Lebkuchen und verspätete Bäumchen

Mittwoch, 1. Januar 2014

Lemberg, Neujahr. Noch immer kein Zimt, denn einkaufen ist am Feiertag eher schwierig. Ausserdem scheint es hier im Gegensatz zu Kiev in der Innenstadt keine Supermärkte zu geben, sondern lediglich Kleinstläden mit sehr überschaubarem Angebot.

An der Abendmilonga frage ich mehrere Testpersonen nach ihrem persönlichen Befinden. Denn am Vorabend standen auf den Tischchen hübsche und herrlich duftende Lebkuchenhäuser, doch sie fühlten sich so an, als wären sie noch zu Sowjetzeiten gebacken worden. Offenbar hat aber niemand Bauchweh bekommen. Lebkuchen nach Weihnachten mag etwas verwirrend sein, aber weil die hiesigen Kirchen alles ein wenig später feiern, wurden mir beim Bummeln in der Stadt vor wenigen Tagen auch noch überall Weihnachtsbäumchen angeboten. Und der Hostelchef hat gestern eine wild blinkende Tanne aufgestellt. Und statt Schokoriegel gibt es Pralinen zum Frühstück. So geht es allen ganz gut, wobei ich (wir schweifen jetzt wieder zur Milonga zurück) feststelle, dass mal wieder viel zu viele Männer herumhocken. Nach harzigem Beginn ergeben sich dann aber feine Tänze, und auch DJ Vladimir legt fantastisch auf.

Einzig zu später Stunde folgen dann dramatische Kapriolen mit entsprechender Wahnsinnspiste (zur Stosszeit sind geschätzte 80 Paare auf der Piste), und auch nach der obligaten Chacarerarunde wird das Chaos nicht besser. Heute wird es das 3.40 Uhr-Marschrutka (der Fahrplan scheint jede Nacht erneut ausgewürfelt zu werden), und auch heute fährt es pünktlicher als jeder Schweizer Nachtbus...

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Tanzen, feiern, packen

Donnerstag, 2. Januar 2014

Remolino Lemberg, letzter Tag. Da hier weder Trams noch Buchhandlungen geheizt sind, wärme ich mich ein wenig im lokalen Potocki-Palast auf und geniesse die Bilder der italienischen, niederländischen und deutschen Meister. Der Holzboden wäre für eine Milonga perfekt geeignet...

Abends zur Milonga: Die erste Stunde bin ich zum Zusehen verdammt. Dann jedoch kommt irgendwie Bewegung in die Sache, obwohl das Festival noch ein paar Tage lang dauert und der übliche Torschluss-Effekt keine Rolle spielen kann: Ich tanze eigentlich pausenlos durch, und die Cabeceos fliegen nur so durch die Gegend. DJ Frank aus Berlin lässt man Boney M. als Cortina gnädig durchgehen, die Dreiertandas bei den Milongas hingegen sorgen nicht nur bei mir für Kopfschütteln. Aber nun, die Laune ist gut.

Die Piste allerdings äusserst anstrengend. Alexandra wirbt zwar regelmässig für die Floorcraft-Seminare, aber mit sowas geben sich die Götter selbstverständlich nicht ab. Die Nacht war ein wunderschöner Abschluss eines arg harzigen Festivals, und ich würde mir wünschen, dass ein polnischer oder ukrainischer Veranstalter sich zu einem Encuentro hinreissen lassen würde. Punkto Marketing ist das Remolino-Festival fast schon genial: Über eine Woche lang 14 DJs aufspielen lassen, die jeweils ihre Entourage (um das böse G-Wort zu vermeiden) mitschleppen, so stimmt dann auch der Besucherstrom. Bloss ist das für Aussenstehende dann nicht zwingend immer so attraktiv. Ich buche es bei mir unter dem Motto "Glück gehabt" ab. In ein paar Stunden geht der Flug, und Tyrolean Airways wird mich im Auftrag von Lufthansa vor zwei Starts und nach zwei Landungen mit Wiener Walzer quälen. Egal, in den Ohren klingt noch immer andere Musik nach...

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Schokoladenlos in Basel

Sonntag, 5. Januar 2014

Basel, Claracita. Wow, schöne Tänze. Offenbar ist mir die Basler Szene doch nicht immer ganz so fremd. Einzig der Weihnachtsbaum wird seiner Rolle nicht so ganz gerecht, es hängt jedenfalls kaum mehr Schokolade dran. Erstaunlich auch, dass es in Basel offenbar keine Silvestermilonga gab...

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Jubiläum mit Klischees

Dienstag, 4. Februar 2014

Facebook feiert heute sein grosses Jubiläum: Patrick ist ein Jahr dabei. Dass nun überall ein Fazit gezogen wird, war irgendwie vorauszusehen, aber insbesondere die selbsternannten Social-Media-Experten unter den Journalisten scheinen gebetsmühlenartig nur einen Blickwinkel zu haben: Die Zeitverschwendung sei schlimm, das wahre Leben finde offline statt. Die scheinen anders zu ticken: Für mich war das nie ein Gegensatz.

Schon als Jugendlicher hing ich per Akustikkoppler in Mailboxen rum, und meine Mutter fiel bei der Telefonrechnung (Ferngespräche nach Zürich...) gelegentlich in Ohnmacht. In den 90ern kam dann das Usenet (immer vorausgesetzt, man schaffte per Trumpet Winsock die Einwahl), lange bevor man sich in Webforen austauschen konnte. Ausnahmslos lernte ich dabei neue Leute kennen, und zwar immer auch im realen Leben.

Nun muss ich zugeben, dass auch nach zwölf Monaten Facebook extrem nützlich ist: Auch wenn ich sehe, was ich alles verpasse, so sehe ich ebenfalls, was in den nächsten Wochen sonst noch alles an netten Milongas oder Festivals stattfindet. Leisten kann ich mir finanziell sowieso nur einen Bruchteil davon, also muss ich mich über das Verpasste gar nicht ärgern. Die Rempelmeister und ihre Groupies sind ebenfalls leichter zu identifizieren, und die Übersicht, wer sich wo blicken lassen wird, ist beinahe schon Gold wert.

Zum Themenkomplex Datenkrake wäre zu erwähnen, dass die intelligenten Alternativen leider nicht so recht vom Fleck kommen. Und ja, täglich werde ich vor gefährlichen Mikrowellen gewarnt, mit Sätzen wie "you HAVE TO SEE this beautiful..." geteasert oder kriege gar Chichos neueste Akrobatik aufs Auge gedrückt. So schliesst sich der Kreis dann wieder: Wie das wahre Leben auf einer Milonga eben.

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Kommentar von MiguelLobo

Ahhhhahaa...Trumpet Winsock - da hatte man (genau, sofern man die Verbindung hinkriegte) tatsächlich noch das Gefühl, Teil einer verschworenen Gemeinschaft zu sein. Führte die Einwahl in Zürich etwa zu Eunet? :)

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Antwort von Patrick

Nein, die 80er Jahre-Akustikkoppeleien war eine ganze Weile vor Eunet Zürich. Da musste man statt Youtube noch Formel Eins gucken, um Sandra oder Roxette zu sehen. Und es war auch gar nicht so einfach, sich die nächsten Encuentro-Termine zu googeln...

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Uncooler Underground-Tango in Basel

Samstag, 22. Februar 2014

Basel, Besuch vom kurzfpälzischen Polarkreis. Also zu Tangoafilar in die Schleifferei-Baracke hinter dem Bahnhof. Industrieller Charme mit Kerzen. "Private Veranstaltung", heisst es beim Eingang, mit Registrierungspflicht. Nun, das wird nicht helfen, wenn die U-Mafia mal scharf schiessen wird. Macht aber nichts: Boden unterirdisch, Tonqualität miserabel, Musikmix unter aller Kanone, immerhin wars warm geheizt. Ab halb elf wären dann noch "Oldies" (der Begriff erweckt bei der Jugend der 1980er Jahre noch immer Misstrauen) gespielt worden, wir sind vorher geflüchtet. Basel ist schwierig...

