Noch immer auf dem Weg...

Fatalismus auf dem Schlachtfeld

Dienstag, 11. Januar 2011

Mal wieder nach Bern ins Progr. Heute leicht verqualmt, auf der Piste äusserst gewalttätig und die Musik ohrenbetäubend laut. War dennoch spassig, liegt vermutlich an einem gewissen Fatalismus. Was tut man, wenn man zu einer rassigen Milonga auf der eigenen Spur am vorwärtsdüsen ist und im Augenwinkel sieht, wie einer von links aus der Mitte zur Aussenseite donnern will? Parallelen zum Strassenverkehr sind natürlich rein zufällig. Aber ich glaub, ich muss mein Krafttraining noch etwas intensivieren.

Dann wurde ich sogar noch von einer unbekannten Dame aufgefordert. Nach Murphy'scher Logik natürlich zu einem Elektrotango. Also Zeit schinden. Drei Minuten später durften wir dann gemeinsam ins Glück...äh...ins Kriegsgebiet tanzen. Erreichte glücklicherweise ohne ernsthafte Verletzungen meinen letzten Zug. Und grübelte auf der Nachtfahrt kichernd, ob man nicht alle Grundschritt-Tangolehrer dazu zwingen sollte, ein Jahr lang im Progr zu tanzen.

--

Kommentar von Two to Tango

Schön, das eigene Unbehagen mal aus der Aussenperspektive bestätigt zu erhalten. Sowohl das Berner Unvermögen zu Cabezeos als auch die "aus der Spur Tanzerei" finde ich auch eher mühsam. Letzteres wird sicher nicht dadurch gebessert, dass dies bereits in den Kursen ein Problem ist, das mit keiner Silbe geändert wird... Bin gespannt, wie es denn nun in Basel ist, werde mich heute Abend mal dorthin "wagen".

--

Antwort von Patrick

Naja, auch in Basel sind die Heiligen eher rar gesät. Aber fünf Bodychecks pro Tanz gibts höchstens an bestimmten Veranstaltungen des Ostertangos...

--

Kommentar von Ratatouille

Es ist offensichtlich, du warst nicht in Neuchâtel an der Petit Nouvel An-Milonga, sonst hättest du die Dienstagsmilonga vom Progr als vergnügliches gemeinsames Blumen pflücken dargestellt. Nein, der Progr ist einfach ein grosser Saal, wo die verschiedensten Leute hingehen. Das von dir angesprochene Problem dem Veranstalter und gleichzeitigen Lehrer in die Schuhe zu schieben, schiesst am Ziel vorbei. Ich weiss, dass gerade die am Progr tätigen Lehrer dem Thema, wie bewege ich mich in der Milonga, sehr viel Bedeutung beimessen.

Das wirkliche Problem ist die Art und Weise wie die Musik zusammengestellt wird. Ich habe bis heute nicht begriffen wie das funktioniert und von Logik kann keine Rede sein. Ein Beispiel: Ein wunderschöner Pugliese ertönt. Ich suche mir eine Tänzerin um diese Musik zu interpretieren. Nachdem wir beim zweiten Pugliese uns gefunden haben werden wir von einem grässlichen Elektrotango (Milonga) brutal aufs Parkett zurückgeholt. Ein zweites Beispiel: Hugo Diaz (ich liebe seine Musik) danach Melingo und dann irgend ein Elektrotango...... das ist frustrierend. Dann wieder über weite Strecken wunderschöne d'Arienzo, d'Agostino usw. Schade, dass sich die Veranstalter nicht für eine klare Tandastruktur mit Cortinas entschliessen können. Dies würden sich fast alle Progr-Besucher wünschen, denn es ist ein wunderbares Tangolokal. Mit einer klaren Tandastruktur würde auch die wilde Tanzerei in kanalisiert.

--

Kommentar von Joachim

Es ist ein Unterschied, was man im Unterricht proklamiert und was man dann auf der Piste vorlebt. Das geht nicht (nur) an das Lehrerpaar, das sich im progr viel Mühe gibt, eine schöne Milonga hinzubekommen. Sonst würde Patrick ja nicht immer wieder hin fahren ;) Mitunter kommt der Eindruck auf, das "Tanzrichtung! Tanzfluss! Innen- und Aussenbahn!" wird im Unterricht extra betont, damit für die eigenen Interpretationen dann niemand im Weg rumtrampelt? Sicher böswillige Unterstellung :)

Die Musikzusammenstellung kann für Chaos auf der Piste, hmm, verantwortlich sein, oder wenigstens Vorschub leisten. Aber: Es ist mitunter die Hälfte oder weniger der Herren Tänzer überhaupt am Zuhören beim tanzen (wenn ich mal so beliebig und nicht repräsentativ durch die Milongas schaue, ist das vielleicht eine optimistische Schätzung?)

Und selbst wenn der DJ einen Chaos-Schub hat: Der rempelt höchstens die Trommelfelle, schläfert die Leute ein oder macht zu viel Krach. Aber die Schläge und Rempeleien haben mit fehlender Rücksicht der Einzelnen zu tun, nicht primär mit schrecklicher Musik.

--

Kommentar von Namenlos

Ich bin nicht so oft im Progr, aber dieses Thema betrifft nicht nur den Progr, sondern fast jede und insbesondere grössere Milonga. Jeder DJ/DJane, wenn er oder sie aufmerksam ist, kann auf der Tanzfläche etwas bewirken. Es gibt 3 Sorten von Remplern: Derjenige, der es einfach noch nicht besser kann. Jeder hat einmal angefangen. Derjenige, der es nie lernen wird. Joggen im Wald ist auch schön. Und der rücksichtslose Egomane, der halt sein Ding dreht. Mit Kollateralschäden muss man halt rechnen.

Die Tangogemeinde ist ein Teil der Gesellschaft und es ist zu optimistisch zu glauben, dass ausgerechnet dieser Teil besser sein soll als der Rest. Eine nachvollziehbare Tandastruktur würde mir zum Voraus ermöglichen bei der Musik, bei der sicher gerempelt wird, sitzen zu bleiben. Wenn die Veranstalter den ganzen Abend Videos abspielen die die TänzerInnen ablenken hilft das auch nicht. Der Progr ist ein wunderschöner Tangosaal und ich wäre sicher öfters dort anzutreffen wenn mit Tandas und Cortinas aufgelegt würde und die Videos etwas weniger aufdringlich wären.

--

Kommentar von Two to Tango

Was die Videos betrifft, so wäre ich entsetzt, wenn mein Tanzpartner auf die Leinwand glotzen würde, anstatt sich in die Musik zu versenken. Die im progr immer vorhandene "sit and smile"-Ecke ist sicher für etwas Unterhaltung beim Warten dankbar. (Allerdings hindert allzuviel Videoschauen sicher auch daran, einen Tanzpartner zu finden...)

--

Kommentar von Joachim

Also der Vollmondtango in Basel ist für mich Beweis genug: Die Musik war 100 % nicht chaotisch, für meine Begriffe legte Dario fein und gefühlvoll auf (auch nicht zu laut ;) ), aber auf der Piste - uiuiuiui. Junge Junge. Fast keine Tanzlehrer - also kann ich auch denen keine Schuld geben. Tanzrichtung? Nach längerer Beobachtung war da was zu sehen. Tanzfluss? Eher selten. Hätte jeder der Tänzer ein Lämpchen auf dem Kopf gehabt und wäre der Abend per Langzeitbelichtung von einer Kamera an der Decke aufgenommen worden - Jackson Pollock in seiner eklektischeren Phase :/

"Wenigstens ist es kein Gehacke" meinte ein Tänzer. Ist natürlich auch ein Aspekt: Ausbleibende Blutflecken, alle Mullbinden noch im Rucksack und auch der Kühlbeutel ungebraucht, was will man schon mehr? Enjoy the little things : )

Archivlink

Die Frau und die Milonga

Freitag, 14. Januar 2011

Freitagsmilonga. Leichter Männerüberschuss. Ich glaub, die Frauen habens genossen. Obwohl ich es geschafft habe, durch eine Fehlmanipulation ein laufendes Lied abzuwürgen. Opensource ist eben auch nicht immer foolproof. Aber ich muss wirklich mal endlich den Versuch mit einem Apfel neben dem Netbook durchführen...

Dann kam zu später Stunde noch die Frau in mir zum Zuge. War spannend. Nur sollte ich dringend meine Ocho-Technik verbessern, da stolpere ich noch ziemlich unkoordiniert in der Gegend herum. Patrick, die Anfängerfrau. Wäre eigentlich fast schon ein eigenes Blog wert...

--

Kommentar von Melina Sedo

Was für ein Apfeltrick??? Ist mir ja auch schon passiert, insbesondere beim Tandas-Verschieben...

--

Antwort von Patrick

Ein Apfel neben einem Linux-Netbook überträgt die innovative(tm), grandiose(tm) und einzigartige(tm) Bedienungs- und Klangqualität der Apple-Produkte auf Rechner mit weniger glitzerndem Betriebssystem. Der Bit-Transfer komprimierter Musik wird besser, auch wenn die Festplatte nicht via Firewire angebunden ist. Das hilft indirekt der Raumakustik, entzerrt bei den Boxen, befriedet die Tanzfläche, unterstützt die Cabeceos wirksam und macht Männer führungsstark und Frauen glücklich. Manche Lästerer behaupten aber auch, das sei lediglich Hifi-Voodoo für Arme.

--

Kommentar von Joachim

Hilft nix, der Apfeltrick. Aus einem schrottbilligen Linux Netzbuch wird ums verrecken nichts Edles, Klangvollkommenes, Erhabenes und EinfachimiTunesStoreshoppendes IT Erlebnis. Da hat der billigste iPod noch mehr coolness-Faktor als so ein einfallsarm-schwarzes BaldElektroschrottGerümpel.

Iss den Apfel lieber, bevor er an den negativen Pinguin Schwingungen erkrankt und zu faulen beginnt. Pech - einerseits. Andrerseits gibt einem der Verzicht auf gescheite Technik natürlich jegliche Narrenfreiheit. "Was wottsch, isch halt Friggl-Musigg". Müsste man eigentlich beneiden.

--

Kommentar von Cassiel

Lieber Patrick, ich habe einige Schwierigkeiten mit dem Begriff "HiFi Vodoo". Das wird m.E. den Bestrebungen von Christian nicht gerecht. Es ist nämlich gerade nicht der HiFi-Wahnsinn aus Magazinen für den Consumer-Markt; vielmehr forscht und experimentiert Christian mit Studio-Technik (aus zweiter Hand). Darf ich Dir mal dringend empfehlen, nach Zürich zu fahren und zu hören? Und natürlich kann man mit iTunes eine Menge Unsinn anstellen. Richtig eingesetzt ist das Programm für höchste Ansprüche durchaus geeignet. Den Apfel kannst Du übrigens einem bedürftigen Blogger-Kollegen übersenden. ;-)

Und jetzt unter Blogger-Kollegen: Sicherlich muss man beim Bloggen ein dickes Fell und eine eigene Meinung haben. Für mich jedenfalls wäre es zu mühsam, mir alles aus den eigenen Fingern zu saugen. Deshalb suche ich mir für Gebiete, in denen ich keine Ahnung habe Mentoren. Und dann fange ich selbst an zu recherchieren. Das hat in der Vergangenheit erstaunlich viel gebracht. Schöne Grüße nach Basel

--

Antwort von Patrick

Vor nicht allzulanger Zeit durfte ich eine zweifelhafte Musikqualität in einer Milonga geniessen, bei der die Boxen zur Wand gedreht waren. Andere verstecken sie aus optischen Gründen hinterm Sofa. Bei Live-Musik sitzt der Mischer irgendwo auf einem Balkon und zieht die Regler einfach gnadenlos hoch. Oder es gibt ihn gar nicht erst. Manche Milonga-Räume haben völlig kahle Wände in rechteckiger Anordnung -- es hallt endlos. Viele DJs hören nicht mehr gut. Und müssten für das Stichwort "Soundcheck" ins Fremdwörterbuch gucken. Das sind reale Probleme in der realen Welt.

In der oben verlinkten Diskussion kommen dann aber andere Kaliber. Komprimierte Musik, Resampling, teure Kabel, Latenzen. Aber da möchte ich dann schon bitten, mal zu überlegen, wo die Realität aufhört und wo der Aberglaube beginnt.

Winzige Lautstärkeunterschiede werden als Qualitätsänderung wahrgenommen, nicht als lauter oder leiser. Das kann jeder nachprüfen, der seinen Player rasch und wiederholgenau zwischen zwei minim unterschiedlichen Lautstärken hin- und herschalten kann (moc kann das beispielsweise in der Mixerumschaltung). Dessen sollte man sich einfach mal bewusst sein, wenn man verschiedene Quellen vergleicht. Oder Kabel/Lautsprecher/Verstärker tauscht. Ausserdem passt sich das Gehör und die dahinterliegende Interpretation an. Wer konzentriert auf der Küchenquäcke die spannenden Nachrichten hört, der vergisst bei brauchbarer Verständlichkeit rasch den schlechten Klang. Dazu kommt noch die persönliche Stimmung, Müdigkeit und mehr oder minder hübsche Klänge.

Zum Resampling: Als Systemklänge noch cool waren, sollte Windows eben Musik und "DingDangDong" gleichzeitig wiedergeben können. Musik lag gerippt mit 44,1 kHz vor, anderes Zeug natürlich in einer anderen Abtastrate. Dummerweise kann man Signale mit unterschiedlicher Samplingrate nicht einfach addieren. Also via 48 kHz resampeln. Das hört man nicht, wenn es richtig gemacht wird. Abgesehen davon, dass es eh Leute gibt, die finden, dass 44,1 kHz viel zu wenig sind. Auch hier kann man Glaubenskriege entfachen, oder einfach selber ausprobieren, ob man die Unterschiede wirklich hört.

Mit und ohne Resampling oder Mixereinsatz haben die Leute tatsächlich schon andere Bitströme gemessen, je nach dem, welches Programm die Musik über welche Treiber ausgegeben hat. Diagnose: Schrottig programmierte Treiber. Das sollte sich inzwischen selbst bei Windows erledigt haben, auch wenn ich da zugegebenermassen nicht mehr auf dem aktuellen Stand bin.

MP3 oder Ogg-Vorbis sind verlustbehaftete Formate und eignen sich daher sicher nicht zur Nachbearbeitung und Restaurierung. Die Kodierung hat sich aber in den letzten Jahren gewaltig verbessert, und sauber komprimierte Musik ist vom Original mit den Ohren nicht zu unterscheiden. Schrott gibt es selbstverständlich überall, aber totgemasterte CDs kennen wir ja auch zur Genüge. Da inzwischen aber grosse Festplatten bezahlbar geworden sind, muss man daraus tatsächlich keinen Glaubenskrieg mehr machen: Mit flac oder einem ähnlichen verlustfreien Codec dürfte jeder glücklich werden.

Digital-Analogwandler: Die werden inzwischen in unzählbaren Computern und MP3-Playern verbaut. Die Stückzahlen sind im Vergleich zum Hifi-Bereich gigantisch. Das erklärt einige Preisdifferenzen bei gleicher Qualität. Latenzen können ein Thema sein, wenn man mit normaler Hardware aufnehmen will. Bei Wiedergabe von Musik ist das Thema seit Jahren gegessen.

Dass Christian sich um guten Sound kümmert finde ich gut. Seine Anlage klingt zweifellos beeindruckend (yes, i will try). Die Frage ist einfach, wie gross der klangliche Unterschied zu Anlagen sind, die man sich gebraucht für 500 Euro anschaffen kann. Die Lautsprecherauswahl ist wichtig, ja. Aber bei klanglich schwierigen Räumen mutet es einfach absurd an, wenn von Resampling oder Komprimierung als Problem gesprochen wird.

Wenn jemand in Thusis in den Rhein pinkelt, dann kann man darüber diskutieren, ob sich das gehört. Aber wenn die Wasserqualität in Köln miserabel ist, dann sollte man sich vielleicht wirklich erst um andere Dinge kümmern. Insofern bin ich mal gespannt, ob Du noch schreibst, was denn das vorher für "Trötlautsprecher" bei Dir waren :-)

Archivlink

Die Männer und die Fusswaschung

Freitag, 28. Januar 2011

Ausflug nach Berlin, heute Abend ins Nou Tango in Berlin Mitte. Erschrecke vor dem Eingang, als mich ein Schaukasten auf "Schlager und Oldies" vorbereitet. Ist glücklicherweise ein anderes Etablissement im selben Innenhof, im anderen Eingang erklingen schon beim Aufstieg vertraute Tangoklänge.

Männerüberschuss. Plus Paarmilonga. Ja, in Berlin. Immerhin fragt mich nach wenigen Minuten eine Frau, ob ich Rudolf sei. Gute Masche, wir landen auf der Tanzfläche. "Du weisst nur, dass er jung und hübsch ist?", frage ich beiläufig. "Nein, keine Ahnung. Er könnte auch alt und hässlich sein", antwortet sie grinsend. Gemein. Aber dennoch eine schöne Vals-Tanda.

Leider die letzte, denn die ganzen Cabeceos schwirren heute Abend irgendwie immer an mir vorbei. Immerhin, im ICE bin ich länger gesessen. Aber das paradiesische Festival-Berlin wiederholt sich an diesem Freitag nicht. Nach Mitternacht erinnert der Veranstalter kurz an die Tanzregeln und lädt dann zum gemeinsamen Fusswaschen in einer kleinen Badewanne. Da meine Füsse aber heute noch beinahe jungfräulich sind, verzichte ich dankend...

Archivlink

Toilettenprobleme im Loft

Samstag, 29. Januar 2011

Weit durch eine düstere Einfahrt, noch weiter durch einen noch düsteren Hinterhof und dann hinauf durch ein abbruchreifes Treppenhaus: So kommt man in Berlin ins Tangoloft. Vermutlich gibt es in der ganzen Welt keine Milonga, deren Kontrast zwischen Eingangsbereich und Innenstimmung derart hoch ist. Sofas, schöner Holzboden, Blumen, viele kleine Leuchten und sogar ein Ofen -- perfekt zum Aufwärmen.

Nach 30 Sekunden gehts allerdings schon auf die Piste, heute ist wohl mein Cabeceotag. Wieviel mal ich dazu noch explizit aufgefordert worden bin, weiss ich nicht mehr, irgendwann habe ich mit zählen aufgehört. Schöne, wilde Tänze -- sozusagen Kontrastprogramm zum Freitag.

Einige Zwangspausen gibt es dennoch, aber das liegt an der Musik. Zweimal bin ich zu Vertröstungskörben gezwungen. Die Tandareihenfolge lässt sich am ehestens mit "Milonga-Tango-Nontango-Milonga-Tango-Elektro" beschreiben. Gelegentlich vielleicht noch ein Vals. Das ist wirklich hart. Aber die Mehrheit der Besucher scheint es zu geniessen.

Dann erklärt mir irgendwann nach Mitternacht noch eine Frau, dass ich die ganze Zeit die Damentoilette benutzt habe. Diese ist nämlich nicht entsprechend angeschrieben, und die Herrentoilette ist reichlich versteckt. Anstelle von Papiertüchern gibt es Servietten. Ach ja, und Katzenallergiker sollten sich vom Tangoloft fernhalten: Auf der Damentoilette logiert eine rote Katze. Und freie Sitzplätze um die Tanzfläche werden gelegentlich von einer schwarzen Katze belegt. Als ich reinkam, kreuzte sie mich von rechts. Bringt offenbar Glück. Letzter Tanz kurz nach drei Uhr...

--

Kommentar von Ratatouille

Wo liegt für dich der Unterschied zwischen wilden Tänzen und Rempeleien? Ist das Tangoloft nicht DER "Freestyler Schuppen" von Berlin oder hat sich das in letzter Zeit geändert? Liegt der Unterschied darin, dass du mit jedem Cabeceo eine tolle Frau auf der Tanzfläche hattest?

Manchmal hat man halt richtig Lust zu lästern was das Zeug hält und ein andermal nimmt man diese Kleinigkeiten nicht einmal zur Kenntnis, ich kenne das.

--

Antwort von Patrick

Die Platzverhältnisse waren extrem luxuriös, meine interne Kollisionsüberwachung daher ziemlich unterfordert. Freestyle? Wäre mir jetzt nicht mehr als anderswo aufgefallen. Aber ein unterirdischer Musikmix, ja, auf jeden Fall.

--

Kommentar von Tangosohle

Da ich dich ja wohl nur hier erreichen kann, petz ich mal weiter: Da hat jemand was Nettes über dich geschrieben.

Archivlink

Nontangos statt Noncabeceos

Sonntag, 30. Januar 2011

Wie lässt man in Berlin den Sonntagabend ausklingen? Tangotanzenmachtschön gefiel mir als Begriff irgendwie, so machte ich mich auf den Weg nach Kreuzberg. Schöner Boden, aber leider eine Paarpractica mit gewaltigem Männerüberschuss. Und tiefen Sitzmöbeln. Ich hasse tiefe Sitzmöbel. Also ein bisschen herumgestanden, umhergeschlendert -- chancenlos. Die Cabeceos verfehlen mich um Lichtjahre. Was tut man an einem angebrochenen Abend, wenn man wirklich noch tanzen möchte? Zeitlich kam nur noch das Loft in Frage, also wieder zurück Richtung Norden.

Boah. Full House. Roberto Navarro spielt live am Klavier. Dazwischen legt der DJ auf. Mit Schwerpunkt auf Elektro und Nontangos, um es mal zurückhaltend zu formulieren. Inzwischen hat sich die rote Katze auf seiner CD-Kiste niedergelassen und lässt sich nicht vertreiben. Das erklärt dann wohl die Auswahl. Heute habe ich zum ersten Mal in meinem Leben den Begriff "Katzenmusik" verstanden.

Man muss sich heute schon durch das Dickicht wühlen, aber es ergeben sich wieder wunderschöne Tänze. Nur ist die Piste gerammelt voll, wild, brutal und chaotisch. Navarro ist der Maestro auf dem Klavier, und bekanntlich können nur Maestros wirklich improvisieren. Die tanzbareren Stücke ähnelten "Adios nonino", über weite Strecken fühlte ich mich allerdings eher an das Köln-Konzert von Keith Jarret erinnert. Kurzum: Äusserst spannend, aber auch ziemlich schwierig. Aber man muss die seltenen Momente eben geniessen, in denen im Tangoloft tatsächlich Tango gespielt wird.

Ich bin ausserdem lernfähig und habe heute auf Anhieb die Männertoilette gefunden. Servietten sind ausgegangen, heute haben wir uns Hände, Mund und Kopf mit Klopapier abgetrocknet. Und die Katze vom Klo vertrieben, weil ich gewisse Örtchen ja doch ganz gerne für mich alleine habe. Wo sonst soll man sich verstecken, wenn ein hässlicher Elektrotango läuft? Nebst einigen Cumbias läuft tatsächlich noch ein Salsa, und ich schaffe es sogar, mir zielsicher eine Salsera zu schnappen und sie auf die Tanzfläche zu zerren.

Feine Tänze in der Nacht, irgendwann gegen zwei Uhr sinke ich müde und glücklich auf ein Sofa. Und stelle auf dem Nachhauseweg fest, dass Sonntagnachts keine S-Bahnen fahren. Aber mein wahres Problem liegt woanders: Ich weiss noch immer nicht, ob Tango tanzen schön macht.

--

Kommentar von Joachim

Du - noch schöner? das brennt den Tangueras beim Cabeceoversuch die Netzhaut weg. Lass mal gut sein - man muss nicht überall auf maximale Ästhetik gehen.

--

Kommentar von La Perla

.. genau an dem Sonntag hat es mich auch in die Hauptstadt verschlagen. Allerdings (leider) nur ins Loft, das ich vom Ambiente wirklich sehr schön finde. Ich war allerdings am frühen Abend da - ein lange Tanznacht hat sich leider nicht ergeben - wir sind geflüchtet - vor der untanzbaren Livemusik! SCHADE!!!!

Und irgendwie hab ich mir schon gedacht, dass es an dem Sonntag bei Tangotanzenmachtschön interessanter gewesen wäre - von wegen Männerüberschusss, etc.... ;.))))

--

Antwort von Patrick

Ja, Roberto Navarro und die Veranstalter hätten den Abend wohl besser in einen konzertanten Teil und eine Milonga aufgeteilt. Eine Tänzerin sagte mir, sie sei eine Woche zuvor am Sonntag im Loft gewesen und Roberto habe damals deutlich populärere und vor allem tanzbarere Stücke gespielt. Ich persönlich habe allerdings schon Livemusik gehört, die deutlich schwieriger zu tanzen war.

In Kreuzberg kam noch dazu, dass von den geschätzt 20 Paaren nur ein einziges in der geschlossenen Umarmung tanzte. Ob Du da glücklicher geworden wärst?

Archivlink

Glück in der Brotfabrik

Freitag, 4. Februar 2011

Ausflug nach Frankfurt in die Brotfabrik. Die Milonga hat heute offenbar ihr fünfjähriges Jubiläum. Mit viel gutem Zureden kann ich den Mann am Tresen dazu überreden, mir statt des Begrüssungssektes einfach ein wenig Leitungswasser in das Glas zu kippen. Schliesslich will ich ja noch tanzen.

Es singen Jule Richter und Mario Pinnola zur Konservenmusik und sinnieren über Weisheiten im Tango. "Das Leben ist wie ein Kartenspiel". Ist es das? Ich komme nicht zum Nachdenken -- denn möglicherweise habe ich Pech im Spiel, heute aber Glück im Tango. Es gibt gelangweilte und neugierige Tangueras. Heute habe ich lediglich Exemplare der zweiten Sorte entdeckt. Erstaunlich, wie das je nach Abend und Ort völlig anders ist...

Nach einer gefühlten Stunde Tanz tun mir die Füsse weh, und ein Blick auf die Uhr zeigt bereits kurz nach halb drei. Kurzum: Traumhaft. Noch traumhafter wäre es gewesen, wenn die Frankfurter Tänzer schon mal etwas vom Konzept des Tanzflusses und der Tanzspuren gehört hätten. Ich hab so sorgfältig wie schon lange nicht mehr getanzt, dennoch gabs dauernd Bodychecks.

Die Location? Schwarzer Saal mit schwarzen Vorhängen, schöner Musikmix (eine Nontango-Tanda kann man ja verkraften). Akustisch angenehmer Raum, aber die Anlage klang leider gar nicht sauber. Wirklich schlimm war dann allerdings das Gegröhle der Besoffenen im Nachtbus. Noch schlimmer als die Tanguera, die meinte, mein Dialekt klinge österreichisch...

--

Kommentar von expectaunam

Hihi, genau das ist das Problem der Brotfabrik-Milonga. Eine schöne Location aber die Tanzfläche ein Trainingslager für Martial-Arts.

Archivlink

Schwebetango im Ada

Samstag, 5. Februar 2011

Endlich mal mit der Wuppertaler Schwebebahn fahren. Es rumpelt wie in einer U-Bahn, kombiniert mit der Aussicht auf den Fluss und die Industriegebiete stimmt das schön auf den Tango ein. Spurgeführt.

Abends ins Café Ada (wäre enorm zeitsparend, wenn die Wiesenstrasse noch ein Strassenschild kriegen würde). Vor der Eingangstüre ein kleiner Schreck: Bühne und volle Tische in Sicht, aber niemand tanzt. Ah, erster Stock. Tatsächlich, Tangoklänge und Tanzpaare. Ein relativ kahler Raum, die Bestuhlung ist denkbar cabeceo-unfreundlich. Ich sammle mich erstmal auf einem Barhocker, beobachte die Tanzfläche und werde nach einem Lied bereits aufgefordert.

Viele Tänze, schöne Tänze, und die Platzverhältnisse sind auch ziemlich luxuriös. Einzig eine Frau kann mit meiner Musikinterpretation nicht sonderlich viel anfangen. "Du tanzt gegen den Takt", meint sie nach dem ersten Stück. Gebe mir beim zweiten Stück fest Mühe, nur die deutlich betonten Taktschläge zu tanzen. "Du tust es immer noch, das irritiert sehr", kommentiert sie danach mit ernster Miene. Ich weiss, wie schwer ich mich selbst damit tue, bei einer Milonga als Folgender der Rhythmusinterpretation der Führenden zu folgen. Also versuche ich zu erklären, dass dies halt schon eine sehr individuelle Sache sei und manche Folgende deshalb zu bestimmten Orchestern auch bestimmte Tänzer bevorzugen. "Das ist was Anderes", kommentiert sie kurz und knapp. Versuche beim dritten Tanz eisern, keine Achtelnoten zu tanzen -- gar nicht so simpel. Lasse mich von der Cortina erlösen, bedanke mich freundlich und weiss jetzt, wie es Frauen geht, die an einen Lehrer geraten.

Ansonsten viel Neugier wie auch gestern in Frankfurt. "Dich hab ich hier ja noch nie gesehen, woher kommst Du?". Wieviele Fremdlinge haben den Satz schon im Tanzpalast oder im Silbando gehört?

Archivlink

Zu kurz, zu schnell, zu müde

Sonntag, 6. Februar 2011

Wer gelegentlich mit der Deutschen Bahn fährt, weiss, dass die Mitarbeiter Zwangs-Plaudertaschen sind. Vor jeder Milchkanne werden die kompletten Anschlüsse heruntergebetet. Jetzt nicht mehr, es weht ein neuer Konzernwind: In der Kürze liegt die Würze. Das ist ziemlich wohltuend. Und manchmal sogar originell. Als wir heute auf der Hohenzollernbrücke die übliche Bahnminute auf die Einfahrt warteten, griff der Zugchef gutgelaunt zum Mikrofon. "Meine sehr verehrten Damen und Herren. Links ein Gleis, rechts ein Gleis, wir sind also noch nicht in Köln Hauptbahnhof! Geniessen Sie doch noch einen Moment lang den Ausblick auf den Rhein". Gelächter im Zug. Links eine Spur, rechts eine Spur...hat natürlich nichts mit dem Tango zu tun. Sorry.

