal wieder bewusst, wie schlecht ich das richtige Timing dafür beherrsche. Frau auf die Seite führen, selbst dabei leicht drehen, aber nicht völlig mit den Schultern öffnen, und irgendwann selbst kräftig die Hüfte drehen. Geht dann auch geschlossen äusserst elegant.

Letzter Kursabend vor den Sommerferien. Schnüff. Dafür habe ich mich so langsam an meine neuen Schuhe gewöhnt. Im Vergleich zu meinem bisherigen Raquel-Modell (welches nun dringend eine Absatzerneuerung braucht) ist die tres pisadas-Variante sehr weich, und die Frontpartie erscheint mir auch deutlich rutschiger. Für Salsa perfekt, beim Tango muss ich noch ein wenig ausprobieren. Abgesehen davon, dass ich mit diesen Schuhen nun satte fünf Millimeter kleiner bin...

Archivlink

Openair-Pläne

Donnerstag, 24. Juni 2010

Eigentlich wollte ich ab Juli wieder Openair-Milongas in den Langen Erlen organisieren, sobald die Fussball-WM und damit die dortigen Public Viewings vorbei sind. Doch nun sehe ich, dass Talib zusätzlich zum Sonntag auch am Samstag Abend in einer Passage in der Freien Strasse eine Milonga veranstaltet, und zwar bis Ende August. Hm, ich glaube nicht, dass es gleichzeitig zwei Samstag-Vorabendmilongas braucht. Schade.

--

Kommentar von Monika

Passiert bei Euch in Basel also genau das was in Zürich vor einigen Jahren passierte: zuviele Häuptlinge für zuwenige Indianer, und die Häuptlinge sassen niemals zusammen mit einer Friedenspfeife :-(

Schade, noch eine Szene die sich selbst zugrunde richtet.

--

Kommentar von Roberto

Der Markt wird das wohl schon richten. Wenn man eine Milonga ein Jahr lang durchführen mag mit jeweils durchschnittlich 15 Leuten ist man selber schuld. Also keine Sorge. Milongas kommen und gehen.

--

Antwort von Patrick

Monika, ich hätte Veranstalter und DJs ja niemals als Häuptlinge bezeichnet. Auch wenn sich manche so benehmen. Eigentlich werden in Basel aber lediglich eifrig Lücken gefüllt, ich habe nicht den Eindruck, dass jemand absichtlich versucht andere zu verdrängen.

Nur gehen viele Indianer halt am liebsten in ihr vertrautes Hauswigwam mit dem bekannten Stallgeruch (ich ja auch), und neue Zelte müssen sich erstmal durchsetzen. Roberto, ich denke, über den Erfolg einer Milonga kann man erst nach etwa drei Jahren ein Urteil fällen. Gibt ja schon genug Leute, die nur noch aufs kurzfristige Quartalsergebnis schielen.

--

Kommentar von Cassiel

"Gibt ja schon genug Leute, die nur noch aufs kurzfristige Quartalsergebnis schielen."

Da sprichst Du große Worte ganz gelassen aus. :-)))

--

Kommentar von Roberto

womöglich soll jetzt auch noch die Bonidiskussion für das Thema bemüht werden. Dann wirds allerdings richtig peinlich. Denkt wirklich jemand daran, mit einer Milonga grosses Geld zu verdienen? Dann hätte er/sie wirklich das Geschäftsfeld kolossal verfehlt. Drei Jahre scheinen mir doch ziemlich lange, für das gibt es wahrscheinlich zuviele ambitionierte Anbieter auf dem Markt.

--

Kommentar von Christian

@ Roberto, Du bist also der Überzeugung, dass der Markt das schon richten wird. Interessant.

Der neoliberale Furz, dass der omnipotente Markt mit seinen selbstregulierenden Mechanismen alles richtet, hat unsere Ökonomie rund um den Erdball vor wenigen Monaten in eine Rezession katapultiert an der wir alle noch jahrelang knabbern werden. Unser Demokratieverständnis ist in Frage gestellt, der gesellschaftliche Konsens torpediert. So eine lokale Tangoszene ist aber ein sehr viel difisileres Pflänzchen als die sehr viel komplexere globale Wirtschaft.

Warum sollte ausgerechnet ein in der Wirtschaft kläglich gescheitertes Rezept einiger weniger ohne Skrupel im Tango kein Desaster anrichten?

--

Kommentar von Joachim

Christian: Weil im Tango der Anreiz, ungestraft Milliarden zu scheffeln, nur ganz selten mal ausgelebt wird? Tango ist kein diffizileres Pflänzchen als irgendeine andere Kultursektion auch - es gibt Milongas, die voll sind und andre, die trotz aller Mühen und Engagement des Veranstalters nie voll werden.

Es liegt auch am Veranstalter, sich dann mal zu fragen, inwieweit sein Konzept gewünscht und gefragt ist. Vom hohen Ross herunter zu verkünden, das Konzept stimme, aber die Tänzer sind zu doof es anzunehmen, wird kaum je funktionieren.

--

Kommentar von Roberto

@Christian: Sorry, auf dem Niveau diskutiere ich nicht mehr mit. Bei soviel Aggression kommen Argumente eh nicht mehr an.

--

Kommentar von Cassiel

Aber, aber Roberto! Nur weil Christian einmal sehr pointiert geschrieben hat, was leider Realität ist, erklärst Du hier Deinen Abgang und sprichst von Aggression? Gehen Dir die Argumente aus?

Wie war denn bitte der Satz in Deinem ersten Kommentar gemeint ("Wenn man eine Milonga ein Jahr lang durchführen mag mit jeweils durchschnittlich 15 Leuten ist man selber schuld.")? Wenn es schon keine Aggression gewesen sein soll, dann war es zumindest grob unfreundlich.

Eigentlich ist es unhöflich in einem fremden Blog auf das eigene Blog zu verweisen. Da ich mich aber nicht wiederholen möchte, gibt es hier einen Link: Vom schönen Tango und vom schnöden Mammon... Einstweilen viele Grüße.

--

Antwort von Patrick

Markt? Nun, immerhin ist die Marktransparenz im Unterschied zu vielen Finanzprodukten beim Tango fast paradiesisch: Es ist eine Kleinigkeit, herauszufinden, welche Milonga heute Abend wo mit welchem DJ und zu welchem Preis stattfindet. Und im Gegensatz zur Mobiltelefoniewelt gibt es hier auch keine Knebelverträge mit Kündigungsfristen. Insofern haben die Konsumenten die Macht.

Andererseits erreichen die beiden grossen Schulen mit ihren Newslettern natürlich extrem viele Tänzer, und viele Leute kommen gar nicht auf die Idee, mal woanders hin zu gehen. Zumal sie ja am Ende jeder Unterrichtsstunde auf die hauseigenen Milongas hingewiesen werden. Wer sich mal auf Migros eingeschworen hat, wird nicht jede Woche bei Coop gucken, ob die Schokoladenauswahl dort besser geworden ist.

Kurzum: Idealerweise hat man eine eigene Schule, um die Milonga damit zumindest zu Beginn querzusubventionieren. Aber keine Angst, ich fange nicht an zu unterrichten ;-)

--

Kommentar von Joachim

Das stimmt so einfach nicht: Das ATZ in Zürich hatte vor 5, 6 Jahren jeweils full house mit zwischen 100 und 200 Personen am Sonntagabend - ohne dass eine Schule quersubventionierte. Wobei grosszügige Gönner durchaus hilfreich sein können. Interessante Milongas sprechen sich rum und generieren wieder neue Besucher. Allerdings war die Milonga-Dichte zu ATZ Zeiten auch eher übersichtlich.

Da kam Offenheit gegenüber auswärtigen Besuchern (die in Zürich wohl nicht mehr sehr angesagt ist) zusammen mit recht guter Musik von nur vier Stamm-DJs mit verlässlichem Programm, fantastischem Boden, breitem Niveauspektrum und auch etwas in den Hintergrund gedrückten Lokalmatadoren. Das meiste, was sonst an Milongas zum Ablöscher werden kann, war erst gar nicht zu finden.

Tempi passati: Soviel Veranstalter und auch Funktionäre, wie sich heut am Tango-Trog versammeln, trägt manche Szene einfach nicht. Vielleicht wäre eine gewisse Lässigkeit und Entspanntheit das "Geheimrezept"? Vielleicht auch "unermüdliches (und für die Beworbenen ermüdendes) Buhlen um Kundschaft"?

Keine Ahnung. Über die paar Jahre, die ich dabei bin, kam und ging mancher Anlass, kein Grund also anzunehmen, dass da zukünftig irgendwas an Bewegung erstarren wird.

--

Kommentar von Tangosohle

Das sind ja ganz schön viel Themen, die hier angeschnitten werden. Um auf den Anfang zurück zu kommen, ich finde es gut, dass du zugunsten des Tango und zugunsten der Szene deine Pläne vorerst zurück gestellt hast. Und ich wünsche dir, dass du 5 weitere gute Pläne in der Tasche hast, von denen du noch einmal vier zurücksteckst. Denn um die eine, die richtige Idee, um die geht es letztendlich.

--

Kommentar von Monika

@Joachim Du hast recht damit dass die Szene - nicht nur die Zürcher, die gesamte Schweizer (und Süddeutsche) zu ATZ-Zeiten sehr viel übersichtlicher war.

Was man trotzdem nicht vergessen darf: von den 4 DJs und den 2 Helfern im Hintergrund waren damals (und sind tw noch) alle entweder mit eigener Schule/Kursen oder sogar mit eigener anderer Milonga sehr präsent in der Szene. Und es wurde, zumindest in den Kursen die ich damals besuchte, massiv Werbung für das TangoCafe gemacht, in mindestens zwei der (grossen) Schulen hier in ZH.

--

Kommentar von Joachim

Ich halte es für keinen Fehler, wenn mehr als eine Tangoschule Werbung für den gleichen Anlass machen. Im Gegensatz zu heute, wo inzestuös jeweils das eigene Süppchen gekocht wird, das aber mehrmals pro Woche, bedeutet so eine Konzentration auch einen Austausch. Letztendlich ja auch einen Austausch der Schüler über ihre Lehrer.

Aha. ist es das, was eigentlich nicht gewollt wird? Die gute alte Angst vor Konkurrenz, das Abgrenzungsbedürfnis?

Lehrer hergehört: das ist völliger Schwachsinn, Schüler so halten zu wollen. So, wie es unterschiedliche Lehrer und deren Stile gibt, gibt es auch vollkommen unterschiedliche Lernmuster und Geschwindigkeiten. Normalerweise kommen die zum Lehrer(paar) passenden Schüler mit andren Unterrichtenden, egal wie gut die sein mögen, nicht unbedingt zu Streich.

Eine übergeordnete Milongainstanz wie die ehemalige "Mitte" in Basel oder eben das ATZ in ZH ist eine klare Bereicherung der Szene. Reife erwachsene Lehrende sollten so etwas unterstützen und ihre Stärken forcieren, anstatt die Schwächen kaschieren und Energie auf "Schülerbindung" zu verschwenden. Schüler MÜSSEN zu unterschiedlichen Lehrern, anders stagniert die Entwicklung.

--

Kommentar von Monika

Stimmt, Joachim. In allen Punkten.

Archivlink

Viel Wärme, wenig Tänze

Samstag, 3. Juli 2010

Mal wieder nach Freiburg, Milonga im Theatercafé. Heiss und schwül, zumindest um 22 Uhr gewaltiger Männerüberschuss, dunkler Raum mit blendenden Lichtern. Dreieinhalb Stunden und zwei Tandas später wieder auf den Zug, war wohl nicht mein Tag. Jaja, ich weiss, es geht um Qualität, nicht um Quantität. Aber so komme ich einfach nicht in Tangostimmung...

Archivlink

Viel Wärme, viel Tango, weniger Milongas

Sonntag, 4. Juli 2010

Openair auf dem Petersplatz bei schönstem Sommerwetter. Flotte Tänze, schöne Tänze, leidenschaftliche Tänze. Also sozusagen das Kontrastprogramm zu gestern, insbesondere in Bezug auf die Quantität.

Dafür grüble ich derzeit über mein Herbstprogramm -- an Freitagen wird es nun vermehrt Konkurrenzmilongas geben, und wenn ich meine mirada ohne offensichtliche Terminkollisionen planen will, dann werde ich mich künftig auf eine Milonga pro Monat beschränken müssen. In punkto Angebotsreduktion ist das dann allerdings das Ende der Fahnenstange.

Archivlink

Keine Cabeceos, dafür schöne Tänze

Mittwoch, 7. Juli 2010

Neuchâtel, Openair-Milonga auf dem gedeckten Vorplatz der juristischen Fakultät. Knapp 20 auf 20 Meter Steinboden, drumherum Gras, Beschallung mit umfunktionierter Auto-Hifi-Technik. Manchmal spürt man, dass Cabeceos irgendwie zwecklos sind. Etwa dann, wenn mich eine Frau erst völlig ignoriert, dann zu mir kommt und mich verbal auffordert. Also hab auch ich für den Rest des Abends auf eine französische Ansprechformel umgeschaltet, und siehe da, die Körbe blieben aus.

Auf der Karte sah es so aus, als hätte man von der Tanzfläche aus Seeblick. Hat man leider nicht, ein paar Bäume verdecken die Sicht. Könnte mal jemand mit einer Kettensäge....? Dafür gab es unten am See ein Public-Viewing des WM-Halbfinals, und schon das Gegröhle war inmitten von Canaro und Pugliese etwas irritierend. Als dann allerdings nach Spielende der Autokorso begann, brauchte es schon ziemlich Konzentration, um die Musik überhaupt noch zu hören. Ansonsten hätte ich am liebsten die ganze Nacht durchgetanzt. Doch die Organisatoren nahmen mir die Entscheidung eh ab: Wenn eine Veranstaltung um 23 Uhr aufhört, dann nimmt man eben den letzten Zug um 23.27...

Archivlink

Die Tänze und die WM

Sonntag, 11. Juli 2010

Openair am Petersplatz -- wo soll man am Sonntag denn auch sonst hingehen, wenn es hochsommerlich warm ist. Wunderschöne Tänze und eine gemütliche Stimmung, wobei die Wärme irgendwie auch die Faulheit und das Plaudern fördert. Trotz WM-Finale ein beachtlicher Frauenüberschuss, was nach dem PFP (Patricksches Fussball-Parodoxon) ziemlich unlogisch ist. So eine Verlängerung hingegen ist ein Segen, das reicht dann tatsächlich noch, um nach der Milonga in Ruhe am Rhein zu sitzen, bevor der hupende Autokorso beginnt und die gröhlenden Schnapshorden auf der Strasse umherirren. Milonga und Fussball sind irgendwie zwei verschiedene Welten.

Archivlink

Tremmelhausen und die Nontangos

Freitag, 16. Juli 2010

Regensburg: Mal wieder das Sommerfestival auf dem Hofgut Tremmelhausen. Diesmal hängt eine Schweizerfahne vor dem Eingang. Aber die ist offenkundig nicht für mich, zumal eine Reisegruppe aus Bern angedüst ist. Weise Worte schon auf der Hinfahrt von einer weisen Frau: "Schreiben ist anders als sein". Puuh. Wird offenbar ein Blogger-kritisches Wochenende.

Schöne Tänze, wobei ich mit der Musik von Gonzalo nicht so richtig warm werde. Das Orquesta Atipica aus Regensburg verkündet, dass sie diesmal ausschliesslich Tanzmusik spielen werden. Das stimmt zweifellos, doch leider sind es ausschliesslich Elektro- und Nontangos. Nach dem zweiten Set übernimmt Gonzalo, um gleich in der zweiten Tanda wieder mit Elektro einzufahren. Ich wusste ja, dass Regensburg Nontangoland ist, aber heute ist der Begriff "Milonga" für die Abendveranstaltung definitiv unpassend.

Die Leute bleiben auch nicht sonderlich lange, und um drei Uhr hechte ich einer Mitfahrgelegenheit nach. Bei offenem Cabriodach durch die schwüle Nacht zu düsen ist das eine, dabei aber auch noch das Wetterleuchten zu beobachten ist grandios. Kaum zu Hause bricht das Gewitter los...

--

Kommentar von Ghostwriter

Seltsame Weisheit! Schreiben ist ein anderes Sein als im Blut sein.

Archivlink

Dada statt Regen

Samstag, 17. Juli 2010

Mit Mitfahrgelegenheiten zum Festival ist heute leider nichts, daher schnappe ich mir ein Fahrrad und reise so von Regensburg nach Tremmelhausen. Dort angekommen erfahre ich, dass das Zirkuszelt in der letzten Nacht dem Gewitter zum Opfer gefallen ist. Und hoffe, dass mein Rückweg mit dem Fahrrad nicht auch einem Gewitter zum Opfer fallen wird.

Workshop bei Eladia Cordoba und Julian Elizari: "Connection in the couple". Führen mit zwölf Metern Abstand, mit einem Meter, ganz nah ohne Berührung, nur mit Kopfberührung, nur mit einer Hand und letztlich mit einer entspannten Umarmung. Hm, gar nicht so einfach, aus zwölf Metern Entfernung einen Ocho zu führen. Und Volgadas klappen so irgendwie auch nicht so richtig elegant.

Hinterher eine kurze Abkühlung im berüchtigt-eiskalten Weiher zu Tremmelhausen, nur wenige Sekunden, bevor es mal wieder richtig heftig zu Regnen beginnt. Glücklicherweise leiht mir eine Tanguera in blindem Vertrauen ihre Autoschlüssel, so reicht es vor der Abendmilonga noch für eine warme Dusche.

In der Milonga spielen Dadatango aus Berlin live mit Bandoneon, Cello und Drumcomputer. Ich muss gestehen, ich hatte das Schlimmste erwartet. Der Drumcomputer kam aber eher zurückhaltend zum Einsatz, die Stücke waren durchaus tanzbar, und einen Vals habe ich richtig genossen. Allerdings kapiere ich das Konzept nicht: Wenn das Cello die Melodie übernimmt, kann doch das Bandoneon den Rhythmus übernehmen. Wozu dann noch der Drumcomputer? Offenbar Geschmackssache.