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Ausgebremste Reisepläne

Mittwoch, 26. Februar 2014

Reisegelüste ausserhalb der europäischen Zone bringen gewisse Umständlichkeiten mit sich: Mein Hostel im westukrainischen Lemberg im Dezember wollte eine Vorauszahlung ohne Kreditkarte, also nutzte ich Western Union: Die rechnen in US-Dollar, der geschuldete Betrag war in Euro angegeben, mein Konto wurde in Schweizer Franken belastet und ausbezahlt wurde die ganze Geschichte natürlich in ukrainischen Grywnjas. Immerhin, es hat funktioniert.

Doch nicht immer verläuft das Leben so erfolgreich. In zehn Tagen beginnt in Weissrussland das "Minsk Spring Tango Festival" (ja, meteorologische Skepsis war angebracht). Der Flug war schon lange bezahlt, das Hostel nach einigem Wirrwarr ("Die bei booking.com als frei gemeldeten Zimmer sind leider schon belegt") gebucht, der Milonga-Pass für 510'000 belarussische Rubel vorausbezahlt, und selbst die leicht überforderte Organisatorin konnte dann zwei Wochen vor dem Festival noch offizielle Einladungen fürs Visum besorgen.

Alles gut? Fast. Die weissrussische Botschaft in Bern hat alle meine Unterlagen erhalten, doch angeblich fehle mein Pass. Dumm nur: Ich hab eine Quittung der Schweizer Post, dass sie einen 85 Gramm schweren Brief zugestellt hat. Wahrscheinliche These: Der Pass ist also irgendwo verloren gegangen. Kann passieren.

Im Prinzip halte ich nichts von Verschwörungstheorien. Bloss: Wenn man als Arbeitgeber ein grosses Schweizer Medienhaus angibt und im Pass ausgerechnet Ein- und Ausreisen vom vergangenen Dezember von Lemberg (Hochburg und Rückzugsgebiet der Studenten, der ukrainischen Nationalisten wie auch der Rechtsextremen) und gar noch weitere ukrainische Stempel drin hat, dann könnte man bei Weissrussland durchaus auf die Idee kommen, dass da jemand in der Botschaft den Pass einfach unauffällig geschreddert hat. Ein abgelehntes Visum hätte ja Fragen aufwerfen können. Die vermutete Denkweise: Ein Journalist, der da undercover mit Touristenvisum recherchiert oder gar Proteste befeuert, den wollen wir hier nicht. So einfach kann das Leben sein, zumindest aus Geheimdienstlogik.

Witzigerweise habe ich mich bei meinen Besuchen auf den Tango und Stadtbummel beschränkt sowie in den vergangenen knapp 16 Jahren meines journalistischen Daseins kein Wort über östlich gelegene Staaten verloren. Ich wusste übrigens bislang auch nicht, dass ich so wichtig oder einflussreich bin. Tja. Da werde ich mich wohl künftig anstrengen müssen, das in mich gesetzte Vertrauen auch zu erfüllen.

Nun denn, unter dem Strich 300 Euro versenkt, ich werde es überleben. Die Minsker Tangueras auch. Dennoch, es ist eine kleine, feine Szene in Minsk, und ich erinnere mich noch an eine Gesprächsrunde letzten Sommer in Nida: Ich tröstete die Reiseeingeschränkten(tm), dass Weissrussland in zehn Jahren vielleicht zum Schengen-Raum gehöre. Eine Tanguera blickte mich daraufhin traurig an und fragte, ob ich wirklich glaube, dass es noch so lange dauern werde. Heute muss ich sagen: Meine Einschätzung war wohl grenzenlos naiv und optimistisch.

Hm, und soeben sehe ich, dass die Festival-Organisatorin kurzfristig den Dresscode gelb-orange verkündet hat. Da hab ich ja nochmals Glück gehabt.

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Nachtrag: Auf meine Bitte, mir die 60 Euro Visagebühr doch bitte zurückzuerstatten, schickte mir die Botschaft inzwischen mit dem von mir vorausbezahlten Rückantwortcouvert lediglich das völlig wertlose Antragsformular mit dem Foto zurück. Auch auf meinem Konto kein Geldeingang. Die scheinen mich wirklich ärgern zu wollen.

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Nachtrag 2: Drei Wochen später landen 42 Euro und ein paar Cent auf meinem Konto. Absender: Ebenjene Botschaft. In Weissrussland gibt es bestimmt eine Verordnung, nach der umgerechnet 17,389 Euro als Gebühr festzusetzen sind, wenn jemand mit nachvollziehbarer Begründung einen Visumsantrag zurückzieht. Vielleicht heisst es aber auch nur: "Nimms nicht persönlich, probiers nächstes Jahr wieder". Mal sehen, ob dann schon die russische Botschaft zuständig ist...

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Kein Käse in Basel

Samstag, 1. März 2014

Basel, Tangomarathon. Wer früh dran ist kann auch ohne Anmeldung ein limitiertes Nachmittagsticket lösen. Ich bin eher spät dran, erhalte aber trotzdem Einlass. Puh, bin ich alt. Immerhin nicht der Älteste. Massiver Männermangel, was die Damen allerdings nicht davon abbringt, ihren Blick strikt auf den Tanzfläche zu richten. Schade, denn DJ Cédric legt wunderschöne Stücke auf, die meisten Tandas lassen meine Füsse zucken. Irgendwann treffe ich glücklicherweise eine bekannte Tanguera, und so komme ich doch noch zu ein paar schönen Tandas. Piste luftig, aber ziemlich wild.

Ach ja, die Veranstaltung läuft unter "Winter Fondue Edition". Bei den derzeitigen Aussentemperaturen schmilzt der Käse eigentlich schon fast beim Auspacken. Oder nimmt man gar Schokolade? Und sind alle Teilnehmer Asterix-konform mit den Fondue-Regeln vertraut gemacht worden? Ich schenke mir aus Kompatibilitätsgründen die Abendmilonga und werde daher wohl nie erfahren, wieviele Leute ihr Brotstückchen verloren haben...

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Spätlese in Kehl

Samstag, 8. März 2014

La Cita, Kehl. Wenig Leute, sind vermutlich alle in Minsk. Zumal die hiesigen Milongas offenbar nur noch per Facebook beworben werden, nicht mehr auf der Webseite. Schöne Tänze, wobei als DJ heute Dirk aus Leuven amtet. Der Mix ist relativ..."modern". Einmal streiten wir zu Dritt, ob das Stück von Varela oder Sassone ist. Nun...laut DJ war es Caló. Offensichtlich ein Spätwerk, um es mal vorsichtig zu formulieren. Ich komme heute nicht so richtig in die Musik, und so widme ich mich dem Kuchen...

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Traditionen in Basel

Samstag, 22. März 2014

Basel, Milonga La Tradicional im Corrientes. Puh, ich war offenbar schon lange nicht mehr hier. Auf dem Klo gibt es kein Papier zur Gesichtstrocknung mehr, dafür eine zusätzliche Garderobe, und der DJ thront jetzt erhoben (erhaben? erhebt?) über der Menge. Immerhin einiges Volk, auch wenn ich manchmal schon staune, was sich alles so unter dem Etikett "traditionell" tummelt. Cabeceo gehört offiziell zum Programm. Interessiert bloss 80 Prozent der Leute nicht.

Besuch aus Nordtschechien, daher schöne Tänze. Auch wenn Ivo zwischendurch seltsames Zeugs auflegt. Nummer 1 und 3 in der Tanda öde, 2 und 4 hingegen Ohrwürmer -- ich grüble, ob das Gegenteil davon noch schlimmer wäre. Nun, insbesondere die Milongas bringen viel Genuss. Und die Auslosung der Tombola noch viel mehr...

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Kommentar von Peter Pan

"Cabeceo gehört offiziell zum Programm. Interessiert bloss 80 Prozent der Leute nicht." Ja, den Eindruck gewinnt man doch häufig. Viele Milonga-Besucher handeln gern nach dem Motto: 'Höflichkeit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr!'