Die Rückkehr reicht zeitlich gerade so zur Claracita, wobei ich die erste Stunde sitzend verbringe. Kulturschock vermutlich. Dann ergeben sich aber schöne Tänze, nur spüre ich so langsam den Schlafmangel vom Wochenende -- ich bin teilweise definitiv nicht mehr richtig in der Musik. Und eine Candombe ist mir irgendwie zu schnell. Zeit für die Heia.

Archivlink

Schritte, Wechsel und Takte.

Mittwoch, 9. Februar 2011

Der arme Tango muss für alles herhalten. Sogar für Anlagefonds der Post. "Schritt für Schritt zum Anlageexperten", wird geworben, dazu ein Tangolehrling mit weissem Hemd, grauem Überzieher und beigen Hosen. Und die Frau hat in der Privatstunde natürlich ein rotes Kleid mit hohem Schnitt an. Ein herrischer Blick. Seine Haltung könnte aus einer Werbung für Cortisonsalbe stammen, und ihr Hohlkreuz ist auch nicht viel besser. Schön, dass die Post ihre Kernkompetenzen ausspielt. Die Drückerkolonne der Cablecom wirbt vermutlich demnächst mit Tantra. Schöne Aussichten.

Dann erreichte mich die Kunde aus den Bergen, wo in Tangowochen tatsächlich zum Partnerwechsel animiert wird. In Bergün war das noch tabu, in Engelberg scheint Unmögliches plötzlich möglich. Wir blicken hoffnungsvoll in die Zukunft.

Aller guten Dinge sind drei: Gestern hat das Basler Parlament beschlossen, dass am Freitag- und Samstagabend Busse und Trams bis Betriebsschluss im Zehnminutentakt verkehren. Umgesetzt wird das auf den Fahrplanwechsel im kommenden Dezember, dann fällt auch der Zuschlag im Nachtnetz. Praktische Sache für Milongabesucher. Jetzt hoffe ich nur noch, dass der um 2.20 Uhr im Badischen Bahnhof verendende Regionalexpress künftig irgendwie abgenommen wird...

--

Kommentar von Mikamou

... jetzt stimmst du schon wieder die [tango-de] Leier an ... "der arme Tango wird für alles missbraucht".

--

Vermutlich ist es eine persönliche Kampagne gegen mich. Die(tm) wissen ja, dass ich beige Hosen nicht ausstehen kann. Ansonsten: Die Worte "Anlagefonds" und "Anlageexperte" haben miteinander etwa ähnlich viel zu tun wie "Tango" und "Post". Da sind die ganzen Dekadence-Nackttango-Verstalter ja vergleichsweise Sonntagsschüler. Und tragen auch keine beigen Hosen. Glaub ich.

--

Kommentar von Joachim

Hm. Die Botschaft ist doch aber "wenn Du als Schweizer mit so einem "Überzieher" ((c) Tangoblogger) Tango lernen willst, brauchst Du echt jede Menge Schotter, damit Dich ausser den üblichen rotangezogenen Einzelunterrichterinnen auch eine schwarze Taxi-Tänzerin eines (anlagevermögengeschulten) Blickes würdigt."

Was ist daran denn falsch oder missverständlich? *treuherzigguck* Das ist doch ein Bild aus dem Schweizer Tangoleben. Aseptisch, adrett, anspruchsvolle Haltungsübung - "ich tue jetzt mal so, wie ich mir das Geschlenkere vorstelle". Gute Werbung :)

--

Kommentar von Agrippina

Apropos Bild aus dem Schweizer Tangoleben: die Lady in Red erinnert mit stark an Mirjam und das Black Vampir im Hintergrund könnte glatt als aufgehübschten Cécile durchgehen. Nur der junge Tanzgott im "grauen Überzieher" scheint keine lokale Tangogrösse zu sein.

--

Kommentar von Joachim

Ich hab den Film hier in der Post als Werbefilm am Point of stamp sales gesehen. Gewagt, gewagt. Sogar auf den Schuh darf er ihr treten. Also doch viel mehr Körperkontakt als gemutmasst. Pooaaah!

Archivlink

Sand im Getriebe

Freitag, 11. Februar 2011

Freitagsmilonga. Viel Volk plus Geschlechterparität gepaart mit Wechselfreude. So macht das Spass. Leider habe ich nur zwei Tandas getanzt, aber irgendwer muss sich ja schliesslich um die Musik und die Getränke kümmern. Und weil in der Schule am Tag zuvor offenbar Beachvolleyball gespielt worden war, griff ich heute zum Staubsauger. Und während der Milonga dann noch zum Besen. Gar nicht so einfach, eine Tanzfläche zu säubern, ohne die Tanzpaare zu behindern. Werde für nächstes Mal als Cortina wohl "Deine Spuren im Sand" vorbereiten...

Archivlink

Kreuzprobleme in den Wagenhallen

Freitag, 18. Februar 2011

Stuttgart, Ocho. Ein grosser Komplex inmitten einer gigantischen Baugrube. Das äussere Umfeld scheint mir für Mafiamorde ziemlich geeignet -- viele Parkplätze, einige Sichtschutzhügelchen und kaum Licht. Immerhin zeigt eine rote "Tango"-Leuchtschrift den Weg ins Ocho. Drinnen eine Mischung aus Scheinwerfern, Leuchtern, Leuchtschildern, Lampen mit Pömpeln, Wohnzimmerlampen und Lampions. Ja, rote Lampions. Wenn das die SVP wüsste.

Traditionelle Milonga mit Tandas und Cortinas? Hm, ja, stimmt, es werden Cortinas gespielt. Eine Runde Otros Aires bin ich ja gewohnt, aber "Fever", James Bond-Titelmelodien und Blues? Dazu eine Paarpractica, ich tanze nicht viel. Immerhin, eine Frau fordert mich Fremdling auf. Dennoch laufen die Cabeceos heute harzig.

Bei einer Frau schaffe ich es, dass sie zweimal ihren Fuss unter meinen schiebt, wie sie es lachend ausdrückt. Ich verspreche ihr, sie hinterher zum Arzt zu bringen. "Ihr Schweizer denkt immer ans Verarzten, nur weil ihr ein rotes Kreuz im Wappen habt", sagte sie. Äh, ja. Nächstes Mal gehe ich dort in einem T-Shirt mit Schweizerkreuz tanzen...

Archivlink

Kein Salsa in der Villa

Samstag, 19. Februar 2011

Wiesbaden, Tanzvilla. Eigentlich fest im Griff einer Tanzschule, doch heute dient sie als Milonga. Grosszügig, gestukkt(tm), elegant, ja fast schon luxuriös. Ich hab bislang noch nie in einer Villa getanzt. Einziger Stilbruch: Auf einem Schrank steht ein Flachbildschirm mit loderndem Kaminfeuer.

Ziemlich volle Tanzfläche, hohes Tanzniveau, extrem langsamer Tanzfluss. Viele Paare, viele Wechsel, wilde Sitzordnung, viele Cabeceos. Schöner Musikmix, wenn auch teilweise ohrenbetäubend laut. Toiletten im Untergeschoss, dorthin weist auch ein Schild mit der Aufschrift "Salsa". Leider ein Etikettenschwindel, drei Paare tanzen dort einen langsamen Walzer.

Oben dafür viele schöne Tänze. Lediglich eine Frau schafft es irgendwie, meinen linken Arm so zu drücken, dass er hinterher fast abfällt. Ich brauch dringend mehr Krafttraining. Poema und Cumparsita kurz nach zwei Uhr, ich spüre, dass ich wirklich müde bin. Trotz fehlenden Remplern ist das Tanzen auf enger Piste irgendwie anstrengend...

--

Kommentar von Tangonegro

Jetzt bist Du wohl endgültig von der Basler Tangoszene abgedriftet. Wiesbaden, Stuttgart , Berlin... etc gibt es nichts mehr spannendes von Basel zu berichten ? Stell mir das ziemlich langweilig vor..

--

Antwort von Patrick

Naja, die exotischen Wiesen sind halt immer grüner. Aber die nächsten Wochen werde ich wohl Deutschland eher meiden, um nicht in eine Karnevalsmilonga zu geraten. Dafür habe ich eben erst erfahren, dass in Luxemburg wie hier ebenfalls drei Küsschen üblich sind. Ich glaub, da muss ich auch mal hin.

--

Kommentar von Florian

In Holland ja auch...

Archivlink

Kämpfe in Koblenz

Sonntag, 20. Februar 2011

Koblenz, Palais. Tatsächlich ein Prachtsbau, in dem wohl auch berauschende Bälle durchgeführt werden. Unten ist allerdings heute normal gestuhlt, die Milonga findet auf der nicht minder eleganten Empore statt. Hochglanz scheint hier wichtig, der handtuchförmige Boden ist rutschig wie eine Eisbahn. Daher öfters mal ein paar Extraschrittchen in der Ecke, wo sich die Kreide befindet.

Wie alle KuchenundKaffee-Nachmittagsmilongas ist auch hier die Bestuhlung leider denkbar cabeceo-unfriendly, aber die Tanzlust siegt glücklicherweise meistens dennoch über die räumlichen Hindernisse. Volle Piste, drei oder vier Extremrempler, daher arg anstrengend. Dennoch schöne Tänze, und ein schönes Kompliment nach einer rassigen Milonga. Nur der versprochene Salsa kam leider nicht. Irgendeine Macht scheint mich vom Salsa abhalten zu wollen...

Archivlink

Chancenlos in Stuttgart

Samstag, 26. Februar 2011

Stuttgart, Tangoloft. Deutlich moderner und kleiner als der Berliner Namensvetter, irgendwie auch deutlich kühler. Aktuelles Orchester, Album und Lied werden per Beamer an die Wand geworfen. Nicht neidisch werden, Christian, die Angabe des Sängers fehlt hier noch. Und die Info zur nächsten Tanda gibt es erst am Ende der Cortina. Auch wenn mir das vermutlich niemand glaubt: Ich stehe keine 30 Sekunden am Rande der Tanzfläche und werde bereits angesprochen. "Bist Du Roland?", lautet diesmal die Frage. Bin ich nicht, wir tanzen dennoch.

Danach gucke ich allerdings rund eineinhalb Stunden Löcher in die Gegend. Leichter Männerüberschuss. Und viele Frauen, die offenkundig einzig zum Plaudern und Rotweintrinken gekommen sind. Irgendwann erbarmt sich noch eine Münchnerin, das waren zwei wirklich schöne Tandas (vom Chaos auf der Piste mal abgesehen). Danach ist leider tatsächlich die Luft draussen, und irgendwann in der Nacht packe ich wieder meine Schuhe ein. Stuttgart scheint nicht so ganz mein Pflaster zu sein...

--

Kommentar von Hartmut

Hallo Patrick, so wie Du durch die Welt tingelst und alle Milongas abklapperst (Tour d'Allemagne), kannst Du ja bald eine Rubrik "Der Milonga-Check" oder "Guide Patrick" (mit Sternvergabe) aufmachen und eine gesammelte Punkteliste herausgeben ;)

Wäre vermutlich auch eine tolle Sache, für alle, die mal in einer der Städte zu Besuch sind. Mach weiter so - es ist immer wieder ein Genuss deine Eindrücke zu lesen.

--

Kommentar von Tangosohle

Jaja, das Loft in S ist so ein Ort, an dem man (als Fremder) die Demut im Tango kennengelernen kann. Es gibt noch ein Tangoloft in München, in Berlin,...

Archivlink

Puderprobleme und Softwarefragen

Freitag, 4. März 2011

Freitagsmilonga. Huch, deutlich zuwenig Männer. Dafür viel Schokolade. Und ein Boden, der diesmal weder zu klebrig noch zu rutschig ist. Das präventiv angelieferte Babypuder diente daher lediglich Testzwecken. Nachdem ich gefühlte fünf Tandas gebraucht hatte, um den Deckel zu öffnen. Manche Kindersicherung ist selbst für gewisse Erwachsene zu sicher. Oder zu leicht.

Und dann habe ich mal wieder für einen peinlichen Musikunterbruch gesorgt. Zwar sind bei den Linux-Distributionen rund ein Dutzend verschiedenster Player dabei, aber mein persönliches Sahnehäubchen ist leider noch nicht dabei. Ich träume von einer Abspielsoftware, die jeweils auch schnell, sicher und komfortabel das Editieren der Playlist während des Abspielens zulässt. Mit "sicher" meine ich, dass auch ein versehentlicher Doppelklick oder ein Enter auf eine Audiodatei nicht zum Abbruch der laufenden Musik führt. Sozusagen eine Kindersicherung. Wie damals, als die CD-Player das "eject" ignorierten, wenn die CD nicht zuvor gestoppt worden war...

--

Kommentar von TwoToTango

Ich fand schade, dass unter den relativ wenigen Besuchern wenig Interaktion stattfand, denn drei Paare tanzten nur unter sich. Gut, dafür mag es viele Gründe geben, es ist halt schade, wenn die Auswahl an Tanzpartnern dadurch extrem reduziert wird. Bizarr fand ich auch die zwei Damen, die - aus welchen Gründen auch immer - die Tanzschuhe gar nicht erst anlegten und nach "Besichtigung" wieder verschwanden. Ich hoffe also auf bessere Zeiten.

--

Kommentar von Pipistrello

Hey, ich glaube die zwei Damen waren eine die zweimal gekommen ist und wieder ging wegen Männermangel. Die Musik, btw, dürfte auch ein wenig mehr tanzbar sein!

--

Kommentar von TwoToTango

Ähm, Pipistrello, die Damen waren definitiv 2, sie sassen nämlich gleichzeitig im Raum. Bzgl. "Männermangel" kann ich nur sagen, dass auch manche Frauen führen können, aber wenn die Damen das nicht mal in Betracht ziehen, kann ich wirklich nicht helfen.

--

Kommentar von Pipistrello

Twototango,ich muss Dir recht geben mit den 2 Damen, das andere Thema ist wohl eher komplexer!

Archivlink

Milongafreuden in Karlsruhe

Samstag, 5. März 2011

Karlsruhe, Zieglersaal. Hinten in einem griechischen Restaurant, kleine Bühne, hübsche Säulen, schreckliche Sitzordnung an 6er-Tischen rund um die Tanzfläche. Noch dazu scheinen praktisch alle Paar- oder gruppenweise hier zu sein. Viel Volk. Ich schnappe mir einen hohen Hocker an der Bar und gucke ein wenig zu.

Immerhin, irgendwann gelingen mir astronomisch bedeutsame Ferncabeceos, und die Tänze sind schön. Allerdings scheint sich meine Hüftarbeit verändert zu haben. Früher wurde ich oft gefragt, ob ich Salsa tanze. "Du tanzt sicher gerne Milonga", lautet heute die Diagnose.

Tatsächlich erinnert mich das daran, dass es eigentlich mein Lieblingstanz ist, und es gibt heute eine besonders furiose Runde. Fantastische Stimmung. Trotz Männerüberschuss, nur so am Rande erwähnt. Dafür bin ich bei der Tombola dann leer ausgegangen. Und Pugliese gab es auch nicht. Man kann eben nicht alles haben...

Archivlink

Eine Ode ans Folgen

Sonntag, 6. März 2011

Noch auf eine Runde ins Claracita. Über längere Zeit habe ich heute Gelegenheit zum Folgen, unter anderem eine volle Tanda eines relativ zackigen Valses. Ich habe den Frauenpart bislang immer als anspruchsvoll empfunden, weiss aber, dass manche Leserin hier schon den Eindruck gewonnen hat, ich würde das Folgen eher als "Easy Wellness" einstufen.

Wie auch immer: Es ist nicht ganz so easy, und es ist keineswegs trivial. Entspannung? Eigentlich schon. Ich muss mir keine Gedanken mehr um die Navigation machen, um das Paar neben, hinter oder vor mir, nicht mehr in der Musik vorausdenken und die Bewegungen vorausplanen. Das ist in der Tat extrem entspannend.

Gleichzeitig muss ich von einem anderen Körper die Bewegungsimpulse spüren und darauf reagieren, völlig in meiner Achse stehen und mein Gegenüber auch spüren lassen, wo mein Gewicht ist. Mitdüsen ohne zu ziehen, mit Widerstand reagieren ohne zu bremsen, flinkeleicht huschen und dennoch den Kontakt zum Boden nie verlieren. In der Musik bleiben, aber der Versuchung widerstehen, die eigene Interpretation durchzuziehen. Und rasch merken, ob man wirklich aus der Achse gehoben werden soll oder nur grad beide die Balance verloren haben. Kurzum: Folgen ist verdammt anspruchsvoll. Dies sei hiermit offiziell kundgetan.

Bereits am Freitag hatte ich eher kurz den Genuss als Folgender zu tanzen, und wie heute fiel mir auf, dass ich mit Vorwärtsochos meine grosse Mühe habe. Bewegungsrichtung, Timing, Geschwindigkeit, Balance, einfach alles. Allerdings ist das auch beim Führen zumindest in der geschlossenen Umarmung nicht gerade meine grosse Stärke. Ach ja, und wirklich neugierig werde ich, wenn ich als Folgender Zeugs tanze, das ich als Führender gar nicht kenne. So schliesst sich der Kreis wohl noch lange nicht...

--

Kommentar von KlausPP

Hallo, kurze Frage zu Deiner Folgerei. Wem folgst Du da eigentlich. Damen, die die Gegenrolle ausprobieren oder die üblichen führenden Jungs?

--

Antwort von Patrick

Bislang waren es geduldige Frauen...

Archivlink

Lärm in der Aue

Freitag, 11. März 2011

Mainz, Maarauen. Eigentlich Wiesbaden. Oder besser gesagt: Mainz-Kastel. Also Hessen. Ja, komplizierte Sache. Ein Restaurant mit wunderschönem Ausblick auf das nächtliche Mainz. Allerdings ohne stilles Mineralwasser. "Still" ist hier eh schwierig. Ohrenbetäubender Krach aus den Lautsprechern. "Wir machen immer so laut", meint die Veranstalterin schulterzuckend. Jepp, glaube ich sofort. Als Kurzsichtiger trage ich eine Brille, und den 70plus-Tänzern sei hiermit ein Hörgerät empfohlen. Dafür muss man sich heute nicht mehr schämen. Und auch die noch halbwegs gut Hörenden auch nicht foltern.

Ansonsten keine Chance auf Cabeceos. Einerseits die typische Restaurantbestuhlung, die mir eh nicht so liegt, andererseits auch eine gefühlte Paar- und Gruppenmilonga. Eine Frau strahlt mich an und gibt mir dann einen Korb. Um mich herum beobachte ich danach zwei Männer, die sich auch überall Körbe holen. Irgendwie nicht mein Abend. Immerhin ein berauschender Fussweg durch die Stille und dann zurück über die Brücke nach Mainz.

Archivlink

Cafetin im Marmorsaal

Samstag, 12. März 2011

Bad Ems, Marmorsaal. Irgendwie ein Bad, irgendwie auch eine Spielhölle, dazwischen glücklicherweise perfektes Parkett. Leider Ballatmoshäre mit Wertungsrichter-Bestuhlung, dahinter runde Festtische. Musik handelsüblich, Lautstärke sehr angenehm, der Höhepunkt allerdings war die Livekapelle: Das Cuarteto del Cafetin kriegt Geige, Kontrabass, Bandoneon und Flügel sauber abgemischt durch den Verstärker und macht das Tanzen zur Freude. Selbst wilde Melodiespielereien von Bandoneon und Geige während einer rassigen Milonga sind problemlos tanzbar. Dazu noch eine schöne Tandalogik und die anspruchsvolleren Stücke eher am Ende. Der Applaus war entsprechend, leider bot die Truppe dann "Dienst nach Vorschrift" und liess sich lediglich noch zu einer Cumparsita hinreissen.

Ansonsten zeigte die Sitzordnung ihre Wirkung: Genau ein Cabeceo mit einer unbekannten Tänzerin gelang. Ich weiss ja inzwischen, dass Veranstalter halt gerne ihre Freunde um sich scharen und entsprechend die Grüppchen auf die Tischchen verteilen, aber vielleicht stellt sich jemand auch mal die Frage, ob er wirklich eine Milonga veranstalten oder nur den Wiener Opernball imitieren will.

Archivlink

Zickenkrieg in Buenos Aires

Mittwoch, 23. März 2011

Wenn man gebannt nach Japan oder Libyen blickt, fällt es gelegentlich schwer, sich auf den Tango zu konzentrieren. Doch in den letzten Tagen hat sich eine Diskussion über einen Tanz hochgeschaukelt, die in punkto Absurdität ziemlich nah an das echte Leben heranreicht.

Es geht um einen Freundschaftstanz zwischen Allison und Pancho in Cachirulo. Offenbar gibts dort jeden Dienstag einen solchen Tanz. "Ja, und?", wird sich mancher jetzt fragen. Stimmt. Das Video guckt man an, zuckt mit den Schultern -- und hat es auch schon bald wieder vergessen.

Nun: Als John das Video in seinem Blog gepostet hatte, gingen die Wogen hoch. Janis fand das ganze bloss geschmacklos und aufmerksamkeitserheischend, und wünschte der Tänzerin dann noch leicht sarkastisch, sie möge bei der Show doch hoffentlich einen Orgasmus gehabt haben. Das war wohl etwas zu heftig, sie bezog danach entsprechend verbal Prügel.

Dazu muss man wissen: Cachirulo steht für Etikette. Und Janis bloggt normalerweise nur darüber, welche alten Milongueros gerade gestorben sind, wenn sie sich nicht grad darüber aufregt, dass zwei Frauen miteinander getanzt haben. Da treffen nun also Welten aufeinander. Die Diskussion geht dann soweit, dass Frauen darüber philosophieren, ob Allison gut "ausgestattet" sei. Und ein Tänzer ihr bescheinigt, dass sie normalerweise immer "nett" sei.

Inzwischen hat John dazu einen weiteren Beitrag geschrieben, und Janis telefonierte inzwischen mit der Schwester des Milongaveranstalters, vermutlich um noch eine empörte Seele zu finden. Ihr Hauptargument: Das Video vermittle in der Welt ein völlig falsches Bild über eine argentinische Milonga. Und könnte Leute gar davon abhalten, in einer geschlossenen Umarmung zu tanzen.

Liebe Janis: Don't worry. Selbst ein Südamerika-Greenhorn wie ich kann erkennen, dass es im Video um einen Spass ging. Hier im alten Europa düsen genug argentinische Gastlehrer herum, die das Image ihres Landes noch um einige stärkere Potenzen schwächen könnten. Und der Skeptiker tief in mir ist sich sowieso sicher, dass selbst auf streng codifizierten Milongas in Buenos Aires auch nur mit Wasser gekocht wird. Also lass den Zickenkrieg gut sein und erkläre mir lieber mal, ob Frauen beim Tangotanzen wirklich einen Orgasmus haben können.

Archivlink

Zuschauen in Hannover

Freitag, 25. März 2011

Hannover, Tango-Milieu. Eine Industriebaracke mit Tai-Chi-Studios und Szeneschuppen, nach einigem Suchen findet man tatsächlich auch die etwas versteckt gelegene Milonga. Offenbar eine Tanzschule, im Vorraum an der Bar erholt sich das Volk ein wenig von den Unterrichtsstrapazen. In der abgetrennten Milonga selbst übt ein Paar einige Figuren, an den Tischchen sitzen drei Männer und schauen zu. Ich schaue auch ein wenig zu, und kapiere irgendwann, dass das tänzerisch wohl nicht so mein Tag ist. Zumindest vom Milonga-Angebot her scheint Hannover allerdings eh keine Tango-Hochburg zu sein...

Archivlink

Erdbeeren im Loft

Samstag, 26. März 2011

Berlin, La Caminada. Eigentlich sollte hier eine Nachmittagsmilonga stattfinden. Ausser einer Klingel ist allerdings nichts zu finden. Gegenüber gibt es einen Kunstraum, wo auch Rückführungen angeboten werden. Ob pränatale Erinnerungen dabei helfen könnnen, Probleme im Tango zu lösen?

Eigentlich wollte ich Abends noch eine andere kleinere Milonga besuchen, doch mein Tanzdefizit macht sich so langsam bemerkbar und ich gehe auf Nummer sicher -- und daher ins Tangoloft. Im Verlaufe des Abends ein gewaltiger Männerüberschuss, dennoch komme ich zu einigen schönen Tänzen. Und je später die Nacht, desto schöner die Tänze. Der wilde Mix mit Nontangos schlaucht dennoch. Zwei oder drei Lieder sind ja ganz nett, aber danach fehlt mir meist die Lust, zu dieser Musik weiterzutanzen. Auf meine Frage, wo in Berlin eine ähnliche Ambiance und ebenfalls lockere Leute zu klassischer Musik zu finden sind ernte ich allerdings nur Schulterzucken. Und ein paar künstliche Erdbeeren. Als Energiezufuhr, damit ich noch durchhalte. Süsses Zeug.

Irgendwann tief in der Nacht suche ich mir den Weg durch ein stockdunkles Treppenhaus wieder nach draussen. Vorsichtshalber will ich mich am Geländer festhalten, und meine Atmung setzt kurz aus, als das Ding mit einem kräftigen Geschepper nachgibt. Auch das ist das Loft, und auch das ist Berlin. Kurz vor Sonnenaufgang im Bett. Oh weh, Sommerzeit...

Archivlink

Viel Platz an der Milonga

Freitag, 1. April 2011

Freitagsmilonga. Äusserst übersichtliche Besucherzahl heute, vermutlich auch den warmen Temperaturen geschuldet. Und dem Alternativangebot. Wobei dieses Wochenende noch harmlos ist -- nächsten Samstag prügeln sich der Tanzpalast, Talib und das Corrientes gemeinsam um die Besucher. Daher mache ich lieber mal Sommerpause. Und entwickle dafür meine Openair-Pläne weiter, schliesslich wird es wohl bald so richtig warm...

Archivlink

Milonga? Was ist das?

Dienstag, 12. April 2011

Die letzten Tage hat mich eine saftige Erkältung mal wieder kräftig am Tanzen gehindert. Dennoch blieb mir beruflich vor einigen Tagen nichts anderes übrig, als offiziell einen Ball zu besuchen. Glücklicherweise begleitete mich eine tolerante Tanguera. Denn Bälle sind meistens eine eher zweifelhafte Sache. Viel Kuchenauswahl, ja, aber als Tangotänzer kommt man eben doch nicht so ganz auf seine Kosten.

Nun, dank meiner Übung im Berliner Tangoloft führe ich inzwischen keine Grundsatzdiskussionen mehr, wenn ich halt mal zu einem Slowfox oder ähnlichen Takten Tango tanzen muss. Zu den englischen Walzern fällt man auch nicht sonderlich auf. Standardtango hingegen hat irgendwie meine Hustenanfälle verstärkt. Und bei den Wiener Walzern hab ich dann gekniffen, irgendwie hatte ich das Gefühl, die Deckung meiner Unfallversicherung könnte nicht so recht reichen.

Reichlich naiv ging ich in einer Musikpause zur Livekapelle und fragte, ob sie möglicherweise mal eine Milonga spielen könnten. "Eine was?", war jeweils die Antwort, und vom Bläser über den Pianisten wurde ich wie eine heisse Kartoffel schliesslich zum Bandchef durchgereicht. "Naja, so eine Art zügiger Tango im 2/4-Takt", versuchte ich verzweifelt zu erklären. "Wir haben doch vorhin Tango gespielt", kam postwendend die Antwort.

Später dann eine Show eines Turnierpaares. Es erklingt Libertango in Elektroversion, und die ersten fünf Sekunden ist so etwas wie ein sanfter Voleo zu erkennen. Danach wird auf Standard umgeschaltet. Ja, eine beeindruckende Show, aber kein Tango. Hoffnungslos. Tragisch. Keine Milonga heute. Dafür Schokoladenkuchen. Man kann eben nicht alles haben.

--

Kommentar von Roberto

da hast du jetzt aber Recht. reichlich naiv uns spöttisch von einem, der nicht mehr ganz Anfänger aber auch noch weit davon entfernt ein Guru zu ist, so über andere Tanzstile herzuziehen.

--

Kommentar von Ratatouille

Ja, ja es ist leider so, diese so genannten Tanzorchester spielen "Olé Guapa" und "Kriminaltango" und dann ist das Tangorepertoire erschöpft. Aber für das wilde Gezucke beim Standardtango genügt das auch.

--

Kommentar von Roberto

Hoppla, das war jetzt aber ganz tief unter der Gürtellinie. Da kann man nur hoffen, dass andere nicht auch so abschätzig über uns reden.

--

Antwort von Patrick

Eine naive Hoffnung. Kurz vorher hat einer ja gemeint, ich sei noch weit vom Guru entfernt. Das hat mich tief getroffen. Aus Protest werde ich deshalb am Ostertango nicht zu Otros Aires gehen. Manchmal muss man eben ein Zeichen setzen.

--

Kommentar von Antanguero

Da bringst Du aber ein grosses Opfer ;-)

--

Kommentar von TwoToTango

Nun ja, ich glaube nicht, dass man bei Besuch eines "normalen" Balls ernsthaft erwarten kann, dass Musik für Tango argentino gespielt wird. Mir kommt es wie zwei Welten vor, die sich nicht wirklich berühren, entweder Standardtanz oder argentinischer Tango. Auch Salsamusik habe ich noch nie bei einem Ball gehört.

In diesem Sinne ist die Frage, ob man es ihnen denn vorwerfen kann oder ob man nicht seine eigenen Erwartungen anpassen muss...