Als DJ amtet heute Gregor, und ich muss grinsend feststellen, dass unser Musikgeschmack sich ziemlich deckt. Zudem sind seine Cortinas unbeschreiblich (ich weiss, ein Armutszeugnis für einen Blogger) cool. Wunderschöne Tänze, wenn auch ein paar Damen derart kräftig zupacken, dass mir hinterher die Schulter ein wenig wehtut. Und ich stelle fest, dass ich heute irgendwie ziemlich viel Unsinn zusammentanze. Kurz nach drei Uhr nachts mit dem Fahrrad entlang der Donau trockenen Hauptes zurück.

--

Kommentar von Gregor

Hallo Patrick, ich nehme Deine Worte als Kompliment und bedanke mich sehr herzlich. Schön, daß Du den Abend genießen konntest - auch ohne Piazzolla und Salsa. Dadatango haben mir auch sehr gut gefallen es war eine wirkliche Bereicherung des Abends. Es hat mich auch sehr gefreut, daß es mit den Cortinas für mein Empfinden wunderbar funktioniert hat. Da hat Gonzalo am Vorabend allerdings schon kräftig Vorarbeiten geleistet. Ich fand die bayerisch inspirierte Musik von Haindling als Cortina für die Umgebung idyllische Bauernhof bei Regensburg ganz passend. Die Länge der Cortinas habe ich immer zwischen 15 und 20 Sekunden gehalten.

Ich hoffe, daß es mir möglich ist, demnächst Deine Milonga zu besuchen. Ich mag ja auch mal zu meinem Musikgeschmack tanzen. ;-)

--

Kommentar von Rheinländerin

Es ist ja eigentlich schon bemerkenswert, dass man nur in einem schweizer Blog eine Veranstaltung in Bayern kommentieren kann. Das sind wohl die Folgen des Internets. Mir haben Deine Schilderungen sehr gut gefallen. Ich hatte mich sehr auf Dadatango gefreut, weil ich moderne Tangos liebe. Was der traditionelle DJ am Samstag gezaubert hat war der reine Wahnsinn. Endlich habe ich Tandas und Cortinas verstanden. Die Cortinas wirkten nicht aufgesetzt sondern passten in das Ambiente. Ich habe noch nie erlebt, dass Tänzer laut mitsingen, bei dem Stück Bayern war das so. Zum ersten Mal habe ich die Schönheit der alten Tangos entdeckt. Legt der eigentlich regelmäßig in Regensburg auf? Ich würde glatt wieder hin fahren.

Zusätzlich muss ich aber noch die Professionalität der Veranstalter hervorheben. Der Sturm in der Nacht von Freitag auf Samstag muss unbeschreiblich gewesen sein. Am Samstag war alles wieder aufgeräumt. Wenn man jemanden angesprochen hat, dann bekam man nur die nüchternen Fakten mitgeteilt und ein Allesnichtsoschlimm. Als ich den DJ ansprach hat er auch nur freundlich gesagt, dass er eine kleine Platzwunde beim Rettungsversuch erhalten hat - auch er wiegelte schnell ab. Die haben alle einfach sehr flexibel umgebaut und das Beste aus der Situation gemacht.

Lieber Patrick, wie gerne hätte ich mit Dir getanzt. Irgendwie hat es nicht geklappt. Vielleicht beim nächsten Mal?

--

Antwort von Patrick

Die Veranstalter haben nicht nur nach dem Sturm aufgeräumt, sondern offenbar auch vor dem Festival mehr geputzt als ich bisher in meinem ganzen Leben. Viel Aufwand. Und dennoch deutlich weniger Besucher als letztes Jahr, so zumindest meine Schätzung. Mal sehen, wie es weitergehen wird. Ach, und vielleicht haben wir ja miteinander getanzt?

--

Kommentar von Rheinländerin

Das wüsste ich aber... ;-))) Ich weiß nämlich wie Du aussiehst.

Archivlink

Süsser Kuchen, trauriger Tango

Sonntag, 18. Juli 2010

Heute ergibt sich eine schöne Mitfahrgelegenheit zum Festival. Woran erkennt man eine erfahrene Tremmelhausen-Tanguera? Genau, an den Gummistiefeln im Kofferraum. Glücklicherweise sind die meisten Schlammlöcher heute bereits wieder trocken.

Heute habe ich keine Workshops gebucht, und so geniesse ich den ganzen sonnigen Nachmittag bei Kuchen und Tanz. In dieser Reihenfolge. Und lasse mir von echten Bayern den Unterschied zwischen einer Donauwelle und einer Schwarzwälder Kirschtorte erklären. Geschmacklich gefällt mir die Version mit Buttercréme etwas besser, aber das soll keine hier mitlesende Tanguera davon abhalten, die andere Version zu backen. Äh, wie auch immer: Vorsicht, Tango kann dick machen.

Aber ich habe auch getanzt, erst ein wenig barfuss, dann konnte ich endlich mal wieder meine blau-metallisierten Schuhe im Sonnenlicht strahlen lassen. Ein wundervoller Nachmittag mit süssen Tänzen und süssen Speisen.

Es naht die Abendmilonga, und ich geniesse die Musik von DJ Petronella heute beinahe ausnahmslos. Allerdings tun mir schon früh die Füsse weh, ausserdem weht in den meistens Tänzen bereits der traurige Hauch des Abschiedes mit. So gebe ich kurz nach Mitternacht bereits auf und lasse die Scheune mitsamt vielen lieben Menschen zurück. Manche Dinge sind leider genauso vergänglich wie ein grosses Stück Kuchen...

--

Kommentar von Jasmin

Soll das ein Wink mit dem Zaunpfahl sein? (Oder wohl schon eher mit dem ganzen Zaun....)

--

Antwort von Patrick

Es spricht der weise Mann: In placenta veritas!

Archivlink

Viel Luft, viel Figuren, viel Wasser

Mittwoch, 21. Juli 2010

Mittagsmilonga im Clarahof. Wenig Leute, wenig Tänze. Vermutlich den meisten zu heiss. Dafür viel Platz, und ich übe mal wieder ein wenig den offenen Tanzstil. Macht zwischendurch Spass, bietet aber irgendwie auch nicht mehr Möglichkeiten als die geschlossene Umarmung. Wobei der Stil teilweise ganz anders wahrgenommen wird: Neulich tanzte ich mit einer Frau, beim letzten Tanz öffnete sie, folglich kombinierte ich ein paar Giros in Folge mit Entradas. "Wow, jetzt erst zeigst Du, was Du alles kannst!", meinte sie begeistert. Komplimente geniesst man, also sagte ich nichts. Aber offenbar kann man mit Musikinterpretation im Milonguerostil keine Blumentöpfe gewinnen.

Danach Abkühlung im mehr oder minder kühlen Rhein, zufällig treffe ich eine Tanguera und danach einen Salsero. Beide schon länger nicht mehr in der Szene unterwegs. "Zu heiss im Sommer", so der Kommentar. Hm. Vielleicht brauchen wir doch mehr Openair-Milongas...

Archivlink

Nontangos in Freiburg

Freitag, 23. Juli 2010

Tangoteca bei Angelika in Freiburg. Klein, fein und herzlich familiär, zu Beginn allerdings ein fast schon beängstigender Männerüberschuss. Hat sich im Verlaufe des Abends dann glücklicherweise ausgeglichen. Geschätzte 50 Prozent des Abends bestanden aus Non- und Neotangos, was auf mich dann doch eher wie eine Überdosis wirkte. Also gut, das Nontango-Land ist nicht mehr Regensburg...

Archivlink

Kämpfen im Rondel

Sonntag, 25. Juli 2010

Basel hat keinen See. Zürich schon. Und sogar noch eine Milonga am See. Also mal wieder auf zum Bürkliplatz. Viel Volk, Tanzfläche halb voll, Tanzrichtung chaotisch, das Gerempele kräftig, die Voleos hoch, die blauen Flecken zahlreich. Und die Musik vor allem in den letzten beiden Stunden arg abwechslungsarm.

Aber dafür eben auch Sonne, Wind vom See, schöne Tänze und einiges an Klatsch von der Tangowoche. Vielleicht sollte ich doch mal wieder öfters nach Zürich.

Archivlink

Ein Tango mit drei Ecken

Mittwoch, 28. Juli 2010

Milonga in der Bar des Zürcher Vegi-Restaurantes Hiltl. Tanzfläche ist ein Dreieck zwischen Theke, Tischen und Barhockern. In der Mitte eine gefährliche Säule, von der man sich idealerweise fernhält. Wenn alle die Ecken austanzen, hat es eigentlich genug Platz. Wenn. Denn schon auf den wigwamförmigen sowie quadratischen Tanzflächen in Zürich ist der Tanzfluss jeweils arg festgefroren, und ein Dreieck wirkt sich nicht mehr so richtig positiv aus. Auch wenn es gleichschenklig ist.

Tolle Tänze, abwechslungsreiche Musik, unkomplizierte Stimmung, viele ungläubige Blicke von tangofernen Barbesuchern, eigentlich viel Platz und ein ziemlich unberechenbarer Boden. Und eben, die ungewohnten Ecken. Pythagoras war zwar ein Genie, hatte aber offenbar keine Ahnung vom Tanzfluss. Immerhin kann man mit der Trigonometrie Tanzpartnerinnen verwirren, indem man etwa den Begriff "Hypotenusenmilonga" erfindet.

--

Kommentar von Gordana

...tja...Das Leben ist ein Bumerang... ;))

--

Antwort von Patrick

Das mag sein, aber auch der fliegt keine Dreiecke ab...

--

Kommentar von Roberto

unkomplizierte Stimmung? heisst das, es war ziemlich langweilig?

--

Antwort von Patrick

Im Gegenteil, eine Einheimische hatte gar Mitleid mit mir und fand, man sollte für Leute aus Basel doch eine Ecke für schwer Vermittelbare einrichten. Aber das war erstaunlicherweise gar nicht nötig, das Volk mischte sich bunt. Sepp Blatter ist damit widerlegt. Aber es war ja auch nicht das Silbando...

Archivlink

Von Tänzen, Mäusen und dem Nebel

Freitag, 30. Juli 2010

Es gibt Orte, da geht man nicht alleine hin. Einfach deshalb, weil eh alle anderen paarweise hingehen oder sich als Gruppe verabreden. Das Silbando ist so ein Ort, und das ändert sich auch während der Zürcher Tangowoche nicht. Glücklicherweise wusste ich das bereits vorher, und konnte den Abend deshalb auch geniessen.

Der Eintritt betrug 25 statt der angekündigten 20 Franken, aber was tut man für Live-Musik nicht alles. Das Duo El Amanecer (ich grübelte noch kurz, ob das nun eher mit Morgendämmerung oder besser mit Morgengrauen zu übersetzen wäre) spielte auf, und die Musik war durchaus tanzbar. Keine Frage, Diana sang wunderbar, doch bei den rhythmisch anspruchsvolleren Passagen hatte ich den Eindruck, als spielten Flügel und Gitarre eher gegen- statt miteinander. Wirklich schlimm war aber leider die Abmischung: Dröhnende Bässe, verzerrte Mitten und überhaupt keine Höhen. Insofern wenig Licht am Ende der Dämmerung.

Die Piste war gewohnt wild, doch die recht geringe Besucherzahl verringerte sich ziemlich rasch, und nach zwei Uhr waren die Platzverhältnisse daher ähnlich wie in der Wüste Gobi. Irgendwann verweigerten die Füsse ihren Dienst, und ich genoss den stillen Amanecer vom S-Bahnhof Hardbrücke. Mit Mäusen, die über die Schienen huschten. Später sah ich in Dietikon beeindruckende Nebelschwaden über der Limmat. Und fragte mich, ob sich eine Tangokapelle wohl jemals la niebla nennen wird...

--

Kommentar von Gordana

...Nacht der Nebel...hm...

Archivlink

Tango fürs Auge und für die Nase

Samstag, 31. Juli 2010

Tango la Ronja an der Freien Strasse: Halb Openair, sozusagen Tanzen zwischen schicken Designertaschen in der Marmorpassage. Erstaunt beobachtet von viel Volk, die Zahl der Zuschauer war zwischendurch grösser als die der Tänzer. Daher stellt sich hier offenkundig die Frage, ob es für den Tango eine exhibitionistische Ader braucht.

Gleichzeitig wurde mir bewusst, dass manche Tanzpartnerinnen riechen, ob ich heute zum Vanille- oder Limetten-Duschgel gegriffen habe. Beim Cabeceo auf Distanz nützt allerdings auch der beste Duft nichts...

Archivlink

Stille beim Maisfeld

Mittwoch, 4. August 2010

Es war einmal ein Maisfeld im tiefen Süden von Freiburg. Fleissige Bienchen um Hubert stellten dort ein Gewächshaus auf, pflasterten den Boden fleissig mit schweren Granitplatten, und siehe da, es war eine Milonga. Und was für eine: Drinnen warm, draussen frisch. WC-Spülung mit Spritzkanne. Schwimmende Teelichter. Tomatenpflücken während des Tanzens (nur für Langarmige). Und nervöse Nachbarn, vor einer Woche standen kurz vor Mitternacht bereits die grünen Männchen vor dem Eingang. Deshalb fängt die Milonga nun bereits um sieben an und endet um Mitternacht, dies bei stark reduzierter Lautstärke.

Das mit dem Beginn scheint sich noch nicht rumgesprochen zu haben. Anders kann ich es mir jedenfalls nicht erklären, dass die erste Dreiviertelstunde satte acht Männer darüber gegrübelt hatten, ob heute möglicherweise ein Film mit Patrick Swayze im Fernsehen käme. Schockierender Männerüberschuss in Freiburg! Die Tangowelt ist auch nicht mehr das, was sie noch nie war.

Immerhin, danach kamen die Frauen, und ich genoss auch praktisch pausenlos die Tänze. Einzig der minimale Höhenversatz der einzelnen Granitplatten sorgte gelegentlich für ein paar Stolperer. Die Frauen waren davon deutlich stärker betroffen. Aber wenn die alle mal an einem Samstag mit der Nagelfeile anrücken wird das bestimmt bald eine ebene Fläche. Ist ja nur Granit.

Zumindest auf der Aussenfläche wurde allerdings die Lautstärke in sehr engen Grenzen gehalten, damit die Nachbarn die vorbeidonnernden Güterzüge besser hören können. Ich fands angenehm (nein, nicht die Güterzüge) , für die meisten Besucher war es wohl deutlich zu leise. Vielleicht gibt es ja Granitplatten mit Induktionsschleifen. Wer Ohren hat, der höre...

Die Musik war eigentlich nicht schlecht. Keine Hardcore-Elektrotangos, dafür eine winzige Überdosis aus dem Hause Pugliese. Mir fehlten jedenfalls die soliden Klassiker etwas. Viele schöne einzelne Stücke, aber der Gesamtmix hat mich doch eher verwirrt. Ebenso die Tatsache, dass man in etwas ganz Weiches tritt, wenn man den Rand der Tanzfläche verlässt. Dafür wird Freiburg-St. Georgen sogar noch um 23.46 von einer Regionalbahn bedient. Und glücklicherweise erst eine Stunde später kam der Regen.

Archivlink

Kuchen in Bern

Samstag, 7. August 2010

Nach Bern zu "Che Tango" in der Tanzschule Garbujo. Noch näher beim Bahnhof als das Progr, ein geräumiger Eingangsbereich, viel Kuchen, guter Boden, trotz Tangoclub gibt es eine "Abendmitgliedschaft" für zehn Franken. Und eine Liste, in die man sich eintragen muss. Hm, bei jedem Besuch ein neues Pseudonym für die Gewerbepolizei ausdenken? DJ Renato verkündet, dass heute kein Di Sarli und kein Pugliese gespielt werde. Dafür vielleicht Piazzolla? Wir werden sehen. Um die Tanzfläche herum gibt es kontakterleichternde Sitzlandschaften, das wird die bernische Cabeceoschwäche bestimmt ausgleichen. Viel kann da nicht mehr schief gehen, oder?

Oder. Trotz einem deutlichen Frauenüberschuss schaffte ich es genau bei einer Frau, sie mir für eine Tanda anzulachen. Alle anderen schauten auch bei einem Abstand von weniger als zwei Metern deutlich weg, ins Glas, auf den Boden oder ins Mobiltelefon. Und reagierten dafür blitzschnell, wenn einer der bekannten Männer in die Nähe kam. Ist vielleicht doch nichts für Fremdlinge, so ein Tangoclub. Am Sonntag ist übrigens in demselben Lokal der "Besito"-Tangoclub, der aber deutlich darauf hinweist, dass es Besitos nur für Mitglieder gäbe.

Muss dringend den Text für meine Milonga ändern: "Getränke und Besitos inbegriffen". Aber zugegeben, der Kuchen war lecker. Auch ohne Besitos.

--

Kommentar von Alan

Aha. Sehr interessant. Es braucht die Meinung eines Aussenseiters um sich selber klarer zu sehen. Danke. Man muss zuerst zugeben, das das Cabaceo bei uns (in Bern allgemein, nicht nur Che Tango) kaum verwendet wird. Schade, finde ich. Kann das der Grund sein, dass du so viele "Abweisungen" gekriegt hast? Sie kennen es einfach nicht. Ich habe mich gestern die ganze Zeit gefragt, warum du so lange stehen geblieben bist. Dann habe ich Dich tanzend gesehen und bemerkt, dass Du schon etwas anzubieten hättest. Ich weiss 100% genau, dass (z.B.) meine Elke mit Dir gern getanzt hätte.

Und das mit dem Einschreiben. Ja. Es ärgert mich unheimlich, dass das zu machen ist. Weisst du, es gab mal Besprechungen mit der Gewerbepolizei. Sie legen einem gern grosse Steine im Weg. Komischerweise scheint es andere Tango-Veranstalter wenig zu kümmern. Würde Dich gern wieder mal bei uns sehen. Ein Mal genügt nicht um statisch wertvoll zu sein :-)

--

Kommentar von Monika

Ich verstehe das mit dem Einschreiben in eine Liste nicht. Was hat die Gewerbepolizei davon? Bei uns in ZH zumindest habe ich noch nie davon gehört...

P.S. Auch der Besito-Tango Club von Luis und Nicole ist keine "geschlossene" Gesellschaft per se, am besten auf ihrer website mal unter Besito gucken gehen...

--

Kommentar von Alan

statisch = statistisch

--

Kommentar von DJ

Andere Länder, andere Sitten. Mag sein, dass wir trotz faible für Tango die argentinischen Kontakttechniken nicht beherrschen. Aber vielleicht hätte man sich an den hiesigen Gewohnheiten annähern können?