Was ist nun die Moral von der Geschicht'? Cabaceo-'Pflicht' abschaffen, weils eh nicht funktioniert? Weil, wer sich dran hält, dann zu oft der Dumme ist?

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Kommentar von TwoToTango

Nein, ich meine nicht, dass der Cabeceo offiziell abgeschafft werden sollte, bloss weil sich in einigen Kreisen nur wenige dran halten. Ich hatte kürzlich eine mündliche Aufforderung von jemandem, den ich nach einer unschönen Erfahrung bewusst nicht mehr anschaue. Ich habe sie konsequenterweise abgelehnt. Diese "Peinlichkeit" hätte er sich ersparen können. Wer also nicht schauen will, muss fühlen.

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Kommentar von Peter Pan

@ TwotoTango: Der Cabeceo als eleganteste Form der Verabredung zu einer gemeinsamen Tanda wird mir von mir keineswegs in Frage gestellt. Mir ging es dagegen um die Pflicht dazu, um die Ausschließlichkeit. Ich kenn nämlich dutzende Tangueras, die auch nach Jahren noch keine Kenntnis darüber haben (sowas gibts!) oder nicht gut damit umzugehen wissen: sie lassen ihre Brille im Etui (weil sie beim Tanzen stören könnte), sie starren unverwandt auf die Tanzenden ohne einen Blick nach links oder rechts zu werfen, beziehungsweise plaudern ohne Pause mit ihrer Leidensgenossin.

Denen den sehr zweischneidigen Rat zu geben, eine verbale Aufforderung in jedem Fall abzulehnen, bewirkt lediglich folgendes: erstens werden diese Tangueras zuverlässig noch längere Phasen als bisher lediglich sitzen statt tanzen, und zweitens werden noch mehr Beginner-Männer frustriert die Tango-Szene wieder verlassen. Kurzfristig ist das zwar gut für mich .. 3:-) ... aber Spaß beiseite: langfristig schadet das dem Fortbestand der Tango-Szene!

Genauso wie übrigens auch jede Tanguera, die - weil's ja sooo schön einfach geht - nur bei den drei Top-Tänzern des Abends den Blick sucht und beim geringsten Zweifel an den Qualitäten des per Mirada anfragenden Tangueros einfach zur Seite geguckt. Die eine oder andere 'Social-Tanda' pro Abend zum Aufbau des Tanguero-Nachwuchses hat aber bisher noch kaum eine Tanguera überfordert (Ausnahmen gibt's natürlich). Diese 'Social-Tandas' würden aber genauso zur Entwicklung einer angenehmeren Milonga-Kultur beitragen, wie die so oft von den (bitte guten!) Führenden ganz selbstverständlich eingeforderte Bereitschaft, die vielsitzenden Damen im sog. 'fortgeschrittenen Alter' öfter aufzufordern.

Da ist oft eine gewisse (blauäugige) Anspruchshaltung in der verehrten Damen-Welt zu beobachten, wobei der daraus resultierende Katzenjammer doch ganz leicht durch folgende Strategie vermieden werden könnte: ermutigt die viel-sitzenden Damen, durchaus auch verbale Aufforderungen von Tänzern ohne Guru-Status zu akzeptieren (oder diese sogar gezielt selbst anzusprechen)! Nach einiger Zeit werden sie dann die Früchte ernten können in Form von zahlreicher vorhandenen und geübteren Tangueros. Ein bisschen mehr Engagement und Bereitschaft zum Umdenken unter den Folgenden wäre dafür allerdings erforderlich ... ;-)

Ich gehe aber fast jede Wette ein, dass jetzt wieder die Beschwerden über die ach so fortbildungs-faulen Tänzer kommen, die eine solche Förderung angeblich gar nicht zu schätzen wissen. An deren Adresse: meine Wahrnehmung ist eine ganz andre, denn fast alle Führenden, die ich kenne, arbeiten in Kursen, Workshops und Praktikas engagiert an der Verbesserung ihrer Fähigkeiten. Viele Folgende dagegen sagen sich doch: ich gehe einfach mal auf die Milongas. Schau'mer mal... Wenn der Mann gut führt, wird das schon klappen..

Damit tragen diese Folgenden relativ anstrengungslos zum Fortbestehen der Gender-Dysbalance bei, ohne vorher groß Zeit und Engagement in Kursen oder Workshops investiert zu haben.. Nix für ungut, aber das muss auch mal gesehen und angesprochen werden.. Ich wünsche allen viele erfreuliche Tango-Abende :)

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Antwort von Patrick

Vermutlich ist es eher eine Rollen- als eine Genderfrage: Wir hatten es hier schon davon, dass Passivität äusserst wählerisch macht, und die Kombination ist gerade an einer Milonga natürlich perfekt kultivierbar. Dazu gibt es immer genügend Männer, die Cabeceo als "Ich stehe vor die Frau, neige meinen Kopf und schaue sie an" definieren, und so nimmt die Sache seinen Gang.

Als Verlierer oder Dummen sehe ich mich nicht: Wer die Körpersprache respektiert und sich zurückhält, der tanzt zwar deutlich weniger als andere Leute, aber die Tänze machen einfach mehr Spass. Ich überlasse es lieber den anderen, mit Frauen zu tanzen, die bloss aus Höflichkeit keinen Korb geben.

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Kommentar von TwoToTango

@Peter Pan Ich bin völlig einverstanden mit Deinen Ausführungen. Mein erster Kommentar war sehr verkürzt und durch das erst kürzlich Erlebte einseitig. Ich tanze gern mit *allen* Tänzern (oder Tänzerinnen, as is), solange sie mich nicht auf eine Art umarmen, die für mich nach mehr als "close embrace" schmeckt, konsequent unmusikalisch sind oder mich ständig aus der Achse / mir halb den Arm abreissen. Wobei ich bei ersteren beiden genau dieses erste und letzte Mal mit ihnen getanzt habe , während ich bei letzeren nach einiger Zeit durchaus geneigt bin, zu testen wie sie sich möglicherweise entwickelt haben.

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Kommentar von 2LinkeFüsse

Ein funktionierender Cabeceo ist für mich ein Qualitätsnachweis. Je grösser die Distanz desto besser. Ich bin aber immer wieder erstaunt wie oft es nicht klappt Blickkontakt aufzubauen.

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Dresscode: Fertig mit goldig

Dienstag, 1. April 2014

Nicht alles, was Gold ist, glänzt auch: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Strasbourg hat willkürlichen Dresscodes diese Woche einen Riegel geschoben: Er kassierte ein Urteil des obersten Gerichtes der tschechischen Republik.

Konkret hatte ein Tangofestival in Prag letzten Sommer diverse Dresscodes vorgeschrieben, so an einem Abend für beide Geschlechter die Farbe "gold". Dagegen klagte ein deutscher Tänzer, weil er sich in seiner Freiheit zu stark eingeschränkt sah: Goldfarbene Kleidung sei für Männer kaum oder nur mit grossem finanziellem Aufwand erhältlich, und die Chancen auf Tänze würden in solch "unwürdiger Kleidung" deutlich sinken. In allen tschechischen Instanzen war er mit seiner Klage erfolglos.

In Strasbourg gaben ihm Richter nun Recht: Der Zwang zu goldfarbener Kleidung verstosse gegen die verfassungsmässigen Rechte insbesondere der Männer. Schwarz sei beispielsweise problemlos, bei rot gäbe es genügend verschiedene Nuancen, doch schon gelb sei problematisch und gold für Männer nicht zumutbar.

Das Festival in Prag hat angekündigt, aus Protest gegen den "willkürlichen Richterentscheid" künftig statt des goldenen Abends einen Nacktabend zu veranstalten. Munay hat heute bekanntgegeben, dass ab Sommer goldene Tanzschuhe für Männer ins Programm aufgenommen werden. Und Chicho Frumboli sagte gegenüber der Tangodanza, er sei empört, und aus Liebe zu seiner goldenen Halskette werde er bis zum Abendessen in Hungerstreik treten.