--

Kommentar von Hartmut

Kommt drauf an. Die meisten Tanzschulen haben seit 4-6 Jahren Tango Argentino und Salsa/Merengue/Bachata in ihr Kursprogramm aufgenommen. Da könnte man schon erwarten (mindestens) eine oder zwei Tanzrunden für diejenigen zu spielen, die den teuren "Spezialkurs" gemacht haben. Ansonsten - ja ein Ball für Gesellschaftstänze ist genau das was es sagt und dann muss man halt damit rechnen und es akzeptieren - oder einfach nicht hingehen ;)

Archivlink

Frühe Show und später Spass

Samstag, 23. April 2011

Ostern ist ja Ostertango-Zeit. Also früh am Morgen auf zu den Afterhours. Schwül-heisses Klima, ziemlich gedämpftes Licht, dunkle Sitzreihen, einige herumlungernde Männer, viele müde und herumsitzende Frauen. Und ein Durchschnittsalter, dass so tief ist, dass ich kurz schlucke. Eindeutig die Stunde der Zampanos und ihrer Voleoköniginnen. Ich geniesse die Show, bis Punkt sechs Uhr die Cumparsita den Zauber beendet. Gibt es eigentlich Milonguero-Festivals mit Afterhour?

Am Nachmittag zur Mittleren Brücke, um Sonne und Tango gemeinsam zu geniessen. Gestern hatte der akku-betriebene Gitarrenverstärker das getan, was er normalerweise können muss: Verzerren. Vor allem, weil der Akku schwächelte. Auch heute hält das Ding logischerweise nicht länger. Glücklicherweise hilft das Restaurant ein paar Meter tiefer mit der Steckdose aus, ein langes Kabel sichert schliesslich das Tanzvergnügen. Die Sonne brennt, der Wind kühlt.

Ich bin allerdings irgendwie aus der Übung. Und die Höhenunterschiede der Bodenplatte scheinen die tatsächlichen Leistungskilometer auch noch zu potenzieren. Schön ist es dennoch, und sogar die Frau in mir kommt mal wieder zum Zuge. Nur die Valse lassen leider bis zum Schluss auf sich warten. Nun denn. Der Sommer ruft. Wird Zeit für die eigenen Openair-Projekte...

Archivlink

Sonne am Sonntag

Sonntag, 24. April 2011

Am Nachmittag ins Festival-Tangocafé. Das übliche Chaos, allerdings schien mir die Piste etwas luftiger als auch schon zu sein. Dennoch schweisstreibend, und glücklicherweise findet der Nachmittag ein paar Meter weiter am Rhein seine Fortsetzung. Der Gitarrenverstärker hängt diesmal von Anfang an am Netz. Erstaunlicherweise grüssen mich heute mehrere Frauen der Basler Szene, die mich anspmstem eigentlich seit Jahren konsequent ignorieren. Wenn das so weitergeht, dann wollen die in fünf Jahren vermutlich sogar noch mit mir tanzen. Eine seltsame Welt. Trotz vielen schönen Tänzen abends dann doch noch in die Mitte -- zum Salsa.

Archivlink

Retro-Milonga mit Oper

Freitag, 29. April 2011

Kurzausflug nach Paris. "Retro Dancing" heisst heute Abend die Milonga, und der Raum ist beeindruckend: Höher als meine mirada, endlos langgezogen und terrassenartig mit kleinen Treppen angelegt. Zwei Tanzflächen, dieselbe Musik: Oben Steinboden, unten Parkett. Ein Seitengang zum Durchschlüpfen und Rumstehen ist mit Kordeln abgesichert, rundherum viele rotplüschige Sitzgelegenheiten.

Der Betrieb ist beeindruckend bestückt: Kassiererin, Barman, Garderobier und Türsteher. Ja, ein Türsteher. Warum der an der Türe steht habe ich nicht herausgefunden. Vielleicht setzt der ja Rempeltänzer an die Luft? Muss mich also benehmen.

Der DJ legt zwar klassisch auf, aber leider unendlich langweilig und mischt ziemlich konfus die Stile. Einziger musikalischer Lichtblick: Eine Oper als Cortina. Meine Cabeceos harzen zu Beginn etwas, aber nach und nach komme ich in die Gänge. Und entdecke auch bei den anderen Männern, dass sich die Frauen hier meist schon ziemlich deutlich bitten lassen. Ergo einige herumstehende Männer, viel sitzender Frauenüberschuss. Ist eben alles relativ.

Dafür wird extrem vorsichtig getanzt, die Piste ist äusserst angenehm. Wunderschöne Tänze spät nach Mitternacht. Nur fragen die Frauen immer neugierig viel Zeugs. Sollte dringend mein Französisch auf Vordermann bringen...

Archivlink

Paris zum Zweiten

Samstag, 30. April 2011

Nachmittagsmilonga im Barrio Latino. Tatsächlich läuft gerade ein Salsa, als ich hereindüse, doch bis ich meine Schuhe anhabe, ist das Ding natürlich durch. Schönes Parkett, endlos lange Bar mit vielen Hockern, luftige Höhe und auch hier viel Plüsch. Minimer Damenüberschuss, aber ziemlich aktive Herren. Nach einer ersten Tanda habe ich keine Chance mehr. Immerhin bessere Musik als gestern, wenn auch eine deutliche Überdosis Di Sarli.

Danach zu Esprit Tango. Tanzschule, eine Milonga mit Practicaatmosphäre. Schuhboxen. Und auch hier etwas Plüsch (nein, nicht in den Schuhboxen). Kaum habe ich meine Tanzschuhe an, werde ich aufgefordert. Danach ein längeres Rumsitzen, trotz leichtem Damenüberschuss. Paris scheint für Fremdlinge kein leichtes Pflaster zu sein.

Doch je später desto Tanz, und die zweite Hälfte der Milonga tanze ich praktisch nonstop wunderschöne Tandas bis zur Cumparsita. Die Musik ist deutlich abwechslungsreicher als voher im Barrio, und die Platzverhältnisse sind luxuriös. Auch hier tanzt niemand grossräumig, und bei kleinen Remplern tauscht man freundliche Entschuldigungsgesten aus. Tanzen in Paris ist schön...

Archivlink

Paris zum Dritten

Sonntag, 1. Mai 2011

Am Sonntag in die Kirche? Nein, dafür zur Sacré Milona. Von aussen nicht zu erkennen, nicht angeschrieben, innen ein kahler Saal mit rot-weiss gepünktelten Tischen und Plastikhockern. Grandioses Buffet: Kekse, Kuchen, Melonen, dazu der beste Zitronen-Eistee nördlich der Seine.

Lockere Stimmung, sehr abwechslungsreicher Musikmix, viel Geplauder. Mir wird klar, dass die Pariser Tangoszene nicht riesengross sein kann: Nach drei Tagen kenne ich hier nun etwa ein Viertel der Gesichter. Dafür tanzen heute Damen mit mir, die mich am Freitag noch ignoriert hatten. Und solche, die ich die letzten beiden Tage offenbar nicht allzusehr abgeschreckt habe. Sogar noch ein Stück als Folgender liegt drin. Kurzum: Viele wunderschöne Tänze, auch wenn die Piste hier deutlich wilder war als bislang von Paris gewohnt.

Beeindruckend auch eine kleine rote Tafel mit Leuchtschrift, die die nächste Tanda ankündigt. Wird laut DJ mit einem USB-RS232-Adapter angesteuert. Muss ich mal genauer nachforschen.

Eher skurill hingegen die aufliegenden Regeln: Rumknutschen solle man bitte bleiben lassen (ausser man ist bereits als Paar bekannt). Und wenn eine Frau mit ihrem Partner da ist, soll man sie nur auffordern, wenn ihr Mann selber tanzt, man mit ihm schon Golf gespielt hat oder bereits zu dritt unter der Dusche war. Oder so ähnlich, frei aus dem Gedächtnis übersetzt. Viele komplizierte Regeln, an die sich eh keiner hält: Willkommen in Paris! Knutschen? Macht man das nicht eh draussen?

Archivlink

Fensterblicke im Frankfurt

Freitag, 6. Mai 2011

Frankfurt, Brotfabrik. Weniger Leute als beim letzten Besuch, daher luftiger. Schöner Musikmix, auch wenn die Boxen noch immer hässlich verzerren. Und brutale Piste, vor allem im Vergleich zu Paris. Dafür viele wunderschöne Tänze.

Und ich habe mal wieder gelernt, woran eine Tanguera so denkt, wenn sie mit mir tanzt. "Hey, da oben hat es ja Fenster", murmelte sie während eines Zeitlupentangos. "Erstaunlich. Sonst grübeln meine Tanzpartnerinnen meistens über die Deckenfarbe", stichelte ich am Ende des Liedes zurück. Immerhin, sie hat mich später nochmals für eine Milonga geschnappt. Leider nicht als Führende. Sonst hätte ich ihr während des Tanzes vermutlich erzählt, welche Haarfarben die Frauen um uns herum haben. Rache ist süss...

Archivlink

Frühmorgens in Berlin

Samstag, 7. Mai 2011

Berlin, Monbijoustrasse. Direkt beim Bode-Museum. Eigentlich sollte hier heute Nachmittag mitten im Tourirummel eine Openair-Milonga stattfinden. Viel Platz, 21 Grad, sonnig, leichter Wind -- alles perfekt. Naja, fast alles. Irgendwie scheint das Ganze abgesagt worden zu sein, ohne dass ich das mitgekriegt hätte. Leichter Frust.

Später zur Bendita-Milonga, Tanzschule Azucar in Schöneberg. Schöner Musikmix. Später sogar ein unbekanntes Livepaar -- er mit Gitarre, sie singt. Eigentlich wunderschön. Allerdings viele feste Paare plus einige Frauen, die allesamt fest mit sich selbst beschäftigt sind. Die Sitzordnung ist denkbar ungünstig: Hauptsächlich Zweiertische, die weitestmöglich im Raum verteilt sind. Werfe nach etwa 90 Minuten das Handtuch, zumal auf der Fläche genau ein Paar in der geschlossenen Umarmung tanzt. Die traditionelle Tangoszene in Berlin hat irgendwie einen Knacks.

Wie rettet man einen angeschlagenen Samstag? Dank Nord-Süd-S-Bahn schaffe ich es noch vor Mitternacht ins Tangoloft. Heute etwas weniger Nontangos, dafür mehr Elektrotangos. Aber mit viel Glück kann ich die hübschen Tangos herauszupfen, und sogar meine (noch immer ziemlich schwach entwickelten) Folgekünste kommen mal wieder zum Zuge. Viele schöne Plaudereien, und diesmal tanze ich sogar bis zum Sonnenaufgang. Der Trend geht offenbar zur Morgenmilonga...

Archivlink

Viele Männer, viele Dezibel, viele Sacadas

Samstag, 14. Mai 2011

Mal wieder ins Corrientes. Ja, vor der Haustüre. Man mag es kaum glauben, aber gelegentlich tanze ich sogar in Basel. Etwa eine Stunde nach Beginn zehn Tanzpaare auf der Piste, rundherum sitzen elf Männer und schauen zu. Dies aber nur als Randbemerkung, da man andernorts eigene Ansichten zum Thema Geschlechterverhältnisse hat.

Die Mischung innerhalb der Tandas war teilweise ziemlich wild, aber ich war ja glücklicherweise grad in experimenteller Stimmung. Nur die Lautstärke hat mich dann schon recht früh wieder nach Hause getrieben. Meine Ohren sind mir heiliger als meine Füsse.

Dann hat Delphine aus Paris noch mit Jens vorgetanzt. Die Milonga war zackig und spannend. Bei den anderen beiden Tänzen habe ich mich dabei ertappt, wie ich die Frauen-Rückwärtssacadas gezählt habe. Passt irgendwie so gar nicht zu Paris...

--

Kommentar von Melina Sedo

Das passt aber sehr gut zu Paris. Habe Deine Kommentare mit Erstaunen gelesen. erstaunen deswegen, weil ich Paris bei diversen Besuchen ganz anders erlebt habe, gleich in welcher Milonga: Herumgebolze, fliegende Beine, keine Umarmungen, sondern fast ausschliesslich Nuevo oder Pseudo-90er-Tango-Fantasia. Echt schlimm! Wir haben neulich zum ersten Mal in Paris unterrichtet und unsere Schüler/innen haben uns gebeten, doch so oft wie möglich zu kommen, denn in Paris würde wirklich niemand Basics, Verhalten auf der Piste, Musikalität oder Tanzen in enger Umarmung unterrichten.

Ich finde, man sieht es! Habe in Paris bisher nur mit Nicht-Pariser-Tänzern schön getanzt - wenn ich abschalten und die vielen auf Kopfhöhe fliegenden Beine ignorieren konnte. ;-) Naja... vielleicht hatte ich in all den Jahren auch nur immer Pech! Freue mich auf weiteren Austausch im Süden!

Archivlink

Sanfte Drehungen

Sonntag, 15. Mai 2011

Giros-Workshop bei Argentango in Zürich mit Melina und Detlef. Giros sind ja so eine Sache: Alle wissen, wie es geht, und dennoch sieht man kaum je an einer Milonga eine flüssige Drehung in der geschlossenen Umarmung. Doch nicht so simpel?

Nun, die Kunst besteht offenbar darin, eben zuerst die Frau zu drehen, und dann erst den Schritt zu führen. Dann muss sie auch nicht hetzen. Die Frau wiederum braucht eine gute Drehtechnik und muss auf die feinsten Impulse des Mannes reagieren. Mit der Brechstange (sprich: mit Druck auf der linken Hand des Mannes) geht hier gar nichts, und für derart feine Spielereien fehlt vielleicht so mancher Tänzerin und so manchem Tänzer schlicht die Geduld.

So übten wir fleissig Vorwärtsschritte, Rückwärtsschritte und Seitschritte. Eindrehen, Ausdrehen. Gehen auf der Linie, Gehen im Kreis. Sowie eine gerade Körperhaltung. Ich knicke noch zu oft seitlich ab. Dauert noch ein wenig, so bis zum Giroguru.

Die dritte Übungssequenz hab ich dann irgendwie verpasst, nach sechs Stunden Unterricht war meine Aufnahmefähigkeit doch ziemlich an der Grenze. Und die letzten Minuten habe ich dann sogar auf dem Sofa vor mich hingedöst. Dennoch war die Technikauffrischung Gold wert. Jetzt hab ich ausserdem für die nächsten Milongas viele Ideen, um Drehungen abwechslungsreicher zu gestalten. Der eleganteste Ausweichschritt auf der Piste ist ja bekanntlich eine Drehung.

--

Kommentar von Monika

öhm, nur eine kleine Anmerkung: die dritte Sequenz war von der vierten bis zur sechsten Stunde... - und ich bin ganz sicher dass wir nach der sechsten Stunde niemanden im Saal zurückgelassen haben, ich hab in alle Ecken geguckt bevor wir abschlossen ;-)

... und Dein Dösen auf dem Sofa ist mir auch entgangen, blöd, wäre ein tolles Werbefoto für nächste Workshops gewesen :-)

Archivlink

Show im Süden

Samstag, 21. Mai 2011

Tangowoche im tiefen Süden. Abendausflug zur Milonga "El Rebote" in Nimes. 16 Euro Eintritt. Ich frage, ob es Live-Musik gäbe. Der Kassierer fühlt sich offenbar leicht auf den Schlips getreten und erklärt mir ausführlich, dass ein argentinisches Paar heute eine Demonstration vorführen werde. Meine Begeisterung hält sich in engen Grenzen.

Tatsächlich gibt es eine Show von Stefania Colina und Juan Martin Carrara. Sie haben schön getanzt, aber irgendwie hatte ich gehofft, man beschränke sich auf drei Tänze, wenn man schon extra bezahlt. Hoffnung vergebens.

Nach langer Anreise war ich schon ziemlich müde, genoss aber dennoch die Tänze. Cabeceo mit Unbekannten war trotz gewaltigem Frauenüberschuss völlig zwecklos. Dafür habe ich gelernt, was eine "Auberge Espagnole" ist. Details folgen...

Archivlink

Openair in Aubais

Sonntag, 22. Mai 2011

Wo ist Aubais? Irgendwo zwischen Montpellier und Nimes. Grosses Restaurant mit Fisch und Knoblauch (es gab Damen, die sich hinterher Pfefferminzbonbons besorgt haben). Milonga Openair im Hof. Irgendwie hat es etwas Brutales, wenn man als (äusserst heterogene) grosse Gruppe eine Milonga entert. Vermutlich als Rache war mir daher in der ersten Stunde auch die völlige Ignoranz der lokalen Damen (ja, mal wieder ein formaler Überschuss) sicher.

Doch im Verlaufe des Abends ergab sich ein Gemisch innerhalb unserer Gruppe, und irgendwann wurden auch die Einheimischen zutraulicher. "Vous êtes Allemand?", fragte mich eine Frau in verdächtigem Unterton. Ist das eine Fangfrage? Unseren Frauen ging es anders: Da wurde zuerst der Sitz nebenan belegt und vom südfranzösischen Mann vorsichtig gefragt, auf welchem Niveau sie denn tanze. Ist aber gar nicht mal schlecht, je nach Lust und Laune kann die Frau schon vorbeugend taktisch antworten...

Insofern ein schöner Abend, viele wilde Tänze auf wilder Piste. Allerdings mischte der DJ die Tandas ziemlich chaotisch zusammen, und die Valsauswahl war schrecklich. Aber eben, für Freiluftmilongas nimmt man ja vieles in Kauf. Mal sehen, ob ich es in dieser Woche noch schaffe, am Strand zu tanzen...

Archivlink

Der Pool und der Balken

Montag, 23. Mai 2011

So eine Tangowoche ist ja trotz Swimmingpool nicht wie Ferien. Gestern vier Stunden Basics (Gehen und Gewichtswechsel mit verschärften Varianten), heute weitere Versionen mit Pivots. Eigentlich keine Hexereien, aber mir ist mal wieder klar geworden, wie schwierig es ist, einen Ocho cortado wirklich sauber zu führen.

Immerhin, die jeweils fünf Minuten Pausen reichen haarscharf für zwanzig Längen im Pool (ja, er ist klein), abtrocknen und wieder in den Kursraum zu düsen. So ein klein bisschen Ferienfeeling muss ja schliesslich sein. Ansonsten stört nur der Balken im Badezimmer, der knapp über meine Augenhöhe liegt und immer dann zuschlägt, wenn ich aus der Dusche trete. Tango kann also auch ohne Alkohol für Kopfweh sorgen.

Abends Milonga "entre nous", also quasi Gruppenintern. Melina legt arg eintönige Tangos auf, und ich tanze zwangsweise nur zu Vals und Milonga. Früh totmüde ins Bett...

--

Kommentar von Melina Sedo

Damit jeder selbst beurteilen kann, ob die Auswahl eintönig war, hier mein Ablauf für die 2,5 Stunden Mini-Milonga für unsere Schüler/innen. Da dies lediglich der Ausklang eines arbeitsreichen Tages und keine grosse Milonga war, blieb ich auch bei eher undramatischen Stücken, die es erlaubten, das im Unterricht Gelernte ("rhythmische Bewegungen") anzuwenden

Tipica Victor, T
Tanturi con Campos, T
Canaro con Maida, M
Fresedo con Ruiz, T
Troilo con Fiorentino, T
Canaro con Maida, V
Lomuto con Omar, T
Di Sarli con Rufino, T
Tipica Victor, M
Calo con Beron, T
Rodriguez con Moreno, T
Canaro con Maida, T

Na gut, der Anteil an Canaro Tandas war vielleicht etwas hoch, aber es waren ja auch jeweils eine Tango, eine Vals und eine Milonga Tanda.

--

Kommentar von tangonegro

ist auch für meinen Geschmack zu wenig abwechslungsreich. Nach 2.5h hätte ich auch genug davon. Es gibt doch noch soviel mehr..

Archivlink

Nackte Frauen, wilde Männer

Dienstag, 24. Mai 2011

Milonga-Workshop. Heftig. Endlich klappt Zeugs, was sonst nie klappt. Sogar ein bisschen(tm) traspié.

Abendmilonga in La Buissonnière, im Hauptsitz von Raquel. Jepp, das sind die mit den Schuhen. Amuröse schwarzweiss-Bilder hängen an den Wänden. Je weiter oben, desto nackter. Aber immer mit Schuhen. Hinterraum mit riesiger Damenschuhauswahl. Plus einem Alibi-Ständerchen für die Männer.

Die Tanzfläche ist in einem schicken Raum mit grosser Glasfront. Blick auf den Sonnenuntergang und einen Pool. Aber eben wild, viele Voleos und fliegende Schwäne auf der Piste. Der lokale Frauenüberschuss an der Bar ist mit Kuchenessen beschäftigt (und applaudiert begeistert den fliegenden Schwänen), bis ich während einer Cortina mitten auf der Tanzfläche mit Detlef plaudere. Ruhm überträgt sich eben, und schon steigt das Interesse deutlich (solche Tipps werden hier künftig kostenpflichtig).

Dafür muss ich einer unangenehm aufdringlichen Frau zum ersten Mal in meiner Tangokarriere einen Korb geben. Macht keinen Spass. Und der Kerl mit den Schwan-Hebefiguren fängt zum Ende auch noch mit Fallfiguren an. Wenn sich Tangueras passend kleiden, könnte man so wohl die Bodenreinigung ersetzen...

Archivlink

Ferien? Tango!

Mittwoch, 25. Mai 2011

Freier Tag heute. Es ist gar nicht so einfach, den ganzen Tag im Bett und am Swimming-Pool zu verbringen -- aber ich habs mit Müh und Not geschafft. Ansonsten sind "Tangoferien" irgendwie ein Widerspruch in sich, bei vierstündigen Workshops jeden Tag ist die Konzentration ziemlich gefordert. Dies sei hier auch mit einem Bild deutlich klargestellt.

Abends die ominöse "Auberge Espagnole", was hier bedeutet, dass alle Gäste etwas zum Essen mitbringen. Also Milonga im eigenen Haus (exakt sieben Meter von Dusche und Zimmer entfernt) mit fremden Gästen von Avignon bis Perpignan. Melina hat heute sehr abwechslungsreich aufgelegt, nichts zu meckern. Gestern bei Raquel gab es übrigens Cover-Versionen von Modern Talking als Cortina. Heute hat Melina dafür einen Querschnitt durch die 80er gemacht und dazu kräftig gesungen. Glücklicherweise nicht Modern Talking...

Allerdings scheinen die südfranzösischen Frauen zum Cabeceo ein ähnliches Verhältnis zu haben wie Klaus Störtebecker zum Handelsrecht. Dennoch wenige wunderschöne Tänze, und die Mitbringsel verführten zum Naschen. Bloss Detlef hat noch immer nicht mit mir getanzt. Muss mir mal einen Trick überlegen.

Archivlink

Valserfahrungen sowie Detlefs Geheimnis

Donnerstag, 26. Mai 2011

Vals-Workshop. Die verschiedenen rhythmischen Variationen sind an sich keine Hexerei (Nur das 1 tanzen, 12, 31, oder 123). Aber 1231 wird heftig, wenn man das 1 auch jeweils schwungvoll mit einer Beschleunigung betonen möchte. Vor allem zügige Valse tanze ich eher wie eine Milonga. Ist einfacher, passt aber nicht so recht.

Dann lass ich mich immer mal wieder führen. Einerseits kann ich so ein wenig abschalten -- andererseits aber auch fühlen, wie anspruchsvoll entspanntes Folgen ist. Meine Partnerin seufzt, wenn sie um die anderen Paare rumzirkeln muss. Tja. Willkommen auf der Piste.

Abends wieder "entre nous"-Milonga, aber diesmal direkt am Swimming-Pool. Heute kann ich die ganzen hübschen Frauen ausstechen und Detlefs Aufmerksamkeit erhaschen (Was auch daran liegen könnte, dass Melinas Aufmerksamkeit seit dem Nachtisch auf den Koch gerichtet ist. Aber das sind intime Internas, die gehören nicht ins Blog). Satte zwei Tandas mit Detlef. Yes! Jetzt kenne ich sein Geheimnis. Imitation schwierig. Work in Progress...

--

Kommentar von Melina Sedo

Ah! Die Nachtische von Alain... ;-)

Archivlink

Endnoten und junge Frauen

Freitag, 27. Mai 2011

Letzter Tag der Tangowoche. Nochmals vier Stunden Workshop als Wochenrückblick: Tango, Milonga, Vals, rhythmische Varianten, diverse Schrittte. Soweit nichts verpasst oder vergessen, Glück gehabt. Dann noch asynchrones Gehen, wie ich es schon an einem vergangenen Workshop kennengelernt habe: Mann verdoppelt, die Frau bleibt im normalen Tempo. Viel lustiger ist allerdings das Gegenteil. Und noch immer äusserst gewöhungsbedürftig.

Abends nochmals gemeinsamer Ausflug in eine Milonga nach Nimes: Am Eingang der klassische Dancefloor mit Bar, nebenan eine riesige Turnhalle für die Elektroszene. Dahinter vandalismusgeschädigte Umkleideräume eines Fitnesscenters, immerhin findet man auch ein Klo (im Gegensatz zu jenem bei Raquel ohne Pinkelspiegel).

Musik: Fantastisch. Der hat mindestens drei Tandas von mir geklaut. Lokales Volk: Ausgeglichenes Geschlechterverhältnis plus sehr viele Frauen deutlich unter 40. Sehr aktive Männer. Habe daher kaum getanzt, irgendwie wurden mir die Zielobjekte immer vor der Nase weggeschnappt. Da half auch nichts, dass Detlef zu Beginn der Milonga Sternenstaub über mich ausgeschüttet hatte. Muss wohl erst 80 werden, bevor mich die unter 40-Jährigen beachten.

Spätnachts private Schlusstanda im langsamen Dreivierteltakt. Schon sind die letzten Bretzel weggefressen, der Swimmingpool kalt und damit die Tangowoche vorbei. Schön war sie, obwohl ich feststellen muss, dass die südfranzösischen Milongas wohl definitiv nicht zu meinem bevorzugten Jagdgebiet gehören. Obwohl die Frauen hier ein deutlich verständlicheres Französisch sprechen als in Paris...

--

Kommentar von Melina Sedo

Da sieht man wieder mal, wie unterschiedlich der Musikgeschmack ist! Ich fand "DJ Diegos" Musikauswahl sehr eintönig: Fast nur rhythmisches, recht hartes Zeug: Laurenz direkt hinter Troilo und Milonga und schnellen D'Arienzos. EINE Tanda Di Sarli (genau jene, die ich immer im Unterricht und NIE in der Milonga auflege), keine Fresedos, keine Calos... Gar nichts zum Innehalten, nur Gerenne!

Wahrscheinlich bin ich einfach zu bewegungsunfreudig für eine solche Auswahl! ;-) Danke Dir für's Mitmachen und Berichten! :-) Ach ja, ein Wort zu den Milongas in Nimes: Auch wir waren sehr enttäuscht. Im Vergleich zu den vorherigen Jahren ist das Niveau deutlich gesunken und der Chaosfaktor auf ein Vielfaches angestiegen. Die besseren Tänzer scheinen sich jetzt in Montpellier zu gruppieren, was auch an der unschönen "Trennung" einer bisher sehr erfolgreichen Truppe von Veranstaltern liegen mag. Sehr schade jedenfalls, denn zumindest eine dieser Milongas gehörte zu unseren jahrelangen Favoriten!

Wir werden unsere Konsequenzen daraus ziehen und auf den Tangoreisen ins Mas de Mestre nun eher in Montpellier tanzen gehen bzw. in der Gruppe bleiben, wenn diese groß und aktiv genug ist.

--

Antwort von Patrick

Oki, direkt vor und hinter einer Milonga würde ich wohl auch nie solch zackiges Zeugs spielen. Aber mein Schlafdefizit war am Freitag schon ziemlich hoch, und dann kribbelt es halt irgendwie. Und ich muss gestehen, ein Abend ohne Di Sarli ist irgendwie auch nicht tragisch. Klassisches Unterrichts-Trauma.

Zeitlupentango? Ja, gerne. Aber viele Tangueras (und ich spreche hier von Frauen über 50) werden schon wuschelig, wenn mal ein paar Sekunden lang nichts Aufregendes passiert oder der Mann äusserst kleine Schritte macht -- geschweige denn, dass der Führende ihr jahrelang fest eingeübtes Ritual von Schrittfolgen nicht einhält. Daher verstehe ich schon, dass sich viele Männer den Stress nicht antun wollen und lieber zackig ein paar Figuren abtanzen. Aber wenn die Chemie stimmt, dann ist das Innehalten wunderschön.

--

Kommentar von Melina Sedo

Na also: Ich tanze überhaupt nur, wenn die Chemie stimmt. Damit ich innehalten kann! ;-)

Und ich empfehle ein sorgfältiges Durchhören der verschiedenen Epochen in Di Sarlis Qeuvre. Der Mann hat viele tolle Stücke aufgenommen. Viel mehr, als man im Unterricht verwendet und vor allem auch sehr vielfältige, andersartige Stücke. Ich würde niemals auf der Milonga unterrichts-typische Stücke wie "Indio Manso", "El Once" oder "A la Gran Muneca" auflegen, aber es gibt ja sooo viel anderes... Eine Milonga mit mindestens 1-3 Tandas (je nach Länge der Milonga) von Di Sarli ist es nicht wert, Milonga genannt zu werden! Und da stimmen mit sicher alle argentinischen Milongueros zu, für die der Mann mit der Sonnenbrille "El senor del Tango" ist! ;-)

--

Kommentar von Florian

Liebe Melina, Kannst Du mir erklären warum Du diese Di Sarli-Stücke, wenn Du sie nicht milongatauglich findest, denn zum unterrichten benutzt? Weil sie langsam sind? Das interessiert mich wirklich: Auch ich habe ein späte-Di Sarli-Unterrichts-Trauma, welches meinen Zugang zu seiner Musik erheblich erschwert hat...