Tut mir leid für dich. Männer wären immer willkommen, eine Mangelware im Che Tango. Und meinerseits sah ich immer wieder Fremde, die durchaus kaum Pausen einlegen konnten. Noch ein Versuch?

--

Antwort von Patrick

Es geht mir nicht um argentinische Kontakttechniken. Mal abgesehen davon, dass die Frauen gegenüber den ihnen bekannten Tänzern das Cabeceo perfekt beherrschten. An manchen Orten wird man von Tänzern neugierig begrüsst, an anderen hingegen völlig ignoriert. Kann sein, dass das am Freitag im Che Tango einfach Pech war. Aber fördert ein Club nicht logischerweise das Cliquendasein?

Es gibt beim Tango das Motto "Die Männer sind nicht aufdringlich und die Frauen nicht abweisend". Vor die Frau stehen und die Hand ausstrecken, um sich an die "hiesigen Verhältnisse" anzupassen? Ich empfinde das bei unbekannten Frauen als extrem aufdringlich. Die meisten werden aus Höflichkeit keinen Korb geben. In einer geschlossenen Umarmung ist das dann aber ein Garant für einen schrecklichen Tanz. Darum ist es hilfreich, wenn eine Frau irgendwie signalisiert, dass sie an einem gemeinsamen Tanz Interesse hat. Nicht aus Angst vor einem Korb, sondern aus einem Wunsch nach schönen Tänzen.

Monika, das Bernische Gastgewerbegesetz sowie die dazugehörige Verordnung enthält einige gemeine Fallstricke, wobei das Zeug beim Stichwort Wirtepatent lustigerweise um Welten liberaler ist als die Baselstädtische Gesetzgebung. Wurde halt offenbar nicht für Milongas gestrickt, schuld daran sind aber eher die Parlamente als die Gewerbepolizei. Die Verordnung könnte man ohne riesigen Aufwand ändern lassen. Aber wer will schon schlafende Hunde (Stichwort Abendmitgliedschaft) wecken...

--

Kommentar von Christine

Lieber Patrick, Ich bin eher Neuling in der Tangoszene und habe mich mit den Blickkontakten noch nicht richtig anfreunden können. In mir gehen dabei immer noch die Alarmglocken los betr. angebaggert werden. Jedenfalls hätte ich sicher gerne mit dir getanzt!

--

Kommentar von Joachim

Patrick, hat's noch Plätze frei in Deiner Guru-Klasse? Solche Super-Offerten, da wird man ja voll neidisch :)

"hatte sicher gern mit Dir getanzt", hat aber nicht, mangels fehlender Adaption an die örtlichen Tangoregeln. Und "seine Elke" (klare Besitzverhältnisse! Genau daran mangelt es allerorten in diesem Tango, man weiss doch einfach viel zu wenig, wer wem gehört) hätte auch sicher gern mit Dir getanzt, Aber auch hier... Du machts offenbar was falsch, und das, obwohl Du was zu bieten hast, tststs.

Ich gleich auch. Falsch machen. Aber ich kann mich vielleicht auf ein fehlendes Diplomatie-Gen berufen, und da ich Bern vor knapp 2 Jahren ohnehin von meiner Tango-Karte gestrichen habe, weil eben auch ich Probleme mit der Adaption hatte, ist es vielleicht nicht so schlimm. Wem die Rückmeldungen zu viel werden (eine mehr als berechtigte Befürchtung), muss jetzt einfach nicht weiter lesen.

Tanzfluss ja, aber wirkt das dann nicht zu uniform? Alle in einer Richtung? Wo's doch in allen Himmelsrichtungen schön sein kann? : ) Aber gut, verständlich, das wurde ja auch von den Tanzlehrern nicht anders vorgelebt: Quer durch, möglichst kompliziert und dabei beide Augen auf die eigenen Füsse oder das Parkett.

Also daran musste ich ja scheitern: Wenn man mal erlebte, wie schön Tanzfluss sein kann, wie gut man über den Abend kommt, ohne getreten zu werden oder selber zu treten, wie interessant es sein kann, auf die Mittänzer zu achten, das gibt man nicht gern auf. Nicht mal wegen Bern...

Aber immerhin, Kuchen gab's vor 2 Jahren noch kaum. Dafür Platzhirsche, deren Damen-Abonnement man besser nicht interferierte. Christine, so hinter vorgehaltener Hand gewispert: Zum Anbaggern gehören zwei. Jemand muss den Job des Anbaggernlassens übernehmen, sonst haut das nicht hin. ; )

--

Antwort von Patrick

Fairerweise muss man aber schon sagen, dass bei den Stichworten Rempelei und Platzhirsch keineswegs nur Bern betroffen ist. Auch kann man als Fremdling problemlos auch im Silbando oder im Tanzpalast den Abend einsam verbringen. Zum Angebaggert werden: Ich versteh die Logik nicht. Abweisende Frauen werden doch erst recht nur noch von den merkbefreiten Profibaggerern angesprochen, weil alle anderen von der Körpersprache in die Flucht geschlagen werden. Blickkontakte zu ignorieren ist daher auch ausserhalb des Tangos keine besonders nachhaltige Methode des zwischenmenschlichen Umganges. Find ich. Aber ich hab natürlich gut lachen, ich krieg ja höchstens fünf Heiratsanträge pro Tag.

Archivlink

Paradiesischer Amateurtango am See

Sonntag, 8. August 2010

Das mit dem Kultur- und Kongresszentrum in Luzern ist so eine Sache. Die Fachleute finden das Ding architektonisch herausragend. Ich fand immer, vom See aus kommend sieht das Ding aus wie ein schwarzes Loch. Immerhin: Es hat ein grosses Vordach. Und das macht es für eine regensichere Openair-Milonga interessant.

Quadratmetergrosse Holzplatten, schachbrettähnlich auf 7x9 Meter ausgelegt (das Feld C3 war leicht klebrig), davor erläuternde Schriften für die Touristen, viele Stühle (von den Zuschauern in Beschlag genommen), wechselnd Sonne und Wolken sowie ein frischer Wind vom See. Paradiesisch? Ja, beinahe pausenlos schöne Tänze. Meine Sohlen qualmten. Bin gar zweimal von bislang unbekannten Frauen aufgefordert worden. Deutlich zuwenig Männer.

Leider ein ziemliches Gerempele, trotz deutlich erkennbaren Tanzbahnen auf dem Boden. Und vor allem in der ersten Hälfte des Abends ein sehr wilder Mix in der Musik ohne jede Tandalogik, insgesamt eine gewaltige Überdosis an Piazzolla und Pugliese. Darunter waren allerdings derart viele schöne Stücke, dass ich es dennoch geniessen konnte. Trotz tutenden Schiffen. Und Zuschauerapplaus nach fast jedem Stück. Tango hat gelegentlich wirklich etwas exhibitionistisches.

Dann gab es noch vier Showtänze von Jelena und Dominik. Darüber kann man bekanntlich geteilter Meinung sein, aber ich finde es wirklich schlimm, wenn zwei Menschen offenkundig _nicht_ zusammen tanzen. Schlimmer war allerdings die Kombination von knallblauem Hemd mit knallblauen Schuhen und buchhaltergrauen Hosen. Den Vogel abgeschossen hat dann der Veranstalter: "Das war bisher nur Amateurtango, jetzt kommt das Profipaar", schallte es via Mikrofon in die weite Welt. Peinlich. Wo ich doch in lächerlichen sieben Jahren bereits Guru sein werde...

--

Kommentar von Mikamou

Warum kommen mir da gleich deutsche Autobahnen in den Sinn?

--

Antwort von Patrick

Eigentlich wollte ich zuerst "Tanzspuren" schreiben und keineswegs Tanzbahnen. Aber bei langsameren Musikpassagen oder drohendem Stau zeichne ich ja gelegentlich mit dem Fuss Kreise auf den Boden. Und genau diesen Sonntag meinte eine Tanzpartnerin, ich solle doch nicht soviel "scharren". Wo das doch so schöne Lapiz sind, die ja keine Spuren hinterlassen. Und so brachte ich das Wort Tanzspuren einfach nicht übers Herz. Und träume dafür weiterhin von einer Strandmilonga, wo man richtige Kreise zeichnen kann...

--

Kommentar von Sadina

Hier gibt es Bilder.

--

Kommentar von Hildegard-Luzern

Lieber Patrick, ja, es war eine fast paradiesische Milonga unter dem KKL-Dach. Doch in deinem Beitrag finden sich beissende Untertöne, die wahrscheinlich mit der Basler Schnitzelbanktradition zusammenhängen. In Luzern haben uns die vielen Touristen weltoffenener und toleranter gemacht. So stören wir uns nicht mehr an blauen Schuhen oder an einem Pugliese mehr oder weniger. Aber sonst sind wir uns ja einig: es war schön, in die Nacht hineinzutanzen, umrahmt von den Lichtern der Leuchtenstadt, begleitet vom melancholischen Tuten der Dampfschiffe und ab und zu unterbrochen vom Rauschen des Springbrunnens als Cortina. Die Sommermilongas gehen weiter, siehe www.luzdetango.ch und ich hole dich gerne wieder zu einem Pugliese-Tango, aber bitte etwas sanftere Töne in den Beiträgen.

--

Kommentar von Antanguero

Immerhin wissen wir dank Patrick, weshalb das Bild von Jelena und Dominik nur in schwarzweiss zu sehen ist!

--

Kommentar von Tangosohle

Mal ne Frage von jemandem, der nur die Fotos gesehen hat: Ein Holzboden bei Open Air ist ja beeindruckend, liegt der immer vor dem KKL oder wurde der extra aufgebaut?

--

Kommentar von Urs - Luzern

Schön, dass unsere paradiesische KKL Milonga so viele Zeilen wert ist! Ein paar Fragen kann ich beantworten, weil ich selber die (gar nicht so vielen) Puglieses als DJ auf dem Gewissen habe.

Gleich mal zur Musik: Die erste Stunde, richtig, hatte eine eigene Tandalogik. Vom letzten Jahr her war klar, dass diese Milonga vor allem zu Beginn hunderte von Zuschauern anziehen wird. Also die beste Gelegenheit, vorbeistreunenden Nichttangueros vorzuführen, was Tango alles sein kann: Klassische Tangos, Nuevo und World und von da über Vals zurück zu heutigen Orchestern, quasi der ganze Tangokosmos in einer Stunde. Da war zwar schon mal ein erster Pugliese drin, aber ansonsten gabs von ihm später (nach dem Showtanz mit Tandalogik) nur eine einzige Tanda, für so gute Musik eigentlich das Minimum, oder? Für Piazzolla galt übrigens, schwächer dosiert, genau dasselbe.

Das KKL ein schwarzes Loch? Das stimmt jetzt tatsächlich und war vom Architekten so gewollt: Wenn das Haus im Innern "schläft", soll es so wuchtig da liegen wie der Pilatus im Hintergrund. Aber geht mal schauen, wie es strahlt, wenn es im Innern erwacht!

Und der Boden: Der liegt sonst nicht vor dem KKL, den haben wir vom Tangoverein Luzern von den Bürgenstock-Hotels dahin gebracht. Auf dem Bürgenstock hatte nämlich der Tangoverein seine diesjährige Serie mit Open-air-Milongas auf den schönsten See- und Bergterrassen rund um Luzern begonnen. Die Bilder dieser Sonnenuntergangsmilonga seht ihr ebenfalls auf unserer Homepage. Und wer solche Events nächstes Jahr nicht verpassen will, kann sich auf dieser Homepage für unseren Newsletter anmelden.

Unser letztes Open findet übrigens am kommenden Sonntag, 15. August, statt (bei Regen am 29. August); Im barocken Jesuitenhof des Hotels Seeburg mit direktem Blick auf den Vierwaldstättersee.

Archivlink

Sommer am Rhein

Dienstag, 10. August 2010

Werde nach einem Salsakurs noch zum Rhein geschleift (merke: Der Helvetiaplatz ist nicht dort, wo die Helvetia sitzt!). Die Temperaturen sind noch knapp sommerlich. Der schiefe Boden verwirrt mich zwar immer ein wenig, aber die Atmosphäre ist wunderschön. Die Musik diesmal auch. Und erstaunlicherweise hat es auch ein paar Tänzerinnen über 25 (Plan-t hat so seine eigene Altersgruppe), so ergeben sich noch ein paar schöne Tänze. Obwohl ich ziemlich faul bin. Aber man weiss ja nie, vielleicht ist es der letzte wirklich warme Abend in diesem Jahr. Zeit für die Herbstpläne...

Archivlink

Trockener Granit, nasser Granit

Mittwoch, 11. August 2010

Mal wieder zum Maisfeld in Freiburg. Leider schon früher als meteorologisch geplant ein grösserer Wolkenbruch, die Tänze verlagern sich dadurch ins Innere des Treibhauses. Zwischendurch lässt der Regen zwar immer mal wieder nach, so dass man sich ins Aussengelände wagen kann, doch nasser Granit ist irgendwie um Welten unberechenbarer als nasses Holz. Mal klebrig, mal rutschig.

Dennoch fantastische Tänze, bis mir irgendwann Beine und Füsse weh tun. Und die wild durcheinander gespielte Musik meine Konzentrationsfähigkeit auf den Nullpunkt absenkt. Dazu fühlt es sich spätnachts irgendwie so an, als wäre es bereits Herbst...

Archivlink

Kein Kuchen im Progr

Freitag, 13. August 2010

Jepp, Freitag der 13. Soll man da das Schicksal hausfordern? Klar: Ab ins Progr nach Bern. Kaum habe ich meine Schuhe an, werde ich von einer Frau gefragt, ob ich dieser Kerl aus Basel sei, der im Internet immer so negatives Zeug schreibe. Die Frauen in Bern würden eben weggucken, weil sie nicht mit mir tanzen wollten, und wenn ich weiterhin so Zeugs schreibe, müsse ich mich nicht wundern, wenn bald gar keine Frau mehr mit mir tanzen wolle. Daher solle ich nicht äussere Gründe für meine Frustration suchen gehen. Überhaupt solle ich mal was Positives schreiben und wenn überhaupt dann wenigstens konstruktive Kritik üben.

Auch gut, sonst kriege ich ja von den Leserinnen immer nur Heiratsanträge. Danach ging das mit den Cabeceos tatsächlich ein wenig harzig, aber irgendwann ergaben sich schöne Tänze. Wissen also offenbar noch nicht alle vom verordneten Boykott. Wobei die Tanzfläche diesmal glatt wie eine Eisbahn war. Zügige Milongas wurde so zum Abenteuer. Aber es haben alle überlebt. Glaub ich. Schöner Musikmix von Jeusa.

Mehrmals wurde ich gefragt, wie das denn nun mit den Afterhours sei. Keine Ahnung, es war eigentlich auch von einem "Berner Tangsommer" als Festival nichts zu erkennen. Also auf den Zug um ein Uhr, zumal sich das Feld auch langsam leerte. Ach ja, zum Schluss noch konstruktive Kritik: Das Kuchenangebot im Progr ist noch ausbaufähig. Nehmt Euch ein Vorbild an Che Tango!

--

Kommentar von viviane

gratuliere Dir zu Deinem witzigen Kommentar - Du bist wirklich lernfähig, hast gut zugehört und schon bald geniessbar:-)

--

Kommentar von Antanguero

Viviane: Und Du meinst nicht, dass Du anders liest, da Du ihn nun kennst?

Archivlink

Schwäne, Kissen und Socken

Samstag, 14. August 2010

Sommerfest im Beyeler-Museum in Riehen. Der drohende Regen sorgt für eine Indoor-Veranstaltung. Eigentlich gar nicht so schlecht, so gibts mehr Tanzfläche. Zuerst spielt Son Alarde: Sechs Musiker, davon alleine vier für die Percussion zuständig. Ziemlich viel Son, zwei Bolero (einer davon als Bachata tanzbar), einiges an härterem cubanischen Salsa. Rhythmisch ganz grosse Klasse, sauber abgemischt, und von der Tanzgeschwindigkeit her ziemlich fordernd. Platzverhältnisse, Feuchtigkeit, Musikmix und Lautstärke ähnlich wie jeweils um Dienstag Mitternacht in der Kuppel. So war ich nach knapp drei Stunden schon ziemlich groggy.

Danach ging es aber erst richtig los: Irma stellte ihre neue Truppe Punta Tango vor, wenn auch offensichtlich nicht ganz in Originalbesetzung. Klang aber dennoch bereits zu den Showtänzen (Cécile und Romeo mit fliegendem Schwan, Plan-t hingegen mit ziemlich viel Milonguero, man hätte beinahe schockiert sein können) gut, und später (nach einer eeeeendlos langen Pause) zum Selbertanzen klang es noch viel besser. Leider dann viel zu kurz, aber das Museum wollte offensichtlich um 22 Uhr so langsam Feierabend.

Also bei strömendem Regen noch in die neue Milonga Medialuna im Corrientes, sprich ins Gundeldingerfeld. Knallvoll, warm und feucht, aber ein verdammt guter Parkettboden. Sofas mit kratzenden Kissen. Roberto hat süffig aufgelegt, und zumindest vor der Show um Mitternacht war eigentlich der Tanzfluss trotz recht enger Platzverhältnisse ganz angenehm. Dann die Shows von Michelle und Joachim, leider ohne Milonga. Danach war ich so langsam müde (und die Rempeleien zu heftig), und nach zwei Uhr habe ich dann aufgegeben -- neun Stunden Tanz reichen ja schliesslich auch für alte Männer. Ach ja, und ich hab neu eine Sockenverleihfirma für Tangueras mit langer Heimreise gegründet. Ist bei solchem Wetter ein Renner.

Archivlink

Viele Valse, viele Milongas

Montag, 16. August 2010

Spät noch zu Talib ins Les Garecons für ein paar schöne Runden. Gut besucht. Soviel genussvolle Valse, dass ich jetzt gar nicht mehr auf vier zählen könnte, würde ich beim Tanzen zählen. Dafür fällt mir auf, dass meine noch relativ neuen Tangoschuhe bereits ganz und gar nicht mehr neu aussehen.

Und der Tangodienstag wird zum Wahnsinn: Udo macht aus der Practica im Gundeldingerfeld eine wöchentliche Milonga, Stefania ist weiterhin im Singerhaus und einmal monatlich kommt noch Martin im Templum dazu. Mal sehen, wie lange das so geht. Und da die freien Freitage im Herbst auch knapper werden, werde ich meine mirada definitiv nur noch einmal monatlich durchführen.