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Kommentar von TwoToTango

Happy April-Fools-Day!

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Frieren in Tallinn

Donnerstag, 1. Mai 2014

Tallinn, Estland. Temperaturen kurz vor Schneefall. Vermutlich deshalb fällt wohl auch die Stadtführung am Nachmittag aus. Abends zur Eröffnungsmilonga des Marathons: Ein Fenster steht offen, in einer Ecke wedelt ein Ventilator vor sich hin. Für die Finnen und Norweger zählt sowas wohl als Hitzetag. Keine Chance, in der Stadt eine warme Mütze zu kaufen: Die Läden haben schon auf Sommerbekleidung umgestellt...

DJ Jani legt seltsames Zeugs auf und lässt zwischen den Stücken auch kaum mehr als eine halbe Sekunde Pause. Immerhin kann ich ein paar schöne Tangos geniessen. Der Tanzraum ist nicht gross, zur Cortina versammelt man sich jeweils am Eingang. Passt. Ach ja, und trotz Geschlechterparität hocken so auch nicht alle Frauen passiv in den Stühlen...

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Über Wege, Pausen und Kekse

Freitag, 2. Mai 2014

Tallin, Tag zwei. Sonderlich weit ist der Weg nicht vom Hostel zur Milonga, aber die vielen kleinen Gässchen sorgen bei mir immer wieder für ein wenig Verwirrung. Auch der Touristenansturm ist hier schon ganz beachtlich, vor allem verglichen mit Riga und Vilnius.

Nachmittagsmilonga mit DJ Aleksey, macht von der Musik her deutlich mehr Spass als gestern. Durch den kleinen Tanzraum hat der Marathon auch eher den Charakter eines Encuentro. Wobei gleichzeitig in Malmö ein solches stattfindet, was für die Teilnehmerzahlen beider Veranstaltungen wohl nicht so ideal war. Hier sind immerhin Kuchen und Kekse billiger, zumindest diejenigen ausserhalb der Milonga.

Tagesmilonga bis 21 Uhr, weiter gehts dann um 23 Uhr....das ist mir heute deutlich zu spät. Und die konsequent durchgezogenen 6 Stunden-Schichten finde ich auch etwas zu lange, es verläuft sich in Ansätzen ähnlich wie bei den Nonstop-Marathons. Wetter noch immer ziemlich frisch...

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Wenig tanzen, wenig frieren

Samstag, 3. Mai 2014

Tallin, Tag drei. Mal wieder einen neuen Weg durch die Altstadt entdeckt. Windig. Am Nachmittag legt Alexandra auf, am Abend (Unterbruch heute minimal angenehmer von 20 bis 22 Uhr) Victoria. Nichts zu meckern, wobei mich der leichte Männerüberschuss rund um die Piste eh öfters als mir lieb ist zum Zuhörer macht. Lang wird die Nacht daher heute nicht...

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Schöner Abschied, schwache Zählung

Sonntag, 4. Mai 2014

Tallin, Abschiedsmilonga. DJ Jakub macht noch einmal schöne Stimmung, und so manche Tanguera hängt zum Abschied auch noch grosszügig eine zweite Tanda hintendran. Für morgen ist Schneefall angekündigt, und so ein wenig freue ich mich ehrlich gesagt auf den warmen Süden. Auch tänzerisch war das Wochenende schon quanitativ kein Highlight, ich konnte mir lediglich zwei bislang unbekannte Tangueras anlachen. Auch wenn die Quantität angeblich keine Rolle spielt, nun, das ist mir einfach zu wenig. Im südlichen Drittel des Baltikums scheint das Leben etwas einfacher zu sein...

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Posen in Heidelberg

Samstag, 24. Mai 2014

Heidelberg, Bosselonga. Schöne Tänze. Wobei DJ Nico nicht ganz so meinen Geschmack trifft. Und die fest installierte Musikanlage meinen Ohren überhaupt keine Freude macht. Wirklich anstrengend war dann allerdings die Piste, zuviele Quertänzer, Figurenposer und Rumhüpfer, ich habe mich die zweite Hälfte der Milonga eher aufs Zugucken konzentriert. Eigentlich erstaunlich, wieviele Parallelwelten in einer solch überschaubaren Subkultur existieren.

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Ein Sommertag in Basel

Sonntag, 22. Juni 2014

Basel, Petersplatz. Openair an einem gemütlichen Sonntag, mir fällt auf, wie lange ich schon nicht mehr hiergewesen bin. Tiziano legt eigentlich ganz fein auf, aber die Basler Szene hat sich in den letzen Jahren eigentlich nicht verändert. Mal schauen, was der Sommer an Krim-Alternativen bietet...

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Volumenwettbewerb an der Ostsee

Freitag, 11. Juli 2014

Nida, Litauen. Diesmal ziemlich bewölkt und regnerisch, anstelle eines Bades in der Ostsee gehe ich daher schnurstracks zur Abendmilonga. Feine Tänze zu DJ Igoris, in ferienähnlicher Umgebung geht irgendwie alles leichter.

Leider übernimmt bald DJ Luis aus Schweden (mit südamerikanischem Migrationshintergrund). Der mischt nicht nur Milonga und Neo innerhalb einer Tanda, sondern hört auch nicht mehr gut. Zumal in der benachbarten Bar ebenfalls Musik läuft und Luis offenbar ein Wettrüsten veranstalten will. Früh ins Bett...

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Schmerzen und eine abgebrochene Milonga

Samstag, 12. Juli 2014

Nida, Tag zwei. Gruppenfrühstück heute um eine Stunde auf 14 Uhr verschoben, was bei vielen weit über den Ort verteilten Teilnehmern eine komplizierte Sache wäre -- aber glücklicherweise gibt es ja Facebook. Es gibt übrigens auch Männer, die sich wie Mädchen verhalten -- das Stummschalten eines Telefons während der Nacht scheint für viele Leute inzwischen undenkbar zu sein.

Nachmittagsmilonga, leider erneut mit Luis: Sein Konzept ist arg anstrengend, weder Tempo noch Stil der Musik innerhalb einer Tanda sind für mich erkennbar. Schade, da die Tangueras hier aussergewöhnlich tanzfreudig sind. Immerhin, eine wunderschöne Schlusstanda mit Pugliese bringt mich endlich mal wieder so richtig in Tangostimmung.

Danach beginnt 'Contact Improvisation', und in meiner grenzenlosen Naivität lasse ich mich dazu überreden, noch zu bleiben. Vielleicht wäre es ganz spannend geworden. Aber nach knapp fünf Minuten Atemübungen auf dem harten Tanzboden schmerzen mein Hintern und meine Beine derart, dass ich mich davonschleiche. Mit genügend Schmerzmitteln und ein wenig Heroin könnte man vermutlich sogar Yoga eine halbe Stunde lang ertragen, aber irgendwie ist das nichts für mich. Wetter grauselig, mache daher Entspannungsübungen in meinem Bett und bin dabei derart erfolgreich, dass ich beinahe das das Abendessen verschlafe. Kleiner Insiderwitz: No spoons.

Abendmilonga mit DJ Andrzej. Nebenan versenken die Niederlande Brasilien, doch leider gibt es keine Verlängerung: Direkt nach dem Fussballspiel startet in der Bar eine Technoparty. Das Wettrüsten nimmt Ausmasse an, dass selbst Schwerhörige den Kopf schütteln. Lange Diskussionen, viel Herumtelefonieren (mein Lösungsvorschlag mit dem Sicherungskasten wird ängstlich abgewiesen), und irgendwann geben die Veranstalter auf und brechen die Milonga ab. Die Bässe nebenan hämmern in die Nacht. Draussen schüttet es in Strömen. Glücklicherweise liegen auf meinem Netbook noch ein paar Tangos, und so feiern wir eine kleine leise lettisch-litauisch-weissrussisch-schweizerische Afterparty im Foyer unseres Gästehauses. Ins Bett kurz vor Sonnenaufgang.