--

Kommentar von Monika

Die späten Di Sarlis, ewiges Thema... Ich kann verstehen warum man sie zum unterrichten braucht, es ist gute Hintergrund-Musik, wer den Takt oder Rythmus hören und danach tanzen will kriegt genug um darauf tanzen zu können, wer aber einfach ein bisschen Hintergrund-Gedudel zum freien Üben braucht um das Geschlarpe der anderen Übenden nicht hören zu müssen ist auch gut bedient.

Da sind mir dann die Lehrer lieber die gleich Non-Tango-Lift-Hintergrund-Lounge-Musik auflegen, da weiss ich wenigstens dass es nur Hintergrund-Gedudel ist.

Sorry, sehr hart, aber ich leide wie Florian unter einem heftigen Di Sarli-Trauma und könnte meine ersten Lehrer (und die zweiten und die dritten - alle) noch immer hauen, und zwar feste, die mir eines der grossartigsten Orchester dermassen vergällt haben mit ihren ewiggleichen instrumentalen 50er-Di Sarlis im Unterricht.

Und, Frau Melina, (auch) für mich ist ein DJ gestorben der die vermaledeiten Dinger dann auch noch in einer Milonga auflegt. Gnarf.

--

Antwort von Patrick

Ich hab jedesmal Mühe, eine solide Tanda mit Di Sarli zusammenzustellen. Mein letzter Versuch:

A mi me Ilaman Juan Tango (1943) mit Rufino
Canta pajarito (1943) mit Rufino
Junto a tu corazón (1942) mit Podesta
Whisky (1957) mit Duran

Insbesondere Whisky habe ich als dramatischen Höhepunkt ganz bewusst am Ende der Tanda plaziert. Meinungen?

--

Kommentar von Petronella

Hallo Patrick! Warum nicht eine Di Sarli/Rufino Tanda? Oder Di Sarli/Podesta ! (mein Favorit) :-)

Ich mache auch manchmal Tandas mit verschiedene Sänger, aber bei Di Sarli finde ich das überhaupt nicht notwendig. Und "Whisky" paßt gar nicht dazu, finde ich. Liebe Grüße aus Regensburg

--

Kommentar von Melina Sedo

Fast alle di Sarlis sind toll und tanztauglich. Von daher auch Milongatauglich. Da aber einige die ideale Unterrichtsmusik repräsentieren und permanent verwendet werden, lege ich sie genau deswegen in der Milonga nicht auf. Sie werden durch das häufige Hören einfach nicht mehr "gewertschätzt". Ergo wähle ich auf Milongas eher Stücke, die ich im Unterricht nur zu besonderen Gelegenheiten (zb unser Entdecke Di sarli Workshop) auflege. Gute Nacht und Grüße aus Leipzig

--

Kommentar von Theresa

Hallo Patrick (und Monika)! Du kannst mindestens 7 di Sarli-Tandas völlig unterschiedlichen Typs zusammenstellen:

- aus den Jahren 1928-31 mit oder ohne Sänger (z.B. La guitarrita, Flora)
- instrumental 1939-1941 im schnellen Tempo (z.B. Catamarca)
- instrumental 40er Jahre bis ca. 1945 (z.B. Siete palabras)
- die von mir trotz reichlicher Verwendung immer noch geliebten instrumentalen aus den 50er Jahren - mit Rufino bis 1941 im schnellen Tempo (z.B. Corazón)
- mit Rufino später (z.B. Cascabelito)
- mit Podestá (z.B. No está)

Dann kannst du natürlich noch Tandas mit Sängern machen, die ich persönlich so gut wie nicht verwende, z.B. Duran, Serpa, Pomar, Flori­o - da wirds in meinen Augen zu heftig, und man bekommt schnell eine Überdosis. Für mich gilt jedenfalls: keine Milonga ohne di Sarli!!!

--

Kommentar von Monika

Genau, Petronella, Di Sarli/Rufino oder Di Sarli/Podesta rocks! :-)

Theresa, mein Laptop ist gerade mit mir auf dem Sofa und hängt nicht an meiner Musik-Festplatte, von daher kann ich grad Deinen Input nicht überprüfen. Was ich aber anmerken möchte: bei einem Repertoire-Giganten wie Di Sarli finde ich mixed-Tandas mit verschiedenen Sängern völlig unnötig, es gibt von praktisch allen genug Stoff um damit schöne Tandas zusammenstellen zu können.

Zumal auch Di Sarli mit jedem Sänger praktisch ein anderes Orchester ist, trotz Überschneidungen (Rufino 39-43, Podesta 42-44 + 47, Duran 45-47 + 56-58, ... ohne Anspruch auf Vollständigkeit).

Mich stört sehr wenn ich mitten in einer Tanda die ich als Di Sarli/Rufino identifiziert habe auf einmal Podestas Stimme höre. Da fange ich dann an zu überlegen was da nicht stimmt, ob ich spinne, und die Konzentration auf Partner und Kommunikation ist weg :-(

Archivlink

Home, sweet home

Samstag, 28. Mai 2011

Nimes, 12:29 Uhr: Der TGV setzt sich in Richtung Heimat in Bewegung. Basel, 21:45 Uhr: Treppen hoch ins Volkshaus zum Vollmond-Tango. Wenig Leute. Viel dramatische Musik, dafür legt Roberto heute ohrentauglich auf. Ich bin ziemlich müde, komme aber erstaunlicherweise zu recht vielen Tänzen. Eine Dame findet allerdings, ich torkle zu fest rum, und wechselt kurzerhand die Rolle. Manchmal schweigt und geniesst man einfach...

Archivlink

Jubliäums-Openair

Sonntag, 29. Mai 2011

Saison-Eröffnung am Petersplatz. Talib feiert 20 Jahre Openair-Milonga, davon acht am Petersplatz. Mehr Kuchen als Frauen, daher nur wenig Tänze und viel Geknabber.

"Heute legt er gar nicht schlecht auf", meint ein Tanguero, der schon mit meinen Piazzolla-Stücken arge Probleme hat. Als ich gerade bedächtig nicken wollte, klingen die beiden magischen Worte "Otros" und "Aires" aus dem Lautsprecher. Das Leben ist manchmal hart. Doch die drei Lieder reichen perfekt für zwei Stück Kuchen. So sind dann doch irgendwie alle zufrieden...

Archivlink

Ein Kaktus und die Relativität

Dienstag, 31. Mai 2011

Das Progr hat aufgerüstet: In der Mitte des Saales wird nun Gemüse gezüchtet, sogar ein Kaktus steht dabei. Also eine mexikanische Mittenabschreckung. Ob das Ding auch fleischfressend ist konnte ich leider nicht ausprobieren. Wenig Leute heute, daher keine Möglichkeit einen bösen Rempler mitsamt Ballerina dort reinzuschubsen.

Wunderschöne Tänze. Nur die SBB setzte dem gelungenen Abend einen zweifelhaften Schlusspunkt: Per SMS-Alarm wurde ich um 00:11 Uhr informiert, dass mein 00:02-Zug sieben Minuten Verspätung habe. Muss was mit der Allgemeinen Relativitätstheorie zu tun haben. Obwohl es da ja um beschleunigte Bewegungen geht. Leider kein Tango im Zug...

--

Kommentar von TwoToTango

Das Schöne ist, dass die stachlige Mitte wirklich hilft. Die Rempler sind weniger geworden.

Archivlink

Die Hüfte und die Paare

Mittwoch, 1. Juni 2011

Endlich mal wieder zur Mittagsmilonga im Clarahof. Ist wohl leider definitiv zur Paarpractica verkommen. Zuschauen wäre ja noch lustig, wenn nicht beinahe 50 Prozent der Tänzer aus Hobbylehrern bestehen würden. Schade.

Abends zum offenen Technikkurs ins Corrientes bei Mirjam. Viel hilfreiches Zeugs zur eigenen Balance. Allerdings klotzen wir dann gegen die Musik Vorwärts- und Rückwärtsochos (was bei Poema besonders schmerzt). Auch technisch bin ich verwirrt: Mirjam sieht die Gegend um den Bauchnabel und Hüfte als Zentrum, während ich bislang eigentlich davon ausgegangen bin, dass jeglicher Pivotimpuls aus dem Oberkörper kommen muss.

Die Frage ist nicht rein akademischer Art: Es gibt viele Frauen, die bei Ochos kräftig mit der eigenen Hüfte nachhelfen. Das fühlt sich nicht nur brutal an, sondern verunmöglicht natürlich auch die Kombination mit anderen Pivots oder Schritten. Möglicherweise eine Stilfrage, zumal Mirjam unter einer geschlossenen Umarmung gleich Hochdruck-Apilado versteht. Auch wenn man immer mit dem ganzen Körper führt: Ich bin mir inzwischen ziemlich sicher, dass jegliche Pivots (und dazu gehört auch das Kreuz) nur mit dem Oberkörper sauber zu führen sind, und dass die Folgende einzig mit der Verdrehung zwischen Oberkörper und Hüfte arbeiten sollte. Muss dringend mal darauf achten, wenn ich irgendwann mal wieder als Folgender unterwegs bin...

Spät Abends dann noch in den Tanzpalast. Glücklicherweise nicht Alleine, denn auch hier wie gehabt am Mittwoch Abend eine reine Paarpractica. Die Basler Szene ist irgendwie seltsam...

--

Kommentar von Mikamou

Ich finde das keinen guten Ansatz mit dem Oberkörper ... das müsstest vor allem als Folgender merken. Vielleicht fehlen dir noch ein paar Kilometern. ;)

--

Kommentar von Melina Sedo

Also für mich haut das prima hin mit der Oberkörpertorsion. Und ich tanze auch schon ein paar Kilometer! ;-)

Archivlink

Wenn die Körper kämpfen

Donnerstag, 2. Juni 2011

Basel, Sportplatz Sandgrube. Openair. Wange an Wange, ein Geschiebe und Gezerre, überall Suche nach Balance, Voleos und Ganchos, und sogar Rückwärtssacadas. Hebe- und Wurffiguren. Nur Männer. Und es endet irgendwann im Sägemehl. Nein, kein Tango. Schwingertag. Aber irgendwie sah ich gewisse Parallelen...

Archivlink

Quadrate in Frankfurt

Freitag, 3. Juni 2011

Frankfurt, Brotfabrik. Saftiger Männerüberschuss! Ich bin entsetzt und schaue dem Treiben fassungs- und chancenlos zu. Immerhin, so gegen elf Uhr normalisiert sich das Verhältnis. Plaudere mit einer Anfängerin, die seit einem Monat tanzt, und lasse mir erklären, wie wichtig für die Frau die Fussarbeit sei. Wir drehen eine Runde, nachdem sie akzeptiert hat, dass ich sie in dieser dichtgedrängten Milonga unmöglich offen und mit umgehängter Handtasche führen kann. Danach holt sie ihr Kurspartner und meint, sie müssten noch das Quadrat üben. Quadrat? Ach, ich hätte nicht fragen sollen.

Zur Entspannung folgen wunderschöne Tandas und ein feines Kompliment. Detlefs Sternenstaub wirkt noch immer. Kurz nach drei Uhr wieder Männerüberschuss, und meine Füsse tun auch langsam ziemlich weh. Versuche auf dem Nachhauseweg Quadrate zu tanzen, gebe aber auf, weil man dabei nicht vorwärts kommt...

Archivlink

Paare, Tücher und Ebbelwoi

Samstag, 4. Juni 2011

Frankfurt, Destinotango. Tropisches Klima und nur ein gruseliges nasses Handtuch auf dem Klo. Hüpfe kurz zum Hotel zurück und hole mein eigenes Tuch. Auf dem Rückweg quatscht mich eine sturzbesoffene Mittzwanzigerin an: "Gehstu baden?", artikuliert sie mühsam. "Nein, ich geh mich sonnen", antworte ich knapp. "Dafür isses doch zu klein", kichert sie, und deutet auf mein Tüchlein. "Naja, die Sonne ist ja auch weg", argumentiere ich schulterzuckend. Sie stolpert weiter. Kann Alkohol tatsächlich einen Ironiedetektor in Gang setzen?

Abgetrocknet wieder an die Milonga. Lauter Pärchen und Grüppchen an ihren Tischchen. Eigentlich wie im Zürcher Silbando, nur dass es hier auf der Tanzfläche noch halbwegs gesittet zugeht. Ein paar Solomänner lümmeln sich auch noch im Eingangsbereich rum (mit noch schlechterer Damensicht als ich) und scheinen auch nicht besonders chancenreich.

Das ist besonders dumm, weil mein Billigzimmer im tiefsten Ebbelwoi-Viertel liegt und dort vor drei Uhr nachts nicht an Schlaf zu denken ist. Es reicht noch für das letzte Tram und den 2.22-Intercity ab Frankfurt. Tröste mich mit meinen Lieblingsstücken im Kopfhörer und und träume von besseren Zeiten...

Archivlink

Berliner Festival, Tag eins

Freitag, 10. Juni 2011

Berlin, Rotes Rathaus: Um zehn Uhr erschreckend wenig Leute, so nach und nach füllt sich der Saal dann allerdings. Katastrophale Piste, dennoch wunderschöne Tänze. Livekonzert von Hyperion mit Flügel, Querflöte, Sänger, Kontrabass, Bandoneon, Gitarre und Geige. Die Jungs habens drauf, alles perfekt tanzbar und schön in Tandas gestückelt. Valsabschluss mit Desde de Alma, offenkundig eine Hommage an die legendäre Liveaufnahme von Pugliese und Piazzolla in den 80ern. Kommt zwar nicht ganz ans Original heran, war aber dennoch ein Genuss. Und der Haupttitel aus "Midnight Express" gefiel mir schon immer, nur habe ich bislang noch nicht darauf getanzt...

Leider später auch hier die typischen Unterbrüche für die Showtänze, Johana Cessiecq und Marcelo Gutierrez sowie Daiana Guspero und Miguel Zotto sind heute die Maestros. Wie üblich alles irgendwie dasselbe und knapp passend zur Musik. Einzig die Rock'n'Roll-Nummer von Daiana und Miguel am Ende war definitiv unterhaltsam. Cumparsita um fünf Uhr morgens. Glühende Füsse. Das ist eben Berlin.

Archivlink

Berliner Festival, Tag zwei

Samstag, 11. Juni 2011

Berlin, Hotel Ellington. Geschätzt mindestens 600 Quadratmeter Tanzfläche. Und am Rande lauter Achtertische im Dunkeln. Hm. Machen die Veranstalter sowas mit Absicht? Eigentlich habe ich gelernt, nichts mit böser Absicht zu erklären, was nicht auch mit Dummheit gut erklärbar wäre. Vielleicht sollte man Festivalveranstalter dazu verpflichten, zumindest einmal im Jahrzehnt alleine an eine Milonga zu gehen, wo sie niemanden kennen.

Immerhin, so gegen elf Uhr füllt sich der Raum langsam, und im Eingangsbereich versammeln sich die cabeceosüchtigen Leute. So muss das sein. Zwangspausen wie gehabt durch die Shows. Ein weiser Berliner bringt das Problem wunderbar auf den Punkt: "Tango-Showtänze sind wie eine DDR-Schrankwand: Kennst Du eine, kennst Du alle". Fairerweise muss ich erwähnen, dass das offenkundig geschätzte 99 Prozent der Festivalbesucher anders sahen. Und scharenweise Leute nach der Show nach Hause gingen. Andere Welt.

Ach ja, dann war da noch die Liveband. Ojos de Tango. Keyboard, Kontrabass, zwei Geigen, zwei Bandoneons. Praktisch ausschliesslich Zeugs von Pugliese der schwerfälligsten Sorte. So langsam gespielt, dass selbst eine Schnecke ungeduldig geworden wäre. Keine Synchronisation innerhalb der Band, willkürlichste Tempowechsel. Halbminütige Geigensoli, von denen 25 Sekunden aus Stille bestanden. Da kommt man sich als Tänzer schon irgendwann etwas verarscht vor. Piste jenseits von gut und böse. Dennoch tosender Applaus. "Äh, wir wissen gar nicht, was wir jetzt noch spielen könnten", meinte die Bandleaderin verzweifelt. Och, vielleicht zum Dritten mal La Yumba?

Und dann, spät in der Nacht, endlich die entspannten Tänze. Der Ärger über Veranstalter und Kapelle war wie weggeblasen, und endlich wusste ich, weshalb ich hierher gekommen war: Um Tango zu tanzen. Füsse verweigerten heute schon um viertel vor fünf ihren Dienst...

--

Kommentar von Ratatouille

Es gibt nur wenige Orchester die als Liveband ihren Eintrittspreis wert sind. Da ich fast immer enttäuscht bin, meide ich solche Veranstaltungen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Bälle mit Livemusik viele Leute anziehen die man sonst nie auf der Milonga sieht. Und die feiern dann das Orchester als würde Maestro Pugliese persönlich da oben stehen.

Ein guter DJ oder DJane, ein guter Boden und ein paar nette Leute, dann macht das Tanzen spass.

--

Kommentar von oldie

Einverstanden. Schöne Tandas brauchen weder Livemusik, noch den ganzen andern Zirkus internationaler Festivals. Dennoch denke ich, dass Tangomusiker die Unterstützung der Tänzer brauchen. Seien dies Auftrittsmöglichkeiten, Bereitschaft höhere Eintrittspreise zu bezahlen oder eventuell eine längere Sitzpause, mit dem Fokuswechsel von den Füssen hin zu Augen und Ohren, in Kauf zu nehmen.

Und ja, die Qualität ist nun mal sehr unterschiedlich. Bei den Ojos de Tango verkrampften sich nicht nur meine Füsse. Immerhin wurde mir vor Augen geführt, wie leidensfähig ich bin. Aber es gibt ja auch Liveorchester, ich denke an Silencio oder Soledad, welche wunderbare und tanzbare Musik spielen. Das erlebe ich dann umso mehr als exklusiven Genuss. Diese Dichte, Direktheit, Nähe und Lebendigkeit kann mir keine Konserve bieten.

--

Kommentar von sweti

Auch einverstanden. Die Forderung nach Verständnis wäre genau anders um für mich treffender: wie wäre es, wenn die Tangomusiker ein wenig Verständnis für die Tänzer hätten. Wenn ich Musik hören möchte, da gehe ich nicht zu einen Tangofestival, dort möchte ich ausschließlich tanzen. Ojos de Tango waren katastrophal & nicht nur für die Tänzer.

Ja, es stimmt: liebevoll ausgewählte Musik, nette Leute und ein guter Boden & mehr braucht man wirklich nicht.

Archivlink

Berliner Festival, Tag drei

Sonntag, 12. Juni 2011

Nachmittagscafé mit Milonga im Sportzentrum. Draussen turnen einige Leute zu DJ Bobo-Klängen herum. Vor dem Eingang sitzen viele junge Ballerinas, die vermutlich Workshops der Sorte "Hohe und tiefe Voleos" absolviert haben. Meine Erwartungen sind entsprechend tief.

Doch manchmal kommt es anders. Vom Tanzfluss her trotz Enge äusserst angenehm, und ein wunderschöner Tanz ergibt den nächsten. Nur Dusche plus Schwimmbad fehlt hier irgendwie. Und meine Defizite werden auch deutlich: Mein spanisch, italienisch und dänisch ist noch arg ausbaufähig. Dennoch, nach gefühlten zehn Minuten ist es schon neun Uhr Abends, und so langsam macht sich auch ein wenig Abschiedsstimmung breit...

Weil ich das Astra im letzten Jahr so hässlich fand, geniesse ich den späten Abend noch im Tangoloft. Wie üblich viele Nontangos, aber zwischendurch fallen auch für mich ein paar Krümel ab. Auch hier schöne Tänze, aber so nach vier Uhr ereilt mich dann doch die Müdigkeit.

Archivlink

Finale unter den Sternen

Montag, 13. Juni 2011

Nachmittagsmilonga im Radialsystem. Ich kannte den Ort schon von meinem ersten Berlin-Festival im 2008, inzwischen ist die Tanzfläche nochmals etwas grösser geworden. Noch immer ein traumhaft schöner Platz zum Tanzen, allerdings mit noch grösserem Nontango-Anteil als im Loft. Und etwas zu vielen "könnenwiroffentanzen?"-Frauen. Dafür trotz knallvoller Piste relativ friedlich.

Gegen neun Uhr Abends ist Schluss, doch ich habe definitiv noch nicht genug getanzt. Also weiter zum nächsten Openair an der Monbijoustrasse beim Bode-Museum. Auch hier knallvoll, dazu ein ziemlich löchriger und unebener Bretterboden. Und viele Nontangos. Dennoch eine einzigartige Stimmung, und ich geniesse die letzten Runden unter dem Berliner Himmel in vollen Zügen. Doch irgendwann kommt auch diese Milonga zu einem Ende. Gemütlicher Ausklang gegen drei Uhr morgens mit Pizza und Tiramisu. Sternenstaub wirkt offenbar nachhaltig.

Archivlink

Mal Guru, mal Blogger

Freitag, 17. Juni 2011

Frankfurt, Milonga beim Bolongaropalast. Huch, noch niemand da? Ach so, das ist die Neolounge. Nebenan die Hauptpiste mit Tandabildschirm. Viele Tischchen und Stühlchen, daher belege ich mal einen Barhocker mit guter Aussicht. Und schaue eine knappe Stunde dabei zu, wie sich die Leute gegenseitig begrüssen. Ich sollte mir mal eine "Ich bin neu hier!"-Kappe basteln.

Dann allerdings scheint jemand das Gerücht in die Runde gesetzt zu haben, dass ein fremder Guru anwesend sei. Wer das genau mit welchen Worten gemacht hat habe ich nicht herausgefunden, aber das Resultat war...äh...überwältigend. Schöne Tänze, sehr ruhige und flüssige Piste, guter Musikmix (wenn auch eine minimale Überdosis Di Sarli...), sogar noch eine Runde als Folgender lag drin.

Ach ja, dann noch ein Schreckmoment: "Du bist aus Basel? Aber nicht der mit dem Blog, oder?". Oder. Hat glücklicherweise dennoch mit mir getanzt. So war dann plötzlich zwei Uhr, aus die Maus. Wobei ich dank einer Mitfahrgelegenheit diesmal den Nachtbus vermeiden konnte. Wusste gar nicht, dass auch vertrauenswürdige Tangueras die "Oh, jetzt haben wir uns verfahren"-Nummer draufhaben. Tangotanzen ist gefährlich...

--

Kommentar von Harry

Überdosis di Sarli? Wenn ich mich recht erinnere, hatte ich genau eine Tanda di Sarli aufgelegt. Es könnte - wenn auch unwahrscheinlich - auch eine zweite dabei gewesen sein, leider ist mir die Playlist versehentlich in den Orkus gefallen. Aber mehr als zwei Tandas di Sarli waren es garantiert nicht.

Und das wäre doch noch keine Überdosis, oder? Kann es sein, dass du da was verwechselt hast? Ich mag nämlich di Sarli, aber ich bin nicht Melina. Bei ihr hätte ich ungestraft fünf Tandas di Sarli auflegen können ;-) Viele Grüße Harry

P.S.: ich wünsche mir Kritik an meinem Auflegen, schließlich will ich besser werden. Deshalb: wenn etwas nicht OK war, dann sag' was, wenn's geht mit Erklärung dazu. Keine Angst, ich halte das aus und bin auch nicht beleidigt...

--

Antwort von Patrick

Das mit dem Erinnerungsvermögen ist so eine Sache. Ich würde meinen, es waren drei Tandas (darunter einmal Vals). Aufgefallen ist es mir eigentlich nur deshalb, weil ein totgespieltes(tm) Tangostück darunter war. Den Titel weiss ich natürlich nicht mehr. Aber ich gebe zu, das war jetzt Jammern auf ganz hohem Niveau.

Orcus ist der Unterweltgott in Redmond, oder? Falls der doch noch was hergibt, kannst Du gerne die Di Sarli-Tandas hier posten. Kann durchaus sein, dass _ich_ dann von Petronella, Monika, Theresa und Melina aufs Dach kriege :)

--

Kommentar von Roberto

gibt es eigentlich eine Regel, die besagt, dass nur eine, zwei oder max. drei Tandas vom gleichen Interpreten gespielt werden kann/darf?

--

Kommentar von Melina

Heda! Egal wie gerne ich Herrn Di Sarli mag: Ich habe noch nie mehr als 3 Tandas von ihm auf einem Event aufgelegt. Und auch das nur auf 6-stündigen Milongas. Eine NORMAL lange Milonga (ca. 4 Stunden) erhält bei mir 2 Tandas Di Sarli. Genau! M.

--

Antwort von Patrick

Womit die Frage aber noch nicht beantwortet ist, ob Harry bei Dir ungestraft(tm) fünf Tandas von ihm auflegen darf...;-)

--

Kommentar von Harry

Dann muss ich doch nochmal in die Bütt... Ich hatte defintiv keinen Vals von di Sarli gespielt. Das weiß ich deshalb so genau, weil ich bestimmt seit einem halben Jahr oder länger keinen di-Sarli-Vals aufgelegt habe.

Aber mir fällt auf, dass du wohl öfters in Frankfurt bist - jedenfalls zweimal in den Milongas, in denen ich aufgelegt habe (Höchst und RoFa). Gib dich doch mal zu erkennen, ich unterhalte mich gern und habe auch kein Problem mit Kritik.

Die habe ich gerade von einem alten französischen Milonguero in Laragne beim Festiv'a la Milonguita bekommen, weil ich ihm nicht genug von den Stücken aufgelegt habe, die er sowieso in jeder Milonga hört. Aber die Kritik war dort trotzdem hilfreich, weil ich die Leute und deren Vorlieben nicht kannte. Also habe ich dann etwas anders aufgelegt und gut war's...

Archivlink

Sitzen an der Wupper

Samstag, 18. Juni 2011

Wuppertal, Café Ada. Full House. Dennoch chancenlos. Ich wusste ja, dass die Sitzordnung hier Scheisse ist, aber zwei Stunden lang komplett ignoriert zu werden ist trotzdem ziemlich frustrierend. Zuviele Gruppen, zuviele Paare. Die einzelnen Frauen gruppieren sich um einzelne Herren, starren ins Rotweinglas oder beschäftigen sich mit ihrem Mobiltelefon. Die Single-Herren hängen herum und gucken, als hätten sie eine Überdosis sedierender Psychopharmaka eingenommen. Normale Männer würden sich jetzt wohl betrinken. Tröste mich statt dessen mit Schokolade.

--

Kommentar von Joachim

Du meinst wohl "richtige" Männer, statt Schoko-Adepten? Würde Sean Connery Schokolade essen, wenn die Dame, mit der er tanzen will, auf ihrem Natel rumknetet? Oder würde er ihr es sanft aus der Hand nehmen, "später ist auch noch Zeit dafür" sagen - und sie es auch noch glauben?

Wer fährt auch bitteschön nach Wuppertal, wenn die art Basel jede Menge Guru-Frischfutter nach Basel schwemmt? Und die armen Mädels dann mit Sean Normaltangueros vorliebnehmen müssen. Ich mein, nur weil dieser Blog als "Tangoszene Basel" flaggt? Aber der upcoming Guru grad auf Pilger-/Büßerreise quer durch die Tangobotanik stresst. Schon ein bisschen skandalös, das.

Und was Gruppen, Harems und in Geheimtinte verfasste "Geschlossene Gesellschaft! Fremde draussenbleiben! Schokolade am Kiosk zu normalen Öffnungszeiten!" Schilder angeht: Das wird wahrscheinlich weniger lästig sein, wenn man zu den entsprechenden Rudeln dazugehört. Gibt's in Harems den wenigstens Schokolade?

--

Kommentar von KlausPP

Wuppertal und Ada. Nimm es nicht persönlich.

Ich war beruflich da in der Gegend (Dssd) und so vor 2 Jahren dienstags häufig im Ada und habe mir dort jede Menge Körbe eingehandelt (mein persönlicher Rekord). Ich bin nicht so der Cabeceomaker und gehe zu den Damen auch mal hin, das ist gelegentlich riskant, aber ist nicht das ganze Leben ...

Dasselbe habe ich vor ein paar Wochen von einem Freund gehört, der beruflich ebenfalls viel reist. Er hätte noch nie in seinem Leben so viel Körbe bekommen wie in Wuppertal im Ada.

--

Antwort von Patrick

Joachim, das mit den Harem funktioniert anders: Das waren machtpolitische Instrumente, durch den regen Wechsel der Gespielinnen sollte keine Frau einen bleibenden Einfluss auf den Sultan bekommen. Also eine ähnliche Logik wie bei den Tandas und Cortinas. Promiskuität gepaart mit Inzucht, wobei zumindest der Topkapi-Palast recht grosse Räume gehabt haben soll. Milongatauglich.

Aber was red ich. Von Schokoladenversorgung in Harems weiss ich nichts, denn in der Not frisst der Teufel Lakritzkonfekt (Connery wird übrigens im August 81. Kann der überhaupt noch beissen...?). Und ich bezweifle, dass die Art Tangueras nach Basel bringt. Wer tagsüber transparent-dekonstruktivistische Kuben aus Plastik für 300'000 Franken das Stück kauft, der hat abends vermutlich keine mentale Kapazität mehr für eine Milonga übrig...

--

Kommentar von Joachim

im Gegensatz zu Dir war ich am gut besuchten Vollmondtango mit vielen neuen Gesichtern. Und da der Tango auch vor Künstlern, Galeristinnen und Messebesuchern nicht halt macht, stellten verschiedene Leute einen Zusammenhang mit der art her, den ich nicht so weit hergeholt fand. Besser als zwei Stunden Hosen bügeln :)

Archivlink

Bilder, Fluss und eine Tanzlehrerin

Sonntag, 19. Juni 2011

Frankfurt, Romanfabrik. Ein wenig versteckt, aber diese umgenutzten Fabrikareale sind ja glücklicherweise alle ziemlich ähnlich aufgebaut. Schnuckelige Kleinkunstbühne. Keine Romane zu sehen, dafür viele Bilder. An denen ich beim Tanzen irgendwie immer anecke. Muss mal meine Haftpflichtversicherung überprüfen.