Archivlink

Stufenprobleme

Mittwoch, 18. August 2010

Es ist verwirrend, wenn nach der Sommerpause zwar alle anderen Mittelstufenkurse auf der Schulhomepage aufgeführt sind, der eigene aber nicht mehr. In meiner Panik versicherte mir Cécile, es handle sich nur um ein Versehen. Jetzt ist er wieder aufgeführt. Allerdings ist er gleichzeitig auch ein Oberstufenkurs.

Puuuuh. Ich weiss ja, dass ich kurz vor der Erleuchtung zum Tangoguru stehe, aber das geht jetzt doch ziemlich rasant. Oberstufe? Wir werden sehen.

Archivlink

Dunkelheit im Garten

Freitag, 20. August 2010

Openair-Milonga im Freiburger Stadtgarten: Dreieckiges Dach über dreieckiger und harter gepuderter Tanzfläche, prall gefüllt mit Tänzern. Tanzfluss ziemlich zäh, Cabeceos wegen dunkler Sitzlandschaften extrem schwierig. Auch der noch nicht ganz volle Mond half da nur bedingt. Dennoch traumhafte Tänze. Und viele gefährliche Teelichter am Rande der Tanzfläche. Geklirrt hat es ein paarmal, aber abgestürzt ist niemand. Glaub ich.

DJ Dirk hat schön aufgelegt, bloss beim Stück Montserrat von Bajofondo musste ich mal wieder fest grübeln: Tango möchte ich darauf eh nicht tanzen, aber die Stelle, an der mehrmals vier Takte lang bloss Stille herrscht finde ich immer ganz spannend -- vor allem die Reaktionen der Tänzer darauf. Diesmal allerdings war leider nix, das Lied wurde einfach ausgeblendet. Sowas ist doch böse(tm). Milonga leider schon um 23 Uhr zu Ende.

Archivlink

Wasser am Rhein

Samstag, 21. August 2010

Kurzfristig angekündigte Outdoor-Milonga an der Mittleren Rheinbrücke: Wenig Leute, dafür viel Platz und viel Puder. Als das berüchtige Tangostück mit den vielen Mjaus drin gespielt wird, mjaue ich auch ein wenig rum. Und prompt kommt die Antwort: Ein Anwohner schüttet Wasser auf die Milonga runter. Erst gucken alle ein wenig geschockt nach oben, weil sie wohl denken, das sei eine neue Form des Anwohnerprotestes gegen laute Musik. Aber offenbar hat bloss jemand die Flüssigkeitsmenge für die Geranien überschätzt. Vielleicht war es auch nur ein Hinweis an den DJ...

Archivlink

Harter Boden, müde Beine

Sonntag, 22. August 2010

Erneut ein schwüler Spätsommerabend, also auf zur Openair-Milonga am Petersplatz. So viele schöne Tänze, dass ich in meinen Beinen erst hinterher spüre, dass ich schon den dritten Abend in Folge auf Steinboden tanze. So langsam sehne ich mich nach doppelt gefedertem Parkett.

Archivlink

Wenn Männer zu langsam sind

Mittwoch, 25. August 2010

Aushilfe in einem Kurs von Michelle und Joachim. Es geht um den Schrecken aller Männer: Sacadas. Dazu noch rückwärts. Nicht dass die besonders schwierig wären. Aber wenn man den eigenen Schritt setzt, dann ist die Frau meist schon weg. Weil die Frau zu schnell ist. Oder der Mann zu langsam. Der Trick? Nicht den Sacada blitzschnell ausführen, sondern die Schritte vorher verdoppeln. Für den Sacada hat man dann fast schon ewig Zeit.

Allerdings tanze ich die Dinger an einer Milonga eh fast nie rückwärts -- dazu brauche ich noch etwas zuviel Platz, zumal die Figur nicht so wirklich Milonguero-like ist. Ach ja, und genau einmal habe ich sogar eine vierte Sacada sauber geschafft. Bin ich jetzt schon Guru?

--

Kommentar von Milonguero-like

Verdopplung des Schrittes ... Bravo! Das Resultat wollen wir dann bald bewundern können dürfen ... schöne Sacadas sind was feines, zum Guru fehlt dann nicht mehr viel.

Archivlink

Komplimente als Frau

Freitag, 27. August 2010

Queermilonga im Cafetin de Buenos Aires in Zürich. Ein schmucker Raum, perfekter Parkettboden, angenehmer Musikmix. Allerdings eine laute Gruppe Argentinier um die Bar herum, denen Essen deutlich wichtiger als Tanzen zu sein schien. Übersichtliche Besucherzahl.

Und eben, queer. Meine Begleiterin wurde einmal von einer Frau aufgefordert, ich einmal von einem Mann. Das gleicht sich dann aus. Nur, der Mann fand nach einem Rollenwechsel, dass ich die Damenrolle weitaus besser beherrschen würde als das Führen. Was nur mal wieder beweist, dass man als Frau rascher zu Komplimenten kommt...

Archivlink

Coole Kreuze

Samstag, 28. August 2010

Mal wieder zur Passagen-Milonga (die letzte in diesem Sommer) in der Freien Strasse: Der Herbstwind zieht unbarmherzig und kühl über den Marmor, rassige Milongas haben daher Aufwärmcharakter. Natürlich weiss ich, dass es beim Tango keineswegs um die Quantität geht, aber heute schaffe ich es zum ersten Mal, direkt hintereinander drei Kreuze zu führen. Nach links, versteht sich. Auf die rechte Seite scheit mir das in der geschlossenen Umarmung nicht so richtig trivial zu sein. Hm, und meine Männergiros im Uhrzeigersinn muss ich auch mal wieder mehr üben.

Archivlink

Piazzolla und die Katzenmusik

Sonntag, 29. August 2010

Die Musik der meisten Tangoorchester habe ich auf meinem Rechner ganz pragmatisch in Ordner eingeteilt: Vals, Milonga, Tango, dazu noch Unterteilungen in instrumentale und gesungene Stücke. Aber es gibt Ausnahmen: Bei Astor Piazzolla heissen die Ordner anders: melodiös und hardcore. Der erste ist ziemlich klein, und die Lieder daraus spiele ich gelegentlich an meiner Milonga. Der zweite Ordner ist riesengross. Diese Lieder sind bei Milongas tabu. Weil sie zweifellos dafür gesorgt haben, dass sein Ruf bei Tänzern ziemlich beschädigt ist.

Ich weiss zwar nicht, wie Mathis seine Ordner benennt, aber heute im Tanzpalast spielte er eine Vierertanda von Piazzolla, die mir in den Ohren ziemlich weh getan hat. So bleibt Astor natürlich für viele ein Schmuddelkind.

Huh, und heute habe ich schon wieder mit einem Mann getanzt. War sozusagen mein persönlicher Beitrag gegen den Männerüberschuss...

Archivlink

Drehen und Nörgeln

Mittwoch, 1. September 2010

Endlich mal wieder Kurs. Heute Colgadas. also Drehkreisel. Die Schrittfolge an sich ist nicht so kompliziert, aber ich bin hoffnungslos überfordert damit, gleichzeitig mit meinen Armen die Frau zum zurückfallen einzuladen, meinen Körper ebenfalls hinten zu behalten, sie seitlich in eine Art Vorwärtsocho zu drehen, sie am Rücken zu halten, den Drall zu starten und auch noch meine Schritte an den richtigen Ort zu setzen. Haltung, Balance, Eleganz? Mehr oder minder.

Beim Partnerwechsel klappt es mal mehr und mal weniger. Bei einer Dame darf ich dann endlich mal erfahren, wie es ist, wenn die Kurspartnerin dauernd rumnörgelt. Das sind so die Momente, in denen man auf den Moment förmlich wartet, in dem Cécile die magischen Worte spricht: "Alle Damen gehen nochmals einen Mann weiter". Uff. Oberstufe ist hart.

Archivlink

Milongapläne

Donnerstag, 2. September 2010

So, endlich die nächste eigene Milonga in Sichtweite: Am 17. September feiere ich quasi Geburtstag (ein Jahr mirada), und ich würde mich natürlich freuen, wenn da auch ein paar Blogleser reingucken würden. Zur Feier des Tages kostet der Eintritt auch nur fünf Franken. Die weiteren Termine sind oben verlinkt.

Allerdings hatte ich mir hübsch die freien Freitage ausgesucht, die nun teilweise doch nicht mehr ganz so frei sind: Auch an weiteren Freitagen spielt das Corrientes nur wenige hundert Meter entfernt Monopoly, und offenbar planen die jetzt auch an Sonntagen noch zusätzliche Milongas. Ein geschätztes Mehrangebot von 30 Prozent innerhalb eines halben Jahres - das kann insgesamt nicht funktionieren. Am Dienstag geht jetzt sogar der Krieg mit Gratis-Eintritten los. Schade. Gewiss, der Markt wird das richten, die Frage ist nur, wie schmackhaft dieses Gericht dann sein wird.

Archivlink

Viele Kinder, viel Wasser

Samstag, 4. September 2010

Die Zürcher feiern mit einem Fest die neue Ladenmeile am Viadukt, und weil das El Social dort ebenfalls einquartiert ist, gibt es natürlich auch Tango. Openair auf der Wiese, glücklicherweise mit Parkett. So wenig Männer, dass ich praktisch nonstop tanze. Und soviel Platz, dass man kaum aufpassen müsste. Allerdings sind Spätsommerfeste an einem sonnigen Nachmittag immer auch Kinderfeste, und der Nachwuchs sorgt dafür, dass die Navigation auf der Piste keinesfalls langweilig wird. Fühlt sich an wie Velofahren während der grossen Froschwanderung.

Irgendwann begann ein Paar dann damit, im benachbarten Springbrunnen (geschätzte Wassertiefe: 20 Zentimeter) zu tanzen. Also Schuhe und Socken ausgezogen, die Hosen hochgekrempelt. Eiskalt. Und ziemlich glitschig. Aber Voleos werden damit richtig interessant: Schön tief und kräftig geführt könnte man sich so verletzungsfrei an Remplergurus rächen. Sind nur leider keine da. Dafür reagiert manche Tanguera seltsam, wenn man in die Nähe der Wasserfontänen tanzt. Habe dennoch nach zwei Tänzen aufgegeben, weil ich Angst hatte, dass meine Füsse am Boden festfrieren könnten.

Irgendwann war die Sonne weg, also noch zur Theater-Töpferei-Milonga von El Paso Tango. Ein ziemlich nüchterner Raum, von Theater und Töpferei war nichts zu sehen. Dafür viel Platz auf der Linoleum-Piste und eine erstaunlich junge Szene. Nein, nicht ganz so jung. Keine Kinder auf der Piste. Leider auch keine Brunnen...

Archivlink

Der Herbst, das Trio und die Liebe

Sonntag, 5. September 2010

Saisonende am Petersplatz: Die Vorboten des Herbstes sind spürbar. Glaub ich. Vielleicht sind meine Füsse aber auch lediglich noch vom Vortag etwas abgekühlt. Jedenfalls düse ich schon ziemlich bald in den warmen Tanzpalast.

Dort gibts heute Live-Musik mit dem Martes Tango Trio. Bandoneon, Gitarre, Flügel und Kontrabass. Also ein Trio, das noch jemanden mitgebracht hat. Perfekt tanzbar, exzellent gespielt, allerdings fand ich die beiden Sets ziemlich kurz. Obwohl ich wegen des Männerüberschusses nur wenig getanzt habe.

Hm, und ich bin irgendwie verliebt. In eine Japanerin. Schuld ist natürlich Hugo Diaz. Hat sowas neben dem Tango tatsächlich Platz? Naja, die die Heroinsüchtigen greifen meistens auch noch zum Kokain, also bin ich in guter Gesellschaft...

--

Kommentar von Roberto

Super Models Are Smooth As Silk

der Link zur Japanerin ist ja grandios. "Mundharmonika", das gabs noch nie, ein sogenannter freudscher verlinker.

Archivlink

Gewohnte und ungewohnte Drehungen

Mittwoch, 8. September 2010

Mittwochskurs, erneut Colgadas. Diesmal klappt es deutlich besser, und auch andere Drehvarianten ohne Rauslehnen machen so langsam Spass. Allerdings fällt es mir immer unglaublich schwer, neue Drehungen (faktisch: neue Varianten, wie ich in der Drehung die Schritte setze) auch in der Milonga wirklich zu tanzen. Dabei müsste ich nur öfters mal mutig zum Standbein der Frau gehen. Ungewohntes Zeug wird offenbar noch schwieriger, wenn man länger tanzt und sich gewisse Abläufe schon länger eingespielt haben...

Archivlink

Bratwürste und Klänge

Donnerstag, 9. September 2010

Tangobesuch aus dem fernen Osten, also statt zur Salsapractica endlich mal wieder zu Irma in die Mägd. Kein präsentationsfähiger Männerüberschuss, dafür wunderschöne Tandas. Bei meinem letzten Besuch war das Restaurant im Parterre geschlossen, diesmal durfte ich beim Tanzen endlich den berüchtigten Bratwurstgeruch wahrnehmen. Macht irgendwie hungrig...

Allerdings muss ich dauernd an meine Japanerin denken und kann kaum über etwas anderes sprechen. Werde auch schon gefragt, ob ich jetzt ein Mundharmonikablog starte. Die Idee hat was, auch wenn das faktisch ein Podcast wäre. Aber mal sehen, vielleicht foltere ich einfach die Leser meines Tangoblogs gelegentlich mit Audiofiles. Es ist allerdings wie auch beim Tango: Aller Anfang ist schwer.

Archivlink

Cabeceolos in Biel und Tandatechnische Fragen

Freitag, 10. September 2010

Ausflug nach Biel: Tango im Restaurant Romand. Nach einigen Minuten wird mir klar, dass der Parkweg nicht nur hinter, sondern auch vor dem Restaurant durchführt, und so finde ich sogar noch den Eingang. Ein Saal mit gutem Boden, allerdings äusserst glatt. Man erschrickt, wenn man bei einer Volcada spürt, wie der Fuss anfängt zurückzurutschen. Mit zwei bekannten Damen geniesse ich die Tänze. Cabeceos fliegen zwar überall rum, doch bei den unbekannten Damen bin ich heute offenbar chancenlos. Muss der Berner-Effekt sein.

DJ Peter hat angenehm aufgelegt, die berühmte Milonga-Tanda von Color Tango brachte mich allerdings zum schmunzeln: Ich beginne mit der langsamsten und steigere dann das Tempo, er wie auch einige andere DJs machen es genau umgekehrt. Gibt es dafür einen bestimmten Grund? ist doch hilfreicher, wenn sich die Paare beim ersten Stück an das (bereits recht zügige) Tempo gewöhnen können.

Archivlink

Cinderella ohne Prinz

Samstag, 11. September 2010

Schöne Milonga im El Sur in Freiburg, allerdings herrscht drinnen trotz herbstlicher Aussentemperaturen wieder eine Affenhitze. Verwirrend dann der Cinderella-Wettbewerb: Frauen mit Losnummer dürfen nacheinander einen Schuh probieren, und wenn er passt, dann hat er eine neue Besitzerin gefunden. Es dauert eine ganze Weile, bis ein Fuss passt, und die Konkurrentinnen sitzen grimmig daneben und lästern wie die bösen Stieftöchter: "Nein, vergiss es, der passt nicht!". Immerhin hackt sich für den Wettbewerbsgewinn keine die Ferse oder gar die Zehen ab. Dafür kamen alle Männer zu kurz. In der nächsten Milonga gibt es dann für den Prinzen bestimmt eine Kutsche zu gewinnen...

Archivlink

Tänze und Kämpfe in Konstanz

Sonntag, 12. September 2010

Konstanz, fast direkt am See: Ein hübscher Musikpavillon mit Toiletten, Stühlen und echtem Holzboden. Mit ein paar Löchern zwar, aber ich habe es halbwegs geschafft, die recht gut zu umzirkeln. DJ Jörg hat wirklich schön aufgelegt, die Rempelei auf der Piste sorgte allerdings für einige Zwangspausen. Zuviele Lokalmatadoren mit Kungfu-Kenntnissen.

Die Deutsche Bahn sorgte nach 22 Uhr dann beinahe dafür, dass ich die Nacht auf dem zugigen Bahnhof von Singen hätte verbringen müssen. Doch glücklicherweise erteilen manche Tangueras nicht nur Singverbot, sondern haben auch Mitleid. Und Schokolade.

Archivlink

Piazzolla und Elektro

Donnerstag, 16. September 2010

Auf nach Zürich, um einer Tanguera in einer Privatstunde beizustehen. Oder beizutanzen, besser gesagt. Auf die Frage nach einem Musikwunsch bin ich mit Piazzolla mal wieder arg vorlaut, und da das Smartphone der Lehrerin in diesem Sektor wenig tanzbares anbietet, einigen wir uns auf Oblivion. Und enttarne sie als Elektroqueen: Es ist das erste Mal, dass ich dieses Lied einzig auf den nur fein unterlegten Takt des Basses tanze. Irgendwie bin ich wohl mehr der Melodie-Verzierer...

Dann noch einige Übungen zum Gleichgewicht (solch langsame Lieder legen meine Balanceprobleme gnadenlos offen), und ich stelle mal wieder fest, dass ich rechts deutlich sicherer stehe als links. Witzige Übung: Ein Partner versucht, den anderen durch langsam und progressiv aufgebauten Druck aus dem Gleichgewicht zu bringen. Also sozusagen die Softversion dessen, was dauernd an Rempelmilongas geschieht. Es ist nichts neues, dass man zum Tangotanzen bewusstes Gehen lernen muss, aber irgendwann spürt wohl so mancher, dass er auch bewusstes Stehen kräftig üben muss. Fazit: Ich brauche noch viel Training bis zum Balanceguru.

Archivlink

Milongagrübeleien

Freitag, 17. September 2010

Ein Jahr mirada. Puh. Allerdings eine ziemlich übersichtliche Runde, und ich grüble nun wirklich darüber nach, ob ich die Milonga im nächsten Jahr noch weiterführen werde...