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Abschied auf der Düne

Sonntag, 13. Juli 2014

Nida, Abschiedstag. Zur Despedida legt DJ Kirill aus St. Petersburg auf. Leider beinahe ausschliesslich hetzerisch schnelles Zeug oder hochdramatische Stücke. Danach geht es dafür zum Höhepunkt des Wochenendes: Die Sonne zeigt sich, und wir tanzen Openair über den Holzboden hoch oben auf der Wanderdüne. Im Westen flimmern Lichter vom schwedischen Festland rüber, im Osten steigt der Mond aus den Wolken. Der sandige Boden ist mir trotz schönen Tänzen ein wenig zu anstrengend, und so geniesse ich einfach die Stimmung. Die hämmernden Bässe sind glücklicherweise weit weg...

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Warme Quickies in Schweden

Freitag, 1. August 2014

Stockholm, Encuentro. Mal wieder ganz traditionell mit getrennter Sitzordnung, sozusagen cabezeoisches Extrem-Training. Dazu herrschen rund 28 Grad, die Nordlichter stöhnen um die Wette. Schöne Tänze am Nachmittag, auch wenn der Boden diesmal ziemlich klebt. Und DJ Myriam viel langweiliges Zeugs spielt, dazu auch nur strikte drei Lieder pro Tanda. Sozusagen lauter abgekürzte Quickies.

Abends macht DJ Damien dann auch nicht viel besser weiter: Die ersten beiden Stücke einer Tanda bestehen beispielsweise aus unbekanntem und wenig inspirierendem Füllmaterial, Nummer drei und vier sind dann Gassenhauer. Frei nach Murphy wähle ich faktisch dauernd die falschen Tandas. Die Blicke fliegen zwar und die Tänze sind schön, aber die Lautstärke steigt laufend, und kurz vor zwei Uhr flüchte ich mich ins ruhige Bett. Der DJ hat übrigens extra einen Monitor-Lautsprecher bei sich auf der Bühne, sein Verhalten lässt sich eigentlich nur mit fortgeschrittener Taubheit erklären. Ach, und die Cortinas. Weshalb gehen derart viele Tango-DJs offenbar davon aus, dass Merengue und Cumbia die Krone der Rhythmusschöpfung sind?

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Kommentar von Valentino

Was man z.B. über DJ Myriam auf der Stockholm-Website lesen kann (nur 6 Jahre Tanz- und 4! DJ-Erfahrung) lässt mich darüber Nachdenken, wie DJs für solch einen grossen Event wohl ausgesucht werden...

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Antwort von Patrick

Ich würde es nicht an den Jahren festmachen, auch alte Hasen können gelegentlich Möhren nicht von Zwiebeln unterscheiden. Tatsächlich scheinen fast überall die Beziehung zum Veranstalter und die Mobilisierungskraft (Mitschleppen der eigenen Clique) die wesentlichen Elemente zu sein.

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Genuss am Nachmittag

Samstag, 2. August 2014

Stockholm, Tag zwei. Heute Nachmittag mit DJ Mathias, schöne Mischung und angenehme Lautstärke. Insbesondere in der zweiten Hälfte der Milonga zieht mich eigentlich praktisch jede Tanda auf die Piste. Gleichzeitig wird mir bei der Sitzordnung (man sieht schön, wann welche Blicke in welche Richtung wandern) auch bewusst, dass ich faktisch immer vierte oder fünfte Wahl bin. Das ist auch deshalb ein wenig anstrengend, weil sich die Tanzfläche nach spätestens 25 Sekunden derart füllt, dass weitere Blickkontakte ziemlich schwierig werden. Ehrlich gesagt brauche ich meist auch ein paar Sekunden, bevor ich weiss, ob ich auf das Stück tanzen möchte. Dennoch, es macht Spass. Fantastische Tänze, und nach einer gefühlten halben Stunde (tatsächlich waren es vier Stunden) folgt leider auch schon die Cumparsita. Ob der betörenden Tänze taumle ich danach förmlich in die Metro.

Abendmilonga mit DJ Che Carlitos, eigentlich auch nicht viel zu meckern. Irgendwo schleicht ein Hauswart mit einem Schallpegel-Messgerät herum, ich wünschte mir, er wäre am Vorabend schon da gewesen. Doch heute Abend scheine ich unsichtbar zu sein, ich erlächle mir satte zwei Tandas und verziehe mich gegen ein Uhr ins Bett. Vermutlich bräuchte ich ein Encuentro, an dem es nur Nachmittagsmilongas gibt...

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Flucht aus der Despedida

Sonntag, 3. August 2014

Stockholm, Despedida. Meine Unsichtbarkeitsspanne dauert heute knapp zwei Stunden, danach setzt allmählich der Despedida-Deffekt ein. Beim Zugucken fällt mir mehrmals auf, wie einige Tangueras mitten in der Tanda einen Mann stehenlassen. Die Sitten hier sind hart. Dafür ist die Piste relativ friedlich, auch wenn es ein paar Männer wie Frauen hat, die offensichtlich das Konzept einer geschlossenen Umarmung nicht kennen -- offensichtlich enge Freunde der Veranstalterin. Regeln gelten bekanntlich nicht für alle.

Ach ja, Phillipe legt auf. Eigentlich ganz süffig. Aber mit seinen hässlichen Cortinas nervt er gewaltig, zumal er jedesmal auch noch den Lautstärkeregler auf Stufe "wahnsinnig laut" schiebt. Ich geniesse noch ein paar schöne Tänze, und als er seine letzte Tanda mit dem Walkürenritt ankündigt (ähnlich subtil wie in "Apocalypse now"), da flüchte ich in den ruhigen Sommerabend. Vielleicht könnte die EU ja mal eine Richtlinie durchsetzen, nach der alle DJs auf ihrer Homepage einen aktuellen Hörtest veröffentlichen müssen...

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Regen in Palanga

Freitag, 15. August 2014

Palanga Seaside Festival, Litauen. Scandinavian Airlines hat sich ausserordentlich grosse Mühe gegeben, meine Teilnahme an diesem Festival zu verhindern, aber irgendwann habe ich die Reise dann doch gemeistert. Inzwischen bin ich hier auch erst dreimal verregnet worden, der Ostsee-Orkan wütet. Da wirkt dann auch der kahlste Milongaraum relativ angenehm.

Abendmilonga mit DJ Igoris, schöne Tänze mit Bekannten, die Unbekannten mustern mich eher skeptisch. Hm, und gegenüber sitzt eine Frau mit einer Sonnenbrille, die sie jeweils nach oben schiebt, wenn sie sich mit einer Frau unterhält. Ich überlege kurz, ob ich an meinem Sitz meinen Regenschirm aufspannen soll, aber ich muss es mir ja nicht gleich am ersten Abend mit allen verscherzen. Spät nachts nach Hause, und kaum bin ich unterwegs, giesst es wieder wie aus Eimern...

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Keine Sonne in Palanga

Samstag, 15. August 2014

Palanga, Tag zwei. Heute schaffe ich es beinahe trocken zur Nachmittagsmilonga. DJ Vilks legt viel treibendes Zeugs auf, aber leider nichts zum Durchatmen, auch können ihn die Veranstalterinnen nicht davon abhalten, regelmässig auf Techno-Lautstärke aufzudrehen. Die Cortinas passen dazu. Die Mehrheit der litauisch-lettischen (ja, ich bin ein Exot hier) Frauenschar mustert mich weiterhin skeptisch, aber zum Glück ist ja auch noch eine Gruppe aus Weissrussland anwesend. Die Dame mit der Sonnenbrille sitzt noch immer rum. Und draussen schüttet es wieder.

Abendmilonga mit DJ Olga, nach anfänglichen musikalischen Merkwürdigkeiten folgen ausgesprochen schöne Tandas. Ich versuche etwas stärker, mir mal unbekannte Frauen anzulachen, bleibe damit aber weitgehend erfolglos. Gebe gegen ein Uhr auf, und erreiche heute mein Bett unbeschadet vor dem regelmässigen Wolkenbruch. Ach ja, eigentlich wollte ich ja mal am Strand tanzen. Irgendwie scheinen es die Ostsee-Götter nicht gut mit mir zu meinen.