Wenig Leute (und noch weniger Männer) sowie viele schöne Tänze. Einzig einmal erwische ich eine Tänzerin, die mir auf der Piste Vorträge über die Führung von Giros halten möchte. Ich versuche zu erklären, dass ich noch fest am üben sei und für saubere Pivots daher noch ein wenig Zeit bräuchte. Sie outet sich als Tanzlehrerin. "Ja, dachte ich mir", sage ich lachend. Immerhin, sie nimmt es gelassen.

Ich mag keinen Unterricht während einer Milonga. Schon gar nicht, wenn der Tanzfluss richtig angenehm ist und ich speziell darauf achte, nicht zum Spielverderber der Piste zu werden. Ausserdem argumentierte sie sachlich konträr zu Detlef, und da müssten dann schon wirklich überzeugende Thesen kommen. Ich überlegte noch, ob ich mich mal führen lassen soll, doch dann setzte die Cortina dem Spuk ein Ende...

Archivlink

Viel Schokolade in Baden und ein Ortswechsel

Samstag, 25. Juni 2011

Libertango, Baden. Spedition. Ziemlich versteckt, und auch die Beutelnavigation hilft heute nicht weiter: Zwei Frauen mit Beuteln gehen zwar zielsicher ihres Weges, entpuppen sich dann aber doch nicht als Tangueras.

Dafür immerhin die erste Milonga, in der man von der Veranstalterin wie auch von der DJane persönlich begrüsst wird. Übersichtliche Szene, Cabeceos sind hier zweifellos unbekannt. Gute Versorgung mit Schokolade und Schokoladenkuchen.

Dann gibt es einen Mitgliedertanz, danach holen sich die Mitglieder in Kettentanzmanier neue Leute auf die Piste. Somit muss die Schokolade warten. Interessanterweise heute das letztemal in diesem Raum, demnächst wechselt der Verein ins relativ teure Badener Tanzzentrum. Jepp, das ist der Ort, an dem Oscar Moyano vor einiger Zeit seine Milonga aufgegeben hatte. Man darf gespannt sein. Letzter direkter Zug auch am Wochenende leider um 23.52...

Archivlink

Platzwechsel in Bern

Sonntag, 26. Juni 2011

Sommertag. Wilde Milonga auf dem Berner Bundesplatz. Erst schaue ich ein wenig aus dem sicheren Schatten zu, doch bald sinkt die Sonne weiter und die Hitze wird erträglich. Während ich noch überlege, weshalb man in Bern wohl ohne Allmendbewilligung sowas machen kann, kreuzt bereits die Polizei auf: Falsche Zone, vor allem am Sonntag.

So bleiben nur noch ein paar Puderspuren als Zeugen des Tanzes übrig, die wilde Runde sucht sich etwas unentschlossen eine neue Location -- und wird schliesslich auf der Bundeshausterrasse fündig. Asphaltboden, der trotz kiloweise Puder arg anstrengend zu betanzen ist. Hier tobt sich vor allem die junge Neoszene aus, wobei ich ebenfalls zu einigen schönen Tänzen gelange. Dank paradiesischen Platzverhältnissen ganz ohne Wunden. Dafür mit Blick auf die blutrot eingefärbten Berge des Berner Oberlandes. Rot ist eben doch die Farbe des Tangos...

Archivlink

Viele Valse, wenig Cabeceos

Dienstag, 28. Juni 2011

Hitzetag, dennoch eiskalter Vierwaldstättersee. Besuch aus dem tiefen Süden. Sousol, Luzern. Ein hübscher kleiner Raum im Untergeschoss mit ziemlich verstecktem Zugang zur Toilette. Sechs Valse hintereinander? Etwas verwirrend, auch wenn ich eine Tanguera kenne, der das wohl gefallen hätte. "Die DJs wechseln, manchmal wird die Musik hier auch etwas strukturierter aufgelegt", klärt mich eine Einheimische auf.

Leichter Frauenüberschuss, Cabeceos dennoch äusserst schwierig -- trotz einigen halbwegs gut positionierten Klappsitzen. Genussvolle Cumparsita, dann wieder im Eiltempo zum Bahnhof und in letzter Sekunde in den Zug.

Archivlink

Spannung in Sankt Wendel

Freitag, 1. Juli 2011

Sankt Wendel, ganz weit draussen im Golfhotel. Festivaleröffnung. Dank schlechtem Wetter leider nichts mit draussen tanzen. Wie erwartet eine mässig praktische Sitzordnung drinnen, glücklicherweise bin ich mit einer kleinen Gruppe hier. Das Festival stammt ursprünglich von Melina und Detlef (merke: Aus dem Tangokombinat wurde ein Tangosyndikat...), scheint sich aber ziemlich verändert zu haben: Eine geschlossene Umarmung auf der Tanzfläche ist eher die Ausnahme.

Nach und nach ergeben sich auch Tänze mit Unbekannten, wobei mein Händchen heute wenig glücklich zu sein scheint: Die Damen haben oft eine Mordsspannung in Schulter und Armen, ich kann kaum einen Schritt setzen, ohne dass mein Oberkörper gebremst oder gar blockiert wird. Ich brauch mehr Krafttraining...

Archivlink

Kühle in Sankt Wendel

Samstag, 2. Juli 2011

Festival in Sankt Wendel, heute zentral im Hotel am Fruchtmarkt. Grosse Openair-Tanzbühne mit Beleuchtung. Nach Sonnenuntergang wird es allerdings rasch ziemlich kühl, und meine Sehnsucht nach rassigen Milongas wächst stark. Ach ja, auf drei Seiten des Parketts endet die Welt abrupt mit Abgründen, das Tanzen auf der Aussenspur ist relativ gefährlich. Setze daher relativ rasch zwei Von-innen-nach-aussen-Rempler schachmatt. Das ist zwar nicht nett, aber ich hänge an meinem Leben.

Ansonsten war die Piste relativ harmlos, auch von Erfrierungen ist mir nichts bekannt. Ganz spät dann Tänze drinnen mit Puderunterstützung, wobei die eigentliche Innentanzfläche gar nicht genutzt wurde -- zu weit hinten versteckt. Verschachtelte Räume, entsprechend cabeceo-unpraktisch die Sitzanordnung. Dann muss ich noch kräfig grinsen: Manchen Frauen sieht man es schon an der Kleidung an, dass sie reine Neotänzerinnen sind. Je später, desto höher die Voleos. "Die sind harmlos, wenn das Spielbein ganz locker ist", erklärt mir dann noch eine Frau mit überzeugtem Tonfall. Klar. Wenn frau barfuss tanzt vielleicht schon...

Archivlink

Über Kuchen, Lärm, Schlaf und Männer

Sonntag, 3. Juli 2011

Manchmal muss man früh aufstehen. Etwa dann, wenn die Abschlussmilonga in Sankt Wendel schon in herrgöttlicher Frühe um elf Uhr angesetzt ist. Und wegen kirchlicher Aktivitäten in unmittelbarer Umgebung dann doch erst um zwölf beginnt. Das ist übrigens die Zeit, in der die Sonne ungefähr im Zenit steht. Draussen. Aber irgendwie traute ich mich dann doch nicht, mit einer Mütze zu tanzen. Heute mit DJ Bernd, den ich schon von der Milonga in den Maarauen kenne. Hätte also eh eine Mütze mit eingebauten Ohrenschützern sein sollen...

Ach ja, es gab Kuchen. Die Portionsgrösse habe ich leider erst gesehen, als wir schon los mussten. Wusste gar nicht, dass es so grosse Teller gibt. Heute praktisch nur Milongabesucher und dank des warmen Wetters alle draussen wild verteilt, ein paar Gesichter sind mir auch aus der Frankfurter Szene schon vertraut. Ein schöner Nachmittag, allerdings zwingt mich mein Schlafmangel irgendwann zum Zusehen.

Abends noch ein Abstecher nach Frankfurt. Das Gesicht der Zugbegleiter ist immer lustig, wenn sie eine Minute lang das zwei Tage lang gültige Ticket von Saarbrücken nach Basel mit dem Via "ROHR*(MA*GODE*F*DA*BENS"MA/LD)*OG" studieren und dann seufzend abknippsen. Rechtzeitig zur Romanfabrik. Hmpf. Ein Männerüberschuss, als hätte nebendran grad eine Schwulensauna dicht gemacht. Obwohl...natürlich prügelten sie sich nicht um mich, sondern um die Frauen. Wenige, aber wunderschöne Tänze. Und die Erkenntnis, dass die Cumparsita nicht in der letzten Tanda, sondern erst nach der Allerletzten kommt.

Spätnachts eine etwas unwirkliche Diskussion mit dem Nachtportier eines Einsternhotels im Rotli^WBahnhofsviertel über die Kausalität von Zimmernummern und Bettkapazität. Und dann hab ich sogar noch das Hotelfrühstück verpasst. Gab da allerdings eh keinen Kuchen....

Archivlink

Tanda-Paradiese und Grenzüberschreitungen

Mittwoch, 6. Juli 2011

Manche Männer vergessen die Hochzeitstage. Ich dafür habe im Frühling meinen Tangogeburtstag irgendwie vergessen. Ist ja auch nicht tragisch, zumal sich der Beginn eh nicht so genau auf einen Tag festnageln lässt. Inzwischen sind es vier Jahre. Zeit für ein paar Gedanken. Ich scheine ein Grenzgänger geworden zu sein.

Ich liebe die geschlossene Umarmung, fordere auch mir bereits bekannte Frauen beinahe ausschliesslich per Blickkontakt auf, bevorzuge zumeist klassische Tangos, bin ohne Tandastruktur aufgeschmissen und ärgere mich gelegentlich über fehlende Cortinas. Selten nötigt mich eine Frau in die offene Haltung, und dann leide ich meist.

Für Leute wie mich gibt es Orte, an denen das klassische Setup regiert, die Betonung liegt auf der geschlossenen Umarmung. Tango ist für mich ein kleines Paradies in der Welt, und nun öffnet im Paradies noch eine Schokoladenabteilung. Treffen sich dort also gleichgesinnte Schokoladenmäuler? Meiner Erfahrung nach nicht unbedingt. Die vorderen Reihen werden von den Kakaobauern und den Zwischenhändlern belegt, dazu drängeln sich noch viele Chocolatiers. Ein Kännchen heisse Schokolade? Hm, gibts hier keine Milchschokolade?

Um den Vergleich nicht überzustrapazieren: An Milonguero-Festivals wie auch an klassischen Milongas kennen sich die meisten Leute bereits, entsprechend bildet sich rasch eine Insider-Truppe. Da fühle ich mich jeweils oft als Aussenstehender und Eindringling, was im Zusammenhang mit Cabeceos natürlich keine gute Ausgangslage ist. Dann höre ich an diesen Orten auch ein wenig zu oft die Behauptung, es ginge bei der Tanzpartnerwahl ausschliesslich um das Tanzniveau. Ich bin schon ein wenig zu lange dabei, als dass ich das noch ernst nehmen könnte. Wir sind Menschen. Aber die soziale Kontrolle an solchen Orten lässt vermutlich keine andere Einstellung zu. Auch das ist menschlich. Auch mehrere Tandas in Reihe sind dann tabu. Angeblich braucht man ja den ersten Tango um sich aneinander heranzutasten, den zweiten zum Geniessen und den dritten zur Verabschiedung.

Bei mir ist das ähnlich, bloss brauche ich dazu manchmal gleich ganze Tandas. Schokolade lässt sich eben nur genüsslich geniessen. Es passiert selten, dass ich mit einer unbekannten Frau gleich drei Tandas tanze. Aber das sind die Momente, in denen ich weiss, weshalb ich Tango tanze. Und glücklich bin, auch wenn ich den Rest des Abends nur noch herumsitzen sollte. Natürlich ergibt sich daraus ein Ungleichgewicht. Das ergibt sich aber auch, wenn eine Frau pro Abend lediglich zwei Tandas mit einem Guru braucht, um glücklich zu sein. Regeln sind daher immer so eine Sache.

Am Festival in Berlin wurden hauptsächlich Figuren abgespult und Frauen herumgezerrt. Wer da eine angenehme Umarmung anbietet und kleine Sachen mit der Musik anstellt, fällt sofort auf und erhält feine Komplimente. Die Frauen waren überrascht. Egoistisch betrachtet: Weshalb soll sich jemand dem riesigen Konkurrenzdruck an einem Milonguerofestival stellen, bei dem die Frauen die Umarmung, Musikalität, kleine Bewegungen und gute Balance (öhm...) erwarten und voraussetzen? Der Grenzgänger hat irgendwie Lust, aber mag keine elitären geschlossenen Kreise. Zumal es an solchen Orten wegen der sozialen Kontrolle auch undenkbar ist, nach der Milonga um vier Uhr morgens bei einem türkischen Pizzabäcker zu landen und dort über den Tango und das Leben zu plaudern. Ich geniesse solche Ausklangmomente aber sehr. Ein Dilemma.

Mit meiner mirada hatte ich in den letzten eineinhalb Jahren versucht, lockere Atmosphäre mit schöner Musik zu verbinden, quasi eine weltoffene traditionelle Milonga anzubieten. Manchmal schien das funktioniert zu haben, aber unter dem Strich war die Besucherzahl ganz einfach viel zu gering. Ob ich die Milonga im Herbst fortsetze, ist noch unklar. Zuviel Konkurrenz, und derzeit wollen offenbar ja das Corrientes und das Gellert sogar noch den Freiluftbereich erobern. Schwierig.

Boah, hat bis hier jemand durchgehalten? Fazit: Ich liebe den Tango, und der Tango meint es meistens ganz gut mit mir. Aber ich weiss noch nicht so recht, wo ich ihn finden kann, und bin manchmal überrascht, wo er mich findet oder sogar küsst. Und noch immer bin ich heillos überfordert damit, nach innigen Tänzen wieder in den Alltag zurückzufinden. Schauen wir mal. Und geniessen den Sommer.

--

Kommentar von Cassiel

Ja, ich habe es bis zum Ende durchgehalten. ;-)

Einen schönen Text hast Du geschrieben und gratulieren wollte ich natürlich auch. Vier Jahre? Sehr schön! Und alles Gute für die nächsten vier Jahre...

--

Kommentar von Mikamou

So wie sich dein Beitrag liest bist du (fast) in der Tango-Midlife-Crises angekommen ... jetzt sind also schon 4 Jahre der, von dir selbst schon im Vorwort geschätzten, 10 Jahren auf dem Weg zum Tango-Guru vergangen. Ich gratuliere dir zu deinem Tango-Geburtstag und habe mir anlässlich dieses feierlichen Moments ein paar Gedanken zu deinen Gedanken gemacht.

Tanzniveau ist ein sehr dehnbarer Begriff, auf jeden Fall ist es ein nettes Feigenblatt hinter dem frau (und man) sich verstecken kann. Warum sollte man seine persönlichen Zu- und Abneigungen bzw. Vorlieben und Abneigungen darlegen? Beim Tango geht es eben doch viel um Zwischenmenschliches und der Mensch ist nun mal ein Gewohnheits- und Herdentier. Entweder man ist von Natur aus kontaktfreudig wie Natrium und Wasser oder man investiert ein wenig mehr in die eine oder andere "Szene". Grenzgängertum und schmetterlingshaftes Herumreisen sind vielleicht nicht immer dienlich, um sich ein Tangonetzwerk aufzubauen. Die Ausnahmen bestätigen dann wohl die Regel und du darfst in dem Fall sicher sagen, dass du vom Tango geküsst wurdest. "Soziale Kontrolle", wie du es nennst, beobachte ich unter älteren Semestern, wo du wohl auch schon dazugehörst, seltener, aber auch diese gehört (leider) in die Abteilung der menschlichen Gewohnheiten.

Den Tango auf die (Art der) Musik zu reduzieren ist ein Versuch der da und dort gemacht wird (Cassiel, Christian, Theresa et al.), aber schlussendlich geht es hier immer um eine sei sie noch so flüchtige Beziehung zwischen Menschen. Wie sagte mir mal eine Tänzerin ziemlich frustriert: "It's all about human dynamics" Aber bitte verstehe mich nun nicht falsch die Musik ist eindeutig das Zweitwichtigste!

Zu deinen Erfahrungen in Berlin fällt mir nur ein französisches Sprichwort ein: "Au royaume des aveugles, les borgnes sont rois" Den Kevin hast du am Festival wohl völlig an die Wand gespielt?

Zu deiner Milonga ... tja, ist kein einfaches Pflaster in Basel ... viel Konkurrenz, Ignoranz und Standesdünkel. Es gibt auch nicht viele die das nötige Charisma, die Gastfreundschaft und das nötige Netzwerk haben, um sich als Milongaorganisator zu bewähren. Yves war wohl nicht erfolgreicher als du, die Milonguita ist doch eher etwas für In- oder Outsiders, César, Sopee, Besma, Claudia ... war da was, Stephania beschränkt sich nurmehr auf Kurse, Mathis ist nur eine Frage der Zeit, die Youngsters sind sich selbst genug und bei Talib läuft nur der Petersplatz. Bei einer Milonga ist die Musik (nur) die halbe Miete ... denn über Musik lässt sich trefflich streiten.

--

Kommentar von Theresa

Nein Mikamou, ich reduziere den Tango nicht auf die Art der Musik. Die Musik-Auswahl steuert den Tanzstil und die Pisten-Kultur in eine bestimmte Richtung, aber es ist immer noch Sache der Tanzenden, was sie damit machen. Und man sieht auch tänzerisch Schauderhaftes und menschlich Schmerzliches in den Milongas mit "guter" Musik. Die Musik kann halt vom Veranstalter gesteuert werden, aber nicht, wie die Leute sich verhalten.

Und ich rede aus eigener Erfahrung. Dort, wo mein Tango-Netzwerk nicht hinreicht, bin ich schon sehr einsam rumgesessen, als "älteres Semester". Und ich lese immer mit Interesse, wie Patrick von den Nöten eines Nicht-Insiders berichtet (das mit der sozialen Kontrolle auf Milonguero-Festivals scheint mir allerdings übertrieben).

Theresa

--

Antwort von Patrick

Älteres Semester? Ich? Mir haben schon Frauen um die Mitte Fünzig erklärt, dass sie sich ja nie getraut hätten, mich aufzufordern, weil ich doch noch so jung sei. Eine Salsatänzerin um die 20 hingegen nennt mich "Grossvater". Alter ist relativ.

Was die Basler Milongas angeht: Immerhin waren zu meiner Eröffnung viele Leute da, von denen ich das nie erwartet hätte. Aber im Alltag hat sich natürlich die Marktmacht der Tangoschule durchgesetzt, und rückblickend war es von mir auch ziemlich naiv, solch ein Projekt alleine zu starten. Wir werden sehen.

Und ja, das mit dem Tanzpalast ist eine traurige Geschichte. Ich erinnere mich noch, wie vor vier Jahren der Saal am Sonntag Abend regelmässig knallvoll gewesen ist. Auch aus Besuchersicht ist Basel ein mässig begeisterndes Pflaster geworden: Die Milongas, an die man problemlos alleine hingehen kann, kannst Du inzwischen an einer Hand abzählen.

Den Spruch mit dem Einäugigen und den Blinden hab ich ja erwartet. Pass auf, dass Du nicht plötzlich in einen Balken hineintanzt, während Du über Splitter dozierst :)

--

Kommentar von Mathis, Tangosalonbasel.ch

Ihr habt über mich und den Tanzpalast zwei Äusserungen gemacht, die ich gerne kommentieren möchte: "...Mathis ist eine Frage der Zeit..." , "...der Tanzpalast war mal knallvoll...". Diese Beobachtungen sind berechtigt.

Die Situation hat sich für mich im Verlauf der letzten 10 Jahren gewandelt. Es gab mal eine Zeit, wo Basel mit zwei Milongas ganz glücklich war. Als ich beschloss, die zweite Milonga zu eröffnen, brachte man mir viel Skepsis entgegen. Es hiess, der Sonntag sei sicher ein schlechter Tag. Ich zog den Plan dennoch durch mit dem Ergebnis, dass diese neue Milonga, wie du sagst, über mehrere Jahre sehr gut besucht war. Nur: das merkten viele andere auch und der Marktkampf ging los. Heute finden am Sonntag zu Spitzenzeiten bis zu 4 Milongas statt. Diese Vermehrung wird auch von Milongueros immer wieder beklagt.

Aber es gibt auch andere, persönliche Gründe für den mässigen Besuch der Sonntagsmilonga: Tango ist neben einer wunderbaren Philosophie u.a. auch eine soziale Kiste und wie in jeder Szene geht es auch um "sehen und gesehen werden" . Ich war früher ein sehr aktiver Teilnehmer dieser Szene, die damals noch etwas exklusives, pionierhaftes in sich hatte. Ich denke an die Milongabesuche im Bermudadreieck Basel-Zürich-Freiburg, an den Verein Tango Vivo, wo ich im Vorstand mitwirkte (erster grosser Ball der Region mit dem Grossen Orchester von Mosalini in der Mittenza, Gründung des Openairs vor der Uni, die Milongas im Kleinhüningen u.a.). Das war alles noch im letzten Jahrhundert. Mit der Familiengründung und der Übernahme des Tanzpalasts kam der Bruch, die Reduktion auf die eigenen Schulaktivitäten und die Erkenntnis, dass Kinder noch wichtiger sind als der Tango, was ich mir vorher gar nicht vorstellen konnte. Die Folge war der Rückzug von Reisen nach Buenos Aires, ich war 10 mal dort, Rückzug von allen Milonga-Besuchen und damit verbunden der Rückzug von den sozialen Netzwerken, die ich sehr vermisse. Der Teufelskreis war perfekt. Heute kann ich mir weder Gastlehrer noch Orchester mehr leisten. Dennoch hat sich die Sonntagsmilonga auf ein Mass stabilisiert, das ich als sehr angenehm und familiär empfinde. Viele schätzen daran gerade den Ausbleib von "Szene".

Wenn ich schon dran bin: es geistert heute noch eine alte Mär durch diverse Köpfe, dass zwischen der Tangoschule Basel und Tango Salon Basel ein unüberwindbarer Graben bestehen würde. All jene möchte ich hier eines besseren belehren. Auch wenn die Kontakte sehr selten sind, sie existieren und ich empfinde keine Spur von Feindseligkeit. Ich kann meinen "Konkurrenten" nur gratulieren zu allem, was sie erreicht haben.

Ein weiteres Vorurteil: es heisst, ich würde den Neotango verabscheuen (nennt ihn bitte nicht Tango Nuevo, dieser Ausdruck ist von Piazzolla besetzt). Was das Neue anbelangt: als Student an der MHS habe ich als Gitarrist immer wieder an Uraufführungen mitgewirkt. In meinen Tango-Anfängen, da gab es noch keinen Neotango, habe ich stets auch zu konzertantem Piazzolla getanzt. Aber verzeiht mir, wenn ich keinen Neotango tanze: ich erachte ihn als ideale Tanzform für junge Tänzer, die ihn hier in Basel hervorragend tanzen. Doch mit bald 60 habe ich keine Lust dazu, ich ziehe die traditionellen Formen vor. Aber ich werde immer auch zu neuen Kompositionen tanzen, wenn sie mich dazu animieren. Details zu diesem Thema würden diesen Rahmen sprengen. Und was die Musik angeht: wie überall kann der Neotango mehr oder weniger anregend sein, und auch hier habe ich grossartige Nummern gehört.

Auf die entsprechende Frage pflege ich zu antworten: ich möchte in den Armen einer Tänzerin bei einem guten di Sarli sterben. So in 30 Jahren. Bis dann werde ich auch weiterhin aus lauter Leidenschaft tanzen und unterrichten, egal welche Wellen gerade Basel überziehen. Und wenn ich einmal so tanze wie Gavito, werde ich der Glücklichste sein. Mathis

P.S.: Meinen Töchtern habe ich versprochen: sobald sie Tango tanzen gehen wir nach Buenos Aires...

--

Kommentar von Tangonegro

@Mathis: Aber der TP war nicht vor 10 Jahren bumsvoll, sondern noch bis mindestens Anfangs letzten Jahres..Konkurrenz ist sicherlich gekommen, aber die meisten haben auch ihren Betrieb wieder eingestellt.

Archivlink

Gehen im Gellert

Freitag, 8. Juli 2011

Basel, zum Sommertango ins Gellert. Wie erwartet keine Aussentanzfläche, aber dank geringem Besucheraufkommen war es auch drinnen ganz angenehm. Ich wundere mich immer wieder, dass hier noch Bilder hängen, auch wenn es mich weniger wundert, dass es nicht mehr die Bilder vom letzten Jahr sind. Viele Männer, die den taktischen Fehler begangen haben, alleine hierhergekommen zu sein. Gellert ist Cabeceowüste.

Dann hab ich auf der Piste noch ein wenig die Anfängertanzpaare beobachtet. Dass ich mir keine Sequenzen merken kann ist ja nichts Neue, aber mir fiel auf, wie unglaublich viel Konzentration dafür drauf geht, eine bestimmte (simple) Sequenz nachtanzen zu können, die wohl im letzten Kurs das Thema war. Sequenzen werden den Lernenden ja oft als hilfreiche Krücke angeboten, auf mich wirken sie eher wie eine Behinderung auf dem Weg zum Tanzen und Geniessen. Immmerhin haben wir beim Tango doch drei verschiedene Tänze und ganz viele Rhythmen. Gehen, Stoppen, Wechseln...

Archivlink

Brillenprobleme in Freiburg

Samstag, 9. Juli 2011

Freiburg, endlich mal wieder ins El Sur. Boah. Um neun Uhr soviele Männer, als würde hier irgendwo eine Modelleisenbahnaustellung stattfinden (mir wurde neulich gesagt, ich solle hier künftig doch bitte politisch korrekte Vergleiche benutzen. Ist das jetzt wirklich besser?). Dazu kommt noch, dass eine Salsera am Donnerstag mit einem kräftigen Faustschlag meine Brille gekillt hat und ich nun für die nächsten Tage mit meiner uralten Ersatzbrille umherschleiche. Grosse runde Gläser. Damit sehe ich aus wie der Grossvater von Harry Potter. So kennt mich wenigstens keiner, dachte ich.

Falsch gedacht. Drei Männer haben mich unabhängig voneinander daran erinnert, wann mein letzter Zug fährt. Elende Stammleser. Wie heisst es so schön: Wer mit der Deutschen Bahn fährt, der braucht für den Spott nicht zu sorgen. Auf dem DJ-Laptop in der Neolounge läuft rechts oben Frauenfussball. Dort scheint es keinen Männerüberschuss zu geben.

Dann gab es am Eingang noch Schuhe. Die Varianten für die Männer sahen aber extrem glitzernd und gleichzeitig unbequem aus. Nebenan auch die Bar, offenbar wurde das obere Stockwerk geschlossen. Irgendwann normalisierte sich das Geschlechterverhältnis, und ich genoss schöne Tänze im feuchtwarmen Klima. Bis zur Show der DJane mit ihrem Guru, die ziemlich genau meinen Erwartungen entsprach. Erstaunlich schwacher Applaus. Setzt sich also doch so langsam eine gewisse Showmüdigkeit durch? Und nein, ich habe heute keinen Zug verpasst.

--

Kommentar von Angelika

Hallo Patrick, nur eine kleine Bemerkung zu den Schuhen: wir sind sozusagen Anfänger und das war unsere allererste "Show". Eigentlich hatten wir etwas mehr Experimentierfreudigkeit erwartet, aber offensichtlich bevorzugt die Freiburger Tangoszene eher klassische, dezente Modelle. Wir werden das künftig berücksichtigen.

Jeder muss mal irgendwie anfangen, oder? Allerdings hast du die Schokoladenseite verpasst: bei uns gab es zu jedem Schuhkauf ein Alfajor (Riesen-Schokopraline aus Buenos Aires)!!!

--

Antwort von Patrick

Tja, hätte ich das nur gewusst. Allerdings wird man von den meisten Schuhangeboten eh überrumpelt, welcher Milongabesucher hat denn schon immer 200 Euro dabei. Und die meisten Tangueras sind wohl auf eine bestimmte Marke abonniert, mit der sie gute Erfahrungen gemacht haben. Ansonsten kaufen Damen ihre Schuhe vermutlich ähnlich irrational wie Männer die Graphikkarte für den neuen Rechner. Ich schwör inzwischen auf meine tres pisadas und eine Radeon 5750...

--

Kommentar von Angelika

Tja, vielleicht hättest du die Brille auflassen sollen: meine Schuhe kosten nur ca. 130 Euro! Übrigens: am 15.10. sind wir das nächste Mal bei El Sur...

--

Kommentar von Antanguero

Mit Deinen Stapfen kannst Du die Frauen bestimmt beeindrucken, aber wozu die 5750? Täte es nicht auch ein Pinguin-Fuchsschwanz?

--

Antwort von Patrick

Die 5750 ist die billigste Karte, die drei Monitore ansteuern kann. Google-Maps auf 3240 mal 1920 Pixel hilft beim Orten von Milongas...

--

Kommentar von CaptnDirk

Was ist ein Pinguin-Fuchsschwanz?

--

Archivlink

Musikprobleme in der Kühle

Sonntag, 17. Juli 2011

Nach dem Gewitter folgte die Sonne -- und die Kühle. Dennoch noch ans Openair am Petersplatz. Dick eingepackt. Vermutlich ist die geschlossene Umarmung doch eine Erfindung der Schweden. Sommer? Pah. Alles fühlt sich nach Herbst an...

Die Frau in mir geniesst die Folgekünste. Achse, Schultern entspannen, so langsam stehe und gehe ich minim sicherer als auch schon. Bloss: Die Musik. Eigentlich sollte der Folgende nicht selbst die Rhythmen interpretieren. Tu ich aber. Kaum abzustellen. Schlimm. Gibts da kein Rezept dagegen?