Archivlink

Rückwärts im Vollmond

Samstag, 18. September 2010

Vollmondtango im Volkshaus: Es war auch schon voller, dennoch war die Piste ziemlich wild. Bei drei Lehrern (nein, keine Hobbylehrer) ist mir aufgefallen, dass sie beinahe jede Figur mit einem kräftigen Rückwärtsschritt eröffnen. Kriegt man offenbar kaum mehr weg, wenn man ihn mal gelernt hat. Könnte man diesen Grundschritt nicht endlich mal aus den Unterrichtsplänen streichen, bitte bitte?

Schöne Tänze. Und meine Lust auf zackige Milongas ist auch wieder ein wenig gewachsen...

Archivlink

Davonlaufen, Drehen und Kreuzigen

Sonntag, 19. September 2010

Melina und Detlef endlich mal wieder in der Schweiz auf Tour, also das volle Nachmittagsprogramm gebucht. "Asynchrone Caminatas" steht zuerst auf dem Programm. Klingt kompliziert, bedeutet aber lediglich, dass die Frau dem Mann davonläuft, ohne ihm davonzulaufen. Konkret: Mann setzt einen Schritt, Frau aber gleichzeitig zwei. Ist vor allem in der Milonga witzig. Und beim Vals elegant. Detlef bemerkt, dass man im Vals die Frau auch drei Schritte führen könnte, während man selbst nur einen setzt, aber die ungerade Anzahl machen die dafür nötige Oberkörperbewegung ziemlich verwirrend. Ich schaffs jedenfalls nicht. Und grüble seither darüber, einen Vals als 6/8 zu interpretieren (ich weiss, passt fast nirgends zur Musik) und die Frau so jeweils sechs Schritte weit zu führen. Ein grosser Schritt für Patrick, viele kleine Schritte für die Frau....

Dann Vorschritt-Drehungen: Die Frau läuft vorwärts (oder auch rückwärts), während sich der Mann mit winzigen Seitenschritten langsam dreht. Zuvor muss man natürlich die Frau überhaupt mal erst sanft drehen. Alles nicht so einfach, zumal mir hier viele antrainierte Automatismen im Weg rum stehen. Aber nach und nach klappt es, sogar Verdoppelungen sind möglich.

Dritter Workshop: Kreuzen in der Milonga. Hm, genau um die hab ich mich bei diesem schnellen Zeug immer ein wenig herumgemogelt. Aber mit der richtigen Oberkörpertechnik funktioniert es tatsächlich flüssig, auch Doppel- und Mehrfachkreuze (Tagesrekord: Sieben am Stück. Die Qualität folgt noch) ebenso wie Linkskreuze flutschen, mit ein wenig Hirnverwindung klappen auch Rückkreuze.

Kurzum: Mal wieder ganz viel milongataugliches Zeugs, das man zumindest teilweise gerne schon als Anfänger mitgekriegt hätte. Manchmal ist Tango so einfach...

--

Kommentar von Detlef

:-) Nur paar kleine Anmerkungen von mir, bloß um weniger den Eindruck zu erwecken, es sei allzu exotisch gewesen:

Die asynchronen Caminatas beinhalteten *hauptsächlich* die Fälle, in denen der Mann 'mehr Schritte als die Frau' ausführt. Die von Dir beschriebenen umgekehrten (mehr unorthodoxen) Fälle haben wir ja nur am Schluss 'mal ganz kurz' angerissen wegen der Kürze der Zeit. Der Schwerpunkt lag ja wie immer auf Kommunikation und Musikalität.

Wir freuen uns, dass wieder alle so konzentriert mitgearbeitet hatten, denn dann macht es uns am meisten Spaß !! Bis bald in Saarbrücken beim Festival :-)

Archivlink

Mischungen und Fusionen

Donnerstag, 23. September 2010

Salsa-Practica: In einer Pause geniessen wir eine Kizomba-Show. Passada-Stil. Die Gesamtbewegung der Tanzenden erinnert an Tango, die Hüften an den Bachata, die Beine an die Milonga und die Musik an langsame Cumbias. Ein afrikanischer Tango, sozusagen zurück zu den Wurzeln? Eher eine Fusion bestehender populärer Tanzstile, ähnlich wie Bachatango. Aber ich bezweifle, dass sich die Version wirklich durchsetzt...

Archivlink

Altbewährtes und Neues

Montag, 27. September 2010

Mal wieder zu Talib ins Les Garecons: Trotz traditioneller Auflegweise werde ich mit der Musik heute gar nicht warm, dazu kämpft mein Körper kräftig mit dem spiegelglatten Boden. Immerhin, meine Kreuzverdoppelungen funktionieren, gelegentlich sogar auf der rechten Seite.

Dann gibts mal wieder kräftigen Wechsel in der Milongaszene: Stefania beendet die wöchentliche Singerhausmilonga am Dienstag, dafür fängt Talib jeweils am zweiten Freitag im Monat erneut im Hotel Rochat an. Da kommen alte Kerzenständer-Erinnerungen hoch...

Archivlink

Schwarzgoldsilber statt metallisch-blau

Dienstag, 28. September 2010

Es ist erst ein paar Wochen her, dass ich über meine azul-metalizado-Pisada-Tanzschüchen frolockt hatte. Nun, leider ging eine seitliche Naht auf, und der weiche Schuh wurde deutlich zu offenherzig. Heute bei Irma umgetauscht: Die Originalfarbe gibt es derzeit nicht (und Argentinier brauchen so um die vier Monate, um das Ding zu reproduzieren), also stieg ich auf eine andere Farbe um: Schwarz. Zumindest hauptsächlich. Mit feinem silbernem Rand. Allerdings ist das Silber derart warmtonig, dass man es schon fast mit Gold verwechseln könnte...

Hm, und inzwischen bin ich bei Grösse 41 angekommen. Würde gerne mal sehen, wie sich ein argentinischer Schuhmacher ein Schuh der Grösse 44 vorstellt. Manche Frauen haben allerdings für weiche Männerschuhe wenig Verständnis: "Da kannst Du ja gleich mit den Hausschuhen an die Milonga gehen!", schallte es aus der Stiletto-Ecke. Muss ich mal probieren. Aber mit den Finken dreht es sich nicht so gut wie mit den Tres Pisadas...

Archivlink

Übst Du noch oder tanzt Du schon?

Dienstag, 05. Oktober 2010

Vor lauter Beschäftigung mit meiner geliebten Japanerin komme ich derzeit kaum zum Tanzen. Tragisch. Aber dafür entdecke ich spannende Parallelen. So ist meine Abneigung gegen die Figurenbolzerei ja nichts neues -- hier wurde aber auch schon argumentiert, dass man anhand von Figuren eben gut die Technik lernen könne, so wie Musikschüler mit Fugen und Etüden eben ihre Spieltechnik verbesserten. Nun, ich spiele keine Fugen. Und scheine damit nicht ganz alleine zu sein:

I am often asked about my attitude towards etudes. Well, many harmonica experts will not appreciate my comments on this question: etudes which have no connection to actual music are entirely worthless, or worse, a complete waste of time. The problems of the harmonica are too complex to solve with simplistic exercises. Why should I practise rhythms or sequences of notes which do not appear in any of my pieces of music? On the contrary, if you intend to play all possible rhythms and sequences of notes as an etude... have fun, but then you will have no time to practise and play real music.

Diese vernichtende Kritik stammt von Franz Chmel, der seine Instrumente täglich über fünf Stunden lang quält. Aber eben mit Stücken, die er auch gerne spielt. Das macht nicht nur mehr Spass, sondern man kommt damit wohl auch schneller vorwärts.

Übertragen auf den Tango kann man sich daher fragen, was es bringt, sich in Workshops mit "neuen" Figuren rumzuschlagen. An einer Milonga kommt es ja schliesslich darauf an, eine angenehme Umarmung anzubieten, deutlich zu laufen, mit dem Oberkörper klare Führungssignale zu geben und vor allem ganz in der Musik zu sein. Insofern sind Etüden wie Figuren möglicherweise etwas für Theoretiker. Wie auch immer: Ich muss unbedingt wieder mehr Tanzen gehen...

--

Kommentar von Roberto

das er seine Instrumente täglich über fünf Stunden quält, sagt eigentlich bereits alles. "waste of time" um deine Worte zu gebrauchen, hier weiter zu diskutieren.

--

Kommentar von Thomas

Was das Musizieren angeht, stimme ich dem Gesagten sehr zu; es trifft auf mein Bandoneon ebenso zu wie auf dein Instrument. Von Anfang an und immer muss das innere Erleben von Musik, das geäussert werden will, der Ausgangspunkt sein. Abstrakte Etüden haben meist keinen musikalischen Gehalt und sind deshalb schädlich. Aber ganz ohne Üben geht es eben doch nicht: Da der Mensch alles Geschehen speichert, umsomehr wenn es wiederholt wird, sollten beim Erarbeiten keine Fehler passieren. Lösungsansätze wären:

1. auf 'Üben' (d.h. 'Es-richtig-machen-wollen') verzichten und stattdessen auf 'Ausprobieren' umschalten; 2. aus der vorliegenden Musik improvisierend eigene (musikalische Mini-)Etüden entwickeln; 3. statt mechanischem Einschleifen eine Ebene tiefer gehen und an den Voraussetzungen arbeiten, die da letzlich sind: zweckmässige Motivation und ihre ungestörte Äusserung durch einen durchlässigen und entsprechend trainierten Körper.

Diese Vorgehensweisen können (und sollten!) analog auf das Tango-Tanzen übertragen werden, damit z.B. - frei nach Kleist - 'die Seele nicht im den Oberarmen sitzt'.

--

Antwort von Patrick

Improvisieren macht in der Tat Spass, vor allem, wenn man Ohrwürmer nachspielt. Derzeit hab ich mir aus der Bibliothek ein Songbook für Tenorsaxophon ausgeliehen und transponiere das Zeugs einfach nach Bb. Dann klingt es nicht nur richtig zur Begleit-CD, sondern ich nutze auch tatsächlich die chromatischen Möglichkeiten meines Instrumentes. Wäre mir zu langweilig, einfach die diatonischen Leitern in allen Tonlagen durchzuexerzieren.

Die direkte Parallele zum Tango zu ziehen ist nun etwas schwierig. Ausser vielleicht, dass mir gestern aufgefallen ist, wie elegant man Pink Panther im Stile (und der Orchestrierung) von La Yumba spielen könnte. Ob das dann tanzbar wäre, ist fraglich...

--

Kommentar von Joachim

Natürlich ist das tanzbar. Wenn es von Quarteto Alamgro gespielt wird, klingt "Pantera Tanguera" auch nach mehr als eine, mit Verlaub, japanische Fiinöggeli Muulorgel.

Suzukis haben für mich einfach keinen Groove, keine Erde, keinen Drive; allerdings reisst mich auch Franz Chmel nicht zu Begeisterungsstürmen hin. Klingt wie er sich anzieht, formvollendet, mit Schlips und ohne Pfiff.

Schau mal nach Wiliam Gallison oder Franco Luciani.

--

Antwort von Patrick

Ja, Franco Luciani spielt beeindruckend. Pfiff oder nicht hat aber wenig mit der Marke zu tun. Man kann auch mit einer Suzuki erdig spielen. Aber ich muss erst noch die Töne sauber rauskriegen...

Archivlink

Mohrenköpfe und Sitzordnungen

Freitag, 08. Oktober 2010

Mal wieder nach Saarbrücken ans Festivalito: Die intime Freitags-Eröffnungsmilonga (mit beschränkter Teilnehmerzahl und Geschlechterparität) ist deutlich gewachsen. Möglicherweise ein Opfer des eigenen Erfolges, wie ich später feststellen werde: Von Tanzfluss ist wenig zu spüren, die Zahl der Rempler ist kaum geringer als anderswo. Beim Tanzen beginne ich gar zu grübeln, ob Spurwechsler oder Zwischendenspuren-Tänzer anstrengender sind.

Die Tanzfläche ist am Rande mit grossen rechteckigen Tischen umstellt -- das ist eine Sitzordnung, dir mir noch nie gefallen hat. Cabeceos? Schwierig. Ich schaffe es im Verlaufe des Abends immerhin, mir eine bislang unbekannte Frau anzulachen. Und finde in den ersten beiden Stunden eh nicht so recht in die Musik hinein. Dafür gibt es am Buffet Mohrenköpfe in hell und dunkel, in gross und klein. Waren lecker, nur der Reinigungsaufwand hinterher für Mund und Hände war jeweils etwas gross. Aber es versüsste die Tandas deutlich. Ebenso wie meine Japanerin, der ich morgens um drei Uhr noch ein paar sanfte Töne entlocken konnte. Glücklicherweise hatte ich nicht das Festivalhotel gewählt...

--

Kommentar von Cassiel

Du sprichst einen wichtigen Punkt mit dem Wachstum von derartigen Veranstaltungen an. Oder - wie es ein Freund und großer Philosoph des Tangos formuliert: "Wachstum ist leichter als Kleinerwerden bzw. Halten des Status quo".

Warum Du in den Abend nicht hineingefunden hast ist mir ein komplettes Rätsel. Ich habe die Playlist gesehen; wohl das Professionellste, was mir seit Jahren untergekommen ist - ganz großes Kino! Ob es nun mono-kausal an den Tischen lag? Ich weiß es ja auch nicht besser. Schön, daß Dir wenigstens Deine japanische Muse noch einen versöhnlichen Abschluss des Abends geschenkt hat. ;-)

--

Kommentar von Monika

nun, ich fand den Tanzfluss auch - ähm - schwach? Aber die Sitzordnung war definitiv besser als letztes Jahr, immerhin gab es Stühle für über 75% der Teilnehmer ;-)

Viereckige Tische begeistern niemanden und sind nicht besonders cabeceo-freundlich, klar. Manchmal geht's aber halt nicht anders. Oder hast Du runde Tische für 170 Personen in deinem Lager? Aber ich kam - trotz für mich sehr kurzer eigentlicher Milonga wegen anderweitiger Verpflichtung - zu 3 oder 4 Tandas mit unbekannten Tänzern. Freundliches Lächeln und aufmerksames und sich-über-andere-Paare-auf-der-Tanzfläche-freuendes-Gucken hilft ungemein, stelle ich immer wieder fest.

--

Antwort von Patrick

Runde Tische sind eher etwas für Schickimicki-Bälle. Die Hälfte der Tische rausschmeissen wäre vermutlich die eleganteste Lösung gewesen. Was die Musik angeht: Christian und ich haben nicht ganz denselben Geschmack, und so gibt es auch immer wieder Tandas, mit denen meine Ohren nicht viel anfangen können. Und ausgerechnet bei Tupungatina fand ich dann keine Tänzerin...

--

Kommentar von Mikamou

Weniger Grübeln, ... mehr Tanzen ... ist übrigens bei Monika im Album :)

--

Kommentar von Monika

hehe, Mikamou, ein Punkt für Dich finde ich. @Patrick: GottseiDank sind Musikgeschmäcker verschieden, wäre ja schrecklich langweilig sonst... Und Otros Aires sind DOCH cool!! (Auch wenn C sie nie auflegen würde)

--

Kommentar von Monika

oh, und zum Thema "die Hälfte der Tische rausschmeissen": Und wo stelle ich dann mein Glas (na gut, Becher) ab? Und den Fächer? Und das Täschchen mit so lebenswichtigen Dingen wie Taschentuch, Lippenstift, Puder, Handy, Autoschlüssel, (beliebig erweitern)? Nein, das ist auch keine Lösung. Tische müssen sein, und ich sitze nicht gerne auf dem Stühlchen ungeschützt direkt an der Tanzfläche wie's im Falcone z.B. gestuhlt ist.

Die Tardecita im Mutanth-Studio (dort wo letztes Jahr die Eröffnung stattfand, für die die nicht dabeiwaren) ohne grosse Sitzgelegenheiten und völlig unklassisch was "Bestuhlung" oder "Raumaufteilung" betrifft hat ihren sehr eigenen Charme, möchte ich nicht missen und ist grossartig um mit allen Leuten ins Gespräch zu kommen, aber das geht nur in dem doch überschaubaren Rahmen (rund 80 Leute) den dieser Raum bietet, bei 170 Leuten wie an der Milonguita (Zahlen ungefähr) funktioniert das nicht mehr.

Archivlink

Chaos und Cabeceos

Samstag, 9. Oktober 2010

Tardecita am Festivalito: Die Nachmittagsmilonga findet in einem Studio statt, dort war letztes Jahr die Eröffnungsmilonga am Freitag Abend. Ein grosses Wohnzimmer als Tanzfläche, ein kleineres Zimmer mit zehn Stühlen, ein schmaler Gang und eine Küche -- für rund 80 Personen muss das reichen. Tut es insofern nicht, als dass die Cortina jeweils beinahe voll ausgespielt werden muss, weil die Entleerung der Tanzfläche in den unterdimensionierten Gang ziemlich lange dauert. Aber in diesem Chaos fühle ich mich wohl: Ein Tanz ergibt den nächsten (sicher vor Cabeceos ist man lediglich in der Küche, aber dort gibt es leider keine Mohrenköpfe), und trotz äusserst engen Platzverhältnissen auf der Piste ist das Tanzen sehr entspannend. Es fliesst nur langsam, aber die Spuren funktionieren hervorragend. Vermutlich sind die Rempler geflüchtet. Oder haben kapiert, dass es hier wirklich keine grossräumigen Bewegungen verträgt.

Abendmilonga in der Johanneskirche: Wie erwartet die Wertungsrichter-Bestuhlung (Tische in Längsrichtung rund um die Tanzfläche) sowie im hinteren Teil die Kirchenbänke. An den Stehplätzen beim Eingang herrscht riesiger Männerüberschuss, aber so nach und nach komme ich dennoch zu schönen Tänzen. Andrea legt unglaublich süffig auf, vertut sich aber ein paarmal gewaltig mit dem Lautstärkeregler. Kirchenakustik ist heikel. Dafür gibt es in einem Nebengewölbe eine Wundermaschine, die Tanzbewegungen einfangen soll. Auf das Ergebnis bin ich gespannt...

--

Kommentar von Uralt

Ich lese seit ein paar Wochen hier mit und habe auch zurückgelesen bis zum Anfang. Ich finde die meisten Beiträge gut geschrieben und oft sehr witzig. Ich vermute einen Profi (Schreibprofi nicht Tanzprofi) dahinter. Das einzige was mich etwas ermüdet ist das dauernde Wehklagen wegen nicht funktionieren von Cabeceo. Ich, ca. seit 12 Jahren mit dem Tango verbandelt, finde auch, dass Cabeceo die bestmögliche aller Aufforderungsformen ist . Aber wenn es nicht funktioniert dann halt nicht. Dann hol ich die Frauen, und wenn es mal einen Korb gibt was soll's.