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Keine Sterne in Palanga

Sonntag, 16. August 2014

Palanga, Despedida. Förmliche Abschiedstänze sind allerdings ein wenig schwierig, wenn zu zehn tanzenden Paaren auch noch zehn Männer rumsitzen. Irgendwann gleicht sich das zwar so langsam aus, aber es wird dennoch eine Premiere: Eine Despedida ohne einen einzigen Tanz. So geniesse ich irgendwann nochmal ein wenig den Strand, verpulvere meine letzen Litas (der Euro kommt bald) und flüchte beim Eindunkeln vor den herannahenden Wolken. Heute Nacht gibt es leider keinen Sternenhimmel...

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Das unbekannte Mekka

Freitag, 22. August 2014

"Due ore dopo compieta, alla fine del sesto giorno, nel cuore della notte che dava inizio al settimo giorno, eravamo penetrati nel finis Africae"

So ein wenig wie Adson und sein Meister kam ich mir tatsächlich vor, als ich kurz nach Mitternacht auf die Tore zuschritt: Der Ort, auf den Tangotänzer in ganz Europa ihre Gebetsteppiche ausrichten, quasi ein Mekka im Einzugsgebiet des Gouda, die höchste Tangoerhebung im Flachland: El Corte in Nijmegen.

Trasnoche geht bis drei Uhr morgens, im Rahmen von "Summerdaze" sozusagen ein niederschwelliges Angebot ohne Anmeldepflicht. Fusswaschbecken, Matratzen, Plaudertische und Wasserspender, alles da. Voll ist es nicht, aber gemütlich, und zu leisen Klängen drehe ich schon bald in rötlichem Licht meine Runden auf der Piste.

Cortinas gibt es hier nicht. Mir wird erklärt, dass damit der Tanzfluss unterbrochen würde, auch gehe man davon aus, dass alle Tänzer alt genug sind, um zu wissen, wie lange sie mit jemandem tanzen wollen. Ich muss gestehen, nach den Erfahrungen der letzten Wochen geniesse ich die fehlende soziale Kontrolle in grossen Zügen. Auch die Tangueras scheinen hier zweieinhalb bis drei Tandas am Stück als gängig anzusehen. Es scheint zu funktionieren.

Doch schon viel zu früh ist es drei Uhr, und die Cumparsita beendet den Traum. Ohne grosse Einspruchsmöglichkeiten werde ich auch gleich an eine Tanguera mit Auto vermittelt und zu meiner Unterkunft chauffiert. Die Bed&Breakfast-Betreiberin hatte mich am Abend beim Einchecken übrigens nach meinen Plänen gefragt, und als ich von Tango erzählte, meinte sie, sie kenne einige Tangolokale in Nijmegen, und fragte, in welchem ich denn tanzen werde. "El Corte", sagte ich, und erwartete eigentlich, dass der Name mit einem wissenden Blick sublimiert(tm) wird, wie wenn ein Japanar im Herbst an der Rezeption des Munich Hilton Airport Hotels sagt, er wolle nun zum Oktoberfest. "El Corte? Nie gehört", meinte sie jedoch schulterzuckend. Man könnte manchmal meinen, man lebt in einer Parallelwelt...

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Ausklang am Hafen

Samstag, 23. August 2014

Nijmegen, Brebl. Umgenutztes Industrieareal direkt am Hafen. Auf der Toilette sind Balanceübungen mit erhobenem rechtem Knie nötig, um sich die Hände zu waschen. Der Ausblick auf die Flusslandschaft wird leider durch hohe Wände geschmälert. Aber dafür viel tanzwilliges Volk.

Untere Tanzfläche: Viel Platz, allerdings arg abgenutzte Holzlatten. Obere Tanzfläche: Angenehmer Boden, aber wenig Platz. Djane Diana spielt kreuz und quer von Umpaumpa zu Neo und Milonga, glücklicherweise ist auch einiges Schönes dabei. Die Hochtöner direkt an der unteren Tanzfläche sind allerdings am Ende ihrer Lebensdauer, auf der etwas entfernteren oberen Piste ist der Krach halbwegs erträglich.

Nun, trotz aller Widrigkeiten wirklich schöne Tänze, zweimal sogar direkt von unbekannten Frauen aufgefordert worden, und selbst auf der dichten Piste war es nicht besonders rempelig. Traumhafte Cumparsita. Und dann leider wieder in die Realität von Nachtbussen und niederländischen ÖV-Chipkarten zurück...

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Streuselkuchen in Altona

Freitag, 29. August 2014

Hamburg, Encuentro. An ihren Ankerleinen am Handgelenk sollt ihr sie erkennen. Nachmittags-Eröffnungsmilonga (manche Nordlichter stöhnen tatsächlich über die "Hitze") mit DJ Christine und Thorsten. Sie erobern sich bei mir gleich einen Platz unter den Top 3-DJs, jede Tanda zieht. Acht Boxen zur Beschallung (inclusive DJ-Monitor) sind natürlich Luxus, aber offensichtlich hat hier jemand auch den Equalizer vernünftig eingestellt und den Lautstärkeregler gut unter Kontrolle. Beides hat Seltenheitswert. Sitzordnung: Gruppentischchen rund um die Tanzfläche herum. Viiiiele Paare. Das macht den Einstieg ein wenig schwierig, aber so langsam gleite ich auch in den Tango hinein. Der Nebenraum lockt indes kräftig mit Keksen, Streuselkuchen, Schokolade und Waldmeisterbrause...

Abends wird das Wetter etwas herbstlicher, die Bude voller, die Sitzordnung nicht unbedingt einfacher und DJ Lynn legt leider ausschliesslich für die Schwerhörigen auf. Flüchte mich daher mit dröhnenden Ohren gegen zwei Uhr ins Bett...

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Kurzmilongas, Rockzupfen und Wiener Vals

Samstag, 30. August 2014

Hamburg, Tag zwei. Nichts zu meckern an den Tandas von DJ Andreas, und ich geniesse wunderschöne Tänze am Laufmeter. Eigentlich könnten Encuentros meinetwegen nur aus Nachmittagsmilongas bestehen. So verpasse ich zwar sämtlichen Kuchen, aber nun...manchmal muss man schwierige Entscheidungen treffen. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Drei Milongas in einer Tanda sind zuwenig, insbesondere, wenn das letzte Stück nur gefühlte 15 Sekunden dauert. Immerhin ist das Ego gerettet, wenn auch die Tänzerin empört zustimmt.

Ach ja, die Piste. Gelegentlich etwas zäh (weil proppenvoll, das Raumlimit scheint mir definitiv erreicht), aber äusserst friedlich und entspannt. Nur einmal zieht eine Dame mit einem Voleo meiner Tanzpartnerin beinahe den Rock hernieder, der Täterin steigt ob des Lachanfalles des Opfers die Schamesröte ins Gesicht.

Am Abend hat dann ein Grossteil der Frauen ihr Pulver verschossen: Beine werden hochgelagert, rund um die Piste des Balanced-Encuentros(tm) hockt (nach dem wilden Nachmittag nicht ganz unerwartet) ein veritabler Männerüberschuss wie in einem Trappistenkloster. Dennoch, zwei wunderschöne Tandas sind drin, ansonsten habe ich viel Zeit, über verwirrende Cortinas zu Grübeln. DJ Gerhard legt zwar schön auf, dennoch trauere ich der verpassten Musikantenstadl-Vals-Tanda nicht so recht nach. Früh ins Bett, zumal ich vom Nachmittag her tatsächlich noch meine Muskeln ein wenig spüre.