--

Kommentar von TwoToTango

Als Folgende gibt es durchaus Möglichkeiten, mit der Musik zu spielen und sie zu interpretieren z.B. bei Vorwärts-Ochos - wenn der/die Führende sie denn so führt oder mit Verzierungen, z.B. Zwischen-Taps, Voleos, Enrosques, kleinen Fusskreisen, je nach Musik, Gusto, Platz auf der Tanzfläche (!!!) und Können. Die Meinungen dazu gehen allerdings - wie immer auseinander.

Ich persönlich nerve mich allerdings, wenn eine Folgende sehr eigenwillig wird; will sagen, wenn ihre Interpretation und Verzierungen unseren gemeinsamen Tanzfluss stören.

--

Kommentar von ratatouille

Ich tanze öfters mit Frauen die auch selber führen, und sie machen das auch ziemlich gut. Aber meine Erfahrung ist, dass eine Frau die am Abend schon viel geführt hat, eigentlich als Tanzpartnerin für diesen Abend verloren ist. Denn sie hat ihre Ohren zum Führen geöffnet und nicht zum Folgen. Also Patrick du musst dich entscheiden was du jeweils willst. Probier doch einmal dich führen zu lassen bevor du selber geführt hast, und du wirst sehen, das geht wie geschmiert.

--

Antwort von Patrick

"Für diesen Abend verloren" scheint mir deutlich übertrieben, aber es dauert sicher ein paar Tänze, bis man in den Rollenwechsel hineingefunden hat. Und der Wechsel ist wohl auch Übungssache. Generell ist mir aber noch schleierhaft, wie man als Folgender gleichzeitig die Musik ganz bewusst wahrnimmt und sich dennoch völlig(tm) auf die Interpretation der Führenden einlässt. Und ja, meine Zwischen-Taps sind reichlich übertrieben und wohl auch irritierend, aber sie sind so schwer abzustellen...

--

Kommentar von Garance

beim Folgen empfinde ich die Aufmerksamkeit auf den Führungsimpuls vorrangig gegenüber der Musik, obwohl die Musik nach meinem Dafürhalten das Paar als Ganzes führt und lenkt. Der oder die Führende hat jedoch den Lead bei der Verwandlung von Musik in Bewegung. Schwierig ist es zu Folgen, wenn jemandes Bewegungen und Führungsimpulse zu wenig mit meinem Musikgehör und Bewegungsempfinden übereinstimmen. Damit es dann überhaupt zu einer Verbindung/Kommunikation kommen kann, muss ich mich verstärkt auf das Erspüren des Impulses ausrichten...das ist recht anstrengend- meiner Meinung nach ist diese Konstellation ein "no go.",- das passt dann einfach nicht zueinander.

--

Kommentar von Garance

an ratatouille.- Ich finde deine Aeusserung zum Thema Führen/Folgen zu verallgemeinernd. Abgesehen davon,transportiert sie auch ein,- mittlerweile selten offen geäussertes,- Vorurteil, wonach Frauen die führen, Anpassungsfähigkeit und Sinnlichkeit einbüssen. Wie schnell und leicht man hin und her wechselt ist individuell und hat 1.hauptsächlich mit der Tanzerfahrung zu tun und 2. mit der Tagesform/Spannungszustand.

Richtig ist, dass die Ohren zwar hören, aber die Töne in Spüren/Bewegen verwandelt werden. Ob ich folge oder führe, es ist wichtig, dass ich spüre was mein Körper tut oder was mein Impuls beim vis-a-vis auslöst an Bewegung. Wenn Beide wach aufeinander bezogen sind, dann kann der Tanz sich kraftvoll, inspiriert und mit kreativer Energie entwickeln..

--

Kommentar von ratatouille

hallo Garance, ich glaube von mir behaupten zu dürfen, dass ich sehr wenig Vorurteile habe. Ich habe überhaupt nichts gegen Frauen die führen im Gegenteil. Es ist ganz einfach eine Erfahrung die ich immer wieder mache, und es stimmt, es gibt Frauen die können besser die Rolle wechseln als andere.

--

Kommentar von Garance

lieber ratatouille,-ich habe vielleicht etwas scharf formuliert,- es war nicht so streng gemeint, -freut mich, dass du offen bist.! Rollenwechsel machen Spass, abgesehen davon dass man viel dabei lernt. Man merkt, worauf es ankommt bewegungsmässig. Ausserdem versteht man die andere Position besser und entwickelt mehr Grosszügigkeit und laisser-faire....

Archivlink

Torkeltänze in der Academia

Samstag, 23. Juli 2011

Frankfurt, Academia de Tango. Ein nüchterner Raum mit vielen tiefen Sitzkissen. Ich hasse tiefe Sitze. Allerdings war ich eh in Begleitung da und startete zwischendurch nur halbherzige Cabeceoversuche. Sehr angenehmer Boden, dennoch war heute irgendwie meine Balance völlig im Eimer, und die zahlreichen Säulen haben mich auch verwirrt. Dazu ein sehr kruder Musikmix mit vielen dramatischen Pugliese-Persiflagen. Und Stücken von Piazzolla, die ich mich nie trauen würde aufzulegen.

Was mir noch auffiel: Hier wie auch an vielen anderen Tanzschulen in Deutschland scheint es üblich zu sein, die laufenden Kursgelder jeweils direkt vom Konto abbuchen zu lassen -- mit Kündigungsfrist wie bei der Bahncard. Vulgo: Knebelvertrag. Bei der heutigen grossen Konkurrenz wundert mich, dass sowas von den Kunden akzeptiert wird...

Archivlink

Fussarbeit im Corrientes

Samstag, 30. Juli 2011

Besuch aus dem hohen Norden. Milonga Brava von Anna und Luis im Corrientes. Ui, auch hier tobt sich inzwischen nur noch der wirklich harte Kern aus. "Warum gucken die hier alle nur zu und tanzen nicht?", fragt mich meine Begleitung. Weiss ich auch nicht. Ist halt Basler Szene. Später noch der Showauftritt von Anna und Luis. Definitiv viel Fussarbeit. Ist das der Kern des Tangos?

Archivlink

Kein Gewitter in Luzern

Sonntag, 7. August 2011

Wenn das Niederschlagsradar einige Gewitterzellen vom Thunersee bis zum Gotthard zeigt und der Wetterbericht von "Regen in den Voralpen" spricht, kann man dann nach Luzern zur Openair-Milonga? Man kann. Zumal die Milonga eh unter dem Dach des KKL halbwegs geschützt ist und sich die Wolken nach und nach tatsächlich auflockerten. Ich mag diesen Ort direkt am See. Nur die Umstände sind in Luzern immer so eine Sache.

Dieses Jahr war die Tanzfläche kein Quadrat mehr, sondern ein Achteck. Damit wird das Tanzflüsschen zum Querbeet-Rinnsal. Und auch nach Ablauf der ersten Stunde konnte man sowas wie Tandas nur mit Mühe erahnen. Wie soll man zu solch einem Mix musikalisch tanzen? Immerhin, die Voleotreffer an meiner Hüfte waren meistens ganz gut im Takt...

Zugegeben, das Geremple und Gezerre war auch nicht viel wilder als im Progr oder im Silbando. Aber am Vierwaldstättersee wird jedes Mal gejammert, die Szene sei halt zu klein und die guten Tänzer zögen rasch weg. Nun, vielleicht könnte man mal Lehrer einladen, die soziales und musikalisches Tanzen anstelle von Figurenabspulerei unterrichten?

Immerhin, dank des kühlen Wetters blieben diesmal auch die touristischen Zaungäste aus, und damit fielen auch die geplanten Shows ins Wasser. Gute Schokoladenversorgung auf der Rückfahrt. Dennoch etwas Wehmut. Tango in Luzern könnte so schön sein...

Archivlink

Elektro auf der Strasse

Samstag, 20. August 2011

Freiluft-Street-Tango, Frankfurt. Leicht schräger Steinboden mit tiefen Rillen, viel zuschauendes Volk, angenehm warme Temperaturen und beim Eindunkeln interessant wechselnde Farben vom benachbarten Einkaufszentrum. Leider viel zu viele Zwangspausen, weil die Elektrotango-Quote astronomisch hoch war. Sozusagen Tangoloft-Aussenstation. Für Frankfurt ziemlich ungewöhnlich...

--

Kommentar von Gino Oechler

Mich würde ja interessieren, aufgrund welcher Eindrücke dieser Eintrag entstanden ist. Ich habe am Samstag dort 5 Stunden getanzt. Frankfurt Street Tango, ja ! Der Steinboden war sehr, sehr gut betanzbar und überhaupt nicht schräg ! Die ganze Atmosphäre war wundervoll !!

Es gab zwischendurch ein paar Tandas mit sehr gut tanzbarer neuerer Tangomusik. Keinen Elektrotango. Das Ganze wird es öfters geben : Street-Tango

--

Kommentar von Schahla

Hallo Blogger, Nur mal aus Neugier, wie hattest Du vom Frankfurter Street Tango erfahren? Ich wusste nicht, dass wir bis in die Schweiz Publicity haben. Einer der Veranstalterinnen

--

Antwort von Patrick

Nun, einige Frankfurter Spatzen hatten es bereits von den Dächern gepfiffen, so schallte die Kunde bis nach Basel. Gino, poste doch bitte hier mal Deine Playlist vom Samstag. Paris-Texas von Gotan fand ich ja immerhin ganz cool...

Archivlink

Schwitzen in der Fabrik

Sonntag, 21. August 2011

Frankfurt, Romanfabrik. Viel Volk, aber leider eine Musiklautstärke für arg Schwerhörige. Und klimabedingt eine ziemlich schwüle Atmosphäre. War daher ziemlich tanzfaul. Äusserst intellektuelle Diskussionen über Abdrücke auf Hosenanzügen. Tango ist vielfältig.

Archivlink

Nächtliche Schritte in der Banlieu

Samstag, 27. August 2011

Montreuil, Seine-Saint-Denis. Milonga Le Chantier. Hier soll sich angeblich die junge Szene wild austoben. Tatsächlich ist das Durchschnittsalter relativ jung, was meine Chancen bei den Damen ins Bodenlose fallen lässt. Meine Begleiterin hingegen lacht sich einen jungen Kerl nach dem anderen an. Ausserdem ist der Eingangsbereich hoffnungslos verqualmt, und die Luft auf der Tanzfläche wird im Verlaufe des Abends auch nicht besser. Irgendwie fühle ich mich hier handicapiert.

Jung und wild? Eigentlich war die Piste relativ zahm, und hohe Voleos schienen eher die Ausnahme zu sein. Dafür plärrte der Lautsprecher ziemlich unangenehm ins Ohr, und irgendwie ist die Milonga auch ein wenig zu weit draussen. Dauert zwar angeblich bis acht Uhr morgens, aber ich wollte dann doch die letzte U-Bahn um 1.32 Uhr nehmen. Diese ist allerdings entgegen dem Aushangfahrplan schon um 1.28 gefahren, was zu einem nächtlichen Spaziergang durch die Banlieu geführt hat. Ich muss gestehen, ich fand es gemütlicher als die Milonga...

Archivlink

Verzierungen in der Mägd

Donnerstag, 1. September 2011

Endlich mal wieder zu Irma in die Poema. Heute vom Musikmix her nicht ganz so mein Fall wie auch schon. Allerdings tanze ich in letzter Zeit irgendwie auch vergleichsweise selten Tango und bin wohl etwas aus der Übung.

Dann treffe ich die erste Tanguera meines Lebens, die sich nicht über ihre Füsse, sondern über ihre Beine beklagt. Offenbar hat da ein Tanguero zu fest dran rumgeschubbert. Andere klagen ja über Löcher im Boden, wie etwa das Merian. War wohl doch nicht ganz so tragisch, demnächst startet dort wieder die Sonntagsmilonga...

Archivlink

Eine Show zum Weggucken

Samstag, 3. September 2011

Frankfurt, Destinotango. Nach und nach recht viele Leute, aber die meisten halt doch ziemlich grüppchenhaft an ihren Tischchen. Schöner Musikmix, und auf dem Klo noch immer dasselbe feuchte Handtuch wie vor drei Monaten.

Heute gibts aber Show. Und was für eine. 56 Jahre tanze der aus Argentinien eingeflogene Milonguero schon, wird verkündet. Man ahnt das Schlimmste, doch es kommt noch schlimmer: Er rupft seine deutlich jüngere Showpartnerin aus dem Grossraum Zürich (jaja, dort durfte bereits Flaco Dany an ihr herumzerren) so brutal in der Gegend rum, dass ich kaum hinsehen kann. Vier endlose Tänze des Grauens. Und die Krönung: "Sie ist keine Argentinierin, sondern Deutsche!", gröhlt er grosskotzig in das Publikum. Falsch. Aber dennoch stimmig, das Ganze: Grenzenlose Selbstüberschätzung gepaart mit völliger Merkbefreiung. Welcher Teufel da wohl die Veranstalter geritten hat?

--

Kommentar von Mikamou

Die A.B. aus Z. möchte es nicht anders und der P.A. aus AR kann es nicht anders. Aber wem es gefällt... Zumindest die Muskeln wird sie dabei schon trainieren.

--

Kommentar von Kerstin

P.A kann auch anders - wenn nicht show - aber arrogant, das JA. Und mit Flaco Dani zu tanzen - wenn nicht show - ist ein Erlebnis in Rhythmus und weicher Führung. Somit Frage : erwarten wir / das Publikum / den Zirkus und die Verrenkungen?

--

Kommentar von Mikamou

@Kerstin: Könnte sein, vielleicht in BsAs. Bei den argentinischen Tango-Künstlern ist in Europa nach der Show ja immer vor der Show und umgekehrt. Mann muss ja die Werbetrommel rühren. Ich konnte ihm mal in ZH zusehen, ohne "offizielle" Show, nicht mit A.B. sondern mit Y.M. aus NL, da waren es die gleichen Verrenkungen (der Begriff passt übrigens sehr gut:).

--

Kommentar von Rosa

Hier noch das Video zur Diskussion, da kann sich jeder ein eigenes Bild von dem Auftritt machen.

--

Antwort von Patrick

Bei mir funktioniert nur dieser Direktlink. Das war übrigens der harmloseste der vier Tänze, find ich.

--

Kommentar von Oldi

Hat etwas von einem schweizer Schwinger. Fehlt nur Sägemehl und Schulterwurf.

--

Kommentar von Roberto

so unterschiedlich können Eindrücke sein. Oft fühlt es sich ja besser an als es aussieht. Ich denke, er ist in seiner Entschlossenheit kein unangenehmer Tanzpartner. Die Frau kann sich auf jeden Fall darauf verlassen, dass ihr Mann die Achse bestimmt nicht verliert und sie einfach bequem mitnimmt. Ja, und D'Arienzo kann man auch nicht tanzen, als käme man grad aus dem warmen Bett. Als Schwinger würd ich ihn jetzt also bestimmt nicht bezeichnen, einfach als einer, der weiss was er will.

--

Kommentar von Kerstin

Tja... obwohl ich ihn als arrogant empfand, möchte ich doch etwas zu seiner Verteidigung sagen. Und Euch bitten, seinen Auftritt bei Destinotango von einem Jahr zuvor anzuschauen. Bei Youtube gibt es davon einen Zusammenschnitt.

Er tanzte damals mit Alejandra Gutty, eine hervorragende Tänzerin, mit grosser Präzens. In dem Tango "El cielo y tu" kann man sehen wie er so gar nicht dominiert, wie er wartet und sich zurücknimmt (und klar, sich teilweise dabei "verrenkt") - um SIE zu presentieren. Ganz in alter Tangotradition. Er ist - nach eigener Aussage - bald 80. Deshalb möge man ihm den etwas runden Rücken, und nicht ganz beweglichen Oberkörper nachsehen.

Es hat was "bewegendes", finde ich, wie aufmerksam er sich auf sie einstellt. Mit seiner über 60-jährigen Tangoerfahrung kann er natürlich auch eine schwächere Partnerin "zwingend mitnehmen". Ob ICH es nun schön finde, oder nicht, ich zolle diesem Urgestein des Tangos Respekt.

--

Kommentar von Rosa

Kann ja sein, dass er ein angenehmer Tanzpartner für eine Milonga ist, aber bei einer Show erwartet das Publikum durchaus, dass das Ganze auch ästhetisch befriedigend aussieht und die Musik bis zu einem gewissen Grade widerspiegelt. Im Endeffekt interessiert es das Publikum wenig, ob es sich für die Frau angenehm anfühlt oder nicht. Ich finde in diesem Video sieht man deutlich, wie unausgeglichen die Körperpräsenz der zwei Tanzenden ist. Er wirkt irgendwie hyperaktiv und drängend, wobei sie ihm so gut sie kann folgt, ohne aber eine eigene Expressivität zu entwickeln. Schade.

--

Kommentar von Rosa

Kerstin hat wohl Recht, wenn sie bemerkt, dass P.A. mit einer geeigneten Partnerin durchaus eine gute Show tanzen kann. Die Videos mit Andrea Gutty und Geraldine Rojas sprechen Bände. Mit A.B. hat es wohl einfach nicht harmoniert und er meinte sie zu ihrem Glück zwingen zu müssen mit einer drängenden und dominierenden Art. Wenn man zudem sein Alter in Betracht zieht, muss man ihm durchaus Respekt zollen.

--

Kommentar von Oldi

Respekt? Weil er in seinem Alter krampfhaft versucht eine fulminante Bühnenshow hinzulegen? Oswaldo ist ja auch nicht mehr der jüngste. Aber welche Musikalität, Finesse und Zärtlichkeit.

--

Kommentar von Rosa

Zugegebenermassen tanzen Osvaldo und Coca Cartery in einer ganz anderen Liga als Avellaneda und A.B. Doch kann man meines Erachtens die beiden Auftritte nicht wirklich mit einander vergleichen. Osvaldo und Coca sind ein (Ehe-)Paar und als Tanzpaar ein eingespieltes Team. Beide bringen eine enorme Erfahrung mit. Sie tanzen ausschliesslich den estilo milonguero und versuchen sich erst gar nicht an Showelementen.

Avellaneda und A.B. sind hingegen kein festes Tanzpaar und A.B. scheint (noch) nicht über genügend Erfahrung zu besitzen, um auf der Bühne bestehen zu können. Dazu kommt noch die forcierende Art von Avellaneda und die "Show zum Weggucken" ist perfekt...

--

Kommentar von Oldie

PA wird als einer der letzten Grandes Milongueros verkauft. Beides sind also Milongueros, beide sind schon ältere Herren und beide haben eine riesige Tangoerfahrung. Das sind doch einige Gemeinsamkeiten. Allerdings finde ich auch, dass die beiden nicht miteinander vergleichbar sind.

Ich sehe nämlich nur einen Milonguero. Auch denke ich, dass es keine Rolle spielt, mit wem die beiden Herren tanzen. Beim einen sieht es immer wie Tanz aus.

--

Kommentar von Kerstin

VERKAUFT ist das Schlüsselwort, ja - denn die Käufer, das Publikum, wir? wollen offensichtlich lieber Showtango als TangoMilonguero sehen.... sonst würden sich wohl die Veranstalter anders orientieren. Angesichts der Tatsache, dass viele der "alten Tangotänzer" im reifen Alter ihre Ersparnisse und Rentenrücklagen an den eigenen Staat verloren haben, ist es für mich verständlich, dass sie gut bezahlte Angebote aus Europa annehmen.... müssen...

ICH würde lieber Osvaldo und Coca zuschauen, und von ihnen lernen.... aber die Nachfrage regelt das Angebot. Und P.A. versucht das zu bringen, wofür er bezahlt wird.

An Rosa: Danke! DU hast verstanden was ich meinte! Lieben Gruss!

--

Kommentar von Rosa

Ich finde die Behauptung, dass es egal sei mit welcher Frau die beiden milongueros tanzen, masslos übertrieben. Es macht für die Darbietung durchaus einen Unterschied, ob der Mann eine ihm ebenbürtige oder um Welten unterlegene Frau zur Seite hat. Unterschätzt Oldie da nicht ein bisschen die Rolle und Bedeutung der Frau beim Tangotanzen und wertet sie zur Statistenrolle ab?

--

Kommentar von Oldie

Wenn jemand als Milonguero verkauft wird, wie PA, dann erwarte ich TangoMilonguero und nicht Showtanz. Nach meinem Verständnis kann ein Milonguero mit jeder Frau tanzen. Eben weil es nicht um irgendwelche Figuren und Verrenkungen, oder um so befremdliche Kategorien wie 'ebenbürtig' und 'unterlegen' geht.

Nein, es geht doch darum, eine oder mehrere Verständigungsebenen mit dem Gegenüber zu finden und aufzubauen. Wenn das gelingt, dann geht eine Intimität und Harmonie vom Paar aus, unabhängig vom tänzerischen Niveau, dem mein Auge gerne folgt. Wenn das Paar dann noch ästhetisch mit der Musik tanzt und Spass zusammen hat, dann bin ich als Zuschauer völlig zufrieden.

Diese Fähigkeit der Adaption traue ich nur einem der beiden Herren zu. Der andere zieht einfach sein Ding durch. Ich bleibe dabei: Beim einen immer Tanz, beim andern Kampf und Krampf.

--

Antwort von Patrick

Adaption? Verständigungsebene im Tanz unabhängig vom tänzerischen Niveau? Glaub ich nicht, das muss mir mal jemand zeigen. Natürlich kann man sich anpassen. Das heisst aber eben beispielsweise, unter Showdruck mit sehr viel Kraft zu tanzen, wie unser Milonguero. Weil er nicht deutlich genug führt, oder weil sie zu störrisch ist, oder weil beide mit der Musik eh überfordert sind, oder damit Zuschauer das Gefühl haben, er zeige selbstbewusst, wo es lang gehen soll. Das ist genau diese Form von Selbstüberschätzung, die mich nervt.Es ist weder für den führenden noch für den folgenden Part langfristig angenehm, dauernd die Fehler des Anderen auszubügeln. Auch wenn es offenbar populär ist.

Melina und Detlef haben in einem Workshop mal gesagt, man solle sich keinesfalls für den Tanzpartner verbiegen. Dem müsste man vielleicht noch einen Satz hinzufügen: Schon gar nicht für eine Show.

--

Kommentar von Monika

Ich möchte hier nicht wertend kommentieren, nur mal auf z.B. dieses Video hinweisen. Für mich eine grossartige, sehr musikalische Interpretation zweier absolut gleichwertiger Partner. Und genau da liegt meines Erachtens der Knackpunkt. Gleichwertig.

--

Kommentar von Rosa

Danke an Kerstin und Monika! Ich kann Eure Argumentationen nicht nur nachvollziehen, sondern bin auch Eurer Meinung. Man muss den Wert der Frau nicht unterschätzen und die Partner sollten als gleichwertig betrachtet werden, wie im richtigen Leben also.

Ausserdem finde ich, dass das Video von P.A. mit Luna Palacios sehr eindrücklich illustriert, um was es dabei geht. Sie harmonieren zusammen und haben anscheinend eine gemeinsame Verständigungsebene, das Resultat ist eine "Show zum Hingucken"...:-)

--

Kommentar von Kerstin

Viele (bei weitem nicht alle) milongueros können auch show tanzen. Die meisten, älteren, showtänzer beherrschen auch den estilo milonguero. Die shows, die hier in europa gefragt sind haben ihre würzeln schon eher im tango salon, und "bereichern " ihn mit elemente aus den so genannten tango nuevo - der auch nix neues ist.

@ Rosa und Monika : ja! auf die partnerin kommt es an, und dem was sie aus der Führung machen kann. Das angebot ist da, bei P.A - mann (frau) muss halt was daraus machen können. Das video mit Luna Palazzio ist.... besonders, und sehr originell. Deshalb sehenswert

Archivlink

Ein gescheitertes Experiment

Freitag, 9. September 2011

Freitagsmilonga. Keine lokale Konkurrenz heute, dafür ein lauer Spätsommerabend, den viele wohl lieber am Rheinufer verbringen. Winziges Besuchergrüppchen, obwohl ich zu später Stunde immerhin noch meine Frauenrolle ausleben kann. Nicht so einfach, eine Milonga zu betreiben.

Insofern muss ich gestehen, dass das Projekt "eigene Milonga" nach exakt zwei Jahren gescheitert ist. Ja, viel Konkurrenz auf dem Platz, aber auch vor Eröffnung des Corrientes hatte ich nie wirklich volles Haus, kam nicht über die notwendige kritische Masse an Besuchern hinaus. Kurzum: End of mirada. Ein herzlicher Dank an alle miraderas und miraderos der vergangenen zwei Jahre, es bleiben auch viele schöne Erinnerungen zurück. Zukunft? Offen...

--

Kommentar von Cassiel

Schade! Vielleicht irgendwann einmal wieder eine eigene Milonga? Das wünsche ich Dir jedenfalls...

--

Kommentar von Mikamou

Jeder hat so seine Theorien warum gewisse Milongas laufen und andere nicht. Die Konkurrenz ist da nur ein Faktor. Schlussendlich war es eben schon (wage)mutig von dir, aber gelernt hast du sicher auch einiges dabei. Ich hoffe das Lehrgeld hat sich für dich ausgezahlt.

Archivlink

Der letzte Applaus

Sonntag, 9. Oktober 2011

Wenn das Wetter draussen gruselig wird, dann bleibt endlich mal Zeit für schon länger herumliegende Filme. "Der letzte Applaus" warf im Jahr 2009 keine riesigen Wellen, zumal er weder mit Stars noch mit Tanzszenen aufwarten kann. Alte Sänger aus vergangenen Zeiten, die sich nochmals zu einem gemeinsamen Auftritt zusammenfinden -- ist das seit "Buena Vista Social Club" nicht ein wenig ausgelutscht?

Nicht unbedingt. Da ist die Bar von El Chino, der mit seinen Hunden im Bett schläft, und dessen Andeutungen über seine Jugend vermuten lassen, dass er mit einer Ausschaffungsinitiative wohl kräftig in Konflikt gekommen wäre. So sammelt er eine bunte Schar von Sängern um sich: Christina und Inés singen regelmässig in der Bar, und auch Horacio Acosta mit seiner arg schwarzhumorigen Milonga über eine Beerdigung schliesst man ebenso rasch ins Herz. Inoffizieller Star des Films ist aber irgendwie Julio César Fernán, der nicht nur ein hervorragender Sänger ist, sondern mit Ende 50 sich tatsächlich noch überlegt, gelegentlich bei seiner Mutter auszuziehen. Darüber hinaus beschäftigt er sich mit Frauen und Pferden.

Doch es bleibt nicht bei den lockeren Sprüchen. El Chino stirbt, Horacio verliert erst sein Haus und später sein Leben, der Rest der Truppe verliert den Mut und die Hoffnung. Wo früher bei vollem Haus gesungen wurde, regiert bald nur noch der Katzenjammer. Omar als neuer Chef ist zu sehen, wie er traurig in der Bar herumhängt und singt -- unterstützt von einem altersschwachen Plattenspieler und zwei Kumpeln. Die Tristesse ist in der Szene förmlich greifbar. Auch philosophische Zwischentöne liegen drin: So meint etwa Walter Barberis, dass die Tangos von Einwanderer-Enkeln geschrieben worden seien, und leitet daraus ab, dass Entwurzelung immer auch vererbt wird. "Wir sind die Besten, und wir verdienen am wenigsten", beklagt sich Christina an anderer Stelle.

Doch wir ahnen es schon: Ein junges Orchester taucht auf, und die alten Säcke machen sich ebenfalls wieder auf den Weg, um gemeinsam nochmals die alten Gassenhauer zu singen. Das wirkt arg konstruiert, aber vielleicht ist man bei dokumentarisch ausgerichteten Filmen auch sensibler, wenn etwas zu sehr inszeniert riecht. Immerhin hat der Regisseur der Versuchung widerstanden, die Musik mit Showtänzen zu bebildern. Dafür wird quasi eine Art Evolution der Technik demonstriert: Die ersten Interviews zu Beginn des Filmes mit El Chino sind unglaublich verrauscht, während der Proben fährt die Kamera auf Schienen, und beim grossen Auftritt zum letzten Applaus schliesslich schwebt die Kamera auf einem Kran wie beim Musikantenstadl rauf und runter. Das irritiert ein wenig, aber es hält wohl niemanden davon ab, sich von der Musik verzaubern zu lassen. Tango kann tatsächlich auch "nur" als Gesang wirken, und vermischt mit liebenswerten Gestalten und viel Galgenhumor wird daraus eine beeindruckende Mischung. Kann ein Film eigentlich Traurigkeit vererben?

Archivlink

Drei blaue Stunden in Zürich

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Zürich, Bar l'heure bleu. Milongatechnisch gesprochen sozusagen das neue Hiltl beim Römerhof. Eine freundliche helle Bar mit kleiner Tanzfläche und äusserst zweifelhafter Akustik. Meine Ohren fanden jedenfalls weder Klang noch Lautstärke sonderlich angenehm, und der Musikmix war irgendwie auch nicht so ganz nach meinem Geschmack.

Dafür Besuch aus dem hohen Norden und dem tiefen Süden. Und eine Dame, die beim Tanzen mitgesungen hat. Kombiniert mit einigen Quertänzern gab das viel Abwechslung. Dazu eine relativ lustige und wechselfreudige Truppe. Leider schlug um halb zwölf bereits die Cumparsita zu, und das zweitletzte Tram reicht noch für den letzten Zug. Una vez más? Ja, vielleicht...