Aber wie soll Cabeceo in wenig beleuchteten Milongas funktionieren, wenn man vielleicht noch ein bisschen kurzsichtig ist aber keine Brille tragen will, weil sie beim Tanzen stört, und Kontaktlinsen in schlecht belüfteten Räumen kratzen. Ich will beim Tanzen Spass haben und weil der Spass manchmal nicht von alleine kommt helfe ich ein bisschen nach.

--

Kommentar von Monika

...ich sag nur "Schoggikuchen", gell Patrick?!

--

Antwort von Patrick

Wer unter Euch ohne Krümel ist, der werfe den ersten Mohrenkopf!

--

Kommentar von Melina

Guten Morgen alle, als Veranstalterin des "Festivalito con Amigos" muss ich mich nun doch in die Betischungs-Diskussion einmischen, zumal ich mit Patric darüber schon kurz am Samstag geredet habe. Also....

In des traditionellen Milongas von Buenos Aires dort wo Mirada/Cabeceo erfunden wurden stehen Tische um die Tanzflächen, so dass jeder von seinem (festen) Platz aus über die (in der Cortina geleerten) Tanzfläche hinweg, soviele Leute wie möglich direkt sehen kann. Und da hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf.

An manchen Orten sind die Tische rund, an manchen viereckig, an manchen rechteckig. Manche stehen mit der kurzen Seite zur Tanzfläche, manche mit der langen ("Wertungsrichterbestuhlung"). In vielen Milongas stehen mehrere Tischreihen hintereinander um die Tanzfläche. All das hängt immer davon ab, welche Tische gerade vorhanden sind, wieviele Leute in den Raum passen müssen, wie groß der Raum ist und was die Veranstalter am liebsten mögen! Und unabhängig von der genauen Tischanordnung, klappen Mirada und Cabeceo überall!

Die Voraussetzungen für Mirada/Cabeceo sind daher: - jeder kann soviele Menschen wie möglich von seinem Platz aus sehen - jeder hat einen festen Platz, an dem er wiedergefunden werden kann Und natürlich: - gutes Augenlicht - keine übergroße Schüchternheit - Vertrautheit mit dem Konzept - der Willen, Cabeceo/Mirada zu verwenden.

Die räumlichen Voraussetzungen auf 2 unserer 4 Milongas (Milonguita & Gran Baile) waren somit dieselben, wie auf jeder traditionellen Milonga in BA. Auf der Sonntagsmilonga (Despedida), hatten wir leider nur Stühle und vereinzelt Tische zur Verfügung, die wir um die Tanzfläche platzieren können. Auf allen dieser drei Milongas habe ich ohne Probleme mit Mirada/Cabeceo Menschen über die Tanzfläche hinweg kontaktiert.

Die Milonga (Tardecita), die Dir, Patric am besten gefallen hat, war jene, auf der Cabeceo/Mirada quasi unmöglich waren, weil: - keiner einen (festen) Sitzplatz hatte - man immer nur die Leute sehen konnte, die gerade in nächster Nähe zufällig herumstanden Diese Partyatmosphäre schafft natürlich eine andere, ungezwungene Nähe zu Leuten. Man kommt eher ins Gespräch und für manche führt dies eher dazu, dass sie tanzen. Das hat aber nix mit Mirada/Cabeceo zu tun.

Von daher solltest Du Dich, fragen, ob Du überhaupt mit diesem Aufforderungskonzept arbeiten möchtest, oder ob Du andere Formen der Kontaktaufnahme auf einer Milonga bevorzugst. Und natürlich meine Frage: Welche räumliche Aufteilung ist Deiner meiner nach am besten dazu geeignet, Mirada/Cabeceo anzuwenden? Schönen Tag noch, Melina

--

Kommentar von Peter

die einzelnen beiträge sind interessant zu lesen. dabei ist aber zu beachten das es sich um angemietete räume inlusive mobiliar handelt die im laufe einer woche mehrfach anders genutzt werden.

@patrick, wenn du weniger tische und mehr tänzer-innen bevorzugst dann fahr mal am 1.ten freitag nach frankfurt in die brotfabrik, normal ca 250 tänzer wenns voll ist auch deutlich mehr und fast keine sitzgelegenheit, (teilweise noch für freunde der veranstalter reserviert)und auch fast keine möglichkeit ein getränk abzustellen. deinen kommentar zu dieser milonga hätte ich gerne gelesen.

--

Antwort von Patrick

Das mit den multifunktionalen Räumen kenne ich selbst nur zu gut, gerade diesen Freitag konnte ich in meiner Milonga mangels kleinen Tischen (die sonst immer herumstehen) kaum die Lautsprecherboxen aufbauen und musste in diverser Hinsicht ziemlich improvisieren. Peter, das mit der Brotfabrik klingt nicht schlecht, mal abgesehen davon, dass ich seit München ein Trauma bezüglich ausreservierten Tischen habe...

Melina, mit "traditionell in Buenos Aires" gerate ich jetzt natürlich in einen Argumentationsnotstand, zumal ich ich noch nie dort war und die Reise dorthin in naher Zukunft auch nicht drinliegt. Immerhin kenne ich aber viele Schilderungen von Reisenden, Fotos und Videos -- und nehme mal die Milonga im Cachirulo als Beispiel. Längs des Saales auf einer Seite Männer vor den Tischchen, gegenüber die Frauen, quer etwas Platz für einige Paare. Kurze Blickdistanzen, strikte Sitzordnung, grosse Stammkundschaft. So klappt der Cabeceo wohl auch vom Sitzen her gut, aber an hiesigen Milongas und Festivals fühle ich mich als Sitzender meist schlicht zuwenig wahrgenommen. Wohl deshalb stehen (etwa beim Ostertango Basel, Pfingsten Berlin, aber auch am Samstag in der Johanneskirche) einige Männer und Frauen an Orten wie Buffet/Eingang/Durchgang herum. Die Körpersprache signalisiert "ich will tanzen", und man zieht einfacher die Aufmerksamkeit auf sich. Wie Uralt es oben im Kommentar gesagt hat: Manchmal hilft man eben etwas nach. Auch wenn ich nie soweit gehen würde, eine unbekannte Dame durch einen eindeutigen Blick aus 80 Zentimeter Entfernung quasi zu einem Tanz zu nötigen. Wobei das am Wochenende genügend Männer genau so gemacht haben, nur so nebenbei erwähnt.

Auch an der Tardecita habe ich stehend aus einer Distanz von etwa 2-3 Metern wortlos unbekannte Damen aufgefordert und Partyplaudereien auf die Küche beschränkt. Wenn das nicht den Tatbestand des Cabeceos erfüllt, dann erinnere ich nur daran, dass mir hier ein Berner vor wenigen Wochen unterstellt hat, ich wolle "argentinische Kontakttechniken" einführen. Ich sitze daher wohl zwischen Stuhl und Bank, aber immerhin nicht an einem Tisch. Hm, dummer Satz, aber der Kalauer musste jetzt sein ;-)

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass die Cortina früher die einzige Möglichkeit war, um ein wenig mit der Tänzerin rumzuflirten -- und um dies zu unterbinden, galt die Regel, dass man bei der Cortina die Tanzfläche rasch räumen müsse. Ich weiss nicht, ob die Geschichte stimmt. Klar ist, dass man als Sitzender ohne die Räumung nichts sieht. Nur weiss ich während der Cortina ja noch gar nicht, welche Musik jetzt kommt (selbst bei Christians Beamer nicht -- ich kenne ja nicht alle Lieder auswendig), kann also noch gar nicht sagen, mit wem und ob ich überhaupt tanzen möchte. Cabeceo während der Cortina über die Tanzfläche hinweg ist daher eigentlich etwas für ganz Verzweifelte, die die nächste Runde unbeding mit $Traumtanzpartner tanzen müssen, egal zu welcher Musik. Oki, Vals und Milongas kann man abzählen, wenn der DJ vertrauenswürdig ist. Aber machen das die Argentinier(tm) wirklich so?

Ob die strikte Cachirulo-Sitzordnung in Europa funktioniert, weiss ich nicht. Aber wenn es jemand ausprobieren kann, dann vermutlich das Tangokombinat. Ich persönlich mag Sitzgelegenheiten rund um die Tanzfläche nicht, lieber sind mir zentrale Anordnungen etwa beim Ausgang oder in der Nähe eines Verpflegungstisches. Will heissen: Ich sehe die Leute auch sitzend in kurzer Distanz. Klappt es sitzend nicht, kann ich stehend rumlümmeln und falle mehr auf. Sitzen die Leute hingegen direkt um die Tanzfläche, bin ich dieser Möglichkeiten weitgehend beraubt. Ja, auch ich habe hier schon von Rekord-Sitzcabeceos über astronomische Distanzen berichtet. Aber wenn das die einzige geduldete Möglichkeit ist, würde ich vielleicht einmal monatlich mit unbekannten Frauen tanzen. Und das wäre mir dann schon irgendwie zu wenig.

Das mit dem "festen Platz" ist auch so eine Sache. Ich habe schon genügend Blogeinträge gelesen, wo sich insbesondere Frauen in Buenos Aires regelrechte Zickenkriege um die vom Veranstalter zugewiesenen Tische nahe der Tanzfläche liefern. Das sind dann die Milongas, wo sich vermutlich beide Geschlechter hochtanzen müssen. Mangels eigener Erfahrung ist das jetzt vielleicht kein schlagkräftiges Argument (und ich unterstelle auch Melina keinesfalls, sie wolle in Europa Zickenkriege einführen), aber ich frage mich schon, ob wir alle "traditionellen" Elemente wirklich auch an unseren Milongas brauchen.

--

Kommentar von Mikamou

Es freut und beruhigt mich doch sehr zu lesen, dass ihr keine grösseren Probleme habt. :)

--

Kommentar von Melina

Huhu Patric, die Cachiruo Sitzordnung habe ich schon in diversen Milongas in Italien realisiert gesehen. Sie klappt prima, aber: Ich würde sie NIE anwenden. Auch ich bin der Meinung, dass man nicht alles argentinische nachmachen muss. Das strikte Trennen von Männer und Frauen und damit die verbundene Verlogenheit (so tun, als kenne man seinen Freund nicht und getrennt ankommen) gehört zu den Dingen, die ich absolut ablehne. Wenn ich auf einer Milonga bin, will ich mit netten Menschen zusammensitzen und auch mal ein Schwätzchen halten, unabhängig davon ob es Männer oder Frauen sind.

Was das Miradieren während der Cortina angeht, das macht man so: während der Cortina gucken und multiple Kontakte aufnehmen, den Blick streifen lassen. Wenn dann die ersten Töne der neuen Tanda erklingen, wird schnell zugeschlagen und ausgewählt, bevor sich die Tanzfläche wieder füllt, denn dann sieht man natürlich nix mehr.

Und klar kannst Du auch alle Tische am Eingang gruppieren und dort Herum-miradieren. Aber das finde ich einfach räumlich gesehen eine kritische Anordnung, da die Tanzenden dann nur von einer Seite aus betrachtet werden können, also weniger Leute Sicht auf die Tanzfläche haben. Und wie willst Du Dich dann mit zuschauen in Tanzpausen amüsieren oder Tänzer checken, um zu beurteilen, ob Du mit ihnen tanzen willst.

Sitze um die Tanzfläche gestatten es der größtmöglichen Anzahl von Menschen, die Tanzfläche zu sehen und - in der Cortina-Zeit) über die Tanzfläche hinweg zu miradieren. Und ja: Kurzsichtige sind benachteiligt. Zum Glück war mir dieses Schicksal nie beschieden und jetzt werde ich auch noch altersweitsichtig. Prima für Fern-Miradas! ;-)

Und: in der Brotfabrik, Frankfurt sitze ich ganze Abende, ohne zu tanzen, auch weil es zu dunkel ist. Nette Veranstalterinnen, gute Musik von Karin, aber leider für mich kein Pflaster.

Mit "feste Sitzordnung" meinte ich: während EINEr Milonga. Von auf Jahre hinweg reservierten Plätzen halte ich nix, insbesondere nicht im Kontext von BA. ;-) Aber auf einer Milonga will ich mir merken können, wo der Herr meiner Wahl sitzt, um im geeigneten Augeblick schnell hinschauen zu können, ohne erst den ganzen Raum abzusuchen.

--

Kommentar von Roberto

Wenn ich also jetzt noch nie Tango getanzt hätte, mich aber dafür interessieren würd und das alles gelesen hätte. Ich würd glatt die Finger davon lassen. Ich tanze aber doch schon eine Weile und so kompliziert find ich die Geschichte eigentlich gar nicht.

--

Kommentar von Monika

Möchte mich jetzt nicht weiter äussern weil ich Melina voll und ganz zustimme (und ich bin kurzsichtig wie ein Maulwurf ohne Brille - habe am Festival zum ersten Mal seit über 15 Jahren Linsen ausprobiert - die als Tageslinsen keineswegs perfekt geschliffen sind für meine Augen - geht alles, solange das Licht hell genug ist, und das war es, an allen Milongas...)

aber: "Nur weiss ich während der Cortina ja noch gar nicht, welche Musik jetzt kommt (selbst bei Christians Beamer nicht - ich kenne ja nicht alle Lieder auswendig)" - die Portenos kennen die. Alle. Das ist wie wenn hier "Sailing - Rod Stewart" angekündigt würde, oder "Angie - Stones" oder "Irgendwas - Take that" (sorry, bin in jüngerer Popmusik nicht so bewandert). Das hat zunächst mal nix damit zu tun dass Christian die Stücke ankündigt, ein Porteno/a alter Schule erkennt beim ersten Takt a. Orchester und b. konkreten Song. Können wir hier alle nicht, wir alle wachsen ja nicht mit dem Tango auf.

ABER: ich erkenne inzwischen sehr schnell - erster Takt eines Songs - was für ein Genre, also lyrisch, dramatisch, old-guard, 40er, vokal oder instrumental, 50er oder später oder was auch immer ein Song ist. Und danach lasse ich die Blicke schweifen. Klappt nicht immer, manchmal waren andere schneller oder der Lieblingstänzer für diese Tanda hat sich eine Andere gesucht. Oder ich hab keinen Lieblingstänzer, weil Festival und ich kenne nicht so viele, und muss erst überlegen mit wem ich das gerne tanzen würde. - Und dann war ich zu langsam und die Tanzfläche zu voll und er hat die genommen die nah bei ihm stand.

Je nun, dann halt. Gucke ich zu und habe meinen Spass dabei. Das macht nämlich richtig Spass, Tänzern zuzugucken. Ohne Neid, Häme oder Lästern. Einfach gucken und mit-tanzen, im Geiste. Mitgeniessen wenn etwas richtig gut geklappt hat, mitlachen wenn ein Missverständnis auftrat. Man kann viel Spass haben so. Und die Musik kennenlernen. Vor allem wenn der DJ einem sagt was er da gerade spielt. So lernt man Orchester kennen. Und Sänger. Und es macht viiiel mehr Spass wenn man die Musik kennt. Ehrlich.

--

Kommentar von Cassiel

@Monika: Stimmt! ;-)

--

Antwort von Patrick

Gleich auf den ersten Takt Orchester und Stück richtig erraten? Oki, work in progress. Auch wenn das Genre und der Knisterfaktor meist rasch klar sind, ich brauch irgendwie meist doch mehrere Takte, bis ich weiss, ob ich das Stück wirklich tanzen will. Was die Sitzordnung angeht: Meine Variante habe ich nun ein Jahr lang an meiner Milonga durchgezogen, und stelle fest, dass sie offenbar nicht mehrheitsfähig ist. Schade, aber nicht zu ändern.

Melina, falls Du hier noch eine Geschichte über argentinische Sitz- oder Tischrechte zum Besten geben möchtest, tu Dir keinen Zwang an :-)

--

Kommentar von Monika

öhm, nope, nicht Stück und Orchester richtig _raten_. Also ich. Sondern Genre, Zeitraum etc. richtig einordnen können, ganz manchmal tatsächlich, bei den Lieblingsstücken oder -orchestern (oder den meistgehassten Stücken oder Orchestern) sogar eines oder beides sofort erkennen. Aber die Portenos - die jedenfalls die ich persönlich kenne und die mit Tango aufgewachsen sind - die ERKENNEN Orchester sofort, Stück meistens. Hmpf. - Wie Du sagst, work in progress. Auch hier.

Archivlink

Argentinien und das Urheberrecht

Dienstag, 12. Oktober 2010

Wer sich schon über die Suisa oder die Gema aufgeregt hat -- im Vergleich zu Argentinien sind die Urheberrechte in unseren Breitengraden direkt harmlos. Dort ist nämlich beispielsweise das Zitatrecht extrem restriktiv. Bislang hat das in Argentinien die Leute nicht sonderlich gekümmert, doch neuerdings werden die Gesetze tatsächlich durchgesetzt. Deutschlandradio hat dazu am Wochenende einen interessanten Beitrag produziert, er kann hier noch nachgehört werden. Solange allerdings lediglich der Wissenschaftsbetrieb aufschreit, werden wohl höchstens weitere Ausnahmen geschaffen -- sinnvoller wäre es, die Urheberrechte grundsätzlich mal zu reformieren...

Archivlink

Stehen, Gehen und Landen

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Mittwochskurs. Heute keine Figuren, sondern einfaches Gehen. Alleine. Vorwärts, Rückwärts. Ich weiss, wie ich zu Beginn meiner Tangokarriere Diskussionen im Netz um das richtige Gehen verfolgt habe. Es gab Vertreter von Fersenschritten wie auch von Ballenschritten. "Mir fallen weltweit genau drei Tänzer ein, die elegante Ballenschritte setzen können. Zwei davon sind bereits tot", meinte ein Tanzlehrer dazu mal spöttisch. Ich hielt mich daher an einen Kompromiss: Energische Schritte mit Fersen, sanfte Taps mit Ballen.