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Keine Pasta in Hamburg

Sonntag, 31. August 2014

Sonntag, Despedida. Genussvolle Tänze zu DJ Celine, wobei man hier bei der Zeitplanung knallhart ist: Punkt 20 Uhr ist Schluss. Eigentlich schade, wenn man grad so schön drin ist. Ich hab heute die letzten zwei Stunden auch einige Blicke von Unbekannten ignoriert, weil ich mich am Ende einer Despedida gerne von bekannten Tangueras mit Tänzen verabschieden möchte.

Eigentlich hatte ich mich danach auf das gemeinsame Pastaessen gefreut, doch die unvermeidlichen Cliquen horten Tische wie Stühle und verteidigen ihre Festungen wie Hotel-Liegestühle morgens um acht auf Mallorca. Das Spiel wird mir irgendwann zu dumm, und so gehe ich heute eben ohne Pasta ins Bett und träume ein wenig von den vergangenen Tänzen. Ein Enuenctro ohne Gruppen wäre was...

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Kommentar von Chris

Schade, dass wir uns nicht begegnet sind 😉. Nach der Pasta gab's übrigens noch einen musikalischen Zuschlag mit Tanz, das wäre für eine Naschkatze wie Dich wirklich was gewesen.

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Ecken und Kanten in Kehl

Donnerstag, 11. September 2014

Kehl, Encuentro. Im La Cita ist es zu eng geworden, so wird die Piste diesmal in die Stadthalle verlegt. Etwas glitschiger Boden, aber viel Platz, viel Luft und natürlich festliche runde Gruppentische. Damit wird auch die Tanzfläche eher rund als eckig, aber der Rempelfaktor hält sich in Grenzen.

DJ Paola legt eigentlich eine hübsche Mischung auf, doch irgendwie klingt es wie aus der Küchenquäke. Ich denke nicht, dass es an der Raumakustik liegt, denn direkt unter der Box klingt es keinen Deut besser. So sitze ich einige Tandas aus und widme mich dem Kuchenangebot, und wenn ich sehe, wer morgen Nachmittag auflegt, frage ich mich, ob ich da überhaupt erscheinen soll. Wir werden sehen...

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Kommentar von Tango_y_Amor@Minh

Bist Du Tänzer oder Mimose?

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Süffiges und Süsses in Kehl

Freitag, 12. September 2014

Kehl, Tag zwei. Die Tanzfläche ist annähernd zum Rechteck mutiert. Offensichtlich gab es inzwischen einen Soundcheck, denn an der Nachmittagsmilonga klingt es schon deutlich angenehmer als gestern Abend. Und Philippe hält heute sogar seinen Lautstärkeregler meistens im Zaum. Seine Cortinas sind wie üblich eher abschreckend, und die Umpa-Umpa-Runde als letzte Tanda hätte jetzt auch nicht unbedingt sein müssen. Nach viel Tanz und etwas Kuchen brauche ich dringend ein Nickerchen. Ach, und es gibt ein Programmheft mit einem grossen Bild von Cassiel. Die Tangueras tuscheln schon ganz aufgeregt.

Abends süffige Tandas mit DJ Deniz, zwischendurch beim Futtern (ja, exzellente Auswahl) gelegentlich absurde Diskussionen über externe Festplatten und den Hanky-Code. Kurz vor halb drei ist dann die Luft draussen. Und das Wochenende hat gerade erst begonnen...

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Weder Herz noch Kuchen in Kehl

Samstag, 13. September 2014

Kehl, Tag drei. Nachmittagsmilonga mit DJ Dario. Eigentlich ein schöner Mix, wobei mir für einen gemütlichen Kuchennachmittag ein wenig zuviel Dramatisches aus den Boxen entgegenkommt. Derart viele fantastische Tänze, dass ich ein wenig die Übersicht verliere. Ausserdem spüre ich danach bereits meine Füsse. Und das an einem Encuentro. Dann wäre da noch der running gag mit den Schuhregalen zu nennen, doch es gibt Witze, die lassen sich nicht in einem Blog erzählen....

Abends (Ja, 90 Minuten Pause sind extrem kurz) dann weiter mit DJ Chamaco. Viele durchaus schöne Tandas, aber oft genug leider auch Tandaanfänge mit seltsamem Zeugs, und an Position drei und vier kämen dann Gassenhauer. Doch die Nachfrage nach Gurus ist eh riesig, mir entgeht heute Abend praktisch der gesamte Kuchen. Es gibt Momente, da weiss man plötzlich wieder, weshalb man Tango tanzt. Um drei Uhr erklingt die Cumparsita, und meine Beine fühlen sich danach an wie neulich, als ich knapp drei Stunden lang von Stein-Säckingen nach Möhlin geschwommen bin.

An der Wand hängen übrigens die Fotos der Teilnehmer, manche sind gesäumt von Fanklebern. Ich male ein Herzchen auf einen rosa Zettel und bitte eine Tanguera, das Ding unauffällig bei meinem Foto anzubringen. Später muss ich feststellen, dass sie es an ein anderes Foto geklebt hat...

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Ohrensausen in der Kirche

Freitag, 26. September 2014

Euroskeptische Insel mit Falschfahrgebot, hoch montierten Duschköpfen, Äpfeln im Kühlregal und auf 50 Millimeter Öffnung beschränkte Hotelfenster? Genau, Vereinigtes Königreich, Bristol, Encuentro in der St. George's Church auf Brandon Hill. Beeindruckende knapp 200 Jahre alte griechische Säulen von aussen, innen doch eher nüchtern gehalten. Inzwischen ein Konzertsaal, wobei meine Ohren den Eindruck haben, sie befänden sich in meinem Badezimmer. Und das ist kein Kompliment.

Überall wuselt Security mit Knopf im Ohr herum, die Sitzordnung besteht aus leicht entschärften Kirchenbänken. Eine der Veranstalterinnen hat kurz zuvor die Damen noch daran erinnert, dass sie am Tisch sitzen bleiben müssen, bis der Mann vor ihnen steht. Ich halte diesen Rat (inbesondere gegenüber cabeceo-ungeübten Engländerinnen) nicht für besonders intelligent, aber glücklicherweise gelingt es mir mit blickkräftiger Mithilfe einiger Frauen, die Sitzordnung auszuhebeln.

Dann war da noch die Frau, die mit mir offen getanzt hat. Gewiss, kein Trauma, aber an einem Encuentro würde ich das doch eher als exzentrische Marotte bezeichnen. Der Tanzboden ist eigentlich ganz chic, wurde aber offenbar zuvor ausgiebig mit einem Zweikomponentenkleber (ich tippe auf Himbeersirup mit Kaugummi) behandelt. Dafür legt Lynn heute extrem süffig und auch nicht zu laut auf, doch gegen die Akustik kommt sie definitiv nicht an. Zumal die vier Böxchen auch nicht so ganz echte audiophile Schallwellen verbreiten. Vielleicht hätten sich die Veranstalterinnen doch nicht kurz vor dem Encuentro mit dem Tonmeister verkrachen sollen...

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Folgen in der Kirche

Samstag, 27. September 2014

Encuentro, Nachmittagsmilonga. Offenbar hat jemand kräftig die Planken geschrubbt, jetzt ist es deutlich angenehmer. Wunderschöne Tandas zu DJane Deborah (eine extrem hässliche Ausnahme gab es, und ich habe nicht die leiseste Ahnung, welches Orchester das war), und dann darf ich sogar mal wieder meine Folgerolle geniessen. Ich stehe noch immer unsicher, mein Gang ist der eines Betrunkenen, und von Giros spreche ich besser gar nicht erst. Es zaubert mir dennoch ein breites Grinsen ins Gesicht. Überhaupt sieht man an diesem Festival einige Frauen in der Führungsrolle, während mir an vergangenen Encuentros Tangueras schon sagten, sie seien vorsichtig, um es sich nicht mit dem konservativ denkenden Teil der Männer zu verscherzen. Abends legt DJ Stefan auf, der mich mit vielen unbekannten Stücken zwar etwas verwirrt, aber tänzerisch machte es dennoch Spass. Und ja, irgendwie ist es ungewöhnlich, wenn die Tanzpartnerinnen aus Orten wie Windsor oder Nottingham kommen...