Archivlink

Der Tratsch und die Schokolade

Freitag, 14. Oktober 2011

Festivalito von Melina und Detlef in Saarbrücken. Deutlich lockerere Tischordnung als im letzten Jahr, dazu ganz hinten auch noch ein paar Hühnerbänke. Grandiose Schokoladen- und Kuchenversorgung. Heute noch keine Tänze mit Unbekannten, zumal ich von der Anreise her noch ein wenig faul und das Tratschen irgendwie auch wichtiger war. Schöner Musikmix, und auf der Tanzfläche hat das mit den zwei Spuren auch meistens ganz gut funktioniert. Hat es also doch genützt, dass Melina satte viermal hintereinander die Tanzregeln an die Teilnehmer gemailt hat? Ach ja, und Andreas trägt diesmal keine beige Hose. Yeah!

Archivlink

Mehr Kuchen, mehr Süsse

Samstag, 15. Oktober 2011

Festivalito, Tardecita am Nachmittag. Noch mehr Schokolade, noch mehr Kuchen. Ohrenbetäubende Musik, aber ein schöner Mix (Wow. minimale Candombe-Einlagen!). Und ein wenig mehr Chaos auf der Tanzfläche, aber es lässt sich noch immer genüsslich tanzen. Allerdings werden auch heute die verschiedenen Grüppchen deutlich sichtbar, ich schaffe es genau auf eine Tanda mit einer bislang unbekannten Tanzpartnerin. Lasse mir dafür zwischendurch von einer Tanguera die Spitznamen diverser Tanzpartner erklären. Schockierend.

Abends wiederum in der Johanneskirche, viele verzettelte Sitzplätze wie gehabt. Ich brauche ziemlich lange, bis ich herausfinde, wo sich genau der Tangostrich (einen herzlichen Dank nach Frankfurt für diesen Begriff) bildet. So zurückhaltend die Damen während des Abends, desto mehr Torschlusspanik gegen Ende, und so kommen auch Nichtgurus noch zu Tänzen mit Unbekannten. Ach ja, die Musik von Bärbel war einigen wohl zu zuckersüss. Ich muss gestehen, ich kam damit gut zurecht -- mit ein paar Ausnahmen. Dafür gab es um vier Uhr dann die Cumparsita mit dem wohl längsten Intro. Und ich glaube, ich habe einen Engel mit einem Igel tanzen sehen...

Archivlink

Wenig Kuchen, keine Tänze

Sonntag, 16. Oktober 2011

Despedida am Sonntag, der Moment der letzten Tänze und der gestenreichen Verabschiedungen. Hauptthema schien mir allerdings die DJane des Vorabends gewesen zu sein -- die Meinungen gingen diametral auseinander. Ich persönlich kann mich an eine ziemlich kaputte Pugliese-Tanda spätnachts erinnern, und über die Subwoofer-Platzierung habe ich mich auch gewundert. Aber Bärbel scheint durch ihre Facebook-Selbstvermarktung eh einen gewissen Ruf zu haben.

Ansonsten hab ich in sechs Stunden heute dreimal getanzt, was dann doch etwas wenig war. Zuviele Cliquen, zuviele Gurugroupies, zuviel Inzucht, zuviel Konkurrenz, zuwenig Normalsterbliche. Das mit den Milonguerofestivals ist irgendwie eine vertrackte Sache...

--

Kommentar von Antanguero

Du bist naiv. Wieso sollen die Frauen unbekannte Frösche küssen, wenn ihnen die Prinzen und Könige zu Füssen liegen?

--

Kommentar von Mikamou

@Antanguero: You made my day! :D

--

Antwort von Patrick

Mein Unkenrufen seit je her, genau deshalb führt sich die formelle Geschlechterparität ja selbst ad absurdum. Zumindest auf dem Tangostrich war der Männerüberschuss bombastisch, so dass ich beinahe mit einem Mann getanzt habe. Im allerletzten Moment hat er dann allerdings gekniffen :-)

--

Kommentar von Anonym

Vielleicht verpassen die Groupies ja einen Kaiser?

--

Kommentar von Andreas Wichter

Lieber Patrick,

Ich kann Dein Gefühl, das FCA sei durch Cliquenbildung geprägt, nicht ganz nachvollziehen - und einige Gäste, die zum ersten Mal überhaupt zu uns gekommen sind, haben auch mir gegenüber betont, wie freundlich, offen und egalitär sie die Stimmung fanden.

Sicher ist es frustrierend, wenn man nicht so viel zum Tanzen kommt, wie man möchte, oder mit wem man möchte, aber bei einem Festival wie bei einer Milonga ist jeder seines eigenen Glückes Schmied. Schmollen hilft da nicht. Es sind nicht immer die Anderen schuld.

Einige britische Freunde, die zum Teil weniger als zwei Jahre tanzen und weder Startänzer noch Models sind, waren gerade mal zum zweiten Mal beim FCA und konnten kaum fassen, wie viel Spaß sie hatten und wie viele tolle Tandas sie mit ihnen vorher völlig unbekannten Menschen hatten. Es ist ihnen bloß gelungen, offen und freundlich auf andere zuzugehen, statt ihnen mit Vorurteilen wie "Gurugroupies" passiv-aggressiv gegenüberzutreten.

Ein Begriff übrigens, den ich als sehr misogynistisch empfinde, und der mich auch deshalb ärgert, weil Du damit möglicherweise einige wunderbare Damen meinst (und beleidigst), die ich persönlich sehr schätze - und deren einziges Vergehen ist, nicht mit Dir getanzt zu haben. Und warum gute Tänzer wegen ihres hart erworbenen Tanzkönnens als "Guru" offensichtlich abgewertet werden müssen, ist mir nur zu klar. Abschließend möchte ich noch anmerken, daß meiner Ansicht nach ausschließlich "Normalsterbliche" anwesend waren.

--

Antwort von Patrick

Misogyn? Vor ein paar Monaten kam in Südfrankreich ein männliches Groupie zu einer Milonga, und nach etwa zwei Stunden zog er beleidigt wieder ab, als ihm klar wurde, dass die DJane nicht mit ihm tanzen wird. Naturgemäss fällt mir dieses Verhalten öfters in weiblicher Ausprägung auf, im Sinne von einer völlig von ihrem Idol abhängenden und ziemlich kommunikationsreduzierten Dame. Die wartet dann brav und mit gesenktem Blick, bis er andere betanzt hat und wieder zu ihr kommt. Die hat es überall, und ich habe sie auch am Wochenende wahrgenommen. Die bringen ein markantes Ungleichgewicht rein.

Auf Gruppen bin ich inzwischen möglicherweise überallergisch, aber nach drei Jahren Festivalito plus Sankt Wendel sowie Weihnachtsmilonga finde ich das Cliquenverhalten rund ums Tangokombinat schon äusserst ausgeprägt. Natürlich ist es in der Neo-Szene um Welten schlimmer, aber das ist für mich kein Massstab. Die "Amigos" wachsen zusammen, und aus Platzgründen werden langfristig wohl nur noch wenige "Nicht-Insider" von Aussen dazustossen. Aus der Innensicht mag das nicht auffallen, mich irritiert es. Im Steakhouse beispielsweise formierte sich adhoc eine Gruppe ohne Abgrenzungstendenz. _In_ der Milonga scheint dann der Status plötzlich wieder wichtig.

Natürlich war die Piste paradiesisch. Die Tanzspuren haben funktioniert. Aber mir fiel auch auf, dass die meisten Paare für sich alleine getanzt haben. Drehen, stehen, weiterziehen. Blickkontakt unter den Führenden? Fehlanzeige. Da wird der Tanzfluss dann eher ein Instrument, um friktionsfrei aneinander vorbeizukommen. Da hatte ich mir wohl ein wenig zu viel erhofft.

Nicht mit mir zu Tanzen ist (noch) kein Vergehen, sonst sässen ja die meisten Frauen im Gefängnis. Mich nach einem Lied stehen zu lassen finde ich hingegen zumindest leicht unfreundlich (über die Gründe kann man in wundervoller Weise spekulieren), und ich bezweifle stark, dass das Dir oder Detlef passiert wäre. Andere saftigere Fehltritte von Teilnehmern insbesondere neben der Piste mag ich hier aber nicht breittreten. Bitte sehe den Guru-Begriff im Kontext meines Blogs und interpretiere nicht eine Abwertung hinein, wo keine ist. Das mit den Guru-Groupies bezog sich übrigens weder auf Detlef noch auf Dich, Andreas.

Wenn ich schon dabei bin: Cabeceo-Taktiken waren auch schon einfacher. Wenn es gesellschaftlich völlig verpönt ist, mehr als eine Tanda am Stück gemeinsam zu tanzen, dann wird die Marathon-Cortina zur wahren Schlacht, und die ganzen vordrängelnden Männer mit den Handcabeceos lassen die Frauen arg passiv werden. Spätestens ab Beginn des zweiten Liedes ist es dann irgendwie auch witzlos, weiterhin auf die Pirsch zu gehen. Mir sind ja drei volle Lieder schon viel zu knapp, um wirklich warm zu werden.

Was die Reaktionen angeht: Natürlich ist bei vielen Leuten offiziell immer alles superduper. Sonst müsste man sich ja das eigene Scheitern zumindest teilweise eingestehen, oder sich von anderen gar vorwerfen lassen, man habe in der Schmiedekunst versagt. Also spricht man von sauren Trauben oder verdrängt sein Pech. Enthaltsamkeit ist das Vergnügen an Sachen, welche wir nicht kriegen. Oder so ähnlich. Diese Logik liegt mir irgendwie nicht.

Kurzum: Die Rempler habt ihr grösstenteils draussen gelassen, und das ist sicher eine fantastische Sache. Aber es ist eben auch nicht alles.

--

Kommentar von Theresa

Patrick, ich war ja nicht dabei und kann keine eigene Einschätzung abgeben. Nur eine Frage: Hast du es denn bei deinen "weiblichen Pendants" versucht, also bei Frauen, die länger gesessen sind, weil sie vielleicht auch nicht lauter Freunde dort hatten? Auch mal mit direktem Auffordern, nicht nur mit Cabeceo? Denn den beherrschen nicht alle, und wenn man länger sitzt, wird man des Schauens müde. Ich könnte mir vorstellen, dass es Frauen gab, die dafür dankbar gewesen wären.

--

Kommentar von Peter Fangmeier

Hallo Patrick,

beim lesen deines bolg, speziell deiner beiträge (auch in anderen blogs) ist mir aufgefallen das du an JEDER milonga was auszusetzen hast. mal ist es die musik, der dj (m/w), die sitzordnung, mal die technik .... und immer wieder die tänzer oder die tänzerinnen. wenn du nicht auforderst wird auch keine mit dir tanzen. auf diesen veranstaltungen wird viel getanzt, da hat mann oder frau auch mal das recht eine TANZPAUSE einzulegen.

und nun zur johanniskirche in saarbrücken. sie wurde gegen 1890 als kirche gebaut und wird als solche auch genutzt, zusätzlich kann sie gemietet werden wenn es in dem kirchlichen rahmen passt. sie für JEDE veranstaltung akustisch neu zu justieren würde wohl deutlich den finazielle rahmen der kirchengemeinde sprengen.

die akustik von kirchen ist immer einzigartig .... und jeder mensch hört und fühlt musik anders (frei nach joaquim amenabar). mir hat das fca 2011 jedenfalls gefallen.

Peter Fangmeier
fb, google+

--

Kommentar von Melina Sedo

Es war das Festivalito con Amigos des TANGOKOMBINATs, nicht ein Event von Detlef und Melina.

Tut mir leid, dass es Dir schon wieder nicht gefallen hat. Vielleicht hast Du einfach ganz andere Erwartungen an Milongas, die unsere Events offensichtlich nicht erfüllen können. Es hatte mich ohnehin schon gewundert, dass Du nach Deinen letztjährigen Erfahrungen wieder gekommen bist. Ich persönlich gehe auf kein Event zum zweiten Mal, wenn das erste Mal schon für mich vermurkst war. Das würde ich auch Dir empfehlen!

--

Kommentar von Nachtblind

lieber patrik, liebe tangomänner allgemein, das festivalito con amigos habe ich nicht besucht, lese aber bei diversen bloggern, was darüber geschrieben wird. einen speziellen punkt möchte ich erwähnen, der allgemein für milongas gilt. "cabeceo" was für eine wundervolle einrichtung! ich fände sie noch wundervoller, wenn ich in einer schummerig beleuchteten, ziemlich vollen milonga so etwas erkennen könnte........

davon abgesehen mag ich nicht männer anstarren, die sich nicht für die anwesenden weiblichen wesen interessieren und nur bestimmte tänzerinnen betanzen wollen. nehmt es mir nicht übel..... mich kann man direkt auffordern, ich finde das absolut korrekt. wenn mir nicht ums tanzen ist sage ich das auch.

--

Kommentar von Monika

Patrick, Du schreibst: "Mich nach einem Lied stehen zu lassen finde ich hingegen zumindest leicht unfreundlich (über die Gründe kann man in wundervoller Weise spekulieren)"

Das ist durchaus sehr unfreundlich und keine Tänzerin die ich kenne tut das ohne Not. Nun kenne ich Dich auch als durchaus passablen Tänzer der Frauen nicht das Kreuz verbiegt, ihnen nicht dauernd auf die Füsse tritt, nicht schlecht riecht, keine sexistischen Anmerkungen macht (weder verbal noch körperlich). Mehr fällt mir gerade nicht ein was eine Tänzerin dazu bringen könnte jemanden nach einem Tango stehen zu lassen. Ausser sie musste wirklich dringend aufs Klo...

Den Groupie-Faktor (hach, da ist ja mein Gott, mit dem will ich den Rest der Tanda tanzen) kann und mag ich keiner der anwesenden Tänzerinnen unterstellen - was also hast Du getan? ;-)

--

Kommentar von Roberto

Nachtblind, deine Gedanken zu cabeceo finde ich höchst interessant. Ich befürchte allerdings, du hast nur die Seite der Frau beim cabeceo erfasst. cabeceo ist ja nicht nur ein Schutz für die Frau, nicht mit einem Mann tanzen zu müssen, sondern eben auch für den Mann. Du sagst ja selber, dich könnte man schon auffordern, du würdest dann zu erkennen geben, ob dir nach tanzen ist oder nicht. Nur, welcher Mann steht gern vor eine Frau und bekommt dann einen Korb? Ausserdem finde ich cabeceo ein sehr prickelnder Beginn einer Begegnung, auf den ich nicht verzichten möchte.

--

Antwort von Patrick

Theresa, ja, mit einzelnen Damen aus den "hinteren Rängen" ergaben sich wunderschöne Tandas. Wenn Frauen aber gar nicht auf in der Nähe herumlungernde Männer reagieren (oder das wie in der Kirche rein baulich fast unmöglich ist), dann kann ich halt auch nicht zaubern. Aufforderung per Handkante ist nicht mein Ding, schon gar nicht an einem Festival, an dem im Vorfeld satte viermal per Mail auf die Cabeceo-Regeln hingewiesen wird. Ausserdem waren die Festival-Damen ohne erkennbare Begleitung oder ausserhalb von Gruppen an einer Hand abzuzählen. Zumindest dann, wenn man die gut vernetzten Nonstop-Tänzerinnen ebenfalls nicht zählt.

Melina, es war sogar das dritte Mal, und ich kann nicht sagen, dass die vorherigen Milongas für mich durchs Band vermurkst waren. Manchmal will man ja auch nicht so schnell aufgeben, trotz Grenzgänger-Problemen.

Und Monika, Du machst mir noch mein sorgfältig aufgebautes Image kaputt. Seit Jahren denkt wohl so manche Leserin, dass ich ausschliesslich lästere, nach dem ersten Tanz jeweils einen Heiratsantrag stelle und sowieso nur zu Piazzolla tanzen kann. Was weiss ich, die konkrete Dame hatte wohl grad einfach keine Lust mehr, nicht weiter tragisch. Aber die Summe solcher Details wirken sich dann halt immer auch auf die Stimmung aus. Deine These in der Klammer habe ich übrigens durchaus schon erlebt, wenn auch glücklicherweise nur selten. Der Status spielt eben gelegentlich auch ein wenig mit.

--

Kommentar von Monika

Sorry.

Die anwesenden Damen: würden Sie bitte meinen Kommentar ignorieren?! Patrick tanzt grauenvoll, nur zu Piazolla und Otros Aires, und wer nach dem ersten Tango nicht schnell genug auf dem Baum ist wird von ihm geheiratet.

--

Kommentar von Oskar

Hallo Patrick! Als ich in meinem 4. Tangojahr zum ersten Mal an einem internationalen Festival teilnahm, wollten mit mir nur die ganz schlechten Tänzerinnen aufs Parkett. Die Prinzessinen haben so deutlich an mir vorbeigesehen dass es richtig wehgetan hat. Es gelingt mir noch immer nicht mit allen bestens tanzenden Schönen zu tanzen, es wird aber von Jahr zu Jahr besser.

Im Tango ist es mit der Partnerwahl vermutlich wie im richtigen Leben. Wunderbar erklärt hat das Bernhard Ludwig in seinem Seminarkabaret. Also nicht herumjammern sondern mit denen tanzen die mit dir tanzen wollen! Die Zeit für die Prinzessinen wird kommen. Ein Tangoexperte hat dies so beschrieben.

--

Kommentar von frank frei

Lieber Patrick, "Viel Feind, viel Ehr". Da ich Dich nicht persönlich kenne, ist es völlig unverdächtig, wenn ich Dir vollumfänglich RECHTgebe!

Durch Deine früheren Berichte aus z.B. Berlin oder Frankfurt ist Deine Seriosität unzweifelhaft. Und man merkt, daà der Tango Dir am Herzen liegt! Niemandem und nichts bist Du verpflichtet und somit neutral wie die Schweiz ;-) Deine kritische Stimme darf nicht mundtot gemacht werden. Nur jene, die ihr eigenes Süppchen kochen, fürchten die unangenehme Wahrheit. "Getroffene Hunde bellen."

Der Tango ist bedroht durch
- indifferente Veranstalter, deren einziges Interesse im Kassieren des Eintritts besteht; anstatt ihren Laden sauber zu halten von Rowdies und Unfähigen, die den milongueros ständig mit Rempeleien o.Ã. den Abend versauen. Zum Vorbild sollten sie sich eine location in Bs.As. nehmen, die solchen Störern den Eintritt zurückerstattet ... und tschüß , am besten auf Nimmerwiedersehen.
- selbsternannte Tanzlehrer (leider ist dieser Titel ja noch nicht geschützt), die zwar Musikalität lehren wie der Blinde die Farbe, oder Anfängern workshops aufschwatzen, bevor diese überhaupt caminar beherrschen. Wichtig sind basics wie: wer ist auf der Außen- und Innenbahn, tango de salon ... einfach RÜCKsicht und Respekt!
- inkompetente Möchtegern-DJs, die einfach Tausende Titel aus dem Internet herunterladen, dann den Zufallsgenerator aktivieren ... oder schlimmer noch: selbst zusammenstellen.
- im schlechtesten Falle: eine Kombination aller Drei.

Diese Süppchen-Grüppchen schaden dem Tango. Viele echte tangueros blieben schon fern und leider könnten weitere folgen. Und die Pöbler übernehmen. Ohne auf alle notwendigen Details einzugehen, schließe ich diesen EINmaligen Beitrag mit dem dringenden Appell an die noch verbliebenen aficionados: Rettet den Tango ... viva el tango. Danke. Und DIR gebührt unser Dank für diesen blog UND für Deinen unermüdlichen Einsatz auf den vielen Milongas. Mach BITTE weiter ... und zwar genau SO!

--

Antwort von Patrick

Danke für die Blumen, wobei ich jetzt weder der Schweiz noch mir persönlich Neutralität attestieren würde. So subjektiv-zugespitzt ich halt schreibe, so selektiv kann man eben auch lesen.

--

Kommentar von Mikamou

Da musste ich ich gerade an dich denken

--

Kommentar von JottWeh

@ frank frei
Deinem Bedrohungsszenario kann ich nur beipflichten! Nur leider steht es im 'falschen' Beitrag, denn das Festivalito erfüllte keinen dieser Negativpunkte, im Gegenteil! 'Rettet den Tango...' - da kann ich nur sagen: Danke, Tangokombinat! Macht bitte weiter so!

@ nachtblind
... in Saarbrücken war sogar die Beleuchtung so gut, dass selbst ein Cabaceo-unerfahrener Kurzsichtiger wie ich keine Probleme mit dem Auffordern hatte...

Archivlink

Summen im E-Werk

Freitag, 21. Oktober 2011

Freiburg, Milonga im E-Werk. Besser gesagt: Im Foyer des E-Werkes. Also ein ziemliches Kommen und Durchgehen, dazu auch noch ein paar gemein plazierte Säulen. Leider diesmal ein arg enges von der Deutschen Bahn vorgegebenes Zeitfenster, es reicht mir nichtmal, mit all den bekannten Damen zu tanzen.

Und dann meint eine Tanguera noch, ihr gefalle mein Summen, ob ich denn in einem Chor singe. Ich? Ausgerechnet derjenige, der bei fast allen Tanzpartnerinnen Singverbot hat? Oder war das bislang nur eine Verschwörung? Verwirrende Welt. Aber immerhin, jetzt wo die Tage rasch kürzer und die Abende deutlich kühler werden, könnte ich mein Akkordeon- und Mundharmonikaspiel mal wieder etwas stärker pflegen...

--

Kommentar von froggy

ein charmanter Hinweis auf nerviges Gesumme...

--

Antwort von Patrick

Normalerweise hätte ich das auch gedacht, hier hingegen schien sie wirklich begeistert. Zumal sie auch gesummt hat, und ich mich deshalb erst getraut habe, auch ein wenig mehr als normal mitzusummen...

Archivlink

Der neue Sonntag

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Mal wieder was zur Basler Szene: Die letzten Wochen hatte der Tanzpalast noch mit verschiedenen DJs den Sonntag Abend bestritten, aber nun scheint der Ofen aus: An den nächsten Sonntagen sind offenbar keine Milongas mehr nach den Practicas vorgesehen, und das Corrientes zusammen mit Claracita im Clarahof scheinen die Lücken kräftig zu füllen.

So ähnlich hatte das Palhassa übrigens schon vor einigen Wochen vorhergesagt. Und wenn nun auch eine Milonga gestorben ist, so scheint ein altes Blog wieder ein wenig aufzuwachen.

--

Kommentar von TwoToTango

Und beide werden der Herausforderung gerecht, das Corrientes noch ein bisschen anheimelnder als das Claracita. (Aber das liegt an der Location.) Gute Tänzer, schöne und abwechselungsreiche Musik - wie gemacht dazu, den Nebel am Sonntagnachmittag "wegzutanzen".

Archivlink

Retro statt Mühle

Freitag, 11. November 2011

Moulin Rouge, Paris. Eigentlich hinter der Mühle. Derrière le Moulin, so nennt sich die Milonga. Tatsächlich führt direkt neben der Touristenfalle ein kleiner, dunkler Weg ins Nirgendwo. In der Bronx wäre ich da wohl nicht reingegangen. Aber in Paris ist man mutig.

Allerdings zeigt schon ein Blick von Aussen, dass hier heute eine Stunde nach Milongabeginn absolut nichts los ist. Also Plan B: Ab in die Métro ins Rétro Dancing. Da war ich früher schonmal, allerdings ist heute nebst fehlender Klimaanlage auch die fehlende Lüftung inbegriffen. Wie lautet die Steigerungsform von schweisstreibend?

Leichter Männerüberschuss mitsamt Lokalmatadoren. Zu Beginn harzt es ziemlich, und meine erste Tanzpartnerin schafft es in drei Tänzen, meinen linken Arm beinahe abzureissen. Danach längere Regenerationsphase, schliesslich landete eine fantastische Tänzerin in meinem Arm, und danach hüpfen die Cabeceos gleich reihenweise. Wie in Paris üblich die letzte Métro vor der Nase weg, also längerer Heimmarsch mit Schulterentspannungsübungen...

Archivlink

Tiefe Sitze, Ratschläge und ein Ritterschlag

Samstag, 11. November 2011

Paris, La Casa. Schnuckelige Nachmittagsmilonga, am Rande eines sehr hübschen Parkes gelegen. Viele Sitzgelegenheiten, und viele tiefe Sitze. Ich hasse tiefe Sitze. Man denke an die Szene in "Papa ante portas", wenn Heinrich Lohse zu Beginn des Filmes beim Chef antanzen muss. Nun, die Milonga...leider eine totale Inzucht-Veranstaltung. Ist ja schön, wenn sich alle kennen -- und der Fremdling dann aber auch auf 50 Zentimeter Abstand wie Luft behandelt wird. Nach etwa zwei Stunden ohne Tanz hole ich in der Garderobe wieder meine Schuhe und Jacke, woraufhin mir die Veranstalterin nacheilt und meint, ich müsse die Frauen halt schon deutlicher auffordern. Ich lächle, nicke und lasse sie stehen. Schon lustig, wie ausgerechnet immer diejenigen Leute grosse Vorträge übers Auffordern halten, die seit Jahrhunderten nur noch im Dunstkreis der eigenen Käseglocke unterwegs sind.

Abends zu Esprit Tango, hier hatte ich den letzten Besuch in guter Erinnerung. Glück auch heute, zumal der Männermangel ziemlich ausgeprägt ist. Ich tanze und wechsle fleissig, selbst weit weg von der Tanzfläche mit einem Becher in der Hand ist man vor den Damen nicht sicher. Wenn ich richtig gezählt habe, dann hab ich in viereinhalb Stunden ganze drei Tandas _nicht_ getanzt. Irgendwann nach Mitternacht noch eine schöne Cumparsita von Mundharmonikameister Hugo Diaz (glaub ich) mit einer Südamerikanerin. Das war dann wohl der Ritterschlag zum Guru.

--

Kommentar von Cassiel

Meinen Glückwunsch zum Erreichen des Guru-Status'.

--

Kommentar von Monika

wie, Guru, jetzt schon? - Gurus schreiben keine Blogs :-(

Archivlink

Singles und die Helligkeit

Sonntag, 12. November 2011

Manchmal erkundet man ja gerne neue Milongas. Aber meine fast schon inquisitorischen Befragungen(tm) von Tanzpartnerinnen an diesem Wochenende brachten mich dazu, dann doch wieder in eine vertraute Atmosphäre einzutauchen: Sacre Milonga am Sonntag Abend. Noch immer schreibt der Kassierer eifrig die Vornamen der Besucher in sein Buch, dafür sind einige Tische und Stühle einer etwas vergrösserten Tanzfläche zum Opfer gefallen. Full House, und während der Cortina ist der Bereich zwischen Eingang und Buffet komplett dicht. Das setzt Stehvermögen voraus, und es wird mit reichlichen Cabeceos belohnt. Trotz Männerüberschuss.

Manche Dinge ändern sich übrigens nie: Die Uhr an der Wand zeigt noch immer dauernd halb sechs Uhr, und die Laufschrift auf dem Display verkündet über eine halbe Stunde lang eine nächste Lomuto-Tanda, bis der DJ das Ding abstellt und seine Ankündigungen übers Mikrofon macht. Neu ist dafür ein Plattenspieler neben dem Laptop, der lediglich für die Cortinas genutzt wird -- aufgelegt werden Singles aus den 80ern. Hey, Paris gefällt mir immer besser. Was auch damit zu tun haben könnte, dass der DJ zwischendurch immer wieder die Runde macht, um Schokolade unter die Leute zu bringen.

Genascht habe ich allerdings kaum: Ein Tanz ergab den nächsten, und es brauchte eine "Milonga alternatif", um mal zehn Minuten lang die Beine strecken zu können. Gegen elf dann die Cumparsita: Die erste im Dunkeln, die zweite mit eingeschalteten Leuchtstoffröhren. Kuschelig wie im Spital morgens um sieben. Immerhin, Arme und Beine sehnten sich nach Entspannung...

--

Kommentar von captndirk

Cumparsita um ELF? Hat das was mit dem Euro zu tun?

--

Antwort von Patrick

Naja, offiziell dauert die Milonga von 17.30 bis 22.30 Uhr. Und ja, wäre der Euro nicht so tief, hätte ich mir das Wochenende wohl nicht leisten können :)

Archivlink

Vivo statt Weihnachten

Sonntag, 20. November [korrigiert!] 2011

Zur Abwechslung mal wieder etwas von der Basler Szene: Offenbar wird die "Milonga Vivo" wieder zum Leben erweckt. Nach ersten Versuchen im Gundeli (ja, ist schon eine Weile her) war wohl ein Revival in Birsfelden-Hard geplant (was vergleichbar damit ist, einem Zürcher zu sagen, er solle nach Altstetten tanzen gehen), nun findet sie aber jeden Donnerstag im Steinenbachgässlein statt. Dafür herrscht beim Angebot über die nahenden Feiertage noch ein wenig Leere. Talib macht den Heiligabend im Tanzpalast, und ebendort scheint es auch eine Silvesterparty zu geben...

--

Kommentar von Tangonegro

Jetzt schaust du schon in die Zukunft ? Der 20 Dezember wäre schon fast Winterbeginn..

--

Antwort von Patrick

So eine Glaskugel will schliesslich amortisiert werden. Wintersonnenwende ist dieses Jahr übrigens am 22. Dezember um 6.30 Uhr MEZ. Aber um die Zeit gibts leider keine Milonga.

--

Kommentar von Adivinador

6.30 MEZ? um diese Zeit gibt es LEIDER keine Milonga? Patrick, ich wundere mich! :-) Ich dachte, so etwas sei nur attraktiv für Frühaufsteher.

--

Antwort von Patrick

Och, ich war schon auf Milongas, wo man erst um diese Zeit so langsam rausgescheucht worden ist. Aber drehen wir es ein wenig, um halb drei Uhr nachts in Argentinien wird Sommerbeginn sein. Da gibts bestimmt eine Milonga :)

Archivlink

Mafia, der Freitag

Freitag, 25. November 2011

Festival im E-Werk, Freiburg. Bislang kannte ich nur das Foyer, nun auch den Saal. Riesengross ist der Unterschied nicht. Immerhin viele Stühle ohne allzuviele Tische. Benötigen tue ich heute beides relativ wenig, denn nebst der inzüchtigen Neo-Festivalsippe ist auch ein schöner Teil der Freiburger Szene da.

Zuerst legt DJ Jens auf, später Florin. Ich habe zu Beginn des Abends ziemlich Mühe, in die Gänge zu kommen, und ein Tango in einer Milonga-Tanda verwirrt mich zusätzlich. Wirklich schlimm ist allerdings die Piste, das anstrengende Chaos bringt mich immer wieder zu einer Ruhepause.

Vier Showtänze von Maja und Marko. Wie üblich nicht ganz mein Ding, aber zugegebenermassen sehr schön in der Musik getanzt. Spätnachts wird die Piste dann auch endlich angenehmer -- allerdings auch nur, weil viele Leute nach Hause gegangen sind. Ansonsten derart viele schöne Tänze, dass ich beinahe meinem 5:02-Regionalexpress verpasse.

--

Kommentar von Mikamou

Also zumindest ist jetzt klar, dass die "Cream of Europe" weiblich ist und in der hinteren-rechten Ecke ausflockt.

--

Antwort von Patrick

Zuerst dachte ich, dass Irma dort Schuhcreme verkauft. Hat sie aber nicht, sie war mit der philosophischen Weltfrage der Kaffeequalität der lokalen Gastronomie beschäftigt. Womit sich der Kreis dann wieder schliesst: Anspruch und Wirklichkeit...

--

Kommentar von Roberto

Und ich hab gedacht, es gibt Freibier dort. War aber nix.

--

Antwort von Patrick

Bierschaum? Naja, da könnte man "cream" auch gleich als Windbeutel übersetzen. Die Crème bleibt wohl ein Mysterium.

Archivlink

Nontangos in Fribourg

Mittwoch, 30. November 2011

Ausflug nach Fribourg in den Röstigraben. Im Quartierzentrum Arsen`Alt fetzt die Milonga mit knapp vier Paaren. Eine durchaus freundliche Truppe, nur besteht die akustische Untermalung leider ausschliesslich aus verschärfter Weltmusik. Fado, Elektro, Non-Tangos, schal instrumentierte moderne Orchester mit wenig Nachspielfreude.

Canaro, Fresedo, Troilo, De Angelis? Gibts hier nicht. Selbst die ausgelutschtesten Di Sarlis wären mir in dem Moment willkommen. Doch irgendwann wird auch mir klar, dass es nicht besser wird. Ich werde nie mehr über Regensburg als Nontango-Land lästern...

--

Kommentar von Regensburgerin

Regensburg: Nontango Land? Du warst wohl lange nicht mehr da. Inzwischen gibt es bei Tango im Fluss regelmäßig eine traditionelle Milonga und bei TangoNegro legt unregelmäßig ein DJ klassisch in Tandas mit Cortinas auf (meiner Meinung nach der beste Regensburger Tango DJ). Und an diesem Wochenende gibt es den Vortrag von Christian aus Zürich zur Musik der EdO bei TangoNegro. Woher beziehst Du also Deine Weisheiten?

--

Antwort von Patrick

Aus drei durchmischten Jahren Tremmelhausen? Gut, ist jetzt seit Sommer 2010 auch schon eine Weile her. Interessant zu hören, dass sich die Welt seither weiter gedreht hat.

Zum Vortrag wollte ich eigentlich kommen -- aber als ich meine Wochenendplanung endlich gemacht hatte, war die Veranstaltung schon längst ausgebucht. Viel Spass! Von der Musikauswahl her liegt Christian allerdings gar nicht auf meiner Wellenlänge.

--

Kommentar von Peter Fangmeier

Hallo Patrick, wie in der frankfurter romanfabrik zugesagt meine info zu regensburg. der vortrag von christian war wie erwartet super, die anschließende milonga auch. die ronda wurde bedingt durch die säulen im raum geachtet, störungen waren von meiner seite aus nicht zu beobachten, liegt vielleicht am dj, denn mit der passenden wahl der stücke und einem gutem auge kann ein dj die ronda beruhigen oder sogar tanzfaule zurück auf die piste holen. natürlich kommt immer zu ungewollten störungen/berührungen aber das liegt oft an den räumlichkeiten und NICHT an den veranstaltern oder der ronda. in der mälzerei gibts immer z.b. stau zwischen dem eingang und der minitheke in der ecke, das ist aber für einen erfahrenen tänzer/milongero kein problem, er kann frühzeitig die spur wechseln um auszuweichen.

vielleicht überdenkst du deine kommentare über besuchte milongas mal ein bischen länger.... und teilst sie auf, z.b. was geht zu lasten des raumes oder der veranstalter ,des dj oder sogar der tänzer. wenn ich z.b. auf dem oktoberfest in münchen ein bier mit höherem schaumanteil bekomme sag ich doch auch nicht das fest ist doof, da muß keiner hin ... immer die kirche im dorf lassen. ich jedenfalls fand es toll, und ja eine tänzerin hat nur 3 statt 4 stücke einer tanda mit mir getanzt ... aber den schuh zieh ich mir an, den die aufforderung war "arg frech" und ich möchte mich auf diesem weg entschuldigen. Peter Fangmeier (der mit dem grauen Nadelstreifenanzug und Hut)

--

Antwort von Patrick

Nun, ich schreibe ja keinen Milonga-Ratgeber, sondern halt ein Tagebuch. Das lebt von Eindrücken und Randbemerkungen. Ich halte meine Leser für eigenwillig genug, nicht bloss deshalb eine Milonga zu meiden, weil ich geschrieben habe, dass es dort zuviel Plüsch oder zuwenig Schokolade gäbe. Hm, soll ich jetzt schreiben, dass ich Säulen an Milongas nicht mag? :-)

--

Kommentar von Theresa

Also, ich fand die Ronda ziemlich furchtbar, vor allem vor Mitternacht. Und das lag nicht an den Säulen und nicht am DJ, sondern daran, dass die Mehrheit der Tänzer kreuz und quer im Raum rumtanzte, obwohl bequem Platz für mindestens 2 konzentrische Tanzlinien gewesen wäre, trotz Säulen. Ein Tänzer begründete sein Kreuz- und Quer-Tanzen damit, dass die anderen es auch machen ...

Wie durch ein Wunder hatte ich trotzdem einen besonders schönen Tanzabend mit meist sehr inspirierten und sorgsamen Tänzern. Und obwohl Christians Musikauswahl nicht 100% mein Fall ist - in Sachen Klangqualität ist er wirklich nicht zu überbieten, und das trägt gewaltig zum Genuss bei.

--

Kommentar von joachim

Wenn jemand so offensichtlich um Widerspruch bettelt, Peter, dann sollte der Bedarf gedeckt werden. "der vortrag von christian war wie erwartet super, die anschließende milonga auch." - was ist denn das für ein schräger Absolutheitsanspruch? Warum nicht einfach "hat mir super gefallen"?

Und wieso wechseln "erfahrene Milongueros die Spur"? Liegt's an der Spur? Dann darf man auch schreiben, dass die Milonga nicht toll ist (selber reingefallen. "einem nicht gefallen hat" war eiiiiigentlich gemeint), wenn die Veranstalter solche Regenrückhaltebecken nicht ändern - es muss ja nicht jeder Quadratzentimeter eines Raumes Tanzfläche werden, der nur zum dead end, in die Sackgasse, führt. Spurwechsel von egal wie Erfahrenen bringt jedenfalls mal sicher keine Ruhe in die ronda.

Kommentare sind ja keine objektiven Befunde. Wer sich selber die Erfahrung versagt, wie die beschriebene Milonga denn am entsprechenden Abend auf einen selber wirkt, der tut ja der Milonga nicht weh, verpasst nur selbst einen Abend darin, was Glück oder Pech sein kann.

Patrick will einfach ein wenig mehr Schokolade abstauben und gibt darum von Zeit zu Zeit den Veranstalterschreck :) Und es liest sich lange nicht so negativ und nörgelig, wie das anderswo der Fall sein kann. Veranstalter könnten ja auch aggressiv damit umgehen: "Wer einen Ausdruck von Patricks Eintrag "UltramilongueroMilonga in sowieso, totales Desaster mit abgelaufener Schokolade" mitbringt, erhält freien Eintritt und eine Viertel Tafel Sarotti, oder so". Die restlichen 3/4 kommen dann nach dem Gegenkommentar im Blog.

--

Antwort von Patrick

Tangueras und Tangueros sind doch generell unbestechlich. Ich übrigens auch, würde aber dazu raten, es eher mit Zotter statt mit Sarotti zu versuchen.

Archivlink

Eleganz in der Brotfabrik

Freitag, 2. Dezember 2011

Frankfurt, Brotfabrik. Bombastischer Männerüberschuss wie auf einem Schiff von Jack Sparrow, daher nur wenige Tänze. Insgesamt auch relativ wenig Leute, dadurch aber auch deutlich weniger Rempler als sonst. Man kann eben nicht alles haben. Dann ist mir noch ein Mann aufgefallen, der mit einer äusserst eleganten Technik getanzt hat -- leider habe ich es nicht geschafft, ihn zu fragen, wo er den Stil gelernt hat. Ich brauch mal wieder Unterricht...

Archivlink

Kein Salsa und viel Bildung

Samstag, 3. Dezember 2011

Eigentlich wollte ich heute mal die Salsa-Szene in Frankfurt erkunden. Also auf zu Conexion. Leider bloss eine Bar mit angehängter Tanzfläche. Ich weiss zwar noch nicht, wo im Rhein-Main-Gebiet am Wochenende der Salsabär tanzt, aber hier offenbar nicht.

Somit ein paar U-Bahn-Stationen weiter zu Destino. Schöne Tänze, auch wenn mich eine Tanguera mit ihren Ausführungen zu einem Neo-Rave zutiefst schockiert. Aber so richtig scheine ich heute eh nicht in der Musik drin zu sein, und ich remple auch ziemlich unkoordiniert in der Gegend rum. Fachsimpeleien am Rande der Tanzfläche zu Sehnenscheidenentzündungen sowie unterschiedlichem Flirtverhalten nördlich und südlich der Hemisphäre...

Archivlink

Ausklang in Griesheim

Sonntag, 4. Dezember 2011

Der Tenor der Ratschläge war etwa fifty-fifty: Sowohl deutliches Abraten wie auch klare Empfehlung. Also auf nach Griesheim nebst Darmstadt, um die Linie 9 zu erkunden. Ziemlich voll, die Garderobenständer decken vielleicht die Hälfte des Bedarfs. Hartes Pflaster, die erste Stunde tanzt die Szene unter sich. Dann ergeben sich plötzlich viele schöne Tänze, und ich erfahre sogar noch Details über Mainzer Metamorphosen von Kaminfeuer zu Wasserfällen.

Eigentlich bin ich müde, und das Wetter lockt zweifellos keinen einzigen Hund mehr hinter dem Ofen hervor, sehne mich aber dennoch noch nach einem letzten schönen Tanz an diesem Wochenene. Also auf direktem Weg noch in die Romanfabrik, bloss um dort mal wieder einen Männerüberschuss ähnlich dem in "Die Kanonen von Navarone" zu beobachten. Keine Tänze. Passt alles immerhin zum tristen Wetter.

--

Kommentar von TwoToTango

Lieber Patrick, In diesem Fall dieses Wochenende keine Ballons für Dich. Schade - aber es sind halt die Sternstunden - die gibt's nicht immer.

--

Antwort von Patrick

Doch, an diesem Wochenende gab es Momente, wo mich der Tango geküsst hat. Sie wirken noch immer nach. Es muss aber nicht alles ins Blog, was die Seele nährt. So Manches ist nur für die Umarmung bestimmt, auch aus Respekt gegenüber der Tanzpartnerin.

Archivlink

Vermeintliche Musiker und das Ende einer weiteren Milonga

Dienstag, 6. Dezember 2011

Basel, auf eine Runde ins Corrientes. Oki, die Vorherrschaft von Plan-T ist definitiv nicht mehr zu übersehen. Dann fiel mir noch die Werbung für das Silencio-Jubiläum vom kommenden Freitag auf: "Prices: Normal people 20fr, Musicians 10fr". Habe dann auch prompt gefragt, wieviel Mundharmonika-Kenntnisse nötig sind, um als Musiker durchzugehen, erntete aber bloss Gelächter...

Ach ja, und Talib scheint am Samstag seine letzte Milonga im Rochat zu machen und wird sich wohl aufs Les Garecons konzentrieren. 9,5 Jahre, also seit Frühling 2002. Mein Musikmix war das nie so richtig, aber ich muss gestehen, ich bewundere ihn irgendwie für sein Durchhaltevermögen.

--

Kommentar von Rosa

Der Spezialpreis für Musiker ist mir auch aufgefallen und ich habe mich gefragt, ob er an die Bedingung geknüpft ist, dass man als Musiker oder Musikerin sein Instrument mitnimmt, vorweist und bei Möglichkeit mitspielt...?

--

Kommentar von Florian

Darf ich fragen was du mit genau der Vorherrschaft von Plan-T meinst? War noch nie dort, wollte schon länger mal hin...

--

Antwort von Patrick

Naja, es ist faktisch eine Veranstaltung der Jungmannschaft(tm). Zum Zugucken manchmal ganz lustig, aber wirklich nicht meine Welt.

--

Kommentar von Florian

Vielen Dank für deine Antwort! Weiss noch immer nicht was ich mir dabei vorstellen muss, glaube ich muss mal hin. Wenn du nur meinst dass die Tänzer jünger sind als sonst wäre das für mich eher eine Empfehlung...

--

Antwort von Patrick

Also: Wenn Du 25 bist, vom Akrobatik- und Tanzniveau her locker Chicho Frumboli ausstichst und perfekt in der Szene vernetzt bist, dann kannst Du dort problemlos alleine hingehen. Andererseits bin ich dort neulich von einem unbekannten Geschöpf einfach so aufgefordert worden und wir haben zwei Tandas in wunderschöner Umarmung getanzt. Und bekanntlich überwiegt Schokolade mit Honigfüllung ja alle hochhängenden sauren Trauben. Empfehlung? Ein klares Jein! :)

--

Kommentar von Rosa

Ich war an diesem Abend auch im Corrientes, aber ich habe die Vorherrschaft von Plan-T nicht so sehr gespürt. Schade, dass oft alles Schwarz-Weiss gesehen wird. Wenn man um die 25 Jahre alt ist, heisst es noch lange nicht, dass man zu Plan-T gehört oder dort Tangotanzen gelernt hat. Es gibt durchaus junge Tänzerinnen, die nicht auf einen akrobatischen Neotango-Stil aus sind. Ich glaube nicht, dass die jungen Tänzer dominieren, in den meisten Milongas, die ich kenne, ist eher das Gegenteil der Fall.

--

Kommentar von Garance

Die Dienstag-Milonga im Corrientes ist nach meinem Empfinden atmosphärisch eine der schönsten Milongas der Stadt. Leider kann ich nicht oft hin. Die Stimmung ist gelöst und entspannt - es hat viel Jungvolk und auch ein paar Aeltere.(es könnten mehr sein..). leider ist es inzwischen die einzige Milonga, an der die junge Szene und Tango SaurierInnen aufeinander treffen. Wir Aelteren (ü35) sollten uns darüber freuen, dass plan-t da sind. Sie sind jung , sie probieren aus und sie haben in den ca 4 Jahren seit es sie (erst!) gibt, enorm viel und leidenschaftlich, gelernt.

Es hat darunter ausserordentlich begabte Tänzer und Tänzerinnen. Sie haben die mehrheitlich 40+ TangoSzene in Basel zünftig erfrischt,(zumindest optisch), aufgemischt und manche Gemüter erhitzt. Ihr zu Beginn eher raumfordernder Tanzsstil hat sich dem EstiloMilonguero deutlich angenähert, musikalisch sind sie mittlerweile konservativer als manche 40+ die ich kenne.

Sie tanzen teilweise brilliant und dennoch kontrolliert (was man nicht von allen Alten sagen kann) und haben eine starke Präsenz als Gruppe, wie auch Einzeln. Der Blick bleibt an ihnen hängen, man muss einfach hinschauen,-so schön tanzen manche... Schön wäre auch, wenn es zu mehr Vermischung über die Alters- und sonstigen- Grenzen hinweg im Tanz käme. In letzter Zeit erleben wir in der Basler Szene eine Fragmentierung in einzelne Subszenen. Das ist sehr schade,- dadurch verlieren alle Milongas an atmosphärischer Dichte und Kraft, weil einfach zu wenig(verschiedene) TänzerInnen da sind.

Archivlink

Die neue, wilde Nacht

Montag, 12. Dezember 2011

Am Wochenende war Fahrplanwechsel. Das bedeutet für Basel am Wochenende den Viertelstundentakt nun auch zwischen Mitternacht und ein Uhr auf vielen Linien. Danach folgt nahtlos das Nachtnetz, nun endlich zuschlagsfrei. Für Milongabesucher eine praktische Sache. Und ausserdem fahren die Sardinenbüchsen nun in drei Stunden via Dijon nach Paris, das ist immerhin eine satte halbe Stunde weniger als bisher. Basel-Milano wird dafür nur noch von ETR 470 und 610 bedient. Wohl kaum je war der Vergleich mit Pest und Cholera passender...

Archivlink

Die Ohren und der Milonguero

Samstag, 17. Dezember 2011

Basel, Vollmondtango. Auch nach dem unschönen Pächterwechsel scheinen die Investitionen noch beschränkt, die alte Musikanlage plärrt wie eh und je, so dass man die Nähe der Boxen mit komplizierten Wechsel der Tanzrichtungen und temporären Beschleunigungen versucht zu meiden. Nicht ganz einfach, zumal eh ein wenig Grosskampftag zu sein scheint. Relativ wenig Leute, aber viele Matadoren.

DJ Oscar wendet sich gar kurz an die Tänzer, um zu betonen, er als Milonguero müsse die Bässe vom unteren Saal eben übertönen, es ginge nicht anders. Tröstlich. Seine Biographie wird vermutlich bald unter dem Titel "Ich und mein Lautstärkeregler" erscheinen. Immerhin hab ich gesehen, wie er mindestens einmal im hinteren Teil des Saales mit offenen Lauscherchen rumgewandert ist und danach den Plärrpegel etwas reduziert hat. Es besteht also noch Hoffnung.

Dann hab ich zu später Stunde noch eine strategisch hochinteressante Abschleppmethode beobachten können, die allerdings schwer zu imitieren sein dürfte. Unspektakuläre Heimreise mit dem nun zuschlagfreien Nachtnetz, leider ohne den angekündigten Schneefall...

--

Kommentar von Joachim

Das war nicht "die alte" Lautsprecheranlage, nur mal so bemerkt. Denn die wäre mit den wandeingebauten Breitbandlautsprechern noch etwas mehr überfordert gewesen. Immerhin, die Cortinas waren noch lauter und lange genug, gründlich zu überlegen, welche Tanda denn nun aufgebacken wird. Vielleicht finde ich es auch irgendwann mal charmant, doppelte Stücke und verstolperte Anfänge zu hören, das nimmt dem ganzen die spröde Glattheit einer womöglich zu professionellen Darbietung. Sonst könnte man ja auch eine fertige Playlist durchlaufen lassen... :)

Archivlink

Schnee in Luzern

Sonntag, 18. Dezember 2011

Eigentlich mal wieder Sonntags-Milonga im Tanzpalast. Passend dazu schiebt das Corrientes seine Nachmittagsmilonga in den Abend. Wie das herauskommt konnte ich mir halbwegs ausrechnen, daher Flucht in den Süden. Luzern, Schweizerhof. Ein beeindruckender alter Kasten, ich glaub, soviel Schwellenangst hatte ich bislang noch nie. Eine stimmungsvolle Bar mit gutem Boden, recht angenehmer Akustik und einigen Sitzgelegenheiten. Tandas, manchmal sogar eine Cortina. Wow. Für Luzern ist das ziemlich ungewöhnlich.

Minimer Männerüberschuss. Und Frauen, die irgendwie darin geschult sein müssen, ausschliesslich Männer zu beachten, die _nicht_ per Blickkontakt auffordern. Ist mir auch von der Basler Mägd her vertraut, irritiert aber dennoch. Geschlossene Szene, irgendwie, und irgendwann gebe ich auf.

So ein Sonntag Abend ganz ohne Tanz hat etwas Tristes. Immerhin wirbeln auf dem Rückweg zum Bahnhof ein paar Schneeflocken um mich herum, danach verschwinden sie sanft im dunklen Seebecken. Cumparsita on ice, sozusagen.

Archivlink

Noch kein Land in Sicht...

Dienstag, 20. Dezember 2011

Mal wieder ins Corrientes. Viel Volk, keine Tänze. Hab nach rund 90 Minuten aufgegeben. Klar, Voleos zu zählen ist spannend, aber mit der Zeit doch ein wenig frustrierend. Ist wohl nicht so ganz meine Woche. An den Sternen kann es jedenfalls nicht liegen, die Mondfinsternis ist schon zwei Wochen her, und die Beteigeuze-Bedeckung ist doch erst in knapp zwei Wochen...

--

Kommentar von Joachim

Die Monde des Jupiters werden in etlichen Tangoblogs total unterschätzt. Besonders der mittlere.

--

Antwort von Patrick

Ich glaub, Du verwechselst da was mit der Position des Plastikdings im Dreikönigskuchen. Jupiter hat über 50 Monde, und gemittelt dauern die Dinge da eine halbe Ewigkeit...

--

Kommentar von Joachim

Nein, ich verwechsle Jupiter nicht mit einem Kuchen. So süssigkeitsfixiert bin ich nicht. :) Zitat wikipedia: "Jupiter besitzt 63 bekannte Monde (Stand: November 2005)."

Es gibt also einen mittleren. Dieser mittlere Mond, der fieseste der ganzen Band dort oben, steht über manchen Milongas im Zenit. Wie Du erwähntest, kann das dauern.

--

Kommentar von Tangonegro

Das war doch ironisch gemeint von Joachim oder ? Also, ich würde es ironisch formulieren. Der (Voll-)Mond hat für mich nur einen Einfluss auf das Verkehrsverhalten, also nicht auf der Tanzfläche sondern auf der Strasse..

--

Kommentar von TwoToTango

... wenn es also doch die Monde des Jupiter sein sollten, würde mich das an Deiner Stelle eher beunruhigen. ;->

--

Kommentar von Pipistrello

Ich vermisse hier noch eine Analyse der Interaktion zwischen Erdmagnetfeld und dem solaren,interplanetarem Magnetfeld,speziell die gekrümten Linien, auf das Tangotanzen.

--

Kommentar von Joachim

Klar war das ironisch gemeint. Wäre noch ausbaufähig gewesen mit einer Schokoladenlieferung auf Jupiter, das Element Schokolade-12 wurde offenbar dort noch nicht in der Atmosphäre nachgewiesen, also eine Palette Nikoläuse geschnappt und die nächste Linienrakete dort hin genommen. Mit dem Gewinn hätte man sicher eine Weile eine Milonga mit Gratiseintritt und exquisitem Soundsystem betreiben können, vom gurutauglichen Boden noch zu schweigen.

Aber Patrick hat keine gute Adventszeit, sieht man schon daran, dass er, statt am Sonntag als Taxidancer im Tanzpalast Millionen zu scheffeln und Guru-Visitenkärtchen zu verteilen, nach Luzern zockelt, Schwellenangst verspürt und erneut nicht von einer Welle tosenden Applauses empfangen wird.

Komisch. Wo doch alle Tangoszenen auf der ganzen Welt nur darauf warten, von fremden Gurus besucht, betanzt und bebloggt zu werden? Da stimmt doch was nicht?

--

Antwort von Patrick

Tangonegro, wenn Du ernsthaft an einen Einfluss des Vollmondes auf den Strassenverkehr glaubst, dann kannst Du ja schlecht seinen Einfluss auf die Tanzpiste negieren. Und da der Vollmondtango ja selten an einem Vollmond stattfindet, reicht es halt schon, wenn genug Leute daran glauben, dass der Vollmond...

Joachim, am Advent liegts nicht. Neulich in Freiburg habe ich einen fantastischen Abend genossen. Ich war so betört, dass ich ganz vergessen habe, hinterher darüber zu bloggen.

Aber Mikamou hatte neulich in einem Forum geschrieben, dass einem Mann beim Tango so etwa ab zwei Jahren angeblich der Teppich ausgerollt werde. Das wäre eine gute Erklärung: Im Corrientes haben sie gar keinen Teppich!

--

Kommentar von Adivinador

Meine Damen! Der ultimative Weihnachtswunsch! Eine Frau von Welt trägt in Zukunft einen Teppich! Ersetzt leicht und luftig die Miradas und Cabeceos - Gurus und andere Tänzer liegen euch bequem zu Füssen.

--

Kommentar von TwoToTango

UUUuuuh. Teppich ist aber schwer und unförmig. Darin mag ich nich tanzen - nicht mal Polonaise... Und zum Mittragen ist das ganze auch nicht wirklich geeignet.

Da schaue ich doch lieber aufmerksam nach interessierten Tänzern. Wobei ich nicht nur mit Gurus tanze. Die einzigen, an denen ich vorbeischaue sind die, die kein Taktgefühl haben oder eine Würgeumarmung versuchen. Letztere lasse ich zur Not auch nach einem Tanz stehen. (Das fällt dann unter Notwehr.)

--

Kommentar von Anonym

Mikamou ist wohl kein Mann, sonst würde ich ihn gerne mal tanzen sehen.

--

Kommentar von Mikamou

@Anonym: Daraus wird wohl nichts werden :) ... und der Vollständigkeit halber noch der Thread auf den sich Patrick bezog. Was Patrick und den Teppich angeht, so schimmert für mich oft durch, dass er die ausgerollten Teppiche verschmäht bzw. sein Tango-Leben nach dem Prinzip "the other man's grass is always greener" (hier durch Teppich und rot zu ersetzen) organisiert.

--

Kommentar von Lydia

@TwoToTango: Aber wenn Du einen fliegenden Teppich nimmst, wird Dir ganz leicht, dass Du nur so dahinschwebst. Da musst Du dann bloß aufpassen, dass Du nicht mit einem Vollidio... - äh, -mond kollidierst ;-)

Archivlink

Klassik im Palast

Montag, 26. Dezember 2011

Basel. Talib bittet in den Tanzpalast, und das Volk kommt. Wow. Aber die Basler Szene wurde in den letzten Tagen in punkto Milongas ja auch ein wenig ausgehungert. Die Nontango-Süchtigen heute wohl auch, Talib hat ziemlich klassisch aufgelegt. Ich hab sogar getanzt. Und Schokolade gegessen, nachdem ich sie vom Mitteltisch unauffällig geklaut habe. Keine grossen Kerzenständer, keine blutroten Teppiche. Und keine brennenden Raketenstufen, die man als Jupitermonde oder Betlehemsterne missdeuten könnte...

Archivlink

Foxtrott in der Poema

Donnerstag, 29. Dezember 2011

Auch in der Poema heute keine ausgerollten Teppiche. Dafür stelle ich fest, dass es Leute gibt, die in punkto Lautstärke noch empfindlicher sind als ich. Wobei mein Gehör vielleicht auch etwas dejustiert ist, nachdem ich am Mittwoch im Singerhaus gewesen bin. Dort hat sich inzwischen nämlich ein Teil der früheren Salsa-Szene aus dem Fame niedergelassen, und den Laustärkepegel haben sie auch gleich mitgenommen.

Ach ja, dann war da noch ein Foxtrott-Paar auf der Piste. Ist das schlimm? Nicht zwingend. Aber Foxtrott zu Di Sarli? Musikgefühl ist manchmal Glückssache...

--

Kommentar von Christian

Wie recht doch jenes Paar hatte, das sich gegen die allzu laute Musik gewendet hatte. Sind wir denn bereits soweit, dass auch Tangoanlässe sich nicht mehr vom Einheitsbrei der überlauten Discobetriebe unterscheiden? Tango bedeutet doch aufeinander eingehen und auf einander hören. Da passt eigentlich kaum lautere Musik, als es die natürliche Lautstärke der Originalinstrumente ohne Verstärker waren. Und wenn wir schon beim Wesen des Tango sind: Wer in den seinerzeitigen Armenviertel von Buenos Aires wäre jemals auf die Idee gekommen, ein Paar zu kritisieren, nur weil es möglicherweise auch Schritte aus anderen Tänzen verwendet?

Archivlink

Rimuss zum Jahreswechsel

Samstag, 31. Dezember 2011

Silvesterparty im Tanzpalast. Nicht ganz so viel Volk wie auch schon, dafür recht gemütliche Piste. Und minimer Männermangel. Nebst dem Cüpli steht heute um Mitternacht sogar Rimuss zur Verfügung. Den man sogar richtig hätte geniessen können, hätte Mathis nicht schon fünf Minuten vor Mitternacht die Musik abgestellt und uns noch alles erzählt, was er schon immer erzählen wollte. Wobei das noch harmlos war, zu später Stunde stroboskopte er mit den Lichtern und quasselte gar mitten ins Lied, weil es Panettone gab. Das fand selbst ein Süssigkeitsfanatiker wie ich daneben. Panettones sind heilig. Tandas auch.

Cumparsita kurz vor vier Uhr. DJ Hannes hat heute wirklich schön gemischt, mir hat eigentlich jede Tanda gefallen. Bloss die drei Cumparsitas früh am morgen waren ein wenig zweifelhaft, insbesondere die Hetzerei von Firpo war das ziemliche Gegenteil von einem gemütlichen Ausklang. Aber es ist schön, mit Tango im Jahr 2012 zu landen.

Archivlink

---

Weiter zum Jahr 2012 oder zum Inhaltsverzeichnis.