Nur sollte man auch bei solch energievollen Fersenschritten nach vorne idealerweise auf dem vorderen Teil des Fusses landen, damit man sofort wieder das Gewicht vorne hat und nicht nach hinten wegtaumelt. Daher grüble ich inzwischen, wie flach der Fuss vorne landen sollte. Zuviel Ferse stört die Balance, zuviel Ballen stoppt den Schritt zu abrupt. Hauptthema war allerdings die Oberkörperbewegung: Sich nicht klein machen, sondern ganz im Gegenteil noch zusätzlich aufrichten. Fazit: Ist rückwärts irgendwie alles einfacher, find ich. Muss mich endlich mal wieder führen lassen.

Archivlink

Erste Schritte auf dem Bandoneon

Dienstag, 19. Oktober 2010

Dank einer Leihgabe kann ich endlich mal in Ruhe das königlichste aller Tango-Instrumente ausprobieren: Das Bandoneon. Hergestellt von Alfred Arnold anno 1936, ein kleiner Exot mit 118 Tönen (29 Knöpfe im Bass, 30 im Diskant). Der Balgen ist nicht mehr völlig dicht, aber der Klang ist unvergleichlich. Und man kann damit auch wunderschön leise spielen.

Wenn man denn spielen kann. Die Knopfanordnung ist berüchtigt, und das zu recht: Zwei ursprüngliche Reihen der Konzertina ergeben eine diatonische Tonleiter in G- und A-Dur, drumherum hat man dann später im Sinne einer wohl etwas falsch verstandenen Rückwärtskompatibilität alles drangebastelt, was irgendwie noch nützlich sein könnte. Dass das Instrument wechseltönig ist (also bei Druck und Zug derselbe Knopf verschiedene Töne erzeugt), war mir klar, das ist auch bei meiner chromatischen Mundharmonika nicht anders. Aber die Tonanordnung wurde später noch derart ergänzt, dass man praktisch alle Töne sowohl auf Zug als auch auf Druck spielen kann. Damit führt sich das System irgendwie selbst ad absurdum, und ich frage mich schon, warum Astor Piazzolla in den diversen Videos auf Youtube praktisch nur auf Zug spielt. Bei Troilo hat er das bestimmt nicht so gelernt, oder?

Fazit: "Alle meine Entlein" in A- und G-Dur zu spielen geht trivial, "La Cumparsita" (d c a fis) eigentlich auch, das traurige Hauptthema aus "La vita e bella" (a b cis...a b cis d e d) schaffe ich auch auf Anhieb fehlerfrei, aber eine simple diatonische Tonleiter in C-Dur bleibt vorläufig Hexenwerk. Ach ja, und wo kriegt man eigentlich so ein schickes Tüchlein für die Beine her?

--

Kommentar von Cassiel

Oho! Da werde ich ja fast neidisch. Viel Spaß mit dem Instrument! (Mich würde das auch einmal reizen.)

--

Kommentar von Thomas

Alle meine Entlein auf einer Reihe gespielt, jeder Ton abwechselnd gestossen und gezogen, das geht schon und ist übliche Praxis auf Concertinas mit weniger Tönen (den Vätern des Bandoneons), aber fliessende Musik ergibt das nicht, und über liegenden Akkorden zu spielen ist sehr unbefriedigend. Deshalb wurden die jeweils fehlenden Töne/Knöpfe an sinnvollen Plätzen hinzugefügt. Die so über einen langen Zeitraum enstandenen Layouts führten einen unerbittlichen Verdrängungskampf gegeneinander, und als Sieger ging das heutige sog. argentinische System mit 142 Tönen hervor.

Die Fingerordnung ist wohl rational nicht fassbar und scheint chaotisch; ich betrachte sie inzwischen aber als genial, als ein organisches Gesamtes. Sie planend auszudenken halte ich für unmöglich. Mit kleinsten Positionsänderungen sind in jeder Hand rund 3 Oktaven erreichbar. Das ist bei einem 'logisch' angeordneten Griffsystemen wie z.B. bei dem von Piguri nicht möglich. Rationale Ordnung ist eben nicht alles. In den frühen 1920er Jahren wurde das System übrigens zum Deutschen Einheitsbandonion reformiert; vor allem auf der Bass-Seite wurde aufgeräumt. Da sich das vorherige Banoneon in Argentinien aber schon zu stark etabliert hatte, verblieb dem Tango die vorletzte Entwicklungsstufe.

Töne klingen je nach Windrichtung und Platz im Gehäuse anders. Das ergibt 2 Klangfarben-Sets. Dass im Tango das Bandoneon bevorzugt öffnend gespielt wird hat damit zu tun, dass der Klang dann mit Hilfe der Schwerkraft erzeugt werden kann. Über die Knie fallend kann der Wind stetig fliessen und nötigenfalls mit einem kleinen 'Reissen' akzentuiert werden (Zur Show wird diese Bewegung oft übertrieben, aber keine Angst, das Bandoneon leidet nicht!). Spart Kräfte bei nächtelangen Auftritten und zugegebenermassen auch das Gehirn. Es ist also viel Üben angesagt, aber gell, kein Figurentanzen bitte, da kommt man nämlich auch in der Musik nicht über hilfloses Herumstolpern hinaus!

--

Antwort von Patrick

Keine Angst, ich hab mir das Ding eigentlich nur aus Neugierde ausgeliehen. Aber das gefühlvolle Modulieren des Tones mit dem Balgen macht unglaublich Spass. Mal abgesehen davon, dass mir die genaue Tastaturbelegung noch immer fehlt. Ich habe mir in der Bibliothek das Standardwerk von Karl Oriwohl geholt, dort sind satte 146 verschiedene Grifftabellen drin -- meine Variante fehlt natürlich. Die Steigerungsform von "Vielfalt" lautet demnach "Wahnsinn". Einzelne verstimmte Töne bei meinem Exemplar machen die Schatzsuche auch nicht gerade einfacher. Dafür habe ich gelernt, dass die Leute in den 1920er Jahren tatsächlich darüber gestritten haben, ob ein "vollchromatisches" Instrument nicht auch jeweils Knöpfe beispielsweise für dis _und_ es bieten müsse. Erinnerte mich an den Witz, wonach man eine ostfriesische Putzfrau daran erkennen könne, dass sie den Lift in jedem Stock einzeln säubere...

--

Kommentar von Cassiel

Hehe... Keine Diskriminierung von Ostfriesen bitte! ;-)

--

Antwort von Patrick

Da wäre noch die Geschichte vom Ostfriesen, der in ein Musikgeschäft geht, sich ein wenig umsieht und sich dann an den Verkäufer wendet: "Ich hätte gerne die rote Trompete und das weisse Akkordeon da drüben", sagt er. Der Verkäufer zieht eine Augenbraue hoch. "Also.....den Feuerlöscher können sie haben. Aber die Heizung bleibt hier!".

Aber lassen wir mal die Musiktheorie auf der Seite: Bücher mit dem marktschreierischen Titel "Lernen Sie $Instrument ohne Noten!" sind nicht nur heute en vogue, sondern genau so wurde schon vor hundert Jahren die Quetschkommode an die Leute gebracht. Irgendwann entwickelte man zwar auch systematischen Unterricht, aber in den Anfängen haben offenbar auch die meisten Bandoneon-Spieler mangels Notenkentnissen nach Tabulatur die Knöpfchen auswendig gelernt. Das würde auch erklären, warum die Tastenevolution irgendwann jäh gestoppt wurde: Die Zettel mit notierter Tabulatur wären bei einer neuerlichen Tastenanordnung natürlich nutzlos geworden. Wer schonmal in einem Internetcafé im Ausland das @ auf der fremden Tastatur gesucht hat, mag das sogar verstehen.

Ist dann wohl die Ironie der Geschichte, dass aus einem simplen Kasten für das Volk ein Gerät wird, dessen Mythos selbst für den notenkundigen Musiker kaum begreiflich ist. Hm, und warum Bandoneons so anders klingen sollen als andere zweichörige wechseltönige Konzertinas, das ist mir auch noch nicht klar. Aber mein Exemplar scheint eh seinen eigenen verstimmten Klang zu haben, zumindest kann man damit wunderbar Schwebetöne produzieren...

Archivlink

Hand auf den Kopf!

Samstag, 23. Oktober 2010

Workshop mit Geraldine Rojas und Ezequiel Paludi. "Das ist die Göttin des Tangos!", wurde ich überzeugt. Ja, aber kann die Göttin denn auch unterrichten? Wir nehmen den Workshop "Technique to synchronize the couple", weil mir die Gefahr von Figurendreherei dabei am kleinsten erscheint und das Thema spannend klingt.

Nun, es gab einige Übungen zur subtilen Führung und zur Aufmerksamkeit. Sowie viertelstündige Vorträge darüber, dass man nicht mit den Beinen voraus gehen und auch nicht mit den Armen reissen solle. Und beim Gewichtswechsel an Ort und Stelle nicht breit wie ein Bauer stehen soll. Insofern nicht völlig bahnbrechend. Einmal durfte ich gar mit der Göttin tanzen. Allerdings düste sie gleich weiter, ohne etwas zu sagen. Jetzt weiss ich nicht, ob ich schon den perfekten Gurustatus erreicht habe oder sie einfach dachte, dass da jeglicher Kommentar zwecklos wäre...

Immerhin gab es noch eine simple Figur, die sogar ich mir für ein paar Minuten merken konnte. Und den Hinweis auf die linke Hand der Frau. Dass man sich mit der gegenseitig gehaltenen Hand (Führender links, Folgende rechts) perfekt blockieren kann hat wohl jede und jeder schon erlebt. Aber Geraldine betonte, dass die linke Hand auf der Schulter oder dem Rücken des Mannes auch locker bleiben müsse, sonst habe die Frau insbesondere in Drehungen kaum mehr Beweglichkeit in der Hüfte. Um dies zu demonstrieren, schnappte sich Ezequiel auch gleich ein paar Frauen und bat sie, ihre linke Hand beim Tanzen auf den Kopf zu legen. So richtig wohl dabei schien ihnen nicht zu sein. Nach gefühlten drei Stunden war mir klar, dass es nebst "Figurenworkshops" offenbar auch "Vortragworkshops" mit exponentiell erhöhter Redundanz gibt -- natürlich ohne entsprechende Ankündigung. Daher fühlte ich mich danach irgendwie....unsynchronisiert(tm).

Abends dann noch ins Volkshaus zum Vollmondtango. Die ersten zwei Stunden relativ wenig Leute und ein wirklich schöner Tanzfluss. Später wurde es dann etwas rempelig. Ich überlegte, ob ein erhobener Ellbogen hier helfen würde. Nur wollte keine meiner Tanzpartnerinnen ihre Hand auf den Kopf legen. Muss mal Ezequiel fragen, wie er das mit der Synchronisation macht...

--

Kommentar von Peter

hört sich irgendwie konzeptlos und überteuert an ... da geh ich doch lieber zu melina&detlef in die ,die haben ein für mich schlüssiges konzept und jeder teilnehmer bekommt von den beiden noch eine dukumentation zum nachlesen mit nach hause ...

--

Kommentar von Sapf

Oh je, das beunruhigt mich jetzt doch... Hatte ich doch noch mehrfacher Erfahrung, dass es mich irgendwie ein bisschen ;-))) verunsichert, in den Kursen kunstvolle Figur über kunstvolle Figur gezeigt zu bekommen, ohne die Grundfiguren schönes gemeinsames Stehen und Gehen zu erarbeiten. Und ich war mir sooooooo sicher, dass meine Protestaktion sämtliche Kurse zu boykottieren, die Kursleiter aufrütteln würde und sie ihr Lehrkonzept reflektieren und reformieren lässt. Und nun dies!

Also bleibt mir weiterhin nur die Alternative statt es bei einem solchen Kursbesuch nicht zu lernen, das Stehen und Gehen an Tramstationen und von Metrostation zu Metrostation zu üben. Und den Aspekt des Gemeinsamen auf Milongas auszuleben. Etwas Gutes hatte dein Kurs allerdings: also das mit Hand auf Kopf probiere ich nächstes Mal sicher aus, das erscheint mir doch tatsächlich eine witzige Variante ;-)))

--

Antwort von Patrick

Stehen und Gehen an Tramstationen? Gute Idee. Die muss man sich normalerweise auch nicht mit 19 anderen Paaren teilen...

Archivlink

Ocho Cortado reloaded

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Mittwochskurs. Wie schon die Woche zuvor einige Übungen zum aufrechten Gehen, dann zwei Schritte mit einer anschliessenden Drehung. Diesmal hängen wir allerdings einen Ocho Cortado hintendran, und mir fällt auf, dass dass ich das Ding noch immer nicht wirklich sauber führen kann -- vor allem nach rechts klappt es äusserst selten. Dürfte daran liegen, dass die Hüfte wohl nicht immer so steht und dreht, wie sie soll...

Archivlink

Bandoneon: Der erste Auftritt

Samstag, 30. Oktober 2010

Bandoneon-Leihgaben haben ja so etwas spezielles. Der Besitzer der Quetschkommode hatte mich zu seinem Geburtstagsfest eingeladen, und beim Ausleihen des Bandoneons meinte er grinsend, er erwarte dann schon ein kleines Ständchen von mir. Um sofort hinzuzufügen, dass er selbstverständlich wisse, dass man das Instrument nicht in dieser kurzen Zeit erlernen könne.

Nun, am Dienstag fiel mir der Spruch wieder ein, und ich grübelte, was ich innerhalb von vier Tagen zur Aufführungsreife bringen könnte. Fantasia von Bach in C-Moll wäre sicher beeindruckend, aber das schien mir innerhalb von vier Tagen doch ein wenig übertrieben. Nach ein wenig rumtransponieren war klar, dass es eine Variante von "Happy Birthday" mit einem simplen Fingersatz gibt. Viel Bass, ein wenig Diskant, mal ein bisschen Druck und etwas Zug. Und natürlich eine Tabulatur dazu, denn mein Gehirn weigerte sich insbesondere standhaft, die jeweiligen Druck- und Zugkombinationen auswendig zu lernen.

Heute war dann der grosse Tag, es klappte so halbwegs. Will heissen: Bei einem Ton habe ich mich vergriffen, aber da alle mitgesungen haben, ist das wohl kaum jemandem aufgefallen. Ich selbst war vom Klang ein wenig überrascht. Zuhause habe ich aus Rücksicht auf die Nachbarn immer mit stark angezogener Handbremse gespielt, in einem Saal mit etwa 80 Zuhörern und Mitsingern fallen solche Hemmungen natürlich. Trotz Luftverlust im Balg kann man sich problemlos Gehör verschaffen. Beeindruckend.

So langsam werden mir aber auch die Beschränkungen dieses Instrumentes bewusst. Die unterschiedliche Tastenbelegung auf Zug und Druck ist berüchtigt, aber ich denke, daran kann man sich gewöhnen. Viel lästiger finde ich persönlich die wenig ergonomische Handhaltung: Einige Tasten weit aussen sind selbst für meinen ziemlich langen Zeigefinger kaum erreichbar, und die liegen nur so weit aussen, weil im Zentrum Platz vergeudet wird. So liegt beispielsweise das e'' im Diskant auf drei verschiedenen Knöpfen -- einmal auf Zug, zweimal auf Druck. Alle drei Knöpfe liegen bequem erreichbar im besten Bereich. Das c' hingegen kommt genau einmal im Diskant vor, schlecht erreichbar weit links oben. Und ich spreche noch nichtmal von den 142 und 144-tönigen Bandoneons, die weiter aussen noch weitere Knöpfe haben. Auch das b' sowie das d'' sind unmittelbar nebeneinander im Zentrum vorhanden und stehlen dringend nötigen Platz -- nur um das völlig überholte Tastenkonzept der Konzertina nicht zu ändern.

Insofern ist das ganze eine Zwickmühle: Der Klang ist betörend, das Gewicht etwas störend, das Holz irgendwie wertig, der Balg faszinierend lang und zu dramatisierenden Bewegungen neigend (ja, diesen Teil lernt man schnell), die Armbewegungen organisch, die Handhaltung hingegen eher verkrampft, der modernde Geruch erzählt von alten Zeiten, und die rustikale Optik ist ebenfalls faszinierend. Wer zur Liebhaberei neigt wird damit bestimmt glücklich. Aber ich glaube nicht, dass ich wirklich Zeit investieren werde, dieses anachronistische Griffsystem zu lernen.

Archivlink

Viel Neo und etwas Tradition

Dienstag, 2. November 2010

Der Dokumentarfilm "Más Tango" lag hier schon länger rum, und nun hatte ich endlich einmal Zeit für einen gemütlichen Videoabend. Wir begleiten knapp eine Stunde lang die Tanzpaare Ciça und Santiago sowie Graciela und Pedro durch Buenos Aires. Das erste Paar ist jung, liebt Elektrotango, vermischt Elemente aus Ballett und Modern Dance mit dem Tango und erlebt den ersten grossen akrobatischen Auftritt am CITA-Festival. Das zweite Paar im Rentenalter ist dem Salontango verhaftet und hat in der Confiteria Ideal einen festen Tisch.

Während Ciça und Santiago tänzerisch ausführlich im Studio und auf der Bühne zu sehen sind, wird der Salontango mit Garciela und Pedro nur kurz gestreift: In den Milongas tanzen sie nur ausschnittweise, und im Bonusmaterial der DVD ist nebst zwei Tanzszenen von Ciça und Santiago nur eine Einstellung zu sehen, in der Graciela und Pedro zuhause Jive tanzen. Immerhin kommen die zwei freundlichen alten Leute ausgiebig zu Wort. Ein interessanter Satz von Graciela ist mir hängengeblieben: Am Ende einer Milonga lief in den 60er Jahren offenbar immer La Cumparsita von D'Arienzo, und nach diesem Lied war es üblich, dass die Männer die Frauen nach deren Telefonnummer gefragt haben. Teufel. Warum hat mir das bislang noch niemand gesagt?

Das restliche Geplaudere bleibt leider beim oberflächlichen Smalltalk. Neotango erlaubt einen freieren Ausdruck, Tango ist Liebe, ausserdem darf ein Taxifahrer noch ein paar Weisheiten zum Besten geben. Immerhin halbwegs unterhaltsam: Omar Massa (der Bandoneonist von Otros Aires) wird gefragt, weshalb er Tango spiele. Nach langem Grübeln sticheln seine Bandmitglieder und fragen, weshalb er Bandoneon und nicht beispielsweise Bass spiele. "Bass ist blöd", antwortet er schulterzuckend. Tiefschürfend.

Insofern sind die meisten 45-minütigen Auslandsreportagen der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender spannender und aufschlussreicher, mal abgesehen davon, dass dort normalerweise auch die Kamera nicht dauernd rumwackelt. Das Hauptproblem ist aber das fehlende Hauptthema: Erst wird angedeutet, man dokumentiere zwei Paare, um sich dann faktisch auf den Elektrotango und dessen Musiker zu beschränken. Warum kommen keine Musiker zu Wort, die ganz klassisch an Milongas zum Tanz aufspielen? Warum zeigt man den Salontango nicht in einer vollen Milonga? Warum erklingt in der ganzen Dokumentation kein einziger Vals? Und wäre es wirklich so schlimm gewesen, wenn sich die beiden Paare mal begegnet wären? Más Tango? Nein, irgendwie nicht so recht.

--

Kommentar von Cassiel

Was hat Dir bislang noch niemand gesagt? Daß La cumparsita am Ende einer Milonga gespielt wird, daß es die Version von D'Arienzo sein sollte oder daß der Mann die Dame nach der Telefonnummer fragt? ;-)

--

Antwort von Patrick

Das wusste ich natürlich alles bisher schon. Aber nicht, dass die Frauen dies auch wissen. :-)

--

Kommentar von Uralt

Vermisst wird Mann mittleren Alters aus Basel. Auch Tangoblogger genannt. Besondere Merkmale: Pflegt Frauen, die ihm zunicken, innig zu umarmen und sie mit Gefühl und Sorgfalt im Kreis herum zu führen. Besonders bemerkenswert sind sein Lästermaul und seine spitze Feder. Er bekommt unverzüglich allergische Ausschläge, wenn in seiner Nähe elektronische Geräte mit Apfel auftauchen. Da er sehr scheu ist kann man ihn nur mit schwarzer Schokolade und ev. mit Linux (was ein kleines Raubtier, eine Kreuzung zwischen Luchs und irgend einem X sein soll) anlocken.

Da aber viele Leute die sich TangotänzerInnen nennen speziell die spitze Feder vermissen bitten wir um schonendes Anhalten. Eine Auffütterung mit schwarzer Schokolade und das Versprechen, dass wir alle an die Milonga vom 19. November kommen, wäre sicher dienlich. Ich wünsche bei der Fahndung viel Erfolg.

Archivlink

Dreiertandas im Nordosten

Sonntag, 14. November 2010

So, endlich die Erkältung überwunden. Und im fernen Nordosten aufgelegt. Was tut man, wenn das Zielpublikum nicht an Tandas und Cortinas gewöhnt ist? Man sorgt für ganz viel Abwechslung. Und weil die Milonga nur drei Stunden dauerte, habe ich mich auf Dreiertandas beschränkt. Und die Cortina auf 12 Sekunden geschnitten. Hui, sieben Tandas pro Stunde. Ungewohnt viel.

War ausserdem eine spannende Erfahrung, sich an einer Milonga mal nicht um Schlüsselfragen, den Eintritt und die Getränke kümmern zu müssen, sondern einzig um die Musik. Und die Lautstärke. Und hallende Räume. Insofern doch fast so schön wie zuhause. Auf Wunsch hab ich dann noch eine Tanda Elektro-Light gemacht und wurde dennoch nicht gesteinigt...

Archivlink

Kreise und Linien

Mittwoch, 17. November 2010

Mittwochskurs. Heute gehen im Kreis, drehen im Kreis, Führen im Kreis, also Giros. Zuerst beäugten wir uns in grossem Abstand gegenseitig kritisch und bewegten uns jeweils synchron auf einer imaginären Kreislinie. Hatte ein wenig was von "Tanz der Vampire", glücklicherweise ohne abruptes Ende am Spiegel. Dann sanfte Vorwärts-, Rück- und Seitschritte mit gestrecktem Oberkörper. Immer mal wieder Rollenwechsel. Hm, auch hier finde ich den Frauenpart fast interessanter...

Noch ein Hinweis in eigener Sache: Wie am Link oben zu erkennen ist, habe ich die Milonga diesen Freitag annulliert -- schliesslich tanzt ja schon im Corrientes nebenan quasi der Bär. Mirada gibts dafür dann in einer Woche am 26. November wieder.

Archivlink

Die Höhe und der Hintern

Mittwoch, 24. November 2010

Mittwochskurs. Erneut Drehnungen, und mit vielen Übungen versuchen wir jeweils, bei jeder Bewegung schön gestreckt zu bleiben und nie mit dem Oberkörper zusammenzusacken. Das mit dem "Strecken" kann man allerdings auch falsch verstehen -- vor allem bei jüngeren und akrobatisch tanzenden Neo-Paaren ist mir schon öfters aufgefallen, wie der Hintern kräftig rausgestreckt wird und so ein wenig gesundes Hohlkreuz entsteht. Ich glaube, nach so einem Tanz hätte ich augenblicklich Rückenschmerzen...

Archivlink

Keine Konkurrenz und ein klebriger Boden

Freitag, 26. November 2010

Freitagsmilonga. Seit den Sommerferien zog das Corrientes im nahegelegenen Gundeldingerfeld gewaltig Kundschaft ab, nun scheint sich das Angebot dort auf einem etwas kleineren Niveau eingependelt zu haben. So fand sich heute bei mir wieder eine hübsche Runde ein, und die Leute mischten sich auch kräftig. So macht das Auflegen definitiv Spass.

Allerdings hatte jemand am Nachmittag ohne Vorwarnung den Boden frisch abgeschrubbert. Oder geölt. Oder sonstwas. Jedenfalls war er ziemlich klebrig. Ich persönlich mag das ja, wenn ich nicht rumrutsche, aber so manche Dame schätzte es durchaus, wenn man keine Ochos klotzte. Also Gehen. Und warten auf Dezember, wenn der Boden wieder normal betanzbar sein wird...

Archivlink

Der Schall, die Wand und die Mitte

Samstag, 4. Dezember 2010

Ausflug nach Zürich ins Quartito Azul: In einem dunklen Aussenquartier, über den Parkplatz, rein in den Lift und hoch in den sechsten Stock. Die Besucherzahl ist ziemlich übersichtlich. Guter Boden, angenehme Beleuchtung, outgesourctes WC. Meine ebenfalls ortsfremde Tanzpartnerin wird von mehreren Herren aufgefordert, während meine Cabeceos bei den zürcherischen Damen gewohnt chancenlos sind.

Anfangs wundert mich der Musikklang irgendwie, und während ich grüble, ob da einfach dünn instrumentierte Aufnahmen gespielt werden, fällt mir auf, dass die Lautsprecher von der Tanzfläche weggedreht sind und zur Wand weisen. Scheu frage ich den DJ, ob das einen bestimmten Sinn habe. "Es war manchen Leuten zu laut, da haben wir sie umgedreht. Ist es Dir zu leise?", fragt er, und seine Hand wandert schon zum Lautstärkeregler. "Äh, nein, nur höre ich kaum Mitten und Bässe", versuche ich zu erklären. Da fällt mein Blick auf den Equalizer: Eine wunderschöne Talsenke, sozusagen ausgemittete Mitten.

Man könnte nun rhetorisch fragen, wer an der Misere schuld ist. Der Raumbesitzer, der DJ oder diejenigen, die sich dauernd beschweren, es sei ihnen zu leise?

Archivlink

Figurenbetonung und Frauenerfahrungen

Montag, 6. Dezember 2010

Aushilfe im Fortsetzungskurs bei Mirjam und Lorrena. Gewichtswechsel und Ochos. Und eine Sequenz, die ich mir nicht vollständig merken kann. Beim Partnerwechsel stelle ich fest, dass es so manche Frau extrem irritiert, wenn man drei Schritte lang einfach mal geradeaus läuft. Erste Anzeichen eines figurenbasierten Unterrichts?

Bei einer Korrektur führt mich Mirjam mal kurz als Dame, und meint anerkennend, ich sei tänzerisch eine gute Frau. Ha! Warum gebe ich mich eigentlich noch mit der Führungsrolle ab? Folgen ist mental irgendwie entspannender. Aber keine Angst, ich kaufe mir keine Highheels.

Archivlink

Milonga. Vorwärts.

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Mittwochskurs. Heute Milonga. Beim Vorwärtslaufen abwechselnd nach links und rechts wechseln, beim Wechseln verdoppeln. Allerdings zeigen Cécile und Romeo die Variante als Figur mit einem kräftigen Rückwärtsschritt, und die ganzen Lemminge im Kurs tanzen das natürlich genau so nach. Normalerweise halte ich meine Klappe. Aber heute wirds mir irgendwie zu viel, und ich frage in die Runde, ob die Figur nicht auch ohne Rückwärtsschritt vermittelbar wäre. Das kommt nicht sonderlich gut an: Rückwärtsschritte liegen in der Verantwortung jedes einzelnen, wird mir beschieden. Offenbar hatte Jesus doch recht: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr...

Ist irgendwie eh nicht mein Tag, nach einer Stunde wird mir klar, dass es die ganze Zeit um zwei verschiedene Figuren ging. Erwähnte ich schon, dass ich mir Sequenzen nicht merken kann? Dafür habe ich eine neue Form der Entspannung während eines Kurses gefunden: Rollenwechsel. Während sich meine Tanzpartnerin abmüht, lasse ich mich genüsslich führen. Sogar rückwärts.

--

Kommentar von Yvonne

Hallo Patrick

Kopf hoch, Du weisst ja, die Tangokrise kommt mehrmals pro Jahr ;-)! Ich habe meine überwunden und tanze wieder, stell Dir vor! Habe jetzt allerdings einen Tanzpartner und einen supertollen Lehrer. Ab 2011 nehme ich dann auch einige Privatstunden, das bringt wohl am meisten, um Fehler zu korrigieren und möglichst schnell vorwärts zu kommen. Naja, wollte Dir nur etwas Mut zusprechen...und manchmal tut eine Pause auch gut. Also, ich wünsche Dir erholsame Festtage und ein gesundes, lehrreiches, viele schöne Tangos bescherendes neues Jahr :-)! Du weisst ja wo die Churfirsten sind, ja?

--

Antwort von Patrick

Jepp, ich werde auch wieder auf Privatstunden umstellen. Dafür muss ich dann aber noch die derzeitige Eurokrise überwinden, die jede Tangokrise um Längen schlägt...

Archivlink

Der letzte Tango

Mittwoch, 22. Dezember 2010

Nein, ich geb nicht auf. Aber es war der letzte Kursabend, ich werde den Mittwochskurs im nächsten Jahr nicht mehr weiterführen. Mir ist das irgendwie zuviel Figurengetanze, und vor allem schienen mir die Momente eher rar, in denen ich etwas lernte, mit dem ich in einer Milonga auch tatsächlich etwas anfangen kann. Also wirklich Privatstunden im neuen Jahr.

Dafür gab es noch einen kulinarischen Ausklang. Mitsamt der Diskussion, ob Zimtsterne auch ohne Zimt und ohne Sternform akzeptabel sein können...

--

Kommentar von Nebelkrähe

Bravo Patrick, guter Entscheid! Jeder Mann, der sich bemüht, schön und musikalisch zu tanzen, ist höchst willkommen (auch ohne Guru-Status ;-) Es guets Nöis aus der Provinz

Archivlink

Touristen in Zürich

Mittwoch, 29. Dezember 2010

Mal wieder nach Zürich ins Hiltl: Ziemlich viel Volk diesmal, müssen vermutlich alle den Bewegungsmangel der letzten Feiertage ausgleichen. Und weil es dichtgedrängt ist, sind hier offenbar auch die ganz grosspurigen Tänzer nicht anzutreffen. Mit einer Ausnahme, wobei das Paar schon optisch eindeutig dem südamerikanischen Kontinent zuzuordnen ist.

"Schau, da sind Argentinier!", flötet mir eine Frau mit unendlicher Begeisterung ins Ohr. "Jepp. Sind bestimmt Lehrer", antworte ich, und bemühe mich, einen halbwegs neutralen Tonfall zu behalten. "Stimmt, die bereiten sich auf ihren Silvesterauftritt vor. Du kennst sie also?". "Öhm, nein, war nur so eine Vermutung...". Tröstend, dass Touristen nicht nur in Buenos Aires auffallen, oder?

--

Kommentar von Monika

gnihihi. Dann waren also zwei argentinische Paare dort? - Weil ein Paar hat - so weit ich es gesehen habe - genau einmal getanzt und das sehr (sehr!) schön und social, und sich ansonstem dem Schwätzen mit Freunden und Bekannten ganz hinten im Eck hingegeben. Und von diesem Paar habe ich dann auch gehört dass sie irgendwo auftraten an Silvester. Wer war das andere, geheimnisvolle Paar? - Rätsel der Milongas...

Archivlink

Bye bye, Bandoneon!

Donnerstag, 30. Dezember 2010

Heute bin ich mein Leihbandoneon wieder losgeworden. War die gemeinsame Zeit schön? Ja. Das alte Ding klingt wunderbar, macht Spass und liess mich förmlich den Duft der alten Zeit riechen. Nur eben, die Anordnung der Knöpfe ist krank und die Haltung wenig ergonomisch. Das wurde mir noch stärker bewusst, als ich mir neulich ziemlich günstig ein Knopfakkordeon geschossen habe. Über den Klang müssen wir natürlich nicht sprechen, aber die Anordnung der Knöpfe wie auch die entspannte Haltung sind genial. Und es gibt Möglichkeiten, ein solches Ding mit einem Bandoneon-Klang zu kombinieren. Mit der nötigen Zeit und dem notwendigen Kleingeld, versteht sich. Nicht ganz simpel, aber ich habe Blut geleckt...

--

Kommentar von Uralt

Aber denk daran, dass du das Knopfakkordeon nur halb so dramatisch über das Knie brechen kannst wie ein Bandoneon. Da nützt dir auch der, nach meiner Meinung, wahrscheinlich nur fast authentische Klang wenig. Optisch bringt so ein Knopfakkordeon nicht viel, das musst du als Spieler kompensieren. Liegt das drin??? ;-)))

--

Antwort von Patrick

Das ist zweifellos ein wunder Punkt. Aber da muss man einfach pragmatisch sein: Was nützt mir ein optisch authentisches Bandoneon, wenn ich selbst Lumpenlieder wie "Oh Du fröhliche..." in G-Dur auch nach einer Woche üben ausschliesslich mit Hilfe der selbstgebastelten Tabulatur flüssig spielen kann? Gut, ich könnte mir bei Thomann für 200 Euro eine zweichörige Konzertina made in Italy bestellen. Gibt optisch etwas her, aber klingt vermutlich nicht ganz so überzeugend.

Nein, ich muss darauf vertrauen, dass Tänzer ganz mit dem Tanz und der Musik beschäftigt sind und sich nicht um optische Feinheiten der Musikquelle kümmern. Immerhin kann man ein Akkordeon bequem umhängen und auch stehend spielen. Beim Bandoneon hingegen haben die Ösen eher dekorativen Charakter. Und diesen Part kann ich dann ja problemlos übernehmen :)

--

Kommentar von Joachim

Nein, die Ösen hatten die Funktion, den Balg nicht auf die Schuhsohlen krachen zu lassen, wenn man es im Stehen oder Laufen gespielt hat. Eine Schnur durch jede Öse, dann die um den Hals. Immerhin war das in weniger betuchten Gemeinden, die sich keine Orgel leisten konnten, ein Prozessions- und Beerdigungsinstrument. Möglicherweise sogar für Hochzeiten, aber wer heiratet denn in so armen Gemeinden?

Interessanterweise gibt es ja doch eine Menge Menschen, die so eine "kranke" Tastaturbelegung spielen konnten. Wenn nicht, gab es ja auch noch chromatische Bandonèones für die armen Lernblockierten. Andre Musiker liessen sich den Bandonèonsound mit einer Knopftastatur vorne kombinieren und schüppdiwüpp ist es fit für "Schneewalzer" und "Zirkus Renz Galopp" und wie die "Lustige Musikanten"-All time Greatest Hits alle heissen. Immerhin gibst Du Dir Mühe, mal in jede Facette des Tangobusiness die Nase reinzuhalten. Das ist ja auch schon was. Wann fängst Du mit Komponieren und Texten an?

--

Antwort von Patrick

Die Schnurvariante ist mir durchaus geläufig, aber meine Schultern wie auch meine Hände fanden das nicht angenehm. Natürlich waren die Baneoneons damals die Proletenkisten, während heute die armen Akkordeone mit Musikantenstadl-Schneewalzer assoziiert werden. Aber es sei Dir versichert, den "um-pa-pa-um-pa-pa"-Sound kriegt man auch problemlos mit einem Bandeonen hin, wenn man es wirklich will.

Beim Lernen war früher(tm) halt alles anders. Insbesondere bei den Analphabeten, die das Spielen einfach durch stupides Auswendiglernen nach Tabulatur (Stichwort: Waschzettel) gelernt haben. Und sich dann logischerweise mit Händen und Füssen gegen jegliche Weiterentwicklungen gewehrt haben, weil die Tabulaturen sonst zur Makulatur geworden wären. Diesen reichlich anachronistischen Teil der Tangokultur will ich wirklich nicht durchspielen.

Archivlink

Silvester aus Frauensicht

Freitag, 31. Dezember 2010

Silvesterparty im Corrientes: Viel Volk, gelöste Stimmung, arg wenig Milongas und überraschenderweise ein ziemlicher Frauenüberschuss. "Heute hat es sowenig Männer, da tanze ich sogar mal mit Dir", war ein besonders schmeichelhafter Satz. Immerhin ehrlich. Die anderen Männer hielten vermutlich den Konkurrenzdruck nicht mehr aus und haben sich im Restaurant nebenan besoffen.

Hui, und dann habe ich es sogar noch geschafft, mich führen zu lassen. Meine erste Silvestermilonga als Frau, sozusagen. Da spürt man das neue Jahr doch gleich viel intuitiver. Insofern: Auch allen Folgenden und Führenden, treuen und untreuen Lesern ein schönes Neues Jahr!

--

Kommentar von Monika

Ich glaub wenn Du mal wieder in Zürich bist trau ich mich Dich aufzufordern. Per Cabezeo. Als Führende. Aber keine Milonga, ein Tango, für den Anfang. Bin sehr gespannt :-)

Archivlink

---

Weiter zum Jahr 2011 oder zum Inhaltsverzeichnis.