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Abschied von der Insel

Sonntag, 28. September 2014

Encuentro, die Despedida. Schöne Abschiedstänze zu hervorragender Schokoladen- und Caramelversorgung. Angenehm leise Töne von DJ Céline, wobei ich teilweise arg lange auf langsame Stücke warten muss. Für mich ist die Despedida ein trauriger Abschied, da wird geheult und geschmachtet (auch wenn man genau weiss, dass man sich in zwei Wochen am nächsten Encuentro wieder sieht), und daher ist auch allzu rhytmisches Zeug irgendwie wenig passend. Erneut eine Runde als Folgender, und plötzlich ist das Wochenende auch schon vorbei, ganz ohne abschliessende Cumparsita. Ich hab inzwischen übrigens vier Frauen und einen Mann gezählt, die offen getanzt haben. Verwirrende Insel. Immerhin geht die Ronda rechtsrum...

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Weiterbildung in Leipzig

Samstag, 25. Oktober 2014

Leipzig, Workhop mit Melina und Detlef. Meine alte Schwäche: Ocho Cortado. Eigentlich bin ich beweglich, dachte ich. Und merke, dass insbesondere meine Schultern noch nicht ganz so beweglich sind, wie ich dachte, und das Eindrehen der Frau daher zweifelhaft bleibt. Nun geht es besser, zumindest ein wenig, und auch die gespiegelte Variante klappt halbwegs. Der Weg ist lang...

Abends Milonga mit DJ Stefan aus Halle: Seltsamer Mix, der mich nicht so richtig auf die Fläche zieht. Dunkle Ecken und Tische mit wenig Kerzen machen das Auffordern auch nicht gerade simpler. Wenige schöne Tänze mit Bekannten, und sogar meine Cortados scheinen zu funktionieren....

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Folgen und Schlenkern im El Corte

Samstag, 1. November 2014

Nijmegen, El Corte. Früh am Mittag geht es zur Drop-in-class mit Eric, zumal das einen Zutritt zur späteren Milonga garantiert. Denn hier gibt es keine Reservierungen, höchstens ein Platzlimit: Wer zu spät kommt, der bleibt draussen. Ganz drin bin ich allerdings auch nicht gleich zu Beginn, da ich keine Tanzpartnerin mitgebracht habe. So schnappt man sich eben Elcorte-gerecht einen Mann, und ja, Patrick darf mal wieder ausgiebig die Folgerolle geniessen.

Ausgerechnet heute geht es um sozialverträgliche Voleos. Ja, Voleos. Ich. Wo die Frau in mir doch kaum vernünftig gehen oder drehen kann, geschweige denn mit dem freien Bein locker rumschlenkern. Aber meine Männer besitzen eine Engelsgeduld, und laut dem Meister sieht es nach einer Weile sowohl vorne wie auch hinten ganz gut aus.

Beim Folgen erschliesst sich mir übrigens so ganz langsam eine Ahnung davon, dass Folgende ihren Tanzpartner anders auswählen als Führende. Auf den Punkt bringen kann ich das allerdings nicht, und vermutlich spielt es eh keine grosse Rolle, weil die Unterschiede zwischen den einzelnen Menschen grösser sind als zwischen den Rollen. Aber hey, ich spür meine Oberschenkel.

Dann gibt es noch Spurenunterricht: Oberschenkelbreite auf drei Spuren, teilweise mit gegenläufiger Richtung. Es klappt so gut, dass man sich glatt fragen könnte, weshalb es sonst so selten auf Milongas klappt. Auch mit der Musik spielt Eric ein wenig rum, und ich bin froh, dass an bei ihm keine Takte zählen muss. Ich hasse es, Takte zu zählen. Gerade im Tango, wo das spielerische Zeugs meist schon im Auftakt verwurstet wird.

Danach werden für die Nachmittags- und Abendmilonga ein paar Wartende reingelassen: Die Schlange vor der Türe ist ganz ansehnlich. Viele scheinen allerdings wirklich nur früh zu kommen, um drin zu sein, danach wird erst mal irgendwo zu Abend gegessen. So verläuft sich die Sache bis zum Abend ein wenig, doch spät in der Nacht ergeben sich dann dann wunderschöne Tänze. Wenn Nijmegen doch bloss um die Ecke wäre. Indes: Wie das mit der Suppe und den Kreuzchen funktioniert, das habe ich noch nicht herausgefunden. Für El Corte müsste wohl jemand mal einen umfassenden Reiseführer schreiben.

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Wohnwagen, Otros und Piazzolla

Sonntag, 2. November 2014

Nijmegen, Mittagsmilonga: Für den Abschied muss man hier etwas gar früh aufstehen, aber dafür geniesse ich die Atmosphäre und die Tänze ungemein. Um 15 Uhr beendet leider bereits die Cumparsita das Vergnügen, und ein Wohnwagenwitz erinnert mich daran, in welchem Land ich mich gerade befinde.

Abends nach Arnhem: Am Eingang hängt ein Otros Aires-Plakat, und auf der Tanzfläche wischmobbt ein Tänzer mit seiner Dame den Boden. Zum Glück kenne ich zwei Tänzerinnen, auch wenn ich die Pugliese-Piazzolla-Runde mit Plaudern übertünche. Schöne Schlussrunde zu Nontango. Nijmegen liegt gefühlt doch ziemlich weit weg.

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Vals in Kehl

Freitag, 12. Dezember 2014

Kehl, Encuentro. Nach langen Pausen nicht immer ganz leicht, in die Umarmung und das Gefühl reinzukommen. Gestern Abend hatte Taskin zu Beginn ein paar seltsame Dinge gespielt, danach aber ganz schön aufgelegt, vor allem aber widerstand er der Versuchung, das Geplapper mit dem Lautstärkeregler zu übertönen. Heute legt DJ Theo zwar süffig auf, dafür viel zu laut. Dazu treiben sich auch auf der Piste einige Leute rum, die nicht so recht Encuentro-tauglich sind -- dafür eifrige lokale Kursbesucher. Darüber könnte man unter dem Titel "Die Zwickmühle des kommerziellen Veranstalters" so einiges schreiben.

Viel gefuttert hab ich auch, doch die vorletzte Tanda mit Vals brachte dann den Schwebeeffekt und damit den schönen Abschluss. Die letzte Runde war dann nämlich eine recht komplexe Pugliese-Runde, und dafür wäre ich dann doch irgendwie zu müde gewesen.

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Wenn Totgespieltes dennoch begeistert

Samstag, 13. Dezember 2014

Kehl. Nachmittag mit DJ Claudia, komme die ersten 2,5 Stunden weder in die Musik noch irgendwie auf die Piste. Danach flutscht es dann wunderschön. Die Boxen klingen allerdings definitiv nicht gut....

Abends mit DJ Silencio: Einige arg seltsame Stücke, aber es macht durchwegs Spass zu tanzen. Interessant, dass die Kombination aus Invierno und Poema für Szenenapplaus reicht -- offiziell gelten die doch als totgespielt. Richtig voll ist die Piste nie, aber dennoch irgendwie anstrengend. Futtere zuviel Kuchen und staune am Ende über Fado statt Cumparsita. Gut klingen tut es übrigens immer noch nicht....

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Unsüss ins Neue Jahr

Mittwoch, 31. Dezember 2014

Apfelheim bei Heidelberg: Silvestermilonga. Offensichtlich viele Leute, die nur zum Essen gekommen sind. DJ Theresa legt schön auf, bis die magische Stunde schlägt und der verwiehnerte Walzer das Parkett beschlägt. Danach gibt es Firpo mit Feuerwerk (lautstärkemässig unentschieden, würde ich sagen), und der darauffolgende Pugliese war mangels Konzentration auch eine zweischneidige Sache. Dazu kommt, dass die Boxen hier schon lange einen grösseren Boxenstopp benötigen würden. So kam ich irgendwann auch noch zu den Keksen, und mit einer schönen letzten Tanda auch gut ins Neue Jahr. Leider keine Schokolade im Angebot.